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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Montag, 29. Januar 2024

Frankfurter Paulskirche: Erstklassige künstlerische Gedenkfeier am 27.01.2024 gegen das Vergessen - "Erinnern für jetzt und die Zukunft"













Unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt “ hat die Erinnerungskultur der Deutschen rund um den 27.01.2024 vor und in der Frankfurter Paulskirche eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Dieser Tag ist der Internationale Holocaust-Gedenktag, der jährlich begangen wird, um an die Opfer des Holocaust zu erinnern und das Bewusstsein für die Gefahren von Völkermord und anderen Formen von Massengräueltaten zu schärfen. 

An diesem Tag wurde Auschwitz, das größte von insgesamt über 1000 deutschen Konzentrationslagern des Deutschen Reichs mit unterschiedlichen Kapazitäten, von der Roten Armee befreit. 


Die Paulskirche, das große Denkmal der deutschen Demokratie, des dort gegründeten deutschen Nationalstaats 1848, und seine Stadt, die es beherbergt, haben eine große Aufgabe zu erfüllen, was sie zweifelsohne bestens erfüllten. Der freie Geist in Frankfurt zeigte wieder einmal, wie feinfühlig und komplex Erinnerungskultur gestaltet sein kann. Tagsüber auf den Straßen und Plätzen, ab 18:00 in der Kirche bei einer - von der Oper und dem Schauspiel Frankfurt arrangierten - kulturellen, künstlerischen Erinnerungsveranstaltung, und am 28.01. wegen Kollision mit dem jüdischen Schabbat von Samstag auf Sonntag verlegten offiziellen Gedenkfeier der politischen, religiösen und gesellschaftlichen Honoratioren Frankfurts und Deutschlands vor und in der Kirche


Eine der vorrangigen Aufgaben der Erinnerungskultur und ihrer Redner besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an den Holocaust und seine Opfer auch für künftige Generationen erhalten bleibt. Dazu gehört nicht nur die Erinnerung an die Gräueltaten selbst, sondern auch die Aufklärung der Menschen über den historischen Kontext, die Faktoren, die zum Holocaust führten, und die Folgen solcher Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es ist ein großes Stück Aufklärung der Menschen in 2024 zu erklären, was und warum es geschah, obwohl es keine rationale Erklärung dafür gibt, andere Menschen, nur weil sie eine andere Religion haben oder eine andere ethnische Herkunft oder eine andere politische oder sexuelle Gesinnung, zu töten. Und das mit einer industriellen Organisation von Vernichtung. 


Paul Celans Worte "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" im Gedicht TODESFUGE werden zeitlebens ein sprachliches Mahnmal für diese Ungeheuerlichkeiten der nationalsozialistischen Organisatoren und Unterstützer dieses Systems sein: Judenhass als Motor eines sinnlosen Überfallkrieges und beispielloses akribisches Auslöschen von Juden, Minderheiten, Andersdenkenden, politischen Gegnern. 


Durch die Erinnerung an den Holocaust werden wir an die Gefahren von Hass, Bigotterie und Diskriminierung erinnert und daran, wie wichtig es ist, eine Gesellschaft aufzubauen, die Vielfalt, Inklusion und Menschenrechte wertschätzt. Dies ist, seit es zu legalen und illegalen Flüchtlingsströmen nach Deutschland gekommen ist, nach vielen Jahren des Murrens in eine offene Anfeindung der Regierung in Berlin mutiert: die 2020 versuchte Stürmung des Reichtags nach dem schlechten Vorbild der US-Republikaneranhänger. Der Angriff der Hamas hat auch eine Solidaritätswelle für die Täter, Juden- und Israelgegner in Deutschland und weltweit verursacht. Die Tage des 7. und 8. Oktobers 2023 und die Wochen danach waren dominiert von palästinensischen und rechtsextremen Kundgebungen gegen das Judentum, hasserfüllte Rufe in den Straßen und ein Zeichen des noch lebendigen Judenhasses in Deutschland. Mehr denn je geht es um die Kultivierung unseres Umgangs mit Minderheiten und Überzeugungsarbeit an den fanatischen, oft verunsicherten Anhängern des Extremen, die vor lauter Multipluralität nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, und wer Recht hat. 


Reel/Slide vom Abend                     Handyschnipsel

Exponierte und intelligente Menschen haben an diesem Abend des 27.01. zu uns gesprochen, auf all dies hingewiesen und gewarnt. Sie haben auch Wege aufgezeigt, was wir daraus lernen können. Wir brauchen entschiedenes Handeln, Vorgehen gegen die Überschreiter der demokratischen Grenzen und müssen ihnen und anderen in Deutschland mitteilen, dass wir sie so nicht akzeptieren, beherbergen wollen und können, wenn sie diese Politik weiterverfolgen. Wir müssen uns dagegenstellen, Paroli bieten, Verbote erlassen und Gegenmaßnahmen ergreifen, aber auch Gespräche anbieten, sofern sie führbar sind. Vor allem präsent sein!


Es sprachen der Oberbürgermeister Frankfurts Mike Josef, Bernd Loebe, der Intendant der Oper Frankfurt, Michel Friedman, Publizist, Philosoph, Jurist, Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und Anselm Weber, Intendant des Schauspiels Frankfurt. Hoch begabte Menschen haben an diesem Abend gezeigt, dass sie mit der Aufführung von vergessenen, seltenen Musiken und Gedichten, einzigartigen und neuen Werken der Literatur 
beweisen können, dass die Nazis eine Kultur vernichten wollten, die nicht vernichtet werden kann. Es ist die Kultur des Nebeneinanders, der Individualität, der Einzigartigkeit, der Toleranz und der Kritikfähigkeit.


Wer das Programm sichtet sieht ein großes Aufgebot von Künstlern, ich nenne nur exemplarisch die
 mir besonders unter vielen hochkarätigen Angeboten aufgefallene Sophia Jaffé (Violine), die Maurice Ravels KADDISCH aus "Deux mélodies hébraiques" mit Klavierbegleitung durch Nami Eijiri hingebungsvoll interpretierte, oder den iranischen Countertenor Cameron Shahbazi, der aus Tel Aviv eigens für die Feierlichkeiten anreiste und Händels SON STANCO ... DEGGIO MORIRE, O STELLE einzigartig vortrug. Auch Michel Friedmans angenommene Vermisstenanzeige hat sich sehr eingeprägt: "Wo waren Sie am 7. und 08. Oktober 2023, als 'Tod den Juden' in den Straßen gerufen wurde? ... Nur der Umstand, dass Sie heute hier sind, bringt mich dazu keine Vermisstenanzeige zu stellen" (sinngemäß verkürzt).


Dank an all die Menschen, die hier mitgearbeitet und präsentiert haben, die die 
Bewahrung der Erinnerung an den Holocaust, die Aufklärung der Menschen über den historischen Kontext, die Förderung von Toleranz und Verständnis sowie die Erneuerung des Engagements für den Aufbau einer besseren Zukunft fördern. Dieser Dank gilt auch allen Parallelveranstaltungen in Deutschland, die an diesem Tag dasselbe kundtaten und aktiv unterstützten. In vielen Städten, auch in Landau in der Pfalz, wurden zudem Stolpersteine gereinigt, mit Blumen und Kerzen die noch bekannten deportierten und ermordeten Menschen als Vertreter aller Opfer geehrt.

Sonntag, 28. Januar 2024

Verkehrschaos: Coldplay ulkt über den Verkehr in Manila und weist auf die Missstände hin

 https://twitter.com/i/status/1748919801630851235

Foto: Marfil Graganza Aquino
(Coldplay/Chris Martin) "Wenn du irgendwohin fahren willst, dann warne ich dich. Eine 2-Meilen-Fahrt dauert ein oder zwei Wochen“, sang Martin, während die Fans zustimmend jubelten. „Wenn du rechtzeitig zum Baden nach Hause kommen willst, dann musst du dir etwa eineinhalb Jahre Zeit nehmen. Wir können es kaum erwarten, wieder in Manila zu spielen, aber der Verkehr hier ist völlig verrückt."


(cnn) Manilas Verkehr ist so schlimm, dass Coldplay darüber einen Song geschrieben hat. Der Verkehr in Manila wurde zu einem zentralen Thema während des Besuchs von Coldplay am 22./23. Januar auf den Philippinen. Frontmann Chris Martin verfasste einen Song über die "wahnsinnigen" Staus, während der philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr., seine Frau und ihre Begleitung am Freitag mit dem Hubschrauber in der Philippine Arena in Bulacan, nördlich von Manila, flogen, wie auf in sozialen Medien geteilten Fotos zu sehen ist.

Städtische Mobilität ist schon lange ein Problem für die Millionen von Filipinos, die sich täglich mit stundenlangem Verkehrschaos auseinandersetzen müssen, insbesondere in der Hauptstadt, wo private Autos, Jeepneys, Taxis, Busse und Tricycles um Platz auf der Straße konkurrieren, während das U-Bahn-System unterentwickelt ist. Die Höchstgeschwindigkeit des Verkehrs beträgt in Manila und Umgebung 19 km/h. Die Luftverschmutzung ist exorbitant.

Auf der anderen Seite ist es nicht ungewöhnlich, dass Politiker und Geschäftsleute – oder ihre Familienmitglieder – private Hubschrauber oder kleine Flugzeuge benutzen, um sich fortzubewegen. Dies steht natürlich in krassem Gegensatz zu der Armut, die auf den Philippinen herrscht.

Kritiker stellen die Frage, warum Marcos öffentliche Gelder für den Besuch eines Konzerts ausgibt, und kritisieren sein Nichtstun bei der Behebung von Problemen im Massentransport. Marcos wies bereits darauf hin, dass die Philippinen in diesem Jahr damit beginnen werden, dieselbetriebene Jeepneys durch Kleinbusse zu modernisieren. Laut der staatlichen philippinischen Nachrichtenagentur wird außerdem ein Nahverkehrs-Eisenbahnsystem gebaut, das voraussichtlich bis 2025 betriebsbereit sein wird. Wieviel davon verwirklicht werden kann ist eine andere Frage.




Samstag, 27. Januar 2024

Fantasien zur Nacht (Film): WSXA PARIS 2023 SHOWCASE

 





WSXA PARIS 2023 SHOWCASE
''W'' believe in stories! Happy to mention the awarded creators again.
Check the current season of WSXA & ARFF Editions,
open for to submisisions:  https://festregards.com/

Freitag, 26. Januar 2024

Wie war's im Frankfurter Operngespräch Michel Friedmans mit Prof. Dr. Alena Buyx über das Thema Kränkung?


Gleich vorweg, es war ein sehr spannendes, inhaltsreiches, humorvolles und dank Alena Buyx auch lockeres Gespräch, weil sie, obwohl schwer behangen mit Auszeichnungen, immer noch sehr entspannt sich unterhalten kann und sich persönlich mit einfließen lässt (zum Werdegang siehe unten). Das macht ihr Gastgeber Michel Friedman auch und sehr viel, wodurch es ein sehr persönliches Gespräch werden kann. Zur Freude der Zuschauer.

Es gibt nichts Interessanteres als ein hoch geistreiches Gespräch auf der Bühne, über Themen, die jeden etwas angehen. Hier wünscht man sich wirklich viel häufiger die französischen Traditionen der öffentlichen Vorlesungen und Gespräche von Könnern ihrer Materie vor Publikum, mit ggf. anschließender Diskussion oder Beantwortung von Fragen.

Man muss sich auch vergegenwärtigen, dass Michel Friedman ja ein Fragensteller ist, der einen an den Rand des Fassungsvermögens treibt, weil nicht einfach nur einige Sachverhalte zusammen diskutiert werden sollen, sondern er auch stufenmäßig die Steigerung und Ausweitung der Inhalte sozusagen bis zur Grenze des Universums verlangt. Seine Fragen sind mit anderen Worten so komplex, dass er damit die Befragten verunsichern kann. Er stellt sie quasi mehr oder weniger auf die Probe.

Alena Buyx hat das natürlich fantastisch gemeistert, wie sollte es bei dieser akademischen Betätigung auch anders sein, und gewann zusehends an Souveränität. Sie beantwortete alle Fragen im kompletten Zusammenhang und konterte mit wieder neuen und anderen Inhalten.

Es ging also um Kränkung: Der Begriff "Kränkung" bezieht sich auf eine Verletzung, Demütigung oder Beeinträchtigung der persönlichen Würde oder des Selbstwertgefühls. In der Oper "Salome" von Richard Strauss nach dem Drama Salome (1891) von Oscar Wilde fühlt sich Salome gekränkt, abgelehnt von Jochanaan/Johannes des Täufers und fordert als Rache den Kopf des Jochanaan. Was muss die Ablehnung des Gottesfürchtigen für sie bedeutet haben? Jochanaan verweist auf die Mutter Herodias und ihr Schuldigwerden in der Vergangenheit und macht auf den Messias aufmerksam, den Mann, der alles verändern werde. Hätte er sich je mit einer Frau eingelassen, religiös, in Gefangenschaft, verzweifelt? Salome verliebt sich in ihn, sie ist stark an ihm interessiert: "Wer ist dieser Mann?" Ihre Kränkung schlägt in Hass und Mordlust um, sie will ihn unterwerfen und besitzen. Nichts, was Stiefvater Herodes ihr anbot, Schmuck, Königinnenstatus usw. können sie umstimmen. Das Küssen des abgetrennten Kopfes bringt sie an ihr Ziel, sie beherrscht ihr Objekt der Begierde, macht ihn zum Spielball, aber unter welchen Umständen findet diese Begegnung statt? Der Kopf blutverschmiert, die Lippen kalt und blutleer. In Salomes Hirn wirkt eine psychotische Grundstruktur, ihre Handlungen sind sogar nekrophil. Sie leidet an der Krankheit der Nationalsozialisten, der Extremen.

Beide Diskutanten wiesen darauf hin, dass es viele Arten von Kränkungen gibt, Alena Buyx wurde als Kind wegen ihrer Brille bereits tief gekränkt. Dicke Gläser, sie fühlte sich hässlich, eine Brillenschlange, wobei heute das Gegenteil auftritt. Sie hat sich weiterentwickelt und beruhigt, nimmt sich an, hat viel erreicht, und sie ist zufriedener mit sich. 40 Jahre hat sie diese Kränkung verfolgt. Um auf der persönlichen Ebene zu bleiben, Michel Friedmans Familie wurde wegen der religiösen Orientierung schwer geschädigt. 50 Familienmitglieder mussten ihr Leben lassen, Friedman als Kind, "Überlebender" dieser Verhältnisse, stigmatisiert zum Outsider, ein Jude eben, für die Judenhasser lebensunwert, rassistisch unterlegen, minderwertig. Diese Kränkung lässt sich niemals beenden, sie ist zu ungeheuerlich! Unglaublich, was die Nazis mit ihrer tödlichen Anschauung anrichteten und es wieder versuchen. Hilft Demut bei der Bewältigung der Kränkung? Kann die religiöse Haltung, Meditation, Widerstandskraft Kränkungen auffangen, diese Frage sollte jeder für sich beantworten. Oder kann Kränkung nicht eher durch anderes gemildert werden? Welche Formen von Kränkung gibt es noch? Sie kann in persönlichen, sozialen oder beruflichen Kontexten auftreten. Beleidigungen, abwertende Bemerkungen oder persönliche Angriffe können zu persönlichen Kränkungen führen, gerade auch in Beziehungen, Ehen, Familienstrukturen. Ausgrenzung, Mobbing oder Missachtung in sozialen Gruppen können zu sozialen Kränkungen führen. Ungerechte Behandlung, mangelnde Anerkennung oder Diffamierung am Arbeitsplatz können berufliche Kränkungen verursachen.

Wie man mit Kränkungen umgeht und was dagegen hilft, ist individuell verschieden. Alena Buyx setzt auf die Stoiker. Mit deren Geisteshaltung und Philosophie gewönne man an Stabilität. Selbstreflexion hilft immer. War die Kränkung beabsichtigt oder beruhte sie vielleicht auf Missverständnissen? Manchmal können Menschen unbeabsichtigt verletzend sein. Sprechen mit der Person, die einen gekränkt hat, klärt Missverständnisse und drückt die eigenen Gefühle aus. Eine offene Kommunikation kann helfen, Konflikte zu lösen. Jeder sollte wissen, welche Verhaltensweisen oder Bemerkungen für ihn akzeptabel sind, und sich klare Grenzen setzen.

Alena Buyx' Kommentar: Eigentlich müsste jeder Deutsche einmal in Therapie, weil Kränkung sehr häufig vorkommt und nicht genug behandelt wird. Sie zitierte eine Studie, nach der gekränkte Menschen sehr häufig zu extremistischer Ideologie oder auch Mitgliedschaft in extremistischen Organisationen tendieren. Michel Friedman warf dann wieder die Frage ein, ob alle Hamas-Mitglieder oder Palästinenser gekränkt worden seien. Andererseits weiß man, dass viele Menschen, die den Weg in die NSDAP fanden, einen Rachewunsch hegten, endlich austeilen wollten, was sie einstecken mussten. Der Sündenbock Judentum war frühzeitig benannt. Das findet man heute auch überall, wo sich Rechtsextreme treffen ... Erstellung von Feindeslisten, Juden dabei, Moslems dazu, Linke, die verhaftet, deportiert, getötet werden sollen, wenn es zur Machtergreifung kommen sollte ...

Ein Punkt, an dem beide Diskutanten darauf aufmerksam machen und auffordern, sich nicht von AfD, "Die Heimat" usw. vereinnahmen zu lassen, sie nicht zu wählen. Widerstand gegen jede Form der Entdemokratisierung, Verrohung der Gesellschaft! Therapeuten werden hier am meisten gebraucht, sofern sie je an diese Charaktere herankommen, und natürlich Lehrer, die die Bildungslücken der Extremen füllen müssten. Kaum eine Chance.

Für alle anderen gilt: Sprechen mit Freunden, Familienmitgliedern oder einem professionellen Berater über die eigenen Gefühle kann helfen, (neue) Perspektiven zu erhalten und Unterstützung zu finden. Wenn die Kränkung tiefergehende Auswirkungen hat oder schwerwiegend ist, kann die Hilfe eines Psychologen oder Therapeuten in Erwägung gezogen werden, um Strategien zur Verarbeitung und Bewältigung zu entwickeln. Jeder Mensch reagiert anders auf Kränkungen, und die geeignete Herangehensweise kann individuell variieren. Was allen ein guter Rat sein sollte: Pflegen Sie Selbstfürsorge, indem Sie sich Zeit für Aktivitäten nehmen, die Ihnen Freude bereiten, und sich auf positive Aspekte in Ihrem Leben konzentrieren.


Prof. Dr. Alena Buyx ist approbierte Ärztin mit weiteren Abschlüssen in Philosophie und Soziologie. Sie habilitierte sich 2013. Davor war sie bereits Professorin für Medizinethik an der Universität Kiel, Universität Münster, Academic Scholar an der Harvard University, stellvertretende Direktorin des englischen Ethikrats und Senior Fellow am University College London. Sie ist auch Vorsitzende des deutschen Ethikrats.

Donnerstag, 25. Januar 2024

Heute erster Vollmond im Jahr: Wolf-Mond am 25.01.2024

Vollmond in Slowenien
(Brian Lada) Erleben Sie den Aufstieg des Wolf-Monds, des ersten Vollmonds des Jahres 2024, in der Nacht vom 25. Januar. Er ist nach den Wölfen benannt, die zu dieser Jahreszeit aktiver sind und häufiger heulen.

Der erste Vollmond des Jahres erscheint am Donnerstagabend am östlichen Himmel um die Sonnenuntergangszeit. Er wird hell bis in den Freitagmorgen in der Nähe des Sternbilds Orion leuchten.

Der Vollmond in der Nacht von Donnerstag ist eines der wenigen astronomischen Ereignisse des Winters, da es in dieser Jahreszeit nicht viele Meteoritenschauer, planetarische Ausrichtungen oder andere faszinierende Anblicke gibt.

Der Vollmond im Januar wird oft als Wolf-Mond bezeichnet, da Wölfe während der Wintermonate häufiger heulen. Es wurde traditionell geglaubt, dass Wölfe im Winter aufgrund von Hunger heulen, aber wir wissen heute, dass dies nicht korrekt ist. Das Heulen und andere Vokalisierungen der Wölfe werden im Winter vielmehr gehört, um Rudelmitglieder zu finden, soziale Bindungen zu stärken, Territorium zu definieren und die Jagd zu koordinieren.








Wie war's beim 13. Kamm ON!-Poetry Slam "Goldener Kamm" in Kaiserslautern?


Poetry Slam in Kaiserslautern! Hat sich etwas geändert? Moderator Phriedrich Chiller bleibt logischerweise im Format und begrüßte am 24.01.2024 zum 13. Mal wieder acht Slammer auf der Bühne im Wettstreit um den "Goldenen Kamm". Das Kamm ON!-Poetry Slam gibt Sprachtalenten aus der Region eine besondere Gelegenheit zum Auftreten. Deswegen sind auch immer Plätze für Newcomer reserviert. (Wer auftreten möchte, schreibt bitte eine E-Mail an: mail@chiller.art.) Gefordert werden selbstverfasste Texte, weder Requisiten noch Kostüme, etwa sechs Minuten Redezeit. Die Reden sind wie meistens nicht Freihandreden, sondern präsentieren gut vorbereitete Inhalte künstlerisch, individuell und emotional. Worauf es ankommt ist die Botschaft, die sich aus allem Präsentierten bildet, das Bild, das gezeichnet wird. Je klarer in der Ausarbeitung, desto mehr Überzeugung. 

Phriedrich C. stellte selbst u.a. ein paar klassische Aussagen von pfälzischen Menschen vor, in diesem Fall die Großeltern bzw. Oma, über deren Färbung in der Ton- und Aussprachelage hartgesottene Regionale natürlich sofort streiten könnten. Worin unterscheidet sich "Monnemerisch" (Mannheimerisch) vom "Nord-, West- un Siedpälzische (Südpfälzischen)"? Das ewig Pfälzische erheitert immer wieder die Gemüter, originale Schnauzen sind halt die Essenz der Heimatverbundenheit, überall. Was für ein Glück, das wir da (deutschlandweit) viel zu bieten haben, in jedem Winkel des Landes.

Die jungen Dichter des Abends hielten sich jedoch an die Präsentation in Hochsprache und mischten in ihren Deklamationen die typisch lyrischen Momente mit Standup-Comedy- und Prosaelementen nur dezent mit Zitaten aus der deutschen Basis-Sprachrealität im Osten wie im Westen. 

In dieser Hinsicht war die Siegerin des Abends sehr gut aufgestellt. Lisa Stenkes Ansichten einer hoffnungslos von kleinbürgerlicher Absurdität umzingelten jungen Frau aus dem Ruhrpott (Olpe) waren in der Witzigkeit und Detailgestaltung wirklich starke humoristische Ausführungen. Kein Wunder, dass man in dieser Umgebung irgendwann aufgibt und auch keine Freude mehr an eigenen Kindern aufbringt. schade zwar, aber schreiende, quengelnde Kinder nach körperverändernden Zumutungen, nein danke! Auch die Weihnachtsfeier im Osten bei den Großeltern ein wildes Chaos und Durcheinander von Klischees, Groteske und Karikatur, die Jahresendfeier und -figuren lassen grüßen. Lisa wurde am "lautesten" aufgenommen, ihre Witzigkeit ein konstanter Faden. Bei ihr war die dramatische Darstellung insgesamt und eine sorgfältige Auswahl von Betonungen, Pausen, Tempo und Tonlage einen Schritt weiter als bei den anderen. Sie zog die Zuschauer am stärksten in den Bann ihrer Schilderungen. Wer die dann so, wie sie es machte, liebt, ist bei der Richtigen.

Auch der zweite Platz mit Katharina Marosz aus Friedrichsdorf war dicht an der Trophäe dran. Ihr Urlaub in Portugal zum Schreien, eine Folge von Missständen und Empörungen. Einmal die Enge des Passagierraums im Flieger, der Eukalyptusgeschmack in der Luft, der Mietwagen - ein Fiat 500 - als kleine Sardinenbüchse, zwar das Einzelzimmer im Hostel okay, aber die Warteschlange vorm einzigen WC/Bad nicht, die erfolglose Suche nach Guaven (Leitthema!) so frustrierend, statt dessen nichts als Rhododendren, der Sonnenaufgang zu feucht, die Sonne eher rar. Zu Hause dann das große Erfolgserlebnis, der Genuss von zwei Guaven, das war super. 
Der zweite Beitrag Katharinas über ihre 
93-jährige Oma, die Kriegerzählungen, das zerstörte Haus von früher jetzt voll mit "Kanaken", wie Oma sich wohl ausdrückt. Oma und Opa so liebenswert, aber auch so festgefahren in ihren Meinungen.  

Alain Hinzen aus Zweibrücken ist ganz im Gegensatz zu Lisa Stenke Liebhaber von Kindern, er hat bereits drei. Er liebt es, wenn sich geliebte Menschen nach allem Durcheinander mit dem Kopf anschmiegen.

Andrea Maria Fahrenkampf aus Saarbrücken hasst Dick Pics und diejenigen, die sie versenden. Vor allem einen, bei dem sie es nicht erwartet hätte, und den sie mag. Zur Strafe trifft ihn beim Versenden der Blitz, und zwar zwischen den Beinen "hat des Teufels Alte den Übeltäter geknallt". The End.

Dennis Boyette aus Mannheim war vor seinem Slammerdasein zehn Jahre Polizist (?). Er ist sehr klein, was ihm auch überall zu Problemen verhalf oder schwer war zu vertuschen. Beim Vorstellungsgespräch trug er Dockers mit hoher Sohle, und bei einem Einsatz wegen Ruhestörung wurde er nicht ernst genommen. Der Türöffner erkundigte sich mit einer direkten Beleidung bei den anderen: "Hat jemand einen 12-jährigen Stripper bestellt?".

Justin Broch aus Kaiserslautern, ein Neuling im Metier, trug das Alphabeet/-bett vor, er u.a. als "quietschfideler Rabauke", noch nicht so sicher, aber wir können gespannt sein. 

Fatih Serbest aus Mainz sprach über Menschen auf Drogen und deren Wahnbilder. Eine hektische Irrfahrt durchs Unbewusste mit Panikzuständen und Kaninchen im Gebüsch, die in Ablehnung von Krieg endete.

Greta aus Kaiserslautern trat als Ersatz für einen krank gewordenen Slammer auf. Es war ihr erster Auftritt bei einem Poetry Slam, und sie hatte einen Text dabei zu den betroffen machenden Themen Ukraine-Krieg, Zerstörung, Flucht und Kinder als wehrloseste Geschädigte. Sie gab ihrer Hoffnung auf Frieden mit bewegenden Worten Ausdruck.


Das nächste 
Kamm-On! Poetry Slam 
findet am 27.03.24
in der SCHREINEREI, 
ab 20:00 Uhr statt.




Jazz: Nicole Johänntgen - ROBIN

 

Mittwoch, 24. Januar 2024

mpk Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern: Ausblick aufs Ausstellungsjahr 2024


„Betze, K’town, Pfaff“ im mpk zeigt Stadtidentitäten von Kaiserslautern





Kaiserslautern im Fokus: Foto von Elisabeth Neudörfl
ohne Titel aus „Ansichten von K“, 2023

(© VG Bild-Kunst, Bonn 2024)





Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) hat im Rahmen eines Pressegesprächs das neue Ausstellungsprogramm vorgestellt. Die Themen reichen von Max Liebermann über Pop-Art bis zur regionalen Kunst, die in der Nominierungsausstellung des diesjährigen Pfalzpreises zu sehen sind. Zu den Kooperationspartnern zählen in diesem Jahr das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und das Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. In Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr 2025 und die dafür geplante Neueinrichtung der Dauerausstellung erklärt das mpk die eigene Sammlung in den kommenden Monaten zum Experimentierraum: Das Museum lädt verschiedene Akteurinnen und Akteure ein, die Bestände unter neuen Perspektiven zu betrachten.

 

„Uns war wichtig, ein vielfältiges Ausstellungsprogramm zu entwickeln, mit dem wir neben unserem Stammpublikum auch neue Fokusgruppen ansprechen“, so mpk-Direktor Steffen Egle. Auch setze man weiterhin auf Beteiligungsformate: „Gerade mit Blick auf das Jubiläum 2025 möchten wir, dass sich die regionale Bevölkerung in Kaiserslautern und in der Pfalz noch stärker mit ihrem Museum verbindet.“

 

Die amerikanische Community der Region im Blick


Siebdruck von 1972: Mel Ramos‘ Coca-Cola
(Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, © VG-Bild Kunst, Bonn 2024)


Das neue Ausstellungsjahr wird ab April mit der Überblicksschau „Manche mögen‘s heiß. Pop-Art von Coca-Cola bis Marilyn Monroe“ (13.04. bis 14.07.) starten. Für diese Ausstellung leiht das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen rund 70 Werke aus seiner bedeutenden Pop-Art-Sammlung, darunter Andy Warhols ikonische Marilyn Monroe-Porträts. Die Schau macht das vielschichtige und immer noch zeitgemäße Kunstphänomen erlebbar, das sich zwischen Konsumkritik und Aneignung der Werbeästhetik bewegt. Mit dem Projekt möchte das mpk auch der amerikanischen Community in der Region ein Angebot machen.

 

Pfalzpreis mit neuer Ausrichtung

Ab Mai wird die Nominierungsausstellung für den diesjährigen Pfalzpreis Bildende Kunst des Bezirksverbands Pfalz stattfinden (06.06. bis 11.08.). Der renommierte Preis wurde grundlegend überarbeitet. So ist die Spartenaufteilung nach künstlerischen Medien aufgehoben. Die Verantwortlichen tragen damit der Tatsache Rechnung, dass immer mehr Künstlerinnen und Künstler medienübergreifend arbeiten. Auch hat der Träger erstmals ein Thema vorgegeben: „Transformationen“ lautet es für diesen Wettbewerb und greift damit die aktuellen Herausforderungen auf, denen sich die Gesellschaft gerade in vielfältiger Weise stellt.

 

Identitäten einer Stadt

Für die große Herbstausstellung „Betze, K’town, Pfaff. Künstlerische Sichten auf Kaiserslautern von Sophie Innmann, Nikolaus Koliusis, Elisabeth Neudörfl und Erik Sturm“ (14.09.2024 bis 19.01.2025) hat das mpk vier überregionale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit urbanen Räumen und den Identitäten der Stadt Kaiserslautern zu beschäftigen. Kaiserlautern ist ein exemplarischer Ort, der – wie viele andere mittelgroße und postindustrielle Städte in Europa – Transformationsprozesse durchläuft. Gleichzeitig haben sich etwa durch die Bedeutung des 1. FCK und durch die Anwesenheit Amerikanischer Bürgerinnen und Bürger seit der Nachkriegszeit ganz eigene Identitäten herausgebildet. Mit dem Projekt gibt das mpk Denkanstöße für die Stadtentwicklung. Dafür sind Aktivitäten außerhalb des Museums und mit lokalen Akteurinnen und Akteuren geplant.

 

Kooperation mit dem Berliner Kupferstichkabinett 


Meister des Lichts: Max Liebermanns
„Holländisches strickendes Mädchen“, um 1886,
schwarze Kreide mit weißer Kreide gehöht
(Kupferstichkabinett SMB, Ident.-Nr. SZ
Liebermann 2, Foto: SMB / Dietmar Katz)


Ab Oktober stellt eine Ausstellung den Meister des Lichts Max Liebermann als herausragenden Zeichner vor (12.10. bis 19.01.2025). Rund 60 Werke aus dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, welches den größten und qualitätsvollsten Bestand von Liebermanns Zeichenkunst besitzt, werden in Kaiserlautern zu sehen sein. Zusammen mit Gemälden und Druckgraphiken auch aus dem mpk-Bestand bietet die Schau besondere Einblicke in Liebermanns Denk- und Arbeitsweise.

 

Die Dauerausstellung als Experimentierraum

In der Reihe mpk:Sichtweisen setzt das mpk die Sammlung in Bewegung. Unterschiedliche Persönlichkeiten und Communities sind eingeladen, ihre Perspektive auf die Museumsobjekte zu entwickeln. Mit diesem Format bereitet das Haus die Neupräsentation seiner Sammlung für das Jubiläumsjahr 2025 vor.

 

Ausblick 2025

Das Jahr 2025 wird ganz im Zeichen des 150-jährigen Jubiläums der Museumsgründung stehen, für das mpk ein Anlass, unter anderem die Dauerausstellung neu einzurichten und die Bestände erstmals digital zugänglich zu machen. Außerdem ist eine umfangreiche Ausstellung zu der Malerin Tina Blau-Lang geplant. Mit dieser Ausstellung möchte das mpk an den überwältigenden Erfolg anknüpfen, den das Museum mit der noch bis Ende Februar gezeigten Rudolf-Levy-Retrospektive erzielt hat. Tina Blau-Lang, eine bedeutende Vertreterin des Stimmungsimpressionismus, gilt es, wie Levy, neu zu entdecken und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

 

 


 


 


 

Dienstag, 23. Januar 2024

Groebners Neuer Glossenhauer NGH #26: Der Lohn der Tradition

 

© Foto: Dominik Reichenbach/Artwork: Claus Piffl







Der Lohn der Tradition


Am Anfang jedes Jahres gibt es in Österreich die Tradition des sogenannten „Sauschädel-Essens“. 

Und wie das mit Traditionen so ist, die meisten pfeifen mit der Zeit drauf, die anderen halten eisern daran fest. 

Insofern mag das Sauschädel-Essen (was für ein Wort!) vielleicht früher weit verbreitet gewesen sein, heute aber beschreibt das Sauschädel-Essen (ein Wort, das man irgendwie immer wiederholen muss) eigentlich nur noch die Zusammenkunft von ausgewählten, scheinbar wichtigen Menschen aus Politik, Wirtschaft und Medien der Alpenrepublik. 

Und die sitzen dann da und essen einen Sauschädel. 

Oder sind sie selber die Sauschädel? 

Oder sitzen sie da und nennen sich gegenseitig so lange „Sauschädel“, bis einer weint? Und der wird dann gegessen? 

Ich weiß schon, Kannibalismus ist in Mitteleuropa seit ein paar tausend Jahren nicht mehr so hip, aber es ist ja eine Tradition. 

Wer weiß, wie lange schon?

Außerdem würde man ja gerne wissen, ob es ähnliche Traditionen auch in anderen Ländern gibt. 

Empfänge, bei denen Schimpfworte verspeist werden.

Reicht man in Italien Spagetti Vaffanculo? In Frankreich eine tarte du crétin? In Spanien Patatas Panjero? In Griechenland Gyros Malaka? Und in Deutschland das Döner Doofkopp?

Aber stopp!

Ist Döner wirklich Deutsch? 

Also in Wien schon. Über die erste Döner-Bude, die Ende der 80er Jahre am Naschmarkt eröffnet wurde, haben sich die jungen Leute (da war ich damals mitgemeint) gegenseitig informiert mit den Worten: „Die haben dort echtes Döner - wie in Deutschland!“

Und noch heute trägt eine der beliebtesten und meistbesuchtesten Döner Buden in Wien den Namen „Berliner Döner“.

So geht Integration in Österreich: Über Deutschland.


Das gilt allerdings auch für Desintegration. 

Denn es gibt ja Deutsche, die sehen das anders. Und treffen sich. Auch mit einem Österreicher.


Ob das auch ein Treffen von Sauschädeln war, liegt wohl im Auge des Betrachters. 

Fest steht, die Deutschen auf dem Treffen wollten nicht nur deutsch sein, sondern Deutscher als Deutsch, am besten am Deutschesten. Und diese Überdeutschen planen dann. Zusammen mit dem Österreicher. Sie planen Ausweisungen, Abschiebungen, Deportationen und nennen das „Remigration“.

Ein Sauschädel von einem Wort.

Dabei hat man in Österreich ganz ähnliche Fantasien. 

Der Chef der Freiheitlichen, der… wie heißt er denn? … der, der immer so treuherzig dreinschaut, wie ein Hund, der auf den Teppich gekackt hat… na?…. der…. dabei kommen bei dem die Ausscheidungsprodukte ja ganz woanders raus… wie heißt denn der?…. Hassbert Blickl? Nein! Hofpferd Dackl? Nein! Herbert Kickl! Genau der! 

Der hat beim Neujahrstreffen der Freiheitlichen gesprochen von seinen „Fahndungslisten für politische Gegner“, die „immer länger“ würden. Da sieht man: Bei der FPÖ werden zum Jahresanfang keine Sauschädel gegessen, nein, die dürfen dort ans Mikrofon.

Darauf angesprochen, nennt der FPÖ-Kandidat für das EU-Parlament diese Wortwahl das nur eine „semantische Darstellung“.

Das ist so, wie wenn ich einen abgehackten blutigen Arm eine „sanguinische Dislocation“ nenne. 

Ist dasselbe, nur auf Latein.


(Schon mal darüber nachgedacht, diesen satirischen Newsletter finanziell zu unterstützen? Infos weiter unten)


Das klingt alles nach feuchten Träumen vom unfreundlichen Faschisten von nebenan, aber in Großbritannien hat das Parlament (bekanntlich bestehend aus dem House of Commons und dem House of Lords) bereits die Abschiebung unerwünschter Personen nach Ruanda beschlossen.

Ruanda, ein schönes afrikanisches Land mit Bürgerkriegsvergangenheit. Da hätte man ja eigentlich auch Irland nehmen können. Aber das hat sich wohl das House of Dummies und das House of Nerds dann doch nicht getraut.

Was aber, wenn das Schule macht und alle Länder jetzt anfangen, ihre ungelösten Probleme anderen Staaten umzuhängen? 

Budgetkrise in Argentinien? Caramba! Lass uns das Haushaltsloch in die Schweiz überweisen.

Ausbruch des Dengue-Fiebers in Nigeria? Kein Problem: Alle Patienten werden nach Norwegen verschifft. 

Die thailändische Fussballnationalmannschaft verliert Spiel für Spiel? Alle Spieler nach Ungarn. 

Russland hat eine korrupte Elite und zu viele Journalisten, die auch noch über die berichten? Dann ab mit den kritischen Journalisten ins Baltikum und nach Deutschland und die Oligarchen dürfen nach London und Österreich. 

Halt, Moment!… Vielleicht läuft das Problem-Umschichtung-Programm schon längst?


Man verliert ja den Überblick. 

Da hätte man doch gerne eine neutrale Instanz, die von oben drauf schaut und das menschliche Verhalten analysiert.

In der Universität Konstanz gibt es so etwas. Leider nur für Tauben. 

Man hat dort nämlich ein Programm entwickelt, das das Verhalten dieser lästigen Dachra… unserer geflügelten Freunde erkennen und entschlüsseln kann. Und nicht nur im Labor, sondern in freier Wildbahn - also der Promenade am Bodensee.

Man stelle sich vor, das gäbe es auch für den Menschen.

Ein Computerprogramm, das uns hilft unsere Fehler zu erkennen. 

Das uns erlaubt, den eigenen Sauschädel (immer wieder ein schöner Begriff) zu verlassen. Und unser Verhalten analysiert. Auch über lange historische Zeiträume hinweg. 

Was würde das Programm dann machen?

Würde es beim nächsten Auftritt vom Hassbert Dackl (oder wie der heißt) Alarm schlagen? Würde es das Geheimtreffen in Brandenburg eine Attacke auf die Demokratie und den Rechtsstaat nennen? Würde es dem britischen Premierminister einen anderen Job empfehlen? Würde es sagen: Geht demonstrieren!

Möglich.

Andererseits könnte das Programm nach einem ausreichenden Beobachtungszeitraum, uns auch eine kühle Analyse präsentieren, und auf die alte Frage nach der „Conditio Humana“ resolut, aber leicht resigniert antworten:

„Der Mensch? Ein Sauschädel. Aus Tradition."



Groebner live mit dem Programm „ÜberHaltung“

28.1. Frankfurt Stalburg Theater - 10.2. Offenbach Filmklubb - 17.2. Wien Kabarett Niedermair - 23.2. Karlsruhe Orgelfabrik




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