SV Verlag

SV Verlag mit Handy oder Tablet entdecken!
Die neue Generation der platzsparenden Bücher - klein, stark, leicht und fast unsichtbar! E-Books bei viereggtext! Wollen Sie Anspruchsvolles veröffentlichen oder suchen Sie Lesegenuss für zu Hause oder unterwegs? Verfolgen Sie mein Programm im SV Verlag, Sie werden immer etwas Passendes entdecken ... Weitere Informationen

.

.
Dichterhain, Bände 1 bis 4

.

.
Dichterhain, Bände 5 bis 8

Übersetze/Translate/Traduis/Tradurre/Traducir/переводить/çevirmek

Sonntag, 9. August 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #109 - Anschlagsqualität

 


Vor dem Anschlag wichtig: Alles Schwarz-Weiss sehen. ©Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl



Anschlagsqualität

Diesmal möchte ich über ein heißes Thema schreiben.
Nein, nicht über die Hitze. Nicht schon wieder. Hab ich schon zweimal gemacht.

Und obendrein machen das gerade alle.
Alle, die in den letzten Jahrzehnten nur über so Zeug aus der Fantasy-Abteilung des Kapitalismus geschrieben haben, also „Wirtschaftswachstum“, „Umfragewerte“, „Zugfahrpläne“ oder gar „Ölpreis“, kurz gesagt lauter Dinge, die nicht wirklich greifbar sind, und dabei die herauf dräuende, ganz reale Klimakrise ignoriert haben, die schreiben jetzt über Hitze. Und was man jetzt dagegen tun könnte?
Spoiler: Jetzt? Gar nichts.
Vor zwanzig, dreißig Jahren hätte man.
Jetzt könnte man dagegen etwas gegen die Hungersnot in dreißig Jahren tun.
Aber dieses langfristige und kausale Denken… das liegt nicht jedem.
Schon gar nicht bei der Hitze.

Denn die ist sehr konkret.
Gut, Hitze kann man jetzt auch nicht konkret anfassen, aber sie ist unmittelbar absolut spürbar.
300 000 sind vor Waldbränden allein in Frankreich auf der Flucht. Zu Recht. Denn Hitze bringt Menschen um.
In Deutschland dieses Jahr bis jetzt mindestens 10 000 Leute.
Das ist etwa die Gesamtbevölkerung von Attnang-Puchheim. Oder alle Menschen, die in Miesbach in Oberbayern wohnen. Oder die gesamte Einwohnerschaft von Gernsheim am Rhein.
Gut, jetzt kann man natürlich sagen: „Was interessieren mich diese Attnangistischen Haimpuchner? Wen kümmert der miese Bach, der miese? Und die können mich gern haben mit ihrem Heim!“ Das können sich alle denken. Alle…bis auf die Leute, die da eben wohnen. Die nehmen nämlich so eine letale Auslöschung dann doch recht persönlich.

Überhaupt kann man davon ausgehen, dass Tote grundsätzlich doch lieber noch am Leben wären.
Was wiederum ein völlig neues Licht auf sämtliche Zombie-Filme der letzten 100 Jahre wirft. Vielleicht sind diese herum wackelnden, schlecht artikulierenden und stets in Gruppen auftretenden Wiedergänger einfach eine politische Bewegung? Tote, die gegen ihren leblosen Zustand protestieren? Ein radikaler Aufstand von - im Wortsinn - ganz unten?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich hab keine Ahnung.
Aber mit Toten hat mein heißes Thema auch zu tun. Es lautet: Wie macht man eigentlich Anschläge?

Also nicht Anschläge auf der Tastatur.
Denn die heißen heute nicht mehr so. Man sagt jetzt dazu: Zeichen (mit Leerzeichen). Früher lautete die Frage: „Wie viele Anschläge?“. Kann man heute nicht mehr fragen, weil sonst alle glauben, man möchte im Namen der Redaktion terroristische Akte verüben.

Ach so… „Redaktion“ muss ich vielleicht für die jüngeren Leserinnen und Leser erklären. Das ist eine Gruppe von - hoffentlich kompetenten - Medienmenschen, die sich um Inhalt und Korrektheit des Publizierten kümmern.

Korrektheit? Das ist das Gegenteil von Fake News.
Und Inhalt? So hieß früher „Content“. Nur war er länger, interessanter, (manchmal) weniger Effekt haschend und - und das wird jetzt alle Leserinnen und Leser unter dreißig gleich die Tränen in die Augen treiben - er wurde auch bezahlt.
Ja! Wirklich! Es gab also Kohle dafür. Und zwar egal, ob der Inhalt gut war oder schlecht oder wie viele Leute drauf geschaut haben.
(Apropos dieser Newsletter kann von Dir unterstützt werden. Details siehe unten)

Es gab einfach Geld dafür, dass der „freie Mitarbeiter“ (heute: Content-Creator) gearbeitet hatte.
Was für eine verrückte Welt das war: Geld für Arbeit!
Wenn das die Halter der modernen digitalen Sklaven hören.
Oder gar die freiwilligen Selbstausbeuter auf den gar nicht sozialen Medien.
Die kennen sowas gar nicht, die müssen heute alles immer nur „monetarisieren“.
Und das heißt nicht, dass sie so malen können müssen wie ein französischer Impressionist.
Nein, denn das macht ja für sie die K.I..
Und K.I. wiederum steht nicht für „kreative Intuition“, sondern für „kaufmännische Invasion“. Also die digitalisierte Attacke des Kapitalismus auf alle Lebensbereiche.
Aber lassen wir das.

Wer will denn das auch lesen, dieses Geschwafel über „früher“ von einem alten, weißen Mann. „Langweilig!“, gähnen da die Jungen einem entgegen, „Opa, erzählt schon wieder vom Frieden!“ Sowas sagen sie. Zu Recht. Und ihre Klassenkameradinnen und -kameraden (und das ist hier nicht schulisch, sondern soziologisch gemeint) ergänzen: „Und von gesicherten Arbeitsverhältnissen! Echt boring!“

Deshalb zurück zu den thrilling Thoughts. Zurück zu dem, was uns wirklich kickt, das was Klicks bringt: Wie macht man Anschläge?

Sie häufen sich ja zur Zeit. So sehr, dass es gerade eine gute Gelegenheit ist, sie zu vergleichen.
Gut, natürlich könnte man sich vorher auch fragen, warum überhaupt welche begangen werden?

Aber das ist ja zur Zeit kein großes Problem. Denn so ein Anschlag ist ja eigentlich nur Gewalt. Und Gewaltausübung ist wie Alkoholkonsum: Dafür findet sich immer ein Grund.
Meistens sind es sogar dieselben Gründe: sexuelle Frustration, Probleme in der Familie, Spaß am eigenen Untergang, Langeweile oder weil die eigene Religionsgemeinschaft, die eigene Nation, in die man per Zufall hinein geboren wurde, der eigene Fussballklub oder eine Stimme in Deinem Kopf, Dir das befohlen hat. Dabei weiß man ja oft nicht, woher die kommen, diese Stimmen.

Manchmal schon. Da kommen die Stimmen aus Kopfhörern. Denn wie sagt der Schüttelreimer?
Ein jeder Kot passt/ heut’ in einen Podcast.
Schließlich wird der Ideologie-Markt gerade überschwemmt von Nobrain-Anbietern in Wort und Bild, die den ungefestigtsten Gemütern unter uns (meist männlich, jung, orientierungslos, intellektualitätsfeindlich, aber gewaltfreundlich) ein Angebot machen, das die zwar ablehnen könnten, es aber nicht so gerne tun.
Kurz gesagt: Also ein fadenscheiniges „Warum“ für einen Anschlag lässt sich so leicht finden, wie abends um halb acht ein Dosenbier besorgen.

Also wie macht man einen Anschlag? Ganz einfach: man fügt einfach irgendjemandem, den man nicht persönlich kennt, Schmerzen zu. Einfach so, tralalala, weil diesem Unbekannten sein oder ihr Tun oder Sein, nicht ins eigene Weltbild passt.
Denn da hinterfragt man nicht sein Weltbild, ob das vielleicht fehlerhaft ist, nein, man möchte jetzt mit Gewalt die Welt ans eigene Bild anpassen.
Das ist also ungefähr so, wie wenn man gerade „Titanic“ auf dem hauseigenen Flatscreen schaut (flat deshalb, weil das das Niveau des Gezeigten beschreibt), also man schaut gerade Leonardo die Caprio zu, wie er im Meer versinkt, und damit das Wohnzimmer dazu passt, setzt man es unter Wasser.

Der Vergleich hinkt natürlich. Nicht nur, weil das ein Anschlag auf die Bausubstanz wäre und bald den Menschen auf den Plan treten lassen würde, der unter einem wohnt, sondern weil es normalerweise schon länger dauert, als nur einen Wasserhahn aufzudrehen. Bis man sich selbst so radikalisiert hat. Da muss man sich vorbereiten. Man muss die eigene Mitmenschlichkeit sich erst einmal austreiben. Kognitiv und emotional verdorren wie eine Feuchtwiese nach sechs Monaten ohne Niederschlag.

Und wenn man innerlich mal so völlig entsaftet ist, dann schleppt man auch seinen von jeglicher Gehirnflüssigkeit befreiten, verschrumpelten Denkapparat hinterher. Und kündigt das mal an. Jahre und Jahrzehnte in Wort und Bild wird das ankündigt, dass man diese menschenfeindliche Scheiße durchführen möchte. Und wenn man dafür Probleme mit der Justiz oder dem Verfassungsschutz bekommt… was sagt man da? Genau, dann nennt man das einen „Anschlag auf die Meinungsfreiheit“.
Wie kann man auch dazu kommen, Menschen, die die Demokratie abschaffen wollen oder die gesellschaftliche Diversität oder schlicht die Meinungsfreiheit das Wort zu verbieten? Völlig verrückte Idee!
Anders gesagt: Mehr Rechte für Minderheiten heißt nicht, dass religiöse oder nationale Faschisten ungestraft auf marginalisierte Gruppen eindreschen können.
Das geht nicht in einer wehrhaften Demokratie.

Apropos Demokratie: Man kann sich natürlich auch von Zeiten inspirieren lassen, wo es die noch gar nicht gab, diese Demokratie.
Dafür gab es damals die „Monetarisierung“ schon. Das war nämlich, wenn man die Bilder eines französischen Impressionisten vom jüdischen Nachbarn extrem günstig erwerben konnte. Da wurde der Monet arisiert, ist dann verschwunden und lange nicht mehr aufgetaucht.

Dafür taucht jetzt so manch altes Gerät aus dem letzten langjährigen Anschlagsaustauschprogramm (Fachleute sprechen dabei auch von einem sogenannten „Krieg“) wieder auf. In der Donau etwa erscheinen wegen Niedrigwasser Wracks von Kriegsschiffen.
Und im Nussensee im oberösterreichischen Salzkammergut musste man nicht nur Fische retten, weil der See am Austrocknen ist, sondern man darf sich dort auch über einen Sprengstofffund aus dem Krieg freuen.
Freuen nicht deshalb, weil das gefährliches Zeug ist, sondern weil „Sprengstofffund“ eines der wenigen Worte mit drei f ist. Und da gibt es gar nicht so viele. Vielleicht noch Pufffahrer, Tufffinder, Hafffische oder Kifffreunde.
Persönlich hab ich von den genannten nur mit einem dieser Begriffe bis jetzt direkte Erfahrungen machen dürfen.
Und, nein, der Fahrer war es nicht.

Wie auch immer, der Sprengstofffund ist eine gute Gelegenheit, das eigene, geistige Stopppotenzial (Ihr glaubt ja gar nicht wie lange ich nach einem anderen Wort mit drei Konsonanten gesucht habe! Das war echt ein quälendes Quelllektorat.) abzurufen - also mal inne zu halten - und dann zu überlegen, ob das mit den Anschlägen überhaupt eine gute Idee ist.
Weil auf jede gewaltsame Aktion ja immer eine Reaktion folgt, und darauf dann wieder eine Reaktionsreaktion. Und dann wieder eine. Und noch eine. Und dann hört es nicht mehr auf.

Weil keiner sich vorstellen kann, wie er da wieder rauskommt. Deshalb greift er einfach wieder zu Gewalt.
Denn Gewalt ist ja bekanntlich die Fantasie der Fantasielosen.

Aber halt: Vielleicht könnte man sich wieder auf die Anschläge auf der Tastatur beschränken? Auf den Austausch von Buchstaben? Worten. Wortgruppen. Vielleicht sogar ganzen Sätzen? Texten?
Die tun maximal im Hirn weh, haben aber noch nie jemanden umgebracht.
Maximal indirekt.
So wie die Hitze.

—-
groebner live:

Die heißen Neuigkeiten, hab ich letztes Mal schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal, für alle, die sie überlesen haben:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem
Österreichischen Kabarettpreis 2026 ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ kann man demnächst im ORF Sommerkabarett sehen. Und zwar am 25. August.
Dann, wann es hoffentlich nicht mehr so heiß ist.
 
groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was auf das Bargeld eigentlich drauf sollte.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-


Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Samstag, 8. August 2026

Fantasien zur Nacht - Short 2

(c) Stefan Vieregg - generiert mit KI




Louis hatte sie schon von Weitem an der kleinen Beach-Bar sitzen sehen - lässig auf dem Rattanstuhl, die Sonnenbrille abgelegt, das Meer im Rücken und offensichtlich sehr guter Laune. Keine Begleitung. 
Er näherte sich ihr vorsichtig mit einem verschmitzten Lächeln und zwei erfrischenden, alkoholfreien Caipirinha mit Limette und sagte: 


"Entschuldigen Sie, ich habe gerade beim Barkeeper nach dem Geheimnis Ihres freundlichen Aussehens gefragt. Er hat gesagt, das liegt an den Limetten hier und verriet mir, was Sie trinken. Ich würde das jetzt im Selbstversuch gerne auch mal ausprobieren. Würden Sie meinen Versuch begleiten wollen?"


Sie schaute erst überrascht, dann amüsiert von dem Glas zu ihm auf - und genau das passierte, was er sich erhoffte: ein echtes, offenes Lachen.


"Das ist ja eine sehr elegante Art, ein Gespräch zu beginnen", sagte sie und ließ ihn das Glas vor ihr abstellen. "Und was bekommt der Barkeeper, wenn der Beweis gelingt?"


"Meinen Dank und ein reiches Trinkgeld, weil er mir ein echtes Geheimnis verraten hat."


Sie lachte wieder, rückte ein Stück zur Seite und deutete auf den freien Platz neben sich an der Bar. "Wollen Sie stehen? Oder holen Sie sich doch den Stuhl dort." Wieder dieses Lachen, das er sich erhofft hatte - freundlich, wach und ein bisschen neugierig auf das, was als nächstes kommt.


                                                                          (c) Stefan Vieregg

Freitag, 7. August 2026

Fantasien zur Nacht - Short 1

 

(c) Stefan Vieregg - generiert mit KI




 

Sie hörte ihn nicht kommen. Erst als die Wärme einer Hand ihren Rücken berührte – zwischen den goldenen Trägern ihres Badeanzugs – wusste sie, dass er da war.

Ihr Atem stockte für einen Wimpernschlag.

„Ich dachte, du würdest ohne mich anstoßen", sagte er leise, seine Stimme dicht an ihrem Ohr, kaum lauter als das Rauschen der Wellen hinter ihnen.

Sie drehte sich nicht sofort um. Ließ den Moment stehen, so dicht wie man ein Streichholz kurz vor der Entflammung an ein Feuer hält.

„Ich habe gewartet", antwortete sie schließlich ebenso leise, und erst jetzt wandte sie den Kopf – so nah, dass sein Blick keine Ausrede mehr zuließ.

Seine Hand blieb, wo sie war. Nicht fordernd. Nur da. Ein Versprechen, kein Beweis. Sie wurde immer wärmer ...

Das Licht über dem Meer verblasste zu Violett. Die Gläser standen unberührt, die Zeit schien sich zu verlangsamen, als wollte sie beiden noch einen Herzschlag länger gönnen, bevor irgendetwas unwiderruflich würde.

„Worauf noch?", fragte er.

Sie lächelte, ohne zu antworten ... 


 (c) Stefan Vieregg



Mittwoch, 5. August 2026

Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026: Tschechien

Hier zwei Schriftsteller, deren Lektüre sich lohnen wird.

Wolfgang Matz


Mit seiner Emigration aus der Tschechoslowakei nach Frankreich im Jahr 1975 zog sich einer der berühmtesten Schriftsteller des Landes, Milan Kundera zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück und kultivierte eine konsequente Form der Anonymität. Öffentliche Auftritte wurden selten, Interviews blieben die Ausnahme. Mit Das Leben, ein Roman legt Wolfgang Matz nun eine der ersten deutschsprachigen Annäherungen an Kunderas späte Lebens- und Schaffensphase vor. Als langjähriger Lektor Kunderas in Paris war Matz dem Schriftsteller über viele Jahre eng verbunden. Sein Buch verbindet literarische Werkbetrachtungen mit persönlichen Erinnerungen an Begegnungen und gemeinsame Spaziergänge durch Paris und eröffnet damit einen ebenso kenntnisreichen wie intimen Blick auf einen der bedeutendsten europäischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Das Leben, ein Roman erscheint am 19. August im Wallstein Verlag.


Helena Černohorská
Im Programm des Weidle Verlags begegnet den Leserinnen und Lesern zugleich eine markante Stimme der jüngeren tschechischen Gegenwartsliteratur. Der Roman Ida von Helena Černohorská erzählt von der vorsichtigen Annäherung zweier gesellschaftlich Ausgegrenzter während der Zwangskollektivierung in der Tschechoslowakei: des Bauern František, der sich dem Eintritt in die landwirtschaftliche Genossenschaft widersetzt, und der aus Deutschland stammenden jungen Ida, die ihm als vermeintliche Sanktion für seine Unbeugsamkeit als Hilfskraft zugewiesen wird.

In einer zurückhaltenden, zugleich eindringlichen Erzählweise entfaltet der Roman die existenziellen Folgen politischer Repression. Die Erfahrungen tschechischer und deutscher Figuren überschneiden sich in einem gemeinsamen Schicksal: dem Verlust von Selbstbestimmung, Eigentum und zwischenmenschlichen Bindungen – und damit auch von Identität, vertrauter Lebenswelt und Zukunftsperspektive. Gerade in seiner sprachlichen Präzision und emotionalen Zurückhaltung entwickelt Ida eine nachhaltige Wirkung.

Der Roman wurde von Kristina Kallert ins Deutsche übersetzt und erscheint am 19. August im Weidle Verlag. Helena Černohorská und ihre Übersetzerin werden im Rahmen des tschechischen Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse anwesend sein und für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung stehen.



Dienstag, 4. August 2026

Region Pfalz, Baden: Literarisches im August 2026

01.08.2026, ab 18.30 Uhr:

                                    KAMUNA Poetry Slam in Karlsruhe mit Edith Brünnler

Wo?        Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Was?       Das Motto lautet „Das Wort zählt“. Der Wettbewerb besteht aus vier kleinen Poetry Slams. Sie beginnen um 18:30 Uhr, 20:00 Uhr, 21:30 Uhr und 23:00 Uhr. Eintrittskarten für die Museumsnacht gibt’s unter Tickets - KAMUNA. Der Zutritt zu den Slams ist nur mit zusätzlicher Platzkarte erlaubt. Die bekommen Sie ab 30 Minuten vor Beginn des jeweiligen Slams im Foyer. Eine Vorab-Reservierung ist nicht möglich. Edith Brünnler ist Teil des Line-Ups bei allen vier Slams.


02.08.2026, 16 Uhr:

                                   Lesung der Gruppe "Wortschatz" in Gleisweiler

Wo?        Zehnthof, 1. OG, Badstraße 7, 76835 Gleisweiler
Was?      Monika Deutsch, Ursula Dörler, Birgit Heid und Lothar Seidler lesen Kerwe-Erzählungen. Eintritt frei.



05.08.2026, 19.00 Uhr:

                                  "Unter freiem Himmel", Lesung

Wo?         Stadtbibliothek, Bahnhofstraße 54. 67346 Speyer
Was?        "Klappstuhllesung 3.0" des Clubs der lebenden Autoren auf dem Rasen vor der Villa Ecarius, mit spannenden, nachdenklichen, überraschenden und lyrischen Texten der Autorengruppe. Musik: Mariusz Rzymkowski. Eintritt frei. Sitzgelegenheit mitbringen!



07.08.2026, 16 Uhr:

                                   Lesung mit Marlene Klaus in Kaiserslautern

Wo?        Pfalzbibliothek Kaiserslautern, Bismarckstraße 17, 67655 Kaiserlautern
Was?       Literarische Tea-Time: Marlene Klaus stellt ihr Buch "Chaos im Cottage" vor. Mit viel Humor erzählt der Roman von den turbulenten Erlebnissen einer deutschen Autorin in England. Eintritt 10 Euro, erhältlich bei news@pfalzbibliothek.bv-pfalz.de 


11.08.2026, 18 Uhr:

                                   Buchvorstellung in Speyer von Miriam Breß

Wo?
        Otto-Mayer-Straße 9, 67346 Speyer
Was?        „Erziehung zur Volksgemeinschaft. Die Praxis der Schutzhaft in der bayerischen Pfalz 1933/34", so lautet der Titel des Buches. Die Studie untersucht Organisation, Funktion und Praxis der Schutzhaft in der bayerischen Pfalz 1933/34 und zeigt ihre Bedeutung für die Abschaffung der Demokratie. Die Autorin Dr. Miriam Breß stellt ihr Buch vor. Für die Publikation wurden zahlreiche Akten des Landesarchivs Speyer ausgewertet.



13.08.2026, 14 Uhr:

                                    Die LitOff Heidelberg im Freien Radio bermudafunk

Wo?         89,6 MHz (Mannheim), 105,4 MHz (Heidelberg) sowie Kabelfrequenz 107,45 MHz
                Live-Stream auf www.bermudafunk.org.
Was?       Mit dem Hörspiel „Gedichte einer Ausstellung“ und einem Interview mit der Autorin Olga Manj im Rahmen des Literatursommers Baden-Württemberg 2026. Moderation: Anette Butzmann. Sendung „Kopf im Ohr“ der VS-RegioGruppe Rhein-Neckar.



16.08.2026, 11 Uhr:

                                   Buchvorstellung und Lesung in Edenkoben

Wo?         Klosterstraße 181, 67480 Edenkoben
Was?       „Odenwald“, Thomas Meinecke liest aus seinem gleichnamigen Roman. Prof.Dr. Björn Hayer moderiert die Veranstaltung. Eintritt 10 Euro.



27.08.2026, 18.30 Uhr:

                                Utopische Dichtung der Gegenwart, Lesung in Landau

Wo?         BücherKnecht, Theaterstraße 11, 76829 Landau
Was?        Mit Manon Hopf und Doris Runge, moderiert vom Herausgeber und Leiter des Künstlerhauses Edenkoben Prof. Dr. Björn Hayer.


29.08.2026, ab 15.30 Uhr:

                               Poetenfest in Speyer

Wo?
        Hohenfeld’sches Haus, Maximilianstraße 99, 67346 Speyer
Was?        Die Lesenden sind Wolfgang Allinger, Winfried Anslinger, Wolfgang Blender, Ulrich Bunjes, Manfred Dechert, Renate Demuth, Dawn Dister, Werner Fröhlich, Ulrike Grömling, Daniel Hoffmann, Eva Sperber, Matthias Zech.


30.08.2026, 11 Uhr:

                              Stipendiat:innen in Edenkoben

Wo?         Klosterstraße 181, 67480 Edenkoben
Was?        Prof. Dr. Björn Hayer stellt die neuen Stipendiat:innen Andra Schwarz (Literatur), Markus Berges (Literatur) und Nea Schmidt (Literatur) vor.

Sonntag, 2. August 2026

STURM AUF CEUTA - ab Juli bis 2. August 2026

 

Ausreisewillige um den 31.07.2026 bei Fnideq, Marokko (KI)

Es begann nicht mit einem Knall. Es begann mit einem Urteil, das niemand im marokkanischen Fnideq gelesen hatte, aber jeder kannte.


8. Juli 2026. In Madrid diktierte der Tribunal Supremo eine Überschrift, die trocken klang: "Rechazo en frontera." Zurückweisung an der Grenze. Wer über den Doppelzaun klettert, kann sofort zurückgewiesen werden. Wer über den Wasserweg kommt, erhält ein ordentliches Verfahren. Juristen nannten es Klarstellung der Ley Orgánica 4/2000.


In den TikTok-Gruppen von Nador, Tétouan, Tanger wurde daraus ein anderer Satz. Drei Sekunden, weiße Schrift auf schwarzem Grund, marokkanische und spanische Flagge als Emoji, dazu ein Sound, der schon 2024 bei "Quedamos el 15-9" benutzt worden war:

"El Supremo dice no devolución si entras nadando. Ceuta abierta." 

  

"Der Oberste Gerichtshof sagt, keine Abweisung, wenn du schwimmend reinkommst. Ceuta ist offen."


Niemand hatte das Urteil geprüft. Aber jeder teilte es. Und die Algorithmen liebten es. Amine, der seit Monaten in einem Lager hinter dem Lidl in Ceuta lebte und jeden Tag die geschlossenen Rollläden der Calle Real vor Augen hatte - Läden, die nicht mehr für ihn aufmachten, Toiletten mit Codes, "solo clientes" - schickte das Video an seinen Cousin Youssef in Fnideq. Youssef schickte es weiter.


Ab dem 20. Juli kamen die ersten 300 am Tag. Nicht rennend. Schwimmend. Um die Mole von El Tarajal herum, bei ruhiger See. Die Guardia Civil zog sie raus, brachte sie zur Roten Kreuz Station. Kein "heißer Pushback" mehr. Sie bekamen eine Nummer, eine Decke. Das Video davon ging wieder zurück nach Fnideq. Beweis, dass es stimmte.


30. Juli, 14:00 Uhr. Fnideq kippte. Was vorher ein Tröpfeln war, wurde ein Markt. Verkäufer verkauften Schwimmflügel, leere Kanister, Neopren-Socken für die Felsen von Benzú. Familien aus Tanger kamen nicht zum Fliehen, sondern weil sie glaubten, was ein Beamter später im El País wiedergeben sollte: "Wir kommen aus Tanger. Wir haben Reisepass, aber kein Visum. Wir glauben, morgen wird die Grenze aufgemacht." Die Hoffnung war religiös geworden.


Auf der marokkanischen Seite passierte das Seltsame, das später in allen Berichten stehen wird.


Mitternacht, Donnerstag auf Freitag, 31. Juli. Ein El País-Reporter beschreibt es so: Eine, zwei, drei Ketten von Gendarmen mit Anti-Riot-Ausrüstung, Forces Auxiliaires, Grenzpolizei, Dutzende Polizeiwagen, Panzerwagen, ein Wasserwerfer. Perfekt aufgestellt, um die Stadt Ceuta abzuriegeln. Und während sie da standen, liefen nur wenige Meter entfernt, am Strand, im hüfthohen Wasser bei Flut, zehntausende Schatten vorbei.


"Sin que nadie interrumpiera su cortejo." Ohne dass jemand ihren Zug unterbrach.


Ein Suboffizier der Forces Auxiliaires sagte: "Wir warten auf Verstärkung, um die Flut zu stoppen." Ein anderer, Isaías, Beamter aus dem Viertel Cerámica direkt am Tarajal, schickte Frauen und Kinder zurück ins Dorf und sagte den Satz, der später um die Welt ging: 


"Por aquí arriba no va a poder pasar nadie sin papeles. Los que van allí abajo por la playa van a seguir pasando. Eso es un problema que tiene España. Son cosas de la diplomacia."
"Hier oben wird niemand ohne Papiere durchkommen. Die da unten, die am Strand entlanggehen, werden weiter durchgehen. Das ist ein Problem, das Spanien hat. Das sind Dinge der Diplomatie."


Es war wohl kein offizieller Aufruf im Internet. Aber es war die zigfach geteilte Naivität, mehr erwarten zu können, und die Passivität der spanischen Polizei, die wie ein Aufruf wirkte. 2021 war es genauso gewesen. Damals hatte die EU-Kommission von "inakzeptablen Bildern" gesprochen.


Youssef war Teil des Zuges der 60.000, die um 1:17 Uhr nach Ceuta schwammen, wateten, sich von Fels zu Fels hangelten. Er trug keine Schwimmweste, nur einen schwarzen Müllsack mit seinen Papieren, fest um den Bauch gewickelt. Neben ihm ein Junge aus Guinea, 16, der nicht schwimmen konnte und sich an einem leeren Ölkanister festhielt. Vor ihm eine Frau, die ihren zweijährigen Sohn auf den Schultern trug. Keiner schrie. Man hörte nur das Plätschern und das ferne Rufen der Gendarmen, die auf den Hügeln Steinewerfer mit Tränengas beschossen, aber den Strand ignorierten.


Um 3:00 Uhr erreichte Youssef den spanischen Wellenbrecher. Spanische Polizisten standen da, überfordert, filmten nur noch. Er war in Ceuta. 30.000 waren es in den ersten 24 Stunden, sagte später die marokkanische TV-Station. 60.000 insgesamt, sagte Stadtpräsident Juan Jesús Vivas - fast so viele, wie die Stadt Einwohner hat, nur etwa 30.000 mehr leben dort.


Youssef fand das wieder, was er kannte: Ceuta war voll, aber geschlossen. Die Calle Real - Rollläden unten. Kein Laden machte auf. Das McDonald's vergab keinen WC-Code mehr. In der Notunterkunft für unbegleitete Minderjährige schliefen 400 Kinder auf Matratzen für 80. Fouad traf er nicht mehr. Fouad war einer derer, die im Nebel ertrunken waren. Mindestens 34, später waren es 50, sagten die Behörden.


Um 16:00 Uhr am 31. Juli kam die Wende. Marokko setzte Wasserwerfer ein, Spanien verlegte Einheiten des Heeres aus der Kaserne in Ceuta an die Grenze, schloss die Grenze zu Melilla in Beni Enzar. Pedro Sánchez flog ein und sprach von "Verletzung der territorialen Integrität". Im Inneren des Landes aber sagten viele der Angekommenen den Satz, den Reuters am nächsten Tag zitierte:


"Ich weiß ehrlich nicht, warum ich hergekommen bin, ich bin wohl reingefallen, und jetzt gehe ich wieder zurück. Ich habe seit gestern Mittag nichts gegessen, obwohl ich Geld hatte."


Über 50.000 gingen ab diesem Freitag freiwillig zurück. Sie hatten verstanden, dass die Videos, Meldungen, Gerüchte, falsche Tatsachen vorspiegelten. Es gab keine Wohnungen, keine Papiere, keine offenen Läden. Keine Aufnahme. Keine offenen Grenzen. Nur eine Stadt, die buchstäblich keinen Platz mehr hatte, nicht einmal eine Toilette.


Youssef blieb auch nicht. Er ging am Abend mit dem Strom der Rückkehrer zurück über den Strand, wieder an den stillstehenden Polizeiketten vorbei. In seiner Tasche eine leere Wasserflasche.

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #108 - Heißer Scheiß

 
Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, mach Hintergrundfarbe daraus
© Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl



Heißer Scheiß

„Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, dann mach Limonade daraus!“, so geht ein häufig zitierter Spruch von Menschen, die nicht wissen, wie man Zitronenkuchen macht. Oder Limoncello. Oder Linguine à la Sophia Loren. Die serviert man nämlich mit einer Zitronen-Butter-Sauce, die köstlich ist. Aber jetzt gerade kann man das nicht essen. Denn es ist dafür: zu heiß.

Also wenn dir das Leben Hitze gibt, dann mach - was? - daraus?
Einen Wäschetrockner? Eine Spiegelei-Braterei, auf den still vor sich hinglühenden Autos?
Oder eine Eigen-Schweiß-Therapie?

Das dürfte ja noch erlaubt sein. Die Eigenbluttherapie dagegen - so hat es der Bundesverfassungsgerichtshof in Deutschland gerade festgestellt - bleibt Heilpraktikern, Wundtheoretikern, Reichsschamanen und anderen Akrobaten der Unwissenschaftlichkeit verboten. Denn das Hantieren mit dem roten Saft bleibt Ärzten vorbehalten.

Aber es gäbe ja auch noch andere Körpersäfte, die man zu unmedizinischen Menschenversuchen heranziehen könnte. Neben dem erwähnten Schweiß, gäbe es freilich noch die Eigenurintherapie (bereits sehr erfolgreich in der Geschichte der Schifffahrt von Schiffbrüchigen angewandt) oder die Eigentränentherapie. Kann jeder beim Zwiebel schneiden mal ausprobieren.
Wer aber auf das Blut aus therapeutischen Gründen nicht verzichten will, dem sei gesagt: Fremdblut-Therapie ist immer noch erlaubt!
Sogar Arten-übergreifend. Nennt sich „Blutwurst“ und ist bei diesem Wetter nicht zu empfehlen. Denn es ist dafür: zu heiß.

Was macht man also bei diesen Temperaturen?
„Gibt Dir das Leben eine Hitze-Welle/
Dann mach Dein Gemüt mit Witze helle!“
Denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten jetzt den echt „heißen Scheiß“ zu machen.
(Ja, das war jetzt ein schlechter Wortwitz, aber keine Angst, es wird jetzt nicht der letzte sein.)

Wenn etwa der Pegelstand Deines örtlichen Lieblingsflusses (Rhein, Main, Donau, etc… egal) sich einem rekordverdächtigen 500jährigen Niedrigst-Stand nähert, dann auf keinen Fall über Klimapolitik nachdenken. Nein, lieber eine Flussdurchquerung auf Instagram posten.
Brauchte man für die noch vor Wochen sportliche Fähigkeiten (Schwimmen z.B.), Ausdauer und vielleicht sogar einen Neopren-Anzug, reicht jetzt eine kurze Hose und Badeschlapfen.
Und schon ist man am anderen Ufer angekommen. Und zwar so wie der Weißwein bei diesen Temperaturen wird: halbtrocken.

Was aber tun, wenn Du in Frankreich oder Spanien oder Portugal oder Korsika oder Griechenland oder sonst wo in Südeuropa bist (Tirol ist mit gemeint) und die Wälder brennen so sehr, dass der Campingplatz, auf dem Du urlaubst, geschlossen werden muss?
Einfach ins nächste Hotel und die Klimaanlage voll aufdrehen. Danach ins Pool. Anschließend ein Bier. Und dann holst Du mal die Kinder aus dem Auto, das Du vor dem Campingplatz in der Sonne abgestellt hast. Oder das, was von Ihnen noch übrig ist.
Aber schließlich liebst Du deinen Verbrenner schon mehr als Deinen Nachwuchs, sonst wärst Du ja schon vor Jahren auf ein anderes Verkehrsmittel umgestiegen.

Apropos Auto:
Wenn Du draufkommst, dass Dein Lieblingsfamilienmitglied (nein, nicht der Hund, sondern: Das Auto) bei diesen Temperaturen nicht mehr fahrbereit ist, weil die Reifen wegschmelzen oder das Wasser für die Kühlung nicht mehr ausreicht, und obendrein die Flammen immer näher kommen…
… dann spring einfach auf eins der fliehenden Wildtiere und entdecke Deinen Urlaubsort ganz neu. Mit einem Ritt auf einem vor dem Waldbrand Reiß-aus-nehmenden Wildschwein, Reh oder Wiesel wirst Du in Gegenden kommen, wo es Dein SUV niemals hingeschafft hätte, weil er bei der ersten brennenden Pinie schon hängen geblieben wäre.

Gemeinsam mit der rennenden Fauna durch die brennende Flora kannst Du dann noch darüber nachdenken, ob es jetzt nicht doch die beste Gelegenheit ist, in ein Weingut in der Gegend zu investieren. Asche soll ja ein ausgezeichneter Dünger sein. Klingt zynisch, faktisch ist es aber so: Bei Waldbränden sind Opportunisten im Vorteil, denn wer sein Fähnchen in den Wind hängt, weiß früher, wo es brennt.

Bist Du aber zuhause geblieben, ist eins wichtig: kein Wort über Klimapolitik.
Oder gar über die Mobilitätswende. Schon gar nicht in Deutschland. Oder Österreich. Oder sonstwo, wo alte Männer in brumm-brumm-tucker-tucker Karren die Meinungsmacher stellen.

Denn auch wenn niemand - egal ob nationaler oder religiöser Faschist - es schaffen könnte, mit einem Lastenfahrrad einen Terroranschlag zu verüben, darf das Automobil als Verkehrsmittel angezweifelt werden! Niemals!
Denn es ist als Projektionsfläche, wie auch als Projektil ein echtes Dual-Use-Produkt.

Nein, lieber die Hitzewelle dazu nutzen in den sozialen Medien herumzuhängen, Verschwörungstheorien mit Siegheilpraktikern teilen und schnell noch Freundschaft mit Dänen, Schweden und Norwegern schließen. Denn dort ist es vielleicht nicht: so heiß.

Aber es gibt Hoffnung: Island denkt gerade darüber nach, ob es der EU beitreten soll.
Sollte das nicht klappen, wird wohl die EU Island beitreten. In der Erwartung, dass dann in ganz Europa die Durchschnittstemperaturen runter gehen. Ja, Statistik ist einfach was schönes.
Und wir haben dann alle im Sommer ein Ausweichquartier im hohen Norden. Und zwar solange… bis dort wieder ein Vulkan ausbricht.

Und wenn Dir das Leben einen Vulkanausbruch gibt, dann…
… mach ein Pompeji daraus.

Oder so. Ich weiß ja auch nicht.
Denn mir ist einfach: zu heiß.


——

groebner live:

Die heißen Neuigkeiten, hab ich letztes Mal schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal, für alle, die sie überlesen haben:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem
Österreichischen Kabarettpreis 2026 ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ kann man demnächst im ORF Sommerkabarett sehen. Und zwar am 25. August.
Dann, wann es hoffentlich nicht mehr so heiß ist.
 
groebner gehört:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“?

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was auf das Bargeld eigentlich drauf sollte.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-


Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64