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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Samstag, 22. Dezember 2012

Dichterhain: DAS NIEDERWALDDENKMAL von Walter Brusius

Das Niederwalddenkmal



Das Niederwalddenkmal stammt aus germanischer Zeit. 54 vor Kristus wurde es aus schwarzem Eichenholz errichtet. Es war eine Frau, eine Negerin, die in den Händen zwei Weinkrüge hielt. Dem Geschmack der Zeit entsprechend war die Frau dick, ihre Brüste etwas übertrieben groß. Aufgestellt wurde sie gegenüber von Bingen, im Hessischen, dort stand sie auf einem Hügel, hielt die Krüge und zeigte damit auffordernd nach Westen, Richtung Trier, d.h. mit dieser Geste zeigte sie den nachrückenden Germanen den Weg ins Römische Reich, wo es damals dicke Negerinnen und Wein im Überfluss gab. Das Denkmal war zu diesem Zeitpunkt übrigens grad mal eins49 hoch.

Erstmals renoviert wurde es unter Karl dem Großen. Er ersetzte die Holzskulptur durch eine aus Blei. Als Busenliebhaber ließ er allerdings die Brüste der Frau etwas vergrößern. Auch die Negerin, da Negerinnen mittlerweile aus der Mode gekommen waren, ersetzte er dem Geschmack der Zeit entsprechend durch eine Araberin. Er verrückte sie auch etwas, sie zeigte nun weiter südlich, mit zwei riesigen Rotweinhumpen in der Hand nach Ingelheim, wo Karl inmitten von Rotweinstöcken in seiner Pfalz residierte. Das neue Denkmal war etwas größer, immerhin schon eins53. Auch stellte Karl die Skulptur auf einen Sockel aus Buntsandstein. Rechnet man diesen einstufigen Sockel mit, hatte das Denkmal inzwischen schon eine Höhe von 2Meter10.
Grundlegende Veränderungen ergaben sich erst wieder im Jahre 1492 mit der Entdeckung Amerikas. Man drehte die Figur erneut, mit 2 Bananen in der Hand zeigte sie nun rheinabwärts, Richtung Koblenz und Amsterdam, wies Eroberern und aufbrechenden Siedlern aus Hessen und Nassau über diese Stationen den Weg nach Amerika. Glück und neue Üppigkeit verheißend, hatte man ihre Brüste wiederum beträchtlich vergrößert und erstmals wurde sie in einer Höhe von eins73 in wetterfester Bronze gegossen. Es war wieder eine Negerin, Araberinnen waren nicht mehr modern, dem Geschmack der Zeit entsprechend, hatte man wieder eine Negerin aufgestellt. Lange Zeit stand sie so mit den Bananen nach Amsterdam zeigend auf der Höhe, trotzte Regen und Hagel.

Erst nach der französischen Revolution, im Jahre 1871, ergaben sich wieder Veränderungen. Erstmals erhielt die Skulptur moderne Züge. Sie zeigte nun eine Europäerin. Ihre Brüste allerdings wurden dem Zeitgeschmack entsprechend etwas vergrößert. Die Figur wurde in Eisen gegossen in einer Höhe von 36 Metern. Der alte Buntsandsteinsockel von Karl dem Großen wurde nun durch einen aus Basalt ersetzt, mehrstufig, 12. Rechnet man diesen Sockel mit, hatte das Denkmal nun eine Höhe von 54 Metern! Die Dame wurde wieder nach Westen ausgerichtet, hielt Brot und Wein und zeigte nach Paris! Wieder folgten die Germanen ihrem Ruf, eroberten Paris, saßen dort, hatten Europäerinnen auf dem Schoß, tranken Wein und aßen Baguette.

Nachdem Paris und große Teile Westeuropas, auch Mallorca und die Kanarischen Inseln erobert waren, nahm man ihr Brot und Wein, drückte ihr ein Schwert in die Hand und sie zeigte damit zu den Sternen. In einem Bunker in der Eifel begann man mit dem Bau einer riesigen Sternenflotte. Leider verhinderte ein neuer Krieg und nachfolgende Finanzkrisen bisher deren Start.

Noch immer zeigt Germania mit dem Schwert nach den Sternen. Leider ist das Denkmal in den letzten Jahren arg in Verruf geraten. Man spricht von Japanern, in den Weinbergen stapele sich der Müll. Diese Aussagen sind nur bedingt richtig. Ich selbst befand mich mit meinen Männern im Winter 1993 und im angrenzenden Frühjahr 94 dort oben. Wir verfolgten in diesen Wochen den Tiger von Eschnapur. Wir jagten nach der Bestie in den angrenzenden Wäldern im Südhessischen und am Vogelsberg. Abends traf ich mich mit meinen Männern am Niederwalddenkmal. Wir kampierten dort, in Zelten, etwa 15 Meter abseits. Wir saßen auf den Stufen, es ging sehr gesittet zu. Prado Pradesch, ein Portugiese und der derzeitige Besitzer des Denkmals, er betreibt im gegenüberliegenden Bingen und Bingerbrück ein Taxi-Unternehmen, stieß jeden Abend zu uns. Seine Männer reinigten mit Besen die Stufen, sammelten Flaschen und Tüten ein. Mit Prado saßen wir auf dem Sockel, tranken Wein und schauten nach Westen. Wir sahen die Sonne, den Rhein, die Burgen und unten das Binger Loch. Wir erzählten. Prado von seinen Nachtfahrten, aber wir, allesamt erfahrene Jäger, konnten auch das ein oder andere Stück zum Besten geben. Es war eine schöne Zeit. Im Februar stellten wir dann die Bestie in einer Waldsenke, etwa 5 oder 8 Fußminuten vom Denkmal entfernt. Der Tiger wehrte sich tapfer, doch nach etwa 3 Stunden war der Sieg unser! Wir zogen ihm das Fell ab, ein Riese. Wir nähten mehr als 136 Mäntel daraus, auch aus den Ohren und Pfoten machten wir noch Hüte, Slips, Puls- und Wadenwärmer. Es war ein lohnendes Geschäft. Wir verkauften den ganzen Plunder an ein Modehaus in München. Danach zog ich mit 15 meiner Männer auf die Ölfelder von Sprendlingen. Wir halfen dort beim Aufstellen der Bohrtürme, schwarze Monster. Wir stellten über 300 davon auf. Schwarz und dunkel ragten sie in den Himmel. Am 3. August 1997 kam es dann zu dieser tragischen Explosion, bei der ich 12 meiner Männer verlor. Gemäß alter rheinhessischer Tradition bauten wir aus Holz ein Schiff, in dem wir die Leichen der Kameraden verbrannten. Aus alten Rotweinfässern errichteten wir einen Scheiterhaufen, in dem wir das Schiff verbrannten. Die Asche streuten wir in den Wind. Unter den zahlreichen Trauergästen befand sich auch Prado Pradesch aus Bingen. Er stand unmittelbar neben mir. Als er das Schiff in Flammen sah, stieß er mich an und sagte, daß er noch ein altes schwarzes Taxi besäße, und daß er es gerne gesehen hätte, wenn wir die Kameraden in diesem Taxi verbrannt hätten. Ein nicht uninteressanter Gedanke. Warum nicht? Man sollte Neuerungen gegenüber nicht unaufgeschlossen sein! Die letzten 3 meiner Männer gingen nach England. Dieser Tage noch erhielt ich eine Karte. Sie arbeiten allesamt als Lockenwickler beim Lord von Kensington. Ich selbst bin zurzeit Nachtwächter im Mäuseturm, für 13 Dollar die Sekunde. 

© Walter Brusius
Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und Autor. Mehr Informationen.
 
 
 

Freitag, 21. Dezember 2012

Fantasien zur Nacht: DIE LIEBE ERWACHT von

Die Liebe erwacht

entkleide dich
vor meinen Augen
und zeige mir
das Glühen deiner Gestalt

trage mich sanft
in das unberührte Land

in dem es kein Laut und Leise gibt
kein Außen und Innen
nur Sonne und Mond
und wir

dort will ich dich finden
deine Flüsterstimme trinken
dich mehr
und mehr ergründen

bis uns nichts
auf dieser Welt mehr trennt.


(c) Erika Ott

Lesetipp: MERRY FISHMAS von Arezu Weitholz


Arezu Weitholz
Merry Fishmas
Vierundzwanzig Fischgedichte fürs Fest

Auf den Band "Mein lieber Fisch" folgen nun 44 heitere und kluge Fischgedichte von Arzu Weitholz, dieses Mal mit dem Schwerpunkt Weihnachten. Merry Fishmas!

- Fischgedichte fürs Fest - in bester Tradition von Ringelnatz, Morgenstern, Gernhardt & Co.
- Mit zweifarbigen Illustrationen von Arezu Weitholz

Heute Abend: SECONDHAND MANN von Carsten Höfer


CARSTEN HÖFER:"SECONDHAND MANN"
- GEBRAUCHTE MÄNNER LIEBEN BESSER" - Der Frauenversteher und Tagesabschlussgefährte präsentiert sein neues Programm.
              am Fr, 21.12.12                 Beginn: 20:30    Einlass: 19:00
halbNeun Theater + Sandstr. 32 + 64283 Darmstadt + Tel.: 06151 23330 (Abendkasse)
Artist

Preise (EUR): VVK AK
freie Sitzplatzwahl:
17.50
18.00
  freeplace




Ermäßigt für Berechtigte
Entsprechende Berechtigungsausweise mitbringen!

SECONDHAN-MANN, was ist das eigentlich? Wir kennen Secondhand-Kleidung, die haben andere bereits vor uns getragen, Secondhand-Autos, die haben andere dann schon vor uns gefahren und Secondhand-Männer, nun, die haben andere Frauen eben schon vor Ihnen, tja, „genutzt.“

Und sind wir mal ehrlich, einen fabrikneuen, gänzlich unbehandelten Mann bekommen sie heutzutage ja kaum noch. Ist ja auch gar nicht sinnvoll. Ein waschechter, staatlich geprüfter SECONDHAND-MANN ist bestenfalls mindestens einmal geschieden worden. Solche Männer sind die wahren Helden moderner Frauen! Sie haben den Stürmen des Lebens getrotzt, sind aus der Asche vergangener Beziehungen zu neuem Leben erwacht und bringen fantastische Lebenserfahrungen mit, von denen jede Frau profitieren kann. Verwöhnen Sie sich mit einem kabarettistischen Kurzurlaub für Frauen und Männer mit Erfahrung.
Intelligente und unaufgeregte Unterhaltung, die auf gängige Klischees und Humor unterhalb der Gürtellinie verzichtet. (WAZ)

"Schlittenfahren im Winter an der Obermosel" von Karin Michaeli


Ein bisschen Gruseln gefällig ?



Das kleine Dorf an der Mosel, von dem hier die Rede ist, liegt am Hang. Oben auf dem Berg steht eine alte Kapelle. Die war vor tausend Jahren besiedelt von Mönchen. Sie lebten dort vom Weinanbau und von Viehzucht. Wie man erzählt, verstanden sie es gar gut, einen kräftigen Schluck aus der Flasche zu nehmen an hohen Fest- und Feiertagen. Manchmal trieben sie es so arg, das sie im Innenhof des Klosters zu heiteren Gesängen im Kreis tanzten und man erzählt sich, das diese Feste oft bis in die frühen Morgenstunden dauerten. Im Dorf unterhalb der Kapelle hallte das Echo der Gesänge nach und die Menschen schauten angstvoll nach oben, bekreuzigten sich und bekamen es mit der Angst zu tun. Niemand aus dem Dorf war je zugegen bei diesen Feiern und niemand wußte, was dort wirklich geschah. Manch einer versuchte schon mal heimlich des nachts über die Mauern zu schauen – aber die waren so hoch, das man beim beim besten Willen nichts sehen konnte. Aber es erschall schon mal eine Stimme: „Fort mit Euch, Ihr Lumpengesindel, haut ab !“

Man spekulierte, das vielleicht aus dem nahegelegenen Kloster des Nachbardorfes die Nonnen dort mit feierten – hörte man doch hin und wieder ein weibliches lautes Lachen in der Nacht erklingen.

Es war ein sagenumwobenes altes Kloster und die Geschichten um die Mönche verdichteten sich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr. In meiner Kindheit in den sechziger Jahren waren die Geschichten schon so weit gediehen, das man den Mönchen unterstellte, sie würden nachts mit den Totenschädeln des nahegelegenen Friedhofes Fußball spielen.

Wir Kinder liebten es, abends mit den Erwachsenen auf den hohen Berg zu gehen mit Schlitten und Bobs. Ein Bob war damals keine Hartschale, mit der man Eiswände herab fegt. Ein Bob war ein langer selbst gebastelter Schlitten aus Holz, auf dem bis zu 15 Leute hintereinander sitzen konnten.

Die „guten“ Bobfahrer hatten Mitleid mit uns neidischen Kindern mit den kleinen Schlitten und holten uns auf dem Bob mit – eng eingequetscht zwischen den Erwachsenen. Die kleinen Schlitten wurden einfach hinten an den Bob dran geknüpft und darauf setzten sich dann die Erwachsenen, die uns den Platz auf dem Bob überlassen hatten.

Die Fahrt nach unten ging von der alten Kapelle bergab bis hin zum Ufer der Mosel, wobei der gute Bobfahrer früh genug abzubremsen verstand, damit wir nicht alle im Wasser landeten. Es waren immerhin an die sieben Kilometer Fahrt – da kommt ordentlich Speed auf das Gefährt. Johlend und schreiend ging die rasante Fahrt nach unten. Vor Autos brauchten wir uns nicht zu fürchten. Die fuhren zu dieser Zeit am Abend noch nicht diesen Weg, der heute eine Bundesstrasse ist und nicht mehr mit dem Schlitten befahren werden kann.

Eines Abends entfernte ich mich mit dem Nachbarjungen Benjamin heimlich von der Schlitten fahrenden Schar in Richtung Friedhof vor der Kapelle. Wir hatten den Plan, um Mitternacht zu schauen, ob dort tatsächlich die Mönche immer noch Fußball mit den Totenschädeln spielen, so wie es die Sage erzählte. Es war eine Mutprobe zwischen mir und Benjamin. „Wetten, das Du Dich nicht traust, um Mitternacht dorthin zu gehen“ sagte Benjamin zu mir. „Doch, wenn Du mitkommst, mache ich das“, lautete meine mutige Antwort. Sie war sehr mutig, weil Benjamin war klein und hätte mich niemals beschützen können – dachte ich. Benjamin liebte mich. Das war mir schon seit dem 2. Schuljahr klar – aber er interessierte mich nicht, weil er so klein und schwächlich war.

Außerdem lief ihm immer die Nase und das sah unappetitlich aus.

Wir waren also so gegen elf Uhr am späten Abend alleine auf dem kalten Friedhof und vor Mitternacht würde die bob fahrende muntere Schar nicht wieder oben sein. Wir konnten also in aller Ruhe abwarten, was geschieht. Totenstille herrschte auf dem schneebedeckten Friedhof. Der Schnee lag unschuldig und unberührt auf den Gräbern und den Friedhofswegen und es war noch nicht mal der Abdruck einer Krähe darauf zu sehen. Die Turmuhr schlug halb zwölf und in der Kapelle ging langsam ein diffuses Licht an. In dem Moment sank unser Mut bis in die Hose und wir klammerten uns aneinander. Benjamin meinte, er müsse mal eben hinter einem Baum verschwinden, um Wasser abzulassen. Er kam und kam nicht wieder. Ich wurde nervös, schlich zu dem Baum – aber Benjamin war nicht zu sehen. In den Bäumen raschelte es und ein Rabe flog erschrocken vom Geäst. Ich schaute nach oben in eine Fratze, die das Aussehen eines Totenschädels hatte. Nach einem Wischen über die Augen war die Fratze wieder weg und ich nahm allen Mut zusammen und rief laut „Benjamin, wo bist du ?!“ Nichts rührte sich. Angst fing an, sich meiner zu bemächtigen. Es war kurz vor Mitternacht und das Licht in der Kapelle wurde heller und heller. Kleines Glockengeläut drang nach außen und ich zitterte vor Angst wie Espenlaub. Starr vor Angst stand ich an den Baum gepresst mit weit geöffneten Augen. Vielleicht hatte nun meine letzte Stunde geschlagen, dachte ich mir und ich war bereit, alles was jetzt kommt, zu ertragen. Die Angstlähmung in mir ließ auch keine andere Wahl.

Die Turmuhr schlug 12 Uhr Mitternacht. Jetzt, jetzt musste es losgehen. Ich wartete auf die Mönche, die nun vielleicht auch mit meinem kleinen Kinderkörper Fußball spielen würden und mit schreckgeweiteten Augen sah ich, wie die Tür der Kapelle sich öffnete. Und in der erleuchteten Kapelle stand nun die gesamte Bob- und Schlittenfahrgemeinschaft in der Tür und sang „Happy Birthday to you“. Und Benjamin löste sich aus der Menge, trat auf mich zu und reichte mir einen Weihnachtsmann aus Schokolade. „Darf ich Dir als erster zum Geburtstag gratulieren?“, fragte er schelmisch lächelnd und drückte mir einen nasentriefenden feuchten Kuss auf die Wange. Meine Reaktion folgte in Sekundenschnelle – die Erlösung, das hier kein Massaker stattfinden würde, machte einer hellen Wut Platz und ich scheuerte ihm eine auf die Wange, das diese rot anlief. „Du Sauhund!“ schrie ich, „du Sauhund...“. Alle lachten, fingen an zu singen und brachten mir ihre Geschenke dar. „Du wolltest es immer wissen“, sagten sie, „Du hattest immer die größte Klappe, wenn es drum ging, herauszufinden, wo was los ist ! Und jetzt hast Du hier mal Dein Abenteuer! Na, gefällt es Dir?“

Nein, es gefiel mir nicht. Ich wollte nur zu Hause bei Mama und Papa sein und nie wieder heimlich abends mit den Erwachsenen Bob fahren. Denn die Bobfahrten hatte ich mir redlich erschlichen, indem ich zu Hause Lügen erzählte, ich würde die Oma Lissi betreuen, die sich am Abend so fürchtete. Aber Mama und Papa wussten wohl Bescheid und traten als letzte aus der Kapelle mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Lügen haben kurze Beine“, lachten sie mir zu, nahmen mich in die Arme und küssten mir die Tränen weg


Mit Benjamin bin ich seit 30 Jahren verheiratet. Nach dieser Geschichte sah ich niemand anderen mehr an. - Aber wenn er im Januar Geburtstag hat, wird er eine Überraschung erleben. Meine Koffer sind gepackt. Das Ticket für Kuba ist organisiert. Ich kann fließend spanisch sprechen. Das habe ich in dreißig Jahren heimlich gelernt und in Kuba werde ich mit Benjamins Lebensversicherung ein neues Leben anfangen.

Die Überraschung wird perfekt sein. So wie damals vor 40 Jahren werde ich ihn zur Kapelle bitten um Mitternacht und ihm sagen, dass ich mal Wasser lassen muss hinter einem Baum. Er wird um Mitternacht die Tür zur Kapelle öffnen, weil er meine Stimme von innen rufen hört „Benjamin, komm doch rein – Deine Liebste wartet auf Dich!“ -

Nach meinem heimlichen Elektrikerkursus in Frankreich bin ich in der Lage, eine Türklinke unter Starkstrom zu setzen und alle Relikte, die auf einen Kurzschluss hinweisen, zu entfernen. Er hatte immer schon ein schwaches Herz, der kleine kränkliche Benjamin mit dem feuchten Schnodder unter der Nase ...

Mein Alibi ist perfekt. Ich beherrsche den Computer nach einem PC-Kursus in Luxemburg meisterhaft und während er vor der Kapelle den Weg ins Jenseits antritt, schreibe ich eine Geschichte zu Hause. Eine Geschichte darüber, wie man kleine Kinder erschreckt ...

Oh, übrigens:

Die Geschichte ging gut aus für mich. Ich sitze in Varadero am Strand mit einem Coctail und klappere auf meinem Laptop in meinen Erinnerungen und dabei fiel mir diese wichtige Geschichte ein.

(c) Karin Michaeli

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Übrigens: Heute ist der 200. Geburtstag der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Die Brüder Grimm bei der Recherche


Heute ist der 200. Jahrestag eines ganz besonderen Ereignisses der Literaturgeschichte, und er läutet ein Jahr voller Festivitäten ein: Am 20. Dezember 1812 erschien der erste Band der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Das Jahr 2013 ist ihnen und ihrem bedeutenden Beitrag zur Bewahrung des deutschen Volksguts gewidmet.
Ursprünglich waren die Erzählungen von bösen Hexen, Prinzessinnen, verwünschten Traumprinzen, Flüchen, Zaubersprüchen, sprechenden Tieren und Riesen nicht für die Kleinen gedacht. Märchen galten als Unterhaltungsgeschichten – oft gruselig oder obszön –, die sich Erwachsene abends, wenn die Kinder im Bett waren, bei geselligen Runden erzählten.

Der romantische Dichter Clemens Brentano wollte Anfang des 19. Jahrhunderts ein Märchenbuch herausgeben und bat die beiden Studenten Jacob und Wilhelm Grimm für ihn zu arbeiten und Geschichten zu sammeln. Die Brüder schrieben daraufhin drei Jahre lang Texte aus alten Büchern zusammen.

Sie wurden fündig bei Hans Sachs, Luther und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, aber auch in französischen Sammelbänden der Aufklärung, in der Barockliteratur, und sie ließen sich mündlich Geschichten zutragen.

Als sie fertig waren, interessierte sich Brentano allerdings nicht mehr für ihre Arbeit. Damit die Erzählungen nicht verloren gingen, gaben sie am 20. Dezember 1812 in Berlin eine Anthologie heraus. Das Buch war ein Flop, kein Mensch interessierte sich.

Erst als Wilhelm Grimm die Geschichten überarbeitete, die Texte kindgerechter machte und von allen sexuellen und obszönen Anspielungen befreite, außerdem illustrierte und die Anmerkungen seines Bruders Jacob herausstrich, wurden die "Kinder- und Hausmärchen" zu dem Erfolg, den sie heute noch genießen.

Christmas Moments mit Ella Endlich - eine Weihnachtsshow fürs Gemüt




15 Jahre Christmas Moments und kein Ende ... In Ramstein begegnete mir am 17.12.2012 eine sehr sehenswerte Show von Thomas Schwab & Band zu Weihnachten, die mal ganz amerikanische Party, Dancing Club, Musical und gleichzeitig auch tiefste christliche Kontemplation mit Gottesverehrung war. Also sowohl für Liebhaber von American Shows und Musicals geeignet als auch für Christen, die mal rockig ihrem Gott höchste Ehr erbieten wollen.

Wer danach noch nicht weihnachtlich gestimmt ist, braucht noch mehr, obwohl das fast nicht möglich ist bei diesem dichten Angebot von Liedern, Szenenwechseln und wunderbaren Stimmen. Höchstens mehr Kitsch fürs Volk, der sich ja auch bestens verkauft. Der war hier nur punktuell stark bemüht, aber das Publikum liebt es so. Eine beachtliche Bühnenshow mit super Lighteffekten, Video- und Fotoprojektion, die Musicalelemente, Romantik, Religion, Rockkonzert und Theater zusammenführt. Der Weihnachtsbaum wurde gegen Ende der Show eigens illuminiert.

Besonderes Highlight bei der diesjährigen Tournee ist die angenehme, klare Stimme und reizende Erscheinung von Ella Endlich, die sich perfekt in den Ablauf und das Ensemble integrierte. Einmal verschlug der Armen der Kunstschnee in "Born is the King of Israel" glatt die Stimme, was ihr Duettpartner aber bestens auffing.

Ob Guido Illigen, vor 1998 bei Schwab schon dabei, mit seinem "Kleinen Trommler" zu Beginn, oder David Moore, die Olympiastimme der USA 2004 mit Musicalschwerpunkt, und Valerie Scott, aus der Gospel und Background-Vocals-Tradition u.a. für Michael Jackson, Gloria Gaynor und Mick Jagger kommend und auch als Solosängerin mit einem Top-10-Hit in Deutschland erfolgreich - beide in sanften, vehementen oder erotischen Duetten -, Oliver Rohles, Sänger, Drummer, mitwirkend bei Musicals und Rockbalett, besonders stark in einer Vertonung von Erich Kästners "Der 13. Monat", und Charles Simmons mit herausragender Stimme, die er seit Jahren als Sänger, Vocal-Couch, Dozent an der Mannheimer Popakademie undundund unter Beweis stellt, mit sehr überzeugender Stimmdarbietung, Ella Endlichs faszinierende Parts und sexy Auftritte, inklusive "Küss mich, halt mich, lieb mich", hinreißend, marilynmäßig mit Kultverdacht, Meike Anlauffs ebenso hervorragende Stimme und Erscheinung, eine wirklich erstklassige Sängerin, die schon vor 7 Jahren mit Peter Maffay tourte, oder der Weihnachtsgeist, der uns dann bis zum Ende begleitete: ein professionelles Ensemble von einer professionellen Band begleitet. Thomas Schwab, der musikalische Leiter und Produzent, am Klavier, spielend, moderierend und singend, Andreas Dürr souverän am E- oder Kontrabass, Ingo Esch am Schlagzeug und Percussion, seit 12 Jahren in der Band, Sören Jordan, seit 3 Jahren dabei, erfolgreicher Gitarrist bei unzähligen Projekten, Andreas Steffens, Saxophon, Flöte, Komponist, bereits seit 1997 dabei, mit Albert Mangelsdorff und Peter Herbolzheimer auf der Bühne, und schließlich Volker Wühr, Pianist, Keyboarder, seit 2001 dabei. Regie und Choreographie sehr beeindruckend von Paul Kribbe.

Witzeinlagen und Aufheiterungen übernahm der Weihnachtsgeist, der aber auch besinnlich und nachdenklich sein konnte: "Soll man sie mögen, diese Welt? Ich sage, wir sollen es üben." Zur Animation auch ein Weihnachtslied-Quiz, das lustig für Publikumsbeteiligung sorgte. Der Weihnachtsgeist wird abwechselnd von Alexander Grünberg und Hendrik Winkler gespielt.

Highlights waren u.a. die 2011-Hymne "Light up", die Erinnerungskiste des Weihnachtsgeistes, David Moore solo mit "Deine Schönheit ist unbeschreiblich" (Lobgesang auf Gott), "Save the Lights, it's Christmas", dann ein Kontrast aus Rock 'n' Roll und Halleluja, die "Stille Nacht" von Ella Endlich im Büßerhemdchen vor einem Sternenhimmel mit stürzenden Kometen und das Schlusslied "Let us adore him" sowie die Zugabe "Traum von Bethlehem". Eine wirkliche Wucht, diese Weihnachtsshow!

Jetzt noch vor Weihnachten schicken lassen: WINTERHAUCH von Harma-Regina Rieth

Krumme Tanne ist am Ende der Star: Eine Weihnachtsgeschichte von Harma-Regina Rieth

Fischbach - Eigentlich kennt man bislang vor allem ihre Gemälde: mal poetisch, mal sozialkritisch, mal düster, mal bunt wie das Leben. Die Künstlerin Harma-Regina Rieth schreibt aber auch. Und dieser Tage erschien ihre erste Winter-Geschichte: eine Art Weihnachtsmärchen, das jede Menge Nächstenliebe und Wärme ausstrahlt - genau die richtige Lektüre für die anstehenden Feiertage und für kleine wie auch große Leser bestens geeignet.'
Rieth, mittlerweile dreifache Oma und immer wieder gerne mit den Enkeln beschäftigt, erzählt unter dem Titel "Winterhauch: Der unscheinbare krumme Tannenbaum" eine Geschichte, die letztlich das Leben selbst schreibt: Die kleine Merle pflanzt mit ihrem Großvater Tannenbäumchen. Ein geknicktes Pflänzchen will der Opa gar nicht erst in die Erde setzen. Es sei krumm und werde niemals als Tannenbaum in einem Wohnzimmer erstrahlen. Merle, seit einem Unfall kann sie nicht mehr gut laufen, sieht das nicht ein und setzt ihren Willen durch.
Die krumme Tanne steht Jahr für Jahr im Wald, keiner nimmt sie mit, und die anderen schönen Tannen verspotten sie… Letztlich nimmt das Ganze dennoch ein glückliches Ende: Und die eben nicht so perfekte Tanne stellt alle anderen in den Schatten, die ohnehin lieblos behandelt werden oder auf dem Müll landen. Das Cover hat Rieth natürlich selbst gemalt: Es zeigt die kleine Merle.
Die Fischbacherin erzählt: "Jeden Sonntag sind wir Kinder mit den Eltern in die Winterhauch spazieren, oftmals bis nach Idar-Oberstein, da erinnere ich mich noch gerne dran. Wir waren daheim in Nahbollenbach fünf Kinder und mussten natürlich alles übers Jahr abernten, was in der Winterhauch für den Winter als Vorrat eingemacht und eingekocht werden konnte: Walderdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Pilze, Haselnüsse sowie Reisig und Winterholz." 2007 begann sie, ihre Kindheitsgeschichten aufzuschreiben: "Und dabei liegt mir meine Heimat, unsere schöne Region hier, sehr am Herzen, daher wird sie in meinen Texten einbezogen." Als dann die Enkelkinder - Paul, Moritz und Frida - auf die Welt kamen, begann sie, Geschichten für Kinder zu schreiben: Die erste Geschichte war "Winterhauch". "Ich habe noch weitere Weihnachtsgeschichten geschrieben und möchte nun jedes Jahr eine drucken lassen, sodass sie später in einem Bücherschuber zusammenkommen", blickt sie in die Zukunft. Wer ihre Bilder kenne, könne sich vorstellen, dass auch die Geschichten einen Hintergrund haben: "Und ich möchte auch dort mit dem Zeigefinger auf unschönes Verhalten zeigen." Die Botschaft lautet: "Miteinander und nicht gegeneinander sollten wir leben. Und wir sollten liebevoller miteinander umgehen."

Artikel aus der Rhein-Zeitung (Redakteurin Vera Müller)


Eine lehrreiche Geschichte über Arroganz, Eitelkeit, Neid, Weihnachten, Behinderung und wirkliches Christsein ... Wie ekelhaft Zeitgenossen sein können! Aber selbst vernünftige Menschen sind schnell dabei mit einem Vorurteil. Egal ob Mensch oder Tannenbaum, sie giften sich oft an und den Schwächeren noch mehr. Nur ..., das Leben hält für jeden eine gewaltige Lektion parat und am Ende geht es dem Verspotteten gut, nicht den anderen! Ich hab Harma-Regina Rieth das gut und stabil, sogar mit Fadenheftung ausgestattete Büchlein durchgesehen, gesetzt und nach ihren Vorstellungen gestaltet. Wer ebenfalls regionale oder überregionale Veröffentlichungen plant, kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen. Die Erstauflage sind 300 Stück, der Preis für 24 pralle Seiten Text in Schwarzweiß und Vierfarbcover vorne und hinten bei der Autorin 5 EUR plus Versand.

Ausgewählte Filme in München im Werkstattkino (Übersicht)

Filmreihe zur Ausstellung „ECM – Eine kulturelle Archäologie“


Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Musik von ECM (Edition of Contemporary Music) zu einer eindrucksvollen Ressource für zeitgenössische Filme etabliert. Manfred Eicher, Gründer von ECM, hat sich intensiv mit Film auseinandergesetzt und mit Regisseuren wie Jean-Luc Godard und Theo Angelopoulos zusammengearbeitet.
Die zwölf Filme, die im Münchner Werkstattkino präsentiert werden, stammen von Filmemachern, die Manfred Eicher in seinen frühen Jahren inspiriert und sein Verständnis von Musikproduktion geprägt haben. Gezeigt werden Werke von Ingmar Bergman, Jean-Luc Godard, Robert Bresson, Andrej Tarkovsky und Theo Angelopoulos, ebenso wie Filme mit Musik von ECM-Künstlern.
"Nouvelle Vague" markierte den Beginn der künstlerischen Zusammenarbeit zwischen Jean-Luc Godard und Manfred Eicher und enthält Musik von Dino Saluzzi, David Darling, Meredith Monk sowie Hindemith-Interpretationen von Kim Kashkashian. In Gus van Sants "Gerry" bestimmt Arvo Pärts Musik das emotionale Klima und Michael Manns "The Insider" setzt Pärts "Litany" und Jan Garbarek "Rites" auf kraftvolle und bewegende Art und Weise ein. Die Filmreihe endet mit "Holozän", bei dem Manfred Eicher zusammen mit Heinz Bütler Regie führte. Der Film basiert auf der Novelle "Der Mensch erscheint im Holozän" von Max Frisch und enthält Musik von Johann Sebastian Bach, Béla Bartók, Dmitri Schostakowitsch, Paul Hindemith, Keith Jarrett und Jan Garbarek. 




→ Theo Angelopoulos: "Der Bienenzüchter", Dienstag, 25.12, 17.30 Uhr 
→ Theo Angelopoulos: "Landschaft im Nebel", Dienstag, 25.12, 20 Uhr
→ Andrej Tarkovsky: "Stalker", Mittwoch, 26.12, 20 Uhr
→ Theodor Kotulla: "Zum Beispiel Bresson" und Robert Bresson: "Mouchette", Sonntag, 13.01, 18 Uhr
→ Gus van Sant: "Gerry", Sonntag, 03.02, 16 Uhr 
→ Michael Mann: "The Insider", Sonntag, 03.02, 18 Uhr
→ Andrey Zvyagintsev: "The Return", Sonntag, 10.02, 16 Uhr
→ Heinz Bütler/Manfred Eicher: "Holozän", Sonntag, 10.02, 18 Uhr

Filmreihe im Werkstattkino, Fraunhoferstraße 9,
 Karten
5 € / 6 € (bei Überlänge)
erhältlich an der Kasse im Werkstattkino
www.werkstattkino.de

Dichterhain: GENOSSE VATER von Carmen Olivar





















Genosse Vater



Als Kind hatte ich Dir vertraut,
warst mein Vorbild,
mein kleiner Gott.
Ja, ich vergötterte Dich.

Ich erinnere mich,
wie wir beide diskutierten,
sangen und lachten.
Vater-Tochter-Glück.

Ich, ich liebte Dich einfach nur.
Du gabst mir Deine
Liebe und Zuwendung,
fast schon zu viel ...

und ich,
ich glaubte Dir,
war voller Vertrauen
und hatte niemals Zweifel.
Später jedoch,
als Frau und Mutter,
begriff ich!


All die Jahre
meiner Kindheit und Jugend,
hattest Du mich belogen.
Deine Liebe war nur geheuchelt,
aus purem Eigennutz, für Dein
Emporsteigen auf der Leiter des
Erfolgs.

Da hinein passten meine kindlichen
Gedanken, Phantasien und Gefühle nicht,
ich hatte mich Dir unterzuordnen
und Du ...
Du wusstest es mit „Liebe“ zu verpacken.

Diese tiefen Wunden auf meiner Seele
heilen nur sehr schwer.
Du hast sie mir zugefügt,
zu leugnen nützt nichts,
und dennoch vergebe ich Dir,
um meinen inneren Frieden zu finden.

Endlich Frieden,
endlich Stille in mir.



23.10.1997, Carmen Olivar

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Dezember-Erscheinungen bei ECM





Cover
Die letzten beiden ECM-Neuheiten des Jahres 2012






Special Edition war nicht nur eine Band mit wechselnder Besetzung und deshalb einem ungewöhnlichen Aufkommen an hochkarätigen Solisten (darunter David Murray, Arthur Blythe und Chico Freeman) – die Formation war auch eines der anspruchvollsten Vehikel für die umfassenden Talente des musikalischen Allrounders Jack DeJohnette. Nun veröffentlicht ECM im Jahr von DeJohnettes 70. Geburtstag eine 4-CD-Box, die die Alben „Special Edition“, „Tin Can Alley“, „Inflation Blues“ und „Album Album“ enthält. Aufgenommen wurden die Alben zwischen 1979 und 1984, und von den Originalbändern für ECM’s Old & New Masters Series remastert. 














Cover

Musik wird gerne als die einzig wahre Weltsprache bezeichnet – und doch bleibt auch in ihr die wirkliche Überwindung sozialer, kultureller und stilistischer Grenzen eine große Herausforderung. Norbert Wiedmer, den viele von Ihnen als einen der beiden Autoren des Films „Sound And Silence“ kennen, zeigt in „El Encuentro“, seinem Filmporträt einer ungewöhnlichen musikalischen Partnerschaft, wie der argentinische Bandoneon-Großmeister Dino Saluzzi und die deutsche Cellistin Anja Lechner durch einen geduldigen, achtsamen Prozess gegenseitiger Annäherung dieses Ideal erreichen. „El Encuentro“ (dt. die Begegnung), untertitelt „ein Film für Bandoneon und Cello“, folgt seinen Protagonisten zu Schauplätzen in Argentinien, Deutschland, Armenien, Italien, Holland und der Schweiz. Höhepunkt dieser filmischen Reise ist jenes Konzert mit dem Metropole Orchestra im Amsterdamer Musziekgebouw, das in dem vielbeachteten ECM-Livealbum „El Encuentro“ dokumentiert wurde. ECM veröffentlicht die DVD Mitte Dezember.

Kalender „Inspirierende Frauen 50 plus" - Treffen Sie Ihre Freundinnen von Facebook wieder

Ja, wer auf die reife Frau ab 50 steht und keine Pin-up-Motive, sondern die attraktive und/oder erfolgreiche 50erin sucht, die er ohnehin noch von Facebook her kennt, ist mit dem Kalender „Inspirierende Frauen 50 plus" gut bedient, vor allem wenn er auch was spenden will.

Die Models möchten allen Frauen Mut machen, sich zu zeigen. Nicht der Vergangenheit und vergangenen Jugend hinterhertrauern. Sondern jetzt, wo die Kinder erwachsen sind, ihr eigenes Leben bewusst Er-leben. Voll Spaß und Genuss. Ohne Reue. Die Ladys möchten zeigen, dass Achtung vor dem Leben dazugehört, denn durch gesunde Aktivitäten hegen und pflegen sie ihren Körper, so dass er auch jetzt im Alter 50plus voll reifer Schönheit erstrahlt. Krankheiten gehören leider genauso zu unserem Leben dazu, wie der Tod. Aber auch hier möchten die Damen zeigen, dass es einen Weg ‚danach‘ gibt. Gelassenheit gehört genauso dazu, wie auch „Nein“ sagen zu können. Alles Dinge, die sich die Frauen im vergangenen halben Jahrhundert erst hart erarbeiten mussten. Streben wir nicht alle nach Perfektionismus? Die Bilder und Sprüche möchten nachdenklich machen, ermutigen, Freude bereiten und den Betrachter zwölf Monate rund um das Jahr 2013 begleiten.

Der Kalender „Inspirierende Frauen 50 plus“ verfolgt jedoch noch einen zweiten Zweck. Einnahmen aus dem Kalenderverkauf sowie eine zusätzliche Spende der Firma Fit for Beauty gehen an den Verein Horizont. Ein Verein, der sich um in Not geratene Frauen und Kinder kümmert. Schneller als wir denken, können Schicksalsschläge jeden von uns ins finanzielle Abseits befördern. Viele der abgebildeten Ladys haben in ihrem Leben schon die eine oder andere Krise bewältigen müssen.

Helfen Sie mit! Kaufen Sie den Jahreskalender 2013 „Inspirierende Frauen 50plus“ und erfreuen sich am Anblick lebensfroher Ladys, gleichzeitig unterstützen Sie den Verein Horizont e.V. Ihre persönliche Hilfe außerhalb des Kalenderprojektes ist herzlich willkommen.

ISBN: 978-3-943596-35-9 + 17,50 Euro versandkostenfrei bei Amazon oder direkt im Verlag erhältlich.

Die beliebtesten Gedichte der KW 50

Letzte Woche lag ganz klar vorne: Birgit Burkey mit WILLENLOS. Gabriele Brunsch mit einem zweiteiligen (Entwicklungs-)Gedicht fest platziert.

1     Fantasien zur Nacht: WILLENLOS von Birgit Burkey 
2    Dichterhain: ...s’ist eisig, eisig, bitterlich - von Gabriele Brunsch
      
Dichterhain: TANDEM von Anner Griem
3    Dichterhain: ich setzt die schritte neu und ging ... von Gabriele Brunsch

Von 19. bis 22.12. in Ludwigshafen: Hilde, die Wilde!

Hilde, die Wilde !
Mundartkomödie von Rolf Salomon
Theater Hemshofschachtel,
Leuschnerstr. 9, Ludwigshafen

"Was ist schlimmer als ein Tornado und ein Erdbeben zusammen?" Die Antwort lautet: "Hilde, die Wilde!!!" Auf der Flucht vor dem Sozialamt quartiert sich Hilde bei ihrem gutmütigen Bruder Edgar und seiner treuherzigen Frau Elisabeth ein. Kaum ist Hilde in der brüderlichen Wohnung eingezogen, geben sich sogleich die skurrilsten Figuren die Klinke in die Hand. Edgar und Elisabeth haben bald nur noch einen Wunsch: "Ein Mann für Hilde muss her" oder wer könnte sie von der völlig durchgeknallten Schwester befreien? Ist es ihr verrückter Ex-Ehemann Septime, der exzentrische Maler Friedhelm von Wasserfurth oder gar die Polizei? Wer die "widerspenstige Hilde" zähmen kann, wird an dieser Stelle noch nicht verraten.

Ankes Fundstücke: Nachtwächterrundgang in Hamburg

Entdecken Sie die Große Freiheit in Hamburg!

Der St. Pauli Nachtwächter zeigt Ihnen mit viel Witz und Seemannscharme wie zwischen Millerntor und Altona das größte Amüsier- und Rotlichtviertel Europas entstand. Auf der alten, ausgetretenen "Matrosenroute" geht es in wenigen Minuten von den Anlegern der Elbe hinauf zur weltbekannten Reeperbahn.
Die anekdotenreiche Geschichte der Großen Freiheit, der Theater am Spielbudenplatz und der Davidwache erzählt der St. Pauli Nachtwächter ebenso wissensreich wie unterhaltsam und beantwortet alle Fragen, die sie bisher nie zu stellen wagten: Was kostet die Ausnüchterung in der Davidwache? MUSS man sich vor Reepschlägern in Acht nehmen? Wo hat sich Joe Cocker übergeben? Darf Frau einen Blick in die Herbertstraße riskieren? Wo pinkelte Sir Paul McCartney auf die Straße? Wenn sie es genau wissen wollen, fragen sie den St. Pauli Nachtwächter.

Die offene Tour findet ganzjährig statt. Beginn ist jeden Donnerstag um 20.30 Uhr, jeden Freitag und Samstag um 18.00 und 20.30 Uhr. Treffpunkt am Hauptausgang der U- und S-Bahnstation "Landungsbrücken" (Oben auf der Brücke!). Die Dauer beträgt ca. 100 Min.


Für Gruppen von 10-50 Pers. sind individuelle Rundgänge zu anderen Zeiten auch kurzfristig in Deutsch, Englisch oder Skandinavisch möglich!
Informationen im Internet unter:  www.stpaulinachtwaechter.de   

Dienstag, 18. Dezember 2012

Walter's Kurzfilmtipps: MILCH von Igor Kovalyov




MILCH von Igor Kovalyov

ausgesucht von Walter Brusius

Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach
als freischaffender Maler und Autor. Mehr Informationen.

DVD: WIE IM HIMMEL von Key Pollack



Reminder, PDF-Datenblatt zu Wie im Himmel, DVD:
Alle Film-Daten als PDF Diese Seite mit allen Filminfos ausdrucken

Weitere Filminfos zu Wie im Himmel:

Originaltitel: Så som i himmelen
Land / Jahr: Schweden 2004
Medien-Typ: DVD


WIE IM HIMMEL (Schweden) läuft seit 20. Oktober 2005 (2 Std. 12 Min.) und ist nun bei Paramount Home Entertainment als DVD und Blue Ray zu haben. Die Regie führte Kay Pollak. Mit Michael Nyqvist, Frida Hallgren, Nils-Anders Vallgårda und anderen.

Daniel Dareus (Michael Nyqvist) ist ein weltbekannter Dirigent. Mit jedem Konzert wird sein Ruhm ein bisschen größer. Nicht jedoch sein Glück.

Schon als Kind träumte er davon, durch die Musik die Herzen der Menschen zu erreichen, doch scheint er sich nur immer weiter von ihnen zu entfernen. Nach einem Zusammenbruch auf offener Bühne tritt Daniel den Rückweg an. Er lässt die große Welt hinter sich und kehrt in sein schwedisches Heimatdorf zurück. Es liegt weit von jeder Stadt entfernt in malerischer Landschaft. Ein gemischter Kirchenchor aus Laien ist die einzige Form der Musik, die ihm dort begegnet. Doch als er mit diesem Chor zu proben beginnt, wird er mit seiner Begeisterungsfähigkeit und seiner Hingabe an die Musik bald zu einem Fixpunkt der kleinen Dorfgemeinschaft, die sich in glühende Verehrer und wütende Feinde teilt. Daniels Anwesenheit wird zu einem Katalysator für alte Sehnsüchte und lange schwelende Konflikte. Als er zarte Liebesbande mit der hübschen blonden Lena knüpft, treten sofort Neider und Eifersüchtige auf den Plan.

Die Wellen schlagen hoch, doch bald ist die positive Wirkung seiner Arbeit nicht mehr zu übersehen, und Daniel begreift, dass er nicht nur die Herzen der anderen, sondern auch sein eigenes Herz für das Glück geöffnet hat.





Der Wetterfrosch von Faltsch Wagoni zu Weihnachten

Hallo Freunde,

jetzt ist wieder die Zeit, jetzt soll man wieder wissen, ob man sich was wünscht - dabei hat man doch alles und oft noch mehr als das! Die wesentlichen Wünsche kriegt man ja sowieso nicht erfüllt, also dass z.B. mal eine Waffenfabrik Insolvenz anmeldet, hahaha, Superwunsch! Oder, dass zur Abwechslung mal am Abend die Sonne aufgeht, oder, dass klingende Kröten vom Himmel fallen ...



Winternacht
am Gefrier-
punkt, es klingelt
10 nach 4.
Frage mich,
was das soll?
Aus dem Bett
voller Groll.
Weihnacht steht
vor der Tür.

Ich sag: "Was?
Du schon wieder!
Warst du hier
nicht erst gestern?"
"Christkind kommt
bald hernieder,
alle Menschen
werden Brüder."
Ich sag: "Wie
wärs mit Schwestern?"

"Wünsch dir was!",
sagt Weihnacht.
Ich sag: "Gut,
abgemacht!
Wunsch steht fest.
Her damit!"
"Was hast du
dir gedacht?"
fragt Weihnacht.
"Schuldenschnitt!",

sage ich
lapidar.
Weihnacht lacht:
"Gott bewahr,
alter Grieche!
Schuldenschnitt?
Völlig out
und somit
derzeit nicht
lieferbar.“

Hoch die Glühweintassen! (Unsereins geht lieber noch auf ein Glühwürmchen und dann ab in die Winterstarre).
Quak

Euer Wetter-Frosch

Regionalevent-Potpourri von 18.12. bis 23.12.

Ruth Sabadino und Udo Lindenberg
"Tintenherz" Das Theaterstück mit Puppen nach dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke, Theaterstück für Kinder ab acht Jahren. Di., 18.12., 11 und 18 Uhr, Theatersaal, Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen.
www.theater-im-pfalzbau.de


Christmas Crime Stories
Pikante Weihnachtskrimis mit Musik, präsentiert von den Künstlern Jo Jung, Ruth Sabadino und Boogaloo. Do., 20.12., 20.30 Uhr, JAK-Keller, Weinstadt.
www.jak-weinstadt.de


Weihnachtskonzert mit der Band The Beat Brothers und Hits der 1960er- und 1970er-Jahre. Fr., 21.12., 20.30 Uhr, SV Halle, Weisenheim am Sand.
www.beat-brothers.de


„Ihr Sünderlein kommet..." Das Weihnachts-Kabarett-Stück mit Jutta Lindner als Oma Frieda. Sa., 22.12., Jo Jung erzählt Weihnachtskrimis, die mit Musik und Gesang von Ruth Sabanino untermalt werden.  21 Uhr, Salon bei den Winzern, Saarbrücken.
www.kir-resonanz.de
 

Ballett mit den Stücken „Der Nussknacker" und „Schwanensee" nach P. I.Tschaikowsky, präsentiert vom russischen Staatsballett. Sa., 22.12., 15 Uhr, „Der Nussknacker", 19 Uhr, „Schwanensee", CongressForum, Frankenthal.
www.congressforum.de


..Stille Nacht" Das musikalische Weihnachtsprogramm der fünf Kelly-Geschwister Paddy,' Joey, Kathy, Patricia und Paul. So., 23.12., ab 18 Uhr, Rosengarten, Mannheim. 
www.koko.de

Dichterhain: ISCHÄMISCHE ENDSTRECKENVERÄNDERUNG von Hermann Mensing




















Bei Herrn M.
besteht eine ventrikuläre Extrasystolie,
die phasenweise gehäuft
in den Tagesstunden
ohne höhergradige Kopplungen auftritt.

Die gute Belastbarkeit
bis über die Ausbelastungsfrequenz hinaus
ohne pectanginöse Beschwerden
oder ischämische Endstreckenveränderungen
mit weitgehender Rückbildung der Extrasystolie
spricht gegen eine KHK
als Ursache der Arrhythmien.

Elektrokardiographische
und echokardiographisch-morphologische Hinweise
für eine Myokarditis
ergaben sich nicht.

Auch die blanden Laborwerte
enthielten keine Hinweise auf systemische
infektiös-entzündliche Erkrankung.
Die Schilddrüsenparameter lagen im Normbereich.

Die vom Patienten vermutete
vegetative Komponente der Arrhythmiegenese ist
möglicherweise zutreffend

Ja, ja, sagt Herr M.,
ich bin pumperlgesund,
nur du fehlst mir ...


(c) Hermann Mensing

Montag, 17. Dezember 2012

Zu Besuch bei Marianne Sägebrecht: „… und ob der Mensch den Menschen liebt“ in Limburgerhof



Am Samstagabend, den 15.12.2012, in „Der kleinen Komödie“, Limburgerhof, waren Rezitationen von Marianne Sägebrecht und Lieder an der Gitarre zu hören. Unter dem Titel „… und ob der Mensch den Menschen liebt“ wurde eine musikalisch-literarische Weihnachtsreise mit Geschichten u.a. von Oskar Maria Graf, Karl Heinrich Waggerl und natürlich von ihr selbst angeboten. Begleitet wurde sie von Ralph Gleck, der sein Instrument sehr gut beherrscht und auch mit seiner Stimme sehr überzeugt. Er setzte immer wieder dynamische Akzente, in der zweiten Hälfte verstärkt, wenn eine Sekunde die Gefahr drohen könnte, die Zuhörer seien von den vielen Erzählungen ermüdet.

Marianne Sägebrecht, eine gebürtige Starnbergerin, 1945 dort geboren, hat einen beachtlichen Weg zurückgelegt mit über einem Dutzend wichtiger Filmrollen - begonnen mit Zuckerbaby (1984), Out of Rosenheim (1987), Rosalie Goes Shopping (1988), Der Rosenkrieg (1989) bis zu So ein Schlamassel (2009), Die Verführerin Adele Spitzeder (2012) und aktuell Omamamia (2012) - und mittlerweile 4 Büchern. Da gibt es nicht nur "Meine Jahreszeiten", "Mein Leben zwischen Himmel und Hölle", sondern auch "Überlebenssuppen" und "Auf ein prima Klimakterium"! Die Schauspielerin nimmt sehr progressive Positionen ein, kämpft für die Liebe und ihre vollständige Umsetzung, wünscht Frauen in den Wechseljahren viel Mut zur neuen Definition ihrer Rolle und weiß Chicken Soup als Seelenbalsam zu schätzen. Sie ist mit ihren Ende 60 keine alte Frau, eher eine imposante und eine wohl geerdete. "Denn das hab ich in all den Jahren gelernt, gut geerdet auf die Bühne, vor die Kamera und vor mein Publikum zu treten." Sie sieht sich selbst als eine Donna Quichote und Sancho Panza in einem, wie sie auch an symbiotischen Zuständen und Beziehungen, auch zum Publikum, ein Rieseninteresse hat. Und sie weiß mittlerweile, dass Toleranz gegenüber den Ausbüchstendenzen der Männer ganz wichtig ist. Wer sich darüber im Klaren ist, dass (nicht nur) der reife Mann im Prinzip zwei Frauen braucht, eine für den Sex und eine als gute Freundin zum Sprechen und Verstandenwerden, hat schon ganz viel von reifen Beziehungen kapiert. Wer es auch umsetzen kann ist noch weiter. Vielleicht liegt hier das Geheimnis langjähriger fester und ungeschiedener Ehen oder eben nur Langzeitbeziehungen, und nicht eben in Treue, Ergebenheit und Fassade.

Das Programm startete mit "Der Weihnachtsgans", einer sozialkritischen Geschichte von Oskar Maria Graf, dessen Bruder Maurus ein Mentor der Autorin war. Die Konditorei Maurus Graf steht heute noch in Berg am Starnberger See. Er hatte die Tochter von Oskar Maria aufgezogen, die Mutter gepflegt und Klein-Marianne vorgelesen und sie miterzogen. Die Geschichte skurril, mit Valentineinflüssen. Eine Gans fliegt ungebraten aus dem Fenster eines Mietshauses und führt zu einem Volksauflauf ob der dargebotenen verschwenderischen Haltung. Der Schutzmann bringt das Corpus Delicti zurück und empfiehlt dem arbeitslosen Besitzer, der sie nicht wollte, sie wenigstens zu verkaufen. Und schon entbrennt eine Versteigerung, die dann tatsächlich 30 Mark für eine etwa 10-pfündige Gans bringt. Der stolze Besitzer verspeist sie später genüsslich, unter Kopfschütteln über die Arbeitslosen ... Ralph Gleck setzte ein ironisierendes "Ich preise die Welt" dazu, bevor wir eine Predigt aus dem Jahr 1644 hörten - über die Vor- und Nachteile der Gans an sich! Schwatzhaftigkeit und Trunksucht werden von Schamhaftigkeit und Achtsamkeit sowie von dem vielfältigen Nutzen als Lebensmittel und Arznei aufgewogen.

"Leise rieselt der Schnee" verrockt macht uns gespannt auf den umstrittenen Karl Heinrich Waggerl, der ja den Anschluss Österreichs begeistert feierte und Parteimitglied war, aber andererseits rührende Weihnachtsgeschichten ablieferte. Eine davon ist "Der Tanz des Räubers Horrificius", der bis zu den Zähnen bewaffnet auf Maria mit dem Kinde trifft, die kein bisschen bange ihn ermahnt, leise zu sein, was den Kämpfer so erweicht, dass er am Ende einen glorreichen Tanz darbietet, der von allen Zuschauern, auch Tieren, bewundert wird. "You 've got a friend" von James Taylor bringt uns zu ihrem Plädoyer für die Zwei-Frauen-ein Mann-Konstellation in der reifen Beziehung und zu "Das Weihnachtsgeschenk" von Herbert Schreiber, dessen Ende den Überlegenden ganz profan und gewissermaßen geizig zu einem abgelesenen Liebesroman aus der Nachttischschublade greifen lässt und dem eigenen nackten Körper, dargeboten zum Weihnachtsabend. Ralph Glecks sehr überzeugende und empathische Vertonung eines Goethe-Gedichtes "Liebe, lass mich los!" führte zu Sägebrechts Auffassung von Liebe: "Liebe mich dann, wenn ich es nicht verdiene, aber am dringendsten brauche". Auch das verwirrende Gedicht von Alfons Schweigert zielt auf die Einheit in der Verschiedenheit ab: "Wenn ich du wäre, und du ich, dann wären wir wir!" Jede Wahrheit hat eben zwei Seiten, genau wie in Glecks Lied über Papst und Sultan, von jeder Seite eine Zutat und schon hat man die passende Mischung! Wein und Jungfrauen ...

Marianne Sägebrecht betonte bei dieser Gelegenheit, dass ihr neuester Film „Omamamia“ ein Film sei, hinter dem sie voll und ganz stehe, bis auf die Szene, in der der Papst angegriffen wird, die fände sie doch schon ein bisschen bedenklich. Sie sei auch froh, in der Verfilmung von „Pettersson und Findus“ mitspielen zu dürfen. Über Bert Brechts "Das Paket des lieben Gottes", das den bedeutungsvollen Zufall in den Vordergrund stellt, und Christian Heinischs "Weihnachtsmärchen", bei dem jeder und alles aus Protest zu einen Überfall auf einen türkischen Laden auswandert und nur noch Trümmer, halbe Sachen und Christbäume, Maria, Josef und Jesus übrigbleiben, kommt die Autorin zu ihrer eigenen Geschichte, dargestellt in „Mein Leben zwischen Himmel und Erde“. Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, etwa um 1949, als die Mutter Sägebrecht zwei kleine Kinder durchbringen musste, und Kartoffeln und Buttermilch die Überlebensspeise im Stall war, später extreme Rationierungen das Leben verarmten, und dennoch aus den Töchtern stattliche Frauen wurden. Dazwischen passende Lieder wie "Wir schaffen zusammen und nicht allein" oder "Me and my Drum". Mit einem Lobgesang auf den Wein, aus Nancy H. Kleinbaums Drehbuch und Roman "Der Club der toten Dichter", und der Hoffnung, dass eine göttliche Instanz vielleicht aus allem zusammen, was es unter der Sonne gibt, einen nährenden und vereinenden Wein machen könnte, ging es zum Schluss.

Aber nur beinahe, denn Raissa Tschepscherenko (viereggtext berichtete) überreichte zuvor aus dem Zuschauerraum Blumen an Frau Sägebrecht, die Veranstalterin danach mit großem Dank an die Schauspielerin zwei üppige Gebinde auf der Bühne und kündigte noch ein besonderes Geschenk von Rainer Magold (viereggtext berichtete) an. Der stiftete bereits Wochen zuvor ein Gemälde von Marianne Sägebrecht zu einer noch einige Tage dauernden Versteigerung bei ebay, deren Erlös "Ein Herz für Kinder" zufließen wird. Und der großartige Expressionist und Porträtmaler Magold kam mit einem weiteren großformatigen Porträt von Marianne Sägebrecht in den Saal und schenkte es ihr als Zeichen seiner Verehrung der Schauspielerin und Autorin, die ganz gerührt und betroffen das wunderbare Gemälde von der Bühne trug.