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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Samstag, 2. Februar 2013

IKEA-DREAMING (Fantasysatire) ein Auszug von Alfred Franz Dworak


 

"Ikea-Dreaming" (Fantasysatire)


Sonst ging Haberl (55) immer zu Betten Schmid. Aber heute war es endlich soweit, er hatte sich zu etwas Neuem durchgerungen.
Menschenmassen unterschiedlichen Alters, Couleur und Herkunft zwängten sich durch den schmalen Eingang, wie Brösel durch die Verengung der Staubsaugerdüse in das Rohr, wo für sie eine Reise in das Unbekannte zu beginnen schien. Und mittendrin, F. Haberl, auf Anraten der jungen etwas flippigen Studentin Fräulein Hansen. Die war erst kürzlich in sein Haus mit den überteuerten Einzimmerappartements eingezogen.
Vorbei an der Information wurde er mit einem Katalog bestückt und ab ging die Reise im Menschenpulk die Treppe aufwärts. »Fast wie in der U-Bahn«, dachte er sich, nur die Haltestangen und die vertraute Stimme des Zugführers fehlte, um den Eindruck zu komplementieren.
»Aah, die Kinderabteilung ist immer noch net fertig«, schrie eine jüngere Dame mit Kind entsetzt auf. Ließ dabei das Kind los, das wiederum unserem Haberl zwischen die Beine geriet und er haltlos, kopfüber in die Leere der Kinderabteilung stürzte. Während des Fallens, kurz bevor er aufschlug, erkannte er noch ein Schild, das anscheinend am Boden klebte, Tantra – Birke Nachbildung 17 EUR/qm. Im Lager …
 Haberl erwachte, da zwei zerlumpte Kinder an ihm zerrten. Vermutlich von irgendwelchen Eltern vergessen und jetzt zufällig beim Ausräumen der Kinderabteilung wiederentdeckt. Er stand auf, der Schädel brummte, er wollte zurück in den Pulk, der gerade mal einen halben Meter weiter war als zuvor. »Aah, solange war ich doch nicht weg!«
»Hinten anstellen«, schrie ein unfreundlich dreinblickender Zeitgenosse von beachtlicher Größe und stierigem Nacken.
»Lasst ’n no rein!«, besänftigte ihn eine ältere Dame mit Trachtenkleid und bayerischem Akzent, »der war wirklich auch vorher schon vor mir in der Schlange!«
Wieder eingereiht ging es im Rhythmus von Glenn Millers Chatanooga Choo-Choo Richtung Küchenabteilung. Eine Familie, je zur Hälfte vor und auch hinter ihm postiert, drängte in die Küche Lantula. Jäh wurde Haberl mitgerissen.
Vor einem Bild mit glücklichen Ferkeln kam er zum Stillstand. Oberhalb, ein Gemälde des gleichen Malers, mit ein paar Hühnchen drauf, die zufrieden auf der Stange zu gackern schienen.
»Komisch«, grinste Haberl, »wenn die wüssten.«
Und schon wurden die Ferkel und die Hühnchen in ihren Bildern lebendig, sprangen und flatterten aufgeregt in der Küche umher, bis sich automatisch die Türen des Backrohrs und der Mikrowelle öffneten und die Tiere verschlangen. Beide Geräte klingelten, die Türen sprangen genauso automatisch und von Geisterhand auf, wie zuvor. Aber es tanzten Schweinehaxen und Hähnchenkeulen in Cancanart, kross gebraten heraus, zu der Musik Psycho Chicken von den Fools.
Haberl war entsetzt und erstaunt zugleich. Überlegte kurz und dachte sich, »Na und schon!« und wollte sich eine Keule schnappen. Doch alles verschwand, wie vorher gekommen.
»Blödsinn, träume ich!«, kniff die Augen zusammen, rieb auch daran, und als alles so blieb, reihte er sich wieder ein. Da ihn viele seiner Reisebegleiter bereits kannten, ging alles viel reibungsloser als vorher.
»Wohnzimmer, Couchgarnituren, alles aussteigen« … »Heinz-Werner komm!«
Etwas riss ihn am Arm und zerrte ihn auf eine Couch namens Amal, Fridbo blau.
»Ich bin doch Single!«, rebellierte eine innere Stimme in ihm heftig.
Jetzt erkannte die Frau ihren Fehlgriff und lief Entschuldigungsformeln brummend zurück in den Pulk, fand ihren richtigen Mann und riss den Ahnungslosen einer anderen gleichaltrigen Frau aus dem Arm. Wie ein Dominostein den anderen …
Erschöpft blieb Haberl sitzen. Das Musikstück Ventura Highway von America begann leise einzusetzen.
»Chewing on a piece of grass« …, er zog an der Jalousie »Epsilon« neben sich, erwartete eine Wand oder zumindest ein Fenster zum anderen Wohnzimmer.
Aber es lief ein Film ab und in ihm, F. Haberl, in einem BMW Roadster auf der Route 66 und Fräulein Hansen als Anhalterin am Straßenrand, im superkurzen Mini, lasziv verspielt an einem Grashalm im Mundwinkel kauend (...)

Wie es weitergeht, erfahren Sie in der Kurzgeschichtensammlung „Wochenende ohne Ende“ von Alfred Franz Dworak.