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Montag, 26. Oktober 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #115 - Du sollst Dich, Du darfst Dich, Du kannst Dich… nicht wundern.


Orange? Freudenfeuer sehen anders aus. ©Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl

















Du sollst Dich, du darfst Dich, du kannst Dich… nicht wundern

Ich weiß nicht, von wem der Satz ist, aber ich hab ihn sofort geklaut.
Ich weiß also mit Sicherheit: Von mir ist er nicht. Umso besser ist sein Inhalt.
Es geht um Gesetze:
„Das religiöse Gesetz sagt Dir, Du sollst nicht. Das staatliche Gesetz sagt Dir, Du darfst nicht. Und das naturwissenschaftliche Gesetz sagt Dir, Du kannst nicht.“
Und tatsächlich haben wir ja alle - zumindest die, die es mitbekommen wollten - diesen Sommer gemerkt, wie das so ist, wenn Naturgesetze mal ihre Macht zeigen. Alle Bauern mit Bewässerungsproblemen und alle Menschen mit Dachwohnungen (und ohne Klimaanlagen) wissen, was ich meine. Und die geschätzten 10 000 Menschen, die in Europa als Hitzetote angenommen werden, die wissen es überhaupt am besten.
Können aber nur mehr schlecht ihre Meinung dazu ausdrücken.

Zu diesen drei Gesetzen (religiös, staatlich, naturwissenschaftlich) würde ich allerdings noch ein viertes dazu aufnehmen:
Das soziologische.
Das da heißt: Du darfst Dich… nicht wundern.

Wenn Du etwa ein Land regierst in dem einerseits Schulen zerbröseln, andererseits aber das Leben teurer wird (also so Sonderwünsche etwa wie Essen, Heizen, Wohnen und sich bewegen) und auf der dritten Seite das Luxussegment der Geschäfte immer weiter anwächst, dann - hier kommt das soziologische Gesetz - darfst Du Dich nicht wundern, wenn (nach etwa 20 Jahren) junge Leute Menschen wutentbrannt alles kurz und klein schlagen.
Isso.
Kann man nichts machen.

Einfach logisch.
Haben wir schon in den 2010er Jahren in Großbritannien gesehen. Und davor auch schon in den Vororten von Paris.
Ist ein Gerechtigkeitsproblem.
Wenige sehr reiche Menschen und viele sehr arme.
Das führt zwangsläufig nach einer gewissen Zeit zu… Bumm!

Da helfen auch keine Streetworker, schon gar nicht mehr Polizei und auch keine lauwarmen Ansprachen von Präsidenten.

Und auch schöne Worte helfen nicht.
Diese wolkigen Begriffe wie die „Abgehängten“, die „sozial Schwachen“, die in irgendwelchen Gegenden mit „schlechter Infrastruktur“ leben.
Wenn man das so hört, denkt man sich: Ach, diese Bemitleidenswerten wohnen in einem dunkelgrauen Lummerland, wo ein alternder Zauberer die wenigen Leute, die er kennt, vergisst von der Wäscheleine zu nehmen.

Nun, es ist nicht so.
Diese Leute wohnen nicht irgendwo in der Ferne, sondern nur wenige Kilometer entfernt.
Und den Zauberer gibt’s auch nicht.
Wenn ich das also hier mal kurz übersetzen darf.
Zum Mitschreiben. Fürs antikapitalistische Vokabelheft.

Die Abgehängten - Gibt es nicht.
Zumindest nicht mehr. Denn dazu müsste man sie vorher aufgehängt haben.
Abgehängte Gegenstände dagegen kennt man: Bilder, Wäsche, Christbaumschmuck.
Abgehängte Personen aus der Weltgeschichte kennt man auch.
Sie sind auch mehr oder minder berühmt.

Sehr berühmt:
Jesus Christus (Sozialrevoluzzer im antiken Nahen Osten, abgehängt vom Kreuz, an das ihn römische Soldaten genagelt hatten)
Weniger berühmt:
Theodor Baillet de Latour (Kriegsminister im verblichenen österreichischen Kaiserreich, abgehängt von einer Gaslaterne, an die ihn revolutionäre Wienerinnen und Wiener aufgeknüpft hatten)

Was eigentlich mit „abgehängt“ eigentlich gemeint ist, sind Menschen, deren Kaufkraft unter einen bestimmten Wert gefallen ist. Ein Wert, der zulässt, dass sie zwar noch mit Werbung zugeballert werden, es sich aber nicht rechnet die Lebensmittelversorgung für sie ohne Automobil aufrecht zu erhalten.
Denn sie wohnen in sogenannten Gegenden mit „schlechter Infrastruktur“ (siehe dort).

Die Sozial Schwachen - Die gibt es.
Sind aber nicht unbedingt jene Menschen, die mit diesen Begriffen bezeichnet werden.
„Sozial schwach“ sind Leute, die wenig andere Leute kennen.
Oder mit wenig anderen Mitmenschen Kontakt haben.
Das können alte Menschen sein, die in sogenannten „Seniorenresidenzen“ (dazu das nächste Mal… oh, ich glaube das wird eine Reihe) ohne Besuch dem Tod entgegen vegetieren.
Oder Eingewanderte, die alle Menschen, die sie kennen, samt der Gegend, aus der sie stammen, zurücklassen mussten.

Oder aber auch sehr vermögende Menschen, die in einem Smart-Home leben, sich mit einem Haufen Elektronik und sogenanntem „Sicherheitspersonal“ (oh ja, das wird definitiv eine Reihe!) und anderen - meist technischen - Vorkehrungen weniger vermögende Menschen vom Leib halten. Mit allen Mitteln.
Und das alles nur um ihren Reichtum (siehe auch: „Investitionskapital“ in: Wahre Worte - Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 1, 2027) ohne schlechtes Gewissen verprassen zu können.

Die Menschen, die üblicherweise „sozial schwach“ genannt werden, müssen das nicht unbedingt sein. Denn sie kennen durchaus Leute. Wenige aus der Politik, kaum welche aus den Medien und schon gar nicht die oben beschriebenen „sozial Schwachen“ aus den Reichenghettos.
Dafür meist Leute, denen es so geht wie ihnen selbst.
Die sind also nicht sozial schwach - oder gar „sozial benachteiligt“-, sondern finanziell.
Vielleicht sogar: einkommensschwach.
Oder auch einfach: arm.
Umgangssprachlich: pleite.
Im Wiener Dialekt auch: stier.  
(Apropos diesen Newsletter kann man auch unterstützen. Infos siehe unten.)

Und das sehr häufig nicht, weil sie zu wenig arbeiten (im Gegenteil). Sondern weil ihre „Jobs“ (siehe „Arbeit“ oder „Beruf“ in: Noch mehr wahre Worte - Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 3, 2029) viel zu schlecht bezahlt sind.

Die schlechte Infrastruktur - Gibt es auch.
Sie ist aber nicht, wie schlechtes Wetter, schlechte Neuigkeiten oder schlechter Charakter, das Ergebnis eines natürlichen Prozesses, sondern Ergebnis bewusster, politischer Entscheidungen der letzten dreißig Jahre, in der gewählte „Volksvertreter“ (siehe auch: „Demokratie“, Letzte wahre Worte - Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 7, 2036) sich im Verdauungstrakt der „Finanzindustrie“ (siehe auch: „Parasiten“, Allerallerletzte wahre Worte, Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 9, 2039) bequem gemacht hatten.
Und - kleiner Tipp - Mund, Magen oder Speiseröhre waren’s nicht.

All diese Phänomene sind also nicht Gottes Wille, Folge eines Meteoriteneinschlags oder Langzeitwirkung der Plattentektonik, sondern könnten behoben werden.

Und zwar - und das wird jetzt die ur-arge Neuigkeit sein für alle Vertreter des politischen Liberalismus, für drei Viertel aller Wirtschaftsjournalisten und sämtliche Absolventen der Frankfurter School of Finance - durch sogenannten „Vermögenssteuern“ (siehe auch „Teufelszeug“, Woran ich glaube - es aber nicht beweisen kann, Gefühlte Wahrheiten des Spätkapitalismus, Autor unbekannt, Hrsg.: Milton Friedman, 1990).

Wenn man diese Vermögenssteuern allerdings nicht einführen will (letzter gescheiterter Versuch 2025 in Frankreich) erntet man automatisch - ebendort - brennende Innenstädte.
Denn - wie schon Heerscharen von schlauen Soziologinnen und Soziologen beschrieben haben - Armut macht die erste Generation stumm vor Scham. Weil sie sich selbst die Schuld gibt.
Die zweite Generation allerdings - also deren Kinder - macht sie wütend, weil sie da hineingeboren wurden.

Isso.
Logisch.
Denn es ist eben ein - Menschen gemachtes - Gerechtigkeitsproblem.
Oder anders gesagt:
Wenige sehr reiche Menschen und viele sehr arme, führt nach einer gewissen Zeit zu … Bumm!

Du darfst Dich nicht wundern.

——

groebner live:

Die heißen Neuigkeiten, hab ich schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal und nochmal und nochmal.
Solange bis sie keine Neuigkeiten sind, sondern Altigkeiten:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wurde gerade mit dem
„Österreichischen Kabarettpreis 2026“ ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.
Wir waren - unter sehr viele anderen - sogar in den Hauptabendnachrichten des ORF.
G’schamster Diener.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Zum Beispiel:

23.10.
Oberhaching Bibliotheksaal
24.10.
München Schlachthof
25.10.
Merkendorf Steingruberhaus

3.-5.11.
Wien Theater Drachengasse
6.11.
Kaisheim Kleinkunstbrauerei Thaddäus
7.11. F
rankfurt/Heddernheim Habel-Elf
10.11.
Linz Posthof
13.& 14.11.
München Lach&Schiess im TamS
19.11.
Wolkersdorf BaBü

Und meinen Jahresrückblick gibt es auch wieder:
27.11. in Offenbach im Filmklubb

Und mein
neues Buch ist jetzt auch endlich heraussen.
Es heißt wie das Programm
„ICH BIN DAS VOLK!“
Denn das ist ja ein Manifest, also muss man das auch in der Hand halten können, sonst wäre es Maniflux (kleiner Witz für Lateiner)

Und das Werk wird  am 21.10. in Wien in der
Buchhandlung Analog das Licht der Welt erblicken
Die Wiedergeburt folgt dann am 30.10. in Frankfurt. Natürlich im
Buch&Wein

Da freu ich mich schon sehr.
Was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man und Frau und mensch übrigens
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich
hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
Was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was das Gletschereis alles so beherbergt. Oder eben nicht mehr.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
Und der Zeitung „Die Presse“ auch.

——-

Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Dienstag, 25. August 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #110 - Selfie Revolution

Alter Sack im Auge der Jugend von heute: So viel Rosa, dass es weh tut.
© Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl










Selfie Revolution!


Nachdem ich jetzt drei halbfertige Newsletter geschrieben und wieder verworfen habe, habe ich beschlossen, dass es ein neues Museum braucht. Das Museum für unfertige, unveröffentlichte Online-Satiren. Da kommen dann meine Textbaustellen rein und die - selbstgeschriebenen - Reden diverser AfD- und FPÖ-Abgeordneter, bevor die Partei-PR-Abteilung drüber gegangen ist.
Aber ich gebe nicht auf und habe jetzt endlich das Thema gefunden, das satirisch von einem 56jährigen weißen Mann bearbeitet gehört, nämlich: die Jugend.

Denn die Jugend macht weltweit auf sich aufmerksam. In Indien rebelliert sie unter dem Leben der „Kakerlaken“, in Vietnam verehrt sie dagegen einen Baum. Nicht aus spirituellen Gründen, sondern weil an diesem Baum eine junge Frau zu Tode gekommen ist.

Was wiederum deshalb passiert ist, weil sie auf ihrem Moped einem BMW eines regierungsnahen Geisterfahrers ausgewichen ist, und dann ihr Lebensende an dieser verholzten Pflanze gefunden hat.
Aber auch in Nepal sind die Jungen nicht sehr glücklich und  auch in Albanien nicht.
Dort werden schließlich auch die Flamingo-Proteste von vielen jungen Menschen getragen. Das sind Proteste dagegen, dass die Familie Trump bzw. Kushner im letzten unberührten Küstenabschnitt Europas ein Ressort errichten möchte.

Wie ich jung war (Zuhören, Ihr Jungen, der alte Sack spricht von früher! Das ist spannend! Für ihn.) stand „Ressort“ noch für einen Fachbereich in Verwaltung oder Wissenschaft, in dem - und jetzt wird’s crazy, Ihr Youngsters! - eine kompetente Person mit passender Ausbildung im Rahmen der gesetzlich gesteckten Grenzen gewirkt hat.

Das ist aber mittlerweile Past-Fiction und deshalb steht Ressort heute für eine Ansammlung von Häusern, die zugunsten - wie ich als Wiener sagen würde - von "überfinanzierten Beidlbracker“ errichtet werden soll. Wem das zu seltsam klingt, kann auch es auch auf Bayerisch sagen, dass das Hütten für „geldgeile Zipfelklatscher“ sind. Oder wir bleiben sachlich neutral und sagen einfach Zweit- oder Dritt- oder Viert-Wohnmöglichkeiten für der Selbstbefriedigung zuneigende Überreiche.
(Apropos: Knedl, also Gerschtl, vulgo: Kies. Man kann diesen Newsletter auch unterstützen. Siehe unten)

Wie auch immer: Auch diese Proteste in Albanien werden von jungen Leuten getragen. Genauso wie die Proteste in Serbien gegen Aleksander Vučić, der wiederum ein Busenfreu… nein… ein Popokamerad von Waldemar Steck-Rein (Mafiaboss und Kriegsverbrecher mit Zweitjob an der Spitze der russischen Verwaltung) ist.

Also die jungen Leute sind weltweit auf der Straße und protestieren gegen ein System, dass mal so und mal so heißt, aber überall dieselben Ausformungen hat. Nämlich, dass Geld aus der Öffentlichkeit und dem Allgemeingut abgezogen wird, um es in Projekte zu stecken, von denen nur ganz, ganz wenige, relativ alte Leute und ihre Familien profitieren. Meistens sind es Herrn, und obendrein gehen all diese Projekte auf Kosten der Zukunft. Und damit vor allem auf Kosten der Jungen.
Denn natürlich muss man mit einem Siebzigjährigen nicht mehr über Zukunft diskutieren. Schließlich berechnet der „Zukunft“ nicht in Jahrzehnten, sondern in Monaten. Sollen 120 Monate sein, aber viel länger wird’s statistisch nicht.

Deshalb ist die Jugend zu Sachen Zukunftsfragen seltsamerweise immer am meisten betroffen und dementsprechend sauer. Weltweit.
Moment! Weltweit?
Nein, ein kleiner Fleck der jugendlichen Weltbevölkerung hört nicht auf, keinen Widerstand zu leisten.

Denn in der deutschsprachigen Jugend sehe ich nichts, was sich in ähnlicher Weise darstellt.
Deshalb gibt es jetzt auch diesen Newsletter, weil der ein Bedürfnis befriedigt, dass die Jugend immer schon hegt, hegen wird und gehegt hat. (Vielleicht sogar gehogen.)
Heimlich, aber intensiv.

Denn nichts will die Jugend mehr, nach nichts mehr dürstet sie mit feurigem Herzen (um das mal in Jugendsprache zu sagen) als gute Ratschläge von älteren Herrn zu empfangen. Empfangen zu dürfen, um genau zu sein.
Ich weiß das. Früher hab ich das anders gesehen, aber heute, wo ich einer dieser älteren Menschen bin, weiß ich das ganz, ganz genau. Denn - und jetzt kommt die Credibility-Phrase, die mich direkt in das Mindset der Chilling Youth katapultiert - „ich war auch mal jung!“

Echt. Und deshalb kenn ich mich aus mit Widerstand und Revolution und so Zeug. Schließlich war ich jung in den Achtziger Jahren, und da haben wir all das …
nicht gemacht. Dafür gab’s Schulterpolster, Vokuhila und Aerobic. Und das alles ummantelt von Selbstmitleid und Frottee-Stirnbändern. Das musste man erstmal aushalten!
Deshalb bin ich Experte für Jugendrebellionen.
Weil ich keine erlebt hab.

Klingt unlogisch? Im Gegenteil: Das ist so wie in der katholischen Kirche. Da erzählt einem auch der Pfarrer, Bischof, ja sogar der Papst, immer was über Sex, und wie man und frau was machen soll und mit wem und was nicht. Und selbst pflegen die Ratschlaggeber frommste Enthaltsamkeit.
Angeblich.

Deshalb hier die Top 3 Tipps für die gelungene Jugendrevolte:
Erstens braucht man ein Thema. Und was fasziniert die jungen Menschen am meisten? Wenn man sich umschaut, wollen sie nichts wissen von Klimawandel, Grundwasserspiegel, Ernährungssicherheit, Ausbildungsplätzen, leistbarem Wohnen, Vermögens- oder Erbschaftssteuer, Menschenrechten oder ähnlichem unwichtigen Kasperltheater, nein, junge Menschen interessieren sich für: ihre Handys!

Insofern jetzt Rebellionen für das, was euch am meisten interessiert: Handytarife und Netzabdeckung.
Eine Rebellion für Handytarife ist auch deshalb sehr gut, weil sich jeder angesprochen fühlen kann. Und wenn nicht, ruft man ihn einfach an und spricht ihn an.
Oder schickt ihm eine Sprachnachricht.

Zweitens, wenn schon die Rebellion um sowas Wesentliches geht, braucht sie natürlich auch klares Image. Eine PR-Strategie. Also wenn die indische Jugend sich mit Kakerlaken identifiziert, braucht die deutschsprachige Jugend natürlich auch etwas, was so einschlägt.
Wie wär’s mit dem Bild eines stilisierten USB-Anschlusses? Oder einem ironischen Chai-Latte-Emoji?
Oder dem Meme von einem Hipster-Bart? Einem Bart, der so klein ist, dass man nicht weiß: Ist das eine Gesichtsfrisur oder eine Intimrasur?

Oder man nimmt einfach die drei Balken, die auf jedem Handy zu finden sind, und die stehen für die drei Säulen der Gesellschaft: Netz-Empfang, freier Download und Akku-Laufzeit.
Denn das ist das Grundrecht. Das wissen auch Thea oder Benny, die gerade während des Starkregens in eine U-Bahn Station geflüchtet sind. Das ist die Mission dieser aufrichtigen Konsumenten einer Wisch & Weg-Kultur! Drei Balken! Am besten alle drei im Auge.

Drittens: konkrete Forderungen!
Also 24 Stunden lang gratis Streaming - aber ökologisch korrekt. Das heißt: Die Streaming Server werden mit Bio-Limonade gekühlt. Und eine Bluetooth Box für jede und jeden. Denn unbegründete, nervige Lautstärke war immer schon ein Vorrecht der Jugend.
Sieht man, wenn man nach hinten schaut: Rock’n‘ Roll  - laut. Zweiter Weltkrieg - extrem laut! Davor: Nazi-Aufmärsche, erster Weltkrieg, Dreißigjähriger Krieg, Kreuzzüge, Völkerwanderungen…. alles wurde von jungen Leuten betrieben - und war nicht leise.  

Und dann müssen natürlich die konkreten, politischen Forderungen, die die deutschsprachige Jugend erhebt, so gestellt werden, damit sie in das passen, was am Schluss auch rauskommt.
Nämlich ein: Beirat.

Der Beirat ist das Höchste, was die demokratischen Gesellschaften Europas an Flexibilität und Reformwillen zu Stande bekommen. Denn, wenn man eine Gruppe jahrzehntelang verarscht und ausgebeutet hat und auch weiter verarschen und ausbeuten will, aber ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht mehr „so arg“ ausgebeutet und verarscht werden, dann bekommt die Gruppe einen Beirat. Deshalb gibt es Ausländer-Beiräte, Frauen-Beiräte, Elternbeiräte und natürlich auch Kinderbeiräte.
Das ist alles wahnsinnig schön, und die Betroffenen haben was zum Reden, aber nichts zu sagen.

Denn die dürfen ein Statement abgeben, woraufhin alle Entscheidungsträger und -Innen interessiert „danke“ sagen und dann das beschließen, was Ihnen der Lobbyisten-Verband ihres Vertrauen aufgeschrieben hat.
Der Beirat ist also schön. Er ist eine Mischung aus Unrat und Hausrat. Schön… aber es geht auch ohne ihn.
Und wenn diese Jugend dann das endlich bekommen hat, den Mobilfunkbeirat, dann kann sie in zerbröselnden Schulen bei nichttrinkbarem Trinkwasser und steigenden Lebensmittelpreisen fern von leistbaren Wohnungen „ein Wörtchen" mitreden.
Aber halt auch nur ein Wörtchen.

Ach ja, noch einmal jung sein, das wär… ein Horror!
Also lieber was streamen, man kann ja eh nix machen.
Und mit diesen Aussichten weiß man plötzlich auch, warum die Altersgenossen in Indien sich das Image einer Kakerlake gewählt haben.
Weil dieses Tier hat - zusammen mit den Brombeeren und den Ratten - die beste Chance, die ganze Scheiße zu überleben.
Also Lächeln: Selfie!


—

groebner live:

Die heißen Neuigkeiten, hab ich schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal und nochmal und nochmal. Solange bis sie keine Neuigkeiten sind, sondern Altigkeiten:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem
„Österreichischen Kabarettpreis 2026“ ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ kann man demnächst im ORF Sommerkabarett sehen. Und zwar am 25. August. (Also sehr bald!)

groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich
hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was auf das Bargeld eigentlich drauf sollte.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-


Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Donnerstag, 16. April 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #102 - Bergmann übernehmen Sie!

 


     Grün ist die Hoffnung! © Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl



Bergmann, übernehmen Sie!

Ich hab jetzt diesen Newsletter dreimal angefangen und dann wieder gelöscht, weil - während ich was geschrieben habe - schon wieder etwas passiert ist. Irgendwas, was man jetzt schon wieder fast vergessen hat.

Zuerst war es die Ankündigung von Melania Trump, Gerüchten entgegen treten zu wollen, die niemand gekannt hat, und so diese Gerüchte erst weltweit in die Schlagzeilen zu bringen.
Tipp für Trump: Der Streisand-Effekt bedeutet nicht, dass man eine große Nase hat und trotzdem schön singen kann.

Dann war es die Reaktion des weißen Hauses auf die Sperrung der Straße von Humus… nein, Hormus. Das war nämlich: eine Sperrung der Straße. Eine Sperrung durch eine Sperrung aufheben… ganz ehrlich, wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Donald „Drill, Baby, drill“ Trump und das iranische „Kill, Baby, Kill“-Regime jetzt den Mitgliedern der „Letzten Generation“ zeigen, wie einen Ökologisierung der Wirtschaft wirklich geht.
Nicht ein paar Stadt-Autobahnen für ein paar Stunden sperren.
Nein, das ist was für Stümper.
Merkt es Euch zum Skandieren für die nächste Klima-Demo (Gibt’s die eigentlich noch?):
„Handelsrouten musst Du schließen / dann wird das Öl gar nicht mehr fließen!“

Dann gab es noch die Wahl in Ungarn (sehr erfreulich!) und die Erklärungen der deutschen Wirtschaftsministerin (sehr unerfreulich) und die weltpolitische Fußnote ersten Ranges: Der österreichische Bundeskanzler besucht Indien.
Ich vermute, so wie der aussieht, wird er dort für eine Renaissance des Buddhismus sorgen.

Denn das ist ja die Rolle Österreichs in der Welt - gerade in schwierigen Zeiten: Beruhigen. Entschleunigen. „Nua kane Wöhn!“
Und wer den österreichischen Kanzler schon einmal reden gehört hat, weiß: Der beruhigt. Sehr stark.

Österreich selbst aber lässt sich von der Welt am Liebsten ablenken.
Durch Theater. Oder Oper. Oder klassische Musik. Oder anderes Bühnengeschehen.
Deshalb hat es auch vor über hundert Jahren die „Salzburger Festspiele“ erfunden. Zur Ablenkung.
Und zur Geschäftsanbahnung.

Und diese Festspiele haben jetzt eine neue Chefin: Karin Bergmann.
Die hat schon mal das Burgtheater vor ein paar Jahren interimistisch geleitet, nachdem es von einem Mann in … sagen wir mal … eine Verkehrsfläche mit erhöhtem Kot-Aufkommen (vulgo: Scheißgasse, nobler: Rue de la Gack)  geführt wurde. Das war auch so eine Art Blockade damals.
Aber nach Frau Bergmann läuft es im Burgtheater wieder.

Anscheinend ist das Frau Bergmanns Job-Profil:
„Wenn Du weißt, es kann kein Mann 
/ Dann ruf doch die Bergmann an!“
(Zum Skandieren für die nächste Demo zum Gender-Pay-Gap.)

Insofern ahne ich schon, wer nach Wolfgang Kubicki die FDP übernimmt: Karin Bergmann. Und wer wird neuer Teamchef von Italien? Karin Bergmann!

Man sieht: Mit einer Frau Bergmann allein wird sich das nicht mehr ausgehen. Wir  brauchen ein Karin-Bergmann-Institut, wo Karin Bergmann viele kleine Karin Bergmanns ausbildet, damit diese dann eitle Männer beerben können, um das durch Verschmutzung immobil gewordenen Fahrzeug (vulgo: den Karren im Dreck) erneut zu mobilisieren.
Sie ist also keine Allround-Managerin, sondern eine All-Rad-Managerin.

Ich gehe jedenfalls fix davon aus, dass Karin Bergmann und ihre Schülerinnen, den Orden Carina de Fossori (kurz: die Fossoris) gründen wird, ein Orden, der sich demnächst über die Welt verbreitet.
Denn es gibt so viele zu bewegende Karren.
Wer kommt nach Wladimir Putin? Karina Bergmannova!
Wer nach Donald Trump? Carina Mountainman!
Wer nach Emanuelle Macron? Carine Mountaigne! (Ein Witz nur für Nils Minkmar.)
Wer wird der nächste Ministerpräsident von NRW? Die Kumpel-Karin!

Und, wer weiß, vielleicht werde auch ich eines Tages von einer Karin Bergmann ersetzt?
Eitel genug wäre ich, aber vielleicht noch nicht alt genug? Oder umgekehrt? Alt ja, aber nicht eitel genug?
Oder mein Karren ist noch nicht dreckig genug? Ich weiß es nicht.
Ich werde einfach Karin Bergmann fragen.
Sie wird mir sicher antworten, nachdem sie die Straße von Hornochs… äh… Hormus geöffnet hat.

In diesem Sinne: Glück auf!

____________

groebner live:

Samstag 18.4. Hartheim/Rhein, 
Salmen in Hartheim

Freitag 8.5. München, 
Schlachthof
Donnerstag 14.5. Wien, 
Kabarett Niedermair
Dienstag 19. und Mittwoch 20.5. Graz, 
Theatercafé
Donnerstag 21. - Samstag 23.5. Regensburg, 
Statt-Theater
Freitag 29.5. Frankfurt, 
die KÄS

Und, und, und…alle Termine gibt es 
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man 
hier lesen.


groebner gesehen:
In der wunderbaren Sendung „Schlachthof“ im Bayerischen Fernsehen war ich zu Gast.
Und durfte dort
 eine Kostprobe meines Regierungsprogramms „Ich bin das Volk!“ geben.

In der Abendschau im BR gab es sogar einen eigenen Premierenbericht.
Den kann man sich 
hier anschauen.

Der freundliche Sender 3Sat hat übrigens mein voriges Programm „
ÜberHaltung“ ausgestrahlt.
Für alle, die es noch nicht gesehen haben, die haben jetzt in der Mediathek (Achtung Wortwitz) 
das Nachsehen.

groebner gehört:
Ganz frisch heraussen!!!!
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records

Kennt Ihr schon mein Satire-Pop-Album 
„Nicht mein Problem“?
Es ist sehr gut.

In der wunderbaren Sendung „
Satire Deluxe“ war ich zu Gast und habe - live ! - ein Liedchen zum Besten gegeben.

Zusammen mit den sehr geschätzten Kolleginnen und Kollegen Fine Degen, Ella Carina Werner, Jess Jochimsen und Sascha Bendiks (ich schätze alle… mindestens drei Jahre jünger, als sie eigentlich sind) war ich auf Schloß Kapfenburg und habe dort bei für SWR Kultur die
 „Nacht der Poet:Innen“ mit lustigen Texten bestritten.
Teil eins könnt Ihr Euch hier 
anhören.
Teil zwei auch, aber 
hier.

Das „Ende der Welt“ gibt es auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek zu hören.
Dort denke ich darüber nach, wie man den US-Vizepräsidenten gut einsetzen könnte.
Oder warum es den Wiener 
Opernball wirklich gibt.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf 
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein 
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-

Über diesen Newsletter:

Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64