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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Dienstag, 20. November 2012

DER GEDANKENSPIELER (9) - ein Fortsetzungsroman von Marco Meissner



Langsam wich die Ödnis einer sperrlich bewachsenen Graslandschaft. Der Wuchs des Grases glich dem Haarwuchs eines Säuglings. Flaumig legte sich das hellgrüne Gras auf die lang gezogene Talebene der Sierra Nevada. Ein klein wenig Wut machte sich in Alexander breit. Hätte er sich doch einfach eher auf den Weg gemacht. Er hatte es nicht geschafft, bis weit ins Death Valley einzudringen. Zu spät war er losgefahren. Zu viel Zeit hatte er am Wegesrand vergeudet. Wie sehr hatte er sich auf den Anblick von Devil´s Golfcourse oder Badwater gefreut. Doch dieser Traum war vorerst ausgeträumt.
Nun befand er sich auf direktem Weg nach Bishop, wo das nächste Motel auf ihn wartete. Der Weg stieg langsam aber stetig an und mit ihm verlor die sengende Hitze der Tiefebene mehr und mehr an Kraft.


„Fast, on a rough road riding
high to the mountains climbing
twisting, turning, further from my home....”,


klang Kid Rock aus dem Autoradio.
Laut sang er den Chorus mit:

„I was born free!
YEAH! YEAH! YEAH!
Born free!”.




Der Highway bahnte sich seinen Weg in endloser Geradlinigkeit und bot Alexander Genug Zeit zu sinnieren.Sollte es wirklich wahr sein? Wurden alle Menschen frei geboren? Und wenn ja, warum suchten sie dann mit der Leidenschaft eines italienischen Liebhabers mit aller Gewalt nach einem Joch unter dem sie eingehen konnten?
Frei geboren, um angekettet zu sterben?
Wieder einmal drehte sich alles um die eine unauslöschliche Frage, die Alexander mit sich herumtrug wie ein übermannsgroßes Kreuz, unter dessen Last er zu zerbrechen drohte. Wieso nur gab es immer wieder nur ein Entweder oder ein Oder? Warum nur konnte nicht alles unter einen Deckel passen.
Familie gründen, Haus bauen, Baum pflanzen, Rente ansparen, vor Langeweile sterben. Wie 
lange suchte er nun schon nach der Quintessenz seiner Gedanken?
Das Navigationsgerät zeigte noch knappe fünfzig Meilen bis nach Bishop an. Doch Alexander brauchte eine Pause. In Lone Pine steuerte er seinen Wagen auf den kleinen Parkplatz einer Tankstelle. Die Stadt wirkte wie ein Überbleibsel aus der guten, alten Zeit des Goldrausches.
Er betrat den Tankstellenshop, zog sich eine Flasche Dr. Pepper aus dem Kühlschrank, schnappte sich ein Snickers, bezahlte und trat wieder auf die Straße. Der ruhige, verschlafenen Ort bildete eine seltsam, beruhigende Symbiose mit der malerischen Berglandschaft, die ihn umgab. Alexander lehnte sich an die Außenwand der Tankstelle, stemmte einen Fuß dagegen und atmete tief durch. Aus einiger Entfernung konnte er den auffällig schwarz-weiß-goldenen Wagen der Highwaypatrol erkennen. Er schien auch auf den Hof der Tankstelle zuzusteuern. Sofort nahm Alexander Haltung an. Nur zu oft hatte er von der Freudlosigkeit der amerikanischen Polizisten gehört.,
Langsam kam der Wagen zum Stehen. Die Tür öffnete sich und aus dem Wagen stieg eine junge, schwarzhaarige Officerin. Alexanders Vorstellung und der Schein der Realität bildeten einen für ihn scheinbar unlösbaren Konflikt. In ihren Sonnenbrillengläsern spiegelten sich die Konturen der Landschaft wieder und auf ihrem Mund malte sich ein Lächeln ab, das Alexander in seinen Überlegungen überforderte. Sie nickte ihm noch einmal selbstbewusst zu, bevor sie in der Tankstelle verschwand.
Noch lang hangen ihr Alexanders Gedanken hinterher. Ihr Lächeln und ihre sanfte Erscheinung, die so gar nicht zu der Härte ihrer Respekt einflößenden Uniform passen wollte, begleiteten Alexander noch immer, als er das Ortseingangsschild von Bishop erreicht hatte.

To be continued....

© Marco Meissner, Gladbeck
mmmarcomeissner@googlemail.com
Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit realen Personen oder Handlungen sind rein zufällig und ganz und gar unbeabsichtigt.

Montag, 19. November 2012

In Memoriam: Heidi Huber, Neunkirchen/Saar, * 26.03.1945 † 20.10.2012

Heidi Huber in Bad Sobernheim,
Sommer 2012
Leider ist Heidi Huber, die in diesem Blog und in winner's cool blog schon einige Gedichte zur Veröffentlichung gegeben hatte, am 20. Oktober gestorben, wie ich heute erst überraschend erfahren habe. 

Mit einem Gedicht einer ihrer Lieblingsdichterinnen, Rose Ausländer, die ich ebenfalls sehr schätze, und zwei von ihr möchte ich Abschied von Heidi nehmen, die über 40 Jahre Grundschullehrerin im Saarland war. Ihre Gedichte werden weiterleben.

Online kondolieren




Wenn das Suchen 
ein Ende hat,
beginnt das Finden

Heidi Huber



In Stunden 
zwischen 
Traum 
und 
Tag
schöpf Wasser
ich aus Seelenseen

Heidi Huber




Ich
bin
eine Koralle
im Meer der
Erinnerungen
und warte
auf den Wind

Prinzessin
fisch
mich auf
leg mich
um deinen Hals

Das wär

mein Glück

Rose Ausländer

Wie war's bei der Vernissage zu maGold's DARK SECRETS in Groß-Umstadt?


Abbildung 1: Alexander Schodlok (li.), Rainer Magold (re.).
Fotocollage: Stefan Vieregg
DARK SECRETS - so lautete der vieldeutige Titel der Ausstellung von Rainer Magold, dem Expressionisten, die am 15.11.2012 mit einer Vernissage in Groß-Umstadt im afrikanischen Restaurant "Farmerhaus" begann. Viele besuchen ihn wieder aufgrund seiner aktuellen Ausstellungen in 2012, vor allem in Bad Bergzabern, Ludwigshafen und Limburgerhof, oder lernen ihn in Groß-Umstadt neu kennen, denn seine dunklen Geheimnisse sind andere, als man von ihm erwarten würde.

Abbildung 2
Fotocollage: Stefan Vieregg
Der Besucher assoziierte eventuell im Vorfeld ganz in der maGold-Tradition dunkelhaarige oder dunkelhäutige Schönheiten. Weit gefehlt, es handelt sich um die sehr seltene Kunst mit Pech! Dieser schwer zu verarbeitende und monate-, sogar jahrelang arbeitende, sich verändernde Werkstoff hat es Rainer Magold angetan. Er entwickelte sich nach einer initialen Begegnung mit dem Urmaterial zu einem der 3 Künstler im internationalen Kunstraum, die Bilder ganz aus Pech erstellen. Neben ihm nur noch ein Franzose, der einen beträchtlichen Ruf in seinem Land als Architekt und Künstler genießt, und eine Schweizerin, die mit Riesenpinseln und kleinem Lastkran arbeitet. Rainer Magold verliert über seine Technik keine Worte, aber wir entdecken große Spachtelspuren, Gieß- bzw. Abwurftechnik und Pinsel.

Abbildung 3: Alexander Schodlok (rechts). 
Fotocollage: Stefan Vieregg
Die Idee im "Farmerhaus" Pechbilder auszustellen kam ihm durch die Begegnung mit den "Häuten" der dort ausgestellten Deko-Tiere Büffel und Elefant. Er fühlte die Verwandschaft zu seinen Pechbildern und beschloss in dieses sensorische Afrika-Ambiente nur Pechbilder, aber keine Frauen zu entsenden. Die Bilder betten sich auch als geradezu archaische, urweltliche und tief faszinierende schwarze, teils rot kolorierte Strukturflächen in das Halblicht des afrikanischen Restaurants ein.

Abbildung 4: Rainer Magold demonstriert Licht- und Farbeffekte 
mit der Taschenlampe. Fotocollage: Stefan Vieregg
Die Begrüßungsworte sprachen die Künstleragentin, der Besitzer des Restaurants, Alexander Schodlok, und natürlich der Künstler selbst mit einem längeren Vortrag.
Die Künstleragentin hätte die Idee zur Ausstellung bei einer Zufallsrast in diesem Restaurant bekommen und sei seit dieser Zeit sehr fasziniert von Geschichte und Tradition des Hauses wie auch von der liebevollen Ausstattung und den besonderen gastronomischen Angeboten.

Abbildung 5: Interieur 1            Fotocollage: Stefan Vieregg

Alexander Schodlok ging auf die 47-jährige Geschichte seines Restaurants ein. Sein Vater, ein Afrikaliebhaber und Namibiakundiger, hätte 1965 das Restaurant eröffnet und 1970 an den Sohn und dessen heutige Frau Monika weitergegeben. Die Hügellage mit Blick in die Ebene erinnerte den Vater an die Weite Afrikas, das Interieur an sein Leben in Afrika. Heute blicke das Restaurant auf eine große Anerkennung durch gastronomische Bewerter zurück, zum Beispiel zwischen 12 und 14 Punkte beim Gault Millau. Namhafte und sehr bekannte Gäste kämen zum Essen, der besondere Stammgast sei Carlos Santana. Die Haute Cuisine aus Afrika kredenzte er an diesem Abend mit Roastbeef um Palmherzstiftchen auf Gewürz-Couscous, Samosa-Teigtaschen mit Gazellenhackfleisch und Currydip sowie Springbock-Schinken auf Mango-Chutney. Dazu erlesenen Sekt nach Champagnermethode (Méthode Cap Classique) aus Südafrika, der sich auf einer Ebene mit Roederer und Spitzen-Winzersekten aus Deutschland bewegt, und natürlich erstklassigen Service.

Abbildung 6: Interieur 2             Fotocollage: Stefan Vieregg 
Rainer Magold setzte den Beginn seiner Auseinandersetzung mit Pech im Jahr 1977, als er drei Monate mit Joseph Beuys im Rahmen der documenta 6 zusammenarbeitete. Es wäre die Zeit des berühmten Beuys-Fettstuhls gewesen, der Gründung seiner eigenen Universität. Mit dabei auch ein Japaner, der mit Altöl hantierte, darin meditativ gerührt habe. Der Blick in die Mitte der gerührten Ölmasse hätte ihm Tiefen erschlossen und inspiriere ihn noch heute. Die Kunst außerhalb der Akademien in der Tradition der Höhlenzeichnungen etwa fasziniere ihn seit der Zeit am stärksten. Pech als 100-prozentiger Kohlenstoff schlucke so viel Licht und zeige sich so vielseitig farbig bei verschiedenen Lichteinfallswinkeln, dass es andere Werkstoffe übertreffe. Eine Besonderheit sei, dass Pech noch Monate und Jahre weiterarbeite, also immer eine neue Struktur im Bild schaffe. Theoretisch sei es nach einem Jahr ausgehärtet, aber er habe Bilder, bei denen der Prozess nach Jahren nicht beendet sei. In der Regel verarbeite er Dutzende Kilo davon, bei Bildern der Serie "Reflect!" beispielsweise einmal 200 kg, ein anderes Mal 400 kg. Dies erfordere verstärkte Halterahmen und mehrfache Leinwände, denn beides hielte die Belastung normalerweise nicht aus. Seine schwarzen Geheimnisse machten sich sehr gut im Kontrast zu Farben im Umfeld oder auch zu einer Farbe im Bild, weswegen er chinesischen Rotlack sparsam oder auch bedeckend eingesetzt habe.

Fazit: Die Pechbilder Rainer Magolds entwickeln einen eigenen Charme und bereichern Ihr Ambiente. Interessierte Besucher können in Groß-Umstadt bis 31. Dezember ausgefallene schwarze Schönheiten aus Pech und afrikanische Küche zu einem seltenen Abenteuerpaket schnüren und genießen. Erkundigen Sie sich zuvor nach Reservierungen und Preisen. 



Dichterhain: SCHNITT DURCH SILBERNEN NEBEL von Hermann Mensing



schnitt durch silbernen nebel 

legte mond auf eis
hockte mich in den schnee
bodenfrost kroch mich an 
schlaf mich ein 
dachte ich
da begann ein vogel zu singen
ich bin eine nachtigall sagte er 
und kraft meines amtes 
muss ich dir sagen 
dass du 
ganz gleich 
was geschehen ist
leben wirst 
wirst schon sehen 
wie fragte ich 
wie auch immer sagte er 
immer und alles 
von anfang bis ende 
aha sagte ich 
rieb mir frost aus den händen 
und schickte eine sms 
daumen tanzten über die tasten 
immer und alles 
und alles und immer 
so lange es geht 
wie dumm es auch sein mag
siehst du sagte die nachtigall
ja ja sagte ich 
ich hatte vergessen 
gut sagte die nachtigall 
gab mir eine karte und flog davon
ich hielt die karte ins mondlicht 
ihr name stand drauf 
und ich wusste jetzt wieder
dass alles kommt wie es kommt


(c) Hermann Mensing

Sonntag, 18. November 2012

Mathe-Professor erst 24 Jahre alt

Prof. Dr. Peter Scholze        Foto: Volker Lannert(Uni Bonn

Mathematik-Genie Peter Scholze (24) wird der wohl jüngste Professor mit einem Lehrstuhl in Deutschland. Scholze nahm einen Ruf an die Universität Bonn an.
Trotz seines jungen Alters gehöre der gebürtige Berliner weltweit schon zu den brillantesten Vertretern seines Fachs, berichtete die Universität.
Scholze, der in Bonn studiert hat, wird Elite-Forscher und besetzt eine der Professuren des Exzellenzclusters für Mathematik. Seit 2011 ist er Research Fellow des Clay Mathematical Institute, einer internationalen Stiftung mit Sitz in Cambridge (USA) und Oxford.
Aufgewachsen ist Peter Scholze in Berlin. Als Schüler gewann er mehrere Mathematik-Olympiaden. In Bonn brauchte Scholze laut Angaben der Uni nur drei Semester für den Bachelor und zwei für den Master. 

Blick ins Atelier: MALGORZATA LAZAREK


(pole i dom) - field and house 

140 x 60 cm 
oil on canvas

Małgorzata Lazarek- studies at Academy of Fine Arts in Cracow, Faculty of Graphics in Katowice. Diploma in professor Tomasz Jura's studio - drawing, film and professor Jacek Rykała's - painting. The academy awarded her the medal for the whole work and she got the academy-prize. The artist was also winner of the main prize at ALL - Polish Biennale of Student's Drawing. She belongs to a not numerous group of women taking care of satiric drawing. She is a frequent prize-winner of International Exhibition "Satyrykon" and many other competitions (also received awards for painting). Malgorzata Lazarek's focus lies on painting, drawing, cartoon and illustration. She lives in Katowice.


Ludovico Einaudi: Le Onde, Sonate von Samuele Bonfè



Meine Klassiker: ABER VIELLEICHT von Nelly Sachs
















ABER VIELLEICHT
haben wir
vor Irrtum Rauchende
doch ein wanderndes Weltall geschaffen
mit der Sprache des Atems?
Immer wieder die Fanfare
des Anfangs geblasen
das Sandkorn in Windeseile geprägt
bevor es wieder Licht ward
über der Geburtenknospe
des Embryos?
Und sind immer wieder
eingekreist
in deinen Bezirken
auch wenn wir nicht der Nacht gedenken
und der Tiefe des Meeres
mit Zähnen abbeißen
der Worte Sterngeäder.
Und bestellen doch deinen Acker
hinter dem Rücken des Todes.

Nelly Sachs, aus: Späte Gedichte

Samstag, 17. November 2012

Fantasien zur Nacht: PALASTSÄLE von Erika Ott

Versailles, Salle de Glaces


PALASTSÄLE

Ein Schloss betrat ich
lichtdurchflutet
schwang der Park sich
auf die Fensterbänke

in den Sälen Edelholz
vertäfelungen Gobelins 
und Landschaftsbilder
Wolkenzauber an

den Decken dieser Räume
längs gereiht wie Perlen
edel türgerahmt
als Knotenkette

roter Läufer
mir zu Füßen
endend noch im 
Unbekannten

lockend ihm zu folgen
weiter immer weiter
schreiten
Säle leuchtend

von verzierten Möbeln
Kachelöfen Schränken
weiter immer weiter
Betten und Intarsientische

Lüster flammend
schwer kristallen
Spiegelkabinette
weiter immer weiter

hell und groß und
in sich Spiegel
und der hellste Zauber
nur mit dir.


(c) Erika Ott

Heute Abend in Darmstadt: Gibts ein Leben über 40?

THOMAS REIS:"GIBTS EIN LEBEN ÜBER 40?"

endlich wieder in Darmstadt zu sehen - Wiederholung
am Sa, 17.11.12 Beginn: 20:30 Einlass: 19:00


halbNeun Theater + Sandstr. 32 + 64283 Darmstadt + Tel.: 06151 23330 (Abendkasse)


Wie sieht das aus, wenn jemand 40 wird? Die Leute sind für acht eingeladen – und kommen um sieben. Wer nicht reinfeiert, hat um Mitternacht keine Gäste mehr. Die Gespräche drehen sich um private Rentenversicherungen, Wellness, Scheidungskosten, alte Zeiten und Arzttermine. Ist das Altersschwachsinn oder ist das Alter Schwachsinn?

Dichterhain: ZEIT HINTER GLAS von Birgit Burkey

Die Wand, Film (2011)















ZEIT HINTER GLAS


Stunden rinnen,
wie Regentropfenwasser
über die kühlen Scheiben.

Blicke wandern
ruhelos, ohne Ziel,
spiegeln sich im Fenster,

suchen Halt
in ewigen Träumen,
kreisen durch Vergangenheit.

Einsame Welt,
Die Wand, Film (2011)
die sichtbare Hülle,
gefangen hinter Glasmauern.


© Birgit Burkey, 2010

Freitag, 16. November 2012

Fantasien zur Nacht: DU von Angelika Peymann


DU

Deine Haut verströmt den Duft,
der im Dunkeln nach mir ruft.
Schleicht tief bis in meine Lende
wohlig warm wie deine Hände.

Puls der Nacht entfacht die Glut,
die uns beiden tat so gut.
Meine Haut wird straff und fest,
ich will dass du dich an mich presst.

Will spüren deine Wildheit pur,
grab in mich deine heiße Spur!
Gedanken die mich irre machen,
verleiten mich zu manchen Sachen.

Meine Hand wird dich erobern,
bis bei dir die Gier wird lodern!
Nimmst mich dann mit sanfter Kraft,
die in mir die Leiden schafft.

Gedanken an die letzte Nacht,
schüren, bis die Glut entfacht.
Spür´ erneut die Lust in mir,
die sich steigert, bis zur Gier,

Neben mir die Manneskraft,
die mir schenkt die Leidenschaft.
Will den Eros gerade wecken,
als er anfängst sich zu recken.

Meine Hand beginnt das Spiel,
hat dabei nur eins im Ziel.
Leichte Vibration durchströmt,
bis die Kehle leise stöhnt.

Die Erregung macht dich hart,
öffnet meine Lippen zart.
Aug´ in Aug´, im Duft der Liebe
Verschlingen sich dann unsre Triebe

Innig reitend auf den Wogen
Gespannt der Körper, wie ein Bogen
Treibt die Sehnsucht die Ekstase
Schillernd, weich, als Seifenblase.

(c) Angelika Peymann

Heute Abend in Darmstadt: SERVUS PIEFKE!

SEVERIN GRÖBNER: "SERVUS PIEFKE!"
Unangenehme Wahrheiten über Deutschland -
so freundlich wie möglich von einem Wiener formuliert.

Heute, 16.11.12, Beginn: 20:30, Einlass: 19:00

halbNeun Theater + Sandstr. 32 + 64283 Darmstadt + Tel.: 06151 23330 (Abendkasse)

„Piefke“ – ein seltsames Wort. Ein Wort, das für deutsche Ohren fast zärtlich klingt. Nur: Es ist nicht zärtlich! Es ist einfach der Terminus Technicus im Wienerischen für den Deutschen.

„Servus“ sagt man zum Abschied. Leise. Meinte Peter Alexander. Das Gegenteil ist richtig. In Wien sagt man es zur Begrüßung, laut und es wird „Servaaas“ ausgesprochen. Auf Deutsch übersetzt, sagt hier jemand also „Hallo, Deutsche!“.

Heute Abend: Vernissage im Rathaus Forbach (F)

Vernissage, Rathaus Forbach, 19 Uhr:

Malerei und Skulpturen 16.11. bis 10.12.2012






Heute Abend in Neunkirchen: AUSBILDER SCHMIDT



Am Freitag, 16. November 2012, gastiert Ausbilder Schmidt im Rahmen der Comedy-Reihe ab 20:30 Uhr in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen.

Happy Birthday, du Lusche! Wer hätte gedacht, dass dieser Stinkstiefel so lange überlebt? Und so schaut Holger Müller in seinem 5. Programm kurz zurück und dann wieder weit nach vorne! Der Ausbilder erzählt stolz die Top 10 der gemeinsten Sprüche aus vier Live-Programmen und nimmt Abschied von seinem geliebten Feindbild Zivi. Aber unser geliebter „Drecksack“ hat natürlich auch viel Neues zu berichten: wie mag ein Ausbilder Schmidt wohl im Jahre 2050 sein? Immer noch laut und kernig oder doch eher mürbe und luschig? Und wie feiert überhaupt ein Ausbilder Geburtstag? Bei runden Zahlen und Schnapszahlen kann ja jeder feiern, Ausbilder Schmidt feiert nur bei Primzahlen, die sind wie er: unbeliebt, ungerade und schlecht teilbar. Der Ausbilder gibt immer alles, jede Menge Anschiss für jeden.

Karten für die Veranstaltung sind zum Preis von 15 Euro bei allen Vorverkaufsstellen von ProTicket (u.a. Wochenspiegel), unter der Tickethotline 0231-9172290 sowie online unter www.nk-kultur.de erhältlich. In Neunkirchen sind die Karten bei der NVG (Lindenallee) sowie beim Wochenspiegel und bei Tabak Ettelbrück (Oberer Markt) erhältlich. Der Preis an der Abendkasse beträgt 17 Euro.

Dichterhain: ZEITKRANK von Heidi Huber
















Zeitkrank

Im überwärmten 
Konsumwasser
erschlafft,
unfähig
zu Arm- und
Beinschlag

(c) Heidi Huber

Donnerstag, 15. November 2012

Nachlese: INSEL 34 von Annette Pehnt

Ihr meisterhaftes Debüt »Ich muß los« gehörte 2001 zu den großen literarischen Entdeckungen. 2003 legte die glänzende Erzählerin Annette Pehnt ihren zweiten Roman vor – die Geschichte einer begabten jungen Frau auf der Suche nach ihrem Sehnsuchtsort.

»Ich habe nie so getan, als ob ich die Insel kenne, und ich bin die einzige, die wirklich hinfahren wollte. Die Seekarten hatte ich mir schon gekauft, bevor ich Zanka überhaupt kannte.«
– Zanka roch nach Vanille und Zigaretten, und er brachte ihr bei, wie man liebte. Aber auch Zanka konnte sie nicht davon abhalten, auf die Inseln vor der Küste zu fahren. Keine von ihnen trug einen Namen, sie waren numeriert. Und Insel 34 war ihr Ziel, dorthin wollte sie, den Jungen mit den geraden Augenbrauen finden und herausbekommen, ob ihr Herz schneller schlug.Die eigenwillige Ich-Erzählerin in Annette Pehnts neuem Roman hofft auf das Erwachen ihrer Leidenschaft, das Leben zu spüren ist ihr Wunsch. Unbeirrt versucht sie, ihm mit Forschergeist und der Beherrschung eines ungewöhnlichen Instruments näherzukommen.
Die Leser werden von einer permanent zunehmenden Leidenschaft für eine namenlose Insel erfasst, spüren die Sehnsucht des Mädchens, die sich allmählich zur Sucht steigert und werden ihr Begleiter auf dem Weg zum großen Ziel. Insel 34 ist die am weitesten entfernte, und so übernimmt die junge Frau eine kleine Reise über Insel 28, 32 und 33, wo sie auf sehr skurrile und eigenartige Menschen und Zustände trifft. Im Hintergrund steht ein Vaterkonflikt, der sich langsam auflöst. Wir fühlen uns an Kafkas Welten erinnert. Eine trübe Atmosphäre, Leidenschaft, die keine ist, Menschen, die nur graben, Gezeiten als Taktgeber, Tschechow wird mit der "Insel Sachalin" zitiert, fremdartig, grotesk und interessant ...


»Die bezaubernd schillernde Geschichte einer Heranwachsenden, die ihren Sehnsuchtsort findet« Ulrich Greiner, Die Zeit

Piper Verlag + 189 Seiten + Gebunden + € 16,90

Heute Abend in Groß-Umstadt: Dark Secrets



DARK SECRETS

Rainer Magold - Abstrakter Expressionismus


                                                                                                                                                                   

Vernissage: Donnerstag, 15. November 2012, 19:00 Uhr bis 21:30 Uhr

Farmerhaus, Am Farmerhaus 1, 64823 Großumstadt

Dichterhain: GEWITTER von Norbert van Tiggelen


Gewitter


Wolkenmonster schreiten kraftvoll,
unaufhaltsam auf mich zu, 
toben, knurren, schnauben lautstark,
Schluss mit mollig warmer Ruh.

Bäume biegen sich wie Gräser,
durch die Hand des Sturms bewegt,
peitschend sich der Wind entfesselt,
über Land und Straßen fegt.

Aus dem Himmel tönt Gedröhne,
schimpft mit mir in rauem Ton,
Vögel flüchten panisch kreischend
vor dem mystischen Dämon.

Wassermengen prasseln nieder,
sintflutartig, wie ein Fluch, 
Bäche werden schnell zu Flüssen, 
ich im Dickicht Schutze such.

Wolkenmonster zieh’n von dannen,
haben mich nicht mal erkannt,
Vögel zwitschern wieder munter,
schwüle Luft, sie wurd’ verbannt.

© Norbert van Tiggelen

Mittwoch, 14. November 2012

Wie war's beim ersten Leseabend des Vereins LESEN & KULTUR FÜR ALLE E.V.?


























Am 7. November 2012 hat der Verein LESEN & KULTUR FÜR ALLE E.V. zu seinem ersten Mittwochabend mit kulturellem Ereignis eingeladen. Begonnen hat die Reihe, die wohl jeden ersten und letzten Mittwoch des Monats stattfinden wird, mit Hilke-Gesa Bußmann, einer jungen Autorin (22 J.) aus Ostfriesland gebürtig und nun in Offenbach am Main gelandet - wegen ihres Studiums der Germanistik, Pädagogik und Medienwissenschaften. Sie gewann 2006 den Odenwald-Krimi-Preis mit einer Geschichte namens "Die Lämmer schwimmen nicht". Als Zugabe an diesem Abend war diese ebenfalls zu hören. Die Reihe des Vereins wird auch anderen Zünften eine Chance bieten, so den Musikern oder Schauspielern, und zwar aus allen Nationen.

Dazu passt der Ort des Geschehens, die Interkulturelle Bühne in Frankfurt, Alt-Bornheim, von Yusuf Kilic gegründet, der ein vielfältiges internationales Programm und eigene Stücke, Theaterwerkstatt und Kabarett anbietet. Die Rhein-Main Künstler-Initiative (RMKI) wurde ebenfalls von ihm initiiert.

Felicitas Göbel, Schauspielerin, werdende Theaterpädagogin, ausgebildete Architektin und 1. Vorsitzende des Vereins LESEN & KULTUR FÜR ALLE E.V. begrüßte die Gäste und wies auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, den Abend zu nützen. Junge und alte wie ältere Autoren, Musiker und Theatergruppen sind herzlich eingeladen ihr Können zu zeigen und ggf. Inhalte zu diskutieren.

Die Autorin, Frau Bußmann, erläuterte uns dann, wie sie ihren Fantasyroman "Die Legenden der Weltentaucher" anzulegen plane, und zwar auf 12 Teile. Aus Teil I und II las sie vor. In Teil I (Der Aufbruch) träumt Acadius eine Begegnung aus seiner Kindheit wiederkehrend. Mit 16 wird er frei, weil der Vater stirbt. Man holt ihn in die Stadt und lässt in Alchemie studieren. Acadius ist ein strebsamer Schüler, will Dinge ausprobieren, die andere nicht wollen. Er wird auch als Einzelgänger beschrieben, baut seltene Pflanzen an und ist erhaben über die Aufgaben der Dozenten, weil er sie leicht erfüllen kann. Die Dozenten Phobos und Daimos wissen, dass er eine besondere Gabe hat (es wurde prophezeit, dass er als siegreicher Magier auftreten werde) und stellen ihm eine Aufgabe - einen Trank zu brauen -, die theoretisch nicht erfüllbar ist, weil ein wichtiges Kraut fehlt. Nur die Uni besitzt es. Acadius will die Aufgabe lösen und beschließt in der Uni einzubrechen und das Kraut eben einfach zu stehlen. In Teil II wird der Weg dahin durch ein dunkles, mysteriöses Viertel beschrieben mit allerlei Konfrontationen und Abenteuer, die ein wenig an Charles Dicksen Londoner Straßen- und Gassenleben erinnern.

Eine Besonderheit bei Hilke-Gesa Bußmanns Schreibprojekt ist neben der klaren Sprache, dem Spannungsaufbau und der detaillierten Beschreibung die Interaktivität, die es erlaubt den Inhalt mitzubestimmen und mitzugestalten. So können interessierte Mitleser den Fortgang der Geschichte in Absprache mit der Autorin auch schreiben und sich als Mitautor dauerhaft verlinken und präsentieren. Die Autorin ist von der modernen Medientechnik, der E-Book-Welt, den Apps vollauf begeistert und setzt alle Trümpfe ein, um die Leseransprache entsprechend zu aktivieren. Für viele Leser könnte dieser Zugang direkt eine für die kommende E-Book-Welt stellvertretende Romangestaltung sein, die eben in der Tradition des Common Creative Writings ein partielles Gemeinschaftswerk, aber im Fundament eine Einzelkreation ist. Die Ausarbeitung bietet eben Andockmöglichkeiten für fremde Wünsche.

Ich bin gespannt auf weitere Abende des Vereins ... Eine zweite Lesung von Hilke-Gesa Bußmann zu einem späteren Zeitpunkt ist geplant. Auf dem Programm steht für Dezember auch Heike Matthiesen, eine erstklassige Musikerin mit internationalem Ruf an der klassischen Gitarre und einiges mehr.


Fotoalbum

Literatur aus alpinen Höhen: orte 171 - Am Ende der Leere ist mein Cafe - arabische Dichtung von heute


Entdecken kaum bekannter Orte und Gefilde - das gehört seit mehr als dreißig Jahren zum Antrieb der Literaturzeitschrift orte. Für die Ausgabe 171 ging die Reise in die Weite, und vor allem auch in die Tiefe: in die Tiefe der arabischen Kulturen. Die Reise - unter der Reiseleitung eines Kenners der arabischen Lyrikszene, Suleman Taufiq, und des Organisationsteams des AI-Mutanabbi-Festivals Zürich - führte bald in aufrüttelnde, bald in betörende Sphären. Gedichte von sechzehn zeitgenössischen Lyrikerinnen und Lyrikern aus sieben Ländern stehen in diesem Heft einander gegenüber. Sie sprechen über das Leichte ebenso wie über das Schwere. Zu letzterem gehört sicher das Exil, das zahlreiche arabischsprachige Dichter am eigenen Leib erfahren. Erinnerungen an die Kindheit, das Klagegeheul der Großmutter, das Warten, die Wanderschaft, sinnliche, sehnsuchtsvolle Liebe - die eindringlichen Bilder und ihr Wortgesang erweisen sich in ihrer oftmals schwebenden Traumhaftigkeit als beglückend und gehen unter die Haut.
orte - Schweizer Literaturzeitschrift, Nr. 171 (2012): „Am Ende der Leere ist mein Cafe - arabische Dichtung von heute", 72 Seiten, CHF 14-/ EUR 8-
Erhältlich im Buchhandel oder direkt bei: orte-Verlag, Rüteggstrasse 48, CH-9413 Oberegg AI, Tel. 071 888 15 56, www.orteverlag.ch, info@orteverlag.ch

Nächsten Freitag in Dierbach, um 20 Uhr: „KLASSIK – HART AN DER GRENZE“ HÄNDEL UM SCARLATTI & CACCINI mit Elke Jäger



KLASSIK – HART AN DER GRENZE“
HÄNDEL UM SCARLATTI & CACCINI
Endlich gibt es wieder ein erstes Konzert im Kulturhof Huthmacher in Dierbach. Im wundervolle Ambiente verspührt man trotz neuer Leitung immer noch den Charme der großartigen Sängerin und Gründerin.
Danke, dear Jane (Casselmann).
Völlig anders aber gestaltet nun Elke Jäger ihr „Klassik-Programm“. Liebevoll, schräg, gemein und frech. 15 Jahre Bühnenjubiläum sind für sie Anlass genug Händel um Scarlatti und Caccini zu präsentieren. Hart an der Grenze. Zu welcher?
Wer war dabei als großartige Meister des 17. Jahrh. traumhafte Lieder komponierten? Hat das wirklich einer ernst gemeint?
Lustige Lieder, lächerliche & solche die dramatisch von endlosem Leid klagen, italienisch natürlich. Passt dies zur Feier? Ein Wimmern nach Mama, betrunkener Casanova, Herzschmerz, verschmähte Liebe?
Blitzschnell wandelt die Sängerin Stimmlage und Kostüme. Darf die das? Keine Ahnung, aber sie tut es –begleitet von Claudia Rösner am Piano (klingt auch irgendwie italienisch). Na, da kann ja nix schiefgehen. Trauen Sie sich zu, solch eine Konzert-Stunde auszuhalten?
20 Uhr Einlass ab 19 h - Konzert im Kulturhof Huthmacher Dierbach
Tickets : € 12,00 AK € 14,00 - Musikhaus Erlo – Bad Bergzabern,
tel. Reservierung: 06343 – 7650

Dichterhain: LIEBESERKLÄRUNG von Anner Griem


Liebeserklärung

Für Johanna

Warte, meine Lieb,
Hier noch ein wenig
Kerbel, Du liebst ihn
Doch so sehr
Stell‘ Dir vor, er
Treibt schon aus
Und dort, der Borretsch,
Dein Lieblingskraut, er
Wagt sich schon hervor

Ach was, meine Lieb,
ist die Jugend denn von
Dauer? Liebst Du nicht auch
Die welkende Rose, die
Die Pracht ihrer
Jugend konserviert?

Ja, meine Lieb,
Ich habe Dich nie auf
Händen getragen, Du standest
Stets auf eigenen Beinen
Das zu begreifen, war
Schwer genug

Hier, meine Lieb,
Ich lege Dir zwei
Junge Triebe vom Kerbel
In den Schoß, eine
Rose vom Vorjahr dazu
In beiden, meine Lieb,
In beiden bist Du

(c) Anner Griem

Dienstag, 13. November 2012