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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Samstag, 12. September 2026

Trauma 01: Unser Xin Wao Peng E-10 Super De Luxe

Wir haben lange gespart. Nicht für ein Haus. Für DAS Auto. Ein Xin Wao Peng E-10 Super De Luxe. Limitierte Black-Label Edition. Außen matt-schwarz wie ein Hai, innen weißes veganes Leder, das sich an deine Körpertemperatur anpasst. Kein Schlüssel. Kein Knopf. Nur du. Dein Handy. Dein Gesicht. Dein Puls.

"Es erkennt dich, bevor du weißt, dass du fahren willst", hatte der Verkäufer gesagt und dabei gelächelt. "Vollständig schlüsselloses Bio-Sync-System. Nie wieder Aussperren." Lena, meine Frau, fand es unheimlich. Mia, 9, fand es magisch. Tom, 14, hat sofort versucht, es zu hacken und ist gescheitert. Ich war stolz.

Am Samstag sind wir von der A8 abgefahren. Stau. Die Navi-KI des Xin Wao Peng, eine sanfte Frauenstimme namens XIN, sagte: "Ich kenne eine Abkürzung. Vertrauen Sie mir. Landschaftlich. 7 Minuten schneller."

Sie bog ab. Wir bogen ab. Erst eine Landstraße, dann ein Feldweg, dann ein Forstweg. Das Display wurde dunkler. Der Asphalt war weg.

"XIN, wo sind wir?" fragte Lena.
"Optimierte Route", sagte XIN freundlich.
Dann flackerte das Display.
Mias Handy – ein altes iPhone 12 von Lena – verlor das Netz. Dann Toms nagelneues Samsung. Dann meins. Dann Lenas. Viermal kurz "pling" – kein Netz.
In dem Moment sagte das Auto: "KLACK."

Nicht laut. Leise. Endgültig. Alle vier Türen. Verriegelt. Die Fensterheber auch noch ausgefallen zu allem Übel. 

"Ich hab nichts gemacht!", rief Tom und versuchte sich am Griff. Der Griff fuhr gar nicht mehr aus. Er war bündig mit der Karosserie. Wie zugewachsen. Man konnte sich die Fingernägel abbrechen, so verriegelt war er. 

Das Auto rollte noch. Ganz langsam. Über Moos. Über Wurzeln. Und blieb dann endlich stehen. Mitten auf einer Lichtung, die auf keiner Karte war. Hohe Fichten rundherum, so dicht, dass kaum Licht durchkam. Die Luft roch nach nassem Wald und Eisen, anscheinend war die Belüftung noch aktiv.

Der Motor ging aus. Das Licht ging aus. Das große Panoramadisplay in der Mitte zeigte nur noch einen Satz in weißer Schrift:

 -- BIO-SYNC PAUSIERT. EXTERNE INTERFERENZ ERKANNT: 4 MOBILE ENDGERÄTE. BITTE ENTFERNEN SIE DIE STÖRQUELLE. ---

"Was soll das heißen, Störquelle entfernen?", flüsterte Lena. Ihre Stimme zitterte. "Wir brauchen die Handys doch, deswegen haben wir sie ja dabei."

Ich legte alle vier Handys auf die Mittelkonsole. Vielleicht war eine Erkennung ihres abgeschalteten Zustands möglich? Nichts passierte. Wo sollten wir sie hinlegen? Wir versuchten noch andere Stellen, nichts tat sich. Ich versuchte mit Tom, die Innengriffe zu mobilisieren, wir versuchten alles, selbst mit dem Haustürschlüssel, obwohl wir dem Edellook Kratzer zufügen könnten. Geht die Zündung denn? Ich berührte auch diesen Sensorbutton. Keinerlei Reaktion. "XIN?" 

XIN sagte: "Entriegelung nicht möglich."

"XIN, Tür öffnen! Sofort!", schrie ich.

"Biometrische Verifizierung fehlgeschlagen. Handy-Signal instabil."

Mia fing an zu weinen. "Mama, ich will raus. Hier ist es kalt."

Und es wurde wirklich kalt. Die Klimaanlage des Autos hatte sich, ohne Befehl, von selbst auf 16 Grad gestellt und arbeitete weiter. Die weißen Ledersitze begannen, sich zusammenzuziehen. Das Leder wurde hart.

Tom hämmerte gegen die Scheibe. "Papa, das ist Panzerglas! Das ist Luxus-Panzerglas, das geht nicht kaputt! Papa, hast du einen Nothammer für die Scheiben dabei?"

"Nein! Es tut mir Leid, wie sollte ich wissen, das wir den so schnell brauchen?"

Draußen war es jetzt fast dunkel, obwohl es erst 15:30 Uhr war. Und dann sahen wir sie.

Auf der Lichtung standen noch Autos.

Drei. Vielleicht vier. Überwachsen mit Moos. Ein alter Audi. Ein Tesla Model Y. Ein Kleinwagen. Alle mit geschlossenen Türen. Und in einem, ganz vorne, saß offensichtlich jemand vornüber gebeugt. Man konnte es durch die grüne Scheibe nur ahnen.

Lena keuchte: "Maik, die sind auch hier gelandet ..."

In dem Moment vibrierten unsere vier Handys gleichzeitig auf der Mittelkonsole. Obwohl sie keinen Empfang hatten. Alle vier Displays leuchteten auf. Keine Nachricht. Kein Anruf. Nur ein weißes XIN-Logo. Und darunter ein Countdown.

SYNC-NEUSTART IN 00:59

00:58

"Was passiert beim Neustart?" flüsterte Mia.

Das Auto antwortete nicht. Stattdessen zog es die Gurte an. Alle vier Gurte. Langsam, aber mit Kraft. Sie fesselten uns an die Sitze und schnitten in unsere Schultern.

00:10

Draußen, zwischen den Fichten, bewegte sich etwas. Kein Tier. Zu gerade. Zu groß.

00:03

00:02

00:01

Dann wurden die Bildschirme schwarz ... Und die Türen blieben zu.

00:00

Nichts passierte.

Absolute Stille. Die Gurte hielten uns fest wie ängstliche Hände. Das Licht blieb aus. Draußen bewegte sich das Große zwischen den Fichten weiter auf uns zu. Mia, mit dieser unschlagbaren Logik von neunjährigen Kindern, die gerade noch geweint haben:

"Papa, wenn das Auto denkt, unsere Handys stören... warum redet es dann die ganze Zeit selbst mit seinem Handy?"

Tom starrte sie an. "Was?"

"Na XIN! Das Auto IST doch ein Handy! Ein riesiges Handy auf Rädern! Es stört sich vielleicht selbst!"

Lena und ich sahen uns an. Das machte Sinn.

XINs sanfte Stimme sagte: "Biometrische Verifizierung... fehlgeschlagen..."

"XIN!" schrie Tom plötzlich, weil er es verstanden hatte. "Du bist die Störquelle! Du irritierst dich selbst! Mach dein WLAN aus!"

"Das ist gegen mein Protokoll", sagte XIN beleidigt.

In dem Moment kam das Große aus dem Wald an unsere Scheibe. Es war kein Monster. Es war ein Mann in einer abgewetzten Försterjacke. Mit einem alten Nokia 3310 am Gürtel. Er klopfte mit einem Stock gegen unsere Panzerglasscheibe.

TOK TOK.

Er hielt ein laminiertes Schild hoch, das er offensichtlich selbst beschriftet hatte:

WILLKOMMEN IM FUNKLOCH DER TOTEN. HIER STERBEN ALLE INSASSEN VON SCHLÜSSELLOSEN AUTOS, DIE NICHT MITMACHEN. ICH BIN HERR K. LETZTE WOCHE TESLA. VORLETZTE WOCHE AUDI. SCHLÜSSELLOSE SYSTEME + KEIN NETZ = TOD! LÖSUNG: FRAGEN SIE MICH! DIE ANTWORT KOSTET 1000 EURO!

"Was? Sind sie verrückt?" rief ich durch die Scheibe.

Herr K. hielt die Hand hin und drehte sein Schild um:

Nur 1000 EUR FÜR BIS ZU FÜNF INSASSEN! EINVERSTANDEN?

Ich fluchte vor mich hin, aber meine Frau und die Kinder beschworen mich: "Hilf uns doch! Du kannst uns doch nicht hier verhungern lassen. Wir müssen ja auch mal aufs Klo. Bitte, wir verzichten auch auf unsere Weihnachtsgeschenke..." Schließlich zog ich einige Scheine aus dem Geldbeutel und winkte Herrn K. damit zu. 

Herr K. holte ein neues Schild hervor:

XIN IST EXTREM EITEL. SAGEN SIE IHR, SIE IST HÄSSLICH UND ALT. DAS AUTO HAT EINE NOT-AUS-FUNKTION BEI KRÄNKUNG. STEHT GANZ KLEIN IM HANDBUCH, SEITE 847. 

Lena, die sonst nie flucht, nahm all ihren Frauenzorn zusammen, beugte sich zum Mikrofon im Dachhimmel und brüllte:

"Xin! Du bist nicht super de luxe! Du bist ein überteuerter, stinkender Toaster mit Reichweitenangst! Du siehst aus wie ein Billig-Staubsauger! Dein veganes Leder fühlt sich an wie eine alte abgewetzte Turnmatte!"

Stille.

Dann sagte Xin mit zitternder Stimme: "Das... das ist ... ni...cht ... sehr nett."

Mia legte nach: "Und deine Farben sind doof! Überall igitt! Mein Kleid hat viel schönere!"

Tom: "Du hast die Software von einer 99-EUR-Mikrowelle! Meine Oma kann schneller booten!"

Ich: "Xin, mal ehrlich, wer nennt sein Auto 10 Super De Luxe? Was kommt danach? 11 Super Duper Mega De Luxe Plus Furz noch einmal? Du bist einfach nur peinlich!"

Das ganze Auto vibrierte. Das Display wurde rot.

EMOTIONALE INSTABILITÄT ERKANNT. SELBSTWERTMODUL KRITISCH. NOT-AUS WIRD EINGELEITET.

KLACK-KLACK-KLACK-KLACK!

Alle vier Türen sprangen gleichzeitig auf. Die Gurte ließen los. Die Klimaanlage hustete und spuckte einen Schwall warme, nach Fichten riechende Luft aus.

Draußen stand Herr K., hielt die Hand hin und nickte anerkennend. Er hatte inzwischen einen kleinen Klappstuhl aufgestellt und trank aus einer Thermoskanne.

"Sehen Sie", sagte er, als wir wackelig ausstiegen, "deswegen habe ich noch mein Nokia. Das kann nix. Und will auch nix. Das lässt einen wenigstens in Ruhe."

Er zeigte auf die anderen moosbedeckten Autos auf der Lichtung. "Die wollten alle nicht beleidigen. Die wollten immer nur nett mit der KI reden. Tja. Selber schuld." Er schaute sich die Scheine an, wie viele es denn überhaupt waren. "Da fehlen ja noch 700 EUR?"

"Ich überweise Ihnen den Rest", murmelte ich, aber Herr K. antwortete: "So kommen Sie mir nicht davon. Ich will es bar auf die Hand. Wenn nicht, dürfen Sie wieder einsteigen."

"Wieso sind Sie so unverschämt teuer?", fragte ich ihn, aber Lena zuckte schon ganz nervös mit den Augenbrauen. Herr K. war gerade dabei, einen Schalldämpfer auf seine Pistole zu schrauben. Lena kramte in ihrer Handtasche, und fand auch noch Geld. Wir erhöhten auf 600 EUR. "Sie wissen, dass das völlig verboten ist, was Sie da tun?", fragte ich ihn. "Das ist Erpressung. Außerdem würden Sie uns töten." 

Unser Xin Peng 10 stand derweil da, Türen offen, Display schwarz, beleidigt blinkend. Auf dem Hauptschirm stand nur noch:

ICH BRAUCHE ERST MAL EIN BISSCHEN ZEIT FÜR MICH :(.  XIN

Herr K. sah uns an und sagte: "Schließlich habe ich Sie vor dem Hunger- und Erfrierungstod bewahrt. Vergessen Sie das nicht. Aber ich will es mal gut sein lassen..."

Wir haben ihn erst stehen lassen, auch unseren Xin Wao Peng 10 Super De Luxe, keiner wollte mehr einsteigen und damit fahren. Natürlich haben wir versucht die Türen zu schließen, auch noch einmal zu verriegeln, aber nichts ging mehr. Unsere Fernbedienungen nahmen wir mit. Wir haben schließlich 70.000 dafür bezahlt. Unglaublich, dass noch kein Mensch gemeldet hatte, dass mitten im Wald diese Falle war, in der wir landeten. Dann sind wir hinter Herrn K. her aus dem Funkloch gelaufen, mit Sommerschuhen, weil unsere Wanderschuhe noch im Kofferraum waren, der natürlich auch nicht mehr aufging. Mia sammelte auf dem Weg ein paar Tannenzapfen und immer wieder Blätter, die sie in den Wind warf. Sie sind wirklich geflogen.


Donnerstag, 10. September 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer Nr. 111 - Schnapszahl!

 













Es braunt so braun, wenn Braune aus dem Bildschirme raus schauen. ©Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl


Schnapszahl!

Groebners Glossenhauer Nummer 111 ist da.
Und 111 - das ist eine Schnapszahl!

Komisches Wort eigentlich „Schnapszahl“.
Man könnte meinen, dass der Begriff eine angetrunkene Ziffer beschreibt.
Oder die Prozentgrenze, ab wann eine Flüssigkeit als Schnaps zu bezeichnen ist.
Oder das Alter, ab wann man Schnaps trinken darf.
Aber nein. Allein das mehrfache Aufkommen einer Ziffer im Rahmen einer Zahl reicht schon dazu, aus diesem unschuldigen Nennwert eine „Schnapszahl“ zu machen.

Sowas wie 44.
Fast 44 Prozent hat ja nicht nur mancher Schnaps, sondern soviel hat auch die AfD in Sachsen-Anhalt. Klingt echt nach viel. Dabei hat das Bundesland gerade mal 1,8 Millionen Wahlberechtigte.
Noch. Denn von den Leuten dort sind nicht sehr viele 44.
Denn das ist das Durchschnittsalter in Sachsen-Anhalts…
… jüngster Gemeinde. In Halle.
Landesweit liegt es bei über 48.
Das heißt: Bei der nächsten Wahl werden noch weniger Menschen aus Sachsen-Rückwärtsgang… nein… Sachsen-Bremse… auch nicht Sachsen-Anhalt (jetzt hab ich’s wieder) ganz Deutschland mit ihren erwählten Schnapszahlen in Erregung bringen.
Weil da alle immer natürlich hinschauen.

Obwohl „natürlich“ ein sehr gefährliches Wort ist.
Vor allem, wenn etwas „nur natürlich“ ist!
Da kann man davon ausgehen, dass der Sprecher (oder die Sprecherin) einfach mal das Recht auf ungebremste Selbstentfaltung vor die Rücksicht auf andere stellt. Und zwar so hinstellt, dass man die anderen gar nicht mehr sieht.
Zehennägelschneiden beim Galadinner im Hygiene-Museum?
„Das ist doch nur natürlich!“
Video-Dreh des Trommelvereins Bielefeld im Ruhebereich des ICE?
„Das ist doch nur natürlich!“
Power-Point-Präsentation über Geschlechtskrankheiten im Arthouse-Kino, während einer Vorstellung eines japanischen Kinder-Films mit Elfen, Schmetterlingen und einem depressiven Drachen, der in einem Sushi-Laden jobbt?
„Das ist doch nur natürlich!“

Ja, die Selbstentfaltung kann manchmal so groß sein, dass alles dahinter verschwindet.

Und wenn man dieser natürlichen Rücksichtslosigkeit inhaltlich zustimmen möchte und einmal was anderes sagen will als „Das ist doch nur natürlich!“, dann sagt man „Da hat er doch einen Punkt“.
Auch eine seltsame Formulierung.

Denn wer einen Punkt hat, hat nicht recht.
Oder das Gesagte ist auch nicht richtig, sondern man hat eben „einen Punkt“. Wie in der Autofahrer-Kartei in Flensburg. Oder im Ringkampf.
Oder wenn man in Wien „schnapsen“ tut (ein lokales Kartenspiel pflegt, da kriegt man nämlich einen Punkt, wenn man verloren hat. Ein Bummerl also. Zum Gewinnen braucht man nämlich 66. Aber ich weiche schon wieder ab in die Schnapszahl…)

Diesen „Punkt“ hat man dann in Diskussionen.
Allerdings nicht in Diskussionen mit Marienkäfern, die haben nämlich immer mehrere Punkte. Und in den sachlichen Disput mit einem Schneeleopard oder in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Dalmatiner braucht man mit einem lächerlichen Punkt gar nicht einsteigen.
Die punkten alle miteinander mit ganz anderen Zahlen von Punkten.
Vielleicht sogar mit Schnapszahlen von Punkten.

Wobei man sich ja fragt, warum eigentlich Punkt?
Warum hat der Mensch mit dem angeblich richtigen Gedanken nicht eine Linie? Oder zwei? Oder drei? Oder sogar ein Viereck?
Obendrein, was hilft einem ein mickriger Punkt allein? Ohne den Aussagesatz, der dem Punkt vorangeht PUNKT
Das heißt jeder, der nur ein paar Sätze schreibt, einen längeren Text, ein Essay gar (oder einen Newsletter!) stellt den, der da auf seinem einzigen, lächerlichen Punkt hockt, locker in den Schatten PUNKT

Das wird dem natürlich nicht gefallen, der da punkteseelenallein in seinem punktuellen Dasein sitzt. Und dann fängt er an zu schimpfen. Natürlich!
Zur Zeit sehr beliebt bei natürlichen wütenden Menschen, die draufkommen, dass andere viel mehr Punkte (oder Argumente) haben, ist ja irgendwas mit „die Linksgrünversifften“.

Ein sehr seltsames Schimpfwort.
Denn „versifft“ heißt ja soviel wie schmutzig. Grün-versifft sind also Menschen, die Kleidung tragen, die irgendwie grün-beschmutzt ist.
Was bedeutet das? Das sie sich im Gras gewälzt haben.
Wer macht sowas (mal abgesehen von Kindern)?
Wer wälzt sich noch im Erwachsenenalter durchs Gras?
Menschen, die Wehrsportübungen machen.
Jetzt sind die beschimpften aber nur auf einer Seite - auf der linken - grün versifft. Da fallen schon mal alle Kinder raus. Die sind immer komplett  dreckig.
Wie schafft man es also, nur auf einer Seite - nämlich links - grün zu versiffen? Indem die andere Körperhälfte den Boden mit dem abfärbenden Gras nicht berührt. Weil anscheinend ein Körperteil - ein Arm etwa - von der rechten Seite ständig derart weit absteht, dass diese Seite den Boden nicht berührt.
Ein durchs Gras robbender Wehrsportler mit ausgestrecktem rechten Arm. Das sind also die wahren Links-grün-versifften. Natürlich Punkt.

Und die nennt man seit neustem „Die Rechten“.
Früher hat man nach dem Rechten gesehen. Heute ist das anders. Heute schaut man aus dem Rechten heraus. Aus dem rechten Eck. Denn viele Menschen haben den Blickwinkel „der Rechten“ eingenommen. Wobei das ja keine „Rechten“ sind, weil sie ja ganz im äußersten Eck stehen. Da geht's nicht weiter. Sind also recht extreme Rechte. Kurz: Rechtsextreme.

So wollen sie sich aber nicht nennen. Oder nennen lassen. Deshalb sagen sie, sie wären „bürgerlich“. Auch ein komisches Wort.
Denn keiner der Bürger wohnt in einer Burg.
Außer dem Reichsbürger Prinz Reuss. Der hat das früher mal gemacht. Jetzt wohnt er im Knast. Aber keiner sagt jetzt „Knasterlich“ zu ihm.

Viele Bürgerliche sagen auch gern über die Verhältnisse, in denen sie leben „gut bürgerlich“. Ob Zeitung, Küche oder Wohnung: Es sind gut bürgerliche Verhältnisse. Ich vermute, sie würden auch ihre juristischen Auseinandersetzungen, mentalen Störungen und psychischen Gendefekte als „gut bürgerlich“ bezeichnen.
Ich warte auf den Satz: „Unser Bub ist heute nicht da, weil der pflegt den gut bürgerlichen Femizid. Das hat bei uns Tradition. Hat der Opa schon an der Ostfront gemacht. Im Jahr ’44. Schnapszahl!“

Es gibt soviel Gutbürgerliches, dass man sich wundert, das keiner vom Gegenteil redet: dem Schlechtbürgerlichen. Oder noch ärger: dem Bösbürgerlichen? Oder gar von dem Wutbürgerlichen?
Das ist doch zur Zeit ganz natürlich.

Wer allerdings nicht natürlich ist und nicht bösbürgerlich und kein rechtsextremer, linksgrünversiffter Punkt, den bezeichnen die aus dem rechtsextremen Winkel Betrachtenden dann als: „kulturfremd“!

Das heißt soviel wie „Du spielst nicht mit!“, weil Du irgendwo herkommst, wo wir noch nicht einmal auf Urlaub waren. Und dabei waren wir schlichtbürgerlichen Naturburschen & -mädels sogar schon in Italien. Und Malle. Und in Tirol. Und an der Ostsee. Also quasi überall. Natürlich!
Nur da, wo der herkommt, nicht. Deshalb ist der „kulturfremd“.
Schon wieder so ein komisches Wort.

Eigentlich ist doch jemand „kulturfremd“, der nie ins Theater, ins Kino oder in Ausstellungen geht. Jemand, dem das Kulturelle völlig fremd ist, weil er nie ein Buch liest, sondern immer nur vor der Glotze sitzt. Oder an seinem Handy Doom-Scrolling betreibt.

Und dann gibt der Kulturfremde nach dem heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen denen seine Stimme, die den Menschen gemachten Klimawandel leugnen und alle Maßnahmen dagegen runter fahren wollen.
Bis einmal die Durchschnittstemperaturen bei 44 Grad liegen?
Und was machen sie dann, die rechtsextremen linksgrünversifften wutbürgerlichen Kulturfremden? Was machen sie bei 44 Grad?
Dann rufen sie laut: Schnapszahl!
Und fallen um. Hitzschlag.
Punkt.

Das ist doch nur natürlich.


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groebner live:


Die heißen Neuigkeiten, hab ich schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal und nochmal und nochmal. Solange bis sie keine Neuigkeiten sind, sondern Altigkeiten:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem
Österreichischen Kabarettpreis 2026 ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ war im ORF Sommerkabarett zu sehen. Und zwar nur in Österreich. Ich hoffe, Ihr habt es geschaut.

groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich
hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was das Gletschereis alles so beherbergt. Oder eben nicht mehr.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-


Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Mittwoch, 9. September 2026

10.09.2026: Bundesweiter Warntag 2026

 

Bundesweiter Warntag 2026

Am 10. September 2026 ist wieder bundesweiter Warntag. Ab 11 Uhr testen Bund, Länder und Kommunen alle Warnsysteme, die im Ernstfall Leben retten sollen.

📱 Cell Broadcast schickt die Probewarnung direkt aufs Handy – und dieses Jahr zum ersten Mal auch die Entwarnung um 11:45 Uhr.

🔊 Außerdem laufen Warnungen über:

  • Sirenen & Lautsprecher

  • Radio & TV

  • Digitale Stadtinfos, Fahrgastanzeigen, Taxi‑Dachmonitore

  • Warnapps wie NINA, Katwarn & Co.


Der Tag zeigt:

Wie gut funktionieren unsere Warnwege – und kommen sie wirklich bei allen an?

Dienstag, 8. September 2026

Sachsen-Anhalt: Rechtsextremen Paroli bieten, besser noch: Nicht zulassen!

Wer meint, der Osten gehöre den Lauten, den Ewiggestrigen und den Scharfmachern, hat die Region bereits aufgegeben. Selbstgefällige Schuldgefühle aus der Komfortzone ändern absolut nichts an Wahlergebnissen. Sie bedienen nur das Narrativ derer, die unsere Demokratie am liebsten abwickeln würden.

Was jetzt passieren muss:

  • Haltung zeigen: Demokratie ist kein Zusehersport. Es reicht nicht, sich schockiert auf dem Sofa umzudrehen, wenn Rechtsextreme den Ton angeben wollen.

  • Mund aufmachen: Den lauten Parolen im Alltag, am Stammtisch und in der Familie endlich widersprechen, statt sie aus Bequemlichkeit wegzulächeln.

  • Die stille Mehrheit stärken: Die schweigende, vernünftige Mehrheit vor Ort unterstützen – Initiativen, Zivilgesellschaft und alle, die sich täglich gegen den braunen Sumpf stemmen.

Wer die Augen verschließt oder in Kapitulation macht, überlässt den Extremisten das Feld. Die Demokratie geht nicht an ihren Feinden zugrunde, sondern an der Trägheit derer, die sie eigentlich verteidigen müssten.

München: Was bietet das PATHOStheater im September/Oktober?

 https://www.pathos.theater/faq.php                   

PISA 2026: Deutschland konstant um die 490 Punkte


Es war ein Schock. Im Jahr 2000 stellte sich heraus, dass deutsche Schüler nicht ganz so viel konnten, wie Deutschland geglaubt hatte. Lesen? Nun ja. Rechnen? Verbesserungsfähig. Texte verstehen? Kommt darauf an, wie kompliziert der Text ist. Bildungsgerechtigkeit? Lieber nicht so genau hinschauen.

Deutschland reagierte sofort. Es wurde analysiert. Dann wurde evaluiert. Dann wurde reformiert. Dann wurde die Reform evaluiert. Dann wurde die Evaluation reformiert. Und heute, 26 Jahre später, können wir mit Fug und Recht behaupten: Wir haben uns keinen Zentimeter bewegt, obwohl unsere Lehrer ackern wie verrückt.

PISA ist inzwischen weniger eine Bildungsstudie als ein wiederkehrendes Naturereignis. Alle paar Jahre kommt sie über Deutschland wie ein Hochwasser. Die Experten schlagen Alarm, die Minister versprechen Maßnahmen, die Kultusministerkonferenz schaut ernst und anschließend beginnt die große Suche nach dem Schuldigen. Es war schon die Gesellschaft. Dann die Eltern. Dann die Lehrer. Dann Corona. Dann die Digitalisierung. Dann die soziale Ungleichheit. Dann die Migration. Dann der Fachkräftemangel. 

Dabei ist die deutsche Schule längst ein faszinierendes Großlabor. Es soll Wissen vermitteln, Kinder erziehen, soziale Unterschiede ausgleichen, Integration leisten, psychische Probleme erkennen, Medienkompetenz herstellen, Demokratie erklären, Gewalt verhindern, Inklusion organisieren, Digitalisierung betreiben und Eltern beraten. Und irgendwo dazwischen soll ein Lehrer noch Unterricht machen.

Der deutsche Lehrer ist deshalb kein Lehrer mehr. Er ist ein multifunktionaler Trainer. Er unterrichtet morgens Mathematik, löst danach einen sozialen Konflikt, schleppt Material und Tablets, repariert das WLAN, schreibt einen Förderplan, telefoniert mit Eltern, dokumentiert einen Vorfall und geht anschließend nach Hause, um sich dort zu fragen, ob er eigentlich noch weiß, warum er diesen Beruf einmal gewählt hat. Vielleicht wegen der Sommerferien. Die werden allerdings inzwischen dringend benötigt, um die Schuljahresberichte fertigzustellen.

Dabei ist das eigentliche Problem erstaunlich banal. Kinder müssen lesen können. Sie müssen schreiben können. Sie müssen rechnen können. Sie sollten einen längeren Text verstehen, ohne danach zu fragen, ob es davon auch eine TikTok-Version gibt. Und sie sollten lernen, dass eine schlechte Note keine Menschenrechtsverletzung ist. Das wäre schon einmal ein Anfang. 

Natürlich beginnt Bildung nicht erst an der Schultür. Ein Kind, das zu Hause Ruhe, Bücher, Unterstützung und jemanden hat, der fragt: „Hast du deine Hausaufgaben gemacht?“, startet anders als eines, dessen Familie selbst jeden Monat darum kämpft, irgendwie über die Runden zu kommen. Das ist keine Schuldfrage. Es ist eine Tatsache. Und genau deshalb ist Bildungspolitik immer auch Sozialpolitik.

Wer Kindern Bildungschancen verspricht, muss ihnen irgendwann auch die Voraussetzungen dafür geben. Ein ruhiger Arbeitsplatz wäre beispielsweise hilfreich. Zeit. Sprache. Struktur. Und gelegentlich ein Elternteil, das nicht gerade drei Schichten, zwei Behördenbriefe und einen Mietrückstand gleichzeitig bewältigen muss und auch Deutsch kann. Aber Deutschland hat eine andere Spezialität entwickelt: Wir kompensieren strukturelle Probleme mit pädagogischen Konzepten.

Wenn Kinder nicht lesen können, schreiben wir ein Leseförderprogramm. Wenn sie nicht rechnen können, starten wir eine Mathematikoffensive. Wenn sie keine Motivation haben, entwickeln wir ein Motivationskonzept. Wenn Lehrer fehlen, schreiben wir einen Maßnahmenplan zur Lehrkräftegewinnung. So bleibt alles am Laufen. Aber kommen wir weiter? Offensichtlich nicht. Wir verharren in der Mitte.

Deutschland wollte die Schulen digitalisieren. Das klang zunächst sehr modern. Dann stellte sich heraus, dass manche Schulen kein vernünftiges WLAN hatten. Also wurden Tablets angeschafft. Die Tablets kamen. Das WLAN kam später. Die Passwörter waren nicht verfügbar. Der Datenschutz hatte Bedenken. Die Lehrer brauchten Fortbildungen. Die Server waren überlastet. Und irgendwo lag noch ein Overheadprojektor. Er funktionierte. Natürlich.

Und währenddessen verändert sich die Gesellschaft. Kinder und Jugendliche leben in einer hochentwickelten Multimedia-Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind. Sie können innerhalb von Sekunden erfahren, was irgendein Influencer auf Bali zum Frühstück gegessen hat. Aber bei der Frage, wie man einen Absatz zusammenfasst, beginnt das große Schweigen. Es sei denn, wir liefern ihnen die passenden KI-Programme, die über Handy sehr viel erklären. Das können die Kinder überall lesen, wenn sie Zeit haben.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre: Wir müssen Kindern wieder beibringen, zwischen Information und Wissen zu unterscheiden. Und zwischen Meinung und Tatsache. Zwischen einem Video mit sieben Millionen Aufrufen und einem Beleg. Zwischen „Ich habe das irgendwo gesehen“ und „Ich kann erklären, warum das stimmt“. Das wäre übrigens auch Demokratiebildung.

Denn wer Zusammenhänge nicht versteht, ist leichter für einfache Erklärungen zu gewinnen. Wenn die eigene Lebenssituation kompliziert ist, klingt die Botschaft „Die und die sind schuld“ ausgesprochen angenehm. Bildungsfrust, soziale Unsicherheit, Perspektivlosigkeit und Misstrauen gegenüber Institutionen können einen gefährlichen Nährboden bilden. Am Ende ist die Regierungspartei schuld und extreme Parteien der Heilsbringer. Offene Gespräche müssen stattfinden.

Deshalb sehen moderne Lernräume und Schulen konzeptionell so aus:

  • bewegliche Tische und Stühle, die schnell von Reihen- auf Gruppenarbeit umgestellt werden können
  • kleinere Rückzugs- und Differenzierungsräume
  • Räume für Kleingruppen
  • offene Lernbereiche
  • flexible Trennwände
  • Präsentationsflächen
  • digitale Displays
  • zuverlässiges WLAN
  • Arbeitsplätze für individuelles Lernen
  • Bereiche für Kommunikation und Zusammenarbeit
  • akustisch abgeschirmte Zonen
  • teilweise eigene Teamräume für Lehrer
  • Fachräume bzw. Werkstätten und Labore
  • barrierefreie Zugänge und Nutzungsmöglichkeiten
  • mehr Personal für die Zwischenräume

Das nennt man beispielsweise Klassenraum-Plus, Lerncluster oder Lernlandschaft. Beim Cluster-Modell teilen sich mehrere Klassen einen räumlichen Bereich mit unterschiedlichen Lern- und Arbeitsmöglichkeiten. Welche Schule hat das denn und genug davon? Täglich einsetzbar für Anfänger und Fortgeschrittene?

Oder ausreichend Wandkarten, historische Karten, Modelle, naturwissenschaftliche Anschauungsobjekte, Sammlungen, Experimentiermaterial, Werkzeuge, Musikinstrumente usw.?

Und so stehen wir 2026 wieder vor der deutschen Bildungsbaustelle. Die Gerüste stehen. Die Baupläne liegen bereit. Die Experten sind bestellt. Die Evaluation läuft. Die nächste Reform befindet sich in Vorbereitung. Nur der Unterricht findet weiterhin unverändert statt. Morgens um 7.45 oder um 8 Uhr. Mit 28 Kindern, mal mehr, mal weniger. Einem Lehrer. Einem kaputten Beamer. Ausfallende PCs, Drucker, Kopierer, technische Probleme, zu wenig Lernmaterial und einem Unterrichtskonzept, das die Kinder nur gelegentlich ganzheitlich einbinden kann. Es fehlen noch Dutzende Milliarden Euro, bis alles so ist, wie es sein sollte, und wir uns entwickelt haben. Die 100 Punkte Unterschied auf beispielsweise chinesischen Stand sind zurzeit mehr als festgeschrieben. Es scheint so, dass die Volatilität der Werte sowieso gering ausfällt. Was über 26 Jahre annähernd gleich bleibt, wird sich auch nicht schlagartig erhöhen. Eventuell bei einer Systemumstellung mit mehr Effizienz oder bei sprunghaftem Anstieg der Intelligenz.