Foto: Claudia Juranits |
18.05.2013 I 20 Uhr I Theater Trier, Studio
DER MANN IN DER BADEWANNE oder WIE MAN EIN HELD WIRD
Lehrstück von Lukas Linder
Eine BÜHNE1-Produktion
"Unglücklich das Land, das keine Helden hat." -
Wie treten Helden in kapitalistischen Gesellschaften auf? Welche Formen des Held-Seins kennen wir? Lukas Linders "Lehrstück" DER MANN IN DER BADEWANNE dekonstruiert klassische Heldenkonzeptionen der Antike, während es die anonyme Beliebigkeit unserer Vorbilder und Idole zu seinem Hauptthema macht. Abseits von heroischer Tugendhaftigkeit und großen Taten entscheiden oft Marginalien darüber, ob der heutige Held ein Niemand von morgen wird und umgekehrt. Der Grat zwischen Verehrung und Spott ist manchmal schmal.
Erschaffen werden die Helden unserer Zeit von medialem Voyeurismus: Linders Protagonist heißt Albert Wegelin, ist eine "aufstrebende Arbeitskraft in einer größeren Firma" und wird gefeuert, weil sein mangelnder Appetit als ein rebellischer Akt verstanden wird. So wird Wegelin ohne eigenes Zutun zum Hungerstreikenden und in der Folge zum Revoluzzer, der plötzlich die Erwartungen von Familie und Freundin ebenso zu erfüllen hat, wie jene der sensationsgierigen Öffentlichkeit. Die parabelhafte Handlung um Lukas Linders Figuren wird obendrein durch ihre politische Instrumentalisierung vorangetrieben, so dass sich am Ende auch die Frage stellt: Ist Wegelin noch ein Mensch?
"Unglücklich das Land, das Helden nötig hat."
(Bertolt Brecht, Leben des Galilei)
Der Autor, geboren 1984 in Uhwiesen in der Schweiz, war nach Abschluss seines Studiums der Germanistik und Philosophie zunächst in der freien Theaterszene aktiv, eher er, unter anderem mit dem Jury- und Publikumspreis des Autorenlabors in Düsseldorf ausgezeichnet, Hausautor am Theater Biel/Solothurn wurde. BÜHNE1 bringt sein Stück, das sich einer Genrebestimmung gänzlich zu entziehen scheint und so besonders nah am Zeitgeist spielt, im Studio des Theaters Trier zur Aufführung.
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