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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Samstag, 3. August 2013

Dichterhain: Roman aus der Wirklichkeit von Walter Brusius







Roman aus der Wirklichkeit



Das Rollenbett, ein Bett, das auf kleinen Rollen fährt, ist keine Erfindung der Neuzeit, schon in der Antike ist es bekannt.

Die große Frau schob es durch eine der belebtesten Straßen von Paris: „Macht Platz, Leute, macht Platz, geht mir aus dem Weg!“

Eine große, kranichgroße Frau, lang und dünn. Sie sah nicht sehr sympathisch aus, überhaupt mag man große Frauen nicht.

Und jetzt noch das Bett, ein Rollenbett?

Über dem Bett lag die Decke, eine Handtasche am Fußende. Ein dicker Mann überquerte die Straße, ein Geschäftsmann, auf seinen Schultern lagen Schuppen aus Schnee. Nein, es waren Stücke, die Überbleibsel von Drachenhaut.

Es war 11 Uhr, Vormittag. Ein kalter Tag. Der Präsident, der Präsident von Frankreich ist an diesem Tag gestorben.

Seine Seele ist jetzt in den Rollen des Bettes, in allen vieren gleichzeitig.

Fünf Minuten noch, dann fängt ein neues Kapitel an, dann geht es weiter. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel 
zur Malerei Geschichten zu schreiben. Im Eigenverlag sind bisher
einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine
Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS). 

Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, 
Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach,
www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.
  



Freitag, 7. Juni 2013

Dichterhain: DER KRANKE PIANIST - Skurriles von Walter Brusius























Die erste Operation


Doktor Tanne war eine hagere mittelblonde Gestalt, tieftraurige Augen, als sie den kleinen Turm betrat. Den Vorhang schlug sie zurück, trat zu dem Tisch. Auf dem stand ein Glas mit einem Wetterfrosch. Grün war der Wetterfrosch.

Doktor Tanne stand vorm Tisch, strich sich mit der Hand über das Haar.

Doktor Tanne war eine Frau.

Ja, die seelische Belastung spielt immer eine große Rolle“, sagte der Frosch.

Grün war er und saß im Glas.

Der Kranke aber, er heißt Felix, lag in seinem Bett.

Ja, eine sehr große Rolle.“

Doktor Tanne stand ungeduldig vorm Tisch. Sie strich wieder mit der Hand über das wie bei einem Mann nach hinten gekämmte Haar. Es war sogar Öl darin, ein Pflegeöl; am Arm klapperte ein Armreif, die Augen waren traurig; doch auch ungeduldig, nein, ungehalten.

Die Frau des Kranken aber saß in einen Pelz gehüllt in der Stadt. Sie war betrunken.

Weiße Wolken zogen am Fenster vorbei.

Es waren neunundzwanzig, neunundzwanzig Wolken.

Frau Doktor Tanne ging zum Waschbecken. Das Wasser aus dem Hahn schäumte, schuf einen langen, blasigen Saum, und Frau Doktor wusch sich darunter die Hände.

Ihre Gedanken, Frau Doktor Tanne, und meine sind gleich“, sagte der Frosch.

Frau Doktor Tanne stand mit dem Handtuch am Fenster, sah hinaus und seufzte.

Ich möchte, dass Sie glücklich sind!“, sagte der Frosch.

Frau Doktor Tanne seufzte, sie war jung, sie war eine junge Ärztin, und sie hatte nur einen einzigen Patienten, Felix, aber einen weltberühmten Pianisten; am Nachmittag hatte sie ihn operiert. Eine schwere Operation.


Der Wetterfrosch hatte assistiert. Nein, natürlich nicht. Wo denken Sie hin. Aber war es nicht gut, wenn er zusah, mit ein Auge auf den operativen Vorgang hat? 

Donnerstag, 9. Mai 2013

Dichterhain: DER HANS - eine skurrile Geschichte von Walter Brusius




Der Hans


Des Königs Uhr war betrunken, hatte Schluckauf.

Im Himmel war ein Loch, durch das schaute der Mond auf die Erde.

Der Mann kam ans Ufer, das Meer, das Herz nahm er aus der Brust, wusch es im Salzwasser.

Dreißig Jahre alt und auf beiden Augen blind. Ein Motor in jedem Knie trieb ihn an.

Der Mann hatte ein empfindliches Gesicht.

Auch das Schamhaar, nein, das hatte er im Gesicht.

Sein Name war Hans. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS). 
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.
  

Montag, 15. April 2013

Dichterhain: IN DER STADT - Skurriles von Walter Brusius

Collage von Walter Brusius

In der Stadt


Der Mann war in der Stadt, die Frau war allein zu Hause. Der Mann arbeitete in einer Sargtischlerei, die Frau hatte keinen Beruf. Sie versorgte den Haushalt, den Garten. Außerdem telefonierte sie viel.

Vielleicht ging sie irgendeiner Nebentätigkeit nach, von der der Mann nichts wusste.

Die Frau war schön, der Mann aber auch. Man fragte sich, warum so ein schöner Mann ausgerechnet in einer Sargtischlerei schafft.

Fast immer brachte der Mann ein Geschenk mit nach Hause, auf dem Heimweg gekauft, in einem der vielen Geschäfte der kleinen Stadt.

Das Ehepaar bewohnt ein Haus am Kanal, in der Allee. – Gestern hatte er ihr ein Stückchen Seife mitgebracht, heute ein Glas mit Meersalz.

Die Frau stand oft unter den Bäumen, betrachte ihr Spiegelbild im Wasser des Kanals. Sie sah hier auf dem Wasser wie gemalt aus, ein großes Bild, jeden Tag ein großes Bild, die Frau am Kanal mit den Bäumen, ein Bilder, wegen der Größe hätte man es nur in einem Schloss aufhängen können.

Sommer, der weiße Sand der Allee leuchtete.

Der Mann allerdings hatte doch ein Verhältnis mit der Tochter des Sargtischlers angefangen. Das war erst ein paar Tage her, leichtsinnig war es und überflüssig.

Vielleicht ging von der Werkstatt, von den gehobelten Brettern, von den Farben und Lacken, von den mit Staub bedeckten Scheiben, von dem Radio, von den Zeitungen, von der Werkstatt eine Verführung aus, eine Chemie, ein Cocktail, die ihn zu diesem Umstand gebracht hatten.

Die Tochter des Sargtischlers hieß Aida, ein klangvoller Name. Sie war jedoch eine stille Person, die sich zierlich in der dunklen Werkstatt ausmachte. Sie stand neben einem Stapel Bretter und spielte mit dem Ölkännchen.

Ein großes Rad schnitt Bretter zu Streifen.

Schraubverschluss fällt mir noch ein. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. 
Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS).
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.

 

Donnerstag, 21. März 2013

Dichterhain: ELENOR RIGBY von Walter Brusius (mit Zeichnungen von Bernhard Kilchmann)







Elenor Rigby.


Ganz am Ende der Stadt ein Turm. Und hier fand man Gunwein. Einen Bleistift in der Hand, zeichnete er eine Skizze der Landschaft. Immer wieder weht der Wind das Haar ins Gesicht.
In der Stadt troff derweil eine Flüssigkeit aus den Wänden, ein Schweiß. Unklar ist, ob ihn die Häuser selber absonderten. Oder ist es der Schweiß der Bewohner, die wirklich ein schweißtreibendes Leben führen? Allerlei Säfte schwitzen sie aus.
Und irgendein Gott taucht von Zeit zu Zeit den Federhalter in den Schweiß und schreibt damit Briefe an einen andren Gott.
Der Wind blies einen Wirbel nach dem andern ins Haar. Hätte man dem Wind einen Kamm in die vielen, vielen Hände drücken sollen?
Über das graubraune Gras unten gingen Schafe, ein Mann mit einem großen Hut auf dem Kopf ging hinter ihnen her.
Als das fand sich schon auf Gunweins Block.
Er selber trug die Jacke, die dem Schäfer unten fehlt.
Auf einem Bleistift ging der Mann durch die Stadt.
Das Leben ist schwer und vor allem langweilig. Kaum einmal passiert etwas, was das Herz wirklich erfreut.
Der Turm stand selber wie ein Bleistift. Manchmal wünscht sich der Zeichner, dass der Turm die Bodenhaftung verliert, dass er schwebt.
Unabhängig von Zeit und Raum. Vom Dasein in dieser schrecklichen, traurigen Stadt.
Gunwein ließ den Bleistift fallen, die Schafe fraßen ihn auf. Nun wuchsen ihnen lange Beine. Die Beine waren auf einmal doppelt so lang.
Der Schäfer fand nun Schutz unter ihrem Bauch.
In Gunweins Herz aber wohnt ein Vogel. Er hat hier sein Nest.
Aber der Vogel ist ein Junggeselle, nie hält er nach einer Vögelin Ausschau.
Brombeerhecken mit den letzten Blättern krochen über die Wiesen. Einmal lang, einmal lang gestreckt.
Jahr für Jahr breiten sich diese Hecken mehr und mehr aus.
In einem Buch lag eine gepresste Schlüsselblume. In den Jahren ihres Daseins hatte sie im Buch das Schwarz der Buchstaben aufgesogen, es getrunken wie ein Vogel am Bach.
Der Wind brachte den Zeichner zurück in die Stadt.
Der Wind machte einen Buckel, auf dem sich Gunwein wiederfand.
Gunwein betrat auf dem Nachhauseweg die Reinigung, wo man ihm das weiße Hemd aushändigt.
Reinigung stand in großen Buchstaben an diesem Haus. Das war das Selbstverständlichste der Welt.
Elenor Ribgy war der Name der Stadt. An dem Punkt lag sie, an dem das Land am weitesten in das Meer ragt; hier treffen sich Wolken, Land und Meer seit Urzeiten.
Man sprach Englisch in dieser Stadt. Aber Gunwein ist Schwede.
Der Pfarrer stand hinter der Theke der Reinigung. „Die Frau ist krank, ich vertrete sie heut, ich spring für sie ein.“
Dieses Hemd, Hochwürden. Jede Nacht lege ich es ins Bett. Ich sitze davor, vor dem Bett und schaue das Hemd an, wie es schläft jede Nacht. Hin und wieder muss das Hemd gereinigt werden.“
Gunwein. Dafür ist die Reinigung doch da. Bringen Sie das Hemd zu uns, wenn es der Reinigung bedarf. Die Frau hier, die Sie sonst bedient, ist meine Schwester.“
Ach, Hochwürden. Ich bedanke mich.“
Der Vorfall ist deswegen erwähnenswert, weil der Pfarrer ganz schwarz gekleidet war, in ein bodenlanges, pechschwarzes Gewand, auf dem Kopf saß, sogar ein viereckiger Hut; der Kopf macht ihn nicht rund.
Gunwein betrat die Gasse mit dem Hemd, das nun in ein durchsichtiges Papier eingeschlagen.
In eine andre Gasse.
Der Fluss trug das Spiegelbild der Kirche. Das Gemäuer, auf dem Wasser schwamm das Bild der schweren Steine. Im Turm der Kirche, die schon im vierzehnten Jahrhundert hier steht, hängt das Kleid einer Frau aus Eisen, das ist die Glocke.
Wenn man die Glocke läutet, so hört man kein Klingen, sondern das Lachen einer Frau. Das ist den Leuten von Elenor Rigby peinlich, so hat man die Glocke schon seit fünfhundert Jahren nicht mehr geläutet.









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Aus: Atelierheft 12 von Walter Brusius, Bad Kreuznach. Ferner sind im Heft enthalten weitere Geschichten und vor allem Zeichnungen von Bernhard Kilchmann (Tusche, Bleistift, Computergrafik).

Alle Hefte sind beim Autor in seinem Atelier oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich. 

Der Autor im Interview (über Heft 12)


Der Zeichner Bernhard Kilchmann


Geboren in Altdorf, Schweiz

Nach einer kaufmännischen Ausbildung in Luzern studierte er die Fächer Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Mozarteum, in Salzburg.
Auf eine dreijährige Assistenzzeit an der Kölner Oper folgten eigene Bühnenentwürfe an verschiedenen Theatern.
Sein Raum für Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“ wurde am Anhaltischen Theater Dessau mit dem Publikumspreis „Bestes Bühnenbild der Spielzeit 2005“ ausgezeichnet, und am Theater für Niedersachsen, Hildesheim, kreierte er 2010 die Gesamtausstattung zu einer erfolgreichen Inszenierung von Giuseppes Verdis „Aida“.
Seine Illustrationen zu der Erzählung „Die Köche“ sind bereits die zweite Zusammenarbeit mit Walter Brusius, dessen farbigen, assoziationsreichen Erzählstil er durch das Medium Zeichnung umsetzt.


Bernhard Kilchmann: Wolke 2






Bernhard Kilchmann: Reiter








Bernhard Kilchmann: Yeti








Bernhard Kilchmann: Ich



Sonntag, 3. März 2013

Dichterhain: DER GEBEUGTE SCHÜTZE von Walter Brusius





Der gebeugte Schütze






Der König saß an einem Tisch, etwas im Mund, etwas, das er vorgehabt hatte zu essen, dann sah er aber aus dem Fenster, geriet in Gedanken und vergaß das, was er im Mund behielt.
Er folgte mit den Augen einem Vogel, dessen Anblick er immer noch vor Augen hatte, als der Vogel schon längst über den Bäumen der Landschaft verschwand.
In Gedanken, er rührte mit einem Löffel in einer kleinen Schüssel mit Zucker.
Als er dann den ganzen Oberkörper bewegte, knackte der Stuhl.
 
Ist die Vernunft, die menschliche Vernunft ein Echo?
Ein Echo zu was?
Was ist das Original?
Wo?
Wo?
Was?

Eine Seite des Hofs lag im Schatten, die andere im Licht. Im Licht ein Mann, wärmt sich in der Sonne.
Der Fluss bestand an diesem Tag nicht aus Wasser, sondern aus Menschen, die von den Bergen kamen, sich am Meer ertränkten.
Auch der Mann an der Mauer, im Hof, unten, hat im Gesicht eine klebrige Wunde.
Der König schluckte, und er betrachtete erstaunt den Zucker in der Schüssel wie einen eben gemachten ganz seltenen Fund.

Das Ticken der Uhr, das war gar nicht für das Ohr bestimmt!
Der König hört das Ticken der Uhr, das Ticken, der Motor, der die Gedanken im Kopf im Gang, im Gesang hält.
Wie eine Wange streicht er außen über die Schüssel und kaut weiter ein paar Minuten auf dem Löffel aus Metall. Dann isst er den Metalllöffel auf.
Im Hof ist etwas geschehen. Die Spitze der Armbrust ist zwischen die Füße geklemmt, der Mann zieht eben mit zwei Händen die starke Sehne, das Gesicht des Mannes ist während dem Bücken verborgen, da wölbt sich nur der … Rücken.
Was ist das für eine Art von Verbeugung?

Der Abend beleuchtet den Rücken. In einem Augenblick färbt die Sonne den ganzen Hof. Das Abendrot beleuchtet den Rücken des Schützen.
Was ist das für eine Verbeugung?
Der König eilt mit den Augen aus dem Fenster.
Die Länder, die Straßen so schmal, dass kein Wagen sie befahren kann.
Was ist das für eine Verbeugung?
Schießt der Schütze noch einmal einen Löffel hinauf?



(c) Walter Brusius 

Sonntag, 10. Februar 2013

Dichterhain: BILD EINS - Skurriles von Walter Brusius

 



















Bild eins





Der König hielt den Finger in die Landschaft, auf dem Finger fuhr ein Zigeunerwagen. Darin saß Mecki Messer, der Zigeuner, der eine lebende Amsel aß.



Aus jeder Feder, die in der Luft flog, flog ein neuer Vogel.



Der König kratzte mit einem Messer an der Tür seiner Frau. Er kratzte etwas Farbe ab, mit der er sich die Lider färbte.



Dunkel im Gesicht.



Der König hatte ein dunkles Grün unter den Augen. Er klappte das Messer zu und steckte es in die Tasche.



Die Frau erschrak auf dem Bett, sie hatte das Zuklappen des Messers gehört.



Nun war sie tot.



Das war eine Ausnahme, meistens gehen die Dinge des Lebens gütlicher aus. 




© Walter Brusius
Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier.
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben.
Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte. Er verkauft sie im Atelier an einen kleinen interessierten Kreis und in einer dortigen Buchhandlung. Sie sind auch abonnierbar. Neben seinen Ausstellungen veranstaltet er regelmäßig Lesungen. Ziel ist, die Atelierhefte nicht selbst zu illustrieren, sondern andere Künstler in Form einer Koproduktion dazu einzuladen.
 

Mittwoch, 2. Januar 2013

Dichterhain: EIN GEMÜTSMENSCH von Walter Brusius


Ein Gemütsmensch


Mitternacht war es, deutlich las man auf der gelben Uhr.
Einem Stern am Himmel war es kalt, er lehnte sich an einen andern an.
Am Zeiger der Uhr herab rutschte eine Hand.
Betrug war es, von Anfang an war es Betrug.

Unter dem Baum stand der Mann, er fegte Blätter zusammen. So spät noch in der Nacht.
Das Mondlicht machte alles hell.
Die Frau war dick, unfähig zu gehen, drei Männer mussten sie über die Wiese tragen.
Jetzt setzten sie sie mitten in das Laub.

Na, Herr Laub? Ist Ihr Name nicht Laub?“
Ja, doch, mein Name ist Laub. Aber Sie hier, zu so später Stunde, Frau …“
Mein Name ist Bein, Alexandra Bein!“
Guten Abend, Frau Bein!“
Das saß sie also.
Sie sagte: „Im Haus, da hab ich die Zigaretten vergessen.“

Der Besen hatte auch eine lange Reihe von Zähnen. Den Besen stellte er an den Baum.
Der Mann wollte ins Haus, jetzt ging er die Zigaretten holen.
Er raschelte nicht. Er ging da, wo schon keine Blätter mehr lagen, auf dem Gras auf das Haus zu.
Im Haus vier Männer, die griffen ihn, die fesselten ihn auf einen Stuhl.
Erst als er eine genaue Beschreibung der Frau draußen im Laub geben konnte, ließen sie ihn frei.

Er sah aus dem Fenster, er sah die Frau draußen im Laub, wie sie, so schnell sie konnte, so viele Hände davon wie möglich aß.
Sich in das Maul stopfte.
Er kam in den Garten zurück.
Sie haben Ihnen doch keine Gewalt angetan?“, fragte sie.
Nein, es war halb so schlimm. Ich bin solche Überfälle gewohnt!“, sagte er.



© Walter Brusius

Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und Autor. Mehr Informationen.

Samstag, 22. Dezember 2012

Dichterhain: DAS NIEDERWALDDENKMAL von Walter Brusius

Das Niederwalddenkmal



Das Niederwalddenkmal stammt aus germanischer Zeit. 54 vor Kristus wurde es aus schwarzem Eichenholz errichtet. Es war eine Frau, eine Negerin, die in den Händen zwei Weinkrüge hielt. Dem Geschmack der Zeit entsprechend war die Frau dick, ihre Brüste etwas übertrieben groß. Aufgestellt wurde sie gegenüber von Bingen, im Hessischen, dort stand sie auf einem Hügel, hielt die Krüge und zeigte damit auffordernd nach Westen, Richtung Trier, d.h. mit dieser Geste zeigte sie den nachrückenden Germanen den Weg ins Römische Reich, wo es damals dicke Negerinnen und Wein im Überfluss gab. Das Denkmal war zu diesem Zeitpunkt übrigens grad mal eins49 hoch.

Erstmals renoviert wurde es unter Karl dem Großen. Er ersetzte die Holzskulptur durch eine aus Blei. Als Busenliebhaber ließ er allerdings die Brüste der Frau etwas vergrößern. Auch die Negerin, da Negerinnen mittlerweile aus der Mode gekommen waren, ersetzte er dem Geschmack der Zeit entsprechend durch eine Araberin. Er verrückte sie auch etwas, sie zeigte nun weiter südlich, mit zwei riesigen Rotweinhumpen in der Hand nach Ingelheim, wo Karl inmitten von Rotweinstöcken in seiner Pfalz residierte. Das neue Denkmal war etwas größer, immerhin schon eins53. Auch stellte Karl die Skulptur auf einen Sockel aus Buntsandstein. Rechnet man diesen einstufigen Sockel mit, hatte das Denkmal inzwischen schon eine Höhe von 2Meter10.
Grundlegende Veränderungen ergaben sich erst wieder im Jahre 1492 mit der Entdeckung Amerikas. Man drehte die Figur erneut, mit 2 Bananen in der Hand zeigte sie nun rheinabwärts, Richtung Koblenz und Amsterdam, wies Eroberern und aufbrechenden Siedlern aus Hessen und Nassau über diese Stationen den Weg nach Amerika. Glück und neue Üppigkeit verheißend, hatte man ihre Brüste wiederum beträchtlich vergrößert und erstmals wurde sie in einer Höhe von eins73 in wetterfester Bronze gegossen. Es war wieder eine Negerin, Araberinnen waren nicht mehr modern, dem Geschmack der Zeit entsprechend, hatte man wieder eine Negerin aufgestellt. Lange Zeit stand sie so mit den Bananen nach Amsterdam zeigend auf der Höhe, trotzte Regen und Hagel.

Erst nach der französischen Revolution, im Jahre 1871, ergaben sich wieder Veränderungen. Erstmals erhielt die Skulptur moderne Züge. Sie zeigte nun eine Europäerin. Ihre Brüste allerdings wurden dem Zeitgeschmack entsprechend etwas vergrößert. Die Figur wurde in Eisen gegossen in einer Höhe von 36 Metern. Der alte Buntsandsteinsockel von Karl dem Großen wurde nun durch einen aus Basalt ersetzt, mehrstufig, 12. Rechnet man diesen Sockel mit, hatte das Denkmal nun eine Höhe von 54 Metern! Die Dame wurde wieder nach Westen ausgerichtet, hielt Brot und Wein und zeigte nach Paris! Wieder folgten die Germanen ihrem Ruf, eroberten Paris, saßen dort, hatten Europäerinnen auf dem Schoß, tranken Wein und aßen Baguette.

Nachdem Paris und große Teile Westeuropas, auch Mallorca und die Kanarischen Inseln erobert waren, nahm man ihr Brot und Wein, drückte ihr ein Schwert in die Hand und sie zeigte damit zu den Sternen. In einem Bunker in der Eifel begann man mit dem Bau einer riesigen Sternenflotte. Leider verhinderte ein neuer Krieg und nachfolgende Finanzkrisen bisher deren Start.

Noch immer zeigt Germania mit dem Schwert nach den Sternen. Leider ist das Denkmal in den letzten Jahren arg in Verruf geraten. Man spricht von Japanern, in den Weinbergen stapele sich der Müll. Diese Aussagen sind nur bedingt richtig. Ich selbst befand mich mit meinen Männern im Winter 1993 und im angrenzenden Frühjahr 94 dort oben. Wir verfolgten in diesen Wochen den Tiger von Eschnapur. Wir jagten nach der Bestie in den angrenzenden Wäldern im Südhessischen und am Vogelsberg. Abends traf ich mich mit meinen Männern am Niederwalddenkmal. Wir kampierten dort, in Zelten, etwa 15 Meter abseits. Wir saßen auf den Stufen, es ging sehr gesittet zu. Prado Pradesch, ein Portugiese und der derzeitige Besitzer des Denkmals, er betreibt im gegenüberliegenden Bingen und Bingerbrück ein Taxi-Unternehmen, stieß jeden Abend zu uns. Seine Männer reinigten mit Besen die Stufen, sammelten Flaschen und Tüten ein. Mit Prado saßen wir auf dem Sockel, tranken Wein und schauten nach Westen. Wir sahen die Sonne, den Rhein, die Burgen und unten das Binger Loch. Wir erzählten. Prado von seinen Nachtfahrten, aber wir, allesamt erfahrene Jäger, konnten auch das ein oder andere Stück zum Besten geben. Es war eine schöne Zeit. Im Februar stellten wir dann die Bestie in einer Waldsenke, etwa 5 oder 8 Fußminuten vom Denkmal entfernt. Der Tiger wehrte sich tapfer, doch nach etwa 3 Stunden war der Sieg unser! Wir zogen ihm das Fell ab, ein Riese. Wir nähten mehr als 136 Mäntel daraus, auch aus den Ohren und Pfoten machten wir noch Hüte, Slips, Puls- und Wadenwärmer. Es war ein lohnendes Geschäft. Wir verkauften den ganzen Plunder an ein Modehaus in München. Danach zog ich mit 15 meiner Männer auf die Ölfelder von Sprendlingen. Wir halfen dort beim Aufstellen der Bohrtürme, schwarze Monster. Wir stellten über 300 davon auf. Schwarz und dunkel ragten sie in den Himmel. Am 3. August 1997 kam es dann zu dieser tragischen Explosion, bei der ich 12 meiner Männer verlor. Gemäß alter rheinhessischer Tradition bauten wir aus Holz ein Schiff, in dem wir die Leichen der Kameraden verbrannten. Aus alten Rotweinfässern errichteten wir einen Scheiterhaufen, in dem wir das Schiff verbrannten. Die Asche streuten wir in den Wind. Unter den zahlreichen Trauergästen befand sich auch Prado Pradesch aus Bingen. Er stand unmittelbar neben mir. Als er das Schiff in Flammen sah, stieß er mich an und sagte, daß er noch ein altes schwarzes Taxi besäße, und daß er es gerne gesehen hätte, wenn wir die Kameraden in diesem Taxi verbrannt hätten. Ein nicht uninteressanter Gedanke. Warum nicht? Man sollte Neuerungen gegenüber nicht unaufgeschlossen sein! Die letzten 3 meiner Männer gingen nach England. Dieser Tage noch erhielt ich eine Karte. Sie arbeiten allesamt als Lockenwickler beim Lord von Kensington. Ich selbst bin zurzeit Nachtwächter im Mäuseturm, für 13 Dollar die Sekunde. 

© Walter Brusius
Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und Autor. Mehr Informationen.
 
 
 

Samstag, 21. April 2012

Heute Abend: Emmanuelle Rauch liest Walter-Brusius-Geschichten


Heute,
Beginn 19:30 Uhr,
mit
Emmanuelle Rauch
und
neuen skurrilen Geschichten
von Walter Brusius


Walter Brusius gelesen von »Emmanu­elle Rauch«-Burgmül­ler




An diesem Abend bieten wir Ihnen neben viel Spaß und Unterhaltung
der Jahreszeit entsprechend eine Auswahl an Spargel-Gerichten
(und auch ohne Spargel) :-)
Hohmanns Restaurant
Im Leiterich (Tenniscenter)
55585 Norheim Telefon 0671 25505
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage: