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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Donnerstag, 19. August 2010

Aktuelle Events in Trier/Nördl. Saarland (19./20.08.)


ADAC Deutschland Rallye - Showstart

  • Datum: 19.08.2010 - 20:00 Uhr
  • Location: Porta Nigra
  • Ort: Trier

PUR


  • Datum: 20.08.2010 - 19:00 Uhr
  • Location: Strandbad
  • Ort: Losheim am See

Klazz Brothers & Cuba Percussion




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Mittwoch, 18. August 2010

Rheinland-pfälzische Künstler: Der kleine Kunstbahnhof von Dietmar E. Hofmann-Leitmeritz

Der kleine Kunstbahnhof 
(Link 1)
Galerie und private Akademie
Dietmar E. Hofmann-Leitmeritz, Maler und Grafiker
Bahnhof Eschenau, 66887 St. Julian-Eschenau
Telefon: 06387-993660  Mobil: 0174-8986606























Der Hausherr des "Kleinen Kunstbahnhofs" in Eschenau am Glan, Ortsteil von St. Julian im Nordpfälzer Bergland (Link 2), für den Bilder "seine Hängematten" sind, wurde am 6. Juni 1944 in Leitmeritz an der Elbe geboren und wurde ein Jahr später am Ende des Krieges im Viehwaggon nach Thüringen evakuiert. 1949 flüchteten seine Eltern nach Westdeutschland. 10 Jahre später begann er eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker, die bis 1962 dauerte. Es folgten vier Jahre an der freien Akademie in Mannheim bei den Professoren Bergner-Berger, Nagel und Margin. Danach lebte er 11 Jahre in München, arbeitete als Vorarbeiter im Handwerk, betrieb Kunst am Bau. Dort war er eine bekannte Erscheinung als Unikum mit Rennrad, Brasil-Zigarren und Batschkapp. Nach seiner Rückkehr in die Pfalz gründete er die Mini-Galerie in Mackenbach, war Dozent an der Kreisvolkshochschule und im Weiterbildungszentrum Kaiserslautern, bevor er 1986 den Kleinen Kunstbahnhof gründete, seine Galerie und Atelier sowie seine private Akademie für Malen mit Öl, Aquarelltechnik, experimentelle Techniken und Töpfern eröffnete. Er hat drei Töchter. Sein schelmen- und alles hinterfragendes, auch krass mit Tabus brechendes Wesen ist heute noch ein Anziehungspunkt der Besucher in seinem Kunstbahnhof. Jede Ausstellung ist mit einer Verlosung von kleinen Kunstwerken (Radierungen, Drucken, Bildern von den Ausstellern oder von ihm) bei den Vernissagen verbunden, dass sich oft der weiteste Weg rentiert. Einfach ankommen (Bus, Pkw, Fahrrad, zu Fuß, auch mit der Fahrraddraisine ab Meisenheim oder Altenglan), anschauen, ausspannen und immer wieder die Bilder hinterfragen, Gespräche mit den Künstlern und Gästen anknüpfen, Kunst kaufen. Es wird ein gelungener Tag gewesen sein.



Was die Bilder von D.E. Hofmann-Leitmeritz bestimmt sind elementare Züge des Surrealismus nach 1945, wie bei Mac Zimmermann, Paul Wunderlich, Peter Ackermann und des sog. Phantastischen Realismus in den 50er-Jahren, zu dem die Wiener Schule um Arik Brauer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden gehört, aber auch Friedensreich Hundertwasser gezählt wird. In Wien findet sich auch das beeindruckende und begeisternde Arik-Brauer-Haus (1991-1994) im 6. Bezirk Mariahilf, Gumpendorfer Straße 134-138, das ähnlich wie Hundertwassers grandioses, herrlich weich und farbig auftrumpfendes Krawina-Haus von 1983-1985 im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße, Ecke Kegelgasse/Löwengasse, aber strenger in der Form, den Besucher magisch in seinen Bann zieht.


Überall im Werk von D. E. Hofmann-Leitmeritz dominieren surreale Formen und Figuren, fantastische Farbwelten und archaische Botschaften. Eine Spezialität sind dynamische Bewegungen aus der Bildmitte, wie bei einer Explosion oder einem rotierenden Energieherd. "Plutonium", "Tanz auf dem Vulkan" und "Vulkaninsel" sind deutliche Beispiele. Auf den Bildern tauchen Schutzengel auf, die sehr abstrakt und surreal überzeichnet ungewöhnliche Formen fern der Erwartung annehmen, sich auf ganz langen Beinen fast spinnenhaft bewegen. Schemenhaft schimmern erotische Anziehungskurven durch oder dominieren klar, ohne ihnen mehr Realität zu verleihen. Es spuken Dämonen und Fabelwesen in einem sich wie Nebel breitmachenden Traum, alles wirkt aufeinander ein und ist miteinander verbunden, die Wahrnehmung mehrfach durch fetzenhafte Bilder und Bruchstücke überlagert.


Jedes Bild des Künstlers ist wie ein komplexer Traum an einem Tag, in einer Nacht oder über viele Tage oder Nächte -  immer wiederkehrend, sich verändernd, eine Deutung suchend. "Das Unbewusste ist wie die Sprache strukturiert", sagt Jacques Lacan, der große französische Psychoanalytiker. Es arbeitet vorwiegend in Metaphern und Metonymien, aber auch mit anderen Stilfiguren wie dem Paradoxon, dem Oxymoron, der Alliteration, der Hyperbel und dem gesamten Formenschatz der Rhetorik in der Begrifflichkeit und in den Bildern. Alle Stilfiguren wie bildlichen Aussagen stehen für etwas anderes, etwas Fremdes, Verdrängtes, nehmen einen Platz ein, der ursprünglich immer woanders ist. Insofern sind die handwerklich und kompositorisch meisterhaften und beeindruckenden Werke von D.E. Hofmann-Leitmeritz eine Momentaufnahme aus dem Unbewussten, aus der Traumwelt und fordern den Betrachter, allem einen eigenen Sinn zu geben. Bilder mit sehr hohem Anspruch für große Ausstellungen und moderne Museen, für hochkarätige Kunstbesitzer.



(Im Zorn, 2010)

(Fotos: viereggtext)
Einige Werke aktuell zu sehen 
ab 26. September bis 10. Oktober 2010 
im Nibelungen-Kunstpalast 
in 64686 Lautertal-Elmshausen
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Dienstag, 17. August 2010

Buchbesprechung/Sommer-Hottie 3: Kamasutra kopfüber

Tobias Niemann
Kamasutra kopfüber
Die 77 originellsten Formen der Fortpflanzung
München 2010, 176 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 17,95 €, Verlag C.H. Beck

Bei dem folgenden Buch zum Thema Sex ist Nachahmung nicht empfehlenswert. Es ist auch nicht für Jugendliche unter 16 Jahren geeignet, da es explizite und detailreiche Darstellungen sexueller Handlungen und einschlägiges Vokabular enthält, wie der Verlag schmunzelnd mitteilt (die beiden zuvor genannten Sommer-Hotties nach FSK eigentlich auch nicht ;-). Ein Blick ins Buch bestätigt die humorvolle Warnung, denn dieses nette kleine Handbuch für animalischen Sex des Diplom-Biologen und Doktor der Neurowissenschaften zeigt an 77 Beispielen die faszinierenden Tricks und spektakulären Stellungen wie Praktiken zur Fortpflanzung bei so netten Lebewesen wie der Grünen Bonellia über den Grasfrosch und das Seepferdchen bis zum nordafrikanischen Dickschwanzskorpion und zur argentinischen Schwarzkopfruderente.

In medias res: Das Bonellia-Weibchen betreibt eine Art Ganzkörperoralverkehr, da es - 1000-mal größer als das Männchen, nämlich 1 m lang -  zur Befruchtung seiner Eier das Männchen einfach verschluckt! Beim Nordoppossum, dem bekanntesten amerikanischen Beuteltier, verfügt das Weibchen gleich über zwei Vaginas und das Männchen kann mit einem zweizipfeligen Penis kontern. Den Namen hat das Buch von Fledermäusen, denn diese "Boten" Graf Draculas und schwirrenden Nacht-, Decken- und Höhlenbewohner lieben sich kopfüber. Die Männchen des malayischen Mausohrs sind sogar säugungsfähig und die Befruchtung erfolgt erst Monate später! Beim Seepferdchen wird das Männchen schwanger (!) und bebrütet die Eier. Jeden Morgen gibt es ein ausgiebiges Tänzchen mit Madame, so leben sie in Treue und Harmonie. Es finden sich im Tierreich  a l l e  Arten von Sex, sogar die Fortpflanzung ohne Körperkontakt beim Badeschwamm. Der europäische Maulwurf verwendet einen Korken für die Keuschheit, die rotseitige Strumpfbandnatter liebt Sex in der Hundertergruppe, die Grille kennt einhundert Liebesstellungen, es gibt ferner tödliche Küsse, Kastrationen, Zwitter, gleichgeschlechtliche Liebe, Masturbation und Selbstbefruchtung, außerdem keinen Sex. Ein Buch, das den Sucher nicht im Regen stehen lässt wie die schwingende Vibrationsmaschine mit künstlichem Penis und zwei Eingängen (siehe A. Reinwarth)! Absolut lesenswert!


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Montag, 16. August 2010

Buchbesprechung: Die Welt des Ryszard Kapuscinski

Ilija Trojanow (Hrsg.)
Die Welt des Ryszard Kapuscinski 
Ausgewählte Geschichten und Reportagen
München 2009, 276 Seiten, Paperback, 
8,95 €, Piper Verlag


Originalausgabe:

Ilija Trojanow (Hrsg.)

Die Welt des Ryszard Kapuscinski: 

Seine besten Geschichten und Reportagen 

Frankfurt/Main 2007, 260 Seiten, Hardcover, 19,95 €, Eichborn Verlag



Für Ilija Trojanow war Ryszard Kapuscinski, der große polnische Journalist, Auslandskorrespondent, immer Leitstern und Idol. Nach dem Tod des großen Autors am 23. Januar 2007 hat er aus dem umfangreichen Gesamtwerk des polnischen "Reporters des Jahrhunderts" seine Lieblingsstücke ausgewählt und stellt sie - begleitet von eigenen Texten über Kapuscinskis Welt - vor. Kapuscinski hat den Reden von Nasser und Nkrumah mit eigenen Ohren zugehört, Salvador Allende, Idi Amin, Che Guevara und Patrice Lumumba persönlich getroffen. Er durchstreifte Asien, Afrika und Lateinamerika, lernte die Länder hautnah kennen, war in Krisensituationen mittendrin. Er hat auch den Zerfall des sowjetischen Reichs beobachtet und die stattliche Zahl von 30 Staatsstreichen und Revolutionen selbst miterlebt. 

Von ihm stammt auch das Weltruhm erlangende Buch „König der Könige. Eine Parabel der Macht“ über Haile Selassie bis zum Sturz 1974.

Eine Biographie von Artur Domoslawski, der die privaten Papiere von RK einsehen durfte, entlarvte die Reporter-Ikone Polens in seiner kritischen Biografie "Kapuscinski. Non-fiction" vom März 2010 als Wahrheitsbastler und Manipulateur, Lügen und politische Einseitigkeit : Kapuscinski soll seine Reportagen konstruiert und beschönigt haben, der Marxist in ihm. Die polnische Medienwelt erschüttert. Ein wichtiger Nationalheld als Scharlatan? Es gibt wohl etliche sachliche Fehler, aber der Übersetzer Martin Pollack, der die Übersetzung der Enthüllungsbiografie wegen eindeutig erkennbarer subjektiver Angriffe ablehnte, macht darauf aufmerksam, dass es schließlich ein Literat aus sozialistischer Tradition war, dem auch Fehler unterlaufen konnten.


Ryszard Kapuscinski wurde am 4. März 1932 in Pinsk geboren, das damals noch polnisch war und heute zu Weißrußland gehört. 1945 kam seine Familie nach Warschau. Er studierte Geschichte an der Universität in Warschau. Von 1956 bis 1981 arbeitete er als Auslandskorrespondent für die polnische Presse. Seit 1981 lebte Ryszard Kapuscinski als Journalist und Schriftsteller in Warschau. Er unterstützte die von der kommunistschen Regierung verbotene Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc von Lech Walensa, der dann 1990 erster frei gewählter Staatspräsident Polens wurde. Das bedeutete Publikationsverbot für Kapuscinski. Er begann alle seine Gedanken und Äußerungen, Beobachtungen zu notieren. Sie wuchsen mit den Jahren auf fünf Bände an und erschienen nach der Wende in Polen unter dem Titel „Lapidarium“. Die beiden letzten Bände flossen in die „Notizen eines Weltbürgers“ ein.
Ryszard Kapuscinski wurden 18 Preise verliehen, u.a. 1994 der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 1999 der Hanseatische Goethe-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung in Hamburg verliehen. Im Dezember 1999 wurde Ryszard Kapuscinski von der renommierten Fachzeitschrift "Press" zum Polnischen Journalisten des Jahrhunderts gewählt. 2003 erhielt er den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (Sonderpreis für das publizistische Gesamtwerk).

Im vorliegenden Buch stellt Trojanow 15 kürzere und längere Texte zusammen, die uns genau zeigen, wie und was RK beobachtete. Die kürzeren Texte stammen aus den Notizbüchern und sind Gedankenschnipsel, die weltweit entstanden sind. RK spricht über sich, seine Sicht der Welt und was ihm wichtig ist. Die längeren Texte sind detaillierte erzählende Reportagen ebenfalls aus aller Welt. Gleich die erste Reportage wartet mit einer entspannten Spannung aus Angolas Millionen- und Hauptstadt Luanda in den 60er-Jahren auf. Kurz vor der Erstürmung durch die Frente Nacional da Libertação de Angola (FNLA, Nationale Front zur Befreiung Angolas) [das war eine rivalisierende Befreiungsbewegung, die später auf südafrikanischer Seite gegen die MPLA kämpfte] verlassen Polizei und Feuerwehr die Stadt und tatsächlich sind lediglich 2 Menschen lebenswichtig für die Stadt und das Umland: Der Pilot des einzigen Flugzeuges über die die Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA) (Volksbewegung zur Befreiung Angolas) verfügte, der das Umland versorgte, und ein 30-jähriger Ingenieur, der Luanda zeitweise mit Wasser versorgen konnte, in dem er die bombardierten Pumpen reparierte. Dieser Konflikt der MPLA gegen die Kolonialmacht Portugal wurde von der UdSSR und Kuba unterstützt. Es war eine kommunistische Anfangsbewegung, die erst 1975 anlässlich der Unabhängigkeit Angolas sich in sozialdemokratische MPLA umtaufte. Luanda wurde beschossen, bombardiert und überall warteten die Soldaten auf den Angriff. Sie vertrieben sich die Zeit mit Pornofilmen, die der Vorführer des hiesigen Kinos im Stop-and-go-Verfahren anbot. Jede knisternde Szene wurde gestoppt und mit Gejohle begrüßt. In der Ferne Geschützdonner vor der Stadt.
Nächste Reportage: Wieder Afrika, dann Kaiser Haile Selassie, der letzte Kaiser Äthiopiens, der als afrikanische Unabhängigkeitsikone die Unabhängigkeit Äthiopiens mit Hilfe der Briten erkämpfte, aber später wegen seiner Konservatismus auch vom eigenen Sohn abgelehnt wurde, Dann Persien, das Ende der Schah-Herrschaft Reza Pahlavis, Chomeinis Anhänger am tödlichen Werk. Es folgt ein Stimmungsbericht aus Moskau im Frühjahr 1989, der Umsturz- und Endzeit vieler kommunistisch-sozialistischer Diktaturen.
In dieser Manier führt uns RK zahlreiche Krisenherde vor, die historisch neu zu entdecken, den Leser fesseln und einen das Buch immer wieder in die Hand nehmen lässt.




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Sonntag, 15. August 2010

Jetzt im Kino: Summer Wars - ein Animé-Video von Kazé

In Summer Wars (2010, Regie: Mamoru Hosoda) beginnt alles ganz harmlos, Lachen, Ferien, Besuch auf dem Land, der Junge Kenji darf mit dem hübschesten Mädchen der Schule, Natsuki, zum 90. Geburtstag ihrer Uroma. Dann beginnt das Abenteuer, Natsuki verdonnert Kenji zu einem Rollenspiel. Um der traditionsreichen Sumurai-Familie etwas bieten zu können, muss Kenji im Ausland studiert haben und ebenfalls aus einer alten Familie stammen. Natsuki stellt ihn als ihren Verlobten vor, Oma verlangt von ihm das Versprechen, N. immer zu beschützen, was K. fast aus den Socken haut. Dann bittet N. ihn in einem eindringlichen Gespräch vier Tage lang diese Rolle zu spielen.
Währenddessen entwickelt sich in der Internetwelt OZ ein Chaos. K. - wegen eines kleinen Fehlers gescheiterter Kandidat für Japans Vertretung in der internationalen Mathematik-Olympiade - denkt auf der Suche nach seinem verlorenen Account erst, er habe den Code zu dieser Welt geknackt und alles durcheinandergebracht, OZ wird zu einer Kampfarena, Kenji fliegt auf, die Familienangehörigen beschimpfen und bekämpfen ihn, verhaften ihn und wollen ihn der Justiz ausliefern. Aber - wie sich später herausstellt - es war das Pentagon, das eine virtuelle lernfähige Maschine, die ausgerechnet  von N.'s Lieblingsonkel Wabisuke stammt, einem Verstoßenen in der Familie, in OZ ausprobiert wird und zur Kampfmaschine wird. Diese Maschine wird mächtiger und mächtiger, selbst ein Junge aus der Familie, der heimlich den unbesiegbaren Avatar King Kazma bei OZ unterhält, muss klein beigeben.
Ein unglücklicher Schaltfehler in der Elektronik Japans und mittlerweile weltweit führt zum unbemerkten Tod der Uroma. Die Familie trauert und kämpft mit einem Riesencomputer und geliehenem Satelliten-High-Tech gegen das Ungeheuer, das Avatars in sich aufnimmt, stärker wird und Millionen von Accounts "schluckt" und beherrscht, bis hin zu Verkehrsbetrieben, Atomkraftwerken und Weltraumfahrzeugen. K. leistet, was er kann, und er kann sehr viel. Da ein Familienangehöriger das Eis zur Kühlung des Rechners zur toten Oma trägt, geht der gigantische elektronische Zweikampf in OZ zunächst zugunsten des Ungeheuers aus.
Aber schließlich tritt N. mit dem traditionellen Koi-Koi-Spiel, das mit den bekannten Hana-Fuda-Karten gespielt wird, gegen das spielbegeisterte Monster an und besiegt es in einem beeindruckenden Kampf. Der Spuk löst sich auf, das Chaos weicht, ein herabstürzendes Weltraumfahrzeug knallt neben statt auf das Haus der Familie und K. und N. finden schließlich doch zueinander. Beeindruckende Bilder, Spannung und Rührung, japanisches Ehrendenken, Action und sehr hohe Aktualität ergreifen die Lebenswelt der Gamer- und Nintendokinder und führen sie in den Super-Gau der Internetwelt mit gutem Ausgang und Happy End. Ein Kosmos mit der aktuellen Games- und Plattformen-Welt, voll mit japanischerElektronik und gelegentlichem Product Placement von iPhone und Datsun, Jugendliebe, Angst, Selbstzweifel, Stärke und Erfolg.

DVD-Vertrieb: AV-Visionen, Berlin
Summer Wars seit 12.08.2010 im Kino: Siehe hier

Samstag, 14. August 2010

BRANDAKTUELL: Landfahrer aus Kaiserslautern auf dem Weg nach Frankfurt am Main aus den Augen verloren. Vereinzelt britische Landfahrer aufgefallen. (Ursprungsartikel: Von Paris ausgewiesene irische und britische Landfahrer am 13.8. eingetroffen! Kaiserslauterner Innenstadt bevölkert)


Woher kommen die denn alle?, fragte sich der Stadtbewohner oder - besucher am Abend des 14. August in der Fußgängerzone von Kaiserslautern. Ali vom Kebab-Stand half mir weiter. In der Saarbrücker Zeitung dann die Aufklärung. Paris hat einige Hundert Iren und Briten in Caravans und Wohnwagen wohl im Zuge der angekündigten Aufhebung von illegalen Lagern von Landfahrern  "rausgeschmissen". Saarbrücken wollte sie nicht mehr, nachdem sie am 7. August den Festplatz in Burbach beschlagnahmten und den Anwohnern eine provokante Belästigung waren. Am 13. August räumten 200 Gespanne mit Travellers (= Reisende), irisch: Pavees (= Händler, wobei die wenigsten einen gültigen Reisegewerbeschein im Ausland besitzen), wie sie sich selbst nennen, die mit Sinti und Roma nur den Lebensstil und die Familienstruktur gemeinsam haben (aber oft auch in GB, IRE und USA tinkers = Kesselflicker, pickeys = altes abfälliges Wort  und gypsies = Zigeuner genannt werden), den Platz und fuhren nach Kaiserslautern. Dort sind dann noch mal mehr Gespanne hinzugekommen. Mittlerweile sind es nach Auskunft der Travellers, die ganz Europa, die USA und vereinzelt Australien bereisen, 3000 Menschen in Kaiserslautern. Jedenfalls herrschten Irish-Pub-Stimmung und angeregte Diskussionen wie von einer großen gepflegten Urlaubsgesellschaft oder einer Einheit von irischen/britischen Soldaten in der ganzen Fußgängerzone... Keiner wusste, was los ist. Die Fahrenden berufen sich auf die Genfer Konvention (Ist die für Landfahrer zuständig?) und verhandeln. Wie wird Kaiserslautern vorgehen? Wie lange dürfen sie bleiben, wo geht es danach hin?
 Die Stellungnahme der Stadt am 13. Aug. (Pressemitteilung des Rathauses):

"Landfahrer auf dem Messeplatz

Am Freitagnachmittag fand sich auf dem Messeplatz in Kaiserlautern ein größere Gruppe von irischen, englischen, belgischen und niederländischen Landfahrern ein. Zuvor machten diese in Saarbrücken Station. Von dieser Situation überrascht hat die Stadtverwaltung im Zusammenwirken mit der Polizei die Lage bewertet und entschieden, das Verweilen der Gruppe über das Wochenende unter kontrollierten Bedingungen zu dulden. Zur Entsorgung werden kostenpflichtig Müllcontainer und Toilettenanlagen bereitgestellt. Die Landfahrer sind aufgefordert den Messeplatz am Montag zu räumen. Bei Zuwiderhandlung werden Zwangsmaßnahmen eingeleitet. Ordnungsamt und Polizei werden bis Montag mit verstärkten Kräften vor Ort sein, um Auflagen wie zum Beispiel die Einhaltung des Lärmschutzes zu überwachen." 

Wie verdienen die Landfahrer ihr Geld? Beziehen Sie Sozialgelder in ihren Heimatländern? Wer unterrichtet die Kinder? Wie steht es mit der Gesundheitsversorgung? Das Problem der Fahrenden ist ja nach wie vor, dass sie keiner will, aus Angst, dass sie Delikte begehen oder zu lange bleiben! Seit Jahrzehnten sind Polizeibeamte bei der Ermittlung angehalten, zunächst Prostituierte, Strichjungen und Landfahrer ("Zigeuner") zu filzen. Sinti und Roma berichten immer wieder über Gängeleien und Repressalien. Fahrzeuganmeldungen werden erschwert. Ein Teufelskreis! Fast alle Landfahrer in Europa inkl. den Jenischen aus der Schweiz (das sind zusammen Hunderttausende; in D allein 85.000) sind sozusagen seit 600 Jahren auf Achse! Die Iren, die ich getroffen habe, waren trotz ihrer Anzahl nett, gut gekleidet, aber keine Anpöbler ...  Macht es nicht Sinn, Stellplätze gegen Gebühr für bestimmte Zeiträume anzubieten? Stationen für Fahrende? Würde das nicht die Lage entspannen? So müssen jeweils Dutzende von Polizisten mit den städtischen/kommunalen Vertretern ausrücken, um Lager notfalls mit Strenge kurzfristig aufzulösen ... Sarkozy ließ Räumkommandos gegen 10.000 Fahrende auftreten und Gespanne aufladen ... Bleibt die Frage, ob Fahrende sich freiwillig an Fristen halten.

+++ In Kaiserslautern beginnen die Fahrenden mit 300 Gespannen heute (16.08.) vereinbarungsgemäß damit, den Platz zu räumen, wie der SWR und die ARD berichtet. Bereits in der Presseerklärung des Rathauses und in Meldungen danach war nicht mehr von Briten, sondern von Polen, Belgiern und Niederländern als Begleitung der Iren die Rede. Sie hinterließen Berge von Müll, hätten sonst keine Auffälligkeit gezeigt und würden von der Polizei an die Landesgrenze von Rheinland-Pfalz begleitet.


+++ Wie sich allmählich zeigt (siehe Links unten), verdienen einige von ihnen das Geld durch Betrügereien. Ein Kommentator verweist sogar auf Drogenhandel. Das Auftauchen wird eher wie ein Heuschreckenüberfall erlebt. Plätze beschlagnahmen, weiter. Weggelassen wird gern, dass sie von der Stadt bereitgestellte Anlagen/Container benutzen und bezahlen (angeblich 3000 € in Kaiserslautern). 


+++ Die Fahrt geht laut ARD angeblich zum Messeplatz nach Frankfurt/Main weiter, andere sprachen von Verona/Italien, wo sie zu den Festspielen stoßen wollten. Bei dem Tross sind auch Pkw ohne Wohnwagen dabei. In den Medien herrscht absolute Ruhe. Keine Hinweise mehr am 19.8. auf einen Tross von Travellers. Hat sich die "Reisegruppe" aufgelöst?


+++ 19.08.2010: Der Verband der Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass "die deutschen Sinti und Roma seit 600 Jahren in Deutschland leben, und zwar in Wohnungen." Während der Nazizeit wurden sie ihrer Wohnungen und häufig auch Leben und Unversehrtheit beraubt. Seit 1975 betreibt die Bundesrepublik D eine Ansiedlungs- und Integrationspolitik.
Zur Ausweisung der rumänischen und bulgarischen Roma aus Frankreich siehe Saarbrücker Zeitung.
Und Tagesschau

+++ 20.08.2010: Britische Landfahrer fallen unangenehm in der Eifel auf. 
Polizei warnt vor britischen Landfahrern (Händlern)

Bürgerstimmen im Netz 
Bürger zum Thema Geldverdienen bei irischen Händlern/Landfahrern
Saarbrücker Zeitung
Saarländische Online-Zeitung
Mindener Tageblatt (parallel zu Kaiserslautern)
Göttinger Tageblatt (parallel zu Saarbrücken)
Polizeibericht 1 zu irischen Landfahrern (Händlern)
Polizeibericht 2 zu irischen Landfahrern (Händlern)
Polizeibericht 3 zu irischen Landfahrern (Händlern)

Wissenschaftliche Sicht der Landfahrer (weniger die aktuelle Gruppe der Landfahrer betreffend, denen es auffallend gut geht)


Lesenswerter Artikel über Sinti und Roma von Günther Weiss, Sinto, Kriminalkommissar, mit folgender Feststellung: "Daneben reisen vorwiegend in den Sommermonaten französische, belgische, italienische, britische sowie Roma aus Norwegen, Schweden und Dänemark mit ihren Wohnwagen als Händler, Handwerker und Kaufleute durch Deutschland und ganz Europa. Frankreich wird diesen Familien durch das Besson-Gesetz gerecht, wonach Kommunen mit mehr als 5000 Einwohnern zur Einrichtung eines Durchreiseplatzes für Sinti- und Romafamilien verpflichtet werden." [Die illegalen Standorte werden jedoch nach wie vor strikt bekämpft.]


Rolling People

Unabhängige Verlage in Deutschland - Lesung und Vorankündigung des Dresdner Buchverlags



+++ Am 20. August 2010, um 20 Uhr, liest die Autorin Kirsten Spott in der „Pälzer Stubb“ (Leipziger Str. 109, 01127 Dresden) aus ihrem Erzählband „Im Schatten des Schweigens“. Der Verlag lädt alle Interessierten herzlich ein. Der Eintritt ist frei!          Informationen zum Buch          +++


Jan Michalsky
„Süd Salatonien“
Dresden 2010, 384 Seiten, Hardcover, A5
24,90 €, Dresdner Buchverlag 
 

Am 31. August erscheint die Hardcover-Neuauflage des skurrilen Fantasy-Abenteuers „Süd Salatonien“!

Worum geht es? Viele Jahrtausende nach dem Untergang der Menschheit erhebt sich die nächste Stufe intelligenten Lebens auf der Erde: die Salatonier!
Zwei dieser skurrilen Bewohner sind der melancholisch-depressive Choleriker und Hobby-Sadist Pein Eppel und sein idealistischer Begleiter und selbsternannter Leibwächter Starvarius.
Während die beiden versuchen, sich in ihrer chaotischen und kuriosen Welt zurechtzufinden, gelangen sie durch schieren Zufall an eine Prophezeiung des mysteriösen Propheten Nostradanuss.
Mit Hilfe der unvorstellbaren Geschöpfe Süd Salatoniens und nicht zuletzt der Unterstützung des Gottes des Wahnsinns selbst kommen sie ihrem Ziel, die Höhle des Schicksals zu erreichen und ihre Welt zu retten, immer näher. Doch nicht nur mächtige Feinde stellen sich ihnen in den Weg, sondern auch bizarre kulturelle und politische Konflikte führen sie von einem Schlamassel in den nächsten.
Mit unerschütterlicher Motivation jedoch treibt der optimistische Starvarius seinen störrischen Begleiter von Abenteuer zu Abenteuer ihrem scheinbar unerreichbaren Ziel entgegen.

Donnerstag, 12. August 2010

Brot und Spiele in Trier




Brot und Spiele 2010


  • Start am  13.08.2010 - 18:00 Uhr
  • Location: Kaiserthermen und Amphitheater
  • Ort: Trier




Das Programm
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Buchbesprechung: Macht Liebe sehend?

Thomas M. Schmidt (Hrsg.)
Macht Liebe sehend?
Mit Beiträgen von Chiara Piazzesi, Stanislas Bigirimana und Jannis Oberdieck
Preisschriften des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover
Göttingen 2010, 142 Seiten, Paperback, 19 €, Wallstein Verlag



"Macht Liebe nicht eher blind?", müssen wir uns im Gegenzug fragen. Der Volksmund und die traditionelle Philosophie kennen es nur so.

Reingefallen... War doch klar, hätte er/sie doch merken müssen... Oder mal aus psychoanalytischer Sicht: Im sexuellen Verlangen überlagert das Begehren alle rationalen Gründe gegen einen Menschen, im Moment des Erwachens dagegen, wenn Es sich verflüchtigt, kehren Ich und Über-Ich zurück. Sie wollen uns sagen: "Ich bin Ich! Ich verteidige meine Vorstellungen! Das habe ich nicht bemerkt! Oder: Das darfst du nicht! Das gehört sich nicht! Das ist keiner von uns!".

Der andere hat seine Macken und Ticks, je mehr davon erkannt werden und wirken, desto komplizierter für die Beziehung und deren Dauer, so die Psychologie. Je mehr wir dagegen Ähnlichkeiten wahrnehmen, desto lieber ist uns der andere, desto länger kann eine Beziehung dauern. Merken, wir, dass die Gegensätze krass sind, dass wichtige Komponenten wie Vertrauen und Intimität fehlen, kommt der besagte Punkt des Erwachens. Wir können es streckenweise durch erhöhte Acht- und Aufmerksamkeit vermeiden, oft holen uns jedoch die Gene und die individuelle Sozialisation ein.

Was sagt aber die Philosophie dazu? Die Frage, ob Liebe sehend macht, irritiert erst einmal, wenn sie philosophisch beantwortet werden soll. Die (teilweise nihilistische) Tradition in der Philosophie sagt genau das eher nicht. Philosophische Reflexion erscheint kühl und rational, bemüht um Einsicht und Distanz.

Die philosophischen Essays in diesem Buch stellen die Spannung zwischen subjektiver Liebe und objektiver Erkenntnis nicht als unversöhnlichen Gegensatz dar. Philosophie, wie sie hier betrieben wird, verknüpft das naturwissenschaftliche, auf Objektivität und Erklärung ausgerichtete Bild vom Menschen mit unserer Selbsterfahrung als fühlende, handelnde und erlebende Wesen. Denn wir erkennen in der Liebe uns selbst in unserem Mangel und in unserer Fülle. Sie öffnet neue Wege und macht sehend, bei aller anderen Anfälligkeit.

Die drei Preisträger des letzten Wettbewerbs des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover belegen in diesem Buch sehr überzeugend, dass Philosophie nicht nur rationale Aufklärung sucht, sondern die Leidenschaft der Erkenntnis liebt - sie  i s t  Liebe zur Weisheit. In diesem zwar sehr wissenschaftlichen Buch, das dem Laien dennoch Raum und Anregungen für mitschweifende Überlegungen beim Lesen lässt, begegnen uns die sehr überzeugenden Preisträger Dr. Chiara Piazzesi, 33 Jahre, Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Philosophie der Universität Greifswald, mit dem Schwerpunkt praktische Philosophie sowie Liebe als Form der Selbst- und Fremderfahrung, Stanislas Bigirimana aus Burundi (MA, MBA, Heidelberg) und von Dr. Jannis Oberdieck (Bremen).

Chiara Piazzesi postuliert: "Liebe bedeutet nicht, dass ich eine Situation aushalten muss, die unerträglich ist und  die mein Leben zerstören würde. Das wäre in meinen Vorstellungen keine Liebe.  Also Liebe muss nicht unbedingt Opfer bedeuten oder Selbstzerstörung. Aber wir haben jetzt die Erfahrung gemacht, dass diese Beständigkeit vielleicht nicht wesentlich zur Liebe gehört und ein Bestandteil der Liebe ist." (DRadio Kultur)

Stanislas Bigirimana macht darauf aufmerksam, dass es auch die romantische Liebe gibt, "wie wir sie aus Rundfunk und Fernsehen kennen. Aber es gibt auch eine Form der Liebe, die wir nicht häufig in der heutigen Welt sehen, zumindest nicht in den dominierenden Medien und im Mainstreamdenken. Das ist die sich selbst verschenkende Liebe, zum Beispiel, dass man für andere Opfer bringt." (Übersetzung aus dem Engl. durch DRadio Kultur)

Joannis Oberdieck bleibt mehr in der Tradition und kritischer: "Mir ging es in erster Linie darum, daran zu erinnern, dass Liebe nicht so etwas Rundes und Schönes ist, sondern dass Liebe auch sehr viele verstörende Seiten hat. Und wenn wir fragen wollen, was Liebe uns zu sehen gibt, dann müssen wir uns auf diese Seiten einlassen und fragen, was sie uns eigentlich über die Liebe mitteilen." (DRadio Kultur)

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Mittwoch, 11. August 2010

Kunst im öffentlichen Raum: Lucie Wegmann/Daniel Moriz Lehr in der Südpfalz (Annweiler a.Tr., Offenbach/Queich)













Lucie Wegmann + Daniel Moriz Lehr










Femme vitale
leuchtende Freiplastik vor einer Seniorenanlage
in Offenbach/Queich bei Landau/Pfalz
Beton, Aluminiumguss, Cortenstahl, Acrylglas










Libelle
Verkehrskreisel Annweiler-Nord, 
Aluminiumguss auf Betonsäule, 
Höhe: ca. 8 m














































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Dienstag, 10. August 2010

Nachlese: Jurij Brězan - Der alte Mann und das enge Weite

Jurij Brězan
Der alte Mann und das enge Weite
Bautzen 2006, 46 Seiten, Hardcover,
14,90 €, Lusatia Verlag






Auf die Frage eines neugierigen Redakteurs, ob es sich lohne, alt zu werden, antwortete Jurij Brězan: „Meine Mutter pflegte in ihren Achtzigern uns, ihren Kindern, manchmal aufseufzend zu sagen: "Werdet nicht alt. Es ist nicht schön". Es ist nicht schön, lahme Knie, holperndes Herz … Es ist schön, kleine Freuden aufzusammeln in der Familie, unter Freunden, im Garten vor dem ersten blühenden Löwenzahn, den Wunderfarben des Herbstes, der letzten Rose, den Raureif auf Büschen und Bäumen und oben die Sonne und ihr strahlend blauer Himmel.“
Es lohnt schon, das Altern, wenn es einem Kopf und Seele so belässt, dass man sein Leben in die richtige Waagschale legt.“
In „Der alte Mann und das enge Weite“ umschreibt der Autor ein Stückchen Land um sein Haus, das er selbst bestellte. Es bietet ihm mit den Pflanzen und Tieren darauf ein Gleichnis für die Enge und öffnet den Blick für das Weite der Welt.
Er regt ihn immer und immer wieder zu Metaphern an. („Es gibt Mittel gegen Wühlmäuse, aber nicht gegen das „Große Geld“). Der Garten bringt Neugier und Erkenntnis.
In dessen weiter Enge gibt es jeden Tag Wunder zu bestaunen: den Austrieb der zarten, jungen Blätter, den Einfall einer großen Wolke von Wiedehopfen oder die Ringelnatter, die den Weg zum schützenden Wald kennt. Hier begibt er sich auf die Suche nach der wahren Lebensordnung der Menschen. Er erkennt, dass bisweilen das klügste Buch keine Antworten weiß und keinen Rat zum Handeln geben kann, aber vielleicht ein Bäumchen, das, schon aufgegeben, doch noch wurzelt.
Jurij Brězan vergleicht auch seine Literatur mit dem Wuchs eines Baumes: das feine Gezweig des Erfahrenen, der Stamm denkbarer Fragen und die Wurzeln aus gewussten Antworten.
Das Weite... Ich bin widerwillig, aber den Zustand akzeptierend – ortsgebunden, lese, habe die Medien und als Depot, Filter und Waage fast hundert Jahre Lebens. Die wenigen fehlenden werden, fürchte ich oder hoffe ich, wie Sie wollen, das Bild nicht wesentlich ändern. Von meinem Hügelchen, das Nahe ein Teil von ihr, ist die Welt zu sehen, aber nicht ihre Kleinheiten, die verwirren und verfälschen.“
Der alte Mann erklärt einer jungen Journalistin das Werden und Vergehen, die Kleinheit und die Größe, das Willige und das Eigenwillige. Die Dame, ein Großstadtmensch, möchte mit ihm nach freundlichen Höflichkeiten über Literatur sprechen.
Doch der alte Mann hat keine Lust darüber zu sinnieren. Er will stattdessen lernen, ihr alles „Gewächs im Garten botanisch vorzubeten“.
Der Lusatia Verlag Bautzen legte mit der kurzen Erzählung des großen sorbischen Autors ein von Werner Schinko liebevoll illustriertes, kleines Wunderwerk der Buchkunst vor.

Jurij Brĕzan wurde am 9. Juni 1916 in Räckelwitz bei Kamenz geboren. Früh prägte ihn das gespannte Verhältnis von Sorben und Deutschen in der Lausitz. Als die Nazis an die Macht kamen, schloss er sich einer sorbischen Widerstandsgruppe an. 1938 wurde er verhaftet. Als Soldat nahm er von 1942 bis 1945 am Zweiten Weltkrieg teil, der für ihn in amerikanischer Gefangenschaft endete.
Seit 1949 arbeitete er als freier Schriftsteller, schrieb sorbisch und deutsch, vertrat den Schriftstellerverband der DDR als Vizepräsident.
Brĕzan war nicht nur Chronist der sorbischen Geschichte, sondern auch ein Streiter für den Erhalt der sorbischen Kultur im Alltag. Er nahm sich nicht nur in seinen Werken der Sorgen und Empfindungen seines sorbischen Volkes an und pflegte liebevollen Kontakt zu Kindern und jungen Erwachsenen. So unterstützte er die Proteste gegen die Schließungen sorbischer Schulen in der Lausitz vor vier Jahren.
Am 12. März 2006 starb Jurij Brĕzan kurz vor seinem 90. Geburtstag.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Trilogie des Felix Hanusch (1958-1964). „Die schwarze Mühle“ (1968) wurde zum Sinnbild gegen das „Wölfische“ in uns. Der Roman „Krabat oder Die Verwandlung der Welt“ (1976) setzt sich mit der ethischen Verantwortung des Menschen gegenüber der Schöpfung auseinander und in „Bild des Vaters“ (1981) geht es um die Würde. Brĕzans Autobiografie „Mein Stück Leben“ (1989) ging in den Wendezeiten unter. Es folgte „Ohne Paß und Zoll“ (1999) über sein Schreiberleben.

Ute Apel

Montag, 9. August 2010

Buchbesprechung: Den Tiger reiten, Petersberg 2009

Peter Reiter
Den Tiger reiten
Vision einer neuen globalen Ökonomie
Petersberg 2010, 316 S., Broschur, Vianova Verlag, 19,95 €


Der Autor, Betriebswirt, Doktor der Psychologie und Philosophie, Magister der Publizistik, Unternehmer, Trainer, Coach und Therapeut, entfaltet breit angelegt eine Darstellung der momentanen Lage und Situation in der Wirtschaft, die bereits mit einem humorvollen, aber treffenden Handlungsvergleich einer deutschen und einer japanischen Firma im Geleitwort beginnt:  
Eine deutsche und eine japanische Firma treten mit einem Ruderwettbewerb gegeneinander an. Die Japaner gewinnen. Während die deutsche Firma durch gezielte, teure Management-Maßnahmen am Ziel vorbei die Zahl der Ruderer auf einen verringert, dafür das gut bezahlte Steuerungsteam auf 7 Mann erhöht, beschäftigt Japan 7 Ruderer und einen Chef! Nach einer erneuten Niederlage wurde der verbleibende deutsche Ruderer entlassen.

Den Tiger reiten ist eine Metapher für ein neues Wirtschafts- und Denksystem, das den unbändigen und wilden, aber durchaus zähmbaren Tiger der Wirtschaft, die den einzigen wirklichen Veränderungshorizont in einem dynamischen Rahmen bietet, für seine Zwecke nutzt. Nicht der statische, reglementierende und kontrollierende, kassierende und bremsende Staat bringt uns weiter, sondern die 5 % der deutschen Lenker und Macher, die zuerst beginnen, diesen Ritt umzusetzen. Der Autor vertraut dabei auf das kollektive Unbewusste, dass einerseits durch direkte Imitation und andererseits durch Nutzung unserer spirituellen Kräfte und Intelligenz wir es genauso schaffen, eine Veränderung herbeizuführen - ganz wie Affenpopulationen, die unabhängig voneinander ähnliche Problemlösungsstrategien entwickeln, ohne sich zu kennen.

Wo heute noch Egoismus und Wertezerfall, Konkurrenzdenken, Druck und Ausbooten, Angst und Fixierung auf Negatives herrschen, Quantitätsdenken, Gewinnsteigerungen, Umweltschädigungen, Blindheit für soziale Verträglichkeiten und den Mensch an sich entscheidende Zäsuren in unserem Leben setzen und es fern aller sozialen oder christlichen Orientierung in Armut für viele und Reichtum für wenige fragmentieren, heißt die Antwort im "Bewusstseinszeitalter": Schluss mit den "fiesen Chefs" und her mit dem "neuen Geldsystem". Mit Herz, Qualitätsbewusstsein, Kooperation und Teamwork, neuen Werten entlang den Tao-Prinzipien soll der Mensch, die Arbeit das Geld verdienen, nicht das Geld sich selbst.

Wegbegleiter ist der Autor als Coach und Trainer, der mit diversen Imaginations- und Bewusstseinsverfahren sowie Aufstellungsmethoden die Transformation des Bewusstseins durch seine Seminare eben bei diesen 5 % der Manager von innen nach außen tragen helfen will. Ein interessanter Ansatz, längst notwendig, von vielen herbeigesehnt, noch wenig verwirklicht, ein Weg in die bessere, gerechtere Zukunft. Die Ausführlichkeit des Buches vermeidet es nicht, vieles zu wiederholen. Als Leser wünscht man sich oft etwas mehr Verdichtung der Gedanken. Auch schwebt der Ansatz noch sehr im Bereich des vielleicht Möglichen. Man muss auch klar sagen: Auch ohne spirituelles Bewusstein oder psychologischer individueller Vergangenheitsbewältigung, allein mit klarer Erkenntnis der Misere und Konzeption der Veränderung wäre dieser Weg herstellbar. Allein, es sind noch zu viele andere Hürden, die es verhindern, dass Einzelne es durchsetzen.

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Sonntag, 8. August 2010

Animé-Videos von Kazé

Kazé, Europas führendes Animé-Label, wird von AV-Visionen, Berlin, vertrieben und bietet regelmäßige ansprechende Animé-DVDs für Zuschauer ab 14 Jahren.

Exemplarisch für diese Bestseller im DVD-Geschäft hebe ich hier noch mal Mamoru Hosoda hervor, der mit seinem aktuellen

Summer Wars
seinem neuen Film, im Februar 2010 auf der Berlinale in der Kategorie Generation 14+ seine Premiere feierte. Der Film wurde in den offiziellen Wettbewerb des Festival International d’Animation in Annecy aufgenommen. Das Annecy-Festival ist das größte Animationsfilmfest weltweit und feiert in diesem Jahr sein 50. Jubiläum. Es wurde 1960 als Trickfilm-Ergänzung bzw. -Gegenstück zum Filmfestival Cannes ins Leben gerufen. Mamoru Hosodas Vorgängerfilm "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" gewann 2007 den „Prix spécial du Jury“.

In Summer Wars beginnt alles ganz harmlos, Lachen, Ferien, Besuch auf dem Land, Kenji darf mit dem hübschesten Mädchen der Schule, Natsuki, zum 90. Geburtstag ihrer Uroma. Dann beginnt das Abenteuer ...
Filmbesprechung bei viereggtext.


Summer Wars im Kino: Siehe hier

Weitere Beispiele hier




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