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Samstag, 22. Juli 2023

Wie war's in LE VIN HERBÉ von Frank Martin in der OPER FRANKFURT?

v.l.n.r. Juanita Lascarro (Iseut, die Blonde), Jarrett Porter (Herzog Hoël),   
Theo Lebow (Kaherdin) und Rodrigo Porras Garulo (Tristan)
Bildnachweis: Barbara Aumüller

"Le Vin herbé" ist eine Kammeroper in zwölf Szenen und basiert auf der tragischen Liebesgeschichte von Tristan und Isolde. Der Text der Oper wurde von Joseph Bédier verfasst und basiert auf dessen Roman "Roman de Tristan et Iseut". Frank Martin komponierte das Werk zwischen 1938 und 1940. In einer Zeit, die Wagners Tristan und Isolde feierte und ideologisch vereinnahmte, komponierte Frank Martin einen neutralen Tristan, nahe an den literarischen Überlieferungen der Tristan-Saga und quasi als Herausforderung von Richard Wagners Pomp und seinen Interpreten. Martin stellte in seinem Oratorium Solostimmen, ein Vokalensemble, sechs solistische Streicher und Klavier gegen die wagnerische orchestrale Vollbesetzung, vor allem auch mit dessen  Blasinstrumenten (Fagott mit tiefem A, eine Altoboe, eine Bassklarinette, Trompete in C). 

Juanita Lascarro (Iseut, die Blonde; liegend) und
Rodrigo Porras Garulo (Tristan; hockend)

In Frankfurt a.M. wegen Corona erst am 07. Juli 2023 von Tilmann Köhler zur Premiere gebracht, erwartete uns ein großes etwa 10 m hohes und 20 m breites "Regal" in stumpfem Winkel auf der Bühne, in dessen 32 Fächern die Solisten und Chorstimmen agierten, den Platz wechselten und so eine Präsentationsform im Sinne einer dynamisch-vividen Ausstellung verwirklichten. Das Bühnenbild stammt von Karoly Risz, Kostüme von Susanne Uhl. 

Die musikalische Komposition in „Le Vin herbé“ zeigt Frank Martins Meisterschaft in Harmonie und Tonalität, die vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Takeshi Moriuchi, Tokyo, jetzt Frankfurt, sehr adäquat umgesetzt wurde. Der Einsatz reicher Harmonien und Chromatik erzeugt in der gesamten Oper ein Gefühl emotionaler Tiefe und Komplexität. In der Eröffnungsszene beispielsweise spiegeln die dissonanten Akkorde und aufgelösten Harmonien den inneren Aufruhr der Charaktere wider. Diese musikalische Sprache wird durch Martins Wahl der Tonalität noch verstärkt, mit häufigen Modulationen und Tonartenwechseln, die ein Gefühl von Spannung und Vorfreude erzeugen. Neben den harmonischen Elementen tragen auch die melodischen Muster und Motive von „Le Vin herbé“ (Kräutertrank) zu seiner musikalischen Schönheit bei. Martin verwebt gekonnt wiederkehrende melodische Themen durch die Oper und schafft so ein Gefühl der Einheit und des Zusammenhalts. Beispielsweise wird das betörend schöne Liebesthema, das erstmals im Duett zwischen Tristan Rodrigo Porras Garulo (Tristan) und Juanita Lascarro (Iseult, die Blonde) vorgestellt wurde, später in verschiedenen Formen wieder aufgenommen und stellt die dauerhafte Liebe zwischen den beiden Figuren dar. Dieses melodische Motiv dient als roter Faden, der die Oper zusammenhält.

Das Libretto von „Le Vin herbé“ basiert auf der Legende von Tristan und Iseult, einer zeitlosen Geschichte über verbotene Liebe und tragisches Schicksal. Der Librettist Joseph Bédier adaptiert die Geschichte gekonnt für die Oper und fängt die Essenz der Charaktere und ihre komplexen Beziehungen ein. Die emotionale Reise von Tristan und Iseult wird mit Tiefe und Nuancen dargestellt und ermöglicht es dem Publikum, sich in ihre Kämpfe und Konflikte hineinzuversetzen. Besonders hervorzuheben ist die Charakterentwicklung in „Le Vin herbé“. Tristan und Iseult werden als sich verändernde Charaktere dargestellt, jeder mit seinen eigenen Stärken und Schwachstellen. Der sehr überzeugende Tenor Garulo und die reizvolle Sopranistin Lascarro stellen dies ganz hervorragend dar. Durch ihre Interaktionen und Soli werden wir Zeuge ihres Wachstums und ihrer Transformation, während sie die Komplexität ihrer Liebe inmitten gesellschaftlicher Normen, Grenzen und moralischer Dilemmata bewältigen.

Der Kräutertrank, der auch ein Zaubertrank und Gift ist bestimmt das Leben der Menschen, die ihn zusammen trinken. Er ermöglicht unglaublich tiefe Liebe und verheißt auch, dass beide zusammen sterben werden. Was im ersten Akt aufblitzt nach dem ungeplanten Genuss des Getränks, das ursprünglich von Iseults Mutter für ihre Tochter als Braut des Königs Marc (herrschender Bassbariton Kihwan Sim) und den König gedacht war, ist Tristans Vision, dass aus seinem Herz ein Brombeerstrauch wachsen würde, der beide miteinander verbinden würde. Am Ende schließt sich der Kreis. Die Liebenden werden getrennt, Marc heiratet Iseut, Tristan entführt sie, und beide entkommen dem Tod, weil Marc die Reinheit der Liebe zwischen dem schlafenden Paar erkennt und sie verschont. Jahre später hat Tristan seine Iseult 2 (die Weißhändige, konkurrierend die aparte Mezzosopranistin Cecilia Hall) geheiratet, die ihn auch liebt, er aber sinnt nach seiner wirklich Geliebten. In einem Krieg, den er mit und für seinen Freund Kaherdin (Tenor Theo Lebow) führt, wird er von einer vergifteten Lanze getroffen. Er hofft auf die Rückkehr seiner Geliebten, er weiß, dass sie kommen wird, weil er sie hatte rufen lassen, stirbt aber nach der Lüge seiner zweiten Frau, dass Iseut, die Blonde, nicht auf dem Weg sei. Diese kommt aber doch, umarmt den vergifteten Mann und stirbt ebenfalls. König Marc lässt die beiden an der Küste der Normandie begraben. Aus dem Grab Tristans wächst ein Brombeerstrauch über beide Gräber.