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Dienstag, 2. April 2013

Wie war's bei Arved Fuchs' Nordpoldämmerung in Neunkirchen?




Arved Fuchs, seit 1977 glaubhafter und erfolgreicher Polarforscher, Globetrotter und Weltumsegler der Superlative, mit einer unglaublichen Abenteurer- und Expeditionshistorie, war mit seinem aktuellen Vortrag "Nordpoldämmerung" in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen zu sehen. Arved Fuchs gelang es 1989 mit Reinhold Messner zusammen als erste Menschen innerhalb eines Jahres auf Ski sowohl den Nordpol als auch den Südpol zu erreichen. Im Verlauf der Expedition schafften sie es erstmals, den gesamten antarktischen Kontinent zu Fuß zu durchqueren, in nur 92 Tagen legten beide über 2.500 Kilometer zurück. Rund 400 Gäste folgten der Einladung des Neunkirchner Kulturvereins und von Andreas Huber, Saarpfalz-Lichtblicke, selbst Anbieter von eigenen und fremden Multimediashows.

Ursache für die Expedition war unter anderem, dass 1989 Erika Bayer, eine uralte Dame aus Hannover, Arved Fuchs anrief und ihn bat, den Nachlass ihres Onkels Karl-Heinz Buck zu verwalten. Dieser wäre von Oberstleutrnant Greely wegen Lebensmitteldiebstahls 1884 im Zuge einer Nordpolexpedition erschossen worden und habe einen ordentlichen Nachlass hinterlassen, den zu erkunden sich lohne. Darin fänden sich Aufzeichnungen und Notizen, die einen genauen Ablauf der Expedition enthielten. Leider kam es nie zu der Übergabe, weil ein findiger und hellhöriger Zeitgenosse das mitbekam und den Nachlass im Namen von Fuchs abholte und an den Meistbietenden verschacherte. Eine wiederum andere besondere Form des Diebstahls.
Die Reise von Arved Fuchs und seiner Crew auf dem Segelschiff "Dagmar Aaen" (Baujahr 1931) hatte mehrere Aufgaben zu erfüllen. Einerseits die Spuren der heute (!) noch sichtbaren Reste einer gescheiterten Nordpolexpedition, genannt die "Lady-Franklin-Bay"-Expedition unter Oberleutnant Adolphus Washington Greely (1844-1935) zu sichten, die ein schreckliches und geradezu absurdes Ende nahm. Im 1. Internationalen Polarjahr 1881 entschloss sich die USA eine Expedition zu entsenden, um den neuen Plänen der gemeinsamen Forschung statt Eroberungswettbewerben Genüge zu tun.

2008 stand für Arved Fuchs noch ein Forschungsauftrag in Meteorologie an, der den Rückgang des Packeises, das Abschmelzen der Polarkappen und dessen Auswirkung auf die Eisbildung der nächsten Jahrzehnte während einer Überwinterung nördlich des 78. Breitengrads im früheren Dauereisgebiet untersuchen sollte. Durch die Erwärmung der Erde zeichnet sich ab, dass das Sommereis weitgehend ganz abtauen und im Winter eine sehr viel dünnere Schicht Eis als bisher sich bilden wird. Dem ist auch zu verdanken, dass wir heute in Gebiete vorstoßen können, in denen die frühen Nordpolexpeditionen teilweise schmerzlich aufgrund der extremen Eisverhältnisse endeten. Auch der Verschmutzungsgrad von Wasser und Luft sollte untersucht und die Eisbildung eben akribisch festgehalten werden. Auf die Müllprobleme ging Fuchs im Laufe des Vortrags auch ein. Im September 2008 ging es los.

Die Reise ging im ersten Teil des Vortrags von Hamburg an die Westküste Grönlands, durch die Davis-Straße bis zur letzten gangbaren Station Grönlands, Upernavik, und von dort in die berüchtigte Baffin Bay, in der früher durch eine riesige drehende Eisplatte so manches Schiff schwer beschädigt zum Sinken kam. Heute ist die Bay frei von Eis, das Wetter hat sich komplett geändert, es gibt sogar Gewitter. Weiter durch den flaschenhalsartigen Smith-Sund, am legendären Thule vorbei durch die Nares Straße Richtung Lincolnsee. Der Sund liegt zwischen Kanada und Grönland, am Ende Ellesmere Island am kanadischen Ufer.

Die Spuren der Greely-Expedition sind tatsächlich heute nach Eisrückgang deutlich zu sehen,
die Grundmauern der 30 m langen Hütte mit Badekomfort und Heizung und andere Befestigungen, das Ganze genannt Fort Conger: Greely wollte in den äußersten Norden, glaubte, dass das Eis wie im Vorjahr nicht stark wäre, ließ sich in der Lady Franklin Bay auf Ellesmere Island von Captain Pike mit der Proteus auf kanadischen Gebiet absetzen und blieb bis 1883. Dann wollte er südwärts zur Pim-Insel am Smith-Sund zurück. Dort sollte wenigstens ein aufgefülltes Depot und neues Forschungsgerät auf sie warten, da die Abholung scheiterte. Aber die Proteus blieb auch weiter südlicher noch im Eis stecken und sank. Greelys Team erfuhr das nicht und wanderte die 200 Meilen dorthin, fand aber nur 10 Jahre alte Lebensmitteldepots und kaum mehr. Es entwickelte sich ein Überlebenskampf gegen Kälte und Hunger, obwohl Grönland und Dörfer nur 25 Meilen übers Eis entfernt lagen, Greely wusste das aber nicht. Es war auch nicht bekannt, dass in den warmen Fjorden  Robben und Bären zu schießen gewesen wären. In ihrer Not ernährten sich die Überlebenden ganz offensichtlich am Ende durch das Fleisch ihrer Kameraden, die auf einem Hügel notdürftig bestattet im Eis lagen. Auch Buck war dabei, erschossen und angeschnitten. Der Skandal wurde geleugnet, Greely hat bis zu seinem Tod alles vehement abgelehnt. Beim Bergen der Überlebenden wurden Lebende und Tote in einem Schlafsack gefunden, apathische, ausgehungerte Überlebende am Ende ihrer Kräfte.
Die Dagmar Aaen blieb dann den Winter in einer Bucht bei Etah/Sirapalok für ihre Forschungsaufgabe liegen, erlebte die Polarnacht und konnte im Mai 2009 dann wieder ausschiffen. Sie fuhr durch die Davis Straße hunderte Meilen südwärts, bis sie Neufundland an seiner Westküste durch den Golf von St. Lawrence entlangreisen konnten. Von L'anse aux Meadows bis Sydney Nova Scotia, Kanada, ging die Reise vorbei an wunderbaren Landschaften und Städtchen, schließlich zur Dingle Island nach Irland, an der Westküste nach Iskea, Tory Islands, rüber zu den Orkney Islands, und von dort durch die Nordsee nach Hamburg zurück. 23.000 km und 462 Tage auf Expedition mit einem unvergleichlich guten Oldtimer-Schiff und um einen Riesenschatz an Erfahrungen reicher. Ein spannender, abendfüllender und fließender Vortrag von Arved Fuchs, der etwas an Raimund Harmstorf erinnert, reichlich Bild- und Filmmaterial und ganz viel Überblick über die Geschichte der Polarforschung und Ausmaß der Entwicklung des Eises seit 130 Jahren bietet.

Freitag, 23. November 2012

Wie war's bei der Vernissage zu Rainer Magolds MARILYN - MENSCHEN DIE BEWEGEN in Ramstein ?

linke Spalte (von o.n.u.): L.S., Klaus Layes,
Rainer Magold

Kaum hat er die Ausstellung DARK SECRETS am 16.11. in Groß-Umstadt eröffnet, steigt der nächste gigantische Event im Haus des Bürgers in Ramstein. Rainer Magold, der abstrakte und figurative Expressionist, der Porträtist besonderer Art, der Aktmaler und der kritisch mit Farbe verfremdende und bisweilen spöttelnde Künstler hat am 20.11. eine weitere Ausstellung mit seinen Exotica und Kostbarkeiten eröffnet. Die Ausstellung war ursprünglich schon viel früher geplant, aber aufgrund eines im Foyerbereich extrem rußenden Schwelbrandes ausgefallen. Denn die gesamten Bilder und Wand-, Decken- wie Bodenflächen waren mit Ruß überzogen, der mittlerweile aufwändig und komplett wieder beseitigt wurde.

Die Blechchaoten
Im blitzblanken Foyer des Bürgerhauses begrüßte also der Bürgermeister Klaus Layes (CDU) die Gäste zur vorweihnachtlichen Ausstellung MARILYN - MENSCHEN DIE BEWEGEN, die von Tausenden von Gästen bis zum Jahresende gesehen werden wird. Obwohl wieder neue Bilder ins Spiel gebracht wurden und schon Dutzende zurzeit unterwegs sind, findet der Besucher ein großes Angebot beeindruckender Werke. Das Spektrum von Rainer Magolds Darstellungen ist groß: Marilyn, Coco, unbekannte Models, Reinhold Messner, Charlie Chaplin, Papst Benedikt XVI., Jesus, Johnny Depp, Jan Liefers, Steve Jobs, und kein Ende. Einige Bilder konnten nicht gezeigt werden, weil Stellwände dem Sicherheitssystem des Hauses widersprechen. Im Januar soll dies nachgeholt werden.

Besonders begrüßte er natürlich die langjährige Gastspieldirektorin des Bürgerhauses, eine erfolgreiche private Gastspielunternehmerin und Promotor des Künstlers. Sie lud die Gäste ebenfalls ein, das Schaffen Rainer Magolds, als einem der wichtigsten zeitgenössischen Expressionisten (keine Fortsetzung der klassischen Moderne im neoexpressionistischen Sinn) in Deutschland, zu genießen und zu würdigen. Sein Erfolg bei Parallelausstellungen in Polen, Stuttgart, München bestärkten ihr Gefühl, aufs richtige Pferd gesetzt zu haben.

Jutta Mohorko - RAGTAG
Außerdem hieß K. Layes willkommen den Geschäftsführer des Bürgerhauses Andreas Guhmann, der den ganzen Abend mit seinen BLECHCHAOTEN (Johannes Huber, Thomas Stauner, Thomas Guhmann, Frank Lill) sehr schnieke im Frack für astreine Blechmusik moderner Ausprägung sorgte, seine Stellvertreterin Burgel Stein mit Mann und natürlich auch Jutta Mohorko und die Gruppe RAGTAG, die sehr fein, sensibel und verspielt, als Gegenpol zum Blech sehr beeindruckende lyrische Arrangements von bekannten Kuschelinterpreten, wie z.B. Cat Stevens, Adele, Eric Clapton usw. spielt. Jutta Mohorko wird dabei professionell unterstützt von Lothar Mohorko mit (Bass-)Gitarre, Trompete und Jenni Schmitt mit einer sehr schönen Stimme.

Solchermaßen musikalisch und rhetorisch umrahmt konnte der Besucher sich der Kunst widmen und die Haltung des Künstlers nachvollziehen, der in seiner Eröffnungsrede darauf hinwies, wie locker die Besucher in Ramstein seien. Er war vor Monaten begeistert, als nach einer Vorstellung des Buenavista Social Clubs um 23:30 Uhr noch etliche Leute im Foyer tanzten, als ob keiner nach Hause gehen wollte. Die Musik hatte offensichtlich etwas bewirkt. Rainer Magold setzte den Schwerpunkt seiner Ausstellung analog auf die Aussage "Kunst, die uns stark machen soll".

Ausgestellte Werke I und Rainer Magold
Er schlug den Bogen vom 20-Jährigen - der gut und schon besser sein kann, aber keiner will ihn - zum Alter. Dort kann es durchaus ähnlich sein - trotz erworbenem Ruf. Wenn sich Erfolg eingestellt hat durch Anerkennung, gesellt sich mit bitterem Beigeschmack zu den Erfolgen eine Einsamkeit. Alle großen Persönlichkeiten, die in dieser Ausstellung hingen, seien mehr oder weniger davon betroffen. Oft ist der Weg dahin schon von Einsamkeit im Scheinwerferlicht geprägt. Ob Charlie Chaplin, Reinhold Messner und gerade Marilyn Monroe, die schon früh von dieser tränenreichen Leere im Erfolg befallen war, es ist das Dilemma der Menschen, die etwas bewegen, dass sie Einsamkeit und Leere fühlen werden, so stark sie auch reüssierten.
Seine Kunst wie auch allgemein Kunst sei angetreten, dies aufzufangen und abzuwehren. Für alle, die wenig Auge dafür hätten, sei es wichtig zu erkennen, dass 80 % seiner Bilder Zitate der Realität mit künstlerischer Interpretation seien, und nur 20 % fotografische Realität. Also soll man nicht Fotorealismus erwarten bei Expressionisten, sondern deutende Zitate!

Ausgestellte Werke II und Rainer Magold
Und so ist der Papst vielleicht eine Ausnahme oder ebenfalls eine Bestätigung aus der tränenreichen Leere im Alter. Nicht aber bei den Zitaten, den farblich sei er so schrill erfasst, dass seine roten Schuhe sich in die Umgebung färbten, aus dem Teufel trägt Prada hier eine fast gefährliche diabolische Figur würde, mir dem Kaiphas ähnlich oder dem Künstler nach etwas von Imhotep habe, dem durch Mauergraffitti überlieferten Baugenie und Heilgott in Ägypten, von dem man viel vermutet, aber nichts weiß (wahrscheinlich 2700 v. Chr.). Das unruhig wirkende Jesusporträt löst sich erst nach längerem Betrachten und vor allem durch das Objektiv zu einer hellen Erscheinung auf und erinnert an den Christus von Pier Paolo Passolini in seiner Verfilmung von „Das 1. Evangelium Matthäus“. Beethoven in jener typischen Pose, Jahrzehnte auf Gemälde und Kunstdrucke der Deutschen gebannt, aber verfremdet. Wie es den Aktmodellen im Alter ergeht weiß keiner, aber sie hinterlassen einen bleibenden verlockenden, lockenden und üppigen Eindruck. Ein wartendes Modell erinnere den Künstler an die ehemaligen DDR-Bewohnerinnen, die in New York schweigend auf ihre Entdeckung warteten. Messner dominiert mit einer schweren melancholisch wirkenden Präsenz, Johnny Depp ist mehr fotografisch fixiert, Captain Sparrow, dem "Fluch der Karibik" entsprungen. Marilyn in allen Posen, die wir von ihr kennen, bis zur verfremdenden Verzerrung ins Transvestitenhafte, was ihre Existenz ja auch von ihr verlangte - Verkleidung und Überbetonung.

Ein Besuch im Haus des Bürgers, der sich lohnen wird für Betrachter, die der Kunst und ihren Mitteln gegenüber aufgeschlossen sind und keine feine Porzellanmalerei erwarten. Großformatige farbintensive, sinnliche und expressive Werke wollen betrachtet werden.