IG Bürger denken mit: Kritische Auseinandersetzung mit den Plänen der AfD. Es gibt noch mehr Widersprüchliches ...
vieregg text redaktion lektorat + SV Verlag
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TEUFELSKINDER von Jules Amedée Barbey D'Aurevilly
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SV Verlag
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Donnerstag, 3. September 2026
21 Pläne der AfD, die so nicht funktionieren ...
Lust auf Voten? Junge Menschen zwischen 14 und 17 Jahren lernen bei Lesen und Kultur für alle e.V. demokratische Kultur
Lesen für alle - das freie Wort Lesen und Kultur für alle e.V.
Unsere Demokratie hat nur Zukunft, wenn junge Stimmen gehört werden.
„Lesen für alle – Das freie Wort“ verbindet Leseförderung, Demokratiebildung und kulturelle Teilhabe für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 11. Gemeinsam mit Autorinnen und Autoren – darunter Menschen mit eigener Zensurerfahrung – beschäftigen sie sich mit Meinungsfreiheit, Menschenrechten und unterschiedlichen Perspektiven.
In wissenschaftlich begleiteten Workshops entstehen eigene Texte und kreative Beiträge aus Schreiben, Theater, Radio, Film und Fotografie. Die Jugendlichen entwickeln Haltung, Vertrauen in die eigene Stimme und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem freien Wort. Ihre Ergebnisse werden öffentlich präsentiert und damit sichtbar und hörbar.
Mit den 3.000 Euro finanzieren wir Workshops, Materialien und die Präsentation der Ergebnisse.
Gib diesem Verein deine Stimme – damit junge Stimmen gehört werden! Auf der Seite der Sparda Bank Hessen könnt ihr voten. Das Projekt mit den meisten Stimmen erhält 3000 EUR
https://www.sparda-vereint.de/project/lesen-fuer-alle-das-freie-wort/voting/bildung-2026/
Mittwoch, 2. September 2026
Warum verlieren die etablierten Parteien in Deutschland Wähler?
Bei einer Recherche in den Medien ergeben sich deutliche Gründe für das abtrünnige Wählerverhalten, das letztendlich auch stark durch den Populismus der AfD beeinflusst wird.
Lesen Sie hier die Einzeldarstellungen:
Wählerabkehr 01: Der Sinkflug der SPD
Wählerabkehr 02: Der Absturz der CDU/CSU
Wählerabkehr 03: Die GRÜNEN - nur leichter Rückgang mit Bruchlinie im Osten
Wählerabkehr 04: Der Niedergang der FDP
Schauen Sie doch einmal rein ...
Ist die AfD wirklich eine Alternative? Wie viele Pläne funktionieren eigentlich?
Freitag, 28. August 2026
Fantasien zur Nacht: Short 6
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| Foto: Stefan Vieregg, mit KI kreiert |
Der Sand spritzt unter meinen Füßen hoch, kalt, weich, kitzelt zwischen den Zehen. Vor mir — nichts. Kein Termin, kein "wir müssen reden", keine Tür die geknallt wird. Nur Strand. Kilometerweit Strand. Endlich.
Du hast keine Ahnung, wie lange ich darauf gewartet habe. Die letzten Monate... Es war nur noch anstrengend mit uns.
Weißt du noch, dieser Streit wegen des Urlaubs? Ich wollte ans Meer. Du wolltest "erstmal gucken wegen Geld und überhaupt". Ich hab gesagt: "Ich brauch Luft." Und du: "Du brauchst immer irgendwas Dramatisches." Dramatisch. Ich dramatisch. Dann hast du gesagt, ich wäre kindisch, weil ich wegen so einem Kleid heulen würde — weil ich es mir gekauft habe, und du meintest, das sei rausgeschmissenes Geld für "Origami-Gedöns". Du hast es nicht verstanden. Du hast NIE verstanden, warum ich manchmal einfach losrennen muss.
Dann die Nacht, als du meine Tasche schon halb ausgepackt hast und sagtest: "Wenn du jetzt fährst, dann fährst du allein." Ich hab geweint, ja. Und dann hab ich sie wieder gepackt. Ganz allein. Und jetzt bin ich allein. Gott sei Dank bin ich allein.
Schau mal mein Kleid! Ich hab es doch anbehalten. Mein gelbes Faltenkleid. Und guck — die kleinen Fallschirmchen! Sie sind mit dünnen Bändern an meinem Rücken festgemacht. Als ich losgerannt bin, hat der Wind sie einfach mitgerissen und jetzt fliegen sie! Wirklich! Sie steigen! Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs kleine gelbe Parachutes, wie kleine Quallen am Himmel, hinter mir her. Wenn ich schneller laufe, steigen sie höher. Wenn ich stehenbleibe, tanzen sie um mich herum.
Hahaha! Ich muss so lachen! Ich kann sie im Wind steigen lassen, komplett. Ich halte die Bänder gar nicht fest, der Wind macht das. Es fühlt sich an, als würde mich das Kleid selbst nach vorne ziehen, als würde es sagen: "Komm, noch schneller!"
Ich bin nicht mehr sauer. Ich bin nicht mal mehr traurig. Ich bin einfach nur... leicht. Wie die kleinen Schirmchen da hinten. Barfuß, mit fliegenden Haaren, ein bisschen außer Atem, ein bisschen sandig — aber frei.
Ich laufe jetzt einfach weiter. Bis zum Ende vom Strand. Nur weil ich es kann.
Donnerstag, 27. August 2026
Oper Frankfurt: COSÌ FAN TUTTE, von Wolfgang Amadeus Mozart
Sonntag, 23. August 2026, um 18 Uhr im Opernhaus
Erste Wiederaufnahme
COSÌ FAN TUTTE
Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
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| Così fan tutte (2026-2027) Bildnachweis:Barbara Aumüller |
Musikalische Leitung: Takeshi Moriuchi / Alden Gatt; Inszenierung: Mariame Clément Mitwirkende:
Fiordiligi: Karolina Bengtsson
Dorabella: Kelsey Lauritano / Karolina Makuła (30. 12. 2026., 2., 8., 10., 16. 21.01.2027.)
Guglielmo: Taehan Kim / Finn Sagal (30. Dezember 2026., 2., 8., 10., 16. 21.01.2027) Ferrando: Matteo Ivan Rašić (23., 28., 30.08.2026) / Andrew Kim
Despina: Elizabeth Reiter / Bianca Tognocchi (30.12 2026, 2., 8., 10., 16. 21.01.2027)
Don Alfonso: Sebastian Geyer / Liviu Holender (30.12.2026, 2., 8., 10., 16. 21.01.2027)
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 18.30 Uhr.
Preise: € 16 bis 127 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Mit freundlicher Unterstützung der DZ-Bank
Così fan tutte ist nach Le nozze di Figaro und Don Giovanni die letzte der drei Opern von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), die in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte entstanden. Nach Mozarts Tod fiel das Werk bald in Ungnade: Zu frivol sei die Geschichte, zu konstruiert die Handlung. Aber vielleicht war die Lehre, die in der „Schule der Liebenden“ unterrichtet wird, für das 19. Jahrhundert einfach zu hart? Erst Richard Strauss und Gustav Mahler gewannen die Oper wieder als Kernstück fürs Repertoire zurück.
Così fan tutte – So machen’s alle, ist das nüchterne Fazit einer Wette, welche die Offiziere Guglielmo und Ferrando mit dem Philosophen Don Alfonso abschließen. Um den von diesem propagierten Wankelmut aller Frauen, dem die Freunde die unverbrüchliche Treue ihrer Bräute Fiordiligi und Dorabella entgegenhalten, auf die Probe zu stellen, fassen die Herren einen Plan: Als Türken verkleidet erscheinen die Offiziere – kurz zuvor noch tränenreich in einen fiktiven Krieg verabschiedet – bei den Geliebten und bieten alle Verführungskünste auf, um die Damen zu erobern. Nicht zuletzt durch den Einfluss der in Liebesdingen versierten Zofe Despina kann anfänglicher Widerstand der Umworbenen schließlich gebrochen werden. Bevor es jedoch zu einer Hochzeit der beiden „über Kreuz“ verbundenen Paare kommt, wird das Verwirrspiel aufgedeckt. Doch damit sind noch längst nicht alle Fragen geklärt ...
Studienleiter Takeshi Moriuchi übernimmt das Dirigat der Wiederaufnahmeserie von Così fan tutte alternierend mit Kapellmeister Alden Gatt. Moriuchi ist der Oper Frankfurt seit 2018 verbunden, als Dirigent und Liedbegleiter tritt er seither immer wieder auch für das Publikum in Erscheinung. Gatt dirigierte in Frankfurt bereits Die Zauberflöte, Ascanio in Alba und Le nozze di Figaro von Mozart. Die Partie der Fiordiligi singt Karolina Bengtsson. Die Sopranistin ist seit der Spielzeit 2023/24 ein Teil des Ensembles und überzeugte am Haus schon in diversen Partien. 2025 sang sie beim Festival d’Aix-en-Provence Camille (Louise) und bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik Dori (Iphigénie en Tauride). Bengtsson ist mehrfach preisgekrönt u.a. beim Internationalen Haydn-Wettbewerb für Klassisches Lied und Arie, sowie beim Internationalen Gesangswettbewerb „Die Meistersinger von Nürnberg“. Kelsey Lauritano und Karolina Makuła alternieren als Dorabella.
Neben ihrer Partie in Così fan tutte wird Lauritano in dieser Spielzeit auch in Händels Flavio und in der Premierenserie von Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen auftreten. Eine Besonderheit ihrer Saison wird der Liederabend im großen Haus gemeinsam mit Kapellmeister Alden Gatt sein. Auch Makuła ist an zahlreichen Produktionen beteiligt, unter anderem auch bei den Wiederaufnahmen von Richard Wagners Das Rheingold und Die Walküre. Taehan Kim und das neue Opernstudio-Mitglied Finn Sagal alternieren in der Partie des Guglielmo. Kim wurde zur Spielzeit 2025/26 in das Ensemble der Oper Frankfurt aufgenommen und gab mit der Partie des Guglielmo seinen Einstand. Zuvor war der südkoreanische Bariton Mitglied des Internationalen Opernstudios der Berliner Staatsoper. Sagal ist seit dieser Spielzeit Mitglied des Frankfurter Opernstudios und wird nun ebenfalls seinen Einstand hier am Haus als Guglielmo feiern. Matteo Ivan Rašić als Gast und das neue Ensemble-Mitglied Andrew Kim alternieren in der Partie des Ferrando. Kim verstärkte in den Jahren 2023 bis 2025 das Opernstudio der Oper Frankfurt und war im Anschluss eine Saison freischaffend tätig. In dieser Zeit gab er u.a. sein Debüt als Edgardo in Lucia di Lammermoor. Als Despina wechseln sich, wie auch schon in der Premierenserie, die Ensemblesängerinnen Elizabeth Reiter und Bianca Tognocchi ab. Liviu Holender und Sebastian Geyer verkörpern alternierend die Partie des Don Alfonso. So zeigt auch die zweite Wiederaufnahme der Saison die Bandbreite des Ensembles der Oper Frankfurt.
Märchen 01: Maras Edelsteinhaus
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| Foto von Hanna Ivaniv |
Es war einmal tief im Grünberg, wo die Bäume so dicht standen, dass das Sonnenlicht nur in goldenen Tupfen auf den Waldboden fiel, eine Bergfrau namens Mara.
Mara war nicht wie die anderen im Dorf unten am Fluss. Jeden Morgen setzte sie ihren Helm mit dem kleinen Licht darauf auf, steckte den Hammer in die Tasche ihres ockerfarbenen Anzugs und verschwand in der Edelsteinmine. Während die anderen schürften und von Reichtum träumten, lauschte Mara. Denn die Steine sprachen. Nicht laut. Sie summten.
"Wir sind müde", summten die großen, milchigen Brocken. "Niemand will uns."
Die Menschen wollten nur das, was glitzerte - die grünen Smaragde, die rosa Turmaline, die blauen Aquamarine wie gefrorenes Himmelswasser. Genau solche, wie sie jetzt in Maras Lore lagen, wie auf deinem Bild. Schwer und stolz. Jeder im Dorf hätte sie am liebsten heimlich eingesteckt.
Mara aber hatte einen anderen Traum. Kein Schloss. Kein Gold. Sie wünschte sich ein kleines Haus am Waldrand. Mit einem gelben Fensterladen, einer Bank vor der Tür und einem Dach, unter dem es im Winter warm war. Ein Haus, das ihr gehörte. Ganz ohne Schuld.
"Wie soll das je wahr werden?", seufzte sie eines Abends in den dunklen Stollen hinein. "Ich kann die funkelnden Steine nicht nehmen. Sie gehören dem Berg. Und dem Dorf."
Da antwortete ihr der Berg. Oder besser: der Alte vom Berg. Ein kleiner Wicht mit Bart aus Moos, der Hüter der Mine, den nur die hören, die nicht gierig sind.
"Du hast recht, Mara", krächzte er. "Wer stiehlt, baut sein Haus auf weichem Grund. Es wird immer einstürzen. Aber du - du hast das andere gehört."
"Das andere?"
"Die Steine, die niemand will."
Er zeigte auf die Haufen von taubem Gestein, auf das milchig-weiße Muttergestein, das die Bergleute achtlos zur Seite warfen. Für sie war es Abfall. Für Mara aber begann es zu leuchten.
In den nächsten Wochen tat Mara etwas Seltsames. Während die anderen die Lore mit den großen Kristallen füllten, sammelte sie die unscheinbaren Brocken. Die rauen, weißen, leicht glitzernden. Sie wusch sie im Bach, schliff sie am Flussufer glatt, legte sie in der Sonne zum Trocknen aus.
Die Dorfkinder kamen und halfen. "Was baust du?", fragten sie. "Ein Märchen", sagte Mara und lächelte.
Aus den Steinen baute sie kein Haus aus Edelsteinen - sondern ein Haus mit Edelsteinen. Sie verkaufte die geschliffenen weißen Steine an Gärtner für Wegeinfassungen, an Künstler, an Maurer, die daraus wunderbar kühle Mauern bauen konnten. Und für jeden verkauften Wagen tauben Gesteins durfte sie sich, so war die alte Abmachung mit der Berggenossenschaft, einen Eimer voll kleiner Splitter und Staub mitnehmen - den Edelsteinstaub, der beim Schlagen abfiel und sonst im Boden versickerte.
Diesen Staub rührte sie in ihren Kalk. Und so geschah das Wunder.
Als ihr kleines Haus am Waldrand endlich stand - Stein für Stein selbst gemauert, mit der Bank vor der Tür - da begann es bei Sonnenuntergang zu schimmern. Das Dach funkelte nicht protzig. Es glitzerte leise. Grün, rosa und blau, wie tausend kleine Sterne im Putz. Weil Mara nicht die großen Kristalle gestohlen, sondern das Kleine, Vergessene geehrt hatte, hatte der Berg ihr seinen Segen geschenkt.
Und wenn heute Wanderer vorbeikommen und fragen: "Sag, Bergfrau, warum leuchtet dein Haus so schön?", dann sagt Mara: "Weil ein Traum, der ehrlich gebaut ist, von selbst zu leuchten beginnt. Man muss nur lernen, den Wert in dem zu sehen, was andere liegen lassen."
Und ihre Lore? Die schiebt sie noch immer. Aber jetzt weiß jeder, dass das größte Vermögen nicht in der Lore liegt, sondern in den Händen, die sie schieben.
Dienstag, 25. August 2026
Severin Groebners Neuer Glossenhauer #110 - Selfie Revolution
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| Alter Sack im Auge der Jugend von heute: So viel Rosa, dass es weh tut. © Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl |
Nachdem ich jetzt drei halbfertige Newsletter geschrieben und wieder verworfen habe, habe ich beschlossen, dass es ein neues Museum braucht. Das Museum für unfertige, unveröffentlichte Online-Satiren. Da kommen dann meine Textbaustellen rein und die - selbstgeschriebenen - Reden diverser AfD- und FPÖ-Abgeordneter, bevor die Partei-PR-Abteilung drüber gegangen ist.
Aber ich gebe nicht auf und habe jetzt endlich das Thema gefunden, das satirisch von einem 56jährigen weißen Mann bearbeitet gehört, nämlich: die Jugend.
Denn die Jugend macht weltweit auf sich aufmerksam. In Indien rebelliert sie unter dem Leben der „Kakerlaken“, in Vietnam verehrt sie dagegen einen Baum. Nicht aus spirituellen Gründen, sondern weil an diesem Baum eine junge Frau zu Tode gekommen ist.
Was wiederum deshalb passiert ist, weil sie auf ihrem Moped einem BMW eines regierungsnahen Geisterfahrers ausgewichen ist, und dann ihr Lebensende an dieser verholzten Pflanze gefunden hat.
Aber auch in Nepal sind die Jungen nicht sehr glücklich und auch in Albanien nicht.
Dort werden schließlich auch die Flamingo-Proteste von vielen jungen Menschen getragen. Das sind Proteste dagegen, dass die Familie Trump bzw. Kushner im letzten unberührten Küstenabschnitt Europas ein Ressort errichten möchte.
Wie ich jung war (Zuhören, Ihr Jungen, der alte Sack spricht von früher! Das ist spannend! Für ihn.) stand „Ressort“ noch für einen Fachbereich in Verwaltung oder Wissenschaft, in dem - und jetzt wird’s crazy, Ihr Youngsters! - eine kompetente Person mit passender Ausbildung im Rahmen der gesetzlich gesteckten Grenzen gewirkt hat.
Das ist aber mittlerweile Past-Fiction und deshalb steht Ressort heute für eine Ansammlung von Häusern, die zugunsten - wie ich als Wiener sagen würde - von "überfinanzierten Beidlbracker“ errichtet werden soll. Wem das zu seltsam klingt, kann auch es auch auf Bayerisch sagen, dass das Hütten für „geldgeile Zipfelklatscher“ sind. Oder wir bleiben sachlich neutral und sagen einfach Zweit- oder Dritt- oder Viert-Wohnmöglichkeiten für der Selbstbefriedigung zuneigende Überreiche.
(Apropos: Knedl, also Gerschtl, vulgo: Kies. Man kann diesen Newsletter auch unterstützen. Siehe unten)
Wie auch immer: Auch diese Proteste in Albanien werden von jungen Leuten getragen. Genauso wie die Proteste in Serbien gegen Aleksander Vučić, der wiederum ein Busenfreu… nein… ein Popokamerad von Waldemar Steck-Rein (Mafiaboss und Kriegsverbrecher mit Zweitjob an der Spitze der russischen Verwaltung) ist.
Also die jungen Leute sind weltweit auf der Straße und protestieren gegen ein System, dass mal so und mal so heißt, aber überall dieselben Ausformungen hat. Nämlich, dass Geld aus der Öffentlichkeit und dem Allgemeingut abgezogen wird, um es in Projekte zu stecken, von denen nur ganz, ganz wenige, relativ alte Leute und ihre Familien profitieren. Meistens sind es Herrn, und obendrein gehen all diese Projekte auf Kosten der Zukunft. Und damit vor allem auf Kosten der Jungen.
Denn natürlich muss man mit einem Siebzigjährigen nicht mehr über Zukunft diskutieren. Schließlich berechnet der „Zukunft“ nicht in Jahrzehnten, sondern in Monaten. Sollen 120 Monate sein, aber viel länger wird’s statistisch nicht.
Deshalb ist die Jugend zu Sachen Zukunftsfragen seltsamerweise immer am meisten betroffen und dementsprechend sauer. Weltweit.
Moment! Weltweit?
Nein, ein kleiner Fleck der jugendlichen Weltbevölkerung hört nicht auf, keinen Widerstand zu leisten.
Denn in der deutschsprachigen Jugend sehe ich nichts, was sich in ähnlicher Weise darstellt.
Deshalb gibt es jetzt auch diesen Newsletter, weil der ein Bedürfnis befriedigt, dass die Jugend immer schon hegt, hegen wird und gehegt hat. (Vielleicht sogar gehogen.)
Heimlich, aber intensiv.
Denn nichts will die Jugend mehr, nach nichts mehr dürstet sie mit feurigem Herzen (um das mal in Jugendsprache zu sagen) als gute Ratschläge von älteren Herrn zu empfangen. Empfangen zu dürfen, um genau zu sein.
Ich weiß das. Früher hab ich das anders gesehen, aber heute, wo ich einer dieser älteren Menschen bin, weiß ich das ganz, ganz genau. Denn - und jetzt kommt die Credibility-Phrase, die mich direkt in das Mindset der Chilling Youth katapultiert - „ich war auch mal jung!“
Echt. Und deshalb kenn ich mich aus mit Widerstand und Revolution und so Zeug. Schließlich war ich jung in den Achtziger Jahren, und da haben wir all das …
nicht gemacht. Dafür gab’s Schulterpolster, Vokuhila und Aerobic. Und das alles ummantelt von Selbstmitleid und Frottee-Stirnbändern. Das musste man erstmal aushalten!
Deshalb bin ich Experte für Jugendrebellionen.
Weil ich keine erlebt hab.
Klingt unlogisch? Im Gegenteil: Das ist so wie in der katholischen Kirche. Da erzählt einem auch der Pfarrer, Bischof, ja sogar der Papst, immer was über Sex, und wie man und frau was machen soll und mit wem und was nicht. Und selbst pflegen die Ratschlaggeber frommste Enthaltsamkeit.
Angeblich.
Deshalb hier die Top 3 Tipps für die gelungene Jugendrevolte:
Erstens braucht man ein Thema. Und was fasziniert die jungen Menschen am meisten? Wenn man sich umschaut, wollen sie nichts wissen von Klimawandel, Grundwasserspiegel, Ernährungssicherheit, Ausbildungsplätzen, leistbarem Wohnen, Vermögens- oder Erbschaftssteuer, Menschenrechten oder ähnlichem unwichtigen Kasperltheater, nein, junge Menschen interessieren sich für: ihre Handys!
Insofern jetzt Rebellionen für das, was euch am meisten interessiert: Handytarife und Netzabdeckung.
Eine Rebellion für Handytarife ist auch deshalb sehr gut, weil sich jeder angesprochen fühlen kann. Und wenn nicht, ruft man ihn einfach an und spricht ihn an.
Oder schickt ihm eine Sprachnachricht.
Zweitens, wenn schon die Rebellion um sowas Wesentliches geht, braucht sie natürlich auch klares Image. Eine PR-Strategie. Also wenn die indische Jugend sich mit Kakerlaken identifiziert, braucht die deutschsprachige Jugend natürlich auch etwas, was so einschlägt.
Wie wär’s mit dem Bild eines stilisierten USB-Anschlusses? Oder einem ironischen Chai-Latte-Emoji?
Oder dem Meme von einem Hipster-Bart? Einem Bart, der so klein ist, dass man nicht weiß: Ist das eine Gesichtsfrisur oder eine Intimrasur?
Oder man nimmt einfach die drei Balken, die auf jedem Handy zu finden sind, und die stehen für die drei Säulen der Gesellschaft: Netz-Empfang, freier Download und Akku-Laufzeit.
Denn das ist das Grundrecht. Das wissen auch Thea oder Benny, die gerade während des Starkregens in eine U-Bahn Station geflüchtet sind. Das ist die Mission dieser aufrichtigen Konsumenten einer Wisch & Weg-Kultur! Drei Balken! Am besten alle drei im Auge.
Drittens: konkrete Forderungen!
Also 24 Stunden lang gratis Streaming - aber ökologisch korrekt. Das heißt: Die Streaming Server werden mit Bio-Limonade gekühlt. Und eine Bluetooth Box für jede und jeden. Denn unbegründete, nervige Lautstärke war immer schon ein Vorrecht der Jugend.
Sieht man, wenn man nach hinten schaut: Rock’n‘ Roll - laut. Zweiter Weltkrieg - extrem laut! Davor: Nazi-Aufmärsche, erster Weltkrieg, Dreißigjähriger Krieg, Kreuzzüge, Völkerwanderungen…. alles wurde von jungen Leuten betrieben - und war nicht leise.
Und dann müssen natürlich die konkreten, politischen Forderungen, die die deutschsprachige Jugend erhebt, so gestellt werden, damit sie in das passen, was am Schluss auch rauskommt.
Nämlich ein: Beirat.
Der Beirat ist das Höchste, was die demokratischen Gesellschaften Europas an Flexibilität und Reformwillen zu Stande bekommen. Denn, wenn man eine Gruppe jahrzehntelang verarscht und ausgebeutet hat und auch weiter verarschen und ausbeuten will, aber ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht mehr „so arg“ ausgebeutet und verarscht werden, dann bekommt die Gruppe einen Beirat. Deshalb gibt es Ausländer-Beiräte, Frauen-Beiräte, Elternbeiräte und natürlich auch Kinderbeiräte.
Das ist alles wahnsinnig schön, und die Betroffenen haben was zum Reden, aber nichts zu sagen.
Denn die dürfen ein Statement abgeben, woraufhin alle Entscheidungsträger und -Innen interessiert „danke“ sagen und dann das beschließen, was Ihnen der Lobbyisten-Verband ihres Vertrauen aufgeschrieben hat.
Der Beirat ist also schön. Er ist eine Mischung aus Unrat und Hausrat. Schön… aber es geht auch ohne ihn.
Und wenn diese Jugend dann das endlich bekommen hat, den Mobilfunkbeirat, dann kann sie in zerbröselnden Schulen bei nichttrinkbarem Trinkwasser und steigenden Lebensmittelpreisen fern von leistbaren Wohnungen „ein Wörtchen" mitreden.
Aber halt auch nur ein Wörtchen.
Ach ja, noch einmal jung sein, das wär… ein Horror!
Also lieber was streamen, man kann ja eh nix machen.
Und mit diesen Aussichten weiß man plötzlich auch, warum die Altersgenossen in Indien sich das Image einer Kakerlake gewählt haben.
Weil dieses Tier hat - zusammen mit den Brombeeren und den Ratten - die beste Chance, die ganze Scheiße zu überleben.
Also Lächeln: Selfie!
—
groebner live:
Die heißen Neuigkeiten, hab ich schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal und nochmal und nochmal. Solange bis sie keine Neuigkeiten sind, sondern Altigkeiten:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem „Österreichischen Kabarettpreis 2026“ ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.
Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man hier lesen.
groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich hier anschauen.
Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ kann man demnächst im ORF Sommerkabarett sehen. Und zwar am 25. August. (Also sehr bald!)
groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich hier anhören.
Auch zu hören:
Meine neue Single: „Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album „Nicht mein Problem“.
Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für das „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was auf das Bargeld eigentlich drauf sollte.
groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.
groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-
Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64
Montag, 24. August 2026
Wie können wir die Austrocknung unserer Böden verhindern?
1. Die Ausgangslage: Deutschlands Böden verlieren im Sommer Wasser
Das Umweltbundesamt dokumentiert einen signifikanten Rückgang der modellierten Bodenfeuchte während der Vegetationsperiode für landwirtschaftliche Kulturen. Besonders deutlich ist die Entwicklung seit etwa 2000. Gleichzeitig kann ein stark ausgetrockneter Boden Wasser schlechter aufnehmen: Seine Wasserleitfähigkeit sinkt, wodurch bei Starkregen mehr Oberflächenabfluss entsteht. Das ist ein bemerkenswerter Doppel-Effekt:
Dürre → Boden trocknet aus → Infiltration nimmt ab → Starkregen läuft oberirdisch ab → Erosion/Hochwasser. (Umweltbundesamt)
Das bedeutet: Wassermanagement und Bodenschutz sind keine getrennten Probleme.
2. Humus: wichtig, aber kein magischer Wasserspeicher
Das Umweltbundesamt bezeichnet Humus ausdrücklich als Speicher- und Puffermedium für Wasser, Nährstoffe und Schadstoffe. Humus verbessert Bodenstruktur und Porenvolumen und damit Speicher-, Filter- und Pufferkapazität. (Umweltbundesamt)
Der Anpassungsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie formuliert es noch konkreter: Humus verbessert den Luft- und Wasserhaushalt, vermindert Bodenverdichtung und Erosion und reduziert die sommerliche Austrocknung. (Umweltbundesamt)
Daraus folgt eine solide landwirtschaftliche Strategie:
- organische Substanz zurückführen,
- Erntereste möglichst auf der Fläche belassen,
- Zwischenfrüchte,
- Untersaaten,
- standortangepasste Fruchtfolgen,
- organische Dünger dort, wo sie sinnvoll und zulässig sind,
- reduzierte Bodenbearbeitung.
Das Umweltbundesamt empfiehlt genau diese Kombination. (Umweltbundesamt)
Wichtig: Daraus darf man aber nicht die einfache Formel „1 % mehr Humus = X Liter mehr Wasser“ ableiten. Die Wirkung hängt erheblich von Bodenart und Ausgangszustand ab. Auch die internationale Literatur ist bei der direkten Erhöhung der pflanzenverfügbaren Wasserkapazität durch organische Substanz wesentlich vorsichtiger, als populäre Darstellungen manchmal suggerieren. (FAOHome)
3. Die viel wichtigere Größe: die nutzbare Feldkapazität
Für die Landwirtschaft ist nicht entscheidend, wie viel Wasser insgesamt im Boden steckt, sondern wie viel davon für Pflanzen verfügbar ist.
Das Umweltbundesamt verwendet dafür die nutzbare Feldkapazität (nFK). Sie beschreibt den Wasservorrat, den Pflanzen tatsächlich nutzen können. Bei vielen Pflanzen kann bereits unterhalb von etwa 50 % nFK Trockenstress einsetzen. (Umweltbundesamt)
Das führt zu einem wichtigen Perspektivwechsel:
Ziel der Landwirtschaft sollte nicht maximal nasser Boden sein, sondern ein möglichst großer, stabiler Vorrat an pflanzenverfügbarem Wasser im Wurzelraum.
Ein wassergesättigter Boden ist nämlich ebenfalls kein Idealzustand: In diesem Fall fehlt den Wurzeln Sauerstoff, und überschüssiges Wasser kann versickern oder oberirdisch abfließen. (Umweltbundesamt)
4. Bodenbedeckung ist sehr gut belegt
Aufgrund robuster wissenschaftlicher Grundlage empfiehlt das Umweltbundesamt:
- permanente bzw. möglichst lange Bodenbedeckung,
- Zwischenfrüchte,
- Untersaaten,
- Mulch,
- Erntereste,
- reduzierte Bodenbearbeitung.
Diese Maßnahmen reduzieren die Verdunstung und schützen gleichzeitig vor Wasser- und Winderosion. (Umweltbundesamt)
Noch interessanter: Bodenbedeckung wirkt gleichzeitig bei Dürre und Starkregen.
Bei Trockenheit:
Beschattung + Pflanzenreste → geringere Verdunstung.
Bei Starkregen:
Vegetation + Bodenstruktur → geringere kinetische Energie der Regentropfen + bessere Infiltration + weniger Oberflächenabfluss.
Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass ein aktives Bodenleben mit vielen vertikalen Bodenporen – beispielsweise durch Regenwurmgänge – die Versickerung fördern und Oberflächenabfluss reduzieren kann. (Umweltbundesamt)
5. Bodenverdichtung ist ein unterschätzter Gegner
Die vorherige Antwort zählt auch hier. Ein Boden kann theoretisch viel Wasser speichern – aber wenn schwere Maschinen seine Porenstruktur zerstören, kommt das Wasser nicht mehr vernünftig hinein und die Wurzeln kommen nicht mehr vernünftig hinein.
Das Umweltbundesamt fordert deshalb eine standort- und witterungsangepasste Bodenbearbeitung und die möglichst weitgehende Vermeidung von Bodenverdichtung. Entscheidend sind Bodenart, Bodenfeuchte und der von Maschinen ausgeübte Bodendruck. (Umweltbundesamt)
Das ist besonders wichtig für:
nasse Böden + schwere Maschinen = Verdichtungsrisiko.
Und daraus entsteht wiederum ein gefährlicher Kreislauf:
Verdichtung → weniger Poren → schlechtere Infiltration → mehr Oberflächenabfluss → mehr Erosion → weniger fruchtbarer Oberboden → geringeres Wasserhaltevermögen.
1. Den Boden begrünen
Eine möglichst lange Bodenbedeckung schützt
vor Austrocknung und Erosion und unterstützt
die Aufnahme von Niederschlagswasser.
Foto: Randy Caparoso
CC BY-SA 4.0 |
2. Wasser am Hang halten
Terrassen und Querstrukturen bremsen den
Oberflächenabfluss und helfen, Boden und
Wasser am Hang zurückzuhalten.
Foto: REMSTAL.WEIN.erleben
CC0 – Public Domain |
3. Gezielt bewässern
Tröpfchenbewässerung bringt Wasser gezielt
in den Wurzelbereich der Reben und kann
Verdunstungs- und Abflussverluste reduzieren.
Foto: Greg Rinder / CSIRO
CC BY 3.0 |
4. Regenwasser speichern
Rückhaltebecken und Speicher können
Niederschlagswasser für längere
Trockenperioden verfügbar halten.
Foto: Dave Spicer / Geograph
CC BY-SA 2.0 |
Boden begrünen · Abfluss bremsen · gezielt bewässern · Niederschlag speichern
Das Umweltbundesamt beschreibt einen besonders wichtigen Zusammenhang: Bei Starkregen können unbedeckte landwirtschaftliche Böden erhebliche Mengen Oberboden verlieren. Das gilt ausdrücklich auch für Dauerkulturen wie Weinbau. (Umweltbundesamt)
Der Verlust des humusreichen Oberbodens bedeutet wiederum:
weniger Bodenmächtigkeit → weniger Wurzelraum → weniger Wasser- und Nährstoffspeicherung.
Das UBA weist darauf hin, dass der Verlust von Oberboden die natürlichen Funktionen des Bodens, darunter gerade das Wasser- und Nährstoffspeichervermögen, beeinträchtigt. (Umweltbundesamt)
Und das Problem ist langfristig: Die Neubildung von Boden dauert extrem lange. Das UBA nennt als Größenordnung mindestens etwa 100 Jahre für einen Zentimeter humosen Boden – während ein Starkregenereignis ihn lokal sehr schnell abtragen kann. (Umweltbundesamt)
7. Besonders überzeugend: Weinbau
Für den Weinbau gibt es inzwischen sehr konkrete Anpassungsempfehlungen.
Das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz empfiehlt ein angepasstes Boden- und Begrünungsmanagement. Dort wird ausdrücklich festgestellt, dass angepasste Begrünung:
- das Wasserspeichervermögen des Bodens erhöhen kann,
- die Bodenrauigkeit erhöht,
- Oberflächenabfluss verlangsamt,
- Infiltration verbessert,
- Erosion reduziert,
- Porenvolumen und Bodengefüge stabilisieren kann. (Klimawandel RLP)
Das ist für deutsche Weinregionen wie Mosel, Nahe, Rheinhessen, Pfalz, Baden und Württemberg ausgesprochen relevant.
Aber auch hier gilt die entscheidende Einschränkung:
Begrünung ist kein „kostenloser Wasserspeicher“.
Die Begrünung selbst verbraucht Wasser.
Deshalb muss ein Winzer je nach Standort zwischen
dauerhafter Begrünung
und
zeitweise reduzierter/angepasster Begrünung
entscheiden.
Auf einem tiefgründigen, wasserreichen Weinbergsboden kann eine kräftige Begrünung hervorragend funktionieren. Auf einem flachgründigen, trockenen Südhang kann dieselbe Begrünung die Reben in einem heißen Sommer zusätzlich unter Konkurrenzdruck setzen.
Das ist genau der Grund, weshalb das rheinland-pfälzische Konzept ausdrücklich von „angepasstem Begrünungsmanagement“ spricht. (Klimawandel RLP)
8. Der vielleicht wichtigste Satz aus der Forschung
Das Umweltbundesamt formuliert die landwirtschaftliche Klimaanpassung ziemlich eindeutig:
Eine standortangepasste Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Zwischenfrüchte, Humusaufbau und ganzjährige Bodenbedeckung können die Verdunstung reduzieren.
Diese Kombination wird ausdrücklich als Anpassungsmaßnahme gegen Trockenstress genannt. (Umweltbundesamt)
Damit lässt sich das Konzept wissenschaftlich sauber zusammenfassen:
Wasser speichern = Infiltration erhöhen + Verdunstung vermindern + Wurzelraum erhalten + Bodenstruktur verbessern + Oberflächenabfluss bremsen + Erosion verhindern + bei Bedarf gezielt bewässern.
9. Und hier kommt das Landschaftsmanagement hinzu
Ein besonders interessantes UBA-Forschungsprojekt hat sich genau mit der Frage beschäftigt, wie landwirtschaftliche Böden Wasser aufnehmen und speichern und wie sich das auf Starkregen und Überflutung auswirkt.
Das Projekt empfiehlt unter anderem:
- Bewirtschaftungsformen zur Verbesserung des Wasseraufnahmevermögens,
- Anreize für bodenstabilisierende Bewirtschaftung,
- Verbindung von Bodenschutz und Hochwasserschutz,
- Berücksichtigung des verlorenen Wasserspeichervermögens bei Flächennutzung. (Umweltbundesamt)
Damit kommen wir zu einer viel größeren Perspektive:
Der einzelne Landwirt kann seinen Boden verbessern. Die Gemeinde kann Wasser zurückhalten. Die Region kann die gesamte Landschaft als Wasserspeicher planen.
Das ist wahrscheinlich die entscheidende Ebene für die kommenden Jahrzehnte.
10. Eine Prioritätenliste für Deutschland
| Priorität | Maßnahme | Nutzen für Wasserhaushalt | Evidenz |
|---|---|---|---|
| 1 | Bodenbedeckung | sehr hoch | sehr gut |
| 2 | Bodenverdichtung vermeiden | sehr hoch | sehr gut |
| 3 | Humus/organische Substanz erhalten | hoch | sehr gut |
| 4 | Zwischenfrüchte/Untersaaten | hoch | gut |
| 5 | Erosionsschutz | hoch | sehr gut |
| 6 | Angepasste Bodenbearbeitung | hoch | sehr gut |
| 7 | Wasserabfluss in der Landschaft bremsen | sehr hoch | gut |
| 8 | Angepasste Weinbergsbegrünung | hoch, standortabhängig | gut |
| 9 | Präzisionsbewässerung | hoch bei Bewässerungsbedarf | gut |
| 10 | Regenwasser speichern | regional sehr interessant | abhängig von Standort/Recht |
Der entscheidende Punkt ist dabei: Nicht jede Maßnahme funktioniert überall gleich. Bodenart, Hangneigung, Niederschlag, Grundwasserstand, Kultur, Wurzeltiefe und Bewirtschaftung entscheiden darüber, welche Kombination optimal ist.
Literatur und Quellen zum Weiterlesen
Umweltbundesamt (2023):
BO-I-1 + 2: Bodenwasser in landwirtschaftlich genutzten Böden und Waldböden. Monitoringbericht 2023 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Besonders wichtig für Bodenfeuchte, nutzbare Feldkapazität und Trockenstress. (Umweltbundesamt)
UBA – Bodenwasser in landwirtschaftlich genutzten Böden
Umweltbundesamt (2023):
BO-R-1: Humusgehalte von Acker- und Grünlandböden. Besonders relevant für Humus, Bodenstruktur, Wasserhaushalt und Austrocknung. (Umweltbundesamt)
UBA – Humusgehalte von Acker- und Grünlandböden
Umweltbundesamt:
Bodenerosion durch Wasser. Sehr gute aktuelle Übersicht über Erosion, Bodenbedeckung, Humus, Bodenporen und landwirtschaftliche Einflussfaktoren. (Umweltbundesamt)
UBA – Bodenerosion durch Wasser
Beisecker et al. (2020):
Veränderungen der Wasseraufnahme und -speicherung landwirtschaftlicher Böden und Auswirkungen auf das Überflutungsrisiko durch zunehmende Stark- und Dauerregenereignisse. UBA Texte 63/2020, 252 S. Das ist für Ihre Fragestellung eine der interessantesten deutschen Studien. (Umweltbundesamt)
UBA – Studie zur Wasseraufnahme und Wasserspeicherung landwirtschaftlicher Böden
Umweltbundesamt:
Bodenbearbeitung. Besonders relevant für Verdichtung, Humuserhalt, Erosion und standortangepasste Bewirtschaftung. (Umweltbundesamt)
Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen:
Boden- und Begrünungsmanagement im Weinbau. Eine sehr konkrete Quelle für deutsche Weinbauregionen. (Klimawandel RLP)
Klimawandel Rheinland-Pfalz – Boden- und Begrünungsmanagement im Weinbau
Ein wissenschaftlich besonders interessanter Befund: Die Sache ist letztlich größer als die Frage „Wie bewässert der Landwirt seinen Acker?“. Die deutsche Anpassungsforschung deutet auf einen Paradigmenwechsel hin: Wir müssen Wasser nicht nur verteilen, sondern die Fähigkeit der Landschaft erhöhen, Niederschlag aufzunehmen und zeitlich zu speichern. Das bedeutet: Boden, Weinberg, Hecke, Feldrain, Rückhaltebecken, Bach, Aue und Grundwasser gehören hydrologisch zusammen.
Samstag, 22. August 2026
Die klimatischen Katastrophen im Mittelmeerraum als höhere Mathematik der Meteorologie
Was so verrückt nach Mallorca-Superlativ klingt, das Meerwasser erreichte nicht erst am Donnerstag, 20.08.2026, echte 33 Grad, ist in Wahrheit ein Katastrophenauslöser.
Die Grundkonstellation: Zwei Luftmassen, ein extremer Kontrast
Was in den Zeitungen beschrieben wird ist ein klassisches Beispiel für eine Luftmassengrenzen getriebene Umschwungwetterlage, verstärkt durch eine ungewöhnlich hohe Energiezufuhr aus dem Meer. Wochenlang lag über Norditalien eine Hitzeblockade – stabile, trockene, sehr warme Luft. Gleichzeitig hat sich das westliche Mittelmeer durch die anhaltende Hitzeperiode stark aufgeheizt, was sich in der Messung der spanischen Boje vor Mallorca zeigt: über 33 °C Wassertemperatur liegt etwa 6–8 °C über dem für August üblichen Mittel (normal wären eher 25–27 °C). Das ist keine punktuelle Anomalie, sondern Ausdruck einer basinweiten marinen Hitzewelle im westlichen Mittelmeer, die auch das Ligurische und Tyrrhenische Meer direkt vor Norditalien betroffen hat.
Der Auslösemechanismus
Eine vom Atlantik kommende, aus Skandinavien nur langsam vorrückende Kaltfront traf auf diese aufgeheizte, feuchtigkeitsgesättigte Warmluft. Das ist meteorologisch die Zutatenliste für explosive Konvektion:
- Starker Temperaturgradient zwischen einströmender Kaltluft oben und der bodennahen Hitze (Höhenunterschied bis zu 10 km, Temperaturabnahme der Luft von 6 - 9,8 °C pro 1 km aufsteigend bis 10/11 km Höhe. Streckenunterschied Nord-Süd-Unterschied 22-42 °C, 20 °C auf nur ca. 600-800 km. Das sind zwei extrem starke Gradienten.
- Extrem hoher Feuchtegehalt der Luft durch verstärkte Verdunstung über dem überhitzten Meer (wärmeres Wasser verdunstet mehr, und wärmere Luft kann laut Clausius-Clapeyron-Beziehung pro Grad rund 7 % mehr Wasserdampf aufnehmen)
- Orographische Verstärkung durch die Alpen und den Apennin, die aufsteigende Luft zusätzlich anheben
Das Ergebnis ist genau das Muster, das für den Golf von Genua und Ligurien historisch typisch ist – die sogenannte Genua-Zyklogenese: Zwischen Alpen und Meer entstehen hier besonders häufig kräftige, langsam ziehende Tiefdrucksysteme mit extremer Schauer- und Gewittertätigkeit.
Kategorisierung der Einzelereignisse
Die beschriebenen Phänomene lassen sich in mehrere Gefahrenklassen einordnen:
- Extreme Gewitteraktivität – 40.000 Blitze in 24 Stunden über Ligurien ist ein Wert, der auf mesoskalige konvektive Systeme mit sehr hoher Blitzdichte hindeutet, wie sie bei starker Feuchtezufuhr und Labilität entstehen.
- Starkregen/Sturzfluten – bis zu 200 mm in wenigen Stunden in Alpen- und Voralpenlagen entsprechen einem Jahrhundertregenereignis auf Tagesbasis, konzentriert auf wenige Stunden. Das führte zum Übertreten des Flusses Brembo bei Bergamo und zur Evakuierung von 250 Campingplatzbesuchern.
- Sturmböen/Downbursts – das abgerissene Kirchendach in Arsiè (Belluno) deutet auf lokale Fallböen oder einen Downburst (extrem heftiger Fallwind) innerhalb der Gewitterzellen hin, ähnlich dem Mechanismus, der zeitgleich den bestätigten Tornado in Brandenburg erzeugte – beide gehen auf dieselbe atlantische Frontalzone zurück.
- Hagel – vor allem im westlichen Emilia-Romagna und im Triveneto gemeldet, typisch für hochreichende Konvektion mit starken Aufwinden.
- Gegensätzliches Süd-Muster – während der Norden im Unwetter versinkt, hält sich im Süden und auf den Inseln (Sizilien, Sardinien) die Hitze bei bis zu 42 °C. Das ist die Kehrseite derselben Wetterlage: Die Kaltfront kommt von Norden nur langsam voran, sodass Süditalien noch unter dem Einfluss der subtropischen Hochdruckzelle verbleibt – ein "Zwei-Wetter-Land"-Muster, das in den letzten Sommern in Italien zunehmend häufiger auftritt.
- Indirekter Zusammenhang mit dem Waldbrand in Venetien: Die vorausgegangene Dürre/Hitze hat den unterirdisch schwelenden Brand am Monte Formiga begünstigt (trockener Boden, Wassermangel bei Löscharbeiten); erst der herannahende Regen bietet eine reale Löschchance.
Der Zusammenhang zwischen der Mallorca-Wassertemperatur und den Zuständen in Italien
Die 33 °C vor Mallorca sind wichtig, weil sie nicht isoliert zu betrachten sind, sondern als Indikator für den energetischen Zustand des gesamten westlichen Mittelmeers in diesem Sommer. Eine marine Hitzewelle dieser Größenordnung breitet sich typischerweise über weite Teile des Beckens aus – inklusive der Meeresgebiete vor Ligurien und der Toskana, die direkt an die betroffenen Regionen grenzen. Der Effekt ist doppelt:
- Mehr Energie: Wärmeres Meerwasser liefert mehr latente und fühlbare Wärme an die Atmosphäre, was Gewittersysteme antreibt und intensiviert.
- Mehr Feuchtigkeit: Höhere Verdunstungsraten füttern die Luftmasse mit zusätzlichem Wasserdampf, der bei Hebung (durch Kaltluft oder Gebirge) als extremer Niederschlag "ausregnet".
Genau dieser Mechanismus – ungewöhnlich warmes Mittelmeer trifft auf einströmende Kaltluft – gilt als einer der Haupttreiber für die in den letzten Jahren zunehmenden Sturzflutereignisse in Italien (z. B. Emilia-Romagna 2023, Ligurien wiederholt). Die Artikel greifen diesen Zusammenhang selbst auf, wenn sie erwähnen, dass Wissenschaftler die durch die globale Erwärmung steigende Meerestemperatur mit häufigeren und intensiveren Extremwetterereignissen in Verbindung bringen – sowohl bei Hitzewellen/Dürren als auch bei Starkregen und Überschwemmungen.
Zusammengefasst: Was im Moment (20. bis 23.08.26) passiert ist ein klassisches Genua-Zyklogenese-Ereignis, dessen Intensität durch eine mediterrane marine Hitzewelle (repräsentiert durch die 33 °C vor Mallorca) deutlich verstärkt wurde – ein Muster, das mit zunehmender Meereserwärmung wahrscheinlicher und heftiger wird. Wir sehen wie mörderisch die Auswirkungen der Klimaveränderungen sich zuspitzen können.
Spanien: Gleicher Trog, gleiche Kaltfront
Laut Euronews-Bericht liegt westlich der Iberischen Halbinsel eine ausgeprägte vaguada (Kalttrog) mit Bewölkung und Niederschlägen, begleitet von einer nur langsam ostwärts ziehenden Polarfront. Diese Konstellation beendet auf der Iberischen Halbinsel die heißeste Phase, die Canícula, die vom 15. Juli bis 15. August dauerte – nach einem Sommer, der spürbar über dem Klimamittel lag. Die spanische Wetterbehörde Aemet erwartete, dass der Umschwung am Donnerstag, dem 20. August, einsetzt, wenn die Front den Nordwesten der Halbinsel erreicht – mit verbreiteten Niederschlägen rund um das Kantabrische Gebirge sowie Gewittern und schwer vorhersagbaren Schauern in der gesamten Nordhälfte.
Der meteorologische Zusammenhang zu Italien
Das ist genau dieselbe atlantische Kaltfront/Polarfront, die – wie oben beschrieben – über Frankreich hinweg nach Osten zog und dann auf die aufgeheizte Luftmasse über Norditalien traf. Man kann sich das wie eine Kettenreaktion von West nach Ost vorstellen:
- Spanien zuerst: Die Front erreicht zuerst den Nordwesten der Halbinsel und beendet dort die Hitzeperiode.
- Frankreich als Durchzugsgebiet: Die Front bewegt sich weiter ostwärts.
- Italien als "Kollisionszone": Dort trifft sie schließlich auf die noch extrem warme, feuchtegesättigte Luft über dem Mittelmeer und der Poebene – begünstigt durch die marine Hitzewelle (33 °C vor Mallorca) – und entlädt sich in den extremen Gewittern, Starkregenereignissen und Sturzfluten, die wir in den Artikeln der Presse beschrieben finden.
Die Mallorca-Boje mit 33 °C ist dabei ein Bindeglied zwischen beiden Ländern: Sie liegt geografisch zwischen Spanien und Italien und zeigt, dass das gesamte westliche Mittelmeer in diesem Sommer eine massive Energiereserve aufgebaut hat, die – wo immer die Kaltfront auf sie trifft – zu heftiger Konvektion führt.
Kurz gesagt: Es handelt sich nicht um zwei unabhängige Wetterereignisse, sondern um eine einzige großräumige Umschwungwetterlage, die von West nach Ost über Westeuropa zieht, wobei Spanien den Anfang und Italien – wegen des dort besonders warmen Meeres – die dramatischste Phase markiert.
Wir sehen, wie brutal die Auswirkungen unseres Klimas verlaufen können. Aus dem schönen Urlaubsland wird es an vielen Stellen zu einem Armageddon.

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