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Sonntag, 15. März 2026

1817-1820: Die Draissche Laufmaschine als Vorbote des Fahrrads - eine Geschichte

Baron Karl von Drais Laufmaschine vor dem Mannheimer Schloss


Der Nachmittag lag warm und golden über der Chaussee zwischen Schwetzingen und Mannheim, als Karl von Drais mit seiner Laufmaschine durch die Kurpfalz dahinglitt. Der Fahrtwind brachte ihm jene Klarheit, die er nur beim Fahren empfand – eine Klarheit, die ihn von der Welt entfernte und zugleich näher zu sich selbst führte.

Doch diesmal war er nicht allein. Eine Kutsche stand am Wegesrand, die Pferde unruhig, der Kutscher ratlos. Und neben dem Wagen – die Hände in die Hüften gestemmt, als wolle sie dem Universum persönlich die Meinung sagen – stand eine Frau, deren Präsenz die Atmosphäre veränderte.


Antoinette Girard

Keine Adlige, kein Komet aus höfischen Sphären – sondern eine junge Straßburger Händlerin, unterwegs nach Heidelberg, mit einer Stimme wie frisch geschliffenes Glas und einem Blick, der alles erfasste, was sich lohnte. Nicht klassisch schön, aber anziehend auf jene Art, die aus Lebenserfahrung, Witz und einer gewissen Furchtlosigkeit entsteht.

Sie musterte die Laufmaschine mit einem Ausdruck, der zugleich neugierig, belustigt und herausfordernd war. „Sie müssen der Herr sein, der mit diesem Ding schneller ist als ein Postreiter“, sagte sie, ohne jede Förmlichkeit.

„Karl von Drais“, erwiderte er und verneigte sich leicht.

„Antoinette Girard“, stellte sie sich vor. „Ich bin mit Waren unterwegs nach Heidelberg, aber unser Rad hat beschlossen, sich in zwei Teile zu verabschieden.“ Sie deutete auf die Kutsche. „Und da dachte ich mir: Wenn Sie schon so ein Wunderwerk fahren, vielleicht können Sie auch ein Kutschenrad beurteilen.“

Drais lächelte. „Ich kann es versuchen.“

Doch bevor er sich der Kutsche zuwandte, umrundete sie die Laufmaschine – langsam, prüfend, mit dem Blick einer Frau, die gewohnt war, Dinge anzufassen, zu reparieren, zu verhandeln. „Also das hier“, sagte sie und tippte mit zwei Fingern gegen den Lenker, „ist eine feine Sache. Aber zu niedrig.“

„Zu niedrig?“

„Für Frauen.“ Sie sah ihn an, als sei das die offensichtlichste Erkenntnis der Welt. „Wenn Sie wollen, dass Ihre Erfindung sich durchsetzt, müssen Sie die andere Hälfte der Menschheit auch mitdenken.“

Drais blinzelte. Nicht wegen der Idee – sondern wegen der Selbstverständlichkeit, mit der sie sie aussprach. „Eine Frau auf einer Laufmaschine?“, fragte er.

„Warum denn nicht?“ Sie trat näher, und er roch den Duft von Leder, Seife und einem Hauch Lavendel. „Ich trage Säcke, ich handle mit Männern, die doppelt so groß sind wie ich, und ich fahre Kutschen, wenn’s sein muss. Glauben Sie wirklich, ich könnte nicht laufen und gleiten zugleich?“

Er musste lachen. „Ich glaube, Madame, Sie könnten alles.“

„Dann bauen Sie eine, die auch für uns taugt“, sagte sie. „Eine, die nicht nur für Herren mit zu viel Zeit und zu wenig Fantasie gemacht ist.“

Etwas in ihm vibrierte – nicht romantisch, nicht sehnsüchtig, sondern geistig. Sie sprach nicht wie eine Dame aus einem Salon. Sie sprach wie jemand, der wusste, was möglich ist, wenn man es einfach tut.

Die Kutsche wurde wieder flottgemacht. Antoinette stieg ein, doch bevor sie die Tür schließen ließ, beugte sie sich noch einmal vor. „Wenn Sie nach Heidelberg kommen – suchen Sie mich. Ich will sehen, ob Sie’s ernst meinen.“ Die Tür fiel zu. Die Pferde setzten sich in Bewegung. Die Kutsche wurde kleiner, der Staub legte sich. Und sie war fort.

Nicht wie ein Komet – aber wie ein Funke, der ins Stroh fällt und etwas entzündet, das man nicht mehr löschen kann. Drais blieb stehen, die Hände am Lenker. Er wusste: Vielleicht würde er sie nie wiedersehen. Aber das spielte keine Rolle. Denn sie hatte etwas in ihm ausgelöst, das niemand zuvor berührt hatte: den Gedanken, dass seine Erfindung nicht nur nützlich sein konnte – sondern bedeutend.

Noch am selben Abend stand er in seiner Werkstatt. Die Luft roch nach Holz, Leim und Eisen. Doch diesmal sah er seine Laufmaschine anders. Nicht als technische Herausforderung, sondern als Möglichkeit. Er begann zu skizzieren. Ein höherer Lenker. Ein leichterer Rahmen. Eine Maschine, die nicht nur gefahren, sondern auch geführt wird.

Und während er arbeitete, hörte er ihre Stimme:
„Warum denn nicht?“
„Sie unterschätzen uns.“
„Bauen Sie eine, die auch für uns taugt.“

Er arbeitete nicht für eine Gräfin. Nicht für die Gesellschaft. Sondern für eine Idee, die Antoinette Girard, eine Händlerin, in ihm entzündet hatte. Eine Idee, die ihn nicht mehr losließ.

Die Tage nach der Begegnung mit Antoinette Girard vergingen wie im Rausch. Drais arbeitete, als hätte jemand eine unsichtbare Feder in ihm gespannt. Er schlief wenig, aß kaum, und wenn er sprach, dann nur mit sich selbst oder mit den Linien seiner Skizzen.

Doch etwas war anders als zuvor. Er arbeitete nicht mehr nur an einer Maschine. Er arbeitete an einer Idee. Und diese Idee hatte eine Stimme. Eine Stimme mit Straßburger Klang, warm und direkt: „Wenn Sie wollen, dass Ihre Erfindung sich durchsetzt, müssen Sie uns mitdenken.“


1818 – Die ersten Verbesserungen

Im Frühjahr 1818 stand die erste überarbeitete Laufmaschine vor ihm. Sie war leichter, eleganter, mit einem etwas höheren Lenker, ausreichend Sattel, besser ausbalanciert und – ohne dass er es laut aussprach – für kleinere Körper geeignet.

Er wusste, dass er damit etwas tat, was noch niemand bedacht hatte: Er baute eine Maschine, die nicht nur für Männer gemacht war. Als er sie zum ersten Mal auf die Straße schob, spürte er eine seltsame Mischung aus Stolz und Nervosität.

Er dachte an Antoinette. Ob sie wohl lachen würde? Oder staunen? Oder beides?


Die ersten neugierigen Blicke

In Mannheim blieb er nicht unbemerkt. Die Menschen kannten ihn inzwischen – den „Laufmaschinen‑Baron“, wie manche spöttisch sagten. Doch diesmal war etwas anders. Eine Gruppe junger Frauen, die vom Markt kamen, blieb stehen.

„Ist das die Maschine, von der man spricht?“, fragte eine. „Die, die schneller ist als ein Pferd?“, fragte eine andere.

Drais nickte – und zum ersten Mal in seinem Leben fragte er nicht, ob sie zusehen wollten. Er fragte: „Möchten Sie es ausprobieren?“ Die Frauen sahen sich an, überrascht, verlegen, dann wieder neugierig.

Schließlich trat eine vor – eine Schneiderstochter, kaum zwanzig. „Ich kann’s ja mal versuchen“, sagte sie und lachte. Sie setzte sich auf den Sattel, unsicher, aber entschlossen. Drais hielt die Maschine, erklärte kurz die Balance – und dann lief sie los.

Unsicher zuerst. Dann schneller. Dann mit einem Lachen, das über die Straße hallte. Die anderen Frauen klatschten. Ein paar Männer schüttelten die Köpfe. Ein alter Herr murmelte etwas von „Unsinn“ und „Weiberkram“. Doch Drais sah nur eines: Es funktionierte. Die Maschine trug sie. Und sie trug sie gut.

Noch am selben Abend erzählte die Schneiderstochter im Gasthaus davon. Am nächsten Tag probierte eine Bäckerin die Maschine aus. Dann eine Kaufmannsfrau. Dann eine junge Witwe. Nicht viele. Nicht öffentlich. Aber genug, dass Drais begriff: Die Zukunft seiner Erfindung lag nicht nur in den Händen der Männer.


Die Reise nach Heidelberg

Einige Wochen später machte er sich auf den Weg nach Heidelberg – mit der verbesserten Maschine und einem Gedanken, der ihn nicht losließ. Vielleicht würde er Antoinette wiedersehen. Vielleicht würde sie die Maschine ausprobieren. Vielleicht würde sie ihm sagen, ob er auf dem richtigen Weg war. Doch selbst wenn nicht – sie hatte etwas in ihm ausgelöst, das größer war als eine Begegnung.

Sie hatte ihm gezeigt, dass eine Erfindung erst dann Bedeutung hat, wenn sie Menschen erreicht, die bisher übersehen wurden.

In Frankreich – das wusste er inzwischen – hatten Mechaniker bereits begonnen, leichtere Damenmodelle zu bauen. In England erschienen Karikaturen von Frauen auf "Draisinen". Und in Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe flüsterte man bereits: „Habt ihr gehört? Eine Frau ist damit gefahren.“

Es waren nur wenige. Es war nur ein Anfang. Aber es war ein Anfang. Und Drais wusste, die Idee, die Antoinette in ihm entzündet hatte, könnte Erfolg haben.


Wiedersehen auf dem Markt

Der Weg nach Heidelberg führte Drais durch Dörfer und Felder, bis er schließlich den Marktplatz erreichte. Es war einer dieser lebendigen Vormittage, an denen Händler riefen, Kinder lachten und der Duft von frischem Brot und Pferden in der Luft lag. Zwischen den Ständen drängten sich Menschen, Körbe, Karren – und irgendwo in diesem Gewirr hoffte er, eine Stimme wiederzuerkennen.

Er schob seine verbesserte Laufmaschine vorsichtig durch die Menge. Und dann hörte er sie.
„Nein, das ist zu teuer, und das wissen Sie ganz genau! Ich kaufe Ihnen doch nicht den halben Rhein ab!“ Er musste lächeln. Antoinette Girard. Sie stand an einem Stand mit Stoffballen, die Hände in die Hüften gestemmt, den Händler mit einer Mischung aus Spott und Verhandlungskunst in die Knie zwingend. Als sie sich umdrehte, sah sie ihn – und ihr Gesicht veränderte sich sofort.

„Baron von Drais!“, rief sie, als hätte sie einen alten Freund entdeckt. „Oder soll ich sagen: der Mann, der mir eine bessere Maschine versprochen hat?“ Er verneigte sich leicht. „Ich habe Wort gehalten.“

Er schob die Laufmaschine ein Stück vor. Antoinettes Augen weiteten sich – nicht überrascht, sondern erfreut, fast stolz, als hätte sie selbst daran mitgearbeitet. „Sie haben den Lenker erhöht“, stellte sie fest. „Und den Rahmen erleichtert. Und die Balance verbessert.“

Sie ging um die Maschine herum, prüfend, wie damals an der Chaussee. „Sie haben tatsächlich zugehört.“
„Ich habe gelernt“, sagte Drais.
Sie lachte – ein warmes, freies Lachen, das einige Marktbesucher neugierig werden ließ. „Dann lassen Sie mich sehen, ob sie hält, was Sie versprechen.“

Bevor er etwas sagen konnte, hatte sie schon den Rock leicht gerafft, den Fuß auf den Boden gesetzt und sich mit einer Selbstverständlichkeit auf den Sattel geschwungen, die einige Frauen erschrocken und einige Männer empört dreinblicken ließ.

„Halten Sie kurz fest“, sagte sie. Er tat es – doch kaum hatte sie die Balance gefunden, stieß sie sich ab. Sie fuhr. Unsicher für einige Herzschläge. Dann sicherer. Dann mit einer Geschwindigkeit, die den Markt kurz verstummen ließ. Ihr Lachen hallte über den Platz, hell und ungebändigt. „Das ist ja wunderbar!“, rief sie, während sie eine Runde um die Brunnenkante zog. „Leicht wie ein Tanz!“ Kinder liefen hinter ihr her. Frauen sahen ihr nach – einige mit Neugier, andere mit einem Funken Mut. Ein alter Mann murmelte etwas von „neuer Zeit“, aber ohne Groll.

Antoinette bremste, stieg ab und stellte die Maschine vor Drais ab, als wäre sie ein Pferd, das sie gerade eingeritten hatte. „Sie haben es geschafft“, sagte sie. „Das ist nicht nur eine Maschine. Das ist Freiheit.“ Drais spürte, wie sich etwas in ihm löste – ein Knoten, den er nicht bemerkt hatte. „Sie waren der Grund, warum ich weitergedacht habe.“

„Dann denken Sie weiter“, sagte sie und legte ihm kurz die Hand auf den Arm. „Denn wenn Frauen das fahren können – dann kann es jeder.“ Sie sah sich um, als würde sie den Markt mit neuen Augen betrachten. „Und glauben Sie mir: Die Welt ist bereit dafür. Auch wenn sie es noch nicht weiß.“

Drais nickte. Er wusste, dass sie recht hatte.  


Antoinette und Drais fahren gemeinsam

Der Markt hatte sich wieder beruhigt, doch die Menschen warfen noch immer verstohlene Blicke auf Antoinette – die Frau, die gerade auf einer Laufmaschine gefahren war, als sei es das Natürlichste der Welt. Antoinette selbst stand da, die Hände auf den Hüften, die Wangen gerötet, die Augen glänzend. „Also, Baron“, sagte sie, „wenn das kein Fortschritt ist, dann weiß ich auch nicht.“

Drais lächelte. „Es freut mich, dass sie Ihnen gefällt.“

„Gefallen?“ Sie schnaubte belustigt. „Ich will noch eine Runde.“ „Dann fahren wir zusammen“, sagte er, ohne lange nachzudenken. Sie hob eine Augenbraue. „Zusammen?“
„Warum nicht?“, erwiderte er – und merkte, dass er ihre eigenen Worte benutzte. Antoinette lachte. „Na schön. Aber wenn ich zu dicht aufrücke, erzählen Sie’s niemandem.“ „Ich werde schweigen wie ein Grab.“
Sie stellte sich neben ihn, und gemeinsam schoben sie die Laufmaschine an den Rand des Marktes, wo der Weg breiter wurde und die Menge sich lichtete. Ein paar Kinder folgten ihnen, neugierig wie Spatzen. „Bereit?“, fragte Drais und schwang sich auf die Maschine. „Ich bin immer bereit“, sagte Antoinette und schwang sich hinten auf den Sattel.
Zuerst rollten sie langsam, um die Balance zu halten. Antoinette war konzentriert, aber nicht ängstlich –  der Platz auf dem Sattel war nicht gerade groß. Sie hielt sie sich einfach an seinen Hüften fest, mit diesem natürlichen Gefühl für Bewegung, das man nicht lernen konnte. Drais lief ein Prickeln den Rücken hinunter, er kam sich geradezu revolutionär vor. Nach ein paar Metern wurde ihr Haltung besser, ihr Rücken aufrechter, ihr Lächeln breiter. „Das ist ja herrlich!“, rief sie.

„Sie machen das ausgezeichnet“, sagte Drais. „Ich mache alles ausgezeichnet, wenn man mich lässt.“ Sie half ein wenig mit den Füßen, und er passte sich an. Die beiden glitten über den Weg, im Gleichschritt sozusagen, vorbei an Ständen, an erstaunten Gesichtern, an einem Hund, der bellend hinterherlief. Die Sonne lag warm auf ihren Schultern, und für einen Moment schien die Welt stillzustehen – nur das rhythmische Stoßen ihrer Schritte und das sanfte Rollen der Räder war zu hören.

„Sehen Sie?“, rief Antoinette. „Das ist Freiheit!“ „Ja“, sagte Drais. „Das ist sie.“

Sie fuhren eine kleine Schleife um den Brunnen, und als sie zum Stehen kamen, atmete Antoinette tief ein, als hätte sie gerade etwas Großes begriffen. „Baron“, sagte sie, „wenn Frauen das fahren können – dann wird die Welt sich ändern.“ „Ich hoffe es“, antwortete er. „Nicht hoffen“, sagte sie und tippte ihm gegen die Schulter. „Bauen. Weiterbauen.“ 

Er nickte. „Das werde ich machen.“ Sie stieg mit einem Aufsehen erregenden Schwung ab, stellt sich an sein Seite und sah ihn an – nicht bewundernd, nicht schmeichelnd, sondern mit diesem klaren, direkten Blick, der ihn schon an der Chaussee getroffen hatte. „Und wenn Sie wieder in Straßburg sind“, sagte sie, „bringen Sie mir eine eigene Laufmaschine mit.“ „Das verspreche ich.“
Sie grinste. „Gut. Denn ich habe vor, die Erste zu sein, die damit durch die Altstadt fährt.“

Drais lachte – und wusste, dass sie es ernst meinte. Und während sie gemeinsam die Maschine zurück zum Markt und Brunnen schoben, spürte er, dass dies nicht nur eine Probefahrt gewesen war. Es war ein Vorgeschmack auf etwas Größeres. Etwas, das er selbst noch nicht ganz greifen konnte. Aber Antoinette konnte es. Sie sah die Welt, wie sie sein könnte – und er begann, sie mit ihren Augen zu sehen.


Der Geschmack von Freiheit

Die Sonne stand hoch, der Platz war voller Stimmen, Menschen schauten zu ihnen herüber, und zwischen ihnen entstand eine kleine Insel der Ruhe.

Antoinette strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Wissen Sie, Baron… ich glaube, Sie haben etwas geschaffen, das größer ist als Sie selbst.“ „Das hoffe ich“, sagte Drais. „Aber ich fürchte, nicht jeder sieht das so.“ Sie lachte trocken. „Oh, das sehe ich. Die Blicke eben? Die Hälfte der Leute war empört, dass ich selbst und mit Ihnen gefahren bin. Die andere Hälfte war empört, dass Sie mich fahren ließen.“ „Einige Adlige halten die Laufmaschine für eine Gefahr“, sagte Drais. „Nicht wegen der Geschwindigkeit. Sondern wegen der Idee dahinter.“ „Weil sie Menschen unabhängig macht“, ergänzte Antoinette.

Er nickte. „Ein Mensch, der sich selbst fortbewegen kann, ohne Pferd, ohne Kutsche, ohne Diener…, das ist ein freier Mensch.“ „Und freie Menschen sind schwerer zu regieren“, sagte sie mit einem spitzbübischen Funkeln. Drais sah sie an. „Sie sprechen von Demokratie.“ „Ich spreche von Gleichberechtigung“, erwiderte sie. „Demokratie ist nur ein anderes Wort dafür, dass niemand über anderen steht, nur weil er in einem besseren Bett geboren wurde.“ Er schwieg einen Moment. „Sie wissen, dass solche Gedanken gefährlich sein können.“ „Nur für die, die Angst vor ihnen haben.“

Sie setzte sich auf den Brunnenrand, die Hände locker im Schoß. „Ich komme aus Straßburg. Wir haben Revolutionen gesehen, Barrikaden, Hunger, Hoffnung. Wir haben erlebt, wie Menschen aufstanden – und wie andere sie wieder niederdrückten. Aber eines habe ich gelernt: Freiheit ist wie Wasser. Man kann sie stauen, aber nicht für immer.“

Drais setzte sich neben sie. „Ich habe nie über Politik nachgedacht. Ich wollte nur etwas bauen, das funktioniert.“
„Und jetzt bauen Sie etwas, das verändert.“
Er sah auf seine Hände, die noch leicht vom Fahren zitterten. „Ich wollte nie ein Revolutionär sein.“
„Das müssen Sie auch nicht“, sagte Antoinette. „Manchmal reicht es, eine Idee zu haben, die andere weiterträgt.“ Sie deutete auf die Laufmaschine. „Das hier ist mehr als Holz und Eisen. Es ist ein Werkzeug. Für Bewegung. Für Freiheit. Für Menschen, die bisher nur laufen konnten, wohin andere sie ließen.“
Drais sah sie an. „Sie meinen Frauen.“
„Frauen. Kinder. Alte Menschen. Händlerinnen wie ich. Leute ohne Pferd, ohne Geld, ohne Namen.“ Sie lächelte schief. „Ja, vor allem Frauen. Wir sind die Hälfte der Welt, Baron. Aber man behandelt uns, als wären wir ein lästiger Anhang.“
„Ich habe nie darüber nachgedacht“, sagte er leise.
„Dann fangen Sie an.“ Sie stand auf, ging zu der Laufmaschine und legte die Hand auf den Lenker. „Wenn Sie wollen, dass Ihre Erfindung Zukunft hat, dann muss sie für alle sein. Nicht nur für Männer mit Titeln.“
„Sie sprechen mutig.“
„Ich spreche wahr.“
Er trat zu ihr. „Und wenn die Adligen sich empören? Wenn die Bürger protestieren? Wenn man mich einen Narren nennt?“
Antoinette zuckte mit den Schultern. „Dann wissen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind.“
Er musste lachen. „Sie machen es mir leicht.“
„Nein“, sagte sie. „Ich mache es Ihnen klar.“ Sie sah ihn an, ernst und warm zugleich. „Die Zukunft gehört nicht denen, die sie fürchten. Sondern denen, die sie bauen.“
Drais spürte, wie sich etwas in ihm festigte – ein Gedanke, der vorher nur ein Gefühl gewesen war.„Dann werde ich weiterbauen.“
„Gut“, sagte Antoinette. „Denn ich habe vor, eines Tages nicht nur über Märkte zu laufen, sondern auch über Grenzen.“
„Mit einer Laufmaschine?“
„Mit der Freiheit...“ Sie lächelte – und in diesem Lächeln lag die ganze Zukunft, die sie meinte.

Antoinette stellte sich noch eine Weile zu der Laufmaschine, als müsse sie sich vergewissern, dass das, was sie gerade erlebt hatte, wirklich geschehen war. Drais sah, wie sie mit den Fingern über den Lenker strich – nicht zärtlich, sondern prüfend, wie jemand, der ein Werkzeug beurteilt, das er bald selbst benutzen will.
„Baron“, sagte sie schließlich, „Sie müssen mir versprechen, dass das nicht das letzte Mal war.“
„Das verspreche ich“, antwortete er. Sie nickte zufrieden. „Gut. Dann sehen wir uns in Straßburg wieder.“
„In Straßburg?“
„Natürlich. Ich bin in zwei Wochen wieder dort. Und wenn Sie mir wirklich eine eigene Maschine bauen wollen – dann bringen Sie sie dorthin.“ Sie sagte es mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Widerspruch zuließ.
Und Drais merkte, dass er gar keinen einlegen wollte. „Wo finde ich Sie?“, fragte er.
„Auf dem Kléberplatz“, sagte sie. „Jeden Markttag. Und wenn Sie mich nicht sehen – fragen Sie nach mir. In Straßburg kennt man mich.“ Sie grinste, schwang ihren Korb über die Schulter und verschwand in der Menge, als hätte sie den Wind im Rücken. Drais blieb zurück – mit einer Idee, die größer war als er selbst, und einem Ziel, das plötzlich klar vor ihm lag.


Der Auftritt in Straßburg

Drais hielt sein Versprechen. Zwei Wochen nach ihrer Begegnung in Heidelberg stand er vor seiner Werkstatt, während zwei Knechte die neue Laufmaschine und seine eigene vorsichtig in eine Reisekutsche hoben. Das Modell war leichter, eleganter und stabiler als alle vorherigen – und es war unübersehbar für Antoinette gebaut.

Die Reise nach Straßburg dauerte zwei Tage. Die Kutsche holperte über Landstraßen, durch Wälder und über Brücken, während Drais immer wieder prüfte, ob die Maschinen sicher verzurrt waren. Er wollte nicht riskieren, dass auch nur ein Kratzer die erste Fahrt trübte.

Als er schließlich die Stadt erreichte, war alles voller Menschen. Er kam in die Nähe des Kléberplatzes, aber nicht weiter und fand sie auch nicht leicht. Händler riefen, Kinder liefen, und mitten im Gewimmel stand plötzlich Antoinette – die Hände in die Hüften gestemmt, als hätte sie gewusst, dass er genau in diesem Moment eintreffen würde.

„Baron!“, rief sie und kam ihm entgegen. „Sie sind endlich da!“

Als Drais die Plane der Kutsche zurückschlug und die neue Laufmaschine sichtbar wurde, blieb Antoinette wie angewurzelt stehen. Einen Moment lang sagte sie nichts. Ihre Augen wanderten über den Rahmen, den höheren Lenker, die glatten Linien – und dann wieder zu ihm.

„Baron…“, begann sie, doch ihre Stimme versagte kurz. Sie trat einen Schritt näher. Dann noch einen.
Ihre Hand glitt über das Holz, prüfend, fast ehrfürchtig. „Sie haben sie wirklich gebaut“, sagte sie leise. „Für mich.“

Drais nickte. „Ich habe mein Wort gehalten.“

In diesem Augenblick brach etwas in ihr auf – eine Mischung aus Überraschung, Stolz und einer Freude, die sie nicht zurückhalten konnte. Sie lachte, hell und frei, und bevor Drais überhaupt reagieren konnte, war sie schon bei ihm. Sie warf die Arme um ihn. Nicht zaghaft. Nicht zögerlich. Sondern mit der ganzen Kraft eines Menschen, der selten etwas geschenkt bekommt – und es umso mehr zu schätzen weiß. Drais erstarrte einen Herzschlag lang, überrascht von der Unmittelbarkeit dieser Geste, die er beim gemeinsamen Verwenden des Laufrades in Heidelberg schon spürte. Dann entspannte er sich, legte vorsichtig eine Hand an ihren Rücken, unsicher, aber bewegt.

„Danke“, sagte sie in seine Schulter. „Wirklich… danke.“

Als sie sich löste, war ihr Blick warm und lebendig, ihre Wangen gerötet, ihr Lächeln so strahlend, dass es den ganzen Kleberplatz bei Nacht hätte erhellen können. „Baron von Drais“, sagte sie, „Sie haben mir ein Stück Freiheit gebracht. Und ich werde Ihre Maschine fahren, bis ganz Straßburg es gesehen hat.“

Sie griff nach dem Lenker ihrer neuen Laufmaschine – und diesmal war es nicht nur ein prüfender Blick. Es war der Blick einer Frau, die wusste, dass ihr Leben gerade tiefer und weiter geworden war.  

Zum Klang der Glocken vom Straßburger Münster, dem Duft von frischem Brot und dem Stimmengewirr eines Marktes, der größer war als jeder, den Drais bisher gesehen hatte, führte Antoinette ihn durch die engen Gassen, vorbei an Händlern, die sie mit einem Nicken begrüßten, und Kindern, die ihr nachliefen wie einer älteren Schwester.

„Hier“, sagte sie schließlich und blieb auf dem großen Platz vor dem Münster stehen. „Wenn wir die Leute überzeugen wollen – dann hier.“

Drais sah sich um. Der Platz war voll Händler, Bürger, Studenten, Reisende. Ein idealer Ort für eine Vorführung. Ein gefährlicher Ort auch. „Sind Sie sicher?“, fragte er.

„Baron“, sagte Antoinette und klopfte ihm auf die Schulter, „wenn wir es hier schaffen, schaffen wir es überall.“ Sie stellte ihre Laufmaschine in die Mitte des Platzes. Ein paar Köpfe drehten sich. Ein paar Stimmen wurden leiser. Dann trat Antoinette vor. 

„Mesdames et Messieurs!“, rief sie mit einer Stimme, die selbst die Tauben auf dem Münsterdach aufhorchen ließ. „Heute sehen Sie etwas völlig Neues. Etwas, das die Welt verändern wird.“

Drais spürte, wie sich die Menschen versammelten. Neugier. Skepsis. Spannung. Antoinette setzte sich auf die Laufmaschine – mit derselben Selbstverständlichkeit wie damals auf dem Markt in Heidelberg.

Ein Raunen ging durch die Menge. „Eine Frau?“, murmelte jemand. „Das ist doch Unsinn“, sagte ein anderer. „Das ist gefährlich!“, rief eine ältere Dame. Doch Antoinette lächelte nur. „Gefährlich ist nur die Angst vor dem Neuen.“ Sie stieß sich ab.

Und der Platz hielt den Atem an. Sie fuhr eine Runde um den Brunnen, dann eine zweite, schneller, sicherer. Ihr Rock wehte, ihr Lachen hallte über den Platz. Kinder jubelten. Frauen klatschten. Männer riefen erstaunt. Drais sah, wie sich die Stimmung veränderte – von Skepsis zu Staunen, von Staunen zu Begeisterung. Doch nicht bei allen. Eine Gruppe von Männern in dunklen Mänteln, Bürger, Kaufleute, zwei Adlige rumorten. Ihre Gesichter waren hart, ihre Augen schmal.

„Das ist ein Skandal“, sagte einer.
„Eine Frau auf so einem Gerät – das ist gegen die Ordnung.“
„Das ist Revolution“, knurrte ein anderer. „Und Revolution beginnt immer mit solchen Kleinigkeiten.“
Sie traten vor. „Hören Sie sofort auf!“, rief einer der Adligen. „Das ist unanständig!“

Antoinette bremste, stieg ab – und sah ihnen entgegen wie jemand, der sich nicht einschüchtern lässt. „Unanständig?“, fragte sie. „Weil ich fahre? Oder weil ich etwas kann, das Sie nicht können?“
Ein empörter Aufschrei ging durch die Gruppe.
„Sie gefährden die öffentliche Ordnung!“, rief ein Bürger.
„Sie verführen die Jugend!“, rief ein anderer.
„Sie untergraben die natürliche Ordnung zwischen Mann und Frau!“, rief der Adlige.
Antoinette verschränkte die Arme. „Die natürliche Ordnung? Ich sehe hier nur Männer, die Angst haben.“
Die Menge begann zu murmeln – einige zustimmend, andere nervös.
Der Adlige wurde rot. „Ich werde die Polizei holen!“
„Tun Sie das“, sagte Antoinette ruhig. „Ich habe nichts getan außer fahren.“
Die Männer stoben auseinander, um die Wache zu holen.

Drais trat zu ihr. „Antoinette… vielleicht sollten wir—“
„Nein“, sagte sie. „Jetzt nicht zurückweichen. Nicht heute.“
Sie stellte sich neben die Laufmaschine, als wäre sie ein Banner.

Die Menge wuchs. Einige klatschten. Einige riefen „Encore!“
Einige schüttelten die Köpfe.

Dann kamen die Polizisten. Zwei Gendarmen bahnten sich einen Weg durch die Menge. Der Adlige folgte ihnen triumphierend.
„Diese Frau“, sagte er laut, „hat die öffentliche Ordnung gestört und sich eines unweiblichen Verhaltens schuldig gemacht.“
Der Hauptmann sah Antoinette an.
Dann sah er die Laufmaschine.
Dann sah er die Menge.

„Madame“, sagte er schließlich, „haben Sie jemanden verletzt?“
„Nein.“
„Haben Sie Eigentum beschädigt?“
„Nein.“
„Haben Sie gegen ein Gesetz verstoßen?“
Antoinette lächelte. „Nicht dass ich wüsste.“
Der Hauptmann wandte sich an den Adligen. „Monsieur, es gibt kein Gesetz gegen das Fahren einer… wie nennen Sie das?“
„Laufmaschine“, sagte Drais.
„Einer Laufmaschine“, wiederholte der Hauptmann. „Und es gibt kein Gesetz, das Frauen verbietet, sich fortzubewegen.“

Die Menge lachte.
Der Adlige wurde noch röter. „Aber das ist…, das ist…“, stammelte er.
„Neu“, sagte der Hauptmann. „Und das ist nicht verboten.“

Er wandte sich an Antoinette. „Madame, fahren Sie vorsichtig.“
„Immer“, sagte sie und verneigte sich leicht.
Die Gendarmen gingen.
Der Adlige blieb zurück, besiegt, aber nicht überzeugt.

Doch die Menge – die Menge war gewonnen. Jemand begann zu klatschen. Dann noch jemand. Dann der ganze Platz.

Antoinette stand da, die Hände an der Laufmaschine, und nahm den Applaus entgegen wie jemand, der wusste, dass er gerade etwas Bedeutendes getan hatte.

Drais trat neben sie. „Sie haben Geschichte geschrieben“, sagte er leise. „Nein“, sagte Antoinette. „Wir haben Geschichte geschrieben.“ Und sie nahm ihn einfach an der Hand.

Und in diesem Moment glaubte Drais, dass seine Erfindung nicht mehr aufzuhalten war.
Nicht wegen ihm. Sondern wegen Menschen wie ihr. Aber leider irrte er. Die Gegner nahmen zu, und ab 1920 verschwand die Laufmaschine/Draisine weitgehend aus dem öffentlichen Straßenbild. Sie wurde vielerorts verboten wegen Unfällen, Spott, politischen Unruhen, galt als Modeerscheinung der Jahre 1817–1820. Sie war zu schwer, unbequem und ohne Pedale – ein Spielzeug der frühen  Mobilitätsgeschichte. Ab den 1830ern kamen neue technische Entwicklungen auf, z. B. Tretkurbel‑Experimente, Hochräder, und um 1850 war diese Draisine (nicht zu verwechseln mit den vierrädrigen Schienenfahrzeugen, die mit Muskelkraft oder Motor angetrieben werden) ein äußerst seltenes Verkehrsmittel. Aber Karl von Drais hatte das Zweirad verwirklicht und den Grundstein für die heutigen Fahrräder gelegt.

(Copyright Text: Stefan Vieregg M.A.)



Sonntag, 4. August 2019

Reisebilder Europa: S T R A S B O U R G






Aus einer frühen gallischen Siedlung 1200 v. Chr. über einen militärischen Außenposten der römischen Provinz Germania superior um 12 v. Chr. und Besitznahme durch die Alemannen, Hunnen und Franken im 6. Jahrhundert zu einer Stadt, wo Althochdeutsch gesprochen wurde, aber auch Altfranzösisch und Latein. Im 9. Jahrhundert fanden hier die Straßburger Eide statt. Eine Vorgängerkirche des Münsters stand schon zu dieser Zeit. Im Mittelalter war Straßburg eine freie Reichstadt im Bund des
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Im 12. Jahrhundert begann der Bau des Münsters, das den höchsten Kirchturm der Welt bis 1874 hatte. Noch heute hat die Kathedrale einen der höchsten Kirchtürme der Welt.
Die Familien Müllenheim und Zorn waren die Oligarchen des 14. Jahrhunderts und leisteten sich Straßenschlachten! Judenverfolgungen und Pogrome fanden wiederholt statt.
Im 16. Jahrhundert fanden Buchdruck und Gelehrtentum Einzug. Im 17. Jahrhundert nahm Ludwig der XIV. Straßburg ein. Es war zwar französisch, aber dennoch zollrechtlich Ausland. Mit dem Reich hatte es Zollunion. Es wurde Deutsch weitergesprochen. Zeitweise gab es sogar zwei Währungen. Im 18. Jahrhundert studierte Goethe in Straßburg. J.M.R. Lenz und G. Herder lebten hier. Die französische Revolution lockte vor allem deutsche Republikaner an.
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde Straßburg Treffpunkt und Exil für deutsche Oppositionelle und Revolutionäre, wie z.B. Georg Büchner. 1870 verlor Straßburg durch deutschen Beschuss seine wertvolle Stadtbibliothek, sein Stadtmuseum und wurde nach Kapitulation deutsch. Das bescherte Straßburg ein starkes wirtschaftliches und kulturelles Wachstum, eine zweite wilhelminische Universität wurde errichtet, der Jugendstil prägte den Süden der Stadt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Stadt nach einem kommunistischen Intermezzo wieder französisch, ein Unabhängigkeitsversuch als Hauptstadt von Elsaß-Lothringen missglückte sofort. 1940 wurde das Elsaß wieder an Deutschland angeschlossen, die Maginot-Abwehrlinie ohne jeden weiteren Einsatz.
Straßburg war zu diesem Zeitpunkt mit Umland komplett geräumt und menschenleer. Bei der Rückkehr gab es Probleme für Juden, Franzosen sowie andere Nationalitäten.
Die Deutschen ließen nur Elsässer zurück in die Stadt. 1944 wurde die Stadt von US-Truppen und der in vier Jahren neu geschaffenen französischen Armee befreit.
Danach wurde Straßburg wieder französisch und prosperierte weiter.
Seit 1949 hat die Stadt eine europäische Aufgabe: Der Sitz des von Winston Churchill angeregten Europarats befindet sich dort. Seit 1952 ist Straßburg auch Hauptsitz des Europäischen Parlaments. In nächster Zukunft werden Entscheidungen des Europaparlaments eine wichtige Funktion im Zusammenspiel der EU-Länder und der allgemeinen Gesetzeslage einnehmen.
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D'une ancienne colonie gauloise en 1200 av. J.-C. à un avant-poste militaire de la province romaine de Germanie supérieure vers 12 av. J.-C. et la possession par les Alemanns, Huns et Francs au 6ème siècle à une ville où le vieil allemand a été parlé, mais aussi Vieux Français et latin. Au IXe siècle, les serments de Strasbourg y ont eu lieu. Une église de prédécesseur de la cathédrale était déjà debout à ce moment-là. Au Moyen Age, Strasbourg était une ville impériale libre dans la Confédération du Saint Empire Romain de la Nation Allemande. Au 12ème siècle, la construction de la cathédrale a commencé, qui avait la plus haute tour de l'église dans le monde jusqu'en 1874. Même aujourd'hui, la cathédrale a l'une des plus hautes tours d'église dans le monde. Les familles de Muellenheim et de Zorn étaient les oligarques du XIVe siècle et se sont battues ! La persécution des Juifs et des pogroms a eu lieu à plusieurs reprises. Au XVIe siècle, l'impression et l'érudition jalonnent. Au XVIIe siècle, Louis XIV prend Strasbourg. C'était Français, mais toujours étranger dans les douanes. Avec l'Empire, il a eu l'union douanière. L'allemand a été encore parlé.
Parfois, il y avait même deux monnaies.
Au XVIIIe siècle, Goethe étudie à Strasbourg. J.M.R. Lenz et G. Herder vivaient ici.
La révolution Français a attiré principalement les républicains allemands. Au cours des premières décennies du XIXe siècle, Strasbourg est devenue un lieu de rencontre et d'exil pour les opposants et les révolutionnaires allemands, tels que Georg Bàchner. En 1870, Strasbourg perd sa précieuse bibliothèque municipale, son musée urbain, à cause des bombardements allemands et devient allemande après sa reddition. Cela a apporté à Strasbourg une forte croissance économique et culturelle, une deuxième université Wilhelminienne a été créée, l'Art Nouveau a façonné le sud de la ville. Après la Première Guerre mondiale, la ville redevient Français après un intermède communiste, une tentative d'indépendance alors que la capitale de l'Alsace-Lorraine échoue immédiatement. En 1940, l'Alsace est reconnectée à l'Allemagne, la ligne défensive de Maginot sans autre utilisation. Strasbourg a alors été complètement évacuée et désertée. Au retour, il y avait des problèmes pour les Juifs, les Français et d'autres nationalités. Les Allemands ne laissaient que les Alsaciens à la ville. En 1944, la ville a été libérée par les troupes américaines et l'armée Français, qui avait été créée en quatre ans. Après, Strasbourg a Français et prospéré.
Depuis 1949, la ville a une tâche européenne : Le siège du conseil d'Europe incité par Winston Churchill se trouve là. Depuis 1952 Strasbourg est aussi le siège principal du Parlement européen. Dans le prochain avenir, des décisions du Parlement européen prendront une fonction importante dans le jeu d'équipe des pays d'UE et
de la situation de loi générale. ***** From an early Gallic settlement in 1200 BC to a military outpost of the Roman province of Germania superior around 12 BC and possession by the Alemanns, Huns and Franks in the 6th century to a city where Old High German was spoken, but also Old French and Latin. In the 9th century, the Strasbourg oaths took place here. A predecessor church of the cathedral was already standing at that time. In the Middle Ages, Strasbourg was a free imperial city in the Confederation of the Holy Roman Empire of the German Nation. In the 12th century, the construction of the cathedral began, which had the highest church tower in the world until 1874. Even today, the cathedral has one of the tallest church towers in the world. The Müllenheim and Zorn families were the oligarchs of the 14th century and fought street battles! Persecution of Jews and pogroms took place repeatedly. In the 16th century, printing and scholarship staked. In the 17th century Louis the XIV took Strasbourg. It was French, but still foreign in customs. With the Empire it had customs union. German was further spoken. At times, there were even two currencies. In the 18th century Goethe studied in Strasbourg. J.M.R. Lenz and G. Herder lived here. The French Revolution attracted mainly German republicans. In the first decades of the 19th century, Strasbourg became a meeting place and exile for German opponents and revolutionaries, such as Georg Büchner. In 1870, Strasbourg lost its valuable city library, its city museum, due to German shelling and became German after surrender. This brought Strasbourg a strong economic and cultural growth, a second Wilhelminian university was established, the Art Nouveau shaped the south of the city. After the First World War, the city became French again after a communist interlude, an attempt at independence as the capital of Alsace-Lorraine failed immediately. In 1940, Alsace was reconnected to Germany, the Maginot defensive line without any further use. Strasbourg was completely evacuated and deserted at that time.
On the return there were problems for Jews, French and other nationalities. The Germans left only Alsatians back to the city. In 1944, the city was liberated by U.S. troops and the French army,
which had been created in four years. After '44 Strasbourg has been French and prospering.
Since 1949 the town has a European job: The seat of the Council of Europe animated by Winston Churchill is there. Since 1952 Strasbourg is also a head office of the European Parliament. In the next future decisions of the European Parliament will take an important function in the teamwork of the EU countries and the general law situation.

Montag, 2. Dezember 2013

Benefiz-CD: Kardiologe Prof. H. Trappe spielt die Silbermann-Orgel in Straßburg


Ihr Orgelklang verzauberte schon Mozart und Albert Schweitzer
Neue Benefiz-CD für die Deutsche Herzstiftung wurde an weltberühmter Silbermann-Orgel in St. Thomas, Straßburg, eingespielt.

„Über die Maßen herrlich", schwärmte Wolfgang Amadeus Mozart 1789 für den Klang der weltberühmten Silbermann-Orgeln. Mit der Silbermann-Orgel in der St. Thomaskirche in Straßburg sind vor allem die berühmten Namen Mozart und Albert Schweitzer, Friedensnobelpreisträger, Arzt, Theologe und Organist, verbunden. Beide haben an der von Johann Andreas Silbermann erbauten Orgel gespielt, Schweitzer schrieb 1906: „Es ist eine Wonne, eine Fuge von Bach darauf zu spielen. Ich wüsste keine Orgel, auf der alles so klar und präzise herauskommt."
Nun können sich auch heute Hörer einen Eindruck von diesem einzigartigen Orgelklang-Erlebnis der beiden Berühmtheiten verschaffen. Dazu hat der Herzspezialist Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Professor für Innere Medizin und Kardiologie an der Ruhr-Universität Bochum, und stv. Vorstandvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, auf der Silbermann-Orgel in Straßburg die neue Benefiz-CD „Die Silbermann-Orgel in St. Thomas, Straßburg" (79 Minuten) (www.herzstiftung.de/orgelmusik-strassburg) zugunsten der Deutschen Herzstiftung eingespielt.

Orgelwerke, die den Alltag bereichern
Der Kardiologe und passionierte Organist interpretiert in der neuen Benefiz-CD Meisterwerke berühmter Komponisten, darunter Werke von J. S. Bach und A. Vivaldi, sowie faszinierende Kompositionen von Orgelvirtuosen, Hof- bzw. Kirchenmusikern wie Johann Davkt Heinichen, Jean-Jacques Charpentier, Louis Nkola^Cierambaulturid Claude Daquin sowie des Kantors Christian Gotthilf Tag. „Die eingespielten Orgelwerke wurden auch ausgewählt, um die Klangfülle und Klangpracht der herrlichen Silbermann-Orgel in St. Thomas vorzustellen, die ein großartiges Dokument für ein goldenes Zeitalter des Orgelbaus ist. Diese Meisterwerke bereichern das Leben der Hörer im Alltag", betont Prof. Trappe über seine neue Benefiz-CD.
Der Kardiologe blickt zurück auf eine Reihe von CD-Einspielungen an weltbekannten Orten, u.a. auf der Eisenbarth-Orgel im Passauer Dom, an den Silbermann-Orgeln in Dom und Petrikirche zu Freiberg an der Arp-Schnitger-Orgel in St. Jacobi in Hamburg und an der Cavaille-Coll-Orgel in St. Sulpice in Paris.

Die Benefiz-CD „Die Silbermann-Orgel in St. Thomas, Straßburg" (Gesamtlänge: 79 Minuten) ist für 15 Euro zu bestellen bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main, Tel. 069/955128-0, E-Mail: info@herzstiftung.de, oder unter www.herzstiftung.de/orgelmusik-strassburg 

Der Erlös kommt der Arbeit der Herzstiftung zugute.