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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Freitag, 5. Juni 2026

Oper Frankfurt a.M.: Klaus Zehelein stellt seine Autobiographie "Unerhörte Augenblicke" vor

Klaus Zehelein (Bildnachweis: A. T. Schäfer)
Anlässlich seines 85. Geburtstags erschien
2025 die Autobiographie des großen Theatermannes
 Klaus Zehelein unter dem Titel Unerhörte Augenblicke im Verlag 
Theater der Zeit.

 

Gemeinsam mit dem Herausgeber Günther Heeg wird Zehelein sein Buch am

 

Dienstag, dem 9. Juni 2026, um 19 Uhr im Holzfoyer der Oper Frankfurt

 

vorstellen (Eintritt 10 €). Moderiert wird der Abend von Thomas Koch. Im Anschluss findet eine Signierstunde mit Büchertisch in Kooperation mit der Buchhandlung YPSILON statt.

 


Klaus Zehelein leitete zusammen mit Michael Gielen von 1977 bis 1987 die Frankfurter Oper und machte sie zu einem Ort der Entdeckungen und Neubefragungen von Text und Musik für die Bühne. Als visionärer Dramaturg, akribischer Denker, pragmatischer Intendant, leidenschaftlicher Vermittler, inspirierender akademischer Lehrer und Präsident des Deutschen Bühnenvereins prägte er ein halbes Jahrhundert lang die Entwicklungen des Musiktheaters wie kaum ein anderer. Dafür wurde ihm unter anderem 2023 der Deutsche Theaterpreis DER FAUST verliehen.

 

 

Kurzbiografie Klaus Zehelein

 

S/W-Foto aus der Frankfurter Zeit entstand bei den Proben
zu Richard Wagners Der Ring des Nibelungen“,
Oper Frankfurt 1985-87, v.l.n.r. Michael Gielen, Axel Manthey,
Ruth Berghaus, Klaus Zehelein. Bildnachweis: Mara Eggert

Klaus Zehelein wurde 1940 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie in seiner Heimatstadt und belegte zwischen 1959 und 1966 die Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt. Sein erstes Engagement führte ihn 1967 als Dramaturg an die Bühnen der Landeshauptstadt Kiel. Von 1970 bis 1977 war er Chefdramaturg am Staatstheater Oldenburg. Danach ging er bis 1987 in derselben Funktion und als koordinierter Operndirektor an die Städtischen Bühnen Frankfurt am Main. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als freier Schauspiel- und Operndramaturg in Berlin, Frankfurt, Brüssel und Wien wurde er ab 1989 künstlerischer Direktor des Hamburger Thalia Theaters. Dann folgte der Ruf an die Staatsoper Stuttgart, die er als Intendant von 1991 bis 2006 zu einem der erfolgreichsten Orte avancierten Musiktheaters machte. Im Jahr 2003 wurde er zum Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins gewählt, eine Funktion, die er bis 2015 ausfüllte. Im Jahr 2006 

übernahm er die Leitung der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater in München, der er als Präsident bis 2014 vorstand. 


Darüber hinaus war er als Dozent für Musiksoziologie an der Universität Oldenburg und an der State University of Minnesota sowie am Collège International de Philosophie in Paris engagiert. Er hatte Gastprofessuren an der Universität Gießen (Institut für angewandte Theaterwissenschaft) und von 1986 bis 1992 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien inne. Zuletzt leitete er als Professor den Studiengang Dramaturgie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Klaus Zehelein wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1983 mit dem Deutschen Kritikerpreis für die Dramaturgie an der Oper Frankfurt. In den Jahren 1994, 1998, 1999, 2000, 2002 und 2006 wurde die Staatsoper Stuttgart unter seiner Leitung in den Kritikerumfragen der Zeitschrift Opernwelt jeweils zum "Opernhaus des Jahres" gewählt. Die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg für besondere Verdienste wurde ihm 2001 verliehen. Im Jahr 2006 wurde Klaus Zehelein mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet, 2007 ist er zum Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste ernannt worden. Der Deutsche Theaterpreis DER FAUST wurde ihm im Jahr 2023 für sein Lebenswerk verliehen.   

 


Donnerstag, 4. Juni 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #106 - Auf Weltniveau
















Ein Agent der internationalen Spitzendiplomatie: I.
© Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl


Auf Weltniveau

Jetzt kann ich es endlich sagen.
Der Grund dafür, dass ich seit drei Wochen keinen neuen Newsletter geschrieben habe, war keineswegs eine Schreibblockade, hohe Temperaturen oder die Spargel-&Erdbeersaison, die mich gezwungen hat Spargelmarmelade und Erdbeeren mit Sauce Hollandaise zuzubereiten (übrigens die einzige Sauce, die ich kenne, die nach einem glücklosen, französischen Präsidenten benannt worden ist. Emanuel Macaron hat es wenigstens bis zu einem Windbeutel geschafft), nein, sondern: Ich war in diplomatischer Mission unterwegs.

Ja, ich hatte einen Geheimauftrag, der so geheim ist, dass ich ihn niemandem verraten darf.
Außer Euch. Das hab ich mir vertraglich zusichern lassen.
Denn niemand wird in einem satirischen Newsletter die Wahrheit vermuten.
Brillant gedacht, was?
Deshalb wurde ich auch engagiert. Weil ich intellektuell so unglaublich wendig bin. Quasi der Mycroft Holmes for Austria.

Also ist war streng geheim in New York bei der UNO unterwegs. So streng geheim, wie es nur österreichische Geheimdienste können. Ja, durch mehrere Gerichtsprozesse und geflohene Milliardenbetrüger sind wir ja international für unsere Geheimniskrämerei bekannt. Genannt wurde das ganze: Aktion Ott.
Und damit ist nicht Egisto Ott gemeint, der kürzlich in Wien wegen Spionage für Russland verurteilt wurde, sondern: Elfriede Ott.

Denn wofür war diese 2019 verstorbene Wiener Volksschauspielerin geliebt… wenn nicht sogar gefürchtet?
Genau: Für ihren schlechten Stimmsitz.
Es hieß, sie konnte mit nur zwei Sätzen aus ihrem Mund einen drei Wochen altes Brot Laib zerteilen.
So kreissägenartig war ihr Organ gewesen.
Und darum ging es auch: Um einen Stimm-Sitz. Und zwar im UN-Sicherheitsrat. Für Österreich.

Den sollte ich besorgen. Und zwar auf die österreichischste aller möglichen Arten: durch „Vernaderung“.
Also durch das aktive Schlechtmachen eines anderen hinter dessen Rücken.
Denn wer könnte Deutschland besser in der internationalen Diplomatie schlecht aussehen lassen als ich, ein in Deutschland lebender österreichischer Satiriker?
Wer?

Friedrich Merz, ja, okay.… aber der hatte gerade etwas anderes zu tun.

Also bin ich die letzten drei Wochen durch New York von Diplomat zu Diplomat getingelt und habe unangenehme Wahrheiten verbreitet:
„Look at them, they put sauce over their Schnitzel! Sauce! Do you think someone like that can organize the world?“ Hab ich gesagt.
Und: „They mix meat and fish and then they call this ugly Matsch ‚Labskaus‘! Do you want people like this to decide over peace and war?“
Und wenn das nicht half, hab ich zu härteren Bandagen greifen müssen: „They still believe in the Verbrennungsmotor! How stupid can you be in the 21th century? It’s like riding a horse in front of the Ford-factory in 1926. These guys have no plan for the future!“
Und wenn das auch nichts geholfen hat, dann musste halt die ungeschminkte Wahrheit auf den Tisch:
„Their Minister of Foreign Affairs is called What-a-fool! Can you imagine someone with that name will get respect from Trump or Putin?“

Damit war die Arbeit fast getan.
Jetzt musste ich nur noch auf den klangvollen Namen der österreichischen Außenministerin hinweisen („Meinl-Reisinger! You know… Meinl? It stands for good coffee in old times. And for good money-laundry on the Island of Jersey in 2008!
(Apropos: Geld: Man kann diesen Newsletter auch unterstützen, siehe unten) And Reisinger? You can hear it: She is upcoming. She is not only rising, she is even risinger!“).
Dazu gab es österreichische Mehlspeisen und natürlich sehr viel Schmäh.

Als ich dann am Schluss noch darauf verwiesen habe, dass die deutsche Hymne eigentlich von einem Niederösterreicher stammt, der die Melodie im Burgenland den Kroaten geklaut hat, war der Stimmsitz im UN-Sicherheitsrat unser. Soviel musische Weltgewandtheit wie Österreich hat niemand.
Und damit waren die armen Deutschen aus dem Rennen. Denn womit hätten die denn für sich werben sollen? Mit ihrem Charme? Dann kann auch die Schweiz demnächst mit ihrer Küstenlinien international punkten.

Und egal, wer sonst jetzt was sagt, über die Gründe, lasst Euch nichts einreden:
Ich ganz allein hab den Sitz für Österreich im UN-Sicherheitsrat gebracht.

Und es hat nichts damit zu tun, dass die großen Länder, die den Sicherheitsrat dominieren - also Russland und China oder die USA - lieber kleine schwache Staaten da drinnen haben wollen, die man leichter manipulieren und rum schubsen kann. Nein, niemals.
Wir sind gerade als Staatswesen für unsere immense charakterliche Stärke bekannt. Eine Stärke, die sich in extremer Flexibilität ausdrückt.
Das liegt an unserer Geschichte.

Gerade wenn die Menschheit - so wie jetzt - sich in immer gefährlichere Situationen manövriert, braucht es im wichtigsten Kontrollgremium der Welt ein Land wie Österreich. Ein Land, das bereits an zwei Weltkriegen aktiv mitgewirkt hat und am Ende doch irgendwie immer ein Opfer war.
Das letzte Mal, in dem wir uns von unserem eigenen faschistischen Landsmann und seinen faschistischen Horden den hauseigenen Faschismus haben wegnehmen lassen. Und das erste Mal, in dem wir unser ganzes schönes großes, marodes Kaiserreich gegen eine kleine Republik eingetauscht haben.

Deshalb ist es ja auch kein Zufall, dass Österreich und Portugal - zwei ehemalige Imperien - jetzt die Sitze bekommen haben.
Denn die Portugiesen, und wir wissen jetzt schon, wie sich die Russen und Amerikaner bald fühlen werden.
Und die wiederum können uns und die Portugiesen anschauen und sich denken: So sieht das also aus… das postimperiale Zeitalter.
Und dann gibt es Pastéis de nata oder Apfelstrudel und die Stimmung ist gleich wieder besser im UN-Sicherheitsrat.
Oder - wie die Russen, Chinesen und Amerikaner ihn nennen - im Sicherheits-Unrat.

Das sind eben gute Schmäh. Da können die Deutschen einfach nicht mithalten.

Aber: seid nicht traurig, liebe Deutsche, dafür ist bald Fussball-WM!
Und damit ist ein „Neuer“ Anfang möglich…
Neuer…. Verstanden? Nein? Wie Euer Tormann…?

Naja, das sind eben Pointen auf internationalem Humorniveau.


groebner live:

Freitag 12.6. Frankfurt, Quartalsweise - der Vierteljahresrückblick in der Buchhandlung „Buch und Wein“

Saison-Abschluss von „ICH BIN DAS VOLK!“
Samstag 13.6. München, 
Lach&Schießgesellschaft

Alle Termine gibt es 
hier.

Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man 
hier lesen.
Auch die jüngste Empfehlung der Wiener Stadtzeitung 
Falter etwa.

groebner gesehen:
In der wunderbaren Sendung „Schlachthof“ im Bayerischen Fernsehen war ich zu Gast.
Und durfte dort
 eine Kostprobe meines Regierungsprogramms „Ich bin das Volk!“ geben.

In der Abendschau im BR gab es sogar einen eigenen Premierenbericht.
Den kann man sich 
hier anschauen.

groebner gehört:
Ganz frisch heraussen!!!! Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records

Kennt Ihr schon mein Satire-Pop-Album 
„Nicht mein Problem“?
Es ist sehr gut.

In der wunderbaren Sendung „
Satire Deluxe“ war ich zu Gast und habe - live ! - ein Liedchen zum Besten gegeben.

Das „Ende der Welt“ gibt es auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek zu hören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, etwa wo man echte Freunde finden kann, wie man den 
US-Vizepräsidenten gut einsetzen könnte oder was passiert, wenn die Mächtigen dieser Welt zu Satirikern werden.*
All das erfährt man.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf 
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein 
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-

Über diesen Newsletter:

Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64 

Mittwoch, 3. Juni 2026

Gewissenlos oder sinnvoll? Rückkehrzentren in Drittstaaten

Rückkehrzentren 
Rückkehrzentren („Return Hubs“) sind migrationspolitisch umstrittene Einrichtungen, die abgelehnte oder ausreisepflichtige Personen bis zur Rückführung aufnehmen sollen. Humanitär sind sie nur vertretbar, wenn hohe Schutzstandards gelten; kriminologisch können sie Risiken mindern, aber auch neue schaffen; völkerrechtlich bewegen sie sich an der Grenze des Zulässigen, besonders wenn sie in Drittstaaten liegen.

Im Folgenden eine strukturierte Betrachtung entlang der drei Achsen Humanität, Kriminologie und Völkerrecht, basierend auf aktuellen Entwicklungen in der EU (2025–2026). Rückkehrzentren in Deutschland oder in einem sicheren Drittland machen am meisten Sinn für Menschen, die abtauchen wollen oder müssen, z.B. Straftäter, die vom Herkunftsland nicht zurückgenommen werden. Aber müssen wir beiderseits abgelehnte Personen trotzdem durchfüttern, wenn sie auch in einem Dritt- oder Viertland leben und arbeiten können? 


1. HUMANITÄRE ASPEKTE

Potenzielle Vorteile

Schutz vor Obdachlosigkeit und Verwahrlosung  

Rückkehrzentren können eine geordnete Unterbringung für Personen bieten, die nicht abgeschoben werden können, aber auch keine regulären Sozialleistungen mehr erhalten.

Zugang zu medizinischer Versorgung und Beratung  

Wenn Zentren gut ausgestattet sind, können sie psychosoziale Betreuung, Rechtsberatung und Rückkehrberatung bündeln.


Zentrale Risiken

Gefahr der Entmenschlichung und „Lagerlogik“: Amnesty International kritisiert, dass die EU-Rückführungsverordnung auf Zwangsmaßnahmen, Haft und Sanktionen setzt und Menschen in „rechtliche Grauzonen“ drängt. 

Lange Aufenthaltszeiten bis zu 24 Monaten: Die EU-Rückführungsverordnung erlaubt Haft bzw. Freiheitsentzug bis zu 24 Monaten, wenn Personen nicht kooperieren oder als Sicherheitsrisiko gelten. Dies birgt hohes Leidenspotenzial. 

Externalisierung in Drittstaaten: Rückkehrzentren in Ländern wie Uganda oder Albanien (Diskussion in Deutschland) können zu menschenrechtlich fragwürdigen Bedingungen führen, da die EU dort kaum Kontrolle über Standards hat. 


Humanitäre Bewertung

Humanitär sind Rückkehrzentren nur vertretbar, wenn

  • sie nicht als Strafe, sondern als Unterbringung mit Perspektive gestaltet sind,
  • Rechtsberatung, medizinische Versorgung und unabhängige Kontrolle gewährleistet sind,
  • Aufenthaltsdauer klar begrenzt ist,
  • Drittstaaten verlässliche menschenrechtliche Standards garantieren.


2. KRIMINOLOGISCHE ASPEKTE

Potenzielle sicherheitspolitische Vorteile

Kontrolle über Gefährder und Straftäter  

Rückkehrzentren können eine zeitlich begrenzte, rechtlich geregelte Kontrolle über Personen ermöglichen, die nicht abgeschoben werden können, aber ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Vermeidung von Untertauchen: Zentralisierte Unterbringung reduziert das Risiko, dass Personen sich der Abschiebung entziehen.

Bündelung von Identitätsklärung und Sicherheitsüberprüfung: Zentren können Behörden ermöglichen, Identitäten schneller zu klären und Rückführungen vorzubereiten. 


Kriminologische Risiken

Radikalisierung durch Isolation: Längere Aufenthalte in restriktiven Einrichtungen können Radikalisierung fördern – ähnlich wie in überfüllten Gefängnissen.

Kriminalitätsverlagerung: Wenn Zentren schlecht geführt sind, können sie zu Orten von Gewalt, Drogenhandel oder Ausbeutung werden.

Fehlende Differenzierung: Werden Straftäter und Nicht-Straftäter gemeinsam untergebracht, entstehen neue Konflikte und Risiken, diese Gruppen dürfen nicht gemischt werden.


Kriminologische Bewertung

Rückkehrzentren können sicherheitspolitisch sinnvoll sein, wenn

  • sie differenziert arbeiten (Gefährder, Straftäter, Familien, Vulnerable getrennt),
  • sie professionell geführt werden (Sozialarbeit, Psychologie, Sicherheitsdienste),
  • sie transparente Regeln und gerichtliche Kontrolle haben.


3. VÖLKERRECHTLICHE ASPEKTE

Rechtliche Grundlagen

Die EU-Rückführungsverordnung (2026) bildet den Rahmen für Rückkehrzentren und erlaubt u.a. Haft bis zu 24 Monaten und Sanktionen bei Nichtkooperation. Rückführungen in Drittstaaten („Return Hubs“) sind politisch beschlossen, aber rechtlich hoch umstritten. 

Völkerrechtliche Risiken

Non-Refoulement-Verbot (Art. 33 GFK): Niemand darf in ein Land abgeschoben werden, in dem Folter, Verfolgung oder unmenschliche Behandlung drohen. Viele Drittstaaten gelten nicht als sicher.

Fehlende persönliche Verbindung zum Drittstaat: Amnesty kritisiert, dass Menschen in Länder geschickt werden könnten, zu denen sie keinerlei Bezug haben – völkerrechtlich fragwürdig. 

Mangelnde Kontrolle über Menschenrechte in Drittstaaten: Die EU kann Standards nicht effektiv durchsetzen, wenn Zentren außerhalb ihres Territoriums liegen.

Rechtsstaatliche Grauzonen: Exterritoriale Zentren können zu „rechtsfreien Räumen“ werden, wenn unabhängige Gerichte keinen Zugang haben.


Völkerrechtliche Bewertung

Völkerrechtlich sind Rückkehrzentren nur zulässig, wenn

  • der Drittstaat sicher ist,
  • Rechtsmittel gegen Freiheitsentzug bestehen,
  • unabhängige Kontrolle (z. B. durch UNHCR) gewährleistet ist,
  • Non-Refoulement strikt eingehalten wird. 


Ein rechtsstaatlich konstruiertes Rückkehrzentrum in einem Drittstaat ist kein Allheilmittel. Aber es kann unter klaren Bedingungen ein wirksames Instrument sein, um Menschenwürde zu schützen, Sicherheit zu gewährleisten und wiederholte irreguläre Einreisen aus nachvollziehbaren Gründen zu verhindern, ohne in Lagerlogik oder Menschenrechtsverletzungen abzurutschen. Es schafft Ordnung, schützt Menschen vor Schleusern und verhindert, dass Deutschland selbst neue Lagerstrukturen aufbauen muss, die historisch, politisch und gesellschaftlich hochproblematisch wären. Die Stärke eines solchen Modells liegt darin, Humanität und staatliche Souveränität gleichzeitig zu sichern. 
Bei Straftätern oder Personen mit Amok‑Tendenzen gilt separate kontrollierte Unterbringung, therapeutische Maßnahmen, klare Rückkehrstrategie. Das verhindert erneute Einreisen, erneute Gefährdung, erneute Straftaten, erneute Tote und Verletzte!

Montag, 1. Juni 2026

Wie gut kann Deutschland die aktuellen Gesamtbelastungen stemmen?


Krisenlage in D und EU

Deutschland kann die gegenwärtigen Belastungen grundsätzlich tragen – doch die Kombination aus Wirtschaftsflaute, Ukrainekrieg, Energiepreisschocks und der Irankrise zeigt deutlicher denn je, wie verletzlich das Land gegenüber externen Schocks geworden ist.

Besonders die Irankrise wirkt wie ein zusätzlicher Beschleuniger bereits bestehender Probleme: Sie treibt Energiepreise hoch, verschärft die Inflation und erhöht die geopolitische Unsicherheit. Die wirtschaftlichen Nachwirkungen des Iran‑Krieges haben den Inflationsdruck Anfang 2026 erneut angeheizt, nachdem sich die Lage 2025 stabilisiert hatte.

Die Preise stiegen wieder auf nahezu drei Prozent, vor allem infolge massiver Energieverwerfungen und gestiegener Risikoprämien auf den globalen Märkten. Die Energiepreise sind dabei der zentrale Übertragungskanal: Die Blockade der Straße von Hormus – durch die vor dem Krieg rund 20 % des weltweiten Ölhandels flossen – führte zu einem historischen Angebotsschock. Laut IEA fehlen seit Kriegsbeginn täglich 13 Millionen Barrel Öl, der größte Ausfall der Energiegeschichte (denkstrom.org). Der Brent‑Preis stieg zeitweise auf über 119 US‑Dollar pro Barrel, während Diesel und Heizöl in Deutschland massiv anzogen. Diesel kostete im April 2026, 2,263 EUR pro Liter, Superbenzin 2,445 EUR pro Liter. Die staatliche 17-Cent-Preisreduktion pro Liter ist zurzeit deutlich spürbar, falls das keine Illusion ist, denn der Brent-Preis ist entscheidend.

Die IEA warnt zudem, dass die globalen Reserven in Rekordtempo schrumpfen und der Markt im Sommer in eine „rote Zone“ geraten könnte (t-online.de).

Auch die konjunkturelle Erholung wird durch die Irankrise gebremst. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für 2026 nur ein Wachstum von 0,6 %, da der Energiepreisschock die Erholung „hart trifft“ und die Inflation auf 2,8 % steigen lässt (ifo Institut). Die deutsche Wirtschaft bleibt damit in einer Phase struktureller Schwäche gefangen: schwache Exporte, hohe Energiepreise, geringe Investitionsdynamik und eine Verwaltung, die Modernisierung nur langsam umsetzt. Ein Kurzgutachten des wissenschaftlichen Beraterkreises des BMWK zeigt zudem, dass die Irankrise weit über Energiepreise hinaus wirkt: Lieferketten werden gestört, Strompreise steigen, Gasspeicherstrategien müssen angepasst werden, und selbst Düngemittelpreise ziehen deutlich an, was die Landwirtschaft belastet (loos-dortmund.de).

Diese Diagnose wird von führenden Expertinnen und Experten geteilt. Clemens Fuest, Präsident des ifo‑Instituts, warnt seit Beginn der Energiekrisen davor, die politischen Handlungsmöglichkeiten bei fossilen Preisschocks zu überschätzen; staatliche Eingriffe könnten die Weltmarktpreise nicht beeinflussen und verschöben lediglich Lasten in die Zukunft. Claudia Kemfert, Energieökonomin am DIW Berlin, spricht angesichts des Iran‑Kriegs von der „schwersten fossilen Energiekrise unserer Zeit“ und betont, dass fossile Abhängigkeiten Deutschland erpressbar machen (diw.de). Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), warnt, dass die Blockade der Straße von Hormus die „größte Energiesicherheitskrise der Geschichte“ ausgelöst habe und die Märkte die Gefahr unterschätzen (denkstrom.org). Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, betont, dass in der Irankrise „alle Optionen offen“ seien – bis hin zu erneuten militärischen Eskalationen, die Europa und damit Deutschland unmittelbar betreffen würden (FOCUS Online). Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin, hebt hervor, dass externe Schocks wie die Irankrise auf eine bereits geschwächte wirtschaftliche Basis treffen und Deutschland ohne strukturelle Reformen zunehmend anfällig machen. „Die wirtschaftlichen Schäden sind bereits jetzt erheblich, und auch die stark verflochtene deutsche Volkswirtschaft wird die Folgen deutlich zu spüren bekommen.“ (Euronews, 08.04.2026) Und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), weist darauf hin, dass der Ölpreisschock der deutschen Volkswirtschaft bis Ende 2027 einen Schaden von 40 Milliarden Euro zufügen könnte (zdfheute.de).

--> Zusammen zeichnen diese Stimmen das Bild eines Landes, das die aktuellen Belastungen zwar bewältigen kann, aber nur, wenn es seine strukturellen Schwächen adressiert, seine Energie‑ und Sicherheitspolitik resilienter gestaltet und die geopolitischen Risiken ernst nimmt. Die Irankrise wirkt dabei wie ein Brennglas: Sie zeigt, wie eng wirtschaftliche Stabilität, Energieversorgung und geopolitische Sicherheit miteinander verwoben sind – und wie dringend Deutschland Reformen braucht, um künftigen Schocks standzuhalten. Deutschland kann die Belastungen tragen – aber nicht im bisherigen Modus. Die Irankrise verschärft Energiepreise, Lieferkettenrisiken und geopolitische Unsicherheit. Die Ukrainekrise bindet enorme finanzielle Mittel. Die Wirtschaft schwächelt strukturell. Die Verwaltung ist überfordert. Die eigentliche Gefahr ist politisch: Wenn Bürger das Gefühl haben, dass der Staat Prioritäten nicht klar kommuniziert oder Probleme nur verwaltet statt gestaltet, entsteht ein Vertrauensvakuum. Und das ist langfristig gefährlicher als jede einzelne Krise. Noch ist es nicht soweit.


Quellenverzeichnis

  • Claudia Kemfert / DIW Berlin: „Schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit“ diw.de
  • IEA‑Direktor Fatih Birol: Warnung vor größter Energiesicherheitskrise der Geschichte / Hormus‑Blockade denkstrom.org
  • IEA‑Warnung vor Ölpreis‑„roter Zone“ im Sommer 2026 t-online.de
  • Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026 (ifo, DIW, Kiel, IWH, RWI): Energiepreisschock dämpft Erholung ifo Institut
  • Wissenschaftlicher Beraterkreis BMWK: Kurzgutachten zu Irankrise und wirtschaftlichen Folgen loos-dortmund.de
  • Carlo Masala: „Alle Optionen offen“ – sicherheitspolitische Einschätzung zur Irankrise FOCUS Online
  • Michael Hüther / IW: Wirtschaftliche Schäden des Ölpreisschocks (40 Mrd. €) zdfheute.de

Freitag, 22. Mai 2026

Wie alt sind Deutsche bei Rentenbeginn? Unsere Rentenalterproblematik und die demografische Situation

Realistisch betrachtet ist es eher unwahrscheinlich, dass Deutschland das gesetzliche Renteneintrittsalter über die nächsten 50 Jahre dauerhaft klar unter 70 halten kann — zumindest dann, wenn das heutige Systemprinzip weitgehend erhalten bleibt. Eine sarkastische Überspitzung der Thematik betrachtet das Rentenalter 85 als Lösung aller Probleme, weil es ungemein viel Geld spart! 

Das bedeutet nicht automatisch: Alle arbeiten bald bis 75 oder stark übertrieben bis 85 (das wäre nach offiziellen Berechnungen wohl eher um 2160-2165 herum zu sehen).
Aber es bedeutet sehr wahrscheinlich höhere Regelaltersgrenzen, längere Lebensarbeitszeiten, stärkere Abschläge bei frühem Ausstieg und mehr Druck zur privaten Vorsorge.

Der Kern des Problems ist die Demografie. Deutschland bewegt sich in eine Struktur hinein, in der weniger Erwerbstätige, mehr Rentner und längere Rentenphasen gleichzeitig finanziert werden müssen. Die Bundesbank beschreibt diese Entwicklung inzwischen als grundlegende Belastung für Rentenversicherung und Staatshaushalt. (Bundesbank)

Viele Fachleute sehen deshalb eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung als wahrscheinlichstes Szenario. Die Bundesbank simulierte bereits Modelle, bei denen das Eintrittsalter bis 2070 auf „gut 69 Jahre“ steigt. (Bundesbank)

Wenn man die Entwicklung nüchtern betrachtet, gibt es drei denkbare Wege:

  1. Rentenalter deutlich erhöhen

  2. Beitragssätze massiv erhöhen

  3. Rentenniveau spürbar senken

Politisch versucht Deutschland bislang, keinen dieser Wege vollständig zu gehen. Genau deshalb stauen sich die Kosten immer weiter auf. Das Entscheidende ist, dass die Rente mit 67 früher ebenfalls politisch nahezu undenkbar ist. Heute gilt sie als normal. Dasselbe könnte in 20 bis 30 Jahren für 68 oder 69 Jahre gelten. Andere Länder zeigen bereits die Richtung: In Dänemark wird das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt und soll bis 2040 auf 70 steigen. (DIE WELT) Auch die Niederlande arbeiten mit solchen Mechanismen. (DIE WELT)

Deshalb lautet die realistische Einschätzung:

  • dauerhaft unter 67 ist praktisch ausgeschlossen,

  • dauerhaft exakt 67 eher unwahrscheinlich,

  • 68–69 Jahre bis Ende des Jahrhunderts relativ plausibel. Nach bisheriger Rechnung wäre es mit 69 wohl erst um das Jahr 2090 herum soweit, die Bundesbank kommt auf 2070.

  • Daher ist die offizielle Rente mit 70 langfristig keineswegs unrealistisch. (2100 wäre sie erst möglich, beschwichtigen die Planer.)

Allerdings gibt es einen wichtigen Gegenfaktor, der da lautet: Wie sieht es mit der politischen und gesellschaftlichen Akzeptanz aus? Denn die Theorie kollidiert mit der wirtschaftlichen Realität vieler Berufe. Pflege, Bau, Handwerk, Industrie, Logistik, körperlich belastende Arbeit erlauben kaum Arbeiten bis 70, das gilt als unrealistisch. Genau deshalb wird vermutlich eher ein hybrides Modell entstehen, das sich aus offiziell höherem Rentenalter, Sonderregelungen für belastende Berufe, flexible Teilrenten, stärkere Betriebsrenten, und faktisch sehr unterschiedliche Ausstiegsalter je nach Einkommen und Gesundheit aufbauen lässt. 

Das eigentliche Risiko liegt daher weniger in der nackten Zahl „70“. Das größere Risiko ist eine schleichende soziale Spaltung. Akademiker im Büro arbeiten bis 69 Jahre weiter, während körperlich Arbeitende früher aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden - oft mit Abschlägen, Krankheit oder Erwerbsminderung. Und genau an diesem Punkt wird die Rentenfrage nicht nur eine finanzielle, sondern eine gesellschaftliche Gerechtigkeitsfrage. Unser Rentensystem muss also ausgeglichener und gerechter werden, eventuell braucht es zwei verschiedene Modelle.

Siehe hierzu auch

Klaus und Peter - zwei ganz unterschiedliche Rentner

Donnerstag, 21. Mai 2026

Literatur pur: Hölderlins Hyperion

Hyperion und die Maskenmenschen
(AI)

Hyperion an Bellarmin.

So kam ich unter die Deutschen. Ich foderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. Demüthig kam ich, wie der heimathlose blinde Oedipus zum Thore von Athen, wo ihn der Götterhain empfieng; und schöne Seelen ihm begegneten –

Wie anders gieng es mir!

Barbaren von Alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glük der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit belaidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes – das, mein Bellarmin! waren meine Tröster.

Es ist ein hartes Wort und dennoch sag’ ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesezte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstükelt untereinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?"


Friedrich Hölderlin: Hyperion oder der Eremit in Griechenland.
Zweiter Band, „Hyperion an Bellarmin“,
Kapitel LIX
Erstausgabe Tübingen 1799,
J. G. Cotta.
Seiten 112–113 der Erstausgabe.  


Wie würden wir es heute formulieren?

Ich kam in dieses Land mit leisen Erwartungen. Ich dachte, ein wenig Menschlichkeit würde ich schon finden, ein bisschen Mut, ein bisschen Geist. Aber was ich sah, war ein Volk, das sich selbst verloren hat. Sie reden von Freiheit, doch sie fürchten alles, was lebendig ist. Sie reden von Ordnung, doch sie verwechseln sie mit Gehorsam. Sie reden von Sicherheit, doch sie meinen Kontrolle.

Die Mächtigen nennen es „Stabilität“, aber es ist nur die Kunst, Menschen klein zu halten. Sie nennen es „Realismus“, doch es ist nur die Angst vor dem Denken. Sie nennen es „Notwendigkeit“, doch es ist nur die Bequemlichkeit der Barbarei.

Und ich? Ich stehe dazwischen, mit einem Herzen, das nach Welt ruft, und einer Zeit, die sich einmauert. Ich wollte ein Zuhause finden, aber ich fand ein System, das seine eigenen Kinder nicht erkennt. Ich wollte Menschen finden, aber ich fand Funktionsträger. Ich wollte Leben finden, aber ich fand Verwaltung.

Und so frage ich mich, ob nicht wir die Barbaren sind – nicht weil wir wild wären, sondern weil wir verlernt haben, was uns menschlich macht: Mut, Geist, Schönheit, und die Fähigkeit, einander wahrzunehmen und zu erkennen.

Mittwoch, 20. Mai 2026

Frankfurter Oper: DER TRIUMPH VON ZEIT UND ERKENNTNIS von Georg Friedrich Händel

Katharina Kastening (Bildnachweis: Barbara Aumüller) 
Premiere / Frankfurter Erstaufführung am
13. Juni 2026, 19 Uhr im Bockenheimer Depot

 

DER TRIUMPH VON ZEIT UND ERKENNTNIS

Oratorium in zwei Teilen von Georg Friedrich Händel
Text von Kardinal Benedetto Pamphilj
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Simone Di Felice  Inszenierung: Katharina Kastening  Bühnenbild, Kostüme:
Ashley Martin-Davis  Video: Tal Rosner  Licht: Jan Hartmann  Dramaturgie: Mareike Wink
  
Bellezza: Monika Buczkowska-Ward 
Piacere: Younji Yi 
Disinganno: Katharina Magiera  
Simone di Felice (Bildnachweis: Barbara Aumüller)


Tempo: Michael Porter  
Statisterie der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper

Georg Friedrich Händel schuf mit Il trionfo del Tempo e del Disinganno sein erstes Oratorium während
seines Italienaufenthalts im Jahr 1707. Das Werk, das fast 300 Jahre nach seiner Entstehung nun im
Bockenheimer Depot zur Frankfurter Erstaufführung gelangt, markiert einen Meilenstein in Händels
Schaffen. In der Partitur entfaltet der junge Komponist eine überbordende musikalische Fantasie, die von virtuosen Arien bis hin zu tief empfundenen Reflexionen reicht. Melodien aus diesem Frühwerk – wie das berühmte „Lascia la spina“ – verwendete Händel später in seinen Londoner Opern, darunter Rinaldo, wieder.
Die Musik zeichnet sich durch eine psychologische Tiefe aus, die den abstrakten allegorischen Figuren ein bemerkenswert menschliches Profil verleiht.
Librettist Kardinal Benedetto Pamphilj gestaltet die Handlung als ein philosophisches Streitgespräch zwischen allegorischen Mächten. Die Schönheit (Bellezza) wird vom Vergnügen (Piacere) dazu verführt, sich ganz dem flüchtigen Genuss hinzugeben und der Vergänglichkeit keine Beachtung zu schenken. Die Zeit (Tempo) und die Erkenntnis (Disinganno) treten als Gegenspieler des Vergnügens auf: Sie halten Bellezza einen Spiegel vor und mahnen sie an die Unausweichlichkeit des Alterns und des Todes.
Simone Di Felice leitet die szenische Frankfurter Erstaufführung von Händels Oratorium im Bockenheimer Depot. Seit der Spielzeit 2017/18 ist er Kapellmeister an der Oper Frankfurt. In dieser Saison dirigierte er am hiesigen Opernhaus auch Vorstellungen von Puccinis Manon Lescaut und Turandot, sowie Mozarts Così fan tutte. Inszeniert wird das Oratorium von Katharina Kastening. Die in London geborene Regisseurin arbeitete in dieser Spielzeit an der Premiere von Boris Godunow gemeinsam mit Regisseur Keith Warner, mit dem sie eine lange Zusammenarbeit verbindet. In Frankfurt war sie bis 2023 als Spielleiterin engagiert.
Zuletzt inszenierte sie Un ballo in maschera in Erfurt und Thumbprint an der Oper Wuppertal. International führten sie Projekte unter anderem nach London, Wien, Tokio und Seoul. Für ihre Inszenierung der Oper Manru von Ignacy Jan Paderewski in Halle erhielt Kastening den renommierten FAUST Perspektivpreis und den Grand Prix, verliehen vom französischen Berufsverband der Theater-, Musik- und Tanzkritiker. Nahezu alle Beteiligten der Produktion sind Ensemblemitglieder der Oper Frankfurt. Seit der Spielzeit 2020/21 ist Monika Buczkowska-Ward ein Teil desselben. Die Sopranistin überzeugte in Frankfurt mit Partien wie Sifare (Mitridate, re di Ponto), Alcina, Lady Harriet Durham (Martha), Fiordiligi (Così fan tutte), Helena (A Midsummer Night’s Dream), Livia (L‘italiana in Londra), Dorinda (Orlando), Eudoxie (La Juive) und Gretel. Sie übernimmt nun die Partie der Bellezza. Piacere wird von Opernstudio-Sängerin Younji Yi verkörpert. Die koreanische Sopranistin studierte an der Korea National University of Arts und anschließend am Sydney Conservatory of Music. In dieser Spielzeit gestaltete sie die Partie der Ismene (Mitridate, re di Ponto) und Yvette (Die Passagierin). Die langjährigen Ensemble-Mitglieder Katharina Magiera (Disinganno) und Michael Porter (Tempo) vervollständigen die Besetzung der Premierenserie. Magiera war in dieser Spielzeit bereits als Auntie (Peter Grimes) sowie erneut als Lisa (Die Passagierin) auf der Frankfurter Opernbühne zu erleben. Porter debütierte in dieser Spielzeit als Falsacappa (Die Banditen), Enea (Amor vien dal destino)
und als Pong (Turandot).

Premiere / Frankfurter Erstaufführung: Samstag, 13. Juni 2026, um 19 Uhr im Bockenheimer Depot
Weitere Vorstellungen: 15., 17., 18., 20., 22., 24. Juni 2026
Alle Vorstellungen beginnen um 19 Uhr.
Preise: € 20 bis 80 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Karten sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im
Telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

Sonntag, 17. Mai 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #105 - Nicht in den Sack schießen!



Wo eine Brille ist, da ist sie auch im Weg.© Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl


















Nicht in den Sack schießen!

Also dass die Konkurrenz im Unterhaltungsbusiness groß ist, hab ich immer schon gewusst. Aber zur Zeit mischen auch Menschen im Entertainment mit, die man dort gar nicht vermutet hätte.
Nicht nur, dass Donald Trump seine ICE-Truppe plötzlich in NICE umbenennen will (hab dazu übrigens eine Glosse verfasst, siehe unten*), sondern jetzt hat sich auch kürzlich ein österreichischer Militärexperte bei einer Podiumsdiskussion seltsam geäussert.
       
(Einschub - Was ich schon länger sagen wollte:
In der Welt, in der ich aufgewachsen bin, wäre der Begriff „österreichischer Militärexperte“ ein Oxymoron gewesen.
Also so etwas wie ein russischer Pazifist, ein in sich gekehrter Südamerikaner, ein großzügiger Schweizer, ein deutscher Spitzenkoch, ein dänischer Alpinist oder ein Hochseefischer aus Liechtenstein… Aber jetzt war ich in Dänemark und habe dort Menschen Schifahren gesehen. Und österreichische Militärexperten tauchen ständig in sämtlichen deutsch-sprachigen Medien auf.
Es hat sich sichtlich was geändert. Vielleicht wegen der Seidenwände.
Vielleicht auch, weil wir Österreicher in der Theorie immer sehr sehr gut sind. Nur bei der Praxis… aber egal, zurück zum Text.)

Der Militärexperte hat auf dem Podium mehrere unangenehme Dinge den Zuhörern verklickert, aber hat dabei sprachlich so schiefe Bilder verwendet, dass…nun ja… der Ernst der Lage ein wenig auf der Strecke geblieben ist.
So hat er etwa gesagt:
„Da gibt’s keine Sonderwurst für irgend jemanden!“

Das stimmt wohl, da kann man noch so oft mit dem Extrazug nach Pankow fahren oder in der Extrawirtschaftszone samt und extra ein Extravermögen 
(Apropos: Man kann diesen Newsletter auch unterstützen, Details unten.) erschaffen, es bleibt dabei: Sonderwurst gibt’s keine!

Da hat er recht. Genauso wie, wenn er sagt:
„Da haben wir uns ins Knie gelogen!“
Na, sicher! Wenn nicht sogar in den Ellbogen geschummelt.
Wir müssen nämlich die Aufgaben auf alle Hüften geschlecht verteilen. Sonst fragt sich bald die Stelle, wie lange wir uns noch im Speichel ansehen können?

Gut, der Militärexperte mag sich möglicherweise nur aus Zufall verbrochen haben, vielleicht war das aber auch unbewusst gerollt.
Handelt es sich also um eine strategische Bewusstlosigkeit?
Hat dieser Wortsinn Kommode?

Also: Je schlimmer die Nachrichten, desto ohmischer müssen sie fabuliert werden? Quasi weg von den Untergangs-Propheten, hin zu den Munterzwangstrompeten. So lange, bis sich alle nur mehr denken:
„Das sind für mich nur römische Werfer.“
Oder „Ich gestehe nur zahnlos!“

Und das ist ja nicht nur bei militärischen Schemen der Fall.
Nein, zum Beispiel auch bei den Reisen im Herzinfarkt.
Da heißt es schon lange nicht mehr: „Es wird alles teuer!“
Oder „Man bekommt nichts mehr für sein Geld“, nicht einmal mehr „Teuerung“, sondern… also extra… heißt es: „Shrinkflation“.
Was entweder nach einem Segelausflug mit Psychotherapeut klingt - oder nach einem Darmwind vom Installateur.

So oder so, hier sehe ich großes Potential. Ich möchte fast sagen:
Man hat hier die Füchse der Aurora ausgedacht.
Das ist eine völlig neue Weite im Buch der Gerichte.
Denn als Österreicher ist klar: Die Scheutralität wird unsere Schicht mehr nützen.
Für Deutschland gilt: Wir müssen die Küche im Torff lassen.
Und in der EU müssen endlich alle verstehen: Europa muss breit sein, um sich selbst beleidigen zu können.

Oder wer würde hier lieber brechen?
Aber lasst uns die Lachfragen zunächst im Serail umgehen:

Klimahandel? Es vergeht Wandlungsbedarf.
Je länger wir horten, desto immer wird es.
Und ich spreche hier für alle Degenerationen.
Also sowohl die Zungen, als auch die Kalten.
Schluss mit dem Verpennen von Spaß und Mehl!
Wir brauchen endlich ein Existenz-basiertes ökologisches Bordell, das für Wale fantasiert - und nicht nur für die Super-Leichen.

Denn zweitens: Zur Zeit mördert unsere Wirtschaftswaise nämlich nur Quäl-Magneten wie den russischen Präpotenten oder die Trullas im Uran. Gar nicht zu reden von den Gemächtspartnern des Emittenten der Vereinigten Paten von Allergiker!

Und das führt uns wiederum natürlich wieder - drittens - direkt zur neuro-zäh-ischen Vereidigung.
Wir dürfen uns nicht weiter in den Sack schießen!
Oder… wie hat es der Kollege so schön gesagt: Wir haben uns lange genug ins Knie gelogen.
Also: Kein Extraweg für die Sonderwurst!

In dieser Rinne:
Schnödes Rochen-Ende!


groebner live:

Donnerstag 14.5. Wien, 
Kabarett Niedermair
Dienstag 19. und Mittwoch 20.5. Graz, 
Theatercafé
Donnerstag 21. - Samstag 23.5. Regensburg, 
Statt-Theater
Freitag 29.5. Frankfurt, 
die KÄS

Samstag 13.6. München, 
Lach&Schießgesellschaft

Und, und, und…alle Termine gibt es 
hier.

Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man 
hier lesen.
Auch die jüngste Empfehlung der Wiener Stadtzeitung 
Falter etwa.

groebner gesehen:
In der wunderbaren Sendung „Schlachthof“ im Bayerischen Fernsehen war ich zu Gast.
Und durfte dort
 eine Kostprobe meines Regierungsprogramms „Ich bin das Volk!“ geben.

In der Abendschau im BR gab es sogar einen eigenen Premierenbericht.
Den kann man sich 
hier anschauen.

groebner gehört:
Ganz frisch heraussen!!!! Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records

Kennt Ihr schon mein Satire-Pop-Album 
„Nicht mein Problem“?
Es ist sehr gut.

In der wunderbaren Sendung „
Satire Deluxe“ war ich zu Gast und habe - live ! - ein Liedchen zum Besten gegeben.

Das „Ende der Welt“ gibt es auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek zu hören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, etwa wie man den 
US-Vizepräsidenten gut einsetzen könnte.
Was passiert, wenn die 
Mächtigen dieser Welt zu Satirikern werden.*
Oder warum es den Wiener 
Opernball wirklich gibt.
All das erfährt man.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf 
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein 
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-

Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64