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Dienstag, 3. Januar 2017

Wie war's bei EZIO von Christoph Willibald Gluck in der Frankfurter Oper?


Valentiniano, kontragebende Fulvia und ihr Vater Massimo
(c) Barbara Aumüller

Mit der Oper EZIO von Christoph Willibald Gluck (1714-1784) war ein interessanter Ausflug in die Anfänge der Operngeschichte im Frankfurter Opernhaus zu sehen. Diese Oper wurde 1750 in der Karnevalszeit im Teatro Nuovo, Prag, uraufgeführt. Musikgeschichtlich ist es vielleicht bereits ein postspätbarocker Versuch, die Oper neu zu gestalten, denn Gluck wollte weder die Opera seria noch Opera buffa favorisieren, das eine zu effekthascherisch, das andere zu abgeschmackt, sondern einen neuen Typ versuchen. Seine Reformen griffen allerdings erst in den letzten 20 Jahren seines Schaffens. Treu blieb er der barocken Menschendarstellung, den "Affekten" statt Historiendetails, obgleich er einen historischen Stoff aus dem römischen Reich wählte, der zwischen 1720 und 1830 an die 60-mal als Oper verwirklicht wurde, auch Händel bot u.a. einen Ezio an.

"Die Oper handelt vom römischen Heermeister Flavius Aëtius, der hier italienisch Ezio genannt wird. Dieser hatte im Jahr 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern die Hunnen unter ihrem Anführer Attila geschlagen. Nach seiner Rückkehr in Rom erkennt er im weströmischen Kaiser Valentinian III. (Valentiniano) einen Rivalen um seine Verlobte Fulvia. Der Patrizier und kaiserliche Vertraute Petronius Maximus (Massimo) organisiert ein Attentat auf Valentiniano und sorgt nach dessen Scheitern dafür, dass der Verdacht auf Ezio fällt. Valentiniano will Ezio töten lassen. Der Mord wird jedoch nicht ausgeführt. Bei einem folgenden Volksaufstand rettet Ezio Valentiniano. Die beiden versöhnen sich, und Ezio kann Fulvia heiraten." (wikipedia)

Pikant ist die Zwickmühle, in die Ezio gerät. Er muss die Hochzeit mit Onoria (stolz und ansprechend Sydney Mancasola), der Schwester des Herrschers, ablehnen, weil er Fulvia (emanzipatorisch und reizvoll Cecilia Hall) liebt, die Tochter des hinterlistigen Massimos (sehr überzeugend Theo Lebow), der ihn verrät und ihn wie auch seine Tochter Fulvia zum Spielball der persönlichen Rache machen möchte. Massimos Frau wurde vom Herrscher missbraucht, weshalb Massimo ihm nach dem Leben trachtet und ihn absetzen will. Ezio ist allerdings ein treuer Feldherr und Verehrer seines Kaisers und besteht tugendhaft alle Prüfungen. Er rettet dem Kaiser sogar das Leben, als Massimo und das aufgewiegelte Volk Valentiniano ermorden wollen. Happy End für alle: Der Kaiser vergibt, Onoria auch, Ezio heiratet Fluvia und Massimos Hass wird erkannt und besänftigt.


Valentiniano und seine Schwester Onoria
(c) Barbara Aumüller
Gluck wollte die Oper wieder zu ihrem Ursprung bringen, eine Oper, in der Leidenschaft, Schicksalsschläge und eben Gefühle im Vordergrund stehen und wo das Wort eine ebenbürtige, wenn nicht wichtigere Aufgabe als die Musik haben sollte: „prima le parole, poi la musica“. Der Komponist begann den Oberstimmen mehr Freiheiten einzuräumem. Und tatsächlich erleben Gewohnheiten, vom Regisseur Vincent Boussard unterstützt, einen Bruch in den sicher sauber ausgebauten Countertenorstimmen von Rupert Enticknap (Valentiniano) und Max Emanuel Cencic (Ezio). Der große Imperator und Diktator ebenso wie sein oberster Feldherr zwei völlig unmännliche, schwache und fast schon lächerliche Figuren der Geschichte. Der Kaiser noch dazu ein Weichling, schwach den Schutz seiner Ergebenen vor dem drohenden Attentat erflehend, vor Gram über den Abfall seiner Getreuen im Dauerlamento und -jammer. Auch Ezio verkörpert keinen Hunnenbesieger, seine Soldaten haben Attila besiegt, Ezio wohl nur im Führerzelt. Boussard stellt einen Zeitbezug zum 20. Jahrhundert her, mit einem auffälligen Anachronismus: Kampfflieger des zweiten Weltkrieges symbolisieren die Rückkehr des römischen Adlers, auf allen römischen Standarten der Heere verewigt, derselbe auch noch einmal durch ein modernes Kunstwerk allgegenwärtig angedeutet. Der Aufmarsch der Legionen, die Requisten der Diktatur, erneut eingesetzt bei der Wiederbelebung des Herrscherkultes auf den Reichsparteitagen.

Trotz allem bleibt dieser Oper eine evidente Handlungsarmut und Leere, die Texte nicht so stark, wie man sich das wünschte, eine Konzentration auf Figuren, von denen Fulvia und Onoria als starke weibliche Figuren und Massimo als Herrscherattentäter zu auffälliger Dominanz im Gegensatz zu den beiden Hauptfiguren fähig sind. Erst in der versuchten Vergewaltigung von Fulvia (einer Wiederholung der Schändung ihrer Mutter), der Verurteilung Ezios und dem kaiserlichen Mordkomplott gegen Ezio zeigt der Imperator (unerfreuliche) Stärke. Am Ende noch einmal in einem fast kitschigen und unglaubwürdigen Ende. Valentiniano vergibt alles und jedem ... Friede, Freude, Eierkuchen. Die edlen und hehren Gefühle und Geisteshaltungen werden fortlaufend besungen, was eine gewisse Sprödigkeit befördert. Im zweiten Teil der Oper kommt mehr Wind auf, dennoch bleibt ein Zuwenig.