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Montag, 9. April 2018

Wie war's bei Hagen Rether in Neunkirchen/Saar?

(c) Stefan Vieregg



(c) Stefan Vieregg





Hagen Rether war in Neunkirchen / Saar in der Neuen Gebläsehalle und hat sie auch ordentlich gefüllt - mit seiner eigenwilligen Halbschlaf-Monolog-Show, die vom Herkömmlichen abweicht. Denn der Kabarettist ist nicht wirklich ganz Kabarettist, Satiriker, Comedian, Dozent, Freikirchler, Psychotherapeut, Spätlese-Hippie, Philosoph, Dandy, Kolumnist, und doch hat er von allem etwas. Im Anzug und mit Pferdeschwanz kommt er an, und bietet erst einmal einen längeren Frontallappen-Warmup. Völlig geschickt holt er nach und nach alle rein in sein scheinbares Atemholen, ins vorgeschaltete Runterfahren und Abtauchen ins Vorbewusste. Regelrechte Massenpsychologie, allerdings in die andere, beruhigende Richtung. Er lässt die Motoren dezent warmlaufen, bevor er dann im sanften Flug über die deutsche Politlandschaft schwebt und überall mal zum Hovering mit Gruppenselfie anhält, wo es etwas zu entdecken gibt, das uns allen sehr bekannt vorkommt: Unser Leben zwischen Familie, Kindern, Schule (oder als Single), Beruf, Alltag, Freizeit, Medienpräsenz, Kultur und nationaler wie internationaler Politik als ein einziges Konglomerat aus Absurdem, Groteskem, Paradoxem, Inkonsequentem und Irrationalem, das keiner so ganz versteht, das auch keine wirkliche Logik hat, nur ein situationsgerechtes Ausweichen vor und Aufgreifen von dem, was früher abgelehnt wurde und nun ganz wichtig und verpflichtend für alle werden soll.

(c) Stefan Vieregg
Jeder entdeckt sich in diesem Absurdistan wieder, und langsam wünscht sich jeder in diesem geleiteten Wach(alb)traum doch einen viel bequemeren Stuhl, nämlich so einen wie der Rether vorne auf der Bühne einen hat, mit Halbliegeeinstellung und gelegentlichem dynamischen Aufrichtmechanismus. So könnte man im Halbschlaf noch viel länger zuhören, wenn der Dozent vorne nicht nach über drei Stunden bereits die Flucht ergreifen und einen aus dem Dämmern mit wachen Ohren reißen würde. Es ist eine große Menge an problematischen Dingen, die man unter die Nase gerieben bekommt, die man nicht verstehen kann und auch nicht verstehen braucht, weil sie sich irgendwann wieder in etwas anderes verwandeln, das man auch in dem neuen Zusammenhang nicht richtig verstehen kann. Das wichtigste Problem ist wohl die Einwanderungswelle der letzten zwei, drei Jahre, wo man nicht wusste, wie die Ankömmlinge nennen, Asylanten, Flüchtlinge, illegale Einwanderer. Es ist auch egal, wie man sie nennen will, jedenfalls kamen sie hier an, um zu erfahren, dass sie vor ihrer Flucht besser eine deutschlandkompatible oder generell eben eine Facharbeiterausbildung hätten machen und Deutsch hätten lernen müssen, wenn sie hier hätten arbeiten wollen. So kosten sie eben viel Geld und dürfen lange Zeit nichts machen, bis sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen dürfen. Oder Feindbilder und Sündenböcke neben dem Flüchtling, wie Israel, Angela Merkel, Donald Trump, Christian Lindner usw. oder den politisch zu weit Außenstehenden, die alle irgendwo was Wahres sagen, aber dann wieder wegen der allgemeinen Lage nicht gehört werden, verdammt werden, oder wegen dem starren ideologischen Hintergrund in Missfarbe getaucht weitermachen müssen, so DIE LINKE, DIE GRÜNEN, obwohl sie schon vor Jahren bessere Lösungen angeboten hätten, die man aber nicht wollte. Ganz lösen kann das sowieso keiner, genauso wenig wie Merkel nicht für die Zustände in Griechenland oder die Zuwanderung von Orientalen, Afrikanern und Asiaten alleine verantwortlich ist. Oder für das deutliche Verrutschen der Essgewohnheiten von Fleisch zu vegan, das klar besser ist, aber viele machen es aus irgendwelchen Gründen doch nicht mit, und stehen heute da, wo früher die Vegetarier standen. Was kommt nach dem Veganen? Mit witzigen Wortkonstruktionen, Bezeichnungen, Bildern und satirischen Mitteln klärt uns Hagen Rether auf, wo überall etwas im Argen liegt. Man kann nur drüber lachen, mit welchen Dummheiten wir uns beschäftigen müssen, weil das einige Leute für wichtig deklarieren. Am Ende bleibt alles ein Mitmachen eben, Moden interessiert beäugen oder kultivieren, ein indifferentes "Me too", das wenig Sinn macht, so wie Diesel bei uns verbieten, während ein wirklich nicht unerheblicher Rest der Welt weiterhin Kohlekraftwerke baut.
(c) Stefan Vieregg

Hagen Rether muss man erlebt und erdämmert haben. Sein Stoff ist sehr umfangreich und wird ständig erneuert. Der riesige Flügel für eventuelle Gesangseinlagen blieb unbenutzt, eine Banane darauf dagegen hat er zur Stärkung genossen. Die übrigen flogen in die erste Reihe sowie zwei CDs von ihm beim finalen Giveaway. Ach ja, das hab ich beinahe vergessen, der Titel des Abends war Liebe. Die war gar nicht vorhanden, bis auf den Ansatz, dass wir uns in diesem Paradoxzustand Leben in einem gewissen Staat doch immer wieder lieben, wie wir den Unsinn mitmachen und darüber lachen können, wenn wir uns im Spiegel als die Affen in der Hauptrolle sehen. Oder war's doch was anderes? :-)