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Freitag, 3. April 2026

Gibt es ein historisches Ostertrauma? - Teil 3

Auschwitz, AI, gemeinfrei


Das Thema des Ostertraumas berührt eine lange, düstere Traditionslinie europäischer Geschichte: die wiederkehrende Verbindung von religiöser Aufladung, sozialer Spannung und Gewalt gegen Minderheiten – besonders gegen jüdische Gemeinden – rund um das Osterfest. Eine Recherche im Internet ergibt eine ganze Menge.

I. Spätantike: Römerzeit und frühes Christentum

Bereits in der Spätphase des Römischen Reiches entstehen Spannungen, die später eskalieren. Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. (Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr.) verschiebt sich das Verhältnis zwischen Juden und sich entwickelndem Christentum grundlegend. Christen definieren sich zunehmend in Abgrenzung zum Judentum. Theologisch entsteht der Vorwurf des „Gottesmordes“ (Deizid) – also der Verantwortung für den Tod Jesu.

Wichtig: Ostern wird zum zentralen christlichen Fest – und damit auch der Passionsbericht, der Schuldzuweisungen enthält. Diese religiöse Erzählung wird über Jahrhunderte emotional aufgeladen. Einflussreiche Stimmen wie Johannes Chrysostomos predigen offen gegen Juden – oft in direkter Verbindung zu christlichen Festzeiten. Es sind noch keine Pogrome im späteren Sinne, aber eine ideologische Grundlage.

II. Frühmittelalter: Vereinzelte Gewalt, wachsende Stereotype

Zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert ist die Lage regional sehr unterschiedlich: In vielen Gebieten leben jüdische Gemeinden relativ geschützt unter Herrschern. Dennoch entstehen Mythen, wie Ritualmordlegenden (oft mit Bezug zu Passion/Ostern), Hostienfrevelvorwürfe. Diese Narrative verknüpfen Ostern mit dem Leiden Christi und der angeblichen jüdischen Schuld.

Noch sind Pogrome selten – aber das ideologische Arsenal wächst.

III. Hochmittelalter: Die große Eskalation (11.–14. Jahrhundert)

Hier verdichtet sich alles – und Ostern wird zu einem wiederkehrenden Auslöser von Gewalt.

1. Die Rheinischen Massaker (1096)

Im Kontext des Erster Kreuzzug kommt es zu systematischen Massakern in den Städten Speyer, Worms, Mainz. Die Täter sind Kreuzfahrer und lokale Bevölkerungen. Dies alles geschieht oft um Ostern herum.

Das genannte Beispiel: In Mainz wird die gesamte jüdische Gemeinde ausgelöscht, wohl nach dem Motiv „Warum in die Ferne ziehen, wenn die Feinde Christi vor Ort sind?“

2. Wiederkehrende Osterpogrome

Im 12.–13. Jahrhundert häufen sich Gewalttaten genau zu dieser Zeit. Typische Mechanismen sind Predigten während der Karwoche, öffentliche Passionsspiele und kollektive emotionale Erregung.  Danach kommt es zu Angriffen auf jüdische Viertel.

3. Ritualmordlegenden

Ein Schlüsselereignis ist der Fall William von Norwich. Hier wird erstmals systematisch behauptet, dass Juden christliche Kinder zu Ostern töten würden. Diese Legende verbreitet sich europaweit und wird immer wieder als Vorwand genutzt.

4. Pestpogrome (1348–1351)

Während der Schwarze Tod sich ausbreitet, eskaliert die Gewalt massiv: Juden werden beschuldigt, Brunnen vergiftet zu haben. Bei Pogromen in hunderten Städten an Ostern spielen hier indirekt eine Rolle die religiösen Deutungen der Katastrophe und die Verstärkung vorhandener Feindbilder.

Im Elsass und am Oberrhein, in Straßburg, Colmar, Basel werden gehäufte Übergriffe während und nach Passionsspielen dokumentiert, besonders in Krisenzeiten (Pest, Hungersnöte).

Das Straßburger Pogrom von 1349 ist ein Massenmord an der jüdischen Bevölkerung von Straßburg während der Zeit der Pestpandemie. Es gilt als eines der frühesten und brutalsten Beispiele der antijüdischen Gewalt im Zusammenhang mit den Pestverfolgungen im Heiligen Römischen Reich.

Am 14. Februar 1349 sind in Straßburg (damals Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich) etwa 900 bis 2.000 jüdische Einwohner aufgrund von Gerüchten über Brunnenvergiftung vernichtet worden. Ihr Eigentum wird beschlagnahmt. In Straßburg schürten politische Spannungen zwischen dem Stadtrat, der Bürgerschaft und dem Bischof die Gewalt zusätzlich. Die jüdischen Einwohner von Straßburg werden auf den „Judenbühl“ außerhalb der Stadt getrieben, die meisten von ihnen auf einem Scheiterhaufen verbrannt, andere zwangsgetauft. Nur wenige überleben durch Flucht oder Konversion. Die Tat war von der Stadtführung gebilligt und organisiert. Das Pogrom markiert den Untergang einer der ältesten und wohlhabendsten jüdischen Gemeinden Mitteleuropas. Straßburg blieb jahrzehntelang „judenfrei“. Ähnliche Gewaltwellen erfassten in den folgenden Monaten viele andere Städte des Reichs. In der Forschung gilt das Ereignis als Ausdruck tief verwurzelter antisemitischer Strukturen und als frühes Beispiel staatlich unterstützter Verfolgung.

Heute erinnert in Straßburg eine Gedenktafel auf dem Place de la République an das Pogrom. Historiker sehen es als Mahnung vor religiös motivierter Gewalt und kollektiver Schuldzuschreibung in Krisenzeiten.

IV. Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert)

Passionsspiele werden öffentlich, mehrtägig von großen Teilen der Bevölkerung besucht. Juden werden als grausam, verschwörerisch, kollektiv schuldig betrachtet. Ihnen wird eine konkrete Verbindung zu Gewalt unterstellt.

Nürnberg ist ein bedeutendes Zentrum spätmittelalterlicher Spiele. Es gibt detaillierte Passionsinszenierungen und eine stark antijüdische Bildsprache, aber keine klar datierten Sofortpogrome, eher langfristige Radikalisierung des Stadtklimas.  

In Augsburg mehrere dokumentierte Spannungen und Übergriffe im Zusammenhang mit ausgeprägten Passionsspielen gab es laut stark ausgearbeiteten Judendarstellungen, Stadtrechnungen und Chroniken gleichzeitige antijüdische Maßnahmen.

In Regensburg fanden wiederholte Vertreibungen und Gewalt (insb. 1470er Jahre) nach Passionsspielen statt. Sie standen in Zusammenhang mit Passionsfrömmigkeit und Ritualmordlegenden. Es fanden kollektive Übergriffe auf die jüdische Gemeinde statt.

Die Gewalt wird weniger flächendeckend, aber bleibt strukturell präsent. Typische Erscheinungen sind Karfreitagsrituale mit antijüdischer Symbolik. Deutlich die zwangsweise Teilnahme von Juden an christlichen Ritualen, Passionsspielen und periodische Ausschreitungen gegen sie. Ein besonders drastisches Beispiel zeigt der Trienter Ritualmordprozess von 1475, ein berüchtigter mittelalterlicher Schauprozess gegen die jüdische Gemeinde in Trient (heute Trento, Italien). Er begann nach dem Tod des zweijährigen Simon von Trient und führte zu massiven Verfolgungen, Hinrichtungen und zur Auslöschung der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Am Osterfest 1475 wurde der Knabe Simon tot aufgefunden. Lokale Autoritäten, unterstützt vom Fürstbischof Johannes Hinderbach, beschuldigten die jüdische Gemeinde des „ritualisierten Mordes“ zu Passahzwecken – ein typisches Motiv antisemitischer Propaganda jener Zeit. Trotz fehlender Beweise wurden zahlreiche Juden gefoltert und hingerichtet. Passah/Pessach kennt zwar die rituelle Schlachtung eines fehlerlosen Lammes, die zentraler Bestandteil der ursprünglichen Pessachordnung in Exodus 12 ist. Es handelt sich jedoch nicht um einen menschlichen Ritualtod, sondern um ein Tieropfer! Es hat rein gar nichts mit Ritualmord oder dem christlichen Ostern zu tun. Der Ritualmord-Mythos wurde dadurch dennoch in Europa erneut befeuert und weiterverbreitet.

Institutionalisierter Antijudaismus

Typische Formen waren Ghettobildung, Berufsverbote, Sondersteuern. Die Gewalt ist nun oft weniger spontan, sondern stärker strukturell organisiert, aber zu Ostern bleibt das Eskalationsrisiko erhöht.

V. Frühe Neuzeit bis 19. Jahrhundert

Mit Aufklärung und staatlicher Zentralisierung verändert sich die Lage – aber der Antijudaismus verschwindet nicht. Es gibt zwar einen Rückgang, aber kein Ende. In Westeuropa nimmt offene Gewalt ab, in Osteuropa bleibt sie massiv. 

Ein herausragendes Beispiel ist der Chmelnyzkyj-Aufstand von 1648 bis 1657 eigentlich gegen den Adel gerichtet, den polnischen Staat. Er folgt nicht mehr der Passionsspiellogik. Weder spontan, noch an Ostern gebunden, noch durch Passionsdarstellungen emotionalisiert, werden Zehntausende Juden ermordet, allerdings auch aus religiösen Motiven. Anführer ist Bohdan Chmelnyzkyj und wirkt in der heutigen Ukraine, Polen, Belarus. Der Aufstand der Kosaken und großer Teile der bäuerlichen Bevölkerung gegen die Ordnung der polnisch-litauischen Adelsrepublik und Katholiken bzw. Katholisch-Orthodoxe wird begleitet von massiver Gewalt gegen Juden: Es finden Massaker in zahlreichen Städten (z. B. Nemyriv, Tulczyn, Polonne) und Zerstörung ganzer Gemeinden. Die Opferzahlen sind historisch umstritten (mehrere Zehntausend wahrscheinlich).

In der jüdischen Erinnerung zählt der Aufstand als eines der größten traumatischen Ereignisse vor dem 20. Jahrhundert (apokalyptische Ausmaße). Juden werden nicht primär aus theologischen, religiösen Gründen angegriffen, sondern als Verwalter von Gütern, Steuereintreiber, Zwischeninstanz zwischen Adel und bäuerlicher Bevölkerung. Sie werden als Teil des Unterdrückungssystems wahrgenommen.
 

Die Zeit von 1900 bis 2026 markiert keinen Bruch, sondern eine Transformation: Die direkte religiöse Aufladung von Ostern als Auslöser von Gewalt nimmt in Westeuropa stark ab, verschwindet aber nicht vollständig. Gleichzeitig verschieben sich Motive – von religiösem Antijudaismus hin zu modernem Antisemitismus, Nationalismus und politischer Instrumentalisierung.


VI.  Frühes 20. Jahrhundert (1900–1933): Übergang und Persistenz

Osteuropa als Brennpunkt

Im Russischen Reich und angrenzenden Regionen kommt es weiterhin zu Pogromen, so in Kischinew. Weitere Ausschreitungen 1905 im Zuge revolutionärer Unruhen

Mitteleuropa

In Deutschland, Frankreich, Österreich findet man weniger Pogrome, aber starke antisemitische Mobilisierung (Presse, Parteien). Ostern spielt hier eher symbolisch-kulturell, nicht mehr direkt gewaltauslösend eine Rolle.

VII. Nationalsozialismus (1933–1945): Ideologische Radikalisierung ohne Osterbindung

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei verändert sich die Struktur grundlegend:

1. Der Bruch

  • Antisemitismus wird staatlich organisiert
  • Gewalt ist nicht mehr spontan, sondern systematisch

Zentrales Ereignis sind die Novemberpogrome 1938. Entscheidender Unterschied ist, dass es keine Bindung an Ostern mehr gibt, stattdessen politische Inszenierung.

2. Rolle der Kirchen

Teile der christlichen Tradition wirken indirekt weiter, aber die NS-Ideologie ist zunehmend rassisch statt religiös.

3. Kulmination

Im Holocaust findet eine vollständige Entkopplung von religiösen Festzyklen statt im Übergang zu industrieller, bürokratischer, angeordneter Gewalt von Führer über SS-Größen bis zum Wachmann an der Gaskammer. Grauenhafte Mordlust und Vernichtungsfantasien mit ungeheurem Ausmaß. Ein teuflischer Plan, alle Juden zu vernichten auf Tausende von Kilometern. Das NS-Regime vernichtet so tatsächlich über 6 Millionen Juden. Eine so hohe Opferzahl durch systematische jahrelange Ermordung, dass es keine Überbietung weltweit gibt.

VIII. Nachkriegszeit (1945–ca. 1990)

1. Westeuropa

Pogrome im klassischen Sinne verschwinden weitgehend. Rechtsstaatlichkeit, Aufarbeitung des Holocaust und Säkularisierung lassen osterbezogene Gewalt praktisch nicht mehr zu.

2. Osteuropa (Sowjetunion und Satellitenstaaten)

Offener Antisemitismus wird offiziell unterdrückt, ist aber latent vorhanden und führt zu gelegentlichen Ausschreitungen. Religiöse Bezugspunkte sind stark reduziert durch staatlichen Atheismus.

Ein wichtiges Nachbeben

Das Pogrom von Kielce ist eines der erschütterndsten Beispiele für antisemitische Gewalt nach dem Holocaust – und zugleich ein Fall, in dem sich mittelalterliche Motive (Ritualmordlegende) bis in die Moderne fortsetzen. 

Am 4. Juli 1946 behauptet ein Junge, von Juden entführt worden zu sein. Das führt zur Wiederbelebung einer klassischen Erzählung: Ritualmordlegende (Blutbeschuldigung). Diese Legende war bereits seit dem Mittelalter eng mit der Passionszeit verbunden – hier tritt sie im 20. Jahrhundert erneut auf, völlig losgelöst vom Osterkalender, aber mit identischer Struktur.

Eine Menschenmenge versammelt sich vor einem jüdischen Gebäude, unter Beteiligung von Zivilisten, Polizei und Militär. Es kommt zur Eskalation durch Schüsse, Misshandlungen, Lynchmorde. Dadurch werden etwa 40 jüdische Menschen getötet, viele weitere verletzt. Das Pogrom ist besonders verstörend, weil nicht nur ein „Mob“ beteiligt war, sondern auch staatliche Kräfte, was die tiefe Verankerung antisemitischer Einstellungen zeigt.

Nach dem Holocaust haben nur wenige Juden überlebt, viele kehren dennoch in ihre Heimatorte zurück. Natürlich erwarten sie einige Konflikte: Eigentumsfragen, Ablehnung durch Bevölkerung, fortbestehender Antisemitismus. Es herrscht politische Instabilität im Nachkriegschaos, Machtkampf in Polen, schwache staatliche Kontrolle, und kein Mensch hat versucht, das Volk vom Antisemitismus abzubringen. Eine fehlende Entnazifizierung kommt hinzu.

Wie im Mittelalter funktionieren die Mechanismen 

  • Projektion von Angst
  • Legitimation von Gewalt
  • soziale Spannungsentladung

Das Pogrom löst eine Flucht tausender Juden aus Polen aus, die mit ihrer früheren Heimat endgültig brechen. Kielce wird zu einem historischen Marker: Selbst nach Auschwitz war jüdisches Leben in Europa nicht sicher.


IX. Neue Formen von Gewalt und Bedrohung (1990–2026)

Mit dem Ende des Kalten Krieges entsteht eine neue Gemengelage.


1. Europa: Verschiebung der Gewaltformen

Zwischen 1990 und 2026 kehrt der Antisemitismus in Europa nicht als Wiederholung der Geschichte zurück, sondern als ihre Verwandlung. Was einst in dichten, ritualisierten Gewaltschüben kulminierte – oft im Rhythmus religiöser Kalender, gebündelt um die Passionszeit –, tritt heute fragmentiert, vielgestaltig, scheinbar unzusammenhängend auf. Und doch trägt es Spuren jener langen Dauer: alte Erzählungen, neue Träger, veränderte Formen.

Die politische Zäsur von 1989/90, der Zusammenbruch der bipolaren Welt, öffnete Räume – für Demokratie, für Markt, für Mobilität. Aber auch für Rückgriffe. In Osteuropa kehrten nationale Narrative zurück, die zuvor unterdrückt oder nivelliert waren. In Westeuropa begann eine Phase der Selbstvergewisserung, die sich bald mit Migration, Globalisierung und ökonomischer Unsicherheit verschränkte. In beiden Fällen entstand ein Klima, in dem sich alte Feindbilder neu konfigurieren konnten.

Dabei ist der Antisemitismus der Gegenwart selten offen als solcher kenntlich. Er tarnt sich. Er tritt auf als Kritik an „Eliten“, als Misstrauen gegenüber „Finanzmächten“, als raunende Theorie über globale Netzwerke. Er verschiebt seine Begriffe, bleibt aber in seiner Struktur erstaunlich stabil. Der Jude – real oder imaginiert – fungiert weiterhin als Projektionsfläche für das, was als bedrohlich, unkontrollierbar, fremd empfunden wird.

Und doch ist etwas Entscheidendes anders geworden: die Form der Gewalt.

Wo im Mittelalter kollektive Erregung, verstärkt durch Passionsspiele und Predigten, zu plötzlichen Pogromen führte, sehen wir heute eine Zersplitterung. Gewalt erscheint als Tat Einzelner oder kleiner Gruppen, ideologisch aufgeladen, aber nicht mehr eingebettet in eine gemeinsame liturgische Dramaturgie. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 – Anschlag auf die Synagoge Halle – ist dafür ein paradigmatisches Beispiel: ein Täter, radikalisiert in digitalen Räumen, bewaffnet mit einem Weltbild aus Verschwörung und Hass, zielt auf ein religiöses Zentrum. Kein Mob, kein öffentlicher Ritus – und doch eine Tat, die an ältere Muster anschließt, indem sie Juden als symbolischen Kern eines imaginierten Feindes markiert.

Parallel dazu existieren andere Stränge antisemitischer Gewalt, die sich nicht aus klassischem Nationalismus speisen, sondern aus religiösem Extremismus oder geopolitischen Konflikten. Die Anschläge von Toulouse im Jahr 2012 – Terroranschläge von Toulouse und Montauban – zeigen, dass der Antisemitismus längst mehrere ideologische Heimaten besitzt. Was sie verbindet, ist weniger eine gemeinsame Tradition als eine gemeinsame Funktion: die Reduktion komplexer Wirklichkeit auf ein personifiziertes Feindbild.

Nationalistische Bewegungen in Europa spielen dabei eine ambivalente Rolle. Sie sind selten die alleinigen Träger antisemitischer Gewalt, aber häufig deren Resonanzraum. In ihren Diskursen tauchen Versatzstücke auf, die tief in die europäische Ideengeschichte zurückreichen: die Vorstellung eines „bedrohten Volkes“, die Konstruktion einer inneren Zersetzung, die Suche nach einem identifizierbaren Schuldigen. Der Antisemitismus wird hier nicht immer offen ausgesprochen, aber er bleibt anschlussfähig – als Unterton, als Andeutung, als codierte Rede.

Auffällig ist, dass diese neuen Formen der Gewalt und des Hasses keine feste Zeit mehr kennen. Die alte Kopplung an Ostern, an Karfreitag, an die dramatische Inszenierung der Passion ist weitgehend verschwunden. Die religiöse Dramaturgie, die einst Emotionen synchronisierte und kollektive Eskalationen begünstigte, ist durch eine andere Infrastruktur ersetzt worden: durch digitale Netzwerke, durch permanente Verfügbarkeit von Bildern und Erzählungen, durch die Möglichkeit, sich jederzeit und überall zu radikalisieren.

Wenn man so will, hat sich der Resonanzraum verschoben – vom Marktplatz zur Timeline, von der Bühne zum Bildschirm.

Und doch bleibt ein irritierender Befund: Die Erzählungen sterben nicht. Sie verändern ihre Sprache, ihre Bilder, ihre Kontexte, aber sie behalten ihren Kern. Die Ritualmordlegende des Mittelalters lebt fort in modernen Verschwörungstheorien; die Vorstellung kollektiver Schuld transformiert sich in Narrative globaler Kontrolle; die alte religiöse Feindschaft wird ergänzt durch politische und kulturelle Codes.

Das bedeutet nicht, dass Europa in eine Vergangenheit zurückfällt. Im Gegenteil: Die Unterschiede sind fundamental. Es gibt keine systematischen Pogrome mehr, keine gesellschaftlich legitimierten Massaker, keine staatlich organisierte Vernichtung wie im Holocaust. Rechtsstaatliche Strukturen, zivilgesellschaftliche Wachsamkeit und historische Aufarbeitung wirken als Barrieren.

Aber diese Barrieren sind nicht absolut. Sie verhindern nicht jede Tat, nicht jede Radikalisierung, nicht jede symbolische Gewalt. Sie verschieben die Form, nicht die Möglichkeit.

So steht Europa heute in einer eigentümlichen Spannung: zwischen historischer Erkenntnis und gegenwärtiger Verletzlichkeit. Der Antisemitismus ist nicht mehr das, was er war – aber er ist auch nicht verschwunden. Er ist beweglicher geworden, schwerer zu greifen, oft indirekt, manchmal codiert.

Und gerade darin liegt seine Persistenz: nicht als Wiederholung, sondern als Anpassung.

2. Islamistisch geprägter Antisemitismus in Europa

Seit den 2000er Jahren tritt in Europa eine islamistisch geprägte Form des Antisemitismus als zusätzliche ideologische Quelle hervor. Sie unterscheidet sich vom klassischen europäischen Antijudaismus dadurch, dass sie stärker politisch und global ausgerichtet ist: Juden werden häufig mit dem Staat Israel gleichgesetzt und als Teil eines umfassenden Konflikts wahrgenommen.

Ein prägnantes Beispiel sind die Terroranschläge von Toulouse und Montauban, bei denen gezielt eine jüdische Schule angegriffen wurde. Solche Taten entstehen weniger aus lokalen Spannungen, sondern aus transnationalen ideologischen Narrativen.

Der Bezug zu Ostern oder zur christlichen Passionszeit spielt hier kaum eine Rolle. Stattdessen folgen Eskalationen oft den Dynamiken des Nahostkonflikts – etwa bei militärischen Auseinandersetzungen oder politischen Krisen.

Charakteristisch ist eine religiös-politische Deutung des Konflikts, die Übertragung globaler Feindbilder in den europäischen Alltag und Radikalisierung eher individuell oder in kleinen Netzwerken.

Trotz anderer Herkunft bleibt die Struktur ähnlich: Komplexe Konflikte werden vereinfacht, Schuld kollektiv zugeschrieben und Gewalt ideologisch gerechtfertigt.


X. Gesamtentwicklung (1900–2026) 

Im 20. und 21. Jahrhundert verschwindet weitgehend, was die europäische Gewaltgeschichte über Jahrhunderte geprägt hatte: klassische Pogrome im Umfeld von Ostern, getragen von aufgeheizten Menschenmengen, oft ritualisiert und religiös aufgeladen. Der Kalender verliert seine unmittelbare Gewaltfunktion.

Was bleibt, ist nicht die Form, sondern die Erzählung – in veränderter Gestalt. Alte Motive wie Ritualmordlegenden, Verschwörungsmythen oder religiös codierte Feindbilder lösen sich von festen Anlässen und werden ideologisch mobilisierbar. Sie tauchen in neuen Kontexten wieder auf, fragmentiert, modernisiert, oft politisch überformt.

An die Stelle kollektiver Ausschreitungen treten andere Gewaltformen:

  • rechtsextremer Terror (z. B. Anschlag auf die Synagoge in Halle)

  • islamistisch motivierte Anschläge (z. B. Terroranschläge von Toulouse und Montauban)

  • digitale Radikalisierung, die Gewalt entkoppelt von Ort und Anlass vorbereitet

Der entscheidende Strukturwandel liegt darin:
Vor 1900 konnte Ostern selbst als Auslöser fungieren – als Moment, in dem religiöse Emotion in Gewalt umschlug.
Nach 1900 übernehmen Ideologien diese Rolle. Sie strukturieren Wahrnehmung, erzeugen Feindbilder und bestimmen den Zeitpunkt der Eskalation.

Ostern bleibt – wenn überhaupt – nur noch ein kultureller Resonanzraum, ein historischer Hintergrund. Die Gewalt hat sich vom Kalender gelöst und in die Sphäre der Weltdeutungen verlagert.

Gibt es ein historisches Ostertrauma? - Teil 2

AI, gemeinfrei


Ostern ist im europäischen Kulturraum eines der emotional aufgeladensten Feste: Passion, Leid, Tod und Auferstehung stehen als Parallele zu Fastenzeit und Entbehrung, abgelöst durch die Osterzeit mit kommendem Überfluss und Neubeginn. Viele Konflikte, Pogrome und politische Umbrüche ereigneten sich rund um Ostern, weil dieser Zeitraum die Spannungshöhepunkte mit viel Volksbeteiligung stellte. Machtwechsel fanden oft symbolisch an Feiertagen statt, Spannungen zwischen Konfessionen entzündeten sich an den gegensätzlichen Ritualen, so die Osterpogrome im Mittelalter, politische Umstürze, die bewusst auf Ostern gelegt wurden, militärische Offensiven, die Fastenzeit oder Osterwoche nutzten - nichts anderes als ein kollektives Gedächtnis an Gewalt, die sich an einem eigentlich friedlichen Fest entzündete (siehe Teil 3). 

Ostern markierte in agrarischen Gesellschaften auch das Ende der kargen Winterzeit und den Beginn der arbeitsintensiven Saison. Natürlich auch die Phase, in der Vorräte knapp wurden. Die Angst vor dem Übergang: Wird die Ernte gelingen? Reichen die Vorräte? Übersteht die Gemeinschaft den Frühling? Und dann der Mord am christlichen Erlöser, wieder und wieder erlebt, aufgefangen durch Auferstehung ... Unendliche Gnade des Weltherrschers ...

An dieser Schnittstelle zweier mächtiger kultureller Rhythmen trifft christliche Passion mit Leid, Tod, Schuld, Erlösung auf vorchristliche Frühlingszyklen. Wiedergeburt der Natur, Fruchtbarkeit, Aufbruch in ein neues Leben. In vielen Regionen Europas wurde diese Ambivalenz ritualisiert – etwa durch Fasten, Prozessionen, Passionsspiele oder strenge soziale Normen in der Karwoche.

Das „Trauma“ liegt hier in der emotionalen Überforderung der Gläubigen: ein Fest, das gleichzeitig Entbehrung und Überfluss, Tod und Neubeginn inszeniert. Für junge und alte Christen ein wahnsinniger Stress, der mit der Kreuzigung nach einem entbehrungsreichen Winter beginnt und einem Gefühlsmarathon zur unkörperlichen Auferstehung führt. Jesus lebt! Er wirkt weiter durch Gott! Warum wurde das getan, wer waren die Täter? Hier haben die Machthaber politische Ziele eingesetzt und die Menge konnte sich abreagieren. Massenpsychologie vom Feinsten ...

  

Warum antijüdischer Hass von jeher unbegründet und verkehrt ist

Antijüdischer Hass ist eines der langlebigsten und folgenreichsten Fehlkonstrukte einiger Verblendeter der europäischen Geschichte. Er ist unbegründet, weil er auf falschen Zuschreibungen, Mythen und Projektionen beruht. Und er ist verkehrt, weil er moralisch, historisch und rational jeder Grundlage entbehrt. Er ist unversöhnlich und begeht die schlimmsten Verbrechen ohne Skrupel.

Über Jahrhunderte wurden Juden mit Rollen belastet, die nicht aus ihrem tatsächlichen Handeln, sondern aus den Ängsten und Bedürfnissen der Mehrheitsgesellschaft entstanden:

  • Sündenbock in Krisenzeiten
  • Projektionsfläche für religiöse Schuldzuschreibungen
  • Erklärungsmuster für ökonomische Spannungen
  • Zielscheibe für politische Ablenkungsstrategien

Diese Zuschreibungen sagen nichts über jüdische Menschen, aber sehr viel über die Gesellschaften, die sie erfanden. Viele der historischen Anklagen gegen Juden – etwa „Gottesmord“-Vorwürfe, Hostienfrevellegenden oder Ritualbeschuldigungen – sind theologisch falsch, historisch unhaltbar und kulturell konstruiert.

  • Die Passionserzählung ist kein historischer Gerichtsakt, sondern ein religiöser Text mit spiritueller Bedeutung. Die Zuschreibung kollektiver Schuld widerspricht jeder Logik und jeder Ethik. Ritualmord- und Brunnenvergiftungslegenden sind nachweislich Erfindungen, die in Krisenzeiten instrumentalisiert wurden.

Diese Mythen dienten der Legitimation von Gewalt, nicht der Wahrheit. Ein verbreitetes Missverständnis der Geschichte ist die Vorstellung, Juden seien „mächtig“ oder „einflussreich“ gewesen. Tatsächlich waren sie viel häufiger rechtlich eingeschränkt, ökonomisch abhängig, politisch schutzlos, sozial marginalisiert. Berufe, die Juden ausübten (z. B. Geldverleih), waren ihnen oft aufgezwungen, weil andere Tätigkeiten verboten waren. Die daraus resultierenden Spannungen wurden dann wiederum gegen sie gewendet. Antijüdischer Hass ist also nicht nur unbegründet, sondern er bestrafte die Schwachen für die Zwänge, die ihnen auferlegt wurden. Und zwar bestraft er die Gruppe der Andersdenkenden und nicht die Individuen. 

Über Jahrtausende haben jüdische Gemeinden Wissenschaft, Medizin und Philosophie geprägt, Handel, Städtewesen und Bildung gefördert, Kunst, Musik und Literatur bereichert und kulturelle Vielfalt gestärkt.

Antijüdischer Hass ist daher nicht nur falsch, sondern immer selbst- und fremdzerstörerisch:
Er richtet sich gegen einen Teil der eigenen kulturellen Wurzeln. Sämtliche Pogrome, Vertreibungen, Enteignungen, soziale Verwüstungen, kulturelle Verluste und menschliches Leid in unermesslichem Ausmaß brachten einer Gesellschaft weder Stabilität, Wohlstand noch moralische Integrität, sondern immer SCHADEN – an den Opfern und ihrer Welt und den Tätern in ihrer konstruierten Wirklichkeit, die eine verkehrte und erlogene ist. Die NS-Vergangenheit Deutschlands führte über gewaltige Tötungsexzesse zu einer Apokalypse des Bösen und Niederträchtigen zu einem implodierenden Vakuum der Hasslüge. Es offenbarte sich nichts als gottlose Erbärmlichkeit und Spitze der Selbstleugnung ... Kinder, Frauen, Männer, Alte, Gelehrte, Kreative und Gläubige wurden entmenschlicht.


TEIL 3

Gibt es ein historisches Ostertrauma? - Teil 1

AI, gemeinfrei

Das Osterfest ist im europäischen Kulturraum ein symbolisch überfrachteter Zeitraum, in dem religiöse Emotion, soziale Prekarität und politische Machtverdichtung zusammenfallen. Wenn man die Übergriffe gegen jüdische Gemeinden einbezieht, wird deutlich, dass Ostern nicht nur ein
Fest der Hoffnung war, sondern auch ein wiederkehrender Brennpunkt kollektiver Gewalt.


Die Passion als kultureller Verstärker

Die christliche Passionswoche inszeniert Leid, Schuld und Erlösung in einer emotional hochgeladenen Dramaturgie. Über Jahrhunderte wurde die Passion nicht nur liturgisch, sondern auch sozial performativ gestaltet:

  • Predigten betonten die Schuld am Tod Christi
  • Passionsspiele stellten Juden stereotypisiert als Täter dar
  • Rituale der Buße und Reinigung erzeugten kollektive Erregung

Diese religiöse Emotionalisierung schuf ein Klima, in dem antijüdische Affekte leicht aktivierbar wurden. Das „Ostertrauma“ umfasst daher auch die kulturelle Prägung eines Feindbildes, das sich an der Passionssymbolik entzündete.


Ostern als historischer Brennpunkt antijüdischer Gewalt

Vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit kam es rund um Ostern immer wieder zu Übergriffen gegen jüdische Gemeinden. Gründe dafür lagen in der besonderen sozialen Konstellation des Festes:

  • Verdichtung religiöser Identität: Christliche Gemeinschaften definierten sich über Abgrenzung.
  • Ritualisierte Präsenz im öffentlichen Raum: Prozessionen, Predigten, Passionsspiele.
  • Ökonomische Spannungen: Schuldenzyklen, Abhängigkeiten, Neid.
  • Gerüchte und Ritualbeschuldigungen: Hostienfrevel, Brunnenvergiftungen, „Gottesmord“-Narrative.

Diese Gewalt war selten spontan; sie war kulturell vorbereitet, emotional aufgeladen und sozial geduldet. Das Osterfest wurde so zu einem wiederkehrenden Schauplatz kollektiver Ausschreitungen, die sich tief in das jüdische wie christliche Gedächtnis eingeschrieben haben.


Der unsichere Frühling in der Tradition

Ostern fällt in eine Phase, die in vormodernen Gesellschaften durch Unsicherheit geprägt war:

  • Vorräte waren knapp
  • Krankheiten verbreitet
  • Arbeitsdruck stieg
  • soziale Spannungen nahmen zu

In solchen Übergangszeiten neigen Gemeinschaften dazu, Sündenböcke zu konstruieren.
Die jüdischen Gemeinden, rechtlich marginalisiert und religiös markiert, wurden zu Projektionsflächen für Ängste, die mit dem Frühling und dem Osterfest zusammenfielen.

Das „historische Ostertrauma“ bezeichnet hier die Verknüpfung von saisonaler Vulnerabilität und religiöser Aufladung, die Gewalt begünstigte.


Kulturelle Tiefenprägung: Trauma als Struktur, nicht als Episode

Die wiederkehrenden Übergriffe rund um Ostern haben eine kulturelle Langzeitwirkung:

  • Für christliche Mehrheitsgesellschaften:
    ein unbewusstes Muster, in dem religiöse Erregung und soziale Aggression verschmelzen.

  • Für jüdische Gemeinschaften:
    ein kollektives Gedächtnis der Bedrohung, das sich über Generationen fortsetzte und das Osterfest zu einem ambivalenten Zeitraum machte.

Das „historische Ostertrauma“ ist damit kein einzelnes Ereignis, sondern eine strukturierte Wiederholung, die sich in Ritualen, Erzählungen, Predigttraditionen und sozialen Praktiken sedimentiert hat.

Das historische Ostertrauma beschreibt die kulturelle Ambivalenz eines Festes, das zugleich Hoffnung und Gewalt, Erlösung und Ausgrenzung, Frühling und Furcht markiert.
Die Übergriffe gegen jüdische Gemeinden sind kein Randphänomen, sondern ein zentraler Bestandteil dieser Ambivalenz.

Ostern wurde so zu einem kulturellen Brennglas, in dem religiöse Symbolik, soziale Prekarität und historische Gewalt sich über Jahrhunderte überlagerten – und ein Trauma formten, das tief im europäischen Gedächtnis verankert ist.

TEIL 2

Dienstag, 31. März 2026

Neue Drogen und Todesfälle bei Kindern, Jugendlichen ab 13 Jahren sowie Erwachsenen - Teil 1

 

Synthetische Drogen Foto: Mart Production



Die Zahl der Drogentoten unter jungen Menschen in Deutschland steigt seit einigen Jahren deutlich an, und inzwischen werden auch Fälle bei unter 16‑Jährigen dokumentiert. Besonders tragisch waren etwa die Todesfälle zweier Mädchen im Alter von 13 und 15 Jahren, die an einer Überdosis hochdosierten Ecstasys starben. Solche Ereignisse gelten als Warnsignal dafür, dass die Einstiegsschwelle sinkt und Jugendliche immer früher mit Substanzen in Kontakt kommen, deren Gefährlichkeit sie kaum einschätzen können. Insgesamt wurden 2024 über 2.100 Drogentote registriert, wobei die Zahl der Todesfälle unter jungen Menschen bis 30 Jahre um rund 14 % gestiegen ist. Fachleute sehen darin einen klaren Trend: Jugendliche und junge Erwachsene geraten zunehmend in Situationen, in denen Mischkonsum, neue synthetische Substanzen oder extrem hoch dosierte Partydrogen eine Rolle spielen.

Besonders gefährlich sind synthetische Opioide wie Fentanyl oder Nitazene, die in Deutschland inzwischen häufiger nachgewiesen werden. Diese Stoffe wirken um ein Vielfaches stärker als Morphin, teilweise sogar stärker als Fentanyl selbst, und bereits winzige Mengen können tödlich sein. Oft werden sie nicht bewusst konsumiert, sondern sind anderen Drogen beigemischt – etwa Heroin, Kokain oder vermeintlichen Schmerzmittel‑Tabletten. Parallel dazu steigt die Zahl der Todesfälle, bei denen neue psychoaktive Substanzen beteiligt sind, um etwa 70 %. Auch der Konsum von Ecstasy und MDMA hat sich in den letzten Jahren verdoppelt, wobei viele Pillen extrem hohe Wirkstoffmengen enthalten, die selbst für Erwachsene riskant sind.

Ein wesentlicher Grund für die zunehmende Gefährdung junger Menschen liegt in der veränderten Verfügbarkeit. Drogen gelangen heute über soziale Medien wie TikTok, Instagram oder Snapchat direkt in die Lebenswelt von Jugendlichen. Dort werden Substanzen verharmlost, Konsumvideos verbreitet und Kontakte zu Dealern über verschlüsselte Messenger hergestellt. Fachleute sprechen davon, dass Drogen „übers Internet direkt ins Kinderzimmer“ gelangen. Hinzu kommt, dass viele Substanzen in Formen angeboten werden, die harmlos wirken: bunte Ecstasy‑Pillen mit Logos, kristalline Pulver in kleinen Zip‑Beuteln, Kräutermischungen mit Comic‑Verpackungen oder Tabletten, die echten Medikamenten täuschend ähnlich sehen. Für Laien – und erst recht für Jugendliche – ist kaum erkennbar, was tatsächlich darin enthalten ist.

Die Ursachen für die Verschärfung der Lage sind vielfältig. Der Rückgang natürlicher Opiate durch das Opiumverbot der Taliban hat weltweit zu einem Boom synthetischer Opioide geführt. Gleichzeitig entwickeln Schmuggler immer neue Methoden, um Substanzen nach Europa zu bringen, etwa über Seehäfen oder chemisch getarnte Lieferungen. In vielen Todesfällen fehlen toxikologische Gutachten, was die Prävention zusätzlich erschwert. Fachleute fordern deshalb ein flächendeckendes Monitoring‑ und Warnsystem für neue Substanzen, mehr Präventionsarbeit an Schulen und niedrigschwellige Hilfsangebote, die Jugendlichen frühzeitig Zugang zu Beratung ermöglichen.

Insgesamt zeigt sich ein klares Bild: Neue synthetische Drogen sind potenter, unberechenbarer und leichter verfügbar als je zuvor. Jugendliche – auch unter 16 – geraten zunehmend in Kontakt mit Substanzen, deren Zusammensetzung sie nicht kennen und deren Risiken sie nicht einschätzen können. Die Kombination aus gefährlichen Wirkstoffen, fehlender Kennzeichnung und digitaler Verfügbarkeit führt zu einer realen Zunahme von Notfällen und Todesfällen.


Neue Filme: ALPHA, LOL 2.0, GOOD BOY und KRAKEN - ERWACHEN DER TIEFE

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Free Fall
Regie: Oleg Urazaykin
Besetzung: Alexander Kuznetsov, Anya Chipovskaya,
Andrey Merzlikin, Andrey Pynzaru
DVD/BD/VOD-Start: 26. März 2026

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Alpha
Regie: Julia Ducournau
Besetzung: Tahar Rahim, Golshifteh Farahani,
Mélissa Boros, Finnegan Oldfield, Emma Mackey
Kinostart: 02. April 2026

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Jazzy - Chaos im Regenwald
Regie: Tim Harper
Animationsfilm
mit der Stimme von Lina Larissa Strahl
Kinostart: 16. April 2026

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Neu eingestellt
LOL 2.0
Regie: Lisa Azuelos
Besetzung: Sophie Marceau, Thaïs Alessandrin, Vincent Elbaz,
Françoise Fabian,Victor Belmondo, Sylvie Testud
Kinostart: 14. Mai 2026

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Neu eingestellt
Ab durch die Mitte
Regie: Grégoire Vigneron
Besetzung: Christian Clavier, Rayane Bensetti,
Gilles Cohen, Claire Chust
Kinostart: 04. Juni 2026
Verleih: Happy Entertainment

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Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes
Regie: Jan Komasa
Besetzung: Anson Boon, Stephen Graham,
Andrea Riseborough, Kit Rakusen
Kinostart: 04. Juni 2026

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Neu eingestellt
Dolly
Regie: Rod Blackhurst
Kinostart: 18. Juni 2026

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Neu eingestellt
The Death Of Robin Hood
Regie: Michael Sarnoski
Besetzung: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgard
Kinostart: 18. Juni 2026

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Virginia Woolf's Night and Day
Regie: Tina Gharavi
Besetzung: Haley Bennett, Elyas M’Barek, Lily Allen
Kinostart: 09. Juli 2026

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Neu eingestellt
Kraken - Erwachen der Tiefe
Regie: Pål Øie
Besetzung: Sara Khorami, Mikkel Bratt Silset,
Øyvind Brandtzæg, Jenny Evensen, Ingvild Holthe Bygdnes
Kinostart: 23. Juli 2026

 



weitere Kino und Home Entertainment - Starts:

 

Dann passiert das Leben

Majestic Filmverleih

VOD: 23.03.2026

DVD: 27.03.2026

Pillion

Weltkino Filmverleih

Kinostart: 26.03.2026

Mit Hasan in Gaza

Grandfilm

Kinostart: 26.03.2026

Useful Ghost

Little Dream Pictures

Kinostart: 26.03.2026

Calle Málaga - Ein Zuhause in Tanger

Pandora Film

Kinostart: 26.03.2026

Kokuho - Meister des Kabuki

24 Bilder

Kinostart: 26.03.2026

 

Samstag, 28. März 2026

Literarischer Verein der Pfalz e.V.: Veranstaltungshinweise bis 6. Mai 2026

01.04. 20 Uhr Poetry Slam Kamm ON in Kaiserslautern
Adresse: Kammgarn, Schreinerei, Schoenstraße 10, 67659 Kaiserslautern
Info: Lyrik, Comedy, Rap, Kurzgeschichte, Prosa und alles dazwischen. Einlass 19 Uhr.
Moderation: Phriedrich Chiller. Für Sprachtalente aus der Region sind 4 Plätze im Starterfeld reserviert. Wer auftreten möchte, kann sich hier anmelden:
https://www.chiller.art/anmeldung/ Eintritt 14 Euro.

10.04. 14 Uhr Buchtreff "Auf ein Buch" in Kaiserslautern
Adresse: Pfalzbibliothek, Bismarckstraße 17, 67655 Kaiserslautern
Info: Der Termin steht unter dem Motto "Ich lese gerade ..."
Eintritt frei. Parken im Hof möglich.

10.04. 18.30 Uhr Nancy Hünger liest in Landau
Adresse: Theaterstraße 11, 76829 Landau
Info: Die Lesung erfolgt in Kooperation mit Künstlerhaus Edenkoben. Eintritt 10 Euro.

11.04. 11 Uhr Präsentation der neuen PalatinArt in Kaiserslautern
Adresse: Pfalzbibliothek, Bismarckstraße 17, 67655 Kaiserslautern
Info: Die aktuelle Ausgabe trägt den Titel "Architekturen". Spannende Unterhaltungen und
interessante Texte! Es lesen u.a. Renate Demuth u. Bettine Wagner-Friedewald.
Eintritt frei, parken im Hof möglich.

11.04. 19.30 Uhr Kulinarische Krimilesung mit Gina Greifenstein in Hauenstein
Adresse: Bürgerhaus, Burgstraße 6, 76846 Hauenstein
Info: Die Autorin präsentiert ihren Krimi „Fleeschknepp“. Unterhaltsame und humorvolle Lesung mit persönlichen Einblicken. Tickets und weitere Informationen gibt es online unter: https://hauenstein.de/kid-gg Alternativ kann eine Anmeldung zur Veranstaltung auch telefonisch (06392-9233340) erfolgen.

12.04. 16 Uhr Lesung mit Edith Brünnler in Mannheim
Adresse: Naturfreunde Mannheim, Zum Herrenried 18, 68169 Mannheim
Info: Thema „Ich glaab, ich steh im Wald“. Ab 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen,
um 16 Uhr beginnt die Lesung.

14.04. 19 Uhr Pfälzer Abend in Neustadt Mußbach
Adresse: Weingut Klohr, An der Eselshaut 67, 67435 Neustadt-Mußbach
Info: Werner Jöhlinger aus Neustadt, Hans-Jürgen Schweizer aus Bad Dürkheim,
der Poet Andreas Kohm aus Edenkoben, Gerd Becht aus Edenkoben und Dr. Bernhard Rudy
aus Edesheim sowie der Liedermacher Uli Valnion aus Mutterstadt bieten ihre unterhaltsamen Texte und Musik dar. Eintritt 15 Euro. Ab 18 Uhr wird Speis und Trank angeboten. Reservierungen bitte unter 06321-66439 oder über info@weingut-klohr.de

15.04. 18 Uhr Vortrag: Goethe und die Goethegesellschaft im "Dritten Reich" in Karlsruhe
Adresse: PrinzMaxPalais, Karlstraße 10, 76133 Karlsruhe
Info: Welche Rollen spielten Leben und Werk von Goethe sowie die Goethegesellschaft im "Dritten Reich"? Eintritt 6 Euro

16.04. 20 Uhr FrühjahrsausLese in Speyer
Adresse: Stadtbibliothek, Villa Ecarius, Bahnhofstraße 54, 67346 Speyer
Info: Christine Stuck, Literaturwissenschaftlerin und Leiterin der Literaturgespräche in der Villa Ecarius hat den Buchmarkt durchforstet und stellt besondere Bücher, Neuerscheinungen und Entdeckungen vor. Eintritt € 5,00

17.04. 18 Uhr Schreibwerkstatt mit Martina Berscheid in Kaiserslautern
Adresse: WBZ, Raum 112, Kanalstraße 3, 67655 Kaiserslautern
Info: 1. Termin: 18-20.45 Uhr, 2. Termin: am 18.04. von 9 bis 12.45 Uhr. Schreibübungen, Gespräch, Lesung. Gebühr: 78 Euro. Anmeldung: https://www.vhskaiserslautern.de/kurssuche/kurs/Schreibwerkstatt-mit-Martina-Berscheid/BD2800

17.04. 19 Uhr Auftaktveranstaltung des Pälzer Prosa Preises in Bockenheim
Adresse: Weingut Jens Griebel, Weinstraße 52, 67278 Bockenheim
Info: Harald Schneider präsentiert seinen Krimi „Totgebabbelt“, der die Mundartwettbewerbe in der Pfalz zum Gegenstand hat. Außerdem wird an diesem Abend die Urkunde für das „Pfälzische Mundartgedicht 2026“ verliehen. Die Preisvergabe ist ein Kooperationsprojekt der Stiftung und der pfälzisch-pennsylvanischen Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“.
Eintritt 10,00 €. Der Erlös kommt der Pfälzischen Mundart-Stiftung zugute.

18.04. vormittags Mundartwerkstatt im Rahmen des Pälzer Prosa Preises in Bockenheim
Adresse: Weingut Jens Griebel, Weinstraße 52, 67278 Bockenheim
Info: Teilnahme nur mit vorheriger Anmeldung möglich: info@bockenheim.de

18.04. 15 Uhr Wettbewerb um den Pälzer Prosa Preis 2026 in Bockenheim
Adresse: Weingut Jens Griebel, Weinstraße 52, 67278 Bockenheim
Info: Mundartautorinnen und -autoren präsentieren ihre Geschichten – das Publikum entscheidet als Jury, wer den Preis erhält. Musikalische Umrahmung von Horst Dehmel.
Eintritt und Stimmkarte 5 Euro. Im Rahmen der Veranstaltung lesen Teilnehmende der Mundart-Werkstatt ihre Texte.

18.04. 19.30 Uhr Comedy in der Festhalle in Bockenheim
Adresse: Gartenstraße 19a, 67278 Bockenheim
Info: Comedy-Show „Ein DUMMBABBLER kommt selten ALLEINE“ vom Theater
Boulevard Deidesheim. Tickets im Rathaus erhältlich, Tel. 06359 946410, info@bockenheim.de

18.04. 19 Uhr Poetry Slam in Karlsruhe
Adresse: PrinzMaxPalais, Karlstraße 10, 76133 Karlsruhe
Info: Wer ist Karlsruhes größtes Nachwuchstalent? Eintritt frei.

19.04. 11 Uhr Mundartgottesdienst in der Martinskirche Bockenheim
Adresse: Schlossweg 10, 67278 Bockenheim
Info: Mit Dr. Paul Metzger aus Bockenheim, Dekan des Kirchenbezirks Ludwigshafen. An der Orgel: Timo Benß. Anschließend findet die Verleihung des Preises der Emichsburg an Ramon Chormann statt.

21.04.26 - 19 Uhr Gründungssitzung des Fördervereins der Pfalzbibliothek Kaiserslautern
Adresse: Pfalzbibliothek, Bismarckstraße 17, 67655 Kaiserslautern
Info: Tagesordnungspunkte: 1. Begrüßung, 2. Wahl des Versammlungs- und Wahlleiters, 3. Feststellung der Anzahl der stimmberechtigten Teilnehmer, 4. Genehmigung der Tagesordnung, 5. Prüfung und Verabschiedung der Satzung,  6. Prüfung und Verabschiedung der Geschäftsordnung, 7. Wahl des Vorstandes, 8. Wahl der Kassenprüfer, 9. Festlegung der Mitgliedsbeiträge, 10. Beschluss über Anmeldung des Vereins und weitere Vorgehensweise, 11. Verschiedenes/Anträge. Satzung und Geschäftsordnung in Anhänge 4 und 5.

21.04.26 - 19 Uhr Friedhelm Schneidewind liest über Oskar von Wokenstein in Mannheim
Adresse: Buchladen Lindenhof, Meerfeldstraße 38, 68163 Mannheim
Info: Er liest aus seinem Roman „Oswald von Wolkenstein: Raufbold und Ritter, Diplomat, Dichter und begnadeter Musiker“. Er erzählt über geschichtliche Hintergründe und begleitet die Lesung musikalisch mit einer gotischen Harfe und anderen Instrumenten. Eintritt 15 € inkl. Getränk. Reservierung empfohlen: 0621-18068718 oder buero@buchladen-lindenhof.de

22.04.26 - 20 Uhr Präsentation der Zeitschrift "Allmende" in Karlsruhe
Adresse: PrinzMaxPalais, Karlstraße 10, 76133 Karlsruhe
Info: Die 116. Ausgabe. Beiträge von Björn Hayer, Elena Henn, Mathias Herweg, Ricarda Lang, Markus Orths, Roman Pliske, Heike Schmoll, Arnold Stadler, Peter Stamm, u.v.m.. Eintritt frei.

23.04.26 - 15 Uhr Lesung mit Nina Müller in Speyer
Adresse: Vortragssaal, Villa Ecarius, Bahnhofstraße 54, 67346 Speyer
Info: "Der magische Kater Schnurrifluff – Das Wegwünsch-Gewusel". Autorin und Illustratorin Nina Müller entführt uns mit dem magischen Kater Schnurrifluff in eine zauberhafte Welt voll verrückter Abenteuer. Eine Veranstaltung von "kuschelflosse.de". Eintritt 5 Euro.

23.04.26 - 18 Uhr Lesung mit Martina Berscheid in Merchweiler
Adresse: Rosengarten, Peterstraße 291, 66589 Merchweiler-Wemmetsweiler.
Info: Die kfd Wemmetsweiler lädt am Welttag des Buches zur Lesung ein. Eintritt 5 Euro.
Anmeldung bei Edith Riefer Tel. 06825 42393.

23.04.26 - 19 Uhr Irischer Abend mit Krimis, Liedern und Geschichten in Landau
Adresse: Buchhandlung Trotzkopp, Ostbahnstraße 7, 76829 Landau
Info: Um Voranmeldung unter 06341/87982 oder kontakt@trotzkopp.de wird gebeten. Ein Getränk sowie ein kleiner Snack sind im Eintrittspreis von 8 Euro enthalten.

23.04.26 - 19 Uhr Lesung und Gespräch: Dana von Suffrin über "Toxibaby" in Karlsruhe
Adresse: PrinzMaxPalais, Karlstraße 10, 76133 Karlsruhe
Info: Ein Roman über eine toxische Liebe. Eintritt 15 Euro.

24.04.26 - 19 Uhr Ute Bales liest Kurzgeschichten in Hillesheim
Adresse: Kulturhaus Alte Schreinerei, Burgstraße 19, 54576 Hillesheim/Eifel
Info: Die Autorin liest aus ihrem Erzählband "Keiner mehr da". Information bei
https://kulturinitiative-hillesheim.de

25.04.26 - 16 Uhr Lesung mit Ulrich Bunjes: "Die edelste Tochter der Grafik" in Speyer
Adresse: Bücherei St. Joseph, Gilgenstraße 17, 67346 Speyer
Info: Mit seinem historischen Pfalz-Roman entführt der Autor in die Zeit von 1833, als in Landau den Rednern des Hambacher Festes der Prozess gemacht wird. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Erfinder der Stenographie, F. X. Gabelsberger. Eine Veranstaltung des Literarischen Vereins der Pfalz e.V. in der Reihe "Schreiben - Lesen - Hören". Eintritt frei.

26.04.26 - 11 Uhr Literarischer Spaziergang "Hebels Leben, Werk und Wirkung" in Karlsruhe
Treffpunkt: Eingang Badische Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Info: Anlässlich des 200. Todestages von Johann Peter Hebel. Dauer 2 Stunden, Eintritt 10 Euro. Anmeldung erbeten bis Donnerstag, 23.4.26, telefonisch unter 0721 / 96 49 88 35 oder per E-Mail an presse@literaturmuseum.de

28.04.26 - 19 Uhr SWR - Bestenliste im Künstlerhaus Edenkoben
Adresse: Klosterstraße 181, 67480 Edenkoben
Info: Gerrit Bartels, Daniela Strigl und Kirsten Voigt diskutieren mit Carsten Otte über die Bücher der Bestenliste im Mai. Eintritt 10 Euro.

28.04.26 - 19 Uhr Lesung Gespräch mit Felicitas Hoppe in Karlsruhe
Adresse: PrinzMaxPalais, Karlstraße 10, 76133 Karlsruhe
Info: Über ihre Reisebiografie "Reisen". Eintritt 15 Euro.

02.05.26 - 17 Uhr Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern
Adresse: Fruchthalle, Fruchthallstraße 10, 67655 Kaiserslautern
Info: Einladung zum Empfang mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer, Kulturministerin Katharina Binz und der Oberbürgermeisterin von Kaiserslautern, Beate Kimmel.

02.05.26 - 19.30 Uhr Veranstaltungsabend der Deutschen Haikugesellschaft in Homburg
Adresse: Jugendherberge Homburg, Am Mühlgraben 30 66424 Homburg
Info: Vortrag Japanischer Garten in Kaiserslautern, Haiku-Lesung "Wortlaut" (Rainer Furch, Madeleine Giese), Haiku-Lesung von Mitgliedern, Birgit Heid uvm. Eintritt frei.

03.05.26 - 11 Uhr Aus der Reihe Künstliche Intelligenz in Edenkoben
Adresse: Künstlerhaus Edenkoben, Klosterstraße 181, 67480 Edenkoben
Info: Paul Divjak liest aus: „Dass die Bäume langsam sind wissen wir" im Gespräch mit Prof. Dr. Björn Hayer. Eintritt 10 Euro.

06.05.26 - 19 Uhr Katrin Kirchner liest in Kirchheimbolanden
Adresse: Stadtbibliothek am Schlossplatz, 67292 Kirchheimbolanden
Info: Zum Thema Tierisches.

 

Monatssieger Februar 2026 - Das Katzenpiano von Ulrich Bunjes

Donnerstag, 26. März 2026

Angélique Letitzia: Von der Liebe berührt wird jeder zum Dichter. — Platon

AI, gemeinfrei
Die alten Griechen sprachen von Thymos, der Lebensfreude des Herzens. Sie verstanden es als eine lebenswichtige, nicht-rationale Kraft; ein mittlerer Bereich des Bewusstseins, der die Kluft zwischen Denken und Handeln überbrückt.

In der platonischen Tradition ist die Seele dreigeteilt: Logos (Vernunft), Epithymie (Verlangen) und Thymos (Geist). Innerhalb dieser Struktur dient der Thymos als belebender Strom; die Lebenswelle, die Mut, Würde und Stolz entfacht. Es repräsentiert diesen unmittelbaren Moment, in dem wir (bewusst oder unbewusst) entscheiden, dass wir nicht gemindert werden.

In ihrem höchsten Ausdruck führt diese Kraft zu edlem Handeln und Selbstachtung, indem sie sich der Ungerechtigkeit entgegenstellt, um den angeborenen Wert der Seele zu behaupten. Doch wie jedes Feuer erfordert es eine ruhige Hand. Unbeaufsichtigt verzerrt sich Thymos in zerstörerische Wut oder bricht in einen Sinnverlust zusammen, wobei ein hohles Selbstbewusstsein zurückbleibt.

In diesem Geist ist eine tiefere Sehnsucht eingebettet: das Verlangen nach Anerkennung.
Philosophen haben diesen Impuls lange in zwei Hauptformen eingeteilt: Megalothymie, den Drang, größer als andere zu sein, und Isothymie, das Verlangen, ihnen gleichgestellt zu sein. Obwohl sie gegensätzlich wirken, sind beide im gleichen grundlegenden Bedürfnis verwurzelt, gesehen und anerkannt zu werden.

Doch unter dem Verlangen nach Sichtbarkeit verbirgt sich etwas Dringendes, das wir oft übersehen. Das Verlangen, gesehen zu werden, ist tatsächlich das Verlangen, geliebt zu werden.

Irgendwann haben wir gelernt, Liebe mit Aufmerksamkeit zu verwechseln. Wir begannen, unsere Existenz durch die Augen anderer zu bestätigen, indem wir Wahrnehmung mit Verehrung gleichsetzten. Wir streben nach Bestätigung, in der Hoffnung, dass sie die Sehnsucht in uns zum Schweigen bringt, doch die Leere bleibt. Das liegt daran, dass die Lücke, die wir zu füllen versuchen, kein Mangel an Anerkennung ist... Es ist ein Mangel an Liebe.

Ich spreche nicht von der flüchtigen, oft launischen Liebe der Welt, sondern von einer beständigeren Hingabe, die im Herzen entspringt und uns mit dem Bedingungslosen verbindet.

Ohne diese innere Verbindung wird Thymos unruhig. Es verlangt, nicht aus Eitelkeit gesehen zu werden, sondern als verzweifelter Versuch, sich an seine eigene Natur zu erinnern.
Die Frage ist also nicht nur, warum wir gesehen werden wollen, sondern wem wir glauben, dass es uns sehen muss.

Vielleicht ist das Verlangen, das wir suchen, nicht für die Augen anderer. Vielleicht war es immer für den Blick des Göttlichen. Und vielleicht, lange bevor die Frage je gestellt wurde, war diese Anerkennung bereits gewährt worden, nur nicht realisiert.

Was bleibt, ist nicht das Streben nach Bemerkung, sondern der mutige Akt, sich selbst so zu sehen, wie man es bereits ist. Wenn diese Erkenntnis erkannt wird, stabilisiert sich die Flamme zu einer urtümlichen Hitze, die nicht ausbrennt, um sich zu beweisen, sondern einfach brennt, um zu leuchten.

Bleib strahlend ⭐


©Angélique Letizia

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