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Donnerstag, 12. März 2026

Werkzeuge des Todes: Oreschnik und Fattah

Modell der Fattah 2 - im Original 12 m
(Wikipedia CC BY 2.5)

Technik – Strategie – Politik – Zukunft des Krieges

Die modernen Raketenprogramme Russlands und Irans sind mehr als militärische Projekte. Sie sind Symbole einer neuen Phase der globalen Abschreckung. Zwei Systeme stehen exemplarisch dafür: die russische Rakete Oreschnik und die iranische Hyperschallrakete Fattah. Es gibt noch weitere Ausgeburten des Sadismus und der grausamen Tötung. Aber betrachten wir nur diese beiden Schwerstkriminellen, die gegen einen Kleinstaat wie Israel oder ein zu Beginn wehrloses Volk wie die Ukrainer losgejagt werden.

Sie verkörpern eine Entwicklung, die Militärstrategen zunehmend beunruhigt: Hyperschallwaffen, die schneller, schwerer abzufangen und politisch destabilisierender sind als frühere Raketen. Israels Iron Dome und Arrow-Abwehrsystem kann ebenso wie das teilweise brüchigere Luftabwehrsystem der Ukrainer damit überfordert sein.

1. Technischer Hintergrund: Die Hyperschallära

Hyperschallwaffen bewegen sich mit mehr als Mach 5 – also mehr als fünfmal so schnell wie der Schall bzw. bis fünfzehnmal so schnell.
Das Entscheidende ist jedoch nicht nur die Geschwindigkeit, sondern drei Eigenschaften, die sie von klassischen ballistischen Raketen unterscheiden:

Extreme Geschwindigkeit
  • Mach 5 bis Mach 15
  • wenige Minuten Flugzeit über tausende Kilometer

Manövrierfähigkeit
  • Richtungswechsel während des Fluges
  • schwer vorhersehbare Flugbahn mit Kurven auf der letzten 
    Etappe
  • am Ende Aufsteigen und totale Beschleunigung aufs Ziel zu
    (bei Geschwindigkeiten von bis zu 18.000 km/h lösen sich
    die Spitzen der Raketen noch vor dem Aufprall ab und geben
    Dutzende kleinere Raketen oder Loitering-Sprengsätze frei,
    die sich ihre weiteren Ziele selbst suchen. Beim Aufprall wird
    dann die Hauptladung der Rakete gezündet, die ausreicht stark
    befestigte Bauwerkkomplexe zu zerstören bzw. zu pulverisieren.
    Bei atomaren Sprengköpfen die bekannte Kettenreaktion der
    Totalzerstörung und Verseuchung.)

Niedrigeres Flugprofil
  • fliegen teilweise innerhalb der Atmosphäre
  • schwerer für Frühwarnradar zu erkennen

2. Oreschnik – Russlands strategische Droharchitektur

Die russische Rakete Oreschnik gilt als Teil einer neuen Generation russischer Raketen, die aus den Programmen der strategischen Raketentruppen hervorgegangen sind.

Mögliche Eigenschaften
Reichweite:              etwa 1000–3000 km
Geschwindigkeit:     Mach 8–10
Gefechtskopf:          konventionell oder nuklear
Startplattform:         mobile Abschussanlagen

Russland verfolgt damit eine klare militärische Strategie: Europa zerstören, erschüttern, abschrecken und im Ernstfall innerhalb kürzester Zeit erreichen. Kaliningrad/Ostsee nach Berlin, Paris, London in wenigen Sekunden bis Minuten. Militärisch bedeutet das: 
  • Hauptstädte
  • militärische Infrastruktur
  • Luftwaffenbasen
könnten innerhalb weniger Minuten getroffen, beschädigt oder ausgeschaltet werden.

Der Hintergrund ist die zunehmende Konfrontation zwischen Russland und der North Atlantic Treaty Organization (NATO) wegen der zugenommenen Verträge mit Ex-Sowjetstaaten, die sich komplett abwenden.

3. Fattah – Irans Eintritt in die Hyperschallstrategie

Der Iran präsentierte 2023 offiziell die Hyperschallrakete Fattah-2. Entwickelt wurde sie von den Islamic Revolutionary Guard Corps und russischer Hilfe.

Die offizielle Darstellung beschreibt ein System mit:
  • Geschwindigkeit:   bis Mach 15
  • Reichweite:            etwa 1400 km
  • steuerbarem Wiedereintrittskörper
  • hoher Abwehrdurchdringung

Strategisch richtet sich die Rakete vor allem gegen:
  • Israel
  • US-Militärbasen im Nahen Osten
  • regionale Rivalen
Der Iran verfolgt damit ein Ziel: Abschreckung ohne Nuklearwaffen. Raketen sollen den Gegner davon abhalten, iranisches Territorium anzugreifen und selbstverständlich dazu, Erzfeinde wie Israel und USA selbst anzugreifen. Wir erleben zurzeit den vollen Einsatz in Israel. Die Rakete findet Wege durch das Abfangsystem, sie ist ein Horror für Israel und jedes andere betroffene Land.

4. Die militärische Revolution

Hyperschallwaffen verändern mehrere Grundprinzipien der Kriegsführung.

Die Zeit schrumpft
Frühwarnsysteme verlieren wertvolle Minuten. 
Klassische Interkontinentalrakete: etwa 30 Minuten Flugzeit
Hyperschallwaffe: teilweise nur 10 Minuten oder (viel) weniger

Politische Entscheidungsträger haben kaum Zeit.

Raketenabwehr wird schwieriger

Systeme wie Iron Dome, Patriot, Iris-T oder Arrow 3 wurden vor allem gegen klassische ballistische Raketen entwickelt. Hyperschallflugkörper können 
  • plötzlich die Richtung ändern
  • niedriger und höher fliegen
  • Radarfenster verkürzen
Dadurch wird das Abfangen deutlich komplizierter.

Abschreckung wird instabiler

Die klassische nukleare Abschreckung beruhte auf Zeit und Berechenbarkeit. Hyperschallwaffen schaffen jedoch eine gefährliche Situation: Ein Staat könnte glauben, er könne den Gegner überraschen und entwaffnen. Das erhöht das Risiko eines Präventivschlags.

5. Geopolitische Bedeutung

Hyperschallprogramme existieren nicht nur in Russland und Iran. Auch andere Großmächte investieren massiv:
  • United States
  • China
Japan, Nordkorea und andere werden folgen. China testete etwa den Hyperschallgleiter DF-ZF, während Russland Systeme wie Avangard entwickelt. Damit beginnt ein neues globales Wettrüsten.

6. Militärische Realität: Vom Demonstrator zur Kriegswaffe

In den ersten Jahren galten Hyperschallraketen vor allem als technologische Demonstrationssysteme. Inzwischen hat sich die Situation verändert: Sowohl die russische Oreschnik als auch die iranische Fattah werden täglich im realen Krieg eingesetzt.

Oreschnik im Krieg gegen die Ukraine

Russland setzte die neue Rakete erstmals im November 2024 gegen die ukrainische Stadt Dnipro ein. Später folgten weitere Einsätze, etwa gegen Infrastrukturziele im Raum Lwiw. Besonders bemerkenswert ist dabei:
  • Die Rakete kann mehrere Wiedereintrittskörper (MIRV) tragen.
  • Sie erreicht extreme Wiedereintrittsgeschwindigkeiten von etwa Mach 10.
  • Ein einzelner Flugkörper kann mehrere Ziele gleichzeitig angreifen.
Damit hat Russland demonstriert, dass Hyperschall- bzw. neue Mittelstreckenraketen tatsächlich im konventionellen Krieg eingesetzt werden können – nicht nur als nukleare Abschreckungswaffe.
Militärisch war dies auch eine Botschaft an Europa und die NATO: Die Technologie ist einsatzbereit und skalierbar.

Fattah im Konflikt mit Israel

Auch der Iran hat die Hyperschallrakete Fattah bereits in realen Angriffen verwendet. Nach iranischen Angaben wurde die Rakete erstmals im April 2024 bei einem massiven Angriff auf Israel eingesetzt, bei dem mehrere Militärbasen getroffen wurden.

Zu den gemeldeten Zielen gehörten unter anderem:
  • Luftwaffenbasen in der Negev-Wüste
  • militärische Infrastruktur
  • strategische Einrichtungen

Die Botschaft des iranischen Militärs lautete:
Die Rakete kann israelische Luftabwehrsysteme durchbrechen und zivile Zentren sprengen.


Israel bestreitet teilweise die Hyperschall-Eigenschaften der eingesetzten Geschosse, bestätigt aber, dass einige iranische Raketen israelische und US-Militärbasen erreichten. 

Der strategische Wendepunkt

Damit ist eine neue Phase erreicht: Hyperschallraketen sind nicht mehr nur Prototypen oder Abschreckungsmodelle. Sie sind jetzt:
  • Gefechtswaffen
  • politische Signale
  • Instrumente strategischer Eskalation
  • Vernichtungswaffen

Zum ersten Mal seit Beginn der Hyperschallentwicklung zeigt sich eine Realität, die Militärstrategen lange befürchtet haben: Die Zukunftswaffen der Großmächte werden nicht erst im Weltkrieg getestet –
sondern bereits in regionalen Konflikten.

7. Reaktionen und Gegenstrategien: Was können NATO, Europa, USA und Israel dagegensetzen?

Die Ausbreitung von Hyperschallraketen wie Oreschnik und Fattah zwingt die westlichen Staaten zu einer grundlegenden Neubewertung ihrer Verteidigungsstrategien. Klassische Raketenabwehrsysteme reichen allein nicht mehr aus. Stattdessen entsteht eine mehrschichtige Antwort, die Technik, Strategie und Politik miteinander verbindet.

7.1 Neue Generation der Raketenabwehr

Die NATO-Staaten und Israel arbeiten an Abwehrsystemen speziell gegen Hyperschallwaffen. Wichtige Programme sind:

  • Arrow 3
    Hochatmosphärische Abfangraketen, die außerhalb der Atmosphäre wirken sollen.

  • David's Sling
    Für mittlere Reichweitenraketen entwickelt.

  • Patriot
    Modernisierte Versionen können auch begrenzt gegen schnelle Flugkörper eingesetzt werden.

  • US-Programme wie Glide Phase Interceptor
    sollen Hyperschallwaffen bereits in ihrer Gleitphase zerstören.

Der Ansatz lautet: mehrere Abfangschichten, die ein Ziel nacheinander bekämpfen.

7.2 Satelliten und Weltraumüberwachung

Die entscheidende Schwäche der Hyperschallwaffen ist ihre frühe Entdeckung. Deshalb investieren die USA massiv in ein globales Sensorennetz. Ein zentrales Projekt ist die Hypersonic and Ballistic Tracking Space Sensor. Dieses System soll:

  • Raketenstarts sofort erkennen
  • Flugbahnen kontinuierlich verfolgen
  • Abwehrsysteme automatisch informieren

Damit soll der Zeitverlust durch extrem schnelle Flugkörper kompensiert werden.

7.3 Eigene Hyperschallwaffen

Eine zweite Antwort lautet: symmetrische Abschreckung. Wenn beide Seiten Hyperschallwaffen besitzen, verliert die Überlegenheit an Bedeutung. Programme existieren in mehreren NATO-Staaten:

  • Dark Eagle
    Hyperschall-Gleitkörper mit großer Reichweite.

  • AGM-183 ARRW
    luftgestütztes Hyperschallsystem.

Die Idee dahinter ist die klassische Logik der Abschreckung: Wer selbst treffen kann, wird weniger leicht angegriffen. 

7.4  Präventive Zerstörung von Abschussanlagen

Militärstrategen betonen eine weitere Option: Raketen vor dem Start zerstören.

Das bedeutet:

  • Satellitenaufklärung
  • Cyberoperationen
  • Präzisionsschläge gegen Startanlagen

Israel verfolgt diese Strategie bereits gegen Raketenprogramme im Nahen Osten. Auch die NATO diskutiert zunehmend präventive Neutralisierung von Raketenstellungen.

7.5 Elektronische und Cyber-Kriegsführung

Hyperschallwaffen sind hochkomplexe Systeme und benötigen:

  • Navigation
  • Satellitenkommunikation
  • Sensorik

Diese Systeme können gestört werden mit folgenden Methoden:

  • GPS-Störung
  • Cyberangriffe auf Steuerungssysteme
  • elektronische Täuschung

Diese Form der Kriegsführung wird im 21. Jahrhundert immer wichtiger.

7.6  Neue Verteidigungsarchitektur Europas

Europa arbeitet parallel an einer gemeinsamen Raketenabwehr.

Ein Beispiel ist die Initiative European Sky Shield Initiative, die mehrere Länder verbindet.

Ziel ist:

  • integrierte Luftverteidigung
  • gemeinsame Sensorik
  • abgestimmte Raketenabwehr

Das Projekt soll Europa gegen neue Raketenbedrohungen widerstandsfähiger machen.

7.7 Diplomatie und neue Rüstungskontrolle

Langfristig bleibt eine militärische Lösung allein unzureichend.

Nach dem Ende des Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty existiert kaum noch internationale Kontrolle für Mittelstreckenwaffen. Viele Sicherheitsexperten fordern deshalb:

  • neue Rüstungskontrollverträge
  • Transparenz über Hyperschallprogramme
  • internationale Testbegrenzungen

Ohne solche Regeln droht ein ungebremstes Wettrüsten und Entstehen von extremem Vernichtungspotenzial.


Die Antwort auf Hyperschallraketen besteht aus vier Säulen:

  1. bessere Raketenabwehr
  2. globale Frühwarnsysteme
  3. eigene Hyperschallwaffen
  4. politische Rüstungskontrolle

Doch selbst diese Kombination kann ein Problem nicht vollständig lösen: Hyperschallraketen verkürzen die Zeit zwischen Entdeckung und Entscheidung drastisch.

Je schneller die Waffen werden, desto größer wird die Gefahr, dass eine Fehlinterpretation genügt, um eine Eskalation auszulösen.


Dienstag, 9. September 2025

Donald Trump – Psychogramm eines Eskalators (bis September 2025)

Donald Trump 

„I am the chosen one.“ – Mit diesen Worten erklärte Donald J. Trump im August 2019 vor Journalisten seine Rolle im globalen Machtgefüge. Kaum ein Satz offenbart deutlicher die psychologische Mischung aus Selbstüberhöhung und Inszenierung, die seinen politischen Stil prägt. Heute bemüht er sich um Heiligsprechung im Vatikan, erwartet den Friedensnobelpreis.

Psychologische Grundzüge
– Dauerhaftes Bedürfnis nach Bestätigung
– Frühprägung durch autoritären Vater und Militärinternat
– Selbstinszenierung, Impulsivität, Polarisierung
– Mangel an Empathie, narzisstische und antisoziale Züge
Quelle: NYT, 19.08.2019; The Guardian, 10.02.2020

Sein Aufstieg vom Immobilienunternehmer zum Reality-TV-Star und schließlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten war begleitet von einem Stil, der weniger auf Governance als auf Show setzte. Entscheidungen wurden oft impulsiv über Medien getroffen, Diplomatie dem Moment überlassen.


Sharpie-Gate

Im September 2019 korrigierte Trump eigenhändig den Verlauf des Hurrikans „Dorian“ auf einer Karte im Oval Office mit einem schwarzen Filzstift – medial als „Sharpie-Gate“ bekannt. Symbolisch: Realität wird nach Trumps Version dargestellt.

Quelle: CNN, 05.09.2019

Ukraine

  • 2024: „I am going to end the war in Ukraine in 24 hours if I want to.“ – Interview Newsmax
  • Rückkehr 2025: Minimale Militärhilfe, Verantwortung auf EU-Partner verlagert
  • Kommunikation: Abwertend gegenüber Selenskyj, zunächst beschwichtigend gegenüber Putin, später konfrontativ
  • Besonderheit: Wahlkampfparolen ohne substantielle diplomatische Absicherung
Quelle: Newsmax, 15.07.2024

Gaza

  • 2017: Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels
  • Unterstützung „Deal of the Century“
  • 2025: Verteidigung der Entscheidung, keine substantiellen Vermittlungsversuche
Quelle: Washington Post, 01.03.2025

Iran

  • 2018: Austritt aus dem Nuklearabkommen („Iran deal is a disaster“)
  • 2025: Einsatz bunkerbrechender Hyperbomben gegen Atomaufbereitungsanlagen
  • Rechtfertigung: „We hit the sites that needed to be hit. We showed strength – nobody dares mess with us.“
Quelle: Washington Post, 15.03.2025


Timeline: Friedensvermittler in der Ukraine

  • 15.03.2024: Erstes Interview Newsmax, Versprechen: „24 Stunden Krieg beenden“
  • 20.05.2024: Treffen mit EU-Botschaftern, fordert mehr Eigenbeitrag für Militärhilfe
  • 10.08.2024: Wahlkampfauftritt Ohio, abwertende Kommentare zu Selenskyj („größter Handelsvertreter“)
  • 05.01.2025: Rückkehr ins Amt, minimale Militärhilfe, Verantwortung auf EU verschoben
  • 12.02.2025: Twitter: Putin zunächst gelobt, dann kritisiert („Lügner“) – inkonsistente Botschaft
  • 28.03.2025: Statement Mar-a-Lago, droht NATO-Sanktionen bei Nichtbeteiligung
  • 15.04.2025: Verhandlungen abgebrochen, Selenskyj-Sicherheitsgarantien für seltene Erden gefordert
  • 16.04.2025: Trump erklärt Hilfen eingefroren, EU muss „zahlen oder den Krieg übernehmen“
  • Mai–Juli 2025: Kaum Bewegung, widersprüchliche Botschaften an Moskau und Kiew
  • 15. August 2025: Vor dem Alaska-Gipfel reisen Selenskyj und mehrere EU-Vertreter nach Washington, um mit der US-Administration ihre Positionen abzustimmen.  Anschließend Friedensgespräche in Anchorage, Alaska zwischen Trump und Putin. Beobachter sehen das Treffen als Versuch, wirtschaftliche Fragen (Energie, Handel) über militärische Lösungen zu stellen.  Ergebnis: kein Durchbruch, Kiew kritisiert die einseitige Bühne für Moskau.




FAZIT:

Trumps Politik folgt keinem kohärenten Masterplan, sondern einem wiederkehrenden Muster: Selbstüberhöhung, Polarisierung, das Spiel mit Loyalität und Verrat.

„I alone can fix it.“ – Wahlkampfslogan von 2016, Ausdruck seines politischen Stils, der sich selbst als Lösung und Provokation zugleich versteht.



Dienstag, 10. Oktober 2017

Welttag gegen die Todesstrafe: Noch immer Todesurteile in 55 Ländern


Der 10. Oktober ist der Welttag gegen die Todesstrafe. Er wurde 2003 von der „Weltkoalition gegen die Todesstrafe“ (World Coalition against the Death Penalty“ − WCADP) und Amnesty International ins Leben gerufen. 2016 wurden laut Amnesty in 55 Ländern Todesurteile verhängt, davon haben 23 auch tatsächlich Hinrichtungen durchgeführt. Allein in China sollen mehrere Tausend Menschen exekutiert worden sein. Im Iran belief sich die Zahl der Hinrichtungen auf mindestens 567. Wo die meisten Menschen hingerichtet werden, zeigt die untere Infografik aus dem April.


Infografik: Tödliche Justiz | Statista 


Länder mit den meisten Hinrichtungen

Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Hinrichtungen ist im vergangenen Jahr weltweit gesunken. Die schlechte Nachricht: Die Gesamtzahl der Todesurteile hat 2016 zugenommen, wie Amnesty International in einem aktuellen Bericht mitteilt. Noch immer werden jährlich viele Menschen zum Tode verurteilt, oft ohne fairen Prozess.

Die meisten Hinrichtungen wurden in China vollstreckt, wie die Grafik von Statista zeigt. Dort wurden laut Amnesty-Schätzung 2016 mehrere tausend Menschen exekutiert. Genaue Angaben sind nicht möglich, da China die Informationen zur Todesstrafe als Staatsgeheimnis unter Verschluss hält. An zweiter Stelle steht Iran mit mindestens 567 Hinrichtungen, gefolgt von Saudi-Arabien, dem Irak und Pakistan.

Die NGO Amnesty International setzt sich weltweit für eine Abschaffung der Todesstrafe ein, insbesondere auch für eine Abschaffung der Todesstrafe für Minderjährige.


Infografik: Länder mit den meisten Hinrichtungen | Statista 

Freitag, 10. Februar 2017

Die Machtlage in Jemen

Saudi-Arabien und 32 Verbündete führen einen Krieg gegen Huthi und 
den Iran im Hintergrund.

Eine katastrophale Lage für die ohnehin verarmte Zivilbevölkerung, 
die kaum versorgt ausgeliefert bleiben.
Hilfsorganisationen sind teilweise machtlos.





Sonntag, 7. Juli 2013

Dichterhain: IRAN von Jörn Laue-Weltring





Iranischer Frühling (Original)
© Aramesh

... In welcher Gasse der Zeit
ist der Frühling verloren gegangen,
dass die Vögel nicht mehr singen?

Auf meinen grünen Augen,
wachsen schwarze Tulpen
unter der Sonne des Vergessens.

Statt süßer Küsse huschen
Ratten über Granatapfelmünder
und pressen Pflaster darauf.

Rechenaufgaben mit Blut
auf Stein geschrieben werden gelöscht
durch den Klang der Peitsche.

Murmelnde Greise verschließen
Türen, auf dass schöne Mädchen
hinter den Gittern verkümmern.

Und oben auf den Minaretten
zählen schwarze Fledermäuse
die Gräber unserer Kinder.

(c) Barbara Naziri



Iran 
(für Barbara Naziri, wenn auch längst nicht so,
wie sie es ausdrücken kann)


Bei mir kam der Schah
Von Persien zum Abendbrot
... Auf dem Küchentisch aufgeschlagen
Seine Soraya und später die Farah Diba

Bei mir kam Persien
In der Schule vor, schöne Bilder
Von kriegerischen Streitwagen, bärtigen Kriegern

Tausend und eine Nacht habe ich
Erst viele Jahre später damit in Verbindung gebracht
Und die persischen Ärzte und Verse von Liebe und Sexualität

Aber getanzt und gejubelt
Habe ich anlässlich des Sturzes des Schahs
Und mich befreit gefühlt auch von der Regenbogenpresse

Bitter empfand ich den Sieg der Mullahs
Den Rückfall in die Barbarei des Mittelalters und deren Kriege
Leid taten mir die Freunde aus dem Iran, der Verrat an ihrem Widerstand

Von Kultur war in all der Zeit
Nie die Rede, nur von Neuzeit, Technik, Glauben und abstrakter Demokratie,
so blieb unverstanden, was die Bevölkerung zu diesem Regime trieb.

Lange ist es her, dass wir für das Volk des Iran
Die Straßen mit unserem Widerstand schmückten und damit uns selbst
Längst sind wir eingefangen in der alltäglichen Rationalität faulender Kompromisse

Und verstehen nicht mehr, dass es
Auch um unser Leben geht, unsere Kultur und Identität.
Wer zu lange den Falschen aus den Händen fraß, ist bald selber dran

Gefressen zu werden.

(c) Jörn Laue-Weltring

Donnerstag, 6. Juni 2013

MANNHEIMER SCHILLERTAGE: Großartige Gelegenheit, Schiller zu studieren und seinen Horizont zu erweitern



Die kritische Masse
17. Internationale Schillertage

Vom 21. bis 29. Juni wird Mannheim wieder zum pulsierenden Treffpunkt von Theatermachern und Theaterfreunden - die 17. Internationalen Schillertage bringen wieder internationale Theaterproduktionen ans Nationaltheater Mannheim!

2013 steht „Die kritische Masse“ im Blickpunkt der Betrachtung. Ausgehend vom Theater als einem der ältesten Versammlungsorte, die es gibt, eröffnen die 17. Internationalen Schillertage ein Spielfeld des Sozialen. Das Theater ist die sozialste unter den Kunstformen, da sich seine Existenz der Anwesenheit einer Gruppe verdankt. Ohne Kollektiv, und sei es noch so temporär, kein Theater. Doch wie sieht es eigentlich aus, dieses Kollektiv im Theater? Wann erreicht ein Publikum seine kritische Masse? Zeitgenössische Theaterformen bringen das Publikum in Bewegung, schicken es auf die Suche, teilen und setzen es neu zusammen. Die Theaterrevolution des letzten Jahrhunderts hat aus braven Zuschauern Mittäter gemacht oder sie zumindest als Zeugen moralisch in die Pflicht genommen. Die 17. Internationalen Schillertage werden sich mit dem Festivalprogramm diesen Fragestellungen und Thematiken widmen und gemeinsam mit Künstlern und Publikum ganz unterschiedliche Antworten finden.

Eröffnet werden die 17. Internationalen Schillertage am 21. Juni mit Der Parasit, einem Lustspiel von Friedrich Schiller nach Louis Benoît Picard. Die Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden wird von Stefan Bachmann inszeniert, der derzeit fester Regisseur am Wiener Burgtheater ist und 2013 Intendant des Schauspiel Köln wird.
Gastspiele renommierter Häuser wie dem Thalia Theater Hamburg (Don Carlos) und dem Maxim Gorki Theater Berlin (Die Räuber) sowie die internationalen Gastspiele aus dem Iran (Die Räuber, Schauspielhaus Teheran), Russland (Kabale und Liebe, Theater Prijut Komedianta, St. Petersburg), den Niederlande (Agoraphobia von Lotte van den Berg, der Schweiz (Wilhelm Tell, Schauspielhaus Zürich und Wilhelm Tell, Theater Neumarkt, Zürich) und Österreich (WE des Wiener Künstlerkollektivs Nadaproduction und Räuber.schuldengenital, Burgtheater Wien) erwarten die Besucher während der neun Tage des Festivals, die jeden Abend mit den legendären Partys und Konzerten der Schill-Outs ausklingen. Von Electroclash über Electro-Pop, Chansons, Folk, Balkanbeats, Streetpunk, Rockabilly, Indietronic und Elektroswing sollte für jeden Geschmack etwas bei den Schill-Outs ab 22.30 Uhr im Festivalzentrum dabei sein.

Bereits zum vierten Mal sind die Internationalen Schillertage auch selbst produzierendes Festival. In diesem Jahr wird sich der Berliner Regisseur Patrick Wengenroth mit seinen Berliner Weggefährten und Schauspielern des NTM in Über die ästhetische Erziehung des Menschen oder Freiheit ist nur ein anderes Wort für Nix mehr zu verlieren (UA) den philosophischen Gedanken Schillers widmen und lädt ein zu einer musikalisch-performativen Abendschule über die Freiheit der Kunst und die Kunst der Freiheit.

Das Theater- und Medienkollektiv machina eX macht theatrale Computerspiele in lebensechter Grafik und begibt sich in Blind Variation # 3 (UA) auf Wahrheitssuche. Ausgangspunkt ist Schillers Ballade Das verschleierte Bild zu Sais. In kleinen Spielergruppen zocken sich die Zuschauer ihren Weg durch den Abend und erspielen sich durch das Lösen von Rätseln die Geschichte.

Der in Berlin lebende Bildende Künstler, Bühnenbildner, Regisseur und Performer Jonathan Meese tanzt inGeneraltanz den Erzschiller (UA) eine Nacht lang Schiller auf der großen Schauspielbühne des Nationaltheaters.

Im Community Art Center Mannheim beziehen sich die Künstler mit ihrer Kunst auf die Bevölkerung der Neckarstadt-West. Zusammen mit dem NTM begeben sie sich direkt wieder in die Stadt hinein und laden in Heimat-Träume? (UA) vier Künstlerinnen unterschiedlicher Bereiche ein, zu den Erwartungen und Träumen der neu zugezogenen und alt eingesessenen Gruppen der Neckarstadt-West zu forschen und ihre Ergebnisse zu präsentieren.

Der Performer und Aktivist Reverend Billy kreierte in den 90er Jahren die Figur des kapitalismuskritischen Erweckungspredigers. Seit Ende der 90er Jahre tourt das Kollektiv Reverend Billy & The Stop Shopping Choir u.a. auch durch Europa und bringt die Botschaft der Kapitalismuskritik zu den Menschen, so auch mit The Earthaluja! Extinction Revival (UA) bei den 17. Internationalen Schillertagen.

In diesem Jahr wird das Nationaltheater Mannheim gleich vier Produktionen aus dem eigenen Repertoire zeigen, und zwar quer durch drei Sparten des Hauses. Die Oper zeigt die hauseigene Produktion Don Carloin der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog. Das Schauspiel zeigt die Jungfrau von Orleans in der Inszenierung von Georg Schmiedleitner, dessen Don Karlos auch bei den letzten Schillertagen zu sehen war. Der Schnawwl zeigt sein zweites internationales Theaterprojekt, Mit den Augen der Anderen (UA), das in Zusammenarbeit mit dem Teatro Alexandria entstanden ist. Im Zentrum stehen zwei Inszenierungen, die jeweils eine Geschichte aus dem Kulturgut des Partnerlandes erarbeitet haben: König Hamed und das furchtlose Mädchen und Ein erster Schritt. Im Rahmen der 17. Internationalen Schillertage beenden beide Theater ihre Kooperation und präsentieren zum Abschluss das zweisprachige Bilderbuch, das beide Geschichten vereint. Als Auftragsarbeit für Mannheim hat Ad de Bont das Drama einer ägyptischen Familie geschrieben, gebeutelt von den Wirren der Revolution. Im Zentrum der Uraufführung Tahrir Tell (UA) steht analog zu Wilhelm Tell die Frage nach der individuellen und kollektiven Freiheit, nach Freiheit und Verantwortung des Einzelnen.

Das SWR2-Forum, in diesem Jahr mit dem Thema Demokratie – Aber welche? eröffnet am 22. Juni seine Reihe mit dem Thema: Wann wird die Masse kritisch? Weitere Diskussionsthemen  wie z.B. Wie selbstbestimmt leben wir?Wie klug ist das Volk?Sind autoritäre Regime erfolgreich? und Schiller und das Kollektiv folgen im Laufe der Festivalwoche. Die Diskussionsreihe Utopie-Station, eine Veranstaltungsreihe des Nationaltheaters in Kooperation mit dem Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen und der Heinrich-Böll-Stiftung (Bundesstiftung und Landesstiftung Baden-Württemberg)widmet sich im Rahmen der Schillertage dem Thema Alle Menschen werden Geschwister. Neue Gesellschaftsmodelle vom Universalismus bis zum Postnationalen.  Zu Gast sein werden Carl Hegemann, Anna Barbara Dell und Paul Poet.

Das Cinema Quadrat ist in diesem Jahr Kooperationspartner der Internationalen Schillertage und veranstaltet eine Filmreihe über Alternative Gesellschaften und Gesellschaftliche Alternativen. Gezeigt werden die Filme Archipelago Scifi & The Making of Utopia von Tellervo Kalleinen, Alles war wir geben mussten von Mark Romanek und Empire me. Der Staat bin ich von Paul Poet.

Und letztlich als traditionellen Teil der Schillertage gibt es wieder ein Stipendiatenprogramm, das dem Theaternachwuchs die Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit Schiller gibt. Die Stipendiaten, die sich der Festivalzeitung widmen, bringen vier Doppelausgaben heraus, die Besucher und solche, die es werden wollen, über die aktuellen Ereignisse während der Schillertage informiert.

Für Festivalbesucher, die während der ereignisreichen Tage und auch danach mobil bleiben wollen, gibt es 60 Fahrräder, die in Kooperation mit Biotopia gestaltet und am letzten Tag versteigert werden. Zuvor sind alle Fahrradbesitzer von Mozart- und Schillerrädern dazu aufgerufen, bei der 6. Mannheimer Radparade am 22. Juni teilzunehmen. Die ersten 20 Teilnehmer erwartet eine Überraschung!

Donnerstag, 23. Mai 2013

21. bis 29. Juni: 17. Internationale Schillertage in Mannheim




Die kritische Masse

Vom 21. bis 29. Juni wird Mannheim wieder zum pulsierenden Treffpunkt von Theatermachern und Theaterfreunden - die 17. Internationalen Schillertage bringen wieder internationale Theaterproduktionen ans Nationaltheater Mannheim!

2013 steht „Die kritische Masse“ im Blickpunkt der Betrachtung. Ausgehend vom Theater als einem der ältesten Versammlungsorte, die es gibt, eröffnen die 17. Internationalen Schillertage ein Spielfeld des Sozialen. Das Theater ist die sozialste unter den Kunstformen, da sich seine Existenz der Anwesenheit einer Gruppe verdankt. Ohne Kollektiv, und sei es noch so temporär, kein Theater. Doch wie sieht es eigentlich aus, dieses Kollektiv im Theater? Wann erreicht ein Publikum seine kritische Masse? Zeitgenössische Theaterformen bringen das Publikum in Bewegung, schicken es auf die Suche, teilen und setzen es neu zusammen. Die Theaterrevolution des letzten Jahrhunderts hat aus braven Zuschauern Mittäter gemacht oder sie zumindest als Zeugen moralisch in die Pflicht genommen. Die 17. Internationalen Schillertage werden sich mit dem Festivalprogramm diesen Fragestellungen und Thematiken widmen und gemeinsam mit Künstlern und Publikum ganz unterschiedliche Antworten finden.

Eröffnet werden die 17. Internationalen Schillertage am 21. Juni mit Der Parasit, einem Lustspiel von Friedrich Schiller nach Louis Benoît Picard. Die Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden wird von Stefan Bachmann inszeniert, der derzeit fester Regisseur am Wiener Burgtheater ist und 2013 Intendant des Schauspiel Köln wird.

Gastspiele renommierter Häuser wie dem Thalia Theater Hamburg (Don Carlos) und dem Maxim Gorki Theater Berlin (Die Räuber) sowie die internationalen Gastspiele aus dem Iran (Die Räuber, Schauspielhaus Teheran), Russland (Kabale und Liebe, Theater Prijut Komedianta, St. Petersburg), den Niederlande (Agoraphobia von Lotte van den Berg, der Schweiz (Wilhelm Tell, Schauspielhaus Zürich und Wilhelm Tell, Theater Neumarkt, Zürich) und Österreich (WE des Wiener Künstlerkollektivs Nadaproduction und Räuber.schuldengenital, Burgtheater Wien) erwarten die Besucher während der neun Tage des Festivals, die jeden Abend mit den legendären Partys und Konzerten der Schill-Outs ausklingen. Von Electroclash über Electro-Pop, Chansons, Folk, Balkanbeats, Streetpunk, Rockabilly, Indietronic und Elektroswing sollte für jeden Geschmack etwas bei den Schill-Outs ab 22.30 Uhr im Festivalzentrum dabei sein.

Donnerstag, 28. Juli 2011

CDs - Niveauvolles von ECM: Saburi




Cyminology: Saburi
ECM,  Januar 2011

Cymin Samawatie: Gesang; Benedikt Jahnel: Klavier, Ralf Schwarz: Kontrabass, Ketan Bhatti: Schlagzeug, Percussion

"In der Musik des faszinierenden Welt Jazz-Projekts Cyminology, mit kontemplativen jazz- und kammermusikartigen Qualitäten, machen sich Einflüsse von persischen, europäischen und auch restbrasilianischen musikalischen Sprachen bemerkbar ... Samawatie windet ihre Gesangsparts durch die abwechselnd offene und komplexe kompositorische Gestaltung der Musik. Statt dass einem der ausgetretene Begriff "multikulturell" in den Sinn kommt, bietet sich die Bezeichnung ‚selbstdefinierte poetische Logik ' an." Josef Woodard, JazzTimes

Das zweite ECM-Album der Berliner Band Cyminology, ebenfalls von Manfred Eicher Producing in Oslo aufgezeichnet, greift den von der Presse gefeierten modus operandi „in Ausbreitung“ auf und zeigt ein Wachstum von musikalischem Vertrauen an allen Fronten. Die Interaktion innerhalb der Band wird immer dynamischer. Cymin Samawatie schreibt weiterhin das meiste des Band-Materials und betont die Gegenwart. Pianist Benedikt Jahnel, der Schlagzeuger Ketan Bhatti und Bassist Ralf Schwarz finden neue Freiheiten innerhalb der Strukturen. Bhatti und Jahnel bringen auch ihre eigenen Kompositionen in die Band ein. „Ketan schreibt sehr offen", sagt Cymin, „und das ermöglicht einen starken Improvisationszugang. Benedikt-Stücke sind oft detaillierter in ihrer Anordnung. Für mich ist ihr Beitrag als Komponisten eine echte Bereicherung für die Band als Ganzes . Sie bieten verschiedene Farben an, aber die Arbeit bleibt in dem besonderen Charakter der Gruppe. "
Während Sängerin Cymin Samawatie bei der ersten CD auf die klassische persische Dichtung (Rumi, Hafez) zurückgriff, sind diesmal die Texte alle von ihr. Realitäten des Lebens im Iran, aus großer Entfernung beobachtet, beeinflusst einige der Titel - insbesondere "Shakibaai" und der Titeltrack "Saburi". Cymin schrieb diese Texte bei dem 2009 Morgenland Festival in Osnabrück. In einer Zeit, in der Ahmadinejads Sicherheitskräfte Proteste nach den Wahlen auf den Straßen von Teheran unterdrückten, daher die Verärgerung in den Songtexten sowie ein Art bitterer Stoizismus ("Saburi" bedeutet übersetzt "Geduld", "Shakibaai" so viel wie "Ausdauer").
Samawatie: „Ich wollte nie, dass Cyminology eine ‚politische‘ Band ist, aber ich bin Iranerin und betroffen von dem, was passiert. Ich schaue auf die Situation und erkenne, es gibt wenig, was ich dagegen tun kann. Ich möchte etwas sagen, aber ich kann nicht, möchte etwas tun und kann nicht. Ich muss zugeben, dass es eine Menge Emotionen in mir hervorruft. Ich kann zwar nicht dort sein, aber ich kann alles von hier aus beobachten. Der Song ‚Shakibaai‘ berührt diesen Aspekt auch. Es kann sehr schmerzhaft sein, draußen zu stehen, nur  weinen zu können. Zu sehen, dass niemand in Deutschland den Menschen im Iran hilft.“
Im CD-Booklet ist eine Reihe von Stimmungen, bei weitem nicht alle beunruhigt, im Iran zu sehen. Fotos, die Cymin Samawatie in Teheran bei ihrem letzten Besuch dort vor etwa zwei Jahren aufnahm. Geboren wurde sie, mit iranischen Eltern, in Braunschweig, im Jahr 1976. Sie wurde zweisprachig aufgezogen und verbrachte als Kind einen Teil des Jahres in Iran.
Die multikulturelle Ausrichtung der Band wurde in Berlin begründet. Pianist Benedikt Jahnel, geboren 1980 in Frankreich, aufgewachsen bei München, Umzug nach Berlin im Jahr 2000. Seine Lehrer waren John Taylor, Richie Beirach und Kenny Werner. Er war mit führenden internationalen Musikern wie Charlie Mariano und Phil Woods auf Tournee und ist auch mit seinem eigenen Trio aktiv.
Percussionist Ketan Bhatti, in New Delhi, Indien, im Jahre 1981 geboren, wuchs in Bielefeld auf. Er tourte als Schlagzeuger, seit er 14 war, hat sich bei Projekten über Reggae und Hip-Hop bis Jazz als  Musiker und Produzent beteiligt und schreibt auch Musik für Theaterproduktionen.
Bassist Ralf Schwarz, geboren 1971, wuchs wie Cymin in Braunschweig auf und spielte Orgel und Gitarre vor dem Umschalten auf Kontrabass und E-Bass vor einem Jahrzehnt. Durch Kurse und Workshops mit Jazz-Meister wie Ron Carter, Steve Coleman, Mark Dresser, Mark Helias, Richie Beirach und Billy Hart hatte er die Möglichkeit, sich zu verfeinern und entwickelte seine eigenen Fähigkeiten.
Cymin Samawatie entwickelte ihre Idee, die persische Sprache als Schwerpunkt ihrer Arbeit zu betrachten, an der Berliner Hochschule der Kunst, wo Lehrer Jerry Granelli sie ermutigte, persische Dichtung mit nichttraditionellen Arrangements zu konfrontieren und nun den Klang der Sprache an sich zu studieren, seine Weichheit und Geschmeidigkeit als gestaltende Kraft in der Musik einzusetzen.
"Saburi" startete im Februar, März 2011 ihre Tournee in Deutschland und Österreich. Stationen waren Konzerte in München, Wien, Stuttgart, Osnabrück und Mannheim.

Weitere Termine auf der Website www.cyminology.de