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Donnerstag, 12. März 2026

Werkzeuge des Todes: Oreschnik und Fattah

Technik – Strategie – Politik – Zukunft des Krieges

Die modernen Raketenprogramme Russlands und Irans sind mehr als militärische Projekte. Sie sind Symbole einer neuen Phase der globalen Abschreckung. Zwei Systeme stehen exemplarisch dafür: die russische Rakete Oreschnik und die iranische Hyperschallrakete Fattah.

Sie verkörpern eine Entwicklung, die Militärstrategen zunehmend beunruhigt: Hyperschallwaffen, die schneller, schwerer abzufangen und politisch destabiliserender sind als frühere Raketen.

1. Technischer Hintergrund: Die Hyperschallära

Hyperschallwaffen bewegen sich mit mehr als Mach 5 – also mehr als fünfmal so schnell wie der Schall.
Das Entscheidende ist jedoch nicht nur die Geschwindigkeit, sondern drei Eigenschaften, die sie von klassischen ballistischen Raketen unterscheiden:

Extreme Geschwindigkeit
  • Mach 5 bis Mach 15
  • wenige Minuten Flugzeit über tausende Kilometer

Manövrierfähigkeit
  • Richtungswechsel während des Fluges
  • schwer vorhersehbare Flugbahn
  • am Ende Aufsteigen und totale Beschleunigung aufs Ziel zu
    (bei Geschwindigkeiten von bis zu 18.000 hm/h explodieren
    die Spitzen während des Aufpralls und geben Dutzende bis
    Hunderte Sprengsätze frei, die sich ihre weiteren Ziele selbst suchen)

Niedrigeres Flugprofil
  • fliegen teilweise innerhalb der Atmosphäre
  • schwerer für Frühwarnradar zu erkennen

2. Oreschnik – Russlands strategische Droharchitektur

Die russische Rakete Oreschnik gilt als Teil einer neuen Generation russischer Raketen, die aus den Programmen der strategischen Raketentruppen hervorgegangen sind.

Mögliche Eigenschaften
Reichweite: etwa 1000–3000 km
Geschwindigkeit: Mach 8–10
Gefechtskopf: konventionell oder nuklear
Startplattform: mobile Abschussanlagen

Russland verfolgt damit eine klare militärische Strategie: Europa innerhalb kürzester Zeit erreichen.
Militärisch bedeutet das: 
  • Hauptstädte
  • militärische Infrastruktur
  • Luftwaffenbasen
könnten innerhalb weniger Minuten getroffen werden.

Der Hintergrund ist die zunehmende Konfrontation zwischen Russland und der North Atlantic Treaty Organization.

3. Fattah – Irans Eintritt in die Hyperschallstrategie

Der Iran präsentierte 2023 offiziell die Hyperschallrakete Fattah. Entwickelt wurde sie von den Islamic Revolutionary Guard Corps.

Die offizielle Darstellung beschreibt ein System mit:
  • Geschwindigkeit: bis Mach 15
  • Reichweite: etwa 1400 km
  • steuerbarem Wiedereintrittskörper
  • hoher Abwehrdurchdringung

Strategisch richtet sich die Rakete vor allem gegen:
  • Israel
  • US-Militärbasen im Nahen Osten
  • regionale Rivalen
Der Iran verfolgt damit ein Ziel: Abschreckung ohne Nuklearwaffen. Raketen sollen den Gegner davon abhalten, iranisches Territorium anzugreifen.

4. Die militärische Revolution

Hyperschallwaffen verändern mehrere Grundprinzipien der Kriegsführung.

Die Zeit schrumpft
Frühwarnsysteme verlieren wertvolle Minuten. Beispiel:
Klassische Interkontinentalrakete: etwa 30 Minuten Flugzeit
Hyperschallwaffe: teilweise nur 10 Minuten oder weniger

Politische Entscheidungsträger haben kaum Zeit.

Raketenabwehr wird schwieriger

Systeme wie Iron Dome, Patriot oder Arrow 3 wurden vor allem gegen klassische ballistische Raketen entwickelt. Hyperschallflugkörper können:
  • plötzlich die Richtung ändern
  • niedriger fliegen
  • Radarfenster verkürzen
Dadurch wird das Abfangen deutlich komplizierter.

Abschreckung wird instabiler

Die klassische nukleare Abschreckung beruhte auf Zeit und Berechenbarkeit. Hyperschallwaffen schaffen jedoch eine gefährliche Situation: Ein Staat könnte glauben, er könne den Gegner überraschen und entwaffnen. Das erhöht das Risiko eines Präventivschlags.

5. Geopolitische Bedeutung

Hyperschallprogramme existieren nicht nur in Russland und Iran. Auch andere Großmächte investieren massiv:
  • United States
  • China
  • Russland
China testete etwa den Hyperschallgleiter DF-ZF, während Russland Systeme wie Avangard entwickelt. Damit beginnt ein neues globales Wettrüsten.

6. Militärische Realität: Vom Demonstrator zur Kriegswaffe

In den ersten Jahren galten Hyperschallraketen vor allem als technologische Demonstrationssysteme. Inzwischen hat sich die Situation verändert: Sowohl die russische Oreschnik als auch die iranische Fattah wurden im realen Krieg eingesetzt.

Oreschnik im Krieg gegen die Ukraine

Russland setzte die neue Rakete erstmals im November 2024 gegen die ukrainische Stadt Dnipro ein. Später folgten weitere Einsätze, etwa gegen Infrastrukturziele im Raum Lwiw. Besonders bemerkenswert ist dabei:
  • Die Rakete kann mehrere Wiedereintrittskörper (MIRV) tragen.
  • Sie erreicht extreme Wiedereintrittsgeschwindigkeiten von etwa Mach 10.
  • Ein einzelner Flugkörper kann mehrere Ziele gleichzeitig angreifen.
Damit hat Russland demonstriert, dass Hyperschall- bzw. neue Mittelstreckenraketen tatsächlich im konventionellen Krieg eingesetzt werden können – nicht nur als nukleare Abschreckungswaffe.
Militärisch war dies auch eine Botschaft an Europa und die NATO: Die Technologie ist einsatzbereit und skalierbar.

Fattah im Konflikt mit Israel

Auch der Iran hat die Hyperschallrakete Fattah bereits in realen Angriffen verwendet. Nach iranischen Angaben wurde die Rakete erstmals im April 2024 bei einem massiven Angriff auf Israel eingesetzt, bei dem mehrere Militärbasen getroffen wurden.

Zu den gemeldeten Zielen gehörten unter anderem:
  • Luftwaffenbasen in der Negev-Wüste
  • militärische Infrastruktur
  • strategische Einrichtungen

Die Botschaft des iranischen Militärs lautete:
Die Rakete könne israelische Luftabwehrsysteme durchbrechen.


Israel bestreitet teilweise die hyperschallen Eigenschaften der eingesetzten Geschosse, bestätigt aber, dass einige iranische Raketen Militärbasen erreichten. 

Der strategische Wendepunkt

Damit ist eine neue Phase erreicht: Hyperschallraketen sind nicht mehr nur Prototypen oder Abschreckungsmodelle. Sie sind jetzt:
  • Gefechtswaffen
  • politische Signale
  • Instrumente strategischer Eskalation

Zum ersten Mal seit Beginn der Hyperschallentwicklung zeigt sich eine Realität, die Militärstrategen lange befürchtet haben: Die Zukunftswaffen der Großmächte werden nicht erst im Weltkrieg getestet –
sondern bereits in regionalen Konflikten.

7. Reaktionen und Gegenstrategien: Was können NATO, Europa, USA und Israel dagegensetzen?

Die Ausbreitung von Hyperschallraketen wie Oreschnik und Fattah zwingt die westlichen Staaten zu einer grundlegenden Neubewertung ihrer Verteidigungsstrategien. Klassische Raketenabwehrsysteme reichen allein nicht mehr aus. Stattdessen entsteht eine mehrschichtige Antwort, die Technik, Strategie und Politik miteinander verbindet.

7.1 Neue Generation der Raketenabwehr

Die NATO-Staaten und Israel arbeiten an Abwehrsystemen speziell gegen Hyperschallwaffen. Wichtige Programme sind:

  • Arrow 3
    Hochatmosphärische Abfangraketen, die außerhalb der Atmosphäre wirken sollen.

  • David's Sling
    Für mittlere Reichweitenraketen entwickelt.

  • Patriot
    Modernisierte Versionen können auch begrenzt gegen schnelle Flugkörper eingesetzt werden.

  • US-Programme wie Glide Phase Interceptor
    sollen Hyperschallwaffen bereits in ihrer Gleitphase zerstören.

Der Ansatz lautet: mehrere Abfangschichten, die ein Ziel nacheinander bekämpfen.

7.2 Satelliten und Weltraumüberwachung

Die entscheidende Schwäche der Hyperschallwaffen ist ihre frühe Entdeckung. Deshalb investieren die USA massiv in ein globales Sensorennetz. Ein zentrales Projekt ist die Hypersonic and Ballistic Tracking Space Sensor. Dieses System soll:

  • Raketenstarts sofort erkennen

  • Flugbahnen kontinuierlich verfolgen

  • Abwehrsysteme automatisch informieren

Damit soll der Zeitverlust durch extrem schnelle Flugkörper kompensiert werden.

7.3 Eigene Hyperschallwaffen

Eine zweite Antwort lautet: symmetrische Abschreckung. Wenn beide Seiten Hyperschallwaffen besitzen, verliert der Überraschungseffekt an Bedeutung. Programme existieren in mehreren NATO-Staaten:

  • Dark Eagle
    Hyperschall-Gleitkörper mit großer Reichweite.

  • AGM-183 ARRW
    luftgestütztes Hyperschallsystem.

Die Idee dahinter ist die klassische Logik der Abschreckung: Wer selbst treffen kann, wird weniger leicht angegriffen.

7.4  Präventive Zerstörung von Abschussanlagen

Militärstrategen betonen eine weitere Option: Raketen vor dem Start zerstören.

Das bedeutet:

  • Satellitenaufklärung

  • Cyberoperationen

  • Präzisionsschläge gegen Startanlagen

Israel verfolgt diese Strategie bereits gegen Raketenprogramme im Nahen Osten. Auch die NATO diskutiert zunehmend präventive Neutralisierung von Raketenstellungen.

7.5 Elektronische und Cyber-Kriegsführung

Hyperschallwaffen sind hochkomplexe Systeme und benötigen:

  • Navigation

  • Satellitenkommunikation

  • Sensorik

Diese Systeme können gestört werden mit folgenden Methoden:

  • GPS-Störung

  • Cyberangriffe auf Steuerungssysteme

  • elektronische Täuschung

Diese Form der Kriegsführung wird im 21. Jahrhundert immer wichtiger.

7.6  Neue Verteidigungsarchitektur Europas

Europa arbeitet parallel an einer gemeinsamen Raketenabwehr.

Ein Beispiel ist die Initiative European Sky Shield Initiative, die mehrere Länder verbindet.

Ziel ist:

  • integrierte Luftverteidigung

  • gemeinsame Sensorik

  • abgestimmte Raketenabwehr

Das Projekt soll Europa gegen neue Raketenbedrohungen widerstandsfähiger machen.

7.7 Diplomatie und neue Rüstungskontrolle

Langfristig bleibt eine militärische Lösung allein unzureichend.

Nach dem Ende des Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty existiert kaum noch internationale Kontrolle für Mittelstreckenwaffen. Viele Sicherheitsexperten fordern deshalb:

  • neue Rüstungskontrollverträge

  • Transparenz über Hyperschallprogramme

  • internationale Testbegrenzungen

Ohne solche Regeln droht ein ungebremstes Wettrüsten.


Die Antwort auf Hyperschallraketen besteht aus vier Säulen:

  1. bessere Raketenabwehr

  2. globale Frühwarnsysteme

  3. eigene Hyperschallwaffen

  4. politische Rüstungskontrolle

Doch selbst diese Kombination kann ein Problem nicht vollständig lösen: Hyperschallraketen verkürzen die Zeit zwischen Entdeckung und Entscheidung drastisch.

Je schneller die Waffen werden, desto größer wird die Gefahr, dass eine Fehlinterpretation genügt, um eine Eskalation auszulösen.