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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Donnerstag, 22. September 2011

CDs - Niveauvolles von ECM: Purcor


Trygve Seim, Andreas Utnem Purcor Trygve Seim: Tenor und Sopran Saxophon 
Andreas Utnem: Klavier, Harmonium
ECM, November 2010
Aufgenommen in der Tøyen Kirke, eine Kirche im älteren Teil von Oslo, bietet dieses intensiv melodische Album eine bereits überfällige Dokumentation eines Duos, das schon eine 13-jährige Geschichte hat. Der schlichte Untertitel "Songs für Saxophon und Klavier" assoziiert leise ein weites Gebiet. Andreas Utnem spricht von "improvisierter Kirchenmusik" - mit einem Repertoire an neuen Vertonungen von Teilen einer Messe als Mittelpunkt. Aber auch Volkslieder, Theatermusik, frei geschaffene Stücke und eine neue Version von Seims Atemmeditation "Bhavana" (zuerst auf "Different Rivers" zu hören) klingen mit. Etwa 1997 traf sich Seim mit dem liturgischen Komponisten Utnem, der für die Stadtmission der norwegischen Kirche arbeitete. Die beiden Musiker improvisierten und spielten Variationen über die Psalmen. "Wir spielten einige Kompositionen von Andreas und einige von mir", erinnert sich Seim. Diese frühe Treffen führten bald zu einem informellen halboffiziellen "Gig" und im Jahr 2008 entschieden die Spieler, einige der Stücke, die sie auf dem Weg geformt hatten, aufzunehmen. "Andreas' Hintergrund ist ganz anders als mein eigener", stellte Seim fest, "aber es gibt vieles in seinen Kompositionen, die sehr viel Qualität in mein Spiel bringen. Im Laufe der Zeit sind wir bei einer besonderen Einfachheit und Klarheit in der Musik angekommen, die mir sehr gefällt." "Purcor" ist Trygve Seim sechstes ECM-Album als Leader oder Co-Leader, und ein Label-Debüt für Andreas Utnem. Geboren 1973, hat Utnem einige internationale Aufmerksamkeit durch seine Arbeit erhalten. So mit dem Trio des norwegischen Folk-Geigers Gjermund Larsen, der, nebenbei bemerkt, auch mit Christian Wallumrød spielte - hören Sie hierzu die CD "Fabula Suite Lugano". Sowohl Wallumrød als auch ein dritter ECM-Pianist, Tord Gustavsen, haben bereits in der Tøyen Kirche gespielt. Im Norden, wo Volksmusik, angepasst an religiöse Kontexte, stark akzeptiert ist, verfließen die "Grenzen" zwischen Idiomen leichter. Neben der Arbeit als Kirchenmusiker und Komponist von Musik für Theater und TV-Dramen in Norwegen und Schweden spielt Utnem auch im Jazz-Quartett des Gitarristen Bjørn Klakegg. Zu Beginn seines Schaffens von Jan Garbarek und Edward Vesala Inspiriert hat Trygve Seim in vielen modernen Jazzkontexten gearbeitet. In seiner eigenen Musik ist jedoch sein Abstand zu konventionellen Definitionen des Jazz mit jedem Projekt neu kalibriert. Seine Beschäftigung mit der asiatischen, nahöstlichen und osteuropäischen Musik, und vor allem die Klänge der armenischen Duduk, der japanischen Shakuhachi und der indischen Bansuri-Flöte, haben ihre Auswirkungen auf Seims Musik. Subtile Nuancen und Texturen sind Teil seiner Palette und mikrotonalen Phrasierung. Typisches Merkmal von Seims Musik ist sein melodischer Ansatz, das Hin- und Hergleiten zwischen den Noten. Zugleich aber ist es möglich, den rauchigen Tenor von Trygve in den Balladen zu hören und wahrzunehmen - gelegentliche Anklänge an Ben Webster im Ton, in der Zartheit und Tiefe des Gefühls ... Zusätzlich zu seiner Diskographie als Leader ("Different Rivers", "The Source and Different Cikadas", "Sangam" und "Yeraz", die kürzlich im Duo mit dem Akkordeonisten Frode Haltli) und als Mitglied von The Source, taucht Trygve Seim auch auf ECM-Alben von Iro Haarla ("Northbound"), Sinikka Langeland ("Starflowers") - neue Alben mit beiden sind in Vorbereitung -, Christian Wallumrad ("Sofienberg Variations") und Manu Katche ("Playground") auf. Aktuell fand ein längerer Aufenthalt in Kairo statt, wo Seim arabische Modi studierte und Konzerte mit dem Pianisten Fathy Salama und anderen gab. Pläne, "Purcor" live zu präsentieren, werden derzeit entwickelt.

Dienstag, 20. September 2011

Ankes Fundstücke: Wein und Brot

Wein und Brot
Solche Düfte sind mein Leben,
Die verscheuchen all mein Leid:
Blühen auf dem Berg die Reben,
Blüht im Tale das Getreid.

Donnern werden bald die Tennen,
Bald die Mühlen rauschend gehn,
Und wenn die sich müde rennen,
Werden sich die Keltern drehn.

Gute Wirtin vieler Zecher;
So gefällt`s mir, flink und frisch;
Kommst du mit dem Wein im Becher,
Liegt das Brot schon auf dem Tisch.

Ludwig Uhland
[Johann Ludwig „Louis“ Uhland (* 26. April 1787 in Tübingen; † 13. November 1862 ebendort) war ein deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker.
Uhland verkehrte in einem Kreis von Studenten, der sich mit Poesie befaßte, darunter auch Julius Kerner , mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1819 wurde er als Vertreter Tübingens in die verfassunggebende württembergische Ständeversammlung gewählt und gehörte dem Landtag an. Zusammen mit Paul Pfizer steht er ab 1833 an der Spitze der Opposition im Landtag. Seine Anstellung beim Staat und in der Lehre war immer in Frage gestellt bzw. gelang nicht oder musste er wieder aufgeben. 1829 eine Professur für deutsche Sprache und Literatur in Tübingen, weshalb er auch dorthin zog. 1848 wurde Uhland als Vertreter Tübingens in die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt am Main gewählt, wo er dem links-liberalen Flügel angehörte. Sein Schaffen umfasste sowohl Schriften, Gedichte, Theaterstücke, Sammlungen als auch Herausgeberschaften etc.: "Sonntagsblatt für ungebildete Stände", Almanach "Deutscher Dichterwald", Trauerspiel "Ernst, Herzog von Schwaben", Trauerspiel "Ludwig der Baier", Monographie "Walther von der Vogelweide, ein deutscher Dichter", Mitherausgeber der ersten Gesamtausgabe von Friedrich Hölderlins Gedichten, 1833 - "Aufruf für die Preßfreiheit", erste kommentierte volkskundliche Sammlung "Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder", Teilnahme an der ersten Germanistenversammlung in der Frankfurter Paulskirche unter der Leitung des Märchensammlers Jacob Grimm.]



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Montag, 19. September 2011

Japan-Verkaufsschlager: Turnen und Schlafen mit Hinako (Animé von Kazé)

Training mit Hinako - DVD (Japan 2009), FSK 16 

Dein Workout für mehr Busen
Regie : Iku Suzuki

In diesem Workout-Video führt die vollbusige Hinako durch verschiedene Stationen des Zirkeltrainings. Dabei hat man drei Optionen zur Auswahl: Liegestütze, Situps und Kniebeugen. Es sind verschiedene Abspieloptionen wählbar. Als Anreiz für sonst eher lustlose Sportmuffel findet das Training bei Hinako zu Hause statt, wo sie die Übungen, ganz leger, in Hemdchen und Schlüpfer durchführt und zum Nachahmen auffordert. Interaktiv leitet sie auf ihre charmante Weise die Übungen an und zählt mit, während man selbst am Boden ächzt. 
Nie war das Antrainieren eines Sixpacks so lustvoll – oder auch nur das Zuschauen. Nie mehr pummelig dank der Nummer 1 der japanischen Amazon-Verkaufscharts (Mai 2009). Auch Jungs werden und sollen begeistert sein von diesen hüpfenden Abenteuern. Workout für Busen meint aber wohl voll und ganz die Mädchen, die hier vor Vergnügen quietschen können.
1 DVD 25 Min.

Im Bett mit Hinako - DVD (Japan 2009), FSK 16

Der Traum deiner schlaflosen NächteRegie : Shinichiro Kimura


Nach dem riesigen Erfolg von „Training mit Hinako“ gibt es nun noch mehr Lebenshilfe von der großartigen (und –busigen) Hinako. Damit die Zuschauer beim Einschlafen nicht mehr allein sind, leistet Hinako beim Schlummern mit gleichmäßigen Atemzügen Gesellschaft – sofern die Betrachter(innen) beim Anblick von Hinakos Schlüpfer oder Nachthemd noch zum Schlafen kommen. Angesichts ihrer drallen Airbags und knackigen vier Buchstaben sind süße Träume zumindest sehr wahrscheinlich. Wer eine Timer-Funktion besitzt, kann sich auch morgens von Hinako wecken lassen und startet gleich mit dem richtigen Fuß in den Tag. Dabei stehen drei Weckruf-Varianten zur Auswahl. 
Nie wieder Augenringe dank der Nummer 1 der japanischen Amazon-Verkaufscharts (Stand: Mai 2009)! Unklar bleibt, ob die Macher mehr die aufgedrehten Mädchen oder die neugierigen Jungs im Auge hatten, die hier mal ungestraft ewig lang die weiblichen Kurven betrachten dürfen. Ein Hamburger Geschäftsmann hielt die DVDs vor kurzem für Softpornos und wollte die Sitte verständigen, was absolut überzogen gewesen wäre. ;-)
1 DVD 50 Min.

Sonntag, 18. September 2011

Platz 1 der SPIEGEL-Sachbuch-Bestsellerlliste: Philipp Lahm - Buchpräsentation am 25. September in München


Philipp Lahm präsentiert sein Buch

„Der feine Unterschied – Wie man heute Spitzenfußballer wird“

mit Christoph Süß (Moderation) und Überraschungsgästen, 
am Sonntag, 25. September, 20 Uhr,
im Münchner Volkstheater, 
Briennerstr. 50, 
80333 München.


Eintritt: 14,- € (Kategorie 1) und 10,- € (Kategorie 2)


"Philipp zeigt stets Profil und denkt mit, er hat eine klare Meinung und vertritt auch in den Gesprächen mit der sportlichen Leitung deutlich seinen Standpunkt. In seinem Buch ist das nicht anders, das ist er."
Oliver Bierhoff im Sport Bild-Interview von Berries Boßmann vom 31.8.2011

„Man erfährt, wie man sich zum Profi durchbeißt, was man durchmacht, wenn man lange verletzt ist, oder wie das ist, prominent zu sein. (…) Es passt eigentlich alles. Lahm gibt sich so, wie man ihn aus Interviews in Presse und Fernsehen kennt – nur einen Tick nachdenklicher, differenzierter.“
Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
  

Als Junge hat er bloß gern Fußball gespielt. Jetzt ist Philipp Lahm Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und des FC Bayern München. Wie gelingt so eine Karriere als Spitzenfußballer? Und was muss ein moderner Fußballer dafür alles mitbringen?
Philipp Lahm berichtet in vielen überraschenden Details über seinen Aufstieg vom Nachwuchsspieler des FC Bayern zu einem der besten Außenverteidiger der Welt. Er erzählt von unvergesslichen Momenten deutscher Fußballgeschichte und schildert, was hinter den Kulissen von Bundesliga, Champions League und großen Turnieren geschieht.


Weitere Informationen zu Philipp Lahm und seinem Buch:

Samstag, 17. September 2011

Buchbesprechung: Vitamine & Co erneut beleuchtet


Dr. Dirk Klante
Mir geht's gut!
Was Vitamine und Co wirklich leisten
Marburg 2011, 176 Seiten, Broschur
16,- €, FAZIT:GESUND Verlag

Das erste Buch im Fazit:Gesund-Verlag möchte Schluss machen mit falschen Vorstellungen über Vitamine und stellt eine Verbindung her zu einer Vielzahl gesundheitlicher Beeinträchtigungen.
Es möchte belegen, warum und wie natürliche Substanzen wirken und Angaben machen, nach denen jeder entscheiden kann, ob und was er selbst davon braucht. Der Autor Dr. Dirk Klante begründet, dass die offizielle Empfehlung, eine ausgewogene Ernährung versorge gesunde Menschen mit allem, was sie brauchen, unrealistisch und unzureichend ist, und kritisiert die Ignoranz von medizinischem Establishment und Medien gegenüber den Forschungserfolgen mit Vitaminen & Co.

Diese Diskussion hält schon lange an, die orthomolekulare Medizin fordert das ja auch schon lange und behandelt mit hohen Dosen von Vitaminen. Dennoch bleiben wir im Zweifel, da neutrale Forscher vorsichtig bleiben und nicht viel versprechen wollen. Die Nahrungsmittelergänzungsindustrie hat obendrein schon Etliches auf den Markt geworfen, das keinen Sinn macht oder gar nicht wirksam dosiert ist. Die vielen Placebos im Supermarkt oder auch in der Apotheke sprechen Bände. Es geht nur ums Geld.
Bei Vitamin B12 fiel mir eine zu kurze Behandlung des Vitamins im Buch auf, denn die gesamte B-Gruppe, kann bei Fehldosierungen oder nicht entdeckten Mangelsituationen, insbesondere ein B12-Mangel,  so extreme Zustände hervorrufen, dass sie fast einer Multiple-Sklerose- oder Parkinson-Erkrankung gleich kommen. Neurologische Praxen sind voll davon, weil Patienten mit partiellen Lähmungen in Gesicht oder an den Extremitäten dorthin überwiesen werden, manchmal mehr, um den Psychiater zu konsultieren, weil unklar ist, was vorliegt. Leider sind manche Hausärzte und Neurologen/Psychiater gar nicht in der Lage, den Mangel von sich aus zu erkennen.

„Aus chemischen und biochemischen Gründen sind Vitamine und andere Substanzen in hohen Dosierungen unabdingbar, wenn man gesund sein will.“ So lautet das praktische Resümee des Autors. Klante leitet seine Beweisführung aus der Analyse von Studien – guter wie schlechter – ab und illustriert sie mit überzeugenden Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart. Er deckt unlogische Argumentationen und unzulässige Schlussfolgerungen auf und zeigt anhand gut erklärter chemischer und biochemischer Vorgänge, wann Nahrungsergänzung nötig ist. Zu Langzeiterfahrungen der Forschung steuert er seine eigenen bei: Vor mehr als 20 Jahren begann er das zu substituieren, was sein Körper während einer schweren Erkrankung zusätzlich benötigte. Er wurde ohne Operation gesund und passt seitdem die Einnahme verschiedener Substanzen seinem aktuellen Bedarf an. Nicht umsonst präsentiert er stolz tolle persönliche Laborwerte. Er ist aber auch erst 40 Jahre alt. Auf internationalen Forschungsergebnissen und eigenen Erfahrungen aufbauend ist seine Präventionsstrategie inzwischen so ausgefeilt, dass auch Erkältungen keine Chance haben.

Wie ist das möglich? Bei allen Stoffwechselvorgängen in unserem Körper werden ständig Vitamine und andere Substanzen verbraucht. Sind wir erkältet, stehen unter Stress, haben eine Entzündung, müssen Medikamente nehmen oder gar Krebs abwehren, steigt der Bedarf. Aber auch bei Genuss-Lastern wie Rauchen, dem Gläschen zu viel oder fettem Essen wird mehr gebraucht. Denn bilden sich Unmengen an freien Radikalen, jene Stoffe, die uns schneller altern und krank werden lassen. Vitamine und andere Substanzen „neutralisieren“ sie. Bleibt den freien Radikalen das Feld überlassen, werden Schäden chronisch, und es kann Krebs entstehen.

Dass Vitamine und Mineralstoffe einen hohen Stellenwert in unserer Ernährung haben sollen ist heute unumstritten. Das bei Kindern und Jugendlichen beliebte Junk-Food verzichtet dagegen zu großen Teilen darauf, weswegen dieses Essen auch völlig minderwertig, aber dennoch wegen all der Werbung, den Öffnungszeiten und weiten Verbreitung "in" ist. Aber sinnvoll ist immer einen Arzt zu haben, der mit Vitaminen arbeitet, denn selbst loszulegen und die Speisekammer mit Vitaminpräparaten zu füllen ist nicht ratsam...Alles braucht sein Gleichgewicht im Organismus und leicht gerät es in Schieflage.



Freitag, 16. September 2011

Ankes Fundstücke: Joseph Eichendorffs Geliebte

Der Winzer


Es hat die Nacht geregnet. 
Es zog noch grau ins Tal, 
Und ruhten still gesegnet
Die Felder überall;
Von Lüften kaum gefächelt,
Durchs Ungewisse Blau
Die Sonne verschlafen lächelt'
Wie eine wunderschöne Frau.
Nun sah ich auch sich heben
Aus Nebeln unser Haus, 
Du dehntest zwischen den Reben
Dich von der Schwelle hinaus. 
Da funkelt' auf einmal vor Wonne
Der Strom und Wald und Au -
Du bist mein Morgen, meine Sonne,
Meine liebe, verschlafene Frau!


Joseph von Eichendorff (1788-1857)
[(* 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; † 26. November 1857 in Neiße, Oberschlesien) war neben Novalis, ETA Hoffmann u. a. einer der bedeutendsten Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er zählt mit etwa 5000 Vertonungen zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern. Seine Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts" gilt als Höhepunkt und zugleich Ausklang der Romantik.
Typisch für viele Werke Eichendorffs ist, dass sie aufgrund seiner eigenen starken Bindung zum Glauben häufig in einem religiösen Zusammenhang stehen.]

Donnerstag, 15. September 2011

Heute im TV: Die Eltern von Madeleine bei Beckmann/ARD

Kate McCanns persönlicher Bericht über die quälende Suche nach ihrer verschwundenen Tochter ist seit Erscheinen in England (Mai 2011) ununterbrochen die Nummer 1 in den britischen Bestsellerlisten.
Am 15. September um 22.45 Uhr sind die Eltern Kate und Gerry McCann zu Gast bei Reinhold Beckmann in der ARD.
Bei Bastei Lübbe erscheint einen Tag später das Buch der Eltern.


Daily Mail: »Dieser eindringliche Bericht beschämt alle, die je an diesen Eltern gezweifelt haben.«




Mittwoch, 14. September 2011

Hörbuch: Charles Bukowski - Der Mann mit der Ledertasche

Charles Bukowski
Der Mann mit der Ledertasche

Aus dem Englischen von Hans Hermann, gelesen von Matthias Brandt
München 2011, 4 CDs, 297 Minuten,
Kunstmann Verlag, 19,90 Euro



Henry Charles Bukowski jr. (* 16. August 1920 in Andernach als Heinrich Karl Bukowski; † 9. März 1994 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller polnisch-deutscher Abstammung. Er veröffentlichte zwischen 1960 und den frühen 1990er-Jahren über vierzig Bücher mit Gedichten und Prosa.


Bukowski war ein Idol, nicht nur wegen seiner Halbwelt- und Trinkerfiguren im Underground und in der Szene, sondern wurde auch von anderen als Mythos und Kultfigur gesehen. Seine schnoddrige, supercoole Trinkerschnauze faszinierte viele, besonders in den 60er- und 70er-Jahren. Der Kunstmann Verlag hat ein Hörbuch zum "Mann mit der Ledertasche" herausgebracht, das diesen Kultautor wieder lebendig werden lässt.

Aus der turbulenten Ehe der Deutschen Katharina Fett mit Henry Bukowski, dem GI, später Milchmann, entsprang unser Schriftsteller, der als Jugendlicher von entsetzlicher Akne geplagt die Schule ein Jahr nicht besuchen konnte. Er tingelte und jobbte durch die Gegend, absolvierte unzählige Saufgelage und landet auch mal im Gefängnis und in der Psychiatrie. Die Army wollte ihn keinesfalls, dafür heuerte er 1952 bei der Post an.

Und hier können wir an den Mann mit der Ledertasche - Henry Chinaski - andocken, der ebenfalls als Postbediensteter arbeitet und Frauen kennen lernt, die viel mehr als die Post von ihm wollen. 

"Herrgott, als Briefträger braucht man nichts anderes zu tun als seine Briefe abzuliefern und mit der Hausfrau ins Bett zu steigen. Genau der richtige Job für mich. Oh ja, ja, ja.“
Dann lernt er Joyce kennen, er will sie mehr als seine Arbeit. Sie haben ordentlich Sex, dass die Geranien vom Regal herunterkullern, und der Postler kann sich endlich seinen Objekten der Begierde widmen, den großen Brüsten und großen Hintern. 
"Die ganze Zeit während wir bumsten, fielen dauernd diese Töpfe auf mich herunter. Es war als vögele man während eines Luftangriffs. Später sagte ich: Hör mal Baby, wir müssen irgendwas mit diesen Geranien tun.
Nein, du rührst sie nicht an. - Warum, Baby, warum? - Weil sie das Vergnügen noch steigern."

Was will man mehr als Mann? Noch mehr Sex! Er nimmt den ollen Job wegen Geldsorgen wieder an und verliert allerdings wegen der Strapazen an Manneskraft, was Joyce veranlasst sich zu trennen. Es folgt Mary Lou, die nur auf sein Geld aus ist, dann noch Wee, Betty und Faye. Eine Tochter kommt auf die Welt, aber kein Bestand, nur endloses Suchen nach mehr und mehr. Nach 12 Jahren Post und Angriffen seitens des Arbeitgebers ist er fertig mit der Welt, er trinkt bereits enorm und kündigt. Seine Frauen und seine Tochter - alles bereits hinter sich. Suizidgedanken und ein -versuch gibt er zugunsten des Schreibens auf.

"Am nächsten Morgen war die Nacht vorbei und ich war noch am Leben. Vielleicht schreibe ich einen Roman, dachte ich. Und dann schrieb ich ihn."

Gelesen werden die Erlebnisse in sehr treffendem Ton und die passende Bukowski-Atmosphäre verbreitend von Matthias Brandt, Schauspieler, der den Adolf-Grimme-Preis erhielt und den deutschen Hörbuchpreis 2010.




Montag, 12. September 2011

Lesung: Elke Schwabs Krimis im Klinikum Homburg, 13.9.

Morgen Abend auf dem Seziertisch live dabei:


CDs - Niveauvolles von ECM: Heinz Holliger - Robert Schumann


Heinz Holliger: Robert Schumann
Robert Schumann: Kreisleriana op. 16 Heinz Holliger: Partita
Alexander Lonquich: Klavier
ECM New Series, Januar 2011 "Schumann", sagt Heinz Holliger, "ist der Komponist, der fast immer das eigentliche Zentrum meiner Gedanken war." In dieser Aufnahme verbindet Alexander Lonquich die dunkle, nächtliche Romantik von Schuhmanns Kreisleriana mit der radikalisierten Romantik von Holligers “Partita”. Ein und ein halbes Jahrhundert trennen die beiden Werke. Lonquich hebt die Distanz zwischen der 1838-Version von Kreisleriana und der Partita (komponiert 1999), zwei Werke großen Pianisten wie Frederic Chopin und Andras Schiff gewidmet, auf und vermittelt Holligers Vision der bis in die Gegenwart erweiterten Sprache Schumanns. "Das letzte Echo der Kreisleriana auf dem Weg zur ersten Begegnung mit Heinz Holligers Partita ruft bei uns eine Reaktion des Erstaunens hervor", schreibt Hans-Klaus Jungheinrich in den Liner Lotes. "Der Auftakt scheint eine direkte Fortsetzung des Schumann-Stils zu sein, dann kanalisieren sich seine latenten Energien aus explodierenden zu voller Kraft in verschiedene Richtungen wie eine Selbstverständlichkeit, als ob nur eine dünne Wand dazwischen bestünde. Wie zu erwarten war, haben wir bald festgestellt, dass andere Kräfte und schnelle Gesten bei der Arbeit sind. Diese Musik ist nicht sehr fest geformt, fließt improvisatorisch - plötzlich hervorbrechend, ins Stocken geratend, doch mit der gelungenen Entrückung einer aufregenden Verszeile. Der Pianist Alexander Lonquich stützt sich gnadenlos auf die Widrigkeiten der Kreisleriana der Romantik." Lonquichs Entscheidung, mit der ersten Version der Kreisleriana zu arbeiten, anstatt mit der überarbeiteten Version von 1849, hat der Pianist im Booklet der CD erklärt. "Viele Passagen in der Originalausgabe haben weit mehr extreme Dynamik und logische Markierungen, als wir 12 Jahre später finden. Mehrere Ritardandi - Zögern, dass die natürliche Strömung unterbricht, manchmal kommt der Fluss fast zum Erliegen - wurden später ausgelöscht [...] Meiner Meinung nach opferte die 1849-Version viele Feinheiten der Notwendigkeit von Einfachheit und Klarheit. Das zweite Stück ist zweifellos mehr poliert und in der späteren Version abgerundet, aber gibt es nicht eine besondere Anziehungskraft auf die Fragilität der ersten Idee? Und wieder, sind nicht die beiden Editionen fast identisch? Nein, sind sie nicht. Wenn ich sie spiele, fühle ich, dass all die oben erwähnten Details – diese Akzente, jene Bedenken - ohne Zweifel formal konstitutiv sind. Die ursprüngliche Version teilt uns wirklich eine ganz andere Geschichte mit."
Alexander Lonquich wurde in Trier geboren. 1976, im Alter von 16 Jahren, gewann er den ersten Preis beim Casagrande-Wettbewerb in Terni, Italien, und seitdem entstand eine große Nachfrage auf der ganzen Welt. Er hat eng mit Claudio Abbado, Kurt Sanderling, Toi Koopman, Emannuel Krivine und vor allem mit Sandor Vegh gearbeitet und mit Orchestern wie dem Mahler Chamber Orchestra, der Camerata Academia Salzburg, und das Orchestra di Camera di Mantova. Er spielt Kammermusik mit Heinz Holliger, Joshua Bell, Tabe, Zimmermann, Thomas Demenga, Shlomo Mintz, Steven Isserlis, Myklos Perenyi und anderen aufstrebenden Musikern. Frühere Lonquich-Soloaufnahmen fanden bei EMI statt, Musik von Mozart, Schubert, Schumann und brachten höchstes Kritikerlob und Preise vom Edison Award bis zum "Diaposon d'Or". Seine ECM-Aufnahmen beschränken sich noch auf das Soloalbum "Plainte Calme", ​​französische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts, mit Fauré, Messiaen und Ravel, die vom American Record Guide sehr gelobt wurden. Heinz Holliger ist einer der bestimmenden Komponisten und Instrumentalisten der ECM New Series-Versionen. Mit seiner Musik, darunter "Scardinelli-Zyklus", "Beiseit / Alb-Cher", "Lieder ohne Worte", "Schneewittchen", "Violinkonzert" und "Romancendres "(auch ein Projekt mit Schumann als inspirativem Zentrum). Seine Fähigkeiten als Oboist sind zu hören in "Laudes und Klagelieder: Musik von Elliott Carter und Isang Yun" und einem Album von Zelenka Trio Sonatas. Als Dirigent leitet Holliger die Camerata Bern auf einem ECM-Album von Sandor Veress'i Music wie auch das WDR Sinfonieorchester Köln mit der Musik von B.A. Zimmermann.

Neues bei Kazé: Dragonball-TV-Box in 2012, Movie-Box Ende des Monats


Kazé kündigt eine weitere DVD-Box zu Dragonball fürs Frühjahr 2012 an, die erstmals die TV Specials zur Dragonball Z und Dragonball GT-Reihe vereint.
Die Dragonball Z Movies Box 1 erscheint am 28. Oktober. Die zweite Box ist für den 25. November geplant, die dritte Box ist am 27. Januar 2012 geplant. Die Dragonball Movie Gesamtausgabe ist bereits ab 30. September 2011 zu haben.
Die Dragonball-Z-Filme basieren auf einer Mangavorlage von Akira Toryama, die auf Deutsch bei Carlsen erscheint. Insgesamt wurden in Deutschland über 8 Millionen Dragonball-Bände verkauft. Die TV-Serie ist in Deutschland seit 1999 mehrfach auf RTL 2 und Tele 5 ausgestrahlt worden und wird auch aktuell im Programm von RTL 2 wiederholt.

Sonntag, 11. September 2011

Bücher zum 10. Jahrestag 11. September


Herbert Bauernebel
Und die Luft war voller Asche
9/11 – Der Tag, der mein Leben veränderte
Originalausgabe
Bergisch-Gladbach 2011, 270 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
€ (D) 18,99, Bastei Lübbe

Der 11. September 2001 hat sich wie kein anderer Tag der jüngeren Geschichte in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Jeder weiß, wie er reagierte, als er von den Anschlägen hörte. Kaum einer hat die Bilder vergessen: die brennenden Türme, die sich herunterstürzenden Menschen, den live am Fernseher mitverfolgbaren Einschlag des zweiten Flugzeugs, die qualmenden Trümmer, die einstürzenden Hochhäuser, Qualm und Staub über New York, Menschen auf der Flucht.

Herbert Bauernebel hörte, wie sich das erste Flugzeug den Zwillingstürmen näherte. Er saß an seinem Schreibtisch in einem Apartmenthaus nicht weit vom späteren Ground Zero entfernt. Der Auslandskorrespondent folgte seinem journalistischen Instinkt und eilte zum Ort des Geschehens. Und die Luft war voller Asche ist sein Augenzeugenbericht des 11. September und geht darüber hinaus. Denn seit dem Einschlag des ersten Flugzeugs ist die Welt eine andere – auch für Herbert Bauernebel und seine Frau. Sie war an jenem Tag schwanger und wusste lange nicht, ob ihr Mann den Einsturz der Türme überlebt hatte.

Der Autor:
Herbert Bauernebel, geboren 1965, arbeitete bereits während des Studiums als Nachrichtenredakteur bei einem privaten Radiosender. Nach Stationen bei lokalen Zeitungen und als langjähriger Außenpolitikredakteur und Korrespondent für das Wochenmagazin News lebt Bauernebel heute als Korrespondent für Österreich und Bild in New York. Er ist verheiratet und zweifacher Vater.
www.americareport.com


Catherine Bruton
Der Nine-Eleven-Junge
Roman
Deutsche Erstausgabe
Übersetzung aus dem Englischen von Dietmar Schmidt
Mit einem Manga von David Shephard im Innenteil
Original-Titel: »We can be heroes«
Bergisch-Gladbach 2011, 395 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
€ (D) 14,99, Bastei Lübbe
Empfohlen ab 14 Jahren

Ben war zwei, als sein Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center ums Leben kam. Obwohl er sich kaum an seinen Dad erinnern kann, hat er seitdem eine Sonderstellung: Er ist der Nine-Eleven-Junge. Als er für einige Wochen bei seinen Großeltern bleiben soll und das Nachbarsmädchen Priti kennenlernt, ist dies der Beginn eines unvergesslichen Sommers. Denn Priti, Ben und sein Cousin Jed wollen Helden sein – und ein Held ist, wer Ehrenmorde verhindert und potenzielle Terroristen schon von Weitem erkennt …
Der Roman handelt nicht vom 11. September, sondern von den Folgen, die dieser Tag insbesondere für die Kinder der Opfer hat. Er erzählt von Trauer und Verlust, von Erinnerung und Vergessen, von Familie und Freundschaft, von Vorurteilen und falschen Verdächtigungen – und von einer (fast) verlorenen Kindheit, die trotz allem spannend, witzig und irgendwie schön ist.

Die Autorin:
Catherine Bruton ist Oxford-Absolventin, Lehrerin und schreibt als angesehene Journalistin unter anderen für The Times und The Guardian. Die Kinder, die durch 9/11 einen Elternteil verloren haben, beschäftigen sie schon lange. Mit Ehemann und zwei Kindern lebt sie bei Bath im Westen Englands. »Der Nine-Eleven-Junge« ist ihr erstes Jugendbuch.


Im Interview: Catherine Bruton

Die englische Autorin Catherine Bruton schreibt in Der Nine-Eleven-Junge über das wohl einschneidendste Ereignis der jüngsten Weltgeschichte, das im September dieses Jahres seinen traurigen Jahrestag hat. Wie es der Journalistin und Lehrerin mit ihrem Debüt gelungen ist, neben der bewegenden und kurios-komischen Geschichte über das Thema ganz undidaktisch aufzuklären, erzählt Bruton in diesem Interview.

Bitte verraten Sie uns etwas mehr über sich. Wie und wo leben Sie?
Ich bin 38 Jahre alt und lebe mit meinem Mann Jonny, meinem siebenjährigen Sohn Joe und meiner sechsjährigen Tochter Elsie außerhalb von Bath im Westen Englands. Mein Leben ist sehr hektisch, weil ich ständig versuche, das Unterrichten, das Schreiben und meine Familie unter einen Hut zu kriegen. Drei Tage in der Woche bringe ich 11- bis 18-Jährigen Englische Literatur an der King Edward‘s School in Bath bei, die anderen zwei Tage schreibe ich, den Rest der Zeit putze ich rotzige Nasen, verarzte aufgeschürfte Knie, helfe bei Hausaufgaben und betreibe das Taxi Mama.

Fühlen Sie sich mehr als Lehrerin oder eher als Journalistin?
Gute Frage! Ich habe mit dem Journalismus erst angefangen, als meine Kinder noch ganz klein waren, und habe immer dann geschrieben, wenn sie geschlafen haben. Aber das Unterrichten habe ich so sehr vermisst, dass ich doch wieder angefangen habe. Die Kinder, die ich unterrichte, inspirieren mich jeden Tag aufs Neue. Die Charaktere, die ich erfinde, basieren auf meinen verrückten und wundervollen Schülern. Ich weiß nicht, ob mein Schreiben so gut wäre, wenn ich nicht nebenbei unterrichten würde.

Die Kinder, die bei 9/11 ihre Eltern verloren haben, scheinen Ihnen sehr am Herzen zu liegen. Haben Sie persönliche Motive?
Für die Times habe ich 2007 einen Artikel über Kinder, die ihre Eltern bei 9/11 verloren haben, verfasst. Ich habe mich dabei auf ein Interview mit drei amerikanischen Jugendlichen und einem englischen Jungen, der seinen Vater bei dem Londoner Bombenattentat am 7. Juli verloren hatte, gestützt. Die Stimmen dieser jungen Menschen haben mich nicht mehr losgelassen und mir letztlich die Idee für den Nine-Eleven-Jungen gegeben. Ich machte mir immer öfter Gedanken über diejenigen, die zu jung waren, um sich an den verlorenen Elternteil zu erinnern. Sie würden aufwachsen, ohne ihn richtig gekannt zu haben. Mein Vater ist in dieser Zeit gestorben und ich glaube, dass dies unterschwellig in meinem Buch mitschwingt.

Erzählen Sie uns mehr über Ihr Buch. Wie kamen Sie auf die Geschichte?
Neben dem eben erwähnten Times-Artikel haben mich viele Dinge inspiriert, wie etwa die Manga meiner Siebtklässler, die Entführung von Madeleine McCann, ein anderer Artikel von mir über Kinder, die ihre Mütter nie sehen, das erneute Lesen von »Wer die Nachtigall stört«. Dieses Buch der Amerikanerin Harper Lee war und ist mein absolutes Lieblingsbuch seit meinen Teenagertagen und handelt von der Kindheit, vom Heranwachsen und von Rassismus. Andere Denkanstöße waren z.B. Scherze über terroristische Bewegungen in unserer Straße oder die Leidenschaft meiner kleinen Tochter für Rollschuhe, eine muslimische Hochzeit in der Nachbarschaft und vieles mehr.

Ihr Schreibstil ist ganz besonders, weil Sie eine emotionale Geschichte auf lakonische und komische Weise erzählen, ohne banal zu werden. Außerdem ist ihr Buch nicht didaktisch, obwohl man sehr viel lernt. Ist Ihr Schreibstil ein angeborenes Talent?
Oh, vielen Dank für das Kompliment! Eigentlich habe ich hauptsächlich über das Lesen gelernt zu schreiben. Außerdem gehöre ich nicht zu den Glücklichen, denen der erste Entwurf gleich glückt. Deshalb bin ich froh, dass ich einen tollen Agenten und einen großartigen Lektor habe, die alle Entwürfe durchgesehen und mir immer wieder mit Korrekturen, Anmerkungen und Kürzungen geholfen haben. Alleine hätte ich das so niemals hinbekommen.

Warum haben Sie ausgerechnet Priti ausgesucht, die den Ball ins Rollen bringt – und ihren Bruder beinahe ins Gefängnis?
Ich liebe Priti! Sie ist wie viele kleine Mädchen sehr intelligent und hat eine blühende Fantasie. Sie kann sich eine vermeintliche Bedrohung in den schillerndsten Farben vorstellen, aber die wirkliche Gefahr, die vor ihrer Haustür lauert, erkennt sie nicht. Ich wollte gerne verschiedene Ausprägungen von Rassismus zeigen, und in diesem Zusammenhang stellte ich es mir ganz witzig vor, ausgerechnet einen muslimischen Charakter mit einer Islam-Phobie zu kreieren. Priti glaubt an alle Ausprägungen von Moslem-Stereotypen, aber ich hoffe, in meiner Geschichte diesen Sichtweisen etwas entgegengesetzt und Vorurteile in Frage gestellt zu haben.

Ben erschließt sich seine Welt hauptsächlich durch Zeichnen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? Und wie gefällt Ihnen der Manga am Ende Ihres Buches?
Auf die Idee, dass Ben immer zeichnet, bin ich durch meine Schüler gekommen: Viele der Jungs kritzeln Manga während des Unterrichts. Als mir einer meiner Schüler dann einmal erzählte, dass er nach 9/11 immer Bilder von Flugzeugen, die in Hochhäuser fliegen, gemalt hat, habe ich angefangen, die bisherige Fassung des Nine-Eleven-Jungen umzuschreiben.
Irgendwie war dann auch klar, dass wenigstens ein Manga ins Buch muss. Wie er mir gefällt? Ich liebe ihn! Er ist das Beste vom ganzen Buch.

Ist Priti ein Mädchen, das Sie kennen? Und Ben?
Priti ist ein bisschen meine beste Freundin aus Kindertagen, ein bisschen meine Tochter Elsie (der verrückte Kleidergeschmack) und ein bisschen andere Mädchen, die ich über die Jahre unterrichtet bzw. mit denen ich befreundet war. Sie wären überrascht, wie viele Pritis es da draußen gibt!
Ben basiert auf meinem sensiblen Sohn Joe, der erst drei Jahre alt war, als ich das Buch zu schreiben begann. Mich hat damals sehr beschäftigt, was wohl aus Joe würde, wenn sein Vater nicht mehr lebte.

Wie haben Sie die Figuren entwickelt?
Wie schon gesagt, sind meine Figuren ein Mix aus verschiedenen Personen plus Fiktion. Bens Großeltern etwa haben etwas von meinen Schwiegereltern, meinen eigenen Großeltern und von den Eltern meiner besten Freundin. Der Vater von Ben ist im Grunde mein Mann – und er ist nicht sonderlich glücklich darüber, das können Sie mir glauben. Es hilft mir beim Schreiben, wenn ich mir ganz bestimmte Stimmen und reale Personen vorstelle.

Welchen Charakter mögen Sie am liebsten?
Ben, ganz klar. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich ihn beschützen möchte. Es gibt einfach zu viele reale Bens da draußen, Kinder, die ihre Mutter oder ihren Vater bei 9/11 verloren haben. Diese Kinder hatte ich immer im Kopf, als ich den Nine-Eleven-Jungen geschrieben habe. In gewisser Weise habe ich diese Geschichte für sie geschrieben.

Welche Erwartungen haben Sie nach Erscheinen Ihres Buches?
Ich hoffe, dass mein Buch mit Freude gelesen wird – idealerweise mit so viel Freude, wie ich sie beim Schreiben hatte.

Haben Sie Ihr Buch speziell als Jugendbuch geschrieben?
Ich hatte zwar immer meine Schüler im Hinterkopf, aber ich bin begeistert von All-Age-Romanen wie »So lebe ich jetzt« von Meg Rosoff oder »Millionen« von Frank Cottrell Boyce. Mein Buch ist also auch an Erwachsene gerichtet, und ich hoffe, dass es bei allen gleich gut ankommen wird.

Können Sie überall schreiben oder brauchen Sie einen bestimmten Ort?
Normalerweise schreibe ich auf dem Dachboden, aber meine Kinder haben ihn mittlerweile zum Spielplatz umfunktioniert. Also tigere ich zurzeit noch durchs Haus, um meinen neuen Lieblingsplatz zu finden. Ich habe mich aber daran gewöhnt, überall, wo es gerade geht, und vor allem, wann immer es geht, zu schreiben.

Samstag, 10. September 2011

Buchbesprechung: Wie Sie ihr Gehirn auf Erfolg einstellen

Wie kommt es, dass Kleinkinder hochkomplexe Fertigkeiten wie Laufen und
Sprechen ganz leicht erlernen, während sich Erwachsene beispielsweise eine
Fremdsprache oft nur mit Mühe aneignen?

Donnerstag, 8. September 2011

Buchbesprechung: 2-mal Hugo Ball zum 125. Geburtstag

Hugo Ball
Zinnoberzack, Zeter und Mordio
Alle DADA-Texte
Hg. von Eckhard Faul
Göttingen 2011, 144 S., franz. brosch.
14,90 € (D), Wallstein Verlag


Der Name Hugo Ball ist untrennbar mit der DADA-Bewegung verbunden. Der gebürtige Pirmasenser würde dieses Jahr 125 Jahre alt (22. Februar), weswegen 2011 natürlich auch ein Hugo-Ball-Jahr begangen wird.
Die Stadt Pirmasens feiert schon Monate lang ihren großen Sohn und zeigt die Vielfalt seines Schaffens. Der Wallstein Verlag hat im Ball-Jahr ein Bändchen herausgebracht, das alle dadaistischen Texte Hugo Balls zusammenträgt. Darüber hinaus sind sämtliche Werke und Briefe in diesem Verlag erschienen.
Neben seinen bekannteren Texten wie den Lautgedichten aus der Zeit des Cabaret Voltaire in Zürich und den dadaistischen Manifesten finden sich in dem vorliegenden Bändchen auch eher unbekannte Arbeiten wie der zu Lebzeiten unveröffentlichte Roman »Tenderenda der Phantast« sowie Auszüge aus seinem Tagebuch »Die Flucht aus der Zeit«, die sich auf die Zeit des Dadaismus beziehen. Auch ein bruitistisches Krippenspiel, das bereits die Hinwendung Balls zu religiösen Thematiken andeutet, zählt zu seinen dadaistischen Werken.
Die Texte überraschen durch ihre Vielfalt, denn sie umfassen alle Gattungen, sind theoretischer und autobiographischer Natur und vereinen doch alle die typischen dadaistischen Charakteristika, die diese literarische Strömung so einzigartig machen. So vielfältig wie die Texte selbst sind auch die Einflüsse, die auf den Gründer des Dadaismus einwirkten. Zu nennen wären hier vor allem der italienische Futurismus, der Maler Wassily Kandinsky, der Dramatiker Frank Wedekind oder auch die Liturgie der katholischen Kirche.
Die hier zusammengestellten Arbeiten Balls zeigen noch einmal deutlich seine große Bedeutung für den Dadaismus, der ohne ihn in dieser Form nicht denkbar gewesen wäre.


Ein Gedicht von Hugo Ball:

Der blaue Abend

Es wettert Lichtkomplex vom Himmel auf die Straßen,
Aus Fensterfronten wandeln hoch die blauen Huren.
Oh holde Stunde sanfter Mädchennasen,
Oh Unisono und Zusammenklang der Turm- und Taschenuhren!
Der Mond steigt in die Rundung metaphysisch höher,
Ein Pferd macht müde sich’s bequem in einem Vogelneste.
Verzückt entschwebt dem Volk ein violetter Seher,
Und schwarzer Violinklang tönt aus dem Asbeste.
Glasbläserei und Kuppel weißer Bögen,
Wölbt hoch euch aus dem Lichtkreis dieser Stadt!
Es ist, als ob aus Finsternis viel Tränen zögen
Und kranken Gottes Haupt erglänzet matt.
Es lehnen sich die Häuser blond zurücke.
Sind Türme weiße Engel, die entschweben.
Vom Himmel stürzt zur Hölle eine Brücke,
Auf der die Toten händeringend kleben.


Der Autor
Hugo Ball, geb. 1886 in Pirmasens, war während des Ersten Weltkrieges Mitbegründer der Dada-Bewegung in Zürich, überzeugter Pazifist und scharfer Zeitkritiker. Der enge Freund Hermann Hesses war dessen erster Biograph. Hugo Ball starb 1927 in Montagnola/Schweiz.


Byzantinisches Christentum
Drei Heiligenleben
Hg. und kommentiert von Bernd Wacker
Hugo Ball: Sämtliche Werke und Briefe
(Hg. von der Hugo-Ball-Gesellschaft, Pirmasens), Bd. 07
Göttingen 2011, 588 S., Leinen, Schutzumschlag
38,- € (D), Wallstein 2011


Untertänig-nationalistisch, stolz und voller Heldendrang zu Beginn des ersten Weltkrieges, aufrührerisch, religiös-pazifistisch und schließlich anarchistisch, Konventionen auflösend mit seinem Dada in der Folge, so kennen wir Hugo Ball in seiner Widersprüchlichkeit.
Als 1923 das Buch »Byzantinisches Christentum« erschien, hatte der 37-jährige Hugo Ball schon viel erlebt: Der Spross einer katholischen Bürgerfamilie in Pirmasens hatte sich im Philosophie-Studium intensiv mit Nietzsche beschäftigt. Doch statt zu promovieren spielte er Theater und lebte eine Weile vom Schreiben. Seine Begeisterung für den Ersten Weltkrieg schlug schnell um in eine radikal pazifistische Haltung. Später begeisterte er sich für den Anarchismus, gründete in Zürich das Cabaret-Voltaire, und war einer der zentralen Figuren des Dadaismus.
So stellte die Veröffentlichung des theologischen Textes, in dem sich Hugo Ball mit Quellen zu den Heiligenlegenden beschäftigt, die Zeitgenossen vor ein Rätsel. Bis heute ist die Hugo-Ball-Forschung von diesem Werk irritiert. Er forderdert nicht klares Denken, sondern lullt den Leser ein, auf dass er alles annehme, was ihm da präsentiert wird. Der katholische Theologe Bernd Wacker hat diesen sperrigen Text ediert, ausführlich kommentiert und mit einem ausführlichen Nachwort versehen. Dem Text beigefügt ist neben Rezensionen und einem bislang ungedruckten Kapitel auch der Entwurf einer Einleitung aus der Feder Hugo Balls.

Der Herausgeber
Bernd Wacker, geb. 1951, ist katholischer Theologe und seit 2009 Leiter der Karl-Rahner-Akademie in Köln.


Verbleibende Veranstaltungen in Pirmasens bis Ende 2011:
+ 22. September 2011, 20 Uhr, Walhalla-Kinocenter DEEF PIRMASENS, Multimediale Lesung mit Visuals und Musik, Eintritt: 7/5 Euro, Karten: kartenvorverkauf@pirmasens.de

+ Herbstferien 2011, JuKuWe, POETRY SLAM WORKSHOP HUGO BALL, IB in Zusammenarbeit mit dem LiteraturBüro Mainz e.V. Info: www.jukuwe-pirmasens.de

+ Do., 27. Oktober 2011, 15 Uhr, Treffpunkt: Stadtbücherei HUGO BALL - JUGENDJAHRE IN PIRMASENS -SPURENSUCHE, Gästeführung mit Anke Vogel und Vera Ulrich (G-IG), Dauer 2,5 h, Teilnahmebeitrag: 6 Euro, Info: A, Vogel, Tel. 06331 62124, AnkeVogel@G-IG.de

+ Do., 27. Oktober 2011, 19.30 Uhr, Carolinensaal, BLAULALA BALLUBASCH ... ODER ALS DER BALL INS ROLLEN KAM, eine DadaREVUE über Hugo Ball und die Folgen von Florian Kaplick, Stadtbücherei Pirmasens, Eintritt frei


+ Fr., 4. – Sa., 5. November 2011, VHS, Hans-Sachs-Str. 2, DADISMUS UND TANZ, Wochenendseminar mit Monika Weiß
+ Do., 10. November 2011, 20 Uhr, Carolinensaal, ULRICH KOCH, Lesung des Hugo-Ball-Förderpreisträgers 2011, Moderation: Michael Braun, Eintritt frei

+ Di., 15. November 2011, 20 Uhr, Festhalle, FALTSCH WAGONI: DEUTSCH IST DADA HOCH 3, Eintritt: 10/5 Euro, Karten: kartenvorverkauf@pirmasens.de, Tel. 06331 842352



+ Mi., 16. November 2011, 19 Uhr, Carolinensaal, Buchsweiler-Tor-Platz, DAS WORT UND DAS BILD SIND EINS, Maler und Dichter gehören zusammen: Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Hugo Ball
Vortrag von Astrid von Asten, Arp Museum, Bahnhof Rolandseck | VHS Pirmasens
Eintritt: 3 / 2,50 Euro (Abendkasse)

+ Mi., 23, November 2011, 20 Uhr, Walhalla-Kinocenter, PATRICK ROTH, »IN MY LIFE - 12 PLACES I REMEMBER«, Film und Lesung mit dem Hugo-Ball-Preisträger 2002, Moderation: Michaela Kopp-Marx, Eintritt: 7/5 Euro, Karten: kartenvorverkauf@pirmasens.de;Tel. 06331 842352

Überregionale Veranstaltungen:
+++ 14. - 16. Oktober 2011, Erbacher Hof, Mainz, BALL, HESSE, BLOCH - Politik, Literatur, Religion und Psychoanalyse nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Tagung der Hugo-Ball-Gesellschaft Pirmasens e.V.
www.hugo-ball-gesellschaft.de
+++ 18. November 2010 - 1. Mai 2011, Arp Museum, Bahnhof Rolandseck HANS ARP: TRAUMANATOMIE
Ausstellung, einschließlich Hugo-Ball-Raum in Zusammenarbeit mit der Hugo-Ball-Sammlung Pirmasens
www.arpmuseum.org


Dienstag, 6. September 2011

Utes Buchbesprechungen: Letzte Helden, Reportagen über die Helden der Arbeit in der ehemaligen DDR

Landolf Scherzer
Berlin 2010, 208 S., Originalausgabe, Taschenbuch, 9,95 €,
Aufbau Taschenbuchverlag

Es sind drei unterschiedliche Reportagen, die der Schriftsteller Landolf Scherzer in diesem Buch zusammengetragen hat: Seine Arbeit bei der Thüringer Tafel, eine Reise nach Tschernobyl und die Suche nach ehemaligen Arbeitern, die als „Helden der Arbeit“ in der DDR ausgezeichnet wurden. Stoff für die dritte Reportage zu sammeln, stellte sich als nicht einfach heraus, denn die Betriebe, in denen die Menschen gearbeitet hatten, existieren seit der Wende nicht mehr.
Auf die Idee, nach den Spuren der „Helden der Arbeit“ zu suchen, brachte den Schriftsteller ein Leserbrief. Ein Mann schickte ihm eine Seite aus dem Neuen Deutschland von 1987, auf der ein Verpflichtungsbrief von fünfzig dieser Helden für noch höhere Leistungen an Erich Honecker abgedruckt war. Scherzer recherchierte, was mit ihnen nach 1989 passiert ist, wie ihr Leben weiter verlief.
Einige der „Helden“ waren nicht mehr auffindbar. Und die, die er aufspürte, wollten nicht mit ihm reden.
Manche hatten Angst, dass sie als „systemnah“ eingestuft würden und möglicherweise ihre jetzige Arbeit verlieren könnten. Andere waren der Meinung, Reporter verzerren das Gesagte und schwiegen deshalb. Ein Baumaschinist aus Tangerhütte bringt es kurz und selbstbewusst auf den Punkt: „An meiner Arbeit ist der Sozialismus nicht kaputt gegangen!"
Ein paar der Befragten riefen den Autor nach dem Gespräch noch an und baten, nichts zu veröffentlichen. Der Autor beschreibt das so:
Manche begründeten die Notwendigkeit, etwas wegzulassen, mit ihrer Meinung, alles Persönliche sei in den Geschichten überflüssig. Nach 20 Jahren gäbe es schließlich eine offiziell feststehende politische Lesart über die DDR und das Leben ihrer Bürger. Ein „Held der Arbeit“, der in der DDR Bauingenieur war, formulierte es fachspezifisch: „Sofort nach der Wende hatten die Politarchitekten aus dem Westen das Haus DDR, wie sie es sehen wollten, schon fix und fertig auf dem Reißbrett. Aber sie zeichneten es derart hässlich, dass keiner auf die Idee gekommen wäre, es auch nur teilweise nachzubauen. Und wenn heute die Vergangenheit der DDR in der Birthler-Behörde oder in einer Stiftung offiziell aufgearbeitet wird, dann auch, weil in diesem vorgezeichneten Haus auf dem Fenster „SED-Unrechtsstaat“ oder der Tür „Missachtung der Menschenrechte“ die inzwischen verblassten Farben immer neu aufgetragen werden.“
Scherzer kommentiert seine bitteren Erfahrungen mit diesem Thema abschließend im Nachwort mit folgendem Satz: „Selbst Nichtsagen kann vielsagend sein."

Eine andere Reportage erzählt darüber, wie er für 3 Wochen im thüringischen Eisenach bei der Tafel arbeitete, wo Bedürftige sich verpflegen lassen können. Dort lernte er viele Menschen kennen. Einerseits natürlich die Bedürftigen selber und andererseits die Helfer, die manchmal selbst Bedürftige sind. Gemeinsam mit den Helfern sammelte er in Supermärkten Lebensmittel, sortierte Brauchbares aus, um zweimal in der Woche Brot, Milch, Gurken, Apfelsinen und Kartoffeln an die „Abholer“ verteilen zu können. Dabei sprach er mit den Menschen. Entstanden sind Geschichten von Abholerfamilien und die „Armut“. Hier klingt manches an, was er als Co-Autor des Buches „In einem reichen Land“ gemeinsam mit Daniela Dahn und Günter Grass veröffentlicht hat, wieder an.
Die Tafeln sind an der Abschaffung der Armut interessiert, aber ohne Armut müssten sie sich selbst abschaffen.“, bringt es ein Helfer auf den Punkt.

„Das Wort Tschernobyl heißt auf Deutsch „schwarzer bitterer Wermut“, so beginnt Scherzer seine dritte Reportage des Buches, die vom Versuch handelt, in die gesperrte Zone um Tschernobyl zu gelangen. Auf die Idee bringt ihn eine Veröffentlichung einer Ukrainerin „Eine Mohnblumenliebe“, das man ihm während einer Lesung in Berlin überreicht. Scherzer begleitet im Jahr 2007 eine Hilfsgütersendung in die Region des ehemaligen Atomkraftwerkes. Dort spricht er mit Betroffenen und dabei wird ihm klar, welche Bedeutung rote Klatschmohnblüten für Ukrainer haben. Er erfährt, wie die Behörden arbeiten und den Opfern geholfen oder nicht geholfen wird. Auch berichtet er, wo die Hilfesendungen landen und wie die Helfer arbeiten. Ein Satz, von einer Ukrainerin ausgesprochen, bringt klar zum Ausdruck, was Scherzer sagen möchte: „Wer still hilft, hilft anderen. Wer laut hilft, hilft auch sich".
Als der Autor dann schließlich nach mehreren vergeblichen Versuchen die Möglichkeit bekommt, in die Sperrzone zu gelangen, schlägt er aus. „Erlebnistourismus“ auf Kosten anderer Menschen lehnt er ab.

Landolf Scherzer wurde 1941 in Dresden geboren. Zur Zeit lebt er in Thüringen und ist als freier Schriftsteller tätig. Er verfasste literarische Reportagen über längere Zeiträume wie „Der Erste“ oder „Der Zweite“, aber auch Bücher wie „Immer geradeaus - zu Fuß durch Europas Osten" oder „Der Grenzgänger".



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