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Mittwoch, 23. Juli 2014

Wie war's bei MOZART MEETS CUBA im Schwetzinger Rokokotheater im Rahmen des Mozartsommers 2014



Letzten Freitag im badischen Schwetzingen mit dem gleichnamigen Schloss aus dem Spätbarock fand im  Rokokotheater im Nordflügel der 1750 in außergewöhnlicher Halbkreisbauweise errichteten Kurfürstlichen Sommerbehausung enormen Ausmaßes ein Konzert der KLAZZ BROTHERS statt, die seit 14 Jahren die Menschen überall auf der Welt mit ihrer Musik begeistern. Sie erhielten 2003 und 2006 den ECHO KLASSIK für Ihre Classic- und Mozart meets Cuba-Projekte, wurden 2005 für den Grammy Award in der Kategorie "Best classical crossover album" nominiert und erhielten den GERMAN JAZZ AWARD. Mittlerweile sind 11 CDs auf dem Markt.


Im Residenzpark des Schlosses finden immer wieder wunderschöne Open-Air-Veranstaltungen statt. Gerade im Mozartsommer locken interessante Veranstaltungen und Aufführungen. Eine Besonderheit des damals ganz Europa beeindruckenden Bauwerks und der Parkanlage ist ein Badhaus und die Moschee im Park. Das Rokoko-Theater wurde von Nicolas de Pigage 1752 in 10 Wochen erbaut und 1762 nochmals erweitert. Renovierungen und Sanierungen 1937 (hier gingen die Originalbühnentechnik und Zuschauerbänke verloren), 1952 und schließlich ein Neubau des Bühnenhauses 1974 erhielten das Kleinod für die Nachwelt. Das Theater ist das älteste erhaltene Rangtheater weltweit, das schon 130 Jahre nach Entstehung nur noch als Hopfenlager verwendet wurde.

Mozart war wohl dreimal in Schwetzingen, einmal im Rahmen einer Konzertreise als Siebenjähriger im Juli 1763 mit seiner Schwester und seinem Vater, hier musste er noch im Gasthof übernachten, später dann im Oktober 1777 mit seiner Mutter Maria Anna, und schließlich im Oktober 1790 im Rahmen eines Nachmittagsausflugs, als er in Mannheim seine Oper „Die Hochzeit des Figaro“ dirigierte.

Wenn Mozart kubanische Musik trifft, dann muss doch ein Zusammenhang, eine Gemeinsamkeit zwischen beiden bestehen, oder ist es nur ein Experiment? Wer die Leichtigkeit der Mozartschen Musik kennt, weiß auch, dass er für die Kubaklänge sicher zu haben gewesen wäre. Und dieser Konjunktiv ist dann auch den Klazz Brothers ein Anlass, ihre Interpretationen der Mozart-Kompositionen auf kubanisch zu präsentieren.
Man muss hier gleich vorabschicken, dass Kilian Forster aus Niederbayern nicht nur ein turnbegabter Kontrabassist ist, sondern auch ein ganz raffinierter Flachsverkäufer und -dreher. Er erzählte den ganzen Abend lustige, aber meist frei erfundene Geschichten und stellt den scheinbaren Bezug her. Die sog. Bäsle-Briefe, Briefe an die Cousine, sind ihm schelmisch bramabasierend Indiz und Legitimation genug, dass Salsa ganz eindeutig das c-Moll-Präludium von 1722 beeinflusste.

Die Comedyzüge ziehen sich durch den ganzen Abend. "Wolferl" und Calypsosound oder spezieller Chachacha im 3/4-Takt, Afrikadrums, ungarische Ausflüge zu Vittorio Montis "Czardas" von 1904, ein Vergleich mit Ibrahim Ferrers Buena Vista Social Club, und schließlich noch einen Mambozart und andere Crossovers, die natürlich alle Mozart als Pionier gemeinsam hatten.


(c) Mirko Jörg Kellner
Der aus Kolumbien stammende und heute in Essen lebende Pianist Bruno Böhmer Camacho wird entschuldigt, weil er nicht immer auch die schwarzen Tasten trifft. Der kubanische Percussionist Alexis Herrera Estevez an den Timbales wird immer wieder mit seiner angeblichen Herkunft Guantanamo aufgezogen und führt einen Solo zum "Romantischen Triangel" auf, dessen theoretische Fundierung in einer nie verfassten Doktorarbeit zu lesen seien. Sein Landsmann Elio Rodriguez Luis (Congas) versucht Afrika mit Mozart zu mischen und der Drummer Tim Hahn reißt das Publikum mit der von Kilian Forster angekündigten Schüttelbox-Nummer mit. Es handelte sich um Pfefferminzlutschbonbons, die es gratis zur gekauften CD dazu gab, und dann in beachtlicher Anzahl im Saal unterwegs waren.

Die grandiose Mischung aus Comedyshow, klassischem Ernst, Mozartscher Leichtigkeit und mal jazzigen, mal rhythmischen Grooves unterhielt das Publikum gute zwei Stunden hervorragend. Die Publikumsbeteiligung mit rhythmischem Klatschen und Tanzen auf der Bühne, Spontantanzeinlagen einiger Gäste am Ende und viel, viel Stimmung verwandelten das Rokokotheater in eine kubanische Tanzbar. Die Titel gibt es im Handel und lassen sich alle im Internet, z.B. bei Spotify oder lastFM, anhören.