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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Samstag, 28. Januar 2012

Für Sie besucht: Dieter Ilgs "Otello" in Neunkirchen/Saar




Verdi mal ganz anders: Dieter Ilg (Bass), Rainer Böhm (Piano/Flügel) und Patrice Heral (Percussion, Kehlkopf-Elektronik) haben sich in ihrem letzten Projekt die Oper "Otello" von Verdi vorgenommen, und das sehr überzeugend und ansprechend. Warum ausgerechnet diese Oper? Weil sie Dieter Ilg, Deutschlands führender Bassist, während seines klassischen Bass-Studiums am meisten ansprach und er diese Übungen am wenigsten vergessen wird. Ein schwieriges Terrain, das er allerdings wahrscheinlich nicht nur auf der Bühne mit Bravour bestanden hat.
Fotos von Klaus Braße, nk-Kultur.de
Hier haben sich drei Jazzmusiker zusammengefunden, die ausgezeichnet miteinander Verdi analysieren und interpretieren können, den der Ungeübte kaum noch zu entdecken vermag, am ehesten vielleicht noch in der Ballade "A questa tua".
Der Abend begann mit "M'ascolta" (Höre mir zu), das experimentell durch Patrice Heral beeinflusst eine sehr moderne und auch archetypische Szene von Zerfall und Veränderung, Sturm, Laden-, Türgeklapper und Gesang aus dem theatralischen Off heraufbeschwor. Aus diesem Sturm, dieser Wüste traten die Musiker herein ins Geschehen und bauten eine getragene Jazzstimmung auf, die sich in "Fuoco di gioia" (Freudenfeuer) mit wiederum starker Präsenz steigerte. Es folgte "O là", bei dem sich das Piano ebenbürtig zeigte - wie auch in den anderen Liedern immer präsent den Dialog führte. Von jedem Musiker konnten gehaltvolle und konzentrierte Interpretationsphasen erwartet werden. Im lyrischen "Quando narravi" auch feines Pianospiel, leises Rühren des Schlagzeugs und der Bass als Taktgeber - von der Konstanten zum Monolog und zurück.
Guiseppe Verdis "Otello" hieß in seiner Urfassung "Jago". Nach dieser Fassung benannt erlebten wir einen kräftig virtuosen Bass-Solo, der allmählich ins Ensemble überging, sich zu einem rasanten, nervösen, lustigen Staccato - mit Patrice Herals witzigem Gesang, offensichtlich eine - im positiven Sinne - Anleihe beim letztjährigen 60-jährigen Jubiläum der vielbekannten Comicfigur Mickey Mouse - entwickelte und mit dem Klang einer zerreißenden Saite abrupt endete. Meine Begleitung assoziierte spontan: "Rumpelstilzchen reißt entzwei".
Es folgte die schon erwähnte Ballade "A questa tua", ein trauermarschähnliches, aber beschwingteres Voranschreiten des Pianos, das sich immer mehr zum Jazz-Dialog auflöst, von Heral mit einem vom Besen gerührten Percussionsteppich untergelegt. Mit "Dio! Mi potevi" folgte ein schneller Rhythmus mit einer einprägsamen Melodie.
Fotos von Klaus Braße, nk-Kultur.de
Über zwei Medleys näherte sich der Abend seinem Ende, das jedoch reich mit Zugaben bedacht schmerzfrei sein durfte und noch eine Steigerung parat hielt.
Das Medley zu "Ave Maria" eine Mischung aus Oper-Rock-Jazz, bei dem sich Dieter Ilg wegen der Verquickung mit einem italienischen Rocktitel ausnahmsweise zum Durchhalten der durchgehenden Achtel-Töne entgegen seinem Jazzgrundgedanken, alles und jeden interpretatorisch aufzulösen, überreden konnte. Nach seiner glasklaren Basslinie kehrte er wieder zurück zu seinem Ursprungsverständnis und wir fanden mit ihm nach Hause. Das Ende wieder mit experimentellen, zeitgenössischen Tönen und Gesängen von Patrice Heral heraufbeschworen, ein symbolisches Hinaustreten der Musiker ins Off, dann klassisch-melodisch und plötzlich ein vertikaler Tempiwechsel, verlängert in die Zugabe. Ganz am Ende dann "Auf Wiedersehen in Monte Ewig", eine sehr besinnliche und ausdrucksvolle Erinnerung und Hommage Dieter Ilgs und seiner Musiker an Charlie Mariano, mit dem sie CDs produzierten und der letztes Jahr gestorben ist. Ein Abend mit diesem Trio ist ein gelungener Abend, an den man sich sehr gerne erinnert.


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