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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dienstag, 24. April 2012

Buchbesprechung: DAS GLÜCK GEHT NICHT ZU FUSS von Ines Kiefer



INES KIEFER
Das Glück geht nicht zu Fuß
Wie mein Leben ins Rollen kam
München 2011, 280 Seiten, Knaur TB / E-Book
EUR (D) 9,99, Droemer Knaur 


Ines Kiefer ist 19, begeisterte Tänzerin und gerade dabei, das Leben zu entdecken. Doch dann wird bei ihr ein Rippentumor diagnostiziert, der alles für immer verändern wird: Bei der Operation treten Komplikationen auf, und als Ines aus der Narkose erwacht, spürt sie ihre Beine nicht mehr. Sie ist querschnittgelähmt, alle ihre Zukunftsträume scheinen auf einen Schlag zerplatzt. Doch Ines gibt nicht auf. Mutig erobert sie sich Stück für Stück ihren selbstbestimmten Alltag zurück und sucht ihr Glück – nun eben auf Rädern. Sie erlebt die Höhen und Tiefen der Liebe, bekommt ein Kind, das sie alleine erzieht, und erfüllt sich einen langgehegten Traum: Sie nimmt an einem Modelwettbewerb teil.


Der Leser wird Zeuge, wie ignorant die Mitmenschen sein können, wenn es um Rollstuhlfahrer geht. Die Wohnungssuche eine Tortur, weil Makler selbst bei klarer Ansage noch ein bisschen mauscheln wollen, um doch noch zu vermieten, oder tatsächlich gar nicht wissen, wie viele Stufen zur Wohnungstür führen. Man denke auch nur mal an öffentliche Verkehrsmittel. Das schafft kein Gehbehinderter, kein alter Mensch, keine Mutter mit kleinen Kindern, diese knappen Umsteigezeiten! Die Warterei Stunde um Stunde ist vorprogrammiert. Ich weiß selbst, wie schon die nahe gelegene Bahnstrecke eine Falle sein kann, auf 20 Kilometern bereits Verspätungen, Busanschlüsse verpasst oder nachts sogar der letzte Zug zurück! Busse in der Stadt, ein Abenteuer, auch das Fortbewegen in  Häusern. Ines Kiefer hat es gepackt, arbeitet, ist zweifache Mutter und hat sich mit ihrem Problem eingerichtet.

Biografie:
Ines Kiefer ist dreißig Jahre alt und lebt im Saarland. Seit ihrem 19. Lebensjahr sitzt sie im Rollstuhl. Trotz ihrer Behinderung hat sie ihre Ausbildung zur Hotelkauffrau beendet und arbeitet nun im saarländischen Wirtschaftsministerium. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen. Nebenher arbeitet sie als Model. 

INTERVIEW DES VERLAGS
Liebe Frau Kiefer, seit einer Operation im Alter von 19 Jahren sitzen Sie im Rollstuhl. Trotz einiger Rückschläge haben Sie sich mit viel Power und Schwung ein selbstbestimmtes Leben aufgebaut. Würden Sie heute sagen, Sie haben Ihr Schicksal angenommen?

Was den Rollstuhl betrifft, habe ich keine Wahl. Aber ich kann entscheiden, wie ich mit meiner Situation umgehe und was ich aus ihr mache. Sicher ist es manchmal schwer, das Gute an meiner Lage zu erkennen. Aber es gibt sie – die schönen Dinge. Ich jammere nicht, weil ich im Rollstuhl sitze. Ich freue mich lieber über meine tolle Familie, meine lieben Freunde und meinen beruflichen Erfolg. Natürlich ist in meinem Alltag nicht alles rosarot. Der Rollstuhl brachte viele Veränderungen in mein Leben, auf die ich gern verzichtet hätte, aber die ich akzeptieren muss.
Egal wohin ich gehe, es müssen Aufzüge oder Rampen vorhanden sein. Ich bin oft auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Es ist unangenehm, wenn man vor einer Treppe steht und ohne Hilfe nicht hoch kommt. Der Dackelblick hat mir in so einer Situation schon manchmal geholfen ... Oder zwei Freundinnen. Dann geht alles leichter. Aber mir fällt es immer noch schwer einzusehen, dass viele Dinge nicht mehr allein gehen. Am meisten musste ich mich an die ständige Beobachtung wegen meines Rollstuhls gewöhnen. Der Mensch im Rollstuhl wird leider nur selten gesehen … 

Es gibt natürlich auch Situationen, in denen ich meine fahrbare Hilfe sehr schätze. Ich habe immer einen Sitzplatz … und meine Kinder auch: auf meinem Schoß. 

Wie gehen denn Ihre Söhne generell mit Ihrer Behinderung um?

Kinder sehen Menschen mit Behinderungen mit anderen Augen. Nicht nur mit meinen Jungs Tim und Erik ist es unkompliziert. Tim war fast drei Jahre alt, als ich ihm erklärte, warum ich nicht laufen kann. Das hat ihm genügt. Es ist im Alltag kein Thema mehr. Er nutzt die Vorteile, die sich durch den Rollstuhl ergeben. Er hat zum Beispiel immer einen Sitzplatz, wenn seine Beine müde sind. Für Kinder, die mich kennen, ist meine Behinderung Alltag und Normalität. Sie sind damit groß geworden. Sie kennen mich nicht anders. Eine Freundin von Tim sagte mal zu ihrer Mutter: „Ich hätte auch gern so eine Mama wie Tim.“

Sie haben ja regelmäßig als Model gearbeitet – trotz Rollstuhl. Sind Sie in dem Bereich auch 
weiterhin aktiv? Was gibt Ihnen die Arbeit als Model?

Wenn ich als Model gebucht werde, sind die Reisen zu Foto- oder Filmaufnahmen für mich eine willkommene Abwechslung im Alltag. Es ist aufregend, neue Menschen und Orte kennen zu lernen. Wenn ich gestylt werde, verwandle ich mich in eine ganz andere Ines, als ich sie zu Hause im Alltag bin. Das Make-up sitzt perfekt, die Haare sind in Form gebracht, beim Fotografieren zupft mich die Stylistin zurecht. Eine perfekte Welt, in der der Rollstuhl mehr Accessoire als Fortbewegungsmittel ist.