.

.
Dichterhain, Bände 1 bis 4

.

.
Dichterhain, Bände 5 bis 8

SV Verlag

SV Verlag mit Handy oder Tablet entdecken!
Die neue Generation der platzsparenden Bücher - klein, stark, leicht und fast unsichtbar! E-Books bei viereggtext! Wollen Sie Anspruchsvolles veröffentlichen oder suchen Sie Lesegenuss für zu Hause oder unterwegs? Verfolgen Sie mein Programm im SV Verlag, Sie werden immer etwas Passendes entdecken ... Weitere Informationen

Übersetze/Translate/Traduis/Tradurre/Traducir/переводить/çevirmek

In manchen Browsern kann die Werbung nicht zu sehen sein.

Freitag, 31. August 2012

Fantasien zur Nacht: TRÄUMEN VON DIR von Erika Ott

Träumen von dir


Wenn ich nur wieder bei dir sein könnte
deine Blicke sich mit meinen
verschmelzen
mein erotisches Feuer
weiter und weiter steigern
bis du mich gefangen hast
weil ich vor Lachen
dir nicht davon laufen kann
und mich nimmst
in deine
starken zärtlichen Arme
und ich dich drücke
fest
bis du stöhnst
dann feiern wir
unsere Erotik
mit unserem Nektar
und einer Stunde
voller Träume.

Newcomer des Monats: IN ARMSTRONGS AUFZEICHNUNGEN KEINE ENGEL - POETISCHE BETRACHTUNGEN von Matthias Engels



In Armstrongs Aufzeichnungen keine Engel
- poetische Betrachtungen
- 
 90 Seiten, worthandel : verlag, 14,90€

In Armstrongs Aufzeichnungen keine Engel
I
an der ecke gehen die schranken runter,
aber davon steht nichts in der zeitung.
sie gehen wieder hoch,
aber nichts kommt darüber im radio.
im zug sitzt ein stigmatisierter,
aber das interessiert zum beispiel
die steine im gleisbett wenig.
etwas prallt an die scheibe,
der umriss auf der netzhaut sagt: vogel,
ohne spezifikation: vogel,
aber das interessiert zum beispiel
die gartengruppe gar nicht.
II
tägliches existenzfragen-voodoo
kein suchergebnis für Ihre anfrage: -Ich-.
im fernsehen: ein special über fallenden schnee.
eilmeldungen als schriftband: nichts passiert.
heute- nachrichten:
weltweit wurde geatmet,
alte männer starben natürliche tode in betten.
paare zeugten kinder.
in einem waldstück fraß ein bär
behutsam früchte von einem busch.
das im spiegel bist du.
III
in einem labor entsteht eine neue waffe,
aber das interessiert zum beispiel die paarhufer wenig.
die lottozahlen werden gezogen,
aber der brahmaputra fließt weiter.
„sherry zur suppe!“, sagt der zen-meister
auf die frage nach der letzten wahrheit.
der gorilla sitzt glücklich lächelnd
an der ameisenstraße während die bäume fallen.
die schöpferkraft edisons ist ein gottesbeweis,
die energiesparlampe aber nicht.
IV
im meer schrumpfen sich fische
durch netzmaschen,
vögel imitieren mobiltelefone.
eine stadtamsel versteht keine landamsel
und die haut des eisbären ist schwarz.
10 jahre arbeit für ein stück ton,
das am ende aussieht wie kreidezeit.
baal und beelzebub lesen sich aus der bibel vor,
aber in armstrongs aufzeichnungen keine engel.

 
(c) Matthias Engels

Donnerstag, 30. August 2012

Buchbesprechung: KNASTREPORT von Kai Schlieter


Kai Schlieter: Knastreport, Westend Verlag, 253 Seiten, 17,95 Euro

Kinderschänder, Vergewaltiger, U-Bahn-Schläger und rechtsradikale Kommandos sind der Anlass emotionaler Diskussionen über Art und Dauer von Gefängnisstrafen. Die meisten Leute fordern krasse und strenge Bestrafungen, erleben in den Medien ewiglange Prozesse und nicht selten ganz milde Strafen ... Stimmt die Meinung, dass die Strafen zu lasch seien? Sind sie zu streng und wäre nur die Todesstrafe noch eine notwendige Steigerung?
Kai Schlieter besuchte für sein Buch deutsche Strafvollzugsanstalten, interviewte Gerichtspsychiater, Forensiker und Kriminologen. Er stellt Vorurteile gegen Statistiken und den Gefängnisalltag gegen Gesetze. Er zeigt, was sich in der Welt hinter Gittern wirklich abspielt, und kommt letztlich zu dem Schluss: Der jetzige Vollzug schadet unserer Gesellschaft mehr, als dass er ihr nutzt.

Manche Kriminelle werden zu Medienstars, doch nach der Verurteilung verschwinden auch sie hinter den Mauern. Gefängnisse zählen zu den schattigsten Regionen der Gesellschaft. Wo keine Öffentlichkeit ist, herrscht auch im Rechtsstaat Willkür. Eigentlich soll der offene Vollzug die Regel sein, tatsächlich ist er die Ausnahme. Mit Straftätern wird nicht schonend umgegangen, es werden auch nicht weniger, sondern seit 1990 immer mehr Menschen, die in Haft geraten. Allerdings weniger die gefürchteten gewalttätigen Jugendliche.
Das lasche Image des Strafvollzugs kommt eigentlich nur daher, dass das Leben in Haft den allgemeinen Lebensverhältnissen weitmöglichst angeglichen sein soll. Denen geht's zu gut, heißt es oft, aber das Ziel der Haft ist, die Gefangenen als sozialverträgliche Zeitgenossen zu entlassen. Fakt ist allerdings, dass nur drei Prozent von ihnen eine Sozialtherapie gewährt bekommen.
Das ist einer von vielen Rechtsbrüchen, die zur Sprache kommen. Natürlich gibt es gefährliche Menschen, vor denen die Gesellschaft geschützt werden muss. Doch die Mittel, um sie zu entschärfen bzw. sicher zu verwahren, sind in vielen Fällen nutzlos und verkehrt. Dies wird am Beispiel der Sicherungsverwahrung deutlich. Gutachten allein aufgrund von Gesprächen können nie wirklich treffsicher die zukünftige Gefährlichkeit einer Person klären. Nur der Umgang mit Situationen in lebensnahen Situationen geben Aufschluss, allerdings will auch keiner Experimente, die die Bevölkerung gefährden.

Schlieter rückt in diesem Buch sachlich argumentierend gerade, was in der öffentlichen Debatte immer wieder falsch dargestellt wird. Ausführung eben nur alle 3 Monate, eher noch größere Intervalle, Totalvereinsamung statt soziale Gemeinschaft, völlig falsche Verhaltensprognostik, die unzuverlässig ist, z.B. wurden von 33 freigelassenen schweren Straftätern 24 rückfällig, wobei man an viel weniger dachte.

Über den Autor
Kai Schlieter, 37 Jahre, ist Soziologe und Sozialpädagoge und arbeitet als Redakteur bei der taz. Seit 1998 ist er als Journalist tätig, zuerst beim Südwestrundfunk, später als Parlamentskorrespondent der Thüringer Allgemeine in Berlin und als Autor für den Deutschlandfunk.

Dichterhain: ABSCHIED III von Stefan Vieregg

Abschied III
(für A.)

Asche im Wind
weht durch fallendes Laub
sterbende Rose auf
versiegender Sprache
Hände, die sich verlieren
Münder sich nie mehr finden
absinkende Zeit
am Körper entlang
der Zauber versiegt
Feuer erlischt
im Regenschleier der Tränen


(c) Stefan Vieregg

Mittwoch, 29. August 2012

Buchtipp: NUTELLA HAT LICHTSCHUTZFAKTOR 9,7 gesammelt von der Facebookgruppe "Unnützes Wissen"

Nutella hat Lichtschutzfaktor 9,7
Die volle Dosis unnützes Wissen
8,99 € (D), Broschur, 202 Seiten
riva Verlag, München 2011 
 
 
Bücher mit unnützem Wissen gibt es viele, doch keines, welches so eine Themenvielfalt bietet.
So erfährt man viel Kurioses und Spannendes. Viagra hält Schnittblumen länger frisch! Oder: Den Master of Desaster gibt es wirklich. Dabei handelt es sich um einen Studienabschluss, der in den Niederlanden im Bereich des Krisenmanagements gemacht werden kann. Unvorstellbar, aber war: Würde die Bevölkerung Chinas in einer Reihe an einem vorbeigehen, würde diese aufgrund der hohen Geburtenrate niemals enden. Allgemein bekannt ist sicherlich nicht jedem, dass rechtlich gesehen Feuerwehrmänner beim Überqueren einer roten Ampel während eines Einsatzes nicht versichert sind? Auch Geschichtliches wird im Buch nicht ausgelassen. Im Duden in der ehemaligen DDR war das Wort Freizeit nicht vorhanden. Tierisches erfährt man am Beispiel der Waldameise, die als einziges Tier selbst Haustiere (diverse Lausarten) hält. Und auch Menschliches, z.B. über die Liebe, die ein Jucken in der Nähe des Herzen ist, das man nicht kratzen kann.
Das Fazit: Unnützes Wissen ist nicht immer nutzlos, sondern bietet eine Menge neue Erkenntnisse. 

Die Autoren
Bekannt aus Facebook gehört „Unnützes Wissen“ mit 652.443 „gefällt mir“-Klicks zu einer der zwei größten deutschen Gruppen. Das Buch entstand auf Basis dieser Facebook-Gruppe. Täglich tragen zahlreiche Fans zahlreiche amüsante und teilweise absurde Fakten und Ereignisse zusammen und teilen sie mit anderen.

 

Dichterhain: EISZEIT von Ute AnneMarie Schuster

(c) Gabriele Springer: Anders - Roter Mond



















Eiszeit

Auch wenn ich bloß und nackt hier sitze,
so bin ich doch warm eingehüllt,
in einen Schleier ganz aus Seide,
der meine Hitze wohlig kühlt.

Glaub nicht, dass ich im Eis erfriere,
nur weil ich nackt mich präsentier,
ein Mensch wie ich wird stets verschweigen,
wie es ihm geht,
im Jetzt und Hier.  

© Ute AnneMarie Schuster

Dienstag, 28. August 2012

Buchtipp: VERFLIXTE HÜHNERSUPPE von Veronika Aretz

Veronika Aretz
Verflixte Hühnersuppe
gebunden, 236 Seiten
17,90 Euro, Dresdner Buchverlag


Nadine ist ein ganz normales zwölfjähriges Mädchen …

Also gut – ihr Leben ist alles andere als normal: Sie ist die Hüterin des Trigonischen Friedenskristalls der Sieben-Welten und sie wurde vor 37 Jahren auf die Erde geschickt, um den kostbaren Stein vor den Feinden ihrer Welt zu beschützen.

Und hier sitzt sie nun fest, immer noch zwölf Jahre alt – und schon wieder kommt sie in eine neue Schule! Dort gerät sie auch gleich an eine Clique, die die Schüler terrorisiert. Ihr Banknachbar Yannik scheint sie komplett abzulehnen und dann taucht zu allem Überfluss auch noch ihr Englischlehrer auf, den sie von früher kennt und vor dem sie schon einmal ihr Geheimnis verbergen musste.

Nach all dieser Aufregung wird ihr eines klar: Sie will endlich wieder nach Hause! Also setzt sie den Kristall ein, um ihren Eltern zu zeigen, wo sie zu finden ist. Doch damit lockt sie vor allem die gefährliche Schwarze Seite an …

Ein fantastischer Kinder- und Jugendroman für Leser ab 10 Jahren – mit über 100 lustig illustrierten Kommentaren im Manga-Stil.


LESEPROBE


VORWORT
oder
Damit du kapierst, warum das Buch so heißt


Hi, ich heiße Nadine und – verflixte Hühnersuppe! – wenn du wissen willst, warum
ich immer so fluche: Das lernte ich bei den Tablebrakers, bei denen ich ein paar Jahre
gelebt habe. Eines Tages, als sie zum Arbeiten auf die Felder gingen, sollte ich
Hühnersuppe kochen. Du glaubst doch wohl nicht, dass ich ein Huhn schlachte! Nee, ich versteckte es
natürlich im Wald. Stattdessen habe ich ein paar Eier hart gekocht, gepellt und in Lebertran eingeweicht. Mit altem Brot, Bitterschokolade, einer Kirschbaumwurzel und blühenden Kräutern von der Pferdewiese ließ ich sie stundenlang im Wasser brodeln. Da das aber noch immer nicht die gewünschte Färbung brachte, fügte ich zum Schluss noch Hundefutter hinzu.
Ich war fix und fertig, als die Tablebrakers hungrig von der Maisernte heimkehrten, aber die verflixte Suppe hat ihnen so gut geschmeckt, dass ich von da an immer wieder Hühnersuppe kochen musste. (Schreib mir ’ne E-Mail, wenn ich dir das Rezept schicken soll!)

Und um genau so ein Tohuwabohu geht es in dieser Geschichte. Denn hier mühe ich mich ebenso verzweifelt ab wie der arme Hund der Tablebrakers, der immer wieder sein Futter aus der Suppe schlecken wollte. Am Ende gibt es zwar keine Hühnersuppe und auch keine freien Hühner im Wald, aber dafür einen Wolf (das ist
ein gefürchtetes Blechmonster aus meiner Heimat), der dem Huhn (das bin dann ich) ganz gehörig das Fell rupft.
HE, IHR DA HINTEN! HALTET
ENDLICH MAL DIE KLAPPE!
JETZT BIN ICH DRAN!
Und wer über meine Frisur motzen will – da, wo ich herkomme, ist das
modern!

Ka p i t e l  1
oder
Der Tag, den ich am meisten hasse


Verflixte Hühnersuppe, weißt du, wie das ist, wenn du Schritte hörst und dir die Brühe eisig-schaurig den Rücken hinunterläuft, weil du keine zwei Meter weit sehen kannst? Wenn du befürchtest, dass ein bärenartiges Monstrum von Hund durch den Nebel auf dich zuhetzt, du dann aber feststellen musst, dass es nur ein vorlauter Dackel ist?
Wenn dir daumendicke Tropfen in den Nacken pladdern und du hoffst, dass es nicht das gewisse Etwas eines Vogels ist? Und – verflixte Hühnersuppe! – wenn du auch noch weißt, dass du dir diese ganze Milchbrühe selbst eingebrockt hast, weil sich deine miese Stimmung gelegentlich aufs Wetter überträgt? Das Dumme ist, dass du es nicht ändern kannst, weil du eben solche Tage hasst.
Vermurkst-verflixter Hühnersuppen-Albtraum! Ich hasse den allerersten Tag an einer neuen Schule – und genau so einer ist heute.
Mit tief in den Taschen vergrabenen Händen schlurfe ich an der tristen Mauer entlang, die sich wie ein Gefängniswall rund um die Schule windet. In den letzten Tagen hat es in Strömen geregnet und nun platscht bei jedem meiner Schritte literweise Wasser zur Seite.
Endlich komme ich zu dem wuchtigen Eingangstor. „Gymnasium Birkenbleich“ prangt in abgeblätterten Buchstaben auf einem Schild, genauso grau und stumpf wie dieser Frühlingsmorgen, genauso trüb wie meine Laune. Wem sollte es nicht einleuchten, dass es in meinem Bauch rumort, so, als hätte ich ein Dutzend Schnecken zum Frühstück gefuttert? So ein Neuanfang ist echt nicht von Pappe, jeder glotzt dich an, bis du das Gefühl hast, ein Außerirdischer zu sein, dem grüner Rauch aus den Ohren quillt.

Jetzt aktuell bei ECM und Vorschau August, September


Bei ECM New Series kommen in diesen Tagen neue Einspielungen von Alexei Lubimov und Kim Kashkashian: Alexei Lubimov  und Natalia Pschenitschnikova präsentieren mit „John Cage - As It Is“ eine erfrischende Annäherung an eine der eigenständigsten und schöpferischsten Persönlichkeiten unter den modernen Komponisten, deren Geburtstag sich am 5. September zum 100. Mal jährt.
Kim Kashkashian offeriert mit „Kurtág/Ligeti - Music for Viola“ eine gleichermaßen kühne wie subtile Einspielung von Solostücken der großen ungarischen Komponisten.
 
András Schiff setzt die Reihe seiner vielbeachteten Bach-Einspielungen fort: Im Sommer 2011 richtete er sein Augenmerk auf „Das Wohltemperierte Clavier“ mit seinen 48 Präludien und Fugen - für eine Studioaufnahme beider Bücher im Auditorium Radiosvizzera Italiana in Lugano, die nun am 31. August als 4-CD-Set bei ECM New Series veröffentlicht wird.
 
Auch bei ECM ist soeben ein Album erschienen, das aufhorchen lässt:
Wie Enrico Rava selbst bekennt, sei ihm erst nach Michael Jacksons Tod nach und nach bewusst geworden, dass er “viele Jahre lang einen der wichtigsten Protagonisten der Musik und der Tanzkunst des 20. Jahrhunderts ignoriert hatte.“… Und so erweist er Jackson nun mit dem Livealbum „On The Dancefloor“, aufgenommen im Auditorium Parco della Musica in Rom mit dem Ensemble des Parco della Musica Jazz Lab, seine Reverenz. (VÖ: 24.8.)
 
Für Ende September sind bei ECM New Series weitere Neuheiten anzukündigen:
Der Pianist Valery Afanassiev kombiniert auf seiner neuen Aufnahme zwei eher extrovertierte Werke Franz Schuberts: die sechs „Moments musicaux“ und die Sonate D-Dur (D 850). Aufgenommen im September 2010 im Auditorio Radiotelevisione Svizzera in Lugano, ist dies die zweite Schubert-Einspielung des in Moskau geborenen Pianisten für ECM. Zuvor war eine Liveaufnahme von Afanassiev mit Schuberts letzter Sonate (D 960) beim Lockenhaus Festival 1986 erschienen, die inzwischen als Geheimtipp für Kenner gilt.
 
Seit 2001 hat sich ECM mit großer Überzeugung für das Werk des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov stark gemacht, durch Einspielungen seiner Arbeiten für Orchester, Kammer- und Vokalmusik. Dieses Engagement setzt sich im Jahr von Silvestrovs 75. Geburtstag mit “Sacred Songs” fort, dem siebten Album, das ECM komplett der Musik des Komponisten widmet. Es versammelt Sätze von geistlichen Liedern, Refrains, Psalmen und Gebeten, die in den Jahren von 2006 bis 2008 komponiert wurden. Auf „Sacred Songs” sind sie in vollendet abgestimmten Darbietungen des Kammerchors von Kiew unter der Leitung seines Mitgründers Mykola Hobdych zu hören.
 
Auf ihrem programmatisch betitelten ECM-Debüt „Canto Oscuro“ präsentiert Anna Gourari eine Auswahl von „dunklen“ Gesängen, darunter zwei der anrührendsten Choralpräludien von J.S. Bach – “Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ” und “Nun komm’ der Heiden Heiland” – in den sublimen Arrangements von Ferruccio Busoni. Die Pianistin schließt hier auch Busonis Fassung der packenden Chaconne aus Bach’s Partita für Violine solo Nr. 2 d-moll an. Aus ihrer russischen Heimat stammen Alexander Silotis Transkription eines Bach Präludiums und Sofia Gubaidulinas frühe Chaconne, eine Art Geisterschiff für den Barock. Das Kernstück des Albums bildet Paul Hindemiths Suite “1922”.
 
Immerhin fünf Jazzneuheiten stehen bei ECM im September zur Veröffentlichung an:
Nik Bärtsch’s Ronin offeriert mit Live ein kraftvolles und atmosphärisches Live-Doppelalbum mit Mitschnitten aus Auftritten in Deutschland, Österreich, Holland, England und Japan. Der 2-CD-Set enthält die letzten Aufnahmen von Ronin mit Björn Meyers elegantem Bassspiel als einer der prägenden Stimmen der Band. Der neue Bassist Thomy Jordi hat im Stück “Modul 55” einen eindrucksvollen Einstand.
 
„Small Places“ ist das Nachfolgewerk zu “The Rub and Spare Change”, Michael Formaneks  ECM-Debüt als Leader aus dem Jahr 2010. Das neue Album präsentiert die gleiche Powerhouse-Band aus langjährigen Gleichgesinnten, dabei befindet sich Formanek in telepathischem Einverständnis mit Saxofonist Tim Berne, Pianist Craig Taborn und Drummer Gerald Cleaver.
 
Auch auf “Swept Away” kommuniziert ein Quartett aus Spitzenkönnern - Pianistin Eliane Elias, Bassist Marc Johnson, Drummer Joey Baron und Saxofonist Joe Lovano – durch Musik, die gleichermaßen einladend und sinnlich, lyrisch und voller Swing ist. Eliane Elias hatte mit den ECM-Veteranen Baron und Lovano schon auf Johnsons 2005er ECM-Album „Shades of Jade“ gespielt. “Swept Away” enthält eine Handvoll melodiensatter Elias-Kompositionen. Ein weiteres Highlight ist Marc Johnsons groovendes, östlich angehauchtes “When The Sun Comes Up”; mit Johnsons Solo-Fassung des amerikanischen Folksongs “Shenandoah” schließt das Album.
 
„Equilibrium“, das ECM-Debüt des Benedikt Jahnel Trios, bezieht viel Spannung aus den gegensätzlichen Spielweisen von Benedikt Jahnel (vielen auch als Pianist von Cyminology bekannt) und Drummer Owen Howard. Dabei findet sich Bassist Antonio Miguel nicht selten in der Rolle des musikalischen Vermittlers zwischen diesen Polen. Der Stil der Band integriert subtil Elemente aus der Klassik wie auch moderne Groove-Konzepte.
 
“Matanë Malit” (Hinter dem Berg), Elina Dunis ECM-Debüt, ist eine musikalische Hommage an Albanien. Ihre Jazz-Erfahrungen prägen ihre Forschungsreise durch Folksongs aus dem Balkan – mit wachem Bewusstsein für deren Atmosphäre, deren Klangwelt, ihre Strukturen, die Bedeutung hinter den Worten. Duni hatte Albanien 1992 als Zehnjährige verlassen.
 
Tourneen und Konzerte
 
In Anwesenheit von Arvo Pärt werden am 13. Oktober im Herkulessaal der Residenz in München neue Werke des estnischen Komponisten ihre deutsche Erstaufführung erleben. Dazu gehören vor allem Werke in der von Pärt autorisierten Originalbesetzung, wie sie auch auf dem zeitgleich erscheinenden neuen ECM-Album „Adam’s Lament“ vertreten sind: mit dem Lettischen Rundfunkchor, Vox Clamantis und der Riga Sinfonietta unter dem Dirigenten Tõnu Kaljuste. Einen Schwerpunkt bildet dabei die für Chor und Streichorchester geschriebene Titelkomposition dieser CD, „Adam’s Lament“. Es ist dies das einzige Deutschlandkonzert in dieser Besetzung. Interesse an Pressekarten bitte ich frühzeitig zu signalisieren!
 
Manu Katché kommt im Rahmen seiner Europatournee auch zu einer Reihe von Konzerten nach Deutschland: So gastiertt Katché am 27. Oktober in Hamburg (Kampnagel) und am 30. Oktober in München (Alte Kongresshalle).
 
Umfangreiche Tourneen stehen im September und Oktober unter anderem auch bei Cyminology, Tord Gustavsen und Nik Bärtsch’s Ronin auf dem Programm (die genauen Daten unter ecmrecords.com).

Die drei beliebtesten Beiträge der Woche 34

Bei den Beiträgen wurden häufig letzte Woche besucht:

1. Reportage vom Kunstsommer in Arnsberg: Bildhauerisches TaiChi von Marita Gerwin
2. Ankes Fundstücke: Geburts- und Todestag von Alexej von Assaulenko im August 2012 und
    Jugendhörbuch: ZU HAUSE REDET DAS GRAS von Katherine Rundell 
3. Buchbesprechung: RAUS AUS DEINER KOMFORTZONE von A. Brede und S. Ballach 

Die drei beliebtesten Gedichte der Woche 34

Folgende Gedichte wurden in der Woche 34 am stärksten besucht:

1. Dichterhain: ZEIT GEDICHT von Gabriele Brunsch
2. Fantasien zur Nacht: WEIB von Ute AnneMarie Schuster
3. Dichterhain: WARUM? von Felicitas Göbel und
    Fantasien zur Nacht: SWEET KISSES von Birgit Burkey

Montag, 27. August 2012

Ankes TV-Tipp: Heute 20:15 Uhr, ARD - Wüstenblume (Romanverfilmung)


© ARD
Länge: 120 Minuten
 
Die Somalierin Waris Dirie (Liya Kebede) kommt als Tochter einer Nomadenfamilie zur Welt. Um der Zwangsverheiratung mit einem alten Mann zu entgehen, flüchtet die 13-Jährige zu Fuß durch die Wüste bis nach Mogadischu. Dank der Vermittlung ihrer Großmutter kommt sie nach London, wo der somalische Botschafter die junge Frau wie eine Haussklavin hält. Mit der drohenden Rückkehr nach Somalia muss sie erneut alles hinter sich lassen. Mutterseelenallein streunt die obdachlose Teenagerin durch London und findet Unterschlupf bei der quirligen Verkäuferin Marilyn (Sally Hawkins). Dank ihrer Hilfe lernt Waris Englisch und findet Arbeit in einem Burger-Restaurant. Der Starfotograf Terry Donaldson (Timothy Spall) wird hier auf die hochgewachsene Schönheit aufmerksam und vermittelt sie an eine namhafte Modelagentur. Alles läuft bestens, bis sie auf dem Weg zu ihrem ersten großen Job von Grenzbeamten verhaftet wird. Der illegalen Ausländerin droht die Abschiebung, der sie durch eine Scheinehe mit dem zudringlichen Hausmeister Neil (Craig Parkinson) entgeht. Trotz mannigfaltiger Schwierigkeiten avanciert Waris zum international gefragten Top-Model. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere fasst sie sich ein Herz und schildert in einem Interview, was ihr als Kind widerfuhr: Als Fünfjährige musste sie sich, wie die meisten Mädchen ihres Kulturkreises, dem archaischen Ritual der Genitalverstümmelung unterziehen.
Waris Diries autobiografischer Bestseller „Wüstenblume" berührte Millionen Leser und regte weltweit Debatten über die grausame Tradition der Frauenbeschneidung an. Regisseurin Sherry Hormann („Irren ist männlich") verdichtet, zwischen unterschiedlichen Zeitebenen wechselnd, die Literaturvorlage. Der deutsch-amerikanischen Filmemacherin gelingt ein bewegendes Biopic, das weder als gefühliges Melodram noch als thesenartiger Kampagnenfilm daherkommt. In der Titelrolle zeigt das grazile äthiopische Model Liya Kebede eine beachtliche Darstellung. Für gute Laune sorgen die britischen Arthouse-Stars Sally Hawkins, die ihre flippige Figur aus „Happy-Go-Lucky" variiert, und Timothy Spall, der den exzentrischen Fotografen Donaldson verkörpert.

"Als ich den fertigen Film zum ersten Mal sah, war es nicht einfach, mein eigenes Leben auf der Leinwand zu sehen. Als ich das Kino verließ, war ich innerlich unglaublich aufgewühlt. Doch ich wusste, dass dieser Film eine wichtige Botschaft hat, die von allen Menschen geteilt wird: die Achtung menschlicher Würde." (Waris Dirie) 

Erstausgabe bei Schneekluth München, 1998

Dichterhain: WARUM? von Felicitas Göbel


Warum?

(c) Florian C.A. Czech: Volkgarten, Wien

....sehn ich mich nach Deinen Händen, die doch in eine andere Richtung greifen.

....sehn ich mich nach Deinem Geruch,

der in entgegengesetzte Winde weht.

....sehn ich mich nach Deiner Stimme,

die sich immer mehr von mir entfernt.

....sehn ich mich nach Deinen Augen,

die mich nicht anschauen wollen.

....sehn ich mich nach Deinem Körper,

der sich von mir abgewandt hat.

Warum tun wir uns so weh,

nachdem wir uns so gut getan haben ?

Oder war das alles nur Schein ?


Warum werfe ich in Wut verletzende Worte aus,

wo ich Dir doch zärtlich sagen möchte:

"Wie lieb ich Dich habe!"

(c) Felicitas Göbel 2012

Sonntag, 26. August 2012

Theaterstücke: DIE LÄSTIGEN AUSSAGEN von Thomas Gechter

Die lästigen Aussagen - pbooks.de

In dem Stück entscheidet der Zugzwang der Situation über die Aussagen der Figuren, die von der "bösen Königin" geladen sind ... Die Figuren sind Sprachrohre, denen stets etwas einfällt, wenn Positives geschieht. (Erläuterung des Autors)

"Die Geliebte: Verantwortung, Leistung, Entlohnung.
(Sie räkelt sich auf der Wiese des Gartens.)
Die böse Königin: In diesem heiligen Garten -
Der Seemann: Ich erkenne ihn wieder -
Der Zweifler (tritt auf): Man kann nie gut genug zu den Instrumenten sein.
Die Geliebte: Füttern der Wildhunde ist leider nicht Sinn der Sache.
Die böse Königin: Nacktheit ist Angst und Verletzbarkeit.
Die Geliebte: Ah, der erste Roman.
Die böse Königin: Nicht stürzen, das ist gefährlich.
Der Zweifler: Gehen wir den Pilgerpfad, bis zur Applausordnung.
Der Niedriglohnarbeiter (tritt auf): Schmuck ist geplättet und
Regenwasser fließt in unsern Fluss.
Der Seemann: Zeus wurde einst in der Höhle geboren,
Und so tickte die Uhr Leben -
Mit Muscheltrompete und Ziegenfell
Aus Unwetter entspringendes kosmisches Ei -
Die Geliebte: Verliebt ohne Konterfei.
Der Liebhaber (tritt auf): Im Atelier werden Bekannte porträtiert.
Die böse Königin: Erste musikalische Erfahrungen, pah!
Der Seemann: Die exotische Tierwelt hat ihren Charme.
Der Penner (tritt auf): Noch ein Musikprogramm.

(Der Zweifler zieht sich in eine Ecke zurück.)

Der Seemann: Ein Wettbewerbssieger wird zusätzlich dabei sein.
Die Geliebte: Das scheint mir sehr ein Festivalprogramm zu sein.
Der Niedriglohnarbeiter: Was kann man wohl machen? Jede Bewegung
Ist anerkannt gut besetzt.

(Die Geliebte geht vor an die Rampe. Hüftknick, Sonnenbrille auf, eitel die Haare in Pose.)

Der Liebhaber: Die Freiheitslieder sind historisch global sehr unterschiedlich.
Der Zweifler (aus seinem Eck): Jeder ein Mitglied der großen Familie Mensch.
Die böse Königin: Das Fenster gehört zur Landschaft -
Der Penner: Wie auch die Verehrung selbst, mitsamt ihren Nachteilen der Der Liebhaber: Künste nach Mythen -/Bedrängnis.
Dazu gilt auch die tickende Uhr eines Gebiets -
Ein Drama des Wettergotts -
Sukzessiver Befristung aus dem Meer -
Riskante Hoheit von Völkern und Vertretern
Die Geliebte (gähnt): Schlafen gehen oder Zweitjob antreten?
Der Seemann: Kinder tollen - und sporteln.
Die böse Königin: Die Katastrophe allein - ist nicht schuld.
Die Geliebte: (macht ruckartige Tanzbewegungen.)
Der Zweifler (aus seinem Eck): Einmal wie ein Offizier von damals fühlen.
Der Penner: Hamlet ist nicht Hamlet - was sonst?
Der Seemann: Kaum gehts ums Fleisch, schon springt einer ab.
Die böse Königin: Die Campingplätze haben rund um die Uhr geöffnet.
Der Liebhaber: Schubladen - des Lebens und des Todes -
Der Niedriglohnarbeiter: Giraffe -
Die Geliebte: Spielerisches Lernen. -
Der Liebhaber (Blick): Den Engeln und ihrer Totenruhe hinterher.
Die böse Königin: Durch die Bäume seh ich Wesen -
Die Geliebte: Wie auch durch die Träume -
Der Seemann: Tradition - ich dichte - wohin?
Der Penner: Die Uhr tickt - immer dieselbe Geschichte - vom Hass, oder wie?
Der Niedriglohnarbeiter (zum Liebhaber und der Geliebten):
Seid ihr verliebt - oder mehr?
Der Zweifler: Glanzstunde - der Technik.
Der Kommissar (tritt auf): Na, was machen eure Elementarinstrumente?
Der Seemann: Ich bin ein Löwe, mächtig und cool.
Der Liebhaber: Ich möchte mit meiner türkischen Geige die Texte begleiten.
Der Penner: Ich möchte campen und mich mit anderen austauschen.
Der Zweifler: Nur predigen - kommt gar nicht in Frage.
Der Kommissar: Ich möchte das Rätsel gerne lösen -
Die Geliebte: Ach - Männer tanzen ja nicht.
Die böse Königin: (macht eine elegante Drehung)
Der Kommissar: Diese Energiequelle kann ebenso Konsequenzen
Für die Landschaft haben. Was
Ist los? Wer gehört zu wem?
Der Liebhaber: Marionetten sind so viel leidenschaftlicher
Am Faden von Menschenhänden.
Der Seemann: Ich fühle mich gleichfalls berufen -
Der Zweifler (zum Seemann): Du spekulierst auf Offenbarung,
Die du nicht logisch eruierst.
Der Penner: Wie ich sagte: Alles Material ist
Vorher schon da.
Die böse Königin: Wann spielen wir denn nun?
Der Niedriglohnarbeiter: Was? Zeitfahren?
Der Seemann: Etwas Toleranz - für die nicht so schnell sind.
Die Geliebte: (Streicht leidenschaftlich ihr Haar zurück.)
Der Zweifler: Anrichten und Kochen ist Hochleistungssport.
Die böse Königin: Eingelocht - wo geht's weiter?
Der Zweifler (verdreht die Augen): Was haben wir bloß für eine Zukunft?
Der Niedriglohnarbeiter: Wollen wir nicht den Strom ausschalten,
Wenn wir ihn nicht gebrauchen?
Der Liebhaber: Große Show - mit einigen Highlights.
Der Penner: Die Flussläufe entlang, in den Norden Afrikas
Der Seemann: Inspirierend. Bringt sich jeder zu essen mit?
Der Liebhaber: Ich hab noch gar nicht gewusst, dass ich Macht abstoße.
Der Kommissar: Der Arzt weiß nicht mehr, wie die Geschichte war.
Der Zweifler: Alles wie das Sternbild
Der Penner: Die vier Elemente verfilzen das Weltbild.
Der Kommissar: Das ist ziemlich philosophisch.
Die Geliebte (wird unruhig, auf und ab gehend): Ich habe noch etwas zu - 
Der Liebhaber: Für Urlaub braucht man heuer ein Haus
Die Geliebte:  - erledigen!
Die böse Königin: Nur mit Kindern - kann sich die Welt neu bewegen -
Der Seemann: Gerade Tiere einigen sich, Flussübergänge geordnet zu meistern.
Der Penner: Pralinenmanufaktur und Restaurant arbeiten zusammen
Der Zweifler: Man muss ja auch abwägen und kalkulieren -
Bevor man Einkäufe und Bestellungen macht.
Der Niedriglohnarbeiter: Ich bleib gern bei meiner Lebensweise.
Der Liebhaber: Bewegung ist gut für Gelenk und Fahrgerät.
(Dynamisierende Geste.)
Der Kommissar: Klausur - fördert die Begabtenbildung - das
Geistesgut wachsen zu lassen -
Die Geliebte (unter dem Blick der bösen Königin):
Im Urwald bin ich schön, aber
Es wird regnen
Die böse Königin: Ja.
Der Liebhaber (zur Geliebten blickend):
Wir spielen Mann und Frau.
Wo's regnet, hat es mal geblüht -
Der Zweifler: Philosophie!
Der Penner: Was sind Richtungen und Reihenfolgen -
In Betrachtung des Himmelsglobus.
Der Niedriglohnarbeiter: Positive Ausstrahlung durch Volkshochschule?
Der Liebhaber: Die Badegesellschaft bestuhlt ihre vergängliche Zeit.
Die böse Königin: Vielleicht brauchen wir wieder ein Grundsatzprogramm.
Die Geliebte (entsprechende Pose): Am Strand sehe ich schön aus.
Der Zweifler: Sieger - verlieren jeden Krieg.
Der Liebhaber: Fahrspaß - durch gute Technik.
Der Seemann: Das weiß ich auch noch - war verrückt.
Der Penner: Im Sommer liebt man das relaxte Sommergefühl.
Der Kommissar: Ja, das Grün lockert die Farbgebung auf.
Die böse Königin und Die Geliebte: Ordentlich über den Fluss
Der Niedriglohnarbeiter: Gesundheit und Wohlgefühl.
Der Kommissar: Jede Kleinigkeit macht was aus, für alles.
Der Niedriglohnarbeiter: Ein Mensch fällt ins Wasser -
Der es sehr wohl könnte.
Die Geliebte: Der Fluss ist bitter.
Der Liebhaber: Komplizierte Geometrie.
Der Seemann: Wenn es Wissenschaft ist, ist es
Auch Philosophie - und Künste.
Der Zweifler: Ja ja, Wasser ist in der Welt.
Der Penner: Es dient einer außergewöhnlichen Gerechtigkeit.
Die Geliebte: Der Friedhof ist produktiv.
Das Leben zu dritt wird ein andres sein.
Der Liebhaber: Was soll man da machen?
Wildnis eben.
Der Seemann: Der Durchblick war schon besser.
Der Penner: Eigenwillig, emotional, collagenhaft.
Der Zweifler: Wie Rotwein und Cola gemischt.
Der Kommissar (streckt den Daumen hoch): Alles im grünen Bereich,
Vielleicht noch ein bisschen ängstlich.
Die Geliebte (stellt sich in Pose, wie verspottendes Echo): Ängstlich.
Der Niedriglohnarbeiter (verächtlich, leise): Sie streiten und sie lieben.
(Die Geliebte blickt die böse Königin auffordernd an.)
Die böse Königin: Wasser, Erde, Feuer gehören zur Welt -
In göttlicher, umfassender Ordnung,
(Pause, dann:) Aus Ursprung und Mythos heraus.
Der Liebhaber: Träume als Gesprächsthema dabei.
Der Niedriglohnarbeiter: Das Leben als Begräbnis ist schauerlich.
Die böse Königin (Pose): Weniger ist mehr.
Der Niedriglohnarbeiter: Über Grenzen, in andere Leben rollen
Der Zweifler: Die farbige Blütenpracht zieht sich über die ganze -
Die Geliebte: Dann also zum Hauptgang.
Der Zweifler: - Seepromenade.
Der Seemann: Zu diesem Konzert der Band -
Der Penner: Wo ist was zu trinken?
(Sie gehen auf die linke Seite der Bühne.)

Die Geliebte: Mit der Massage für das Kind.
Alle (außer der bösen Königin und dem Kommissar, in Aufstellung):
Die Interpretation geht in Richtung Wissen.
Die böse Königin (zum Kommissar): Die Wunde vom Pferdebiss
Ist immer noch nicht ganz geheilt.
Der Kommissar: Von der Trunken- zur Nüchternheit,
Form wahrend
(Alle Aufgestellten singen): Der Tod schaut aus den Fassaden -
Herausgelassen -
Die böse Königin: - kostet die Sahne obendrauf nicht mehr - viel.
Der Liebhaber: Das Kind braucht Spaß am Wasser - für Sauberkeit.
Der Zweifler: Intensität
Der Seemann: Gute Ernährung - und etwas Erfrischendes.
Die Geliebte: Der Sommer gehört ja zum Garten mit dazu.
Der Penner: Unappetitliche Sauerei
Die böse Königin: (Geht in die Knie, die Hände auf ihren Schultern.)
Der Liebhaber: Es kann verzweifeln machen, sein Leben
In Griff zu kriegen - stell dir doch mal vor -
Der Penner: Es laufen Prediger durchs Land, die stark sind,
Und predigen vom Glauben an den Hohen Herrn.
Der Niedriglohnarbeiter: Schweige - und die Guten werden sich
Von den Bösen unterscheiden.
Der Kommissar: Aber ihre Überzeugungen werden schnell gleich klingen.
Jeder Gelehrte muss zitieren,
Nicht zuletzt über Vorgespiegeltes,
Wes Inhalt durchaus seine Urheber schützt.
Der Seemann: Manch Alter schimmert durch.
Der Liebhaber: Mann, ist das abenteuerlich.
Der Zweifler: Man wird widerstandsfähig.
(Er hält sich die Hand vor den Mund, wie nach einem Faux-pas.)

Der Penner (schaut in die Luft): Du bist Pessimist.
Der Seemann (zum Penner): Und du hoffentlich nicht in Konkurrenz.
Die böse Königin: Polarwelten sind eben kalt.
(Sie stellt sich ins Profil, die Hand vor dem Mund.)

Die Geliebte: Auf so ein Werwolfhörspiel hätte ich auch keine Lust.
Mit dem Garten beginnt das Draußen.
Der Kommissar: Doch - wo war man wirklich?
Der Niedriglohnarbeiter: Vorbeugend kümmern wir uns um ein bequemeres, Die Geliebte: Musik ist erklärbar.besseres Leben
Der Liebhaber: Noch würde man gebraucht.
Der Zweifler: Beispielhaftigkeit von Tanztheater
Relativiert Aburteilungen und Hervorhebungen.
Der Seemann: Käse über Leben und Tod -
Der Penner: Wie ist aber jener verständliche Kalender?
Die böse Königin und die Geliebte: Wir wollen Kekse backen!
Der Kommissar und der Niedriglohnarbeiter: Wir machen mit!
Der Maler (tritt auf): Kleine Augenblicke, großer Genuss!
Der Seemann: Babys - sollen schwimmen lernen. Sei gegrüßt!
Der Penner: Das beste ist: Die Geschichte ist wahr!
Die Geliebte: Schön ist das umfangreiche Begleitprogramm.
Die böse Königin: Eine Ziege wird sterben - man muss was essen.
(Sie blickt geistesabwesend gegen den Boden.)

Der Niedriglohnarbeiter: Schön ist der Urlaub - hier im Grün.
Der Kommissar: Bis hin zum Höhenfeuerwerk
Die böse Königin: Mord - ist eh keine Lösung.
Die Geliebte: Woran mangelt es - an sexuellen Beziehungen?
Der Maler: Ich möchte nicht mehr der alte sein. Ich geh mich umziehen!
(Maler ab.)
Der Liebhaber (zur Geliebten): Wer war das?
Die böse Königin: Ein Maler.
Der Penner: Jedes Jahr schließt sich der Kreis -
Der Seemann: Alles Überschießende macht das Quadrat aus.
Der Zweifler (blickt fort): Da musst du gesund sein und schlafen.
Der Kommissar: Treten wir doch endlich in Dialog -
Um Natur des Menschen nicht weiter zu zerstören.
Der Niedriglohnarbeiter: Setzen uns an den Tisch - posieren
Vor dem Mahl.

(Sie gehen langsam ab. Vorhang.)"



Thomas Gechter, Jahrgang 1959, schreibt seit 1997. Er lebt bei Kiel und ist Mitglied von Schriftsteller in Schleswig-Holstein e.V. sowie im Kieler Dichterkreis NIKE.
Letzte drei ISBN-Publikationen: Ausgewählte Theaterstücke 2000-2004 (Theater); Der Wurm (Prosa); Theater von der Anrichte (Lyrik).  Ferner: www.facebook.com/thomasgechter/notes

Dichterhain: ZEIT GEDICHT von Gabriele Brunsch




















ZEIT GEDICHT


...während ich den zeitmangel als last spüre,
von ihm gequetscht, zerdrückt, geknechtet werde,
ist's so, als fräße mir die zeit die zeit vom leib.
ein monster, untier, dämon, giert und geifert,
stößt atemlos mich in gedankenleere.

nicht weiß, nicht schwarz umgibt mich's nichts.

so sitze ich, ermattet, ausgehöhlt und endlos müde.

nicht sind da zeichen jetzt,
nicht lausche ich hinein in diesen raum,
nichts lässt mich tasten, nichts verbinden,
nichts lächelt, nichts lässt mich verschwinden.
das nichts beginnt mich einzusaugen,
und hat mich längst schon ausgekotzt,
drückt bleiern schlaf auf meine augen.

hab ich dem ansturm nicht getrotzt?
hab meiner zeit den zahn gezeigt,
in den sie sich so hart verbiss,
mich tränenreich ins nichts ausließ?

in zeitnot heftig eingezwängt,
kann selbst der traum mich nicht entlasten,
denn schlaf ist schon ein kleiner tod,
und raubt mir rasend die sekunden,
raubt mir die welt, die lichterstunden,
die wellenströme, die mich reich erfüllen,
die bilderwelten, die den hunger stillen,
wie klang und duft, wie frühlingsluft,
getränkt von worten.

war mir die welt
nicht immer reich
war sie mir nicht
die amme, die mich trug und nährte
mich sanft ermahnend
aus dem dunkel zerrte
mit ihren
stahlgrundworten,
ohne wenn und aber,
mit ihren
stahlgrundklängen,
orchestral und breit,
mit ihren
stahlgrundbildern,
stahlgrunddüften,
stahlgrundfesten zeitgedanken.

hätte ich hass zum wappnen,
doch den hab ich nicht.
fühlte ich neid und gier,
ich lebte anders, sicherlich.

hätte ich stolz,
kennte ich diese ängste nicht.
so sitz ich noch lebendig,
angenagt von zeit
zerschlissen fast,
doch kampfbereit,
denn nächtlich stählte mich das wort,
stählt' der gedanke,
stählte mich das licht
...

verzeiht
...
es stählte mich
...
die sucht
...
verzeiht
...
es stählte sehn-sucht mich
...
es stählte suchend mich
...
die liebe
...
...
zum
...
gedicht
.
.
.

© ALLE RECHTE BEI GABRIELE BRUNSCH
www.kunst-frau.de