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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Freitag, 23. März 2012

Zu Gast bei der 2012-Neuaufnahme der Musicalrevue "BeGeistert!" in Neunkirchen/Saar


Letzten Sonntagabend, den 18.03.12, besuchte ich das erste Mal das Neunkircher Musicalprojekt. Ich habe etwas versäumt all die Jahre, dafür an einem Abend alles aufholen können. Mit "BeGeistert!" wurde der große Erfolg vom August 2011 am 16.-18.3.2012 wieder aufgegriffen und in der Konzeption alle 5 Musicals seit 2003.

Für mich ist das Neunkircher Musicalprojekt ein wirklich gelungenes Unternehmen, bei dem man mit fast 100 % stimmigen Auftritten und Stimmen rechnen kann, engagierte Teilnehmer, die alles geben und sich ganz in ihre Rollen stürzen. Dank hier an das Leitungsteam Ellen Kärcher und Dieter Meier (beide auch Regie) sowie den Produktionsleiter Markus Müller. Die künstlerischen Impulse und Ideen gehen auf Martin Leutgeb zurück. Mit imposanter Bühnengestaltung, Beleuchtung und Effekten, einer durch und durch spannenden und abwechslungsreichen Musik von Amby Schillo und Andreas Puhl (der bei der Generalprobe einen Kollaps erlitt und schnell ersetzt werden musste mit Carina Peitz und Markus Müller auf der Bühne), überzeugender Regie und Choreographie. Bewegung, Dynamik, Abwechslung, Transparenz und Integration des Zuschauerraums haben das Musical sehr lebendig gemacht und seine Wirkung intensiviert. Wenn man in Neunkirchen eine starke Brise Bochum spürt, dann weiß man, wer wie viel daran gearbeitet hat und wie viele wache Geister hier unterwegs sind. Eine Meisterleistung, in 10 Jahren einen solchen Betrieb auf die Beine zu stellen, und ein Zeichen von Qualitätsbewusstsein, so eine überzeugende Darbietung zu schaffen.


Schon der Einstieg holte einen gleich ab und nahm einen rein ins Geschehen. Hektisches Treiben bei den Umbauarbeiten in der Gebläsehalle, Feierabendtuten und Baustellenruhe, in die 5 Kinder unerlaubt eindringen. Der Geist des Musicalprojekts (Dieter Meier) spukt dort (im positiven Sinne) und zeigt den Kindern eine flimmernde Zusammenschau der Musicalausschnitte, von denen sie nur vage etwas gehört haben ... Die Halle erwacht zum Leben und nacheinander tauchen die Musicals "The Casting", "Merlin, wir können auch anders", "Hotel Lobby 20.30", "Lysistrate" und "Stumm. Das Musical" auf, in die die Kinder mehr oder weniger involviert werden. Sie versuchen immer die illusionären Welten zu durchdringen und werden teilweise Helden in Szenen oder überbringen wichtige Botschaften.
Der Reigen beginnt mit dem bunten Treiben und Tanzen des Castings, bei dem die uneheliche Tochter von Dieter Bohlen (Sibille Sandmeyer) trotz Minderleistung vom BigSpender Markus Müller den Zuschlag erhält. Das Mädchen Kris (Kristin Backes) mitten im Geschehen singt auch kräftig mit.
Das Geschehen wechselt zu "Merlin".Einer der Jungs aus der Kindergruppe, Fredy (Federic Schneider), zieht das Schwert aus dem Fels und wird König von Britannien. Ganz stark der Aufruf von Artus (Jens Fried) zum Kampf gegen den neuen Kinder-König, der das nicht verdient hätte, mit geballter Faust ... GEWALT ... Lanzelott (Andreas Fischer) mit einem gelungenen Solo über die Liebe, einem ergreifenden Duett mit seiner verbotenen Geliebten, Artus Frau Guinevere (Carina Jörg), imposant die Hochzeit von Artus und Guinevere, mitreißend der schottische Hochzeitstanz und dramatisch der Tod Artus, die Abholung durch die Ewigkeit. Kris (Kristin Backes, etwa 14 Jahre) von den 5 Kindern interpretiert dies sehr, sehr schön mit "Ich bin ein Kuss, ich bin eine Umarmung! Ich bin dein Freund, der Tod, der zum Licht führt".
In der "Hotel Lobby 20.30" interessante Erscheinungen wie der Speedkings-Chef im grünen Giftlook, bezaubernde indische Shivatänze und ein Aufgebot an aufreizenden Herren in Übergrößen ... ;-) Die Kinder helfen den wichtigen Koffer zur Rettung des Hotels zu finden.
"Lysistrate" (Monika Groß) sehr stolz und kämpferisch: "Der Friede ist das einzige Glück ..." und grandios ihr Schwur der Frauen als ein großes Spektakel. Das Duett von Kinesias (Nicolas Schneider) mit Myrrhine (Carina Jörg) als in Szene gesetzter Zwiespalt der Männerwelt zwischen Liebe und Krieg. Später beim Saufen die Verherrlichung des Krieges, um die Forderungen der Frauen abzuwehren. Der Junge Marc (Marius Fries) wird in das Geschehen hineingezogen und als Kriegsgott Ares verehrt. Ein hektisch-aggressiver Percussions-Act mit mannshohen Stäben und Schlaghölzern von Amby Schillo mit zwei Darstellern integrierte das Publikum, verschaffte uns einen Grundkurs in rhythmischem Klatschen.
"STUMM", das sozialkritische Musical, zeigte die Misere der Arbeiter vor und um die Jahrhundertwende, die Forderung nach menschengerechter Arbeit, Gesundheit, mehr Lohn, mehr Brot. In glanzvollem Auftritt die Arbeiterbrigaden in geschlossener Formation aus dem Zuschauerraum die Bühne erstürmend, fordernd, drohend. Die Lungenkrankheiten der Arbeiter thematisiert im Disput Dr. Zechner (Markus Müller) und Karl-Ferdinand Stumm (Nils Hollendieck). Die Krankenschwestern im unermüdlichen Einsatz, weil die Arbeitsbedingungen nicht stimmen. Doch der unverständige Industrieadel mit Stumm, schaut nur auf den Dreck, die Arbeit herab: "...das sind nicht Unseresgleichen...", ebenso die Damen um Frau Stumm, die ihr Dasein ohne Liebe besingen, die Männer als Belastung, das Shoppen in Paris als wohlverdiente Pause in ihrem Alltag. Wieder sehr überzeugend und ansprechend, mit natürlichem Adel Monika Groß als Gemahlin von Stumm, insbesondere in ihrer Bedrängnis durch Buchhalter Dr. Meuser (Robert Piskac), den sie vehement ablehnt, bis er sich einen Kuss abholt, den sie für eine Minute akzeptiert. Auch hier spielen die Kinder wieder hinein, Fredy (Frederic Schneider) versucht Ida Stumm noch anzusprechen, da platzt auch schon das Zimmermädchen herein.

Im Anschluss noch eine Aussicht auf das neue Projekt "Jedermann" nach Hugo von Hofmansthal. Die Idee zum Jedermann kam von Martin Leutgeb. Himmel oder Hölle ist die Frage für den reichen Mann, wenn das Leben zu Ende geht ... Shakespeare, Goethe und Christian Wulff standen Pate ... mehr Dynamik als bisher, weniger Text und eventuell Akrobatik könnten vorkommen. Ellen Kärcher und Dieter Meier knöpfen sich das Projekt mit der jetzt bestehenden Leitung und musikalischen Unterstützung vor. Sie wollen darin weiterhin eine neue Theatersprache verwirklichen. Nach den Oster- und Sommerferien geht es los, und im Dezember soll die Uraufführung zur Eröffnung der neuen Kulturstätte im Gebläsesaal des alten Hüttenreviers stattfinden - sofern alles planmäßig läuft.

Fazit: Ein atmosphärisch dichter Abend, voll packender Musik, überzeugenden Darstellern, optischen Effekten und Reizen, zartem bis gewaltigem Gesang, herausragende Frauen- und Männerfiguren, eine sehr empfehlenswerte Unterhaltung! Jedes Musical für sich schon zu Laufzeiten total ausverkauft und sehenswert, hier noch einmal zusammen. Schön wäre es, das ein oder andere Musical noch einmal aufzugreifen. Ein Projekt, das Neunkirchen sehr viele Pluspunkte verschafft.

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