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Dienstag, 31. Januar 2012

Geniale Erfindungen für Kinder

Freiheit des Internets bewahren!

Aufruf von Avaaz:

Liebe Freundinnen und Freunde, 



Ein neues globales Abkommen könnte Konzernen erlauben, alles, was wir im Internet tun, zu überwachen. Letzte Woche drängten 3 Millionen von uns erfolgreich die Zensurgesetze in den USA zurück -- wenn wir jetzt handeln können wir das EU-Parlament dazu bringen, das Abkommen zu begraben:



Klicken Sie hier, um zu unterzeichnen!
letzte Woche konnten 3 Millionen von uns Amerikas Attacke auf unser Internet vereiteln -- doch mit ACTA lauert eine noch größere Bedrohung. Unsere global agierende Bewegung für Internetfreiheit ist genau die Kraft, die diese Gefahr für immer aus der Welt schaffen kann.

ACTA -- ein weltweites Abkommen -- könnte Konzernen erlauben, das Internet zu zensieren. Es wurde von wenigen reichen Ländern und mächtigen Konzernen ausgehandelt und würde einen neuen, nicht gewählten, “ACTA-Ausschuss” ins Leben rufen, der es privaten Interessen erlauben würde, alles, was wir online machen, zu überwachen und drakonische Bußgelder -- oder gar Gefängnisstrafen -- gegen alle zu verhängen, die angeblich ihren Geschäften schaden.

Das EU-Parlament hat gerade mit dem Ratifizierungsprozess für ACTA begonnen -- und ohne dessen Zustimmung würde der Angriff auf die Internet-Freiheit scheitern. Viele Parlamentarier haben sich schon früher gegen ACTA gestellt, doch einige sind unentschlossen -- geben wir ihnen den nötigen Stoß, damit sie das Abkommen verwerfen. Unterzeichnen Sie die Petition -- sobald wir 500.000 Unterschriften erreichen, überreichen wir die Petition spektakulär in Brüssel:


Es ist empörend -- die Regierungen von 80 Prozent der Weltbevölkerung waren von den Verhandlungen um das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) ausgeschlossen und ungewählte Bürokraten haben eng mit Konzern-Lobbyisten zusammengearbeitet um sich neue Regeln und ein viel zu mächtiges Vollzugsverfahren auszudenken. ACTA würde zunächst die USA, EU und 9 weitere Länder abdecken und dann auf die ganze Welt erweitert werden. Doch wenn wir die EU jetzt zu einem Nein bewegen, könnten wir dem Abkommen den Schwung nehmen und es schließlich ganz aufhalten.

Die repressiven Verordnungen könnten bedeuten, dass Menschen für das Teilen von Zeitungsartikeln oder das Hochladen eines Videos von einer Party, auf der urheberrechtlich geschützte Musik gespielt wird, bestraft werden. Verpackt als Handelsabkommen zum Schutz von Urheberrechten könnte ACTA darüber hinaus zum Verbot lebensrettender generischer Medikamente führen und den Zugang von Bauern zu Saatgut bedrohen. Und der Höhepunkt ist, dass der ACTA-Ausschuss eine Freikarte zum Ändern seiner eigenen Regeln hätte, ohne jegliche demokratische Kontrolle.

Mächtige Konzerninteressen drängen auf dieses Abkommen, aber das EU Parlament steht noch im Weg. Senden wir den Abgeordneten eine klare Botschaft, sich gegen die Lobbies zu stellen und für Internet-Freiheit einzutreten. Unterzeichnen Sie jetzt und erzählen Sie allen davon.


Letzte Woche sahen wir, was wir gemeinsam erreichen können, als Millionen von uns die USA davon abhielten, ein Internetzensurgesetz zu verabschieden. Wir haben der Welt gezeigt, wie mächtig unsere Stimme sein kann. Erheben wir sie erneut, um gegen diese neue Bedrohung vorzugehen.
Voller Hoffnung und Entschlossenheit, 
Dalia, Alice, Pascal, Emma, Ricken, Maria Paz und das ganze Avaaz-Team 

Weitere Informationen: 
EU-Parlament beginnt Debatte um ACTA-Ratifizierung (Heise)
Warum ist ACTA so umstritten? Und warum sich Politiker und Bürger dafür interessieren sollten! (Digitale Gesellschaft)
US-Senator stoppt Pipa-Abstimmung (Spiegel)
The secret treaty: Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) and Its Impact on Access to Medicines (auf Englisch)

Buchankündigung: Roman in Fragen

Padgett Powell
„Sind ihre Gefühle rein? Wie stehen Sie zur Kartoffel? Sollte es immer noch Konstantinopel heißen? Haben Kinder Ihrer Ansicht nach einen eigenen Geruch? Wenn Sie jetzt welchen hätten, würden Sie Hundekuchen essen? Sind Sie glücklich? Ist Ihnen klar, warum ich Ihnen all diese Fragen stelle?“ [Roman in Fragen]

Nun wundern Sie sich bestimmt, doch kann ich Ihnen sagen, diese skurrilen und ungewöhnlichen Fragen kommen nicht von mir, sondern: Padgett Powell stellt sie Ihnen in seinem neuen Buch Roman in Fragen, das am 4. Februar im Berlin Verlag erscheint. Möglicherweise ein Geniestreich? Zumindest genial ins Deutsche übertragen von Harry Rowohlt.
Roman in Fragen ist ein faszinierender Katalog von Fragen, manchmal verrückt, komisch oder hinterlistig, oft philosophisch und melancholisch, dabei aber immer verblüffend und erfrischend. Niemand kann der Faszination der direkten Ansprache entgehen, die zunächst irritierend erscheint. Das Gehirn springt sofort an und fühlt sich zum Denken herausgefordert. Um schließlich am Ende erstaunt zu sein, über was man alles mit Gewinn nachdenken kann, wenn man nur einmal gefragt wird. Ein Philisophikum? Vielleicht…

Padgett Powell, 1952 geboren, lebt in Florida, wo er als Schriftsteller und Übersetzter arbeitet und auch an der Universität von Florida lehrt. Für seine Romane erhielt er schon mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Prix de Rome der American Academy of Arts and Letters, den Whiting Writer’s Award und eine Nominierung für den National Book Award.

Montag, 30. Januar 2012

Mythos der Vergebung bei Opfern sexueller Gewalt



Mythos der Vergebung



Norbert Denef
netzwerkB – Positionspapier
Stand: 24. Januar 2012 (als PDF herunter laden)
Mythos der Vergebung
Immer wieder taucht im Zusammenhang mit der Aufarbeitung und Heilung von traumatischen Kindheitserlebnissen das Stichwort „dem Täter vergeben“ auf.
Es ist Zeit, mit verschiedenen Mythen aufzuräumen, die sich darum ranken.
Mythos 1
Vergebung/Verzeihung/Versöhnung gegenüber dem/der Täter_in bewirke eine Heilung bei erwachsenen Betroffenen von Gewalt in der Kindheit.
Viele Psychotherapierichtungen und leider auch einige Traumatherapierichtungen sehen es als krönenden Abschluss einer gelungenen Therapie an, wenn der/die Betroffene dem/der Täter_in vergibt. Oft wird auch von „Frieden schließen“ gesprochen. Doch was bedeutet diese Vergebung für die Betroffenen?
Aus Sicht des misshandelten Kindes im Erwachsenen bedeutet es, dass das Kind, das gerade zu reden begonnen hat wieder schweigen soll. Das ist besonders bei innerfamiliärer Gewalt verheerend, da nach Vergebung oft wieder, bzw. weiterhin Täterkontakt stattfindet, der erneut traumatisiert.
Aus Sicht der erwachsenen Betroffenen kann eine Vergebung zunächst eine gewisse Erleichterung verschaffen. Weil er/sie sich gegenüber dem/der Täter_in und leider auch gegenüber der Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr schuldig dafür fühlen muss, dass er/sie nicht verzeihen “kann“. Die „Fähigkeit“ des Verzeihens wird als Tugend dargestellt. Und vielleicht ist es genau das Gegenteil: mangelnder Mut bzw. Fähigkeit, dem Druck des/der Täter_in und des Umfelds zu widerstehen. Einer tiefgreifenden Heilung aber steht die Vergebung im Wege, denn sie bedeutet eine Wiederholung des Traumas, weil durch die Vergebung genau die Machtverhältnisse wiederhergestellt werden, die während der Tat gegeben waren: ein/e Täter_in, der/die nicht belangt wird und kein schlechtes Gewissen haben muss und ein ohnmächtiges, schweigendes Opfer.
Diese Retraumatisierung wird dann noch verstärkt, wenn der/die Täter_in uneinsichtig ist und keine Reue zeigt. Das Opfer, das einem/r solchen Täter_in vergibt, erleidet enormen Schaden. Es muss alle Schuld auf sich nehmen. Und da die meisten Kindesmisshandler_innen uneinsichtig sind und schon gar keine Reue zeigen, ist es unverantwortlich, das „Heilmittel“ der Vergebung Opfern von Gewalt in der Kindheit zu empfehlen.
Mythos 2
Vergebung/Verzeihung/Versöhnung mache unsere Welt besser.
Hintergrund des Vergebungsmythos sind religiöse Traditionen (nicht nur des Christentums), die Masochismus idealisieren. Haltungen wie „die Welt ist ein Jammertal“, „Schlägt dir jemand auf die eine Wange, so halte ihm auch die andere hin“ oder die Verehrung von masochistischen Märtyrern haben sich trotz der Aufklärung in unsere Zeit hinübergerettet.
Der Mythos der Vergebung findet sich auch in allen spirituell/esoterischen Weltanschauungen, ist sogar ein wesentlicher Bestandteil derselben, weil durch Vergeben – vor allem den gewalttätigen Eltern -  die alte Weltordnung und die bestehenden Machtverhältnisse wiederhergestellt, bzw. aufrecht erhalten werden. So bleiben die Gläubigen und Jünger bei der Stange.
Derartige religiöse/spirituelle/esoterische Weltanschauungen sind zu einer Zeit entstanden, als das Individuum noch nicht die Chance hatte, ein eigenständiges, selbstgestaltetes und  unabhängiges Leben zu führen.
Das hat sich zwar grundlegend geändert, doch es gibt natürlich auch in der heutigen Zeit noch Menschen, die ein Interesse daran haben, dass andere Menschen durch Vergebung Opfer bleiben. Es ist nützlich für machtgierige Politiker_innen, wenn Menschen ihr Leben lang Opfer bleiben. Opfer lassen sich ausbeuten und begehren nicht auf. So nützt die Religion der Politik und umgekehrt.
Mit anderen Worten:
  • Vergebung unterstützt unterdrückende, ausbeuterische Machtverhältnisse
  • Vergebung nützt nur den Kindesmisshandler_innen und schadet den Opfern
Das ist keine Verbesserung für die Welt. Im Gegenteil.
Mythos 3
Vergebung vermindere Wut, Hass und Rache.
Das kindliche Gewaltopfer, das zur Vergebung und damit zum Schweigen gezwungen wird, kann die zur Misshandlung gehörigen Gefühle wie Wut, Hass und Rache nicht verarbeiten, es spaltet sie ab. Vergebung ist hier also gleichbedeutend mit Verdrängung.
Das Opfer speichert sie so lange in sich, bis er/sie dann als Erwachsene/r die Möglichkeit hat, Kindern Gewalt zuzufügen und sich somit an ihnen für die Gewalt seiner/ihrer Täter_innen zu rächen.
Folglich werden Wut, Hass und Rache durch Vergebung nicht vermindert, sondern nur auf die nächste Generation verschoben. So wird durch Vergebung die Gewalt und die Traumatisierungen in jeder Generation neu produziert.
Bestes Beispiel hierfür sind die pädokriminellen Priester, die schon aufgrund ihres Berufs allen vergeben mussten, die ihnen jemals Leid zugefügt haben. Sie haben ihren Täter_innen vergeben und rächen sich dafür an ihnen anvertrauten Kindern.
Natürlich findet die Weitergabe der Gewalt von Generation zu Generation vor allen Dingen in der Familie statt. Dort wird sie durch ein dichtes Netz von Vertuschung, hierarchischen Strukturen, Empathielosigkeit gegenüber Kindern und natürlich mit Hilfe religiöser Mythen wie dem der Vergebung ermöglicht.
Vergebung vermehrt also Wut, Hass und Rache.
Auch das ist keine Verbesserung der Welt. Genauso wenig wie die Neuproduktion von Traumaopfern in jeder Generation.

Mehr siehe Link und PDF oben

Veranstaltungshinweis: Freitag, der 3. Februar, Ro Gebhardt’s „European Jazz Guitar Trio“ in der Stummschen Reithalle Neunkirchen


Freitag, 3. Februar 2012, 20.30 Uhr, Stummsche Reithalle Neunkirchen
Jazz
Ro Gebhardt’s „European Jazz Guitar Trio“

Am Freitag, 3. Februar 2012, 20.30 Uhr, gastiert im Rahmen der Jazz-Reihe Ro Gebhardt’s European Jazz Guitar Trio mit Roland Gebhardt (Gitarre), Jean-Marc Robin (Drums), Jean-Yves Jung (Orgel) in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen.

Ganz der Tradition der Groove-Besetzung Gitarre, Orgel, Drums verhaftet und dennoch alle modernen Stile von Neo-Bop bis Fusion zelebrierend, zeigt sich das EJGT. Bandleader Ro Gebhardt ist als Musiker und Dozent einer der gefragtesten Gitarristen Europas. Er spielte im Blue Note (New York), im Duc de Lombard (Paris), dem Aquarium (Warschau) oder dem A-Trane (Berlin). Als Gastdozent unterrichtete er am Harbor Conservatory for the Performing Arts in New York sowie in Mainz, Köln und Malta. Mit Ro Gebhardt, Jean-Marc Robin und Jean-Yves Jung treffen drei „Global Players“ aufeinander, die für ernstgemeinten Jazz stehen, der viel Lebensfreunde ausstrahlt. Zu erwarten sind Selbstgemachtes mit Hang zu Latin, Groove und Uptempo, dazu Standards aus dem Real Book, der „Bibel des Jazz“.
Neben dem Trio werden an dem Abend noch Überraschungsgäste erwartet.

Karten für die Veranstaltung  sind zum Preis von  10 Euro bei allen Vorverkaufsstellen von CTS-Eventim und ProTicket (u.a. Wochenspiegel), unter der Tickethotline 0681-5 88 22222 oder 0231-9172290 und online unter www.nk-kultur.de erhältlich. In Neunkirchen sind die Karten bei NVG (Lindenallee), Wochenspiegel (Oberer Markt) und Tabak Ettelbrück (Oberer Markt) erhältlich. Der Preis an der Abendkasse beträgt 12 Euro.

Samstag, 28. Januar 2012

Für Sie besucht: Dieter Ilgs "Otello" in Neunkirchen/Saar




Verdi mal ganz anders: Dieter Ilg (Bass), Rainer Böhm (Piano/Flügel) und Patrice Heral (Percussion, Kehlkopf-Elektronik) haben sich in ihrem letzten Projekt die Oper "Otello" von Verdi vorgenommen, und das sehr überzeugend und ansprechend. Warum ausgerechnet diese Oper? Weil sie Dieter Ilg, Deutschlands führender Bassist, während seines klassischen Bass-Studiums am meisten ansprach und er diese Übungen am wenigsten vergessen wird. Ein schwieriges Terrain, das er allerdings wahrscheinlich nicht nur auf der Bühne mit Bravour bestanden hat.
Fotos von Klaus Braße, nk-Kultur.de
Hier haben sich drei Jazzmusiker zusammengefunden, die ausgezeichnet miteinander Verdi analysieren und interpretieren können, den der Ungeübte kaum noch zu entdecken vermag, am ehesten vielleicht noch in der Ballade "A questa tua".
Der Abend begann mit "M'ascolta" (Höre mir zu), das experimentell durch Patrice Heral beeinflusst eine sehr moderne und auch archetypische Szene von Zerfall und Veränderung, Sturm, Laden-, Türgeklapper und Gesang aus dem theatralischen Off heraufbeschwor. Aus diesem Sturm, dieser Wüste traten die Musiker herein ins Geschehen und bauten eine getragene Jazzstimmung auf, die sich in "Fuoco di gioia" (Freudenfeuer) mit wiederum starker Präsenz steigerte. Es folgte "O là", bei dem sich das Piano ebenbürtig zeigte - wie auch in den anderen Liedern immer präsent den Dialog führte. Von jedem Musiker konnten gehaltvolle und konzentrierte Interpretationsphasen erwartet werden. Im lyrischen "Quando narravi" auch feines Pianospiel, leises Rühren des Schlagzeugs und der Bass als Taktgeber - von der Konstanten zum Monolog und zurück.
Guiseppe Verdis "Otello" hieß in seiner Urfassung "Jago". Nach dieser Fassung benannt erlebten wir einen kräftig virtuosen Bass-Solo, der allmählich ins Ensemble überging, sich zu einem rasanten, nervösen, lustigen Staccato - mit Patrice Herals witzigem Gesang, offensichtlich eine - im positiven Sinne - Anleihe beim letztjährigen 60-jährigen Jubiläum der vielbekannten Comicfigur Mickey Mouse - entwickelte und mit dem Klang einer zerreißenden Saite abrupt endete. Meine Begleitung assoziierte spontan: "Rumpelstilzchen reißt entzwei".
Es folgte die schon erwähnte Ballade "A questa tua", ein trauermarschähnliches, aber beschwingteres Voranschreiten des Pianos, das sich immer mehr zum Jazz-Dialog auflöst, von Heral mit einem vom Besen gerührten Percussionsteppich untergelegt. Mit "Dio! Mi potevi" folgte ein schneller Rhythmus mit einer einprägsamen Melodie.
Fotos von Klaus Braße, nk-Kultur.de
Über zwei Medleys näherte sich der Abend seinem Ende, das jedoch reich mit Zugaben bedacht schmerzfrei sein durfte und noch eine Steigerung parat hielt.
Das Medley zu "Ave Maria" eine Mischung aus Oper-Rock-Jazz, bei dem sich Dieter Ilg wegen der Verquickung mit einem italienischen Rocktitel ausnahmsweise zum Durchhalten der durchgehenden Achtel-Töne entgegen seinem Jazzgrundgedanken, alles und jeden interpretatorisch aufzulösen, überreden konnte. Nach seiner glasklaren Basslinie kehrte er wieder zurück zu seinem Ursprungsverständnis und wir fanden mit ihm nach Hause. Das Ende wieder mit experimentellen, zeitgenössischen Tönen und Gesängen von Patrice Heral heraufbeschworen, ein symbolisches Hinaustreten der Musiker ins Off, dann klassisch-melodisch und plötzlich ein vertikaler Tempiwechsel, verlängert in die Zugabe. Ganz am Ende dann "Auf Wiedersehen in Monte Ewig", eine sehr besinnliche und ausdrucksvolle Erinnerung und Hommage Dieter Ilgs und seiner Musiker an Charlie Mariano, mit dem sie CDs produzierten und der letztes Jahr gestorben ist. Ein Abend mit diesem Trio ist ein gelungener Abend, an den man sich sehr gerne erinnert.


Für echte Fans von Markus Heitz: Die komplette Trilogie rund um die Kinder des Judas in einem eBook!

 Heitz-Fans aufgepasst: Wer es düster mag, kommt jetzt voll auf seine Kosten! Die komplette Judastrilogie von Markus Heitz – Kinder des Judas, Judassohn und Judastöchter – erscheint nun als Knaur eBook-Sammelband mit atmosphärischen Illustrationen und exklusivem Bonusmaterial. Wer partout ein E-Book will, und dann noch bluttriefend...

Die Illustrationen der eBook-Ausgabe sind das Ergebnis eines Wettbewerbs, zu dem www.neobooks.com, Gewinner des AKEP Award 2011, im letzten Jahr aufgerufen hatte – und somit die Werke von Lesern und Fans von Markus Heitz. Zahlreiche Illustrationen wurden eigens für das eBook gestaltet. Es finden sich Steckbriefe der Hauptprotagonisten, welche sich mit dem Lesefluss aufbauen und eine Illustration der Figur enthalten. Wichtige Schauplätze ebenso wie die Vampirsorten wurden illustriert und lassen sich leicht nachschlagen.

Das eBook enthält neben einem Interview mit der „Geheimwaffe für fantastischen Horror und herausragende Fantasy“ (lt. Bild am Sonntag) noch die Kurzgeschichten „Blutmaske und „Maskenfluch“. 


Der Verlag verspricht die tollsten düsteren Erlebnisse. Was ist dran? Freue mich über Rückmeldungen ...




Veranstaltungshinweis: Acoustic Guitar Concert mit Jacques Stotzem

02.02.2012, 20 Uhr, Lautrer Wirtshaus, Kaiserslautern-Bahnheim

Acoustic Guitar Concert - Klänge von majestätischer Schönheit


Jacques Stotzem hat mit seinem perfekt vorgetragenen Fingerstyle-Gitarrenspiel, einem sensiblen Gespür für Melodik und seinem feinen Temperament einen beachtlichen Fan-Kreis erspielt. Seine Konzerttourneen führen ihn durch Europa, Amerika und Asien. In seinem aktuellen Konzertprogramm befinden sich neben seinen eigenen lyrischen oder dynamischenKompositionen aus seiner brandneuen CD "Lonely road" auch höchst bemerkenswerte Arrangements aus seinem Album “Catch The Spirit (mehr)

Eintritt: VVK 12.- / AK 14.-


Kalender: Fichtezettel zu haben

Wer ihn nicht kennt, bitte sehr: Klaus Fichtezettel aus Dresden schreibt Texte, zeichnet sehr viel und produziert jedes Jahr Kalender mit seinen Zeichnungen. Er druckt seine Zettel auch noch mal nach, so auch dieses Jahr, wenn genug Bestellungen zusammenkommen. Schreiben Sie ggf. an Klaus@Fichtezettel de. Die Kalender sind sehr preiswert.



Freitag, 27. Januar 2012

Tageshinweis: Dieter Ilg "Otello live" in der Stummschen Reithalle Neunkirchen

Freitag, den 27Januar 2012, im Rahmen der Reihe 3x3 JazzPianoTrios:


Dieter Ilg mit "Otello live" ab 20.30 Uhr

in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen.

Hörbuch: FRAGEN SIE DR. OZZY. Der ultimative Rock'n'Roller klärt auf

OZZY OSBOURNE ALS KUMMERKASTENONKEL DES SUNDAY TIMES MAGAZINE

Tipps, die Leichtgläubige nicht glauben sollten


Schlaue Antworten des ultimativen Rock'n'Rollers auf wirre Fragen von Zeitungslesern (oder andersherum), gelesen vom Medienrocker Oliver Kalkofe.
Im Mai 2010 fragte das Sunday Times Magazine den Skandalrocker Ozzy Osbourne, ob er die Rolle des neuen Kummerkastenonkels spielen würde. Seither beantwortet der frühere Sänger von Black Sabbath, der von sich behauptet, mehr Substanzen intus zu haben, als die Laborratten amerikanischer Forschungslabore, Fragen zu akuter Hundedepression, wattstarkem Schnarchen oder Problemen mit einer dritten Brustwarze ... und das alles mit seinem berühmt-berüchtigten Humor und seiner hart erkämpften Weisheit. Die Kolumne wurde ein solch phänomenaler Erfolg, dass Dr. Ozzy, wie er als Seelsorger genannt wird, sich jetzt entschieden hat, all seine Ratschläge mit vielem neuen, unveröffentlichten Material in einem Buch zu versammeln. Sein Motto lautet: „Wenn ich überleben und ein und zufriedenes Leben führen kann, dann kann es jeder!"
Ozzy Osbourne wurde 1948 in Aston, Birmingham geboren. Mit Black Sabbath und als Solokünstler hat der „Mann mit den 101 Leben" über 100 Millionen Platten verkauft. Seine TV-Serie „Die Osbournes" war das erfolgreichste MTV-Format aller Zeiten. Er hat fünf Kinder und lebt mit seiner Frau Sharon und vielen Hunden in Kalifornien und Buckinghamshire. Ozzy Osbourne ist der Inbegriff von Sex, Drugs and Rock'n'Roll, also jemand, der für alles eine Antwort kennt - ein perfekter Ratgeber für alle Fragen der abseitigen Lebenskunde.
Oliver Kalkofe, der neben seinem Schicksal als Medienterminator (Kalkofes Mattscheibe) für grandiose Film-Synchronisationen (u.a. Little Britain, Come Fly With Me, OSS 117) und Filmerfolge (Der Wixxer) steht, hat nun dieses etwas andere Kompendium auf CD gesprochen und großen Spaß dabei gehabt. Weiß er doch jetzt auch, wie man am Besten einen Kater bekämpft (mit Alkohol) oder eine lästige Erkältung wieder los wird (mit Alkohol).

Auszug aus dem Manuskript
Lieber Dr. Ozzy, ich habe gehört, dass man Fußpilz ganz einfach kurieren kann, indem man auf seine Zehen pinkelt, weil der Wirkstoff in der Fußpilzsalbe (Urea) auch im Urin enthalten ist. Funktioniert das? (Pierre, Ipswich)
Dr. Ozzy: Ich habe keine Ahnung. In den Achtzigern habe ich bei Fußpilz Kokain auf meine Zehen gestäubt. Damals wurde das Zeug mit so viel Fußpuder verschnitten, dass Koks das beste Mittel war, wenn man auf Tour war und keine Drogerie in der Nähe hatte. Das einzige Problem war der Preis: um die dreitausend pro Zeh. Wenn ich damals die Pinkelmethode gekannt hätte, hätte ich ein Vermögen sparen können.
Lieber Dr. Ozzy, meine Großtante sagt, wenn man neun weiße Rosinen zwei Wochen lang in einem Teelöffel Gin einlegt, wird man seine Arthritis los. Stimmt das? (Phil, Luton) 
Dr. Ozzy: In der Osbourne-Familie wird das gleiche Rezept seit Generationen weitergegeben. Allerdings ist es in unserer Version nur eine weiße Rosine, die zwei Minuten lang in neun Flaschen Gin eingelegt wird. Ein tolles Mittel, das so ziemlich alles kuriert.
Lieber Dr. Ozzy, wie verabreicht man sich auf möglichst gesunde (und effektive) Weise seinen Koffeinstoß am Morgen: mit einem Espresso oder einer großen Tasse Filterkaffee? (Anonym, Pittsburgh)
Dr. Ozzy: Ich weiß nicht, was am gesündesten ist, aber ich kenne auf jeden Fall die beste Methode. Machen Sie sich zuerst einen normalen Becher Filterkaffee. Dann kippen Sie den Kaffee wieder in den Filter und brühen ihn mit dem kalten Kaffeesatz nochmal auf. Gleichzeitig machen Sie sich einen Espresso. Nächster Schritt: Geben Sie den Espresso zusammen mit einer Tasse des doppelt starken Filterkaffees in einen Becher. Ich nenne das Gebräu »Red Eye«: Ein Schluck, und Sie sind putzmunter; so fit waren Sie noch nie, glauben Sie mir. Allerdings ist das nicht der stärkste Kaffee, den ich je getrunken habe. Mein alter Kumpel Frank Zappa fabrizierte ein Gebräu, das schmeckte wie verbleites Benzin. Und türkischer Mokka ist noch schlimmer. Ich habe mal eine Suppenschüssel voll davon getrunken, als ich auf Kreta war, und dann die nächsten drei Wochen damit verbracht, um die Insel zu rennen, in der Hoffnung, dass sich die Wirkung wieder legt.


Fragen Sie Dr. Ozzy - Der ultimative Rock'n'Roller klärt auf
Originaltitel: Trust me, I'm Dr. Ozzy
Deutsche Grammophon Literatur (Universal Music GmbH)
3-CD-Multipack, 2011, ca. 225 Minuten, 19,99 €


Donnerstag, 26. Januar 2012

Für Sie besucht: KUNSTGRIFF/Regio-Stage und Alice Hoffmann als Vanessa Backes

Am 24. Januar 2012 war Alice Hoffmann abends ab 20 Uhr in der Feiermaus in Siegelbach bei Kaiserslautern (unweit vom Zoo). Ja, richtig gelesen. Nicht Schaffmaus, sondern Feiermaus, schließlich eines der klassischen Wirtshäuser mit Festsaal und kleiner Bühne zum Feiern - mit sehr beweglichem Team, die alle Gäste bestens versorgten. Optimal für Kleinkunst, Fasching oder Großgeburtstag (- der Bus fährt wochentags bis 23 Uhr zum Hauptbahnhof). Dort kam sie hin. Als ob sie gewusst hätte, dass da etwa 100 Leute auf eine Show warteten ... Noch im Mantel eilte sie auf die Bühne, um sich erst mal klar zu machen, wo sie da war ...

Alles so bunt hier, Plakate, Beleuchtung, der Gartenmarkt Dehner war als Sponsor schon fast eingezogen, der Geschäftsführer dankte Frau Hoffmann auch nach der Vorstellung, die Pfalzwerke boten Naturstrom an. Draußen die Galerie Caro Parsons und Michel Frieß mit einem Benefiz-Sammelgemälde (das Lautrer Rathaus), das gegen Spenden weitergemalt werden durfte und später zu Zwecken aktiver Seniorenarbeit verkauft werden soll. (Alice Hoffmann malte nach der Vorstellung selbst auch ein Stückchen am gedeihenden Gemälde. Bilder gibt es bei Kunstgriff.) Was war los?

KUNSTGRIFF/Regio-Stage hatte dort ein Event geplant, nämlich dieses, das zweite in der Winterstaffel der neu gestarteten konzertierten Events. 
Kunstgriff möchte eine Serie von Events anbieten, die Kultur den Leuten näher bringt, ohne die pekuniären Interessen aus den Augen zu verlieren. Denn Kultur- und Kunstschaffen kostet Geld, kann aber auch viele ernähren, davon abgesehen, dass beides lebensnotwendig für die psychische Lage der Nation ist. Zur Belebung der kultur- und kunstmarktschwachen Region werden - wie in Großstädten und von Großunternehmen schon lange praktiziert - Kultur-/Kunstanbieter, Locations und Unternehmer gekoppelt zur marketinggerechten Zweckgemeinschaft. Iss dich satt, schau Theater, kauf ein Bild, nimm einen BMW mit ;-)

Walter Holtfoth von der Regio-Stage begrüßte sie und die Gäste und übergab an den Star des Abends. Vanessa fühlte sich gleich wohl beim Kunst-Griff, den sie nirgends fand, um was wegzutragen, war schon warm geredet, als sie den Mantel auszog und uns ihren neuen gestreiften Kleinbürgerkittel präsentierte, wie man ihn schöner nicht finden kann. Ist ja wirklich 'ne Ulknudel die Vanessa, die Plapperfrau mit Tiefgang, eine Figur wie sie schon seit Jahrhunderten im Volkstheater und in Komödien vorkommt, bei Shakespeare, Goldoni, die Dinge sagen darf, die sonst keiner sagt ... 

Bevor man mit ihr redet, und das macht sie glatt - auch von der Bühne runter -, muss man sich allerdings erst in einen Saarländisch-Kurs begeben, denn das verstehen selbst die Pfälzer nicht immer. Das heißt, die Grammatik in den Köpfen der Leute in ihren Regionen bringt ja je nach Verbiegung eine(n) ganz eigene(n) Dialekt(ik) hervor, und wenn Vanessa das erzählt, fallen die Verwechslungen der Wörter so stark wie die Nadeln eines vertrockneten Tannenbaumes … Immer ein steife Brise von Unbildung und ein bisschen Alzi … was wird da alles verwechselt, nichts ist wie es ist, und nichts ist so gedacht, wie es rausrutscht ... 

Inkompetenz/Inkontinenz, Defizit/Dezafit oder ähnlich und andere ... Also, das saarländische "gänn" ist so ähnlich wie das englische "to get" - "Isch gänn abgeholt" z.B. - mit ca. 15 verschiedenen Bedeutungen. Das "ei" z.B. im Bein wird zum "ä", die Weiblichkeit vom "sie" zum "es", und am Ende dann noch über die Pfälzer witzeln …: "Wie mache die Pälzer Salad? Indämm se die Berliner schäle". Des hämm mer gern. Die Knepp (Knöpfe) sind ein ganz besonderes Kapitel, denn im Saarland isst man sie nicht nur (oder scheidet sie aus), sondern näht sie sich auch "uff die Backe" (= jdn. veräppeln). Und die Internetbeziehung funktioniert durch Mailknepp (nicht gleich Mehlknepp).


Seit die Vanessa geschieden ist, geht es ihr wieder besser, obwohl die Dauerignoranz ihres Mannes sie noch heute verfolgt. "Geh fort" hat der Heinz B. immer gesagt, ihr sexy Outfit hat er gar nicht erkannt, deswegen war die Trennung der Möbel aus der 2-Zimmer-Wohnung auch ziemlich schwer. Denn damit wollte er sich auch nicht abgeben. Den Namen zu verdoppeln hatte sie schon immer abgelehnt, weil die Gedoppelten überall sitzen und den Betrieb aufhalten, Leuchtheusser-Drückeberger ..., deswegen zurück zum ... nein, nicht Geburts-, sondern einem Kunstnamen. Backes, ein eingeborener Name. Und Vanessa, weil die Saarlänner sooo die französischen Vornamen lieben wie die Franzosen gleich hinter la frontière die deutschen Vornamen. Zum Glück ist sie dann in den Landtag eingezogen und kommuniziert dort rege mit den Politikern, die sie auf der Toilette vom dringenden Geschäft abhält … Als Raumkosmetikerin ist sie froh, Bundeskanzler zu sein, denn wir sind nicht nur Papst, sondern auch Bundeskanzler(in), welche klug, gebildet und der englischen Sprache kundig ist. So konnte sie wenigstens Kriegsunterstützung schon in der Irak-Krise zusagen. Die Amis hatten eben ihren George double-u und wir eben unsere, naja, "Babbelkuh", das reimt sich auch gut, Gerechtigkeit muss sein. Und dann noch eine echte Doktorin, ohne Plagiat, voll vom Arbeitsmarkt desertiert (= dissertiert von Dissertation = promoviert).

Ein Genuss auch ihre Story von den überflüssigen Sachen, Stehrums und Hängrums, die sie immer schleunigst versteckt, wenn der schenkende Besuch weg ist. Ebenso der anonyme Anrufer mit eindeutigem Spannerhintergrund, den sie nur durch einen Zufall abweisen konnte ... auf der Suche nach der heruntergefallenen Trillerpfeife für Abschreckungszwecke muss sie sich so stark bücken, dass sie ins Stöhnen kam, was der Anrufer mit einem ehrlichen und aufatmenden "Danke" quittierte und es zufrieden war ... :-)

Zu guter Letzt noch ihre Sicht von Prinz Schales mit den abstehenden Ohren (Charles) und seiner Schroh, Camilla aus dem Parkhaus (saarl.: echt schroh = hässlich), die er schon lange vor der Lady Di-do mit ihrem Dodi mit Didi und dodiediedo etc. pp. kannte. Leider Gottes stand auch hinter dem Unfall von Dido/Dodi allein der Secret Service, was identisch ist mit Queen Mum als oberster Chefin, Mutter, Oma und Oberhaupt der anglikanischen Kirche, wie Vanessas Identitätsnachweis ergab. 


Solchermaßen vom Weltgeschehen überrollt, stürmischer Applaus, der sogar noch ein weiteres Highlight hervorbrachte, einen Striptease von Vanessa Backes zu Alice Hoffmann, der Schauspielerin und Kabarettistin, um dann geläutert von der Bühne zu steigen... Klasse gemacht, Alice Hoffmann! Zurzeit auch im Tatort Saarbrücken und in weiteren TV-Aktivitäten zu sehen. Die Familie Becker und Vanessa Backes sind nicht aus unserer Alltagsbewältigung wegzudenken ...

Noch bis 26.02.2012: Auf die Plätze. Sport und Gesellschaft in Dresden

Auf die Plätze
Sport und Gesellschaft
Hg. von Susanne Wernsing, Katarina Matiasek und Klaus Vogel
für das Deutsche Hygiene-Museum
Göttingen 2011, 208 S., ca. 100 Farbabb., brosch.
24,90 € (D), Wallstein Verlag

Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum, Dresden, bis 26.2. 2012

Was ist Sport? Warum begeistern sich die Massen derart für Sportveranstaltungen, dass Stadien heutzutage die größten Versammlungsorte sind ? Warum malträtieren Leistungssportler ihren Körper bis über die Grenzen des Gesunden hinaus? Die Beiträge in dem Begleitband zur Dresdner Ausstellung »Auf die Plätze« widmen sich dem Verhältnis von Sport und Gesellschaft im Lauf der Zeit.
So beschäftigt sich ein Essay mit der Geschichte des Bodystylings, die schon Ende des 19. Jahrhunderts mit der Errichtung sogenannter Kraftstudios ihren Anfang fand, und deren Ideal das Erreichen eines antiken Körpers war. Auch das Verhältnis von Sport und Geschlecht oder Sport als Bestandteil der Popkultur werden gewinnbringend dargestellt.
Neben den theoretisch orientierten Aufsätzen finden sich Interviews unter anderem mit der Schriftstellerin Sibylle Berg und dem Gründer des »Kieser Trainings« Werner Kieser.
Abgerundet wird der unterhaltsame Band durch eine Reihe von farbigen Abbildungen, die sportliche Ereignisse Bildern aus anderen Bereichen der Gesellschaft gegenüberstellen und dabei auf überraschende Analogien aufmerksam macht.

Die Herausgeber
Katarina Matiasek, geb. 1965, arbeitet als Künstlerin und freie Kuratorin. Ausstellungen, Filme und interdisziplinäre Forschungsprojekte zu den Themen Körper, Wahrnehmung und Medialisierung. Publikation u.a.: Vermessene Menschenbilder (2005).
Klaus Vogel, geb. 1956, ist Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden sowie seit 2008 Honorarprofessor für Ausstellungswesen an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Veröffentlichung u.a.: Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden: 1911-1990 (2003).
Susanne Wernsing, geb. 1969, ist Historikerin und arbeitet als freie Kuratorin kulturwissenschaftlicher Ausstellungen in Wien und Dresden. Themenschwerpunkte: Körper, Technisierung, Bewegungskulturen und Performativität.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Ausstellungseröffnung: ACHTSAMKEIT von Sabine Schuhmacher in Idar-Oberstein



KUNST IM STADTHAUS IDAR-OBERSTEIN:
"Achtsamkeit" von Sabine Schuhmacher, vom 1. Februar bis 26. April 2012
Vernissage mit der Künstlerin am 1.2.2012, ab 18 Uhr, im Foyer der Stadtverwaltung, Georg-Maus-Straße 1, 55743 Idar-Oberstein
Die Ausstellung zeigt Bilder in Pastellkreide und anderen Gestaltungstechniken.

Sabine Schuhmacher unterrichtet und praktiziert Tai Chi Chuan und Qi Gong, beschäftigt sich mit asiatischer Kalligraphie und Meditation. Dabei kommt der alltäglichen ACHTSAMKEIT eine zentrale Bedeutung zu. Ihre Bilder zeigen Details der Natur, die von vielen Menschen nur selten wahrgenommen werden.
Pflanzliche Elemente wie der Ausschnitt einer Blüte oder einer Samenkapsel bilden die Motive für viele von Sabine Schuhmachers Bildern und versetzen den Betrachter in ihm scheinbar unbekannte Welten.

Eröffnungsprogramm mit Musik und Umtrunk:
Begrüßung: Oberbürgermeister Bruno Zimmer
Laudatio:     Stefan Vieregg M.A.
Weitere Worte: Sabine Schuhmacher

Dienstag, 24. Januar 2012

Dichterhain: Auf den Wiesen von Anner Griem

AUF DEN WIESEN

Dass uns das Gras nicht verdorre
Wie eine alte Liebe, die sich
In den Banalitäten des Alltages
Verfangen, selbst zum Trocknen
Auf den Speicher hängt

Dass uns das Licht nicht erlösche
In den Stuben, in denen die
Tische und Betten stehen
Die uns laben und behüten
Bekränzt mit Salbei und Rosen

Dass uns das Blut nicht gerinne
In den Adern, solange noch ein
Leben in unseren Herzen ist
Lasst es brodeln, pochen, pulsieren
Und die Liebe nicht vergessen

                                                  Anner Griem

Tageshinweis: Alice Hoffmann alias Vanessa Backes

Alice Hoffmann heute in der Feiermaus in Kaiserslautern-Siegelbach, Auf der Brücke 6

Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Eine Platzreservierung ist nicht möglich.
Die Küche der Feiermaus steht den Besuchern in der Zeit von 18 – 20 Uhr und nach der Veranstaltung mit Köstlichkeiten zur Verfügung.

Montag, 23. Januar 2012

Für Sie besucht: Diashow "Abenteuer Island, Magie einer Insel" in Neunkirchen


Kai-Uwe Küchler, Fotograf aus Zoltau, Brandenburg, Nähe Berlin, unternimmt regelmäßig Fotoreisen alleine, um weiße Flecken auf seiner persönlichen Landkarte und sein Vortragsprogramm in der Republik zu füllen, oder mit 12 ausgesuchten Gästen, denen er die besten Plätze der Welt zeigt. Der sehr gelungene Island-Vortrag geht auf einen privaten Besuch mit seiner Familie auf Island zurück. Es waren 6 Monate durchgehende Arbeit auf Island, von Mai bis Oktober sowie in den anderen Monaten, um alle Jahreszeiten zu erleben. Angeboten wird der Vortrag im Rahmen der Saar-Pfalz-Lichtblicke von Andreas Huber, der seit Jahren auch eigene Live-Multivisions-Shows zeigt. 

In brillanten Bildern und hautnah erlebbarer Naturgegenwart lernt der Zuschauer bei Kai-Uwe Küchler die wunderbare Insel mit den Heißwasserfontänen kennen, die nur 300.000 Bewohner hat, die Hälfte in der Hauptstadt Reykjavik. Auch wenn die Stadt auf den ersten Blick weder großstädtisch noch sehr attraktiv wirkt, hat sie ihren Reiz, den man leicht erfahren kann, wenn man dort ist. Küchler demonstriert uns das und stellt seinen gesamten Reisegedanken und -impressionen immer wieder die Reiseberichte eines Islandfahrers von vor 100 Jahren gegenüber und zeigt, wie klein dieser 100-Jahre-Schritt in der Erdgeschichte ist. Es hat sich kaum was verändert, schließlich ist Island auch nicht von Industrialisierung "bedroht", sondern bleibt ein schmuckes, seltenes, mit geologischen Besonderheiten gespicktes Naturidyll. Es ist die größte Vulkaninsel der Erde. Und es hat das älteste europäische "Parlament", das mit der Gründung Islands im Jahr 870 nach Chr. eingeführt wurde. Island wurde von schottischen, englischen und nordeuropäischen Völkern erobert, vor allem die Wikinger fassten hier Fuß und führten ihre Gesetze ein. Es wimmelt von Trollen und Elfen ... Die Durchschnittstemperatur in Reykjavik beträgt 5 Grad, im Sommer etwa 11,5, im Winter -1. Island ist der zweitgrößte Inselstaat Europas nach dem United Kingdom.


Küchlers Rundfahrt führte uns zunächst in die Blaue Lagune, dann an die Westküste und einmal außen herum auf der Ringstraße, bis zum größten Gletscher Europas im Süden, wobei eine Route genau durch die Mitte Islands ging, über die real existierende Sollbruchstelle der Kontinentalplatten. Die ganze Geologie und vulkanische Situation Islands geht auf das Reiben und Aufeinandertreffen der nordamerikanischen und eurasischen Kontinentalplatten zurück, die Berührung findet wie entlang einer Diagonalen vom Südwesten bis Nordosten von Island statt. An dieser Zone kommt es vermehrt zu Eruptionen, Heißwasserdampfaustritten und eben den warmen Quellen und Geysiren Islands. Gleichzeitig erstreckt sich die Nordatlantische Schwelle als ein aus dem Erdinnern entwichener Lava entstandener Gebirgszug vom Meeresboden über Island in das Eismeer, zurück auf den Meeresboden. Die Höhe des Gebirges kann 3000 m ausmachen, der gesamte Atlantische Rücken ist über 20.000 km lang und einige Hundert Kilometer breit.

Die Blaue Lagune liegt wunderbar inmitten von Lavafeldern und -bergen, ein geothermisches Heilbad mit heißem Wasser in einer kühlen oder kalten winterlichen Umgebung - je nach Jahreszeit. Die ganze Vielfalt Islands erlebte man in diesem Vortrag, so als ob man dort gewesen wäre: die Vogelnistgebiete im Westen, wo aggressive Vogeleltern die Eindringlinge angreifen... Ferner Sandstrände, Riffküsten, das Haukadalur um den berühmten großen Geysir, den außergewöhnlich beeindruckenden Wasserfall Gullfoss, mit 200.000 Litern Wasser die Minute, vulkanische Gebirgslandschaften, Heißwasserdampfschluchten (900 Grad!), abenteuerliche Fahrten mit dem Geländewagen durch die Berge, durch Flüsse (mangels Brücken), Geröllwüsten und im Norden den Mückensee Mývatn, an dem die Besucher von Tausenden von nichtstechenden Mücken belästigt werden, aber nur, wenn die Temperatur über 15 Grad steigt. 


An der Ostküste dominant der Gletscher mit dem größten Eisvolumen Europas, dem Vatnajökull, mit einer bis zu 1000 m dicken Eiskappe. Viele der größten isländischen Gletscherflüsse münden an der Südküste des Landes in den Atlantik. Auf dem Weg zu dieser wunderbaren Küste mit etlichen Wasserfällen von den Klippen passiert man den Skaftafell Nationalpark, wo man den Wasserfall Svartifoss weiß vor schwarzem Basalt erleben kann. Die Landschaft erinnert an die Alpen. Sie wurde in Jahrtausenden durch die Einflüsse von Feuer (Ausbrüche des Öræfajökull) und Wasser (Gletscher Skeiðarájökull und Skaftafellsjökullsowie die Flüsse Skeiðará, Morsá und Skaftafellsá) geformt. Und man kommt durch die riesige Wüste Skeidarasandur, wo Sandstürme so gewaltig sein können, dass dadurch schon der Lack von Autos abgerieben wurde. Der Reisende kommt auch am größten Vulkan Islands, dem Gletscher Öraefajökull, vorbei, der mit 2119 Metern außerdem den höchsten Gipfel der Insel, Hvannadalshnjukur, aufweist. Auch die Bewohner werden einem nahegebracht und der wichtige Wirtschaftszweig Fischerei.

Ein Blick auf Flora und Fauna (Papageitaucher, Island-Pferde, Wale), in die Rundreise integriert, vervollständigt das Bild der Insel in unseren Köpfen wie auch das geistesgeschichtliche Erbe, zu dem ganz fest die isländische Edda aus dem 17. Jahrhundert gehört.

Sonntag, 22. Januar 2012

Veranstaltungshinweis: 27. Januar 2012, Dieter Ilg mit „OTELLO live“ in Neunkirchen


Freitag, den 27Januar 2012, im Rahmen der Reihe 3x3 JazzPianoTrios: Dieter Ilg mit "Otello live" ab 20.30 Uhr in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen.

Der „deutsche Weltklassebassist“ (Jazzthing) und EchoJazz-Preisträger 2011 Dieter Ilg ist vornehmlich im Jazz zu Hause. Mit seiner Produktion „Otello“ hingegen, inspiriert von Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper, setzt sich Ilg über Genregrenzen hinweg. Doch handelt es sich bei „Otello“ nicht um ein simples „Klassik Goes Jazz“-Projekt. Ilgs Anspruch ist es, einen völlig neuen Zugang zu Verdis Meisterwerk aus dem Geist des Jazz heraus zu finden. Ilg und seine Musiker Rainer Böhm und Patrice Heral zeigen sich als begnadete Geschichtenerzähler, die sowohl den wunderbar lyrischen Momenten wie der feurigen Dramatik der Musik Verdis gerecht werden. Intensiver, leidenschaftlicher Kammerjazz in handwerklicher Vollendung – verfeinert mit einer Prise Humor.
Besetzung: Dieter Ilg (Bass), Rainer Böhm (Piano), Patrice Heral (Drums)

Karten für die Veranstaltung sind zum Preis von 10 Euro bei allen Vorverkaufsstellen von CTS-Eventim und ProTicket (u.a. Wochenspiegel), unter der Tickethotline 0681-5 88 22222 oder 0231-9172290 und online unter www.nk-kultur.de erhältlich. In Neunkirchen sind die Karten bei NVG (Lindenallee), Wochenspiegel (Oberer Markt) und Tabak Ettelbrück (Oberer Markt) erhältlich. Der Preis an der Abendkasse beträgt 12 Euro.

Samstag, 21. Januar 2012

Für Sie besucht: BROOM BEZZUMS in der Stummschen Reithalle Neunkirchen

Ein Freitagabend, wie man ihn sich wünschte: Am 20. Januar 2012 von  20:30 bis 23 Uhr heizten die Folkmusiker Broom Bezzums (= Die Ginsterbesen) dem Publikum in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen/Saar ein. Fast schon vorgezogene Wintervertreibung, denn die Ginsterbesen kehren schlechte Laune ganz schnell aus der Bude.

Broom Bezzums, das sind Andrew Cadie und Mark Bloomer: Andrew hat an der Universität Newcastle traditionelle Musik studiert. Er wohnt im Hunsrück und hat dort mitten in der Einöde seine geliebte Frau und Schönheit gefunden ... Ein Ersatz dafür, dass sie ihn beim Fußball keinen Elfmeter schießen lassen ... ;-) Seine Dozenten Kathryn Tickell, Chris Stout und Chris Wood zählen zu den Top-Musikern Großbritanniens.
Mark hat Kunstgeschichte studiert, sein Gitarren- und Mandolinenspiel durch mehr als 10 Jahre Tour-Erfahrung mit diversen Bands in Irland und Frankreich perfektioniert und weiß wie moderne Vagabunden leben. Beide haben - obwohl sie über den Bergbau in England singen - keinerlei Verbindung dazu. Das erfahren wir so nebenbei mit diesem schmunzelnden, schelmischen Moderationstil vor allem von Mark, der humorvoll Erwartungen der Zuschauer allzugerne kunstvoll platzen lässt. Er ist übrigens auch ein ausgezeichneter Supermarktsschlangenhersteller, denn seine Fragen nach dem Namen der Rübenarten im Markt oder Suche des richtigen EAN-Feldes für den Kassenscanner lässt Kassenfachkräfte verzweifeln. Mark, versuche es doch mal mit dem neuen Smartphone "Steckrübe 2" ... ;-)

Die beiden Briten singen, juchzen und musizieren, was das Zeug hält, unter Zuhilfenahme der Fiddle, Gitarre, Mandola und dem Northumbrian Dudelsack (Small Pipes). Sie sorgen für Stimmung, reißen mit, begeistern das Publikum und beeindrucken selbst diejenigen, die eigentlich immer der Meinung waren, dass sie keine Folkmusik mögen! Ihre CDs werden regelmäßig vom Radiosender BBC gespielt und von Kritikern in der ganzen Welt hoch gelobt. Andrew und Mark sind tief verwurzelt in der Musik der Britischen Inseln mit einer besonderen Tendenz zu den Traditionen aus Andrews Heimat Northumberland.

Die beiden bieten überwiegend zumeist Freiheits- und politische Lieder quer durch die Jahrhunderte und nähern sich immer wieder dem Irish oder Scottish Folk an. Begonnen haben sie ihr Konzert mit einem In-medias-res-Einsatz "So arrive sons of freedom" aus dem Titel "Empires", und waren sofort präsent, weiter ging's mit Tanz- und Instrumentalstücken. Auffällig ein Sea-Shanty (engl. auch Chanty) aus der Pfalz, das eigentlich ein Lebensshanty ist. Einmal Mitsingen des Publikums mit "Keep holding, keep boys", einmal mit "Pay back and steal it" ... Es folgte ein Bergmannslied aus dem großen Bergmannstreik im 19. Jh., das uns die wahre Herkunft der Sänger enthüllte. Mit einem Song von Free Bone John, Freiheitskämpfer aus dem Bürgerkrieg im 17. Jahrhundert, erfuhren wir eine schöne Geschichte über eine Prinzessin, die ihrer Schwester entgegen der Geschwisterfolge vorgezogen wurde und dafür von Schwesterhand sterben musste, als Harfe jedoch in den elterlichen Palast zurückkehrte und die Schandtat erzählen konnte. Woodie Guthrie, modernisiert mit einer netten Geschichte über Musik und Reisen in offenen Waggons, und welche Auswirkung der Fahrtwind heute auf das Outfit hat, begegnete uns ebenfalls: "Colombus Stocking Blues". Im Reigen dieser dynamischen Lieder verging der Abend wie im Flug, und selbst gegen 23 Uhr waren die beiden Barden noch nicht erschöpft und setzten noch eins oben drauf. Übrigens auch eine sehr geeignete Gelegenheit zum Tanzen ... Broom Bezzums - gelebte historische Musik mit der klaren Botschaft, sein Leben zu genießen.

Tageshinweis: Weinprobe mit Kunst

Neuer Wein - Neue Kunst, ab 11 Uhr
Idar-Oberstein im Kunstladen MeilenStein, Hauptstraße 478-480, Telefon 06781-4588866, unterhalb der Felsenkirche und der TurmSchänke.
Winzermeister Jürgen FREY aus Sommerloch/Nahe lädt Sie herzlich zu einer kostenlosen Weinprobe ein.
Alle Weine sind ab sofort auch neben all den Kunstvariationen von kleinem bis großem Geldbeutel im KunstLaden zum Verkauf erhältlich.

Dichterhain: SCHLIMM von Andreas Noga


schlimm

wenn man schlafen will
ein bett sehen in das man sich
nicht legen darf

freie tage wollen
und nicht bekommen

einen wecker haben der nicht
im kühlschrank steht wie es manchmal
in gedichten vorkommt

nachts den sekunden beim kreislauf zuhören
und wissen dass es bald morgen ist

schlimmer: zur arbeit fahren
wenn zuhause die nacht länger
der tag friedlicher
und kein termin nötig ist

am schlimmsten:
im autoradio kein lied hören
das im kopf den morgenhimmel aufreißt
und bis zum abend klingt



nach gottfried benn „was schlimm ist“

                      (c) Andreas Noga (aus Poesie Agenda 2011, orte Verlag, CH)

Freitag, 20. Januar 2012

Reportage: Panoptikum des Lebens in Hamburg


Perfektionismus bis ins kleinste Detail
Hier sind Ähnlichkeiten kein Zufall. Sondern Kunst! Original und Kunstwerk sind im Panoptikum kaum auseinander zu halten. 
Schauen Sie ruhig genau hin – ich habe es auch getan. Denn bevor die talentierten Bildhauer eine Figur anfertigen, haben sie ihre Modelle gründlich studiert. In der Regel helfen ihnen dafür Pressebilder. Manchmal kommen die Stars auch persönlich vorbei, um sich vermessen zu lassen. Auf Basis dieser Daten wird zunächst ein Kopf aus Ton modelliert. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn nur durch viel Geschick und die jahrelange Erfahrung der Bildhauer wird aus einem Klumpen Ton ein einzigartiges Gesicht. Wenn der Ton seine endgültige Gestalt erhalten hat, wird er mit Gips umkleidet. So entsteht eine Hohlform, in die später das Wachs gegossen wird. Sobald dieses ausgehärtet ist, können Augen, Zähne und Haare in den Kopf eingearbeitet werden. Und zwar richtige Glasaugen, Prothesen vom Zahntechniker und Echthaar. Letzteres stechen die Bildhauer übrigens einzeln in den Wachskopf ein. Danach kolorieren sie ihn und sorgen für den rechten Haarschnitt. Das Ziel rückt sprichwörtlich in greifbare Nähe. Denn nun sind die Hände und der Körper an der Reihe. Und die werden genauso individuell wie das Gesicht hergestellt. Auch die Kleidungen sind oft aufwendige Sonderanfertigungen – oder persönliche Leihgaben der Stars. Endlich ist die Figur fertig. Bis hierin hat es neun bis zwölf Monate Zeit gedauert.

Wir haben im Panoptikum Hamburg den Bildhauern bei ihrer Arbeit zugeschaut und waren fasziniert. Sie verstehen ihr Handwerk - oder besser gesagt. ihr Kunstwerk. Besuchen Sie doch einfach einmal ein Panoptikum, ein Wachsfigurenkabinett. Sie werden staunen und Kurioses entdecken. Aber sehen Sie selbst. Vielleicht entdecken Sie den ein oder anderen Bekannten wieder. Ich bin gespannt.

Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort macht in seinem Kommentar zu dieser Reportage auf ein witziges Schwarz-Weiß Musik-Video aus den 60er Jahren über das Panoptikum aufmerksam. Danke dafür. Haben Sie Lust mal hineinzuschauen? Viel Spaß dabei. Den Link finden Sie hier:


von Marita Gerwin aus Arnsberg

Donnerstag, 19. Januar 2012

Dichterhain: Die Badewanne von Walter Brusius

Die Badewanne 



Collage von Walter Brusius
Tristan, der Edle Ritter, stand am Fenster seiner Burg und schaute in den Regen hinaus. Da trat er zur Badewanne und mit dem kleinen Finger der linken Hand schrieb er. Er schrieb in die obere Haut des Badewannenwassers einen Brief an seine Frau.

Er liebte sie noch immer. Vor 7 Jahren hatte sie ihn verlassen und war mit einem der Hufknechte nach Sydney geflohn.
So war das.

  Draußen rauschte der Regen. Tristan zog den Stöpsel aus der Wanne, das Wasser floss.

Ich weiß nicht, ob dieser Brief je angekommen ist.



Der Autor
Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. 
Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine AtelierhefteEr verkauft sie im Atelier an einen kleinen interessierten Kreis und in einer dortigen Buchhandlung. Sie sind auch abonnierbar. Neben seinen Ausstellungen veranstaltet er regelmäßig Lesungen. Ziel ist, die Atelierhefte nicht selbst zu illustrieren, sondern andere Künstler in Form einer Koproduktion dazu einzuladen.