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Sonntag, 31. Juli 2016

Jetzt im Kino: Goldgräberstimmung im Orient und Afrika - Die Tragödie der Illegalen - SEEUFER

SEEFEUER

It, Fr 2016
Der Gewinner des Goldenen Bären 2016 blickt klug und unsentimental auf das Los der Flüchtlinge, die täglich auf der Insel Lampedusa stranden - und damit auf die Tragödie der Welt an sich.

Samuele ist 12. Nach der Schule trifft er seine Freunde oder streift mit einer selbstgebauten Steinschleuder durch die Gegend. Er will Fischer werden, so wie sein Vater. Samuele lebt auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, auf der das Leben schon immer von dem geprägt war, was das Meer bringt. Seit Jahren sind das nun vor allem Menschen – Tausende Flüchtlinge, die in der verzweifelten Hoffnung auf ein besseres Leben eine lebensgefährliche Reise wagen.

Ein Jahr lang beobachtete Regisseur Gianfranco Rosi Leben und Alltag auf Lampedusa, der „Insel der Hoffnung“, die zur Anlaufstelle unzähliger Flüchtlinge wurde. Der bewegende Dokumentarfilm überzeugte auf der diesjährigen Berlinale Publikum wie Kritiker und gewann den Goldenen Bären als Bester Film.

Der italienische Originaltitel „Fuocoammare“ kann sowohl als „brennendes Meer“ als auch „Leuchtturm“ übersetzt werden. Der deutsche Kinotitel ist dieser Doppelbedeutung geschuldet: „Seefeuer“ bezeichnet zum einen das Lichtsignal auf Leuchttürmen, zum anderen eine historische Brandwaffe, die vor allem gegen Schiffe zum Einsatz kam und nicht mit Wasser gelöscht werden konnte.

Regie + Drehbuch: Gianfranco Rosi
109 Min
FSK 12

KOMMENTAR DES REGISSEURS GIANFRANCO ROSI

Im Herbst 2014 bin ich das erste Mal nach Lampedusa gefahren, um die Möglichkeiten auszuloten, einen 10­minütigen Film für ein internationales Festival zu drehen. Die Idee des Produzenten war es, einen Kurzfilm zu machen, der dem faulen und mitschuldigen Europa, das nur ein diffuses und verzerrtes Bild der aufkeimenden Flüchtlingskrise hat, eben eine andere Seite von Lampedusa zu zeigen. Das sah auch ich so, denn Lampedusa war lange Zeit ein wirres Durcheinander von Stimmen und Bildern aus Fernsehspots, schockierenden Schlagzeilen über Tod, Notfälle, Invasionen und Volksaufstände. Als ich aber auf der Insel war, stellte ich fest, dass sich die Realität stark von dem unterschied, was man in den Medien und der Politik fand, und mir wurde bewusst, dass es unmöglich sein würde, ein so komplexes Gefüge wie das von Lampedusa in wenige Minuten zu pressen.

Man würde für längere Zeit komplett eintauchen müssen. Es würde nicht einfach werden. Ich wusste, ich würde einen Weg hinein finden müssen. Dann – und so ist es oft bei Dokumentarfilmern – passierte etwas Unvorhergesehenes: Ich musste wegen einer schlimmen Bronchitis zur örtlichen Notaufnahme und traf dort Dr. Pietro Bartolo, welcher der einzige Doktor auf der Insel ist und schon seit Jahren jede Ankunft von Flüchtlingsbooten begleitet. Er beurteilt, wer ins Krankenhaus gebracht wird, wer inhaftiert wird und wer verstorben ist. Nicht wissend, dass ich ein Regisseur auf der Suche nach einer Story war, erzählte mir Dr. Bartolo von seinen Erfahrungen mit den medizinischen und humanitären Notfällen. Seine Worte berührten mich tief. Ein gegenseitiges Verständnis entwickelte sich zwischen uns und mir wurde klar, dass er ein Protagonist im Film werden könnte. Nach anderthalb Stunden intensiven Gesprächs schaltete der Doktor seinen Computer an, um mir Bilder zu zeigen – herzzerreißende, nie zuvor gesehene Bilder, so dass ich die Realität des tragischen Schicksals der Migranten „mit meiner Hand berühren“ konnte.

Meine Entscheidung, nach Lampedusa zu ziehen, änderte alles. In meinem Jahr auf der Insel überstand ich den langen Winter und dann die Fischersaison. Ich lernte den wahren Rhythmus der Flut der Migranten kennen. Es war wichtig, die Vorgehensweise der Medien zu durchbrechen, die immer nur dann nach  LAMPEDUSA strömten, wenn es eine Katastrophe gab. Als ich dort lebte, verstand ich, dass der Begriff Katastrophe bedeutungslos war. Es gab jeden Tag eine Katastrophe. Jeden Tag passierte etwas. Um das reale Ausmaß der Tragödie zu erfassen, muss man nicht nur vor Ort sein, sondern auch laufenden Kontakt haben. Nur so war ich in der Lage, die Gefühle der Inselbewohner zu verstehen, die seit 20 Jahren zusehen, wie sich diese Tragödie ständig wiederholt.

Seit der Einführung von Rettungsoperationen wie Mare Nostrum, die versucht, Boote auf See abzufangen, sind auf Lampedusa keine Flüchtlinge mehr zu sehen. Sie ziehen vorbei wie Phantome. Sie gehen am Kai im alten Hafen von Bord, werden mit Bussen für weitere Hilfe und zur IDENTIFIZIERUNG in die Auffangstation gefahren und ein paar Tage später aufs Festland befördert. Was die Ankunft betrifft – und ich habe Dutzende beim Eintreffen gefilmt – gibt es nur einen Weg, die Auffangstation zu verstehen, und zwar hineinzugehen und sie aus der Nähe zu betrachten. Es war sehr schwierig, dort zu filmen, aber Dank der Genehmigung, die ich von den sizilianischen Behörden bekommen hatte, war ich in der Lage, die Station zu zeigen, ihren Rhythmus und ihre Regeln, ihre Gäste und Gewohnheiten, ihre Religionen und Tragödien. EINE WELT IN EINER WELT FÜR SICH, abgeschnitten vom Alltag auf der Insel.

DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG WAR ES, einen Weg zu finden, dieses Universum zu filmen und dabei nicht nur Wahrheit und Realität, sondern auch Menschlichkeit darin zu offenbaren. Bald verstand ich, dass sich die Grenze – die einst, als die Boote noch direkt auf der Insel landeten, Lampedusa selbst war – auf das Meer verschoben hatte. Ich bat um Erlaubnis, an Bord eines italienischen Marineschiffes zu gehen, das vor der afrikanischen Küste operierte, und verbrachte etwa einen Monat auf der Cigala Fulgosi, die zu dieser Zeit an zwei Missionen teilnahm. Auch dort lernte ich erst den Rhythmus, die Regeln und Gebräuche an Bord kennen, bis wir auf die Tragödien stießen, eine nach der anderen. Die Erfahrungen beim Filmen dieser Ereignisse kann ich hier nicht beschreiben.

In meinen Filmen stelle ich oft ABGEGRENZTE WELTEN dar, seien es literarische oder ideelle. Diese Universen – manchmal nur so groß wie ein Raum – haben ihre eigene Logik und ihre eigenen Be wegungen. Dies einzufangen und auszudrücken ist der komplizierteste Teil meines Jobs.

Das war so mit der Gruppe von Aussteigern in der amerikanischen Wüste („Unter dem Meeresspiegel“), einer isolierten Welt mit ihren eigenen Regeln, wo die Grenze für die einen die Zugehörigkeit zu einer Idee und für andere eine Tatsache bedeutete. So war es auch bei dem Auftragskiller, der zum Informanten wurde, sich in ein Motelzimmer verkroch, seine Verbrechen nachstellte und die Regeln der kriminellen Szene erklärte („El Sicario – Room 164“). Das Gleiche kann über die Menschen gesagt werden, die am Rand der Autobahn um Rom leben („Das andere Rom“).

In Lampedusa entdeckte ich die Funktionsweise – wenn man das so nennen kann – eines anderen Gefüges konzentrischer Welten, mit ihren eigenen Regeln und ihrem eigenen Zeitgefühl: die Insel, die Auffangstation, die Cigala Fulgosi. Es ist unmöglich, Lampedusa zu verlassen, genauso unmöglich, wie den Moment festzulegen, an dem die Filmaufnahmen abgeschlossen sind. Wenn das auch für alle meine Filme gilt, dann ganz besonders für diesen. Ein Ereignis brachte mich dazu, zu erkennen, dass sich der Kreis irgendwie schloss. Weil ich nach einem Meeting mit DR. BARTOLO entschieden hatte, diesen Film zu machen, fühlte ich, dass es notwendig war, zu dieser Begegnung zurückzukehren, um den Film abzuschließen. Ich ging zu Bartolo, aber dieses Mal mit der Kamera, um seine Aussage, seine Geschichte festzuhalten. Und wie zuvor, mit dem Blick auf den Bildschirm seines Computers gerichtet, wo das Archiv von 20 Jahren Rettungsarbeit gespeichert ist, gelang es ihm mit seiner immensen MENSCHLICHKEIT und Klarheit, das Ausmaß der Tragödie zu kommunizieren und die Pflicht, Hilfe und Zuflucht anzubieten. Das war genau das, was es brauchte, um den Film abzuschließen.



Samstag, 30. Juli 2016

Fantasien zur Nacht (Video): Sweet dreams




Sweet dreams 

HKW Berlin am Samstag: Sonex | La Gallera Social Club



Sonex | © Rodrigo Díaz Vogel
Sonex

Mexikos Global-Groove-Indie-Band der Stunde: Zum krönenden Wassermusik-Abschluss begeistern Sonex mit einem funky Update des Son Jarocho, Veracruz’ jahrhundertealter Volksmusik. Auf ihrem aktuellen Album Madre Natura sind illustre Gäste zu hören, wie der grammy-nominierte innovative Jazzbassist Panagiotis Andreou und der Saxofonist Jorge Pardo, der viele Jahre mit der Flamenco-Legende Paco de Lucía auftrat. Sonex’ musikalische Wurzeln sind präsent durch die Ukulelen-ähnliche Jarana Jarocha und die Requinto-Gitarre. Die leidenschaftlichen Melodien des Sängers und Requintospielers Luis Felipe Luna Farías kombiniert das Sextett mit afro-peruanischen und kubanischen Cajón-Rhythmen, Salsa und Flamenco ebenso wie mit Ausflügen in Richtung Jazz, Funk, Hip-Hop, Rock und Reggae und spontanen Zapateado-Tanzeinlagen.

www.sonex.mx


La Gallera Social Club | © Promo



La Gallera Social Club

Karibische Küstenrhythmen, psychedelisch elektrifiziert – diese Jungs modernisieren venezolanische Folklore mit Cumbia Digital und temperamentvollem Funk-Rock. „La gallera“ bezeichnet eigentlich die Arena, in der Hähne zum Kämpfen aufeinander losgelassen werden. Doch die Vier aus der Küstenstadt Maracaibo im Nordwesten Venezuelas verstehen sie als „Social Club“ – zum Amüsieren, zum Tanzen – und liefern dazu den energetisch treibenden Sound, immer mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Dass sie sich als Teil eines größeren, die Grenzen ihres Heimatlandes überwindenden Ganzen fühlen, zeigt auch der Titel ihres neuen Albums: Caribe.

www.lagallerasocialclub.com.ve

Freitag, 29. Juli 2016

Fantasien zur Nacht (Video): Hussy by Nature




Hussy by Nature

Am Freitag im HKW Berlin: Die Revolution des funky Biguine (Konzerte, Film)

Les Vikings de la Guadeloupe | © Promo,
Gestaltung: NODE Berlin Oslo
Die Vikings

Die Pioniere des Biguine Jazz sind zurück! Die Vikings gelten als Guadeloupes erste echte Rockstars: Sie verkörperten Freiheitssinn und Nonkonformismus in den von strengen Konventionen geprägten 1960ern und brachen als Teil einer neuen Generation junger Musiker*innen mit der Kultur der großen Tanzorchester. In der reduzierten Besetzung Gitarre, Perkussion und Bass fusionierten sie Funk, Creole Jazz, Calypso, Konpa und Merengue mit den guadeloupischen Gwoka und Biguine. Das Ergebnis ist ein moderner kreolischer Sound, ein Vorgänger des Zouk der 1980er. Die raren Originalscheiben der Vikings sind heute begehrt unter Plattenliebhaber*innen; durch Compilations und Reissues wurde ihr funky Creole Jazz zuletzt bekannter. Fünfzig Jahre nach ihren Anfängen ist die Band um Saxofonist Camille „Soprann“ Hildevert wieder vereint.

www.enmemetemps.com/les-vikings-de-la-guadeloupe


Michael Skinkus, Tom McDermott | © Promo,
Gestaltung: NODE Berlin Oslo
Tom McDermott

Der Pianist und Komponist Tom McDermott wuchs mit Ragtime und Jazz im New Orleans der 1960er auf. Mit den Dukes of Dixieland reiste er in den 1990ern durch die ganze Welt. Brasilianische Musik, die Beatles und europäische Klassik gleichermaßen liebend, ist er bekannt für seinen Eklektizismus und die außergewöhnliche Vielfalt seines Repertoires. An der kubanischen Batá-Trommel gesellt sich für die Wassermusik Perkussionist und Musikethnologe Michael Skinkus zu ihm. Er lernte bei Meistertrommlern aus Senegal, Haiti, Brasilien und Kuba und studierte den Einfluss der afrikanischen Diaspora im ausgehenden 19. Jahrhundert auf den New Orleans Jazz ebenso wie dessen Wurzeln in der karibischen Perkussion. Gemeinsam präsentieren sie u. a. Seltenheiten wie die karibischen Stücke von Louis Moreau Gottschalk (1829 –1869), dem ersten Komponisten, der afrikanische Rhythmen mit europäischen Harmonien kombinierte.

www.mcdermottmusic.com

Donnerstag, 28. Juli 2016

HKW Berlin am Donnerstag: Martinique – Kreolität und Imagination (Lesung, Gespräch, Film)



Am Anfang der „Kreolisierung der Welt“ stand die Insel Martinique: Ausgehend von ihr beschrieb Edouard Glissant Prozesse kultureller Globalisierung; mit der Créolité entwarf er eine Poetik der Vielstimmigkeit.

Patrick Chamoiseau ist einer ihrer bekanntesten Schriftsteller. Zuletzt erschien von ihm L'empreinte à Crusoé (Deutsch: Die Spur des Anderen, 2014), nominiert für den Internationalen Literaturpreis. 

Für den Regisseur Guy Deslauriers hat er sämtliche Drehbücher geschrieben. Ihr Film Passage du milieu imaginiert die Überfahrt im Sklavenschiff aus der Sicht eines der Verschleppten. Für Deslauriers und Chamoiseau liegt hier der Ursprung kreolischer Identität: „Es geht um eine Gegengeschichte, darum, die Leerstellen der offiziellen Geschichtsschreibung auszufüllen. Wir mussten hinunter in den Bauch des Schiffes. Dort beginnt die Imagination.“ 

Zum Vielklang des Abends gehört auch die Stimme von Lafcadio Hearn (1850 — 1904), der zurzeit in Deutschland wiederentdeckt und neu übersetzt herausgegeben wird. Seine Reportagen über Alltag und Folklore auf Martinique haben das von Chamoiseau mitverfasste Manifest Eloge de la Créolité entscheidend beeinflusst. Christian Filips’ Leseperformance erweckt seine Sprachgewalt zum Leben.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Kaiserslautern: Abenteuer beginnen im Kopf – der Lesesommer 2016


Abenteuer beginnen im Kopf – der Lesesommer 2016
4. Juli – 3. September
Abschlussparty:
Samstag, 10. September,
ab 11 Uhr

Was ist der Lesesommer? Eine Rheinland-Pfalz-weite Leseaktion der Bibliotheken für Kinder und Jugendliche von 6-16 Jahre.
Wo anmelden? bei uns (mit der Einverständniserklärung der Eltern). Die Ausleihe ist kostenfrei. Keine Jahresgebühr.
Welche Gewinne gibt es? An der Abschlussparty wird kräftig gefeiert, attraktive Preise vergeben und jede Leistung mit einer Urkunde gewürdigt. Darüber hinaus nimmt jede Bewertungskarte an einer landesweiten Tombola teil.
Wo ist das Buch zu bewerten? Online oder bei uns vor Ort in einem persönlichen Interview.

Interviewzeiten: donnerstags und freitags von jeweils 14-16 Uhr; samstags von 12-14 Uhr).

Lesen fördern
Sie möchten uns mit einer Geldspende unterstützen? Oder eine Sachspende tätigen? Setzen Sie sich mit uns in Verbindung.

https://www.lesesommer.de/
0631/3647-111
(Frau Löppenberg, nachmittags)
Online-Bewertungsbogen: 
https://www.lesesommer.de/buchtipps/buchtipp-abgeben/



Dienstag, 26. Juli 2016

Noch diese Woche! Starbesetzung bei den Wormser Nibelungen-Festspielen 2016



Uwe Ochsenknecht, Josef Ostendorf, Alexandra Kamp, Katja Weitzenböck, Dominic Raacke, Ismail Deniz, Michaela Steiger, Constanze Wächter, Sascha Göpel sowie Maximilian Laprell und Vladimir Burlakov, Dennenesch Zoudé und Ayse Bosse spielen vom 15. bis 31. Juli vor dem Wormser Dom im Rahmen der Nibelungen-Festspiele 2016 in „GOLD. Der Film der Nibelungen“. Zusätzlich darf man sich auf Heiner Lauterbach freuen, der in einem Videoeinspieler als Bürgermeister mitwirken wird. Zwei weitere Ensemblemitglieder werden noch bekannt gegeben. Insgesamt 16 Schauspieler und zehn Musiker werden vom 15. bis zum 31. Juli auf der imposanten Freilichtbühne vor dem Wormser Dom zu sehen sein.

„GOLD. Der Film der Nibelungen“: Ein Filmteam um den Regisseur Arsenij Kubik, den Produzenten Konstantin Trauer und den Drehbuchautor Charlie P. Weide nimmt vor dem Wormser Dom in einem Nachtdreh den Königinnenstreit zwischen Kriemhild und Brünhild auf. „Der Film der Nibelungen“, das war der Lebenstraum des exzentrisch-genialen Produzenten. Der junge Nachwuchsregisseur Kubik besetzt die Rolle der Kriemhild und Brunhild doppelt. Kubik will, dass das, was zwischen den Nibelungen geschah, auch zwischen seinen Schauspielern geschieht. Eine Flut von Gerüchten und Verleumdungen im Vorfeld des Drehs wurden von Peter Scheumer lanciert, dem Society-Reporter und engen Vertrauten Trauers. Die Stimmung ist explosiv, jeder intrigiert gegen jeden, jeder hat etwas zu verbergen und zu verlieren. Liebe, Rache, Gewalt, Tod und Leidenschaft: Das Nibelungenlied wird zum geheimen Drehplan. Und nicht nur im Streit der Königinnen eskaliert das Drama vor dem Dom. „GOLD“ erzählt von einem Filmteam, das sich liebt und hasst, zerfleischt und küsst, während alles rettungslos auf ein Finale zuläuft, in dem nicht nur eine Bombe platzt.

Uwe Ochsenknecht ist Trauer, Vladimir Burlakov Kubik, Josef Ostendorf Weide. „Vladimir Burlakov strahlt als Schauspieler eine große Ruhe und Schlagkraft aus, er ist ein Charakterdarsteller, der alle in seinen Bann zieht. Ich freue mich auf die Arbeit mit ihm in der Rolle des Regisseurs“, so der Regisseur Nuran David Calis. Scheumer wird von Dominic Raacke gespielt, Siegfried von Ismail Deniz. Constanze Wächter, Katja Weitzenböck, Dennenesch Zoudé und Michaela Steiger spielen die vier Schauspielerinnen, die für die Filmrollen der Kriemhild und der Brunhild vorgesehen sind. Calis zur Besetzung der Brunhild durch Dennenesch Zoudé: „Dennenesch Zoudé hat für mich eine zutiefst ätherische und sinnliche Ausstrahlung – zwischen Angriff und Rückzug – die den Zuschauer aus dem Gleichgewicht bringen wird.“ Hagen und Gunter werden von Sascha Göpel und Maximilian Laprell verkörpert. Alexandra Kamp schlüpft in die Rolle der Assistentin des Produzenten, Ayse Bosse in die einer Maskenbildnerin. Insgesamt 16 Schauspieler und zehn Musiker werden im Sommer auf der Freilichtbühne zu sehen sein. Zusätzlich darf man sich auf Heiner Lauterbach freuen, der in einem Videoeinspieler als Bürgermeister mitwirken wird.

Nibelungen-Festspiele Worms 2016
Vom 15. bis zum 31. Juli 2016 finden die Nibelungen-Festspiele das zweite Mal unter der Intendanz des bekannten Filmproduzenten Nico Hofmann statt. Autor des Stücks „GOLD. Der Film der Nibelungen“ ist Albert Ostermaier, Regie führt Nuran David Calis. Für das Rahmenprogramm zeichnen sich der Künstlerische Leiter Thomas Schadt und die Künstlerische Betriebsdirektorin der Nibelungen-Festspiele, Petra Simon, verantwortlich. Tickets und weitere Informationen gibt es bei allen Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen sowie unter www.nibelungenfestspiele.de.

Dankeschön
Die Nibelungen-Festspiele wären auch 2016 nicht ohne die Unterstützung aus der Wirtschaft realisierbar. Besonderer Dank gebührt den Master-Partnern Evonik Industries AG, EWR Aktiengesellschaft, Kultursommer Rheinland-Pfalz der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, Zweites Deutsches Fernsehen sowie der Fördergemeinschaft von Sparkasse Worms-Alzey-Ried, SV Sparkassen Versicherung, LBS Landesbausparkasse Rheinland-Pfalz, den Premium-Partnern Fachingen Heil- und Mineralbrunnen GmbH, Lotto Rheinland-Pfalz GmbH, Rheinhessenwein e. V. und Trans Service Team GmbH sowie den Haupt-Partnern Löhr Automobile Worms, Volksbank Alzey-Worms eG, Südwestrundfunk, Erzeugergemeinschaft Winzersekt GmbH, Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG und WISAG Facility Management Süd-West GmbH und vielen weiteren Partnern.

Kaiserslautern: Meine Nachbarn - die Künstler

promo

„Meine Nachbarn – die Künstler“:
Isabelle Girard de Soucanton


Isabelle Girard de Soucanton trifft Künstlerinnen und Künstler bei Ausstellungen, zu Hause oder in ihren Ateliers und hält Momente kreativen Schaffens mit der Kamera fest.

Aus Anlass ihres Geburtstages zeigt die Pfalzbibliothek eine Auswahl dieser Bilder. Grußworte kommen von Theo Wieder, Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz.


Seit vielen Jahren arbeitet die freie Bildjournalistin und Fotografin für verschiedene Printmedien. Daneben verfolgt sie ihre Leidenschaft der freien Fotografie. Ihre liebsten Motive sind die bildenden Künstlerinnen und Künstler. Sie trifft sie bei Ausstellungen, zu Hause oder in ihren Ateliers und hält Momente kreativen Schaffens mit der Kamera fest.

Isabelle Girard de Soucanton: „Die Fotoauswahl zu Meine Nachbarn – die Künstler basiert auf Porträt- und Reportagefotografie. Beide Genres konzentrieren sich auf das Persönliche im Alltäglichen, auf Eigenarten in ablaufenden Szenenfolgen. Es gilt – trotz Wissen um das Fotografiert-Werden – in jenem Sekundenbruchteil, den es für eine Aufnahme braucht, auszulösen, in dem die Menschen und Dinge eines Motivs etwas Wesentliches von sich erkennen lassen“.

Die Ausstellung ist bis 8. Oktober in der Pfalzbibliothek bei freiem Eintritt zu den üblichen Öffnungszeiten (Mo bis Fr 9 bis 16 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr) zu sehen.

Ausstellungseröffnung

Mittwoch, 27. Juli, 19 Uhr
Eintritt frei, Parkplatz im Hof






Montag, 25. Juli 2016

Faltsch Wagoni mitten im Dada-Jubiläum, und das schon seit Jahren




Liebe Leute,

ich bin ehrlich gesagt kein Freund der Tour de Frosch. Dieser ganze Bohei ist mir echt zuwider. Überhaupt dieser ganze menschengemachte Sportswahn geht mir ziemlich auf den Schenkel, also den Froschschenkel. Jetzt jagt ja ein Sport-Event den nächsten, erst die UEFA Euro - schon der Name zeigt, dass es da vor allem um Kröten geht - dann diese komische Tour und als nächstes Olympia! In Frosch-Kreisen redet man lieber von Otümplia. Unsereiner ist ja von Natur aus sportlich, Weitsprung, 3-Sprung, 4-Sprung, 5-Sprung … da gibt es kein Limit. Der Ochsenfrosch ist übrigens Rekordhalter mit über 2 Metern; um Entsprechendes zu schaffen, müsste der Mensch schlappe 100 Meter weit hopsen. Ich sage euch in Otümplia werden Spitzenleistungen vollbracht, davon könnt ihr nur träumen, aber natürlich geht das in der Öffentlichkeit total unter und auch Sky-TV hat sich hier noch nie blicken lassen.

Wi ar se Tschämpions
Im Tümpel-Triathlon
Springen, Tauchen, Zungenschnalzen
Und was ist der Lohn?

Nix Medaille, keine Presse
Beifall oder was?
Nicht mal einen lumpigen
Werbe-Job bei Adidas

Wir waren nicht in Sotschi
Wir kommen nicht nach Rio
Sogar die Russenfrösche unter uns
Sind ungespritzt und bio

Wir halten die Rekorde
Wir können nicht verlieren
Jes, wi are se Tschämpions
Die, die nie trainieren

Mit otümplischen Grüßen, euer Wetter-Frosch



TERMINE
Zum 100-jährigen Jubiläum von Dada, haben Faltsch Wagoni nochmal ihren Dauerbrenner "Deutsch ist Dada" aufgepeppt.


Sa 13.08. Regensburg Turmtheater >>> Ladies first,
Männer Förster
So 18.09. Heubach Silberwarenfabrik >>> Ladies first,
Männer Förster
Do 22.09. Kassel Theaterstübchen >>> Der Damenwal
Fr 23.09. Hamburg Theaterschiff >>> Der Damenwal
Sa 24.09. Lutterbek Lutterbeker Der Damenwal
Fr 30.09. Bamberg-Lohndorf Rehsaal der Brauerei Reh >>> Ladies first,
Männer Förster
Sa 01.10. Schweinfurt Disharmonie >>> Ladies first,
Männer Förster
So 02.10. Hannover TAK >>> Deutsch ist Dada hoch 3
Fr 07.10. Duisburg Die Säule >>> Ladies first,
Männer Förster
Sa 08.10.
So 09.10. Köln Bürgerhaus Stollwerck >>>

Sonntag, 24. Juli 2016

Wie war's bei Bizets CARMEN in der Frankfurter Oper?


(c) Monika Rittershaus
Bizets Oper CARMEN war schon in ihrer Uraufführung ein ungewöhnlicher Stoff für die ästhetischen Gewohnheiten des Bürgertums. Man darf sich nichts vormachen, die Figur der heißblütigen Carmen, Arbeiterin, Zigeunerin, leichtes Mädchen vereinend, hat mit Sicherheit die Männerwelt elektrisiert, kam doch einmal Amouröses und Libidinöses auf die Bühne, das sie sonst nur in Etablissements erleben durften oder als Lektüre. Schon Prosper Merimées Novelle von 1847 kam gut an, war Jahrzehnte ein Geheimtipp und Bestseller. Dennoch war Bizets Erfolg bei Uraufführung damit nur mäßig. Die Frauenwelt wird eifersüchtig und kritisch ihre Männer beobachtet haben, ob das etwas in Gang setzte, was das Eheleben gefährden könnte, und honore Männer zu Protestrufen aus Prestigegründen veranlasst haben.


Die ursprüngliche Fassung beinhaltete schon komische Elemente, mischte buffa und comique, Operette mit klassischer Oper. In Frankfurt mit der Inszenierung von Barrie Kosky kam eine weitere Interpretation des Stoffes hinzu. 140 Jahre später eine Metaebene erreicht, auf der zitiert und interpretiert, Geschichte verarbeitet werden kann. Es kommt noch amerikanisches Varieté dazu, die Treppe als Bühnenstilmittel von der Antike bis zum Broadway, Sozialkritisches auf den Spuren von J.R. Lenz SOLDATEN bis zu Brecht, eine grundlegende Verfremdung und Desillusionierung durch Kommentarfunktion mittels einer Stimme, spätestens überdeutlich beim winkenden Auferstehen der begehrenswerten Carmen am Ende der Oper.

Karikierende Tanzeinlagen nehmen den Ernst des Geschehens, zelebrieren das Ewigweibliche in seiner fordernden, dominanten und libertinären Emanzipation, die 1847 und 1875 die Bürger erschütterte, während sie bei sozial Benachteiligten, Arbeitern und Knechten schon bekannter war. Vorläuferinnnen waren wohl Salomé und Salonlöwinnen der französischen, englisch-schottischen Höfe, aber auch die Marketenderin Mutter Courage von Grimmelshausen (1670), auch Landstreicherin, Soldatin, Hure, siebenmalige Ehefrau und spätere Zigeunerkönigin. Legendäre "Weibsbilder", die die Öffentlichkeit erschütterten.

Kosky greift hier auch zu amerikanischen Gepflogenheiten im Show- und Filmbiz, das Gorillakostüm als Belustigung oder gar Horrorvariante. Was bei Carmen (vielgesichtig gespielt, eher stolz und unnahbar mit beeindruckender Stimme Tanja Ariane Baumgartner) irgendwie stört, es sei denn man würde eine Brücke zum Tierisch-Vamphaften schlagen, was zu stark ist. Dafür war sie erotisch zu reduziert. Für Witz und Horror auch zu schwach, sitzt die Gute auf der riesigen Treppe und wäre beinahe wegen des Kostüms gestolpert beim Hinsetzen. Vielleicht wurde ihre "Schlechtigkeit" zu lange und zu stark betrachtet, die heißblütige Zigeunerin voller Begehren, die sogar den starken Torero Escamillo (Andreas Bauer) dazu veranlasst die weltberühmte Passage "Auf in den Kampf, Torero" zu singen, als ob es eine Herausforderung mit Todesfolge sein könnte, mit Carmen eine Nacht zu verbringen.


(c) Monika Rittershaus
(c) Monika Rittershaus
Immer wieder denkt man daran, dass der todesmutige Macho hier eine regelrechte Versagensangst zeigt, dass die Männer leiden an der starken Frau, der eine wird aus Liebe und Begehren wider Willen straffällig, der andere befürchtet Image- und Stärkeverlust. Don José mit seinem Soldatenmantel wirkt von der Erscheinung nicht sonderlich galanmäßig, eher besitzergreifend (die zurzeit aktuellen Fessel- und Leinenspiele werden zitiert, José möchte sie, sie ihn, an sich fesseln und wie ein Tier an der Leine halten), er wirkt trotz seines authentischen Leidens zu grob, als ob er es mit Vieh zu tun hätte, seine Stimme (Luc Robert) dagegen überzeugend. Micaela, das liebenswerte Bauernmädchen (Juannita Lascarro), reizvolle Unschuld und Gewissensmahnerin schafft es nicht, den Don auf den wahren Weg zurückzubringen. Blind vor Wut und Eifersucht tötet er Carmen. Die gesamte Brisanz ist der Ermordung der Carmen allerdings durch die Aufhebung der Tat genommen. Interessante choreographische Arrangements, unvergesslich Carmen im schwarzen Kleid mit Riesenschleppe wie ein schwarzer Schmetterling über die Treppen ausgebreitet. Oder die langbeinige Carmen in engen Hosen und Highheels die Treppe hinunter- und hinaufsteigend. Eine CARMEN-Inszenierung in drei statt vier Akten, die Klischees im Kostüm und Bühnenbild weitgehend meidet, den Schauplatz auf die Treppen von Rom oder Madrid, Paris oder sonstwo verlegt und auf ein sehr fähiges Orchester unter Sebastian Weigle bauen kann.


Montag, 18. Juli 2016

Ist es im Brexit-Land besser als bei uns?

Wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, zogen im vorletzten Jahr 148.636 Deutsche aus Deutschland fort. Die meisten von ihnen wanderten in die Schweiz aus, gefolgt von den USA und Österreich. Auf dem vierten Platz der beliebtesten Ziele von deutschen Auswanderern: Großbritannien. Dank dem EU-Recht auf Freizügigkeit können die Bürger der EU-Länder in jedes andere Land der Gemeinschaft ziehen, um dort zu arbeiten. Sie brauchen dabei weder eine Arbeitserlaubnis noch werden sie in Bezug auf Sozialleistungen und Steuern anders behandelt als die Staatsangehörigen des Aufnahmelandes. Von diesem Recht machten auch viele Deutsche in Großbritannien gebraucht. 8.707 allein im Jahr 2014, wie die Grafik von Statista zeigt. Für sie wird sich noch zeigen, inwieweit der Brexit ihr Leben in der neuen Heimat beeinflusst.

Infografik: Großbritannien bei deutschen Auswanderern beliebt | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Samstag, 16. Juli 2016

Über 250.000 Fachkräfte aus England wollen nach D

Nicht nur in Brüssel und in den verbleibenden EU-Ländern war der Schreck über das Ergebnis des Brexit-Referendums in Großbritannien groß. Millionen Briten haben für den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt und fürchten nun die Konsequenten des anstehenden Austritts.

Experten erwarten, dass Großbritannien durch den Brexit gravierende wirtschaftliche Nachteile entstehen werden. Auch der Arbeitsmarkt könnte betroffen sein. Laut einer internationalen Arbeitsmarktumfrage der Online-Jobbörse StepStone planen zahlreiche britische Fachkräfte, ihre berufliche Karriere in einem anderen EU-Mitgliedsland fortzusetzen – 600.000 Briten planen demnach ihren ganz eigenen Brexit.

Als mögliches Zielland haben die abwanderungswilligen Briten vor allem Deutschland im Visier. 44 Prozent der hochqualifizierten Fachkräfte, die Großbritannien verlassen wollen, sehen Deutschland als mögliches Zielland.


Infografik: UK: 600.000 Fachkräfte auf dem Sprung | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista


Fantasien zur Nacht (Video): Asphyxia Noir



Asphyxia Noir

Freitag, 15. Juli 2016

Fantasien zur Nacht: "Everything To Lose" & "Let Us Move On"





"Everything To Lose" & "Let Us Move On"

Samstagabend in der Oper Frankfurt a.M.: C A R M E N

(c) Monika Rittershaus

CARMEN
GEORGES BIZET 1838 - 1875


Opéra comique in drei AktenText von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée (1845)
Uraufführung am 3. März 1875, Opéra-Comique, Paris
Nach der kritischen Ausgabe von Michael Rot für die Frankfurter Produktion eingerichtet von Constantinos Carydis
Gesprochene Texte nach Henri Meilhac, Ludovic Halévy und Prosper Mérimée eingerichtet von Barrie Kosky
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Einführung vor jeder Vorstellung eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Carmen ist – Statistiken zufolge – die meistgespielte Oper der Geschichte. Doch ausgerechnet ihre Popularität als »das« Liebesdrama aus Leidenschaft verstellt den Blick auf ihr wahres Potenzial. Es mag sowohl am Komponisten wie an der schillernden Titelfigur liegen – Bizets Partitur und seine Titelheldin entziehen sich jeglichen Festlegungen. Carmen gibt ihr Geheimnis nicht preis: Sie weiß nur, dass das Schicksal, dem sie unterworfen ist, unausweichlich ist. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb besteht sie auf ihrer Freiheit, die sie selbst um den Preis ihres Lebens nicht aufgeben will – im Gegensatz zum Sergeanten Don José, der in der Liebe nach Besitz und Dauer strebt. Aus der Unvereinbarkeit beider Geisteshaltungen und Lebensformen entstehen die tragischen Konflikte. José, dessen eifersüchtige Liebe zu Carmen ihn in immer neue Schwierigkeiten bringt, sinkt sozial von Stufe zu Stufe und wird schließlich zum gejagten Banditen. Ein letzter Versuch, mit der Geliebten ein neues Leben zu beginnen, scheitert an Carmens Weigerung, ihm zu folgen. Er ersticht sie.

Die Vorlage, Prosper Mérimées gleichnamige Novelle, spielt mit der französischen Spanienbegeisterung des 19. Jahrhunderts. Die Librettisten Meilhac und Halévy hielten sich zwar zum großen Teil an die Vorlage, erweiterten aber geschickt die Personenkonstellation. Durch diese Eingriffe ergab sich u.a. die Gegenüberstellung der konträren Frauenfiguren Micaëla und Carmen: einer Vertreterin des konservativen Frauenbildes und eine, ganz dem damaligen Klischee der Verführerin entsprechende, Femme fatale, die darüber hinaus auch für Selbstbestimmung und Freiheit steht. Durch unerwartete Brüche zwischen dem bissigen Ton der opéra bouffe und tiefer Tragödie sprengt er die Gattungsgrenzen. Lyrische Momente prallen auf die unheimlichen Revueklänge der Schmuggler in Bizets Musik.

Der Juli bei ECM

Eine wirkliche Sommerpause gibt es bei ECM in diesem Jahr nicht. Während wir mit großer Vorfreude den Deutschlandgastspielen von Carla Bley, Keith Jarrett, András Schiff und anderen mit ECM verbundenen Musikern in den kommenden Wochen entgegensehen (siehe dazu www.ecmrecords.com/concerts)  geht das Programm am 29. Juli mit zwei Neuheiten fort:

Mats Eilertsen ist durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Tord Gustavsen bekannt. Rubicon ist nun das erste Leader-Album des Bassisten auf ECM. Das Repertoire umfasst ausschließlich Originalmaterial von Eilertsen und Mitgliedern des international zusammengesetzten Ensembles. (Trygve Seim: Tenor- und Sopransaxophon; Eirik Hegdal: Sopran- und Baritonsaxophon, Klarinette und Bassklarinette; Thomas Dahl: Gitarre; Rob Waring: Marimba und Vibraphon; Harmen Fraanje: Klavier, Fender Rhodes; Olavi Louhivuori: Schlagzeug; Mats Eilertsen: Kontrabass). Die Besetzung mit zwei Bläsern, zwei unterschiedlichen Tasteninstrumenten und Gitarre führt zu besonders eigenständigen und an unterschiedlichen Stimmungen und Facetten reichen Arrangements.

Mit ihrer von den Folktraditionen Norwegens und Finnlands, Improvisation und Jazz durchdrungenen Musik hat die Sängerin und Kantele-Spielerin Sinikka Langeland einen ganz eigenen Platz in der europäischen Musik gefunden. Für ihr neues Album The Magical Forest versammelte Langeland wieder eine hochkarätige Besetzung um sich: Mit dem Trompeter Arve Henriksen, dem Saxophonisten Trygve Seim, dem Bassisten Anders Jormin und dem Percussionisten Markku Ounaskari hat sie bereits in verschiedenen Konstellationen zusammengearbeitet. Zu der neuen Aufnahme hat Sinikka Langeland nun erstmals auch das Trio Mediaeval eingeladen.

Trygve Seim spielt nicht nur auf den beiden eben angesprochenen Alben eine prägende Rolle als Sideman, Ende August erscheint zudem ein Album (Rumi Songs) des Saxofonisten unter seinem eigenen Namen, und auch noch eine Aufnahme desIro Haarla Quintet, an der er ebenfalls beteiligt ist.

Bei ECM New Series kommen zeitgleich Aufnahmen mit Carolin Widmann und dem Chamber Orchestra of Europe (sie haben das e-moll-Konzert, op. 64 für Violine und Orchester von Mendelssohn und Schumanns Violinkonzert in d-moll, WoO 23 eingespielt) und mit Frode Haltli, den Trondheim Soloists und dem Arditti Quartet (Werke von Bent Sørensen und Hans Abrahamsen). Detailliertere Informationen zu diesen Alben in Kürze.

Wie lange kleben Sie am PC-Monitor?

Die Deutschen verbringen immer mehr Zeit im Online-Modus. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet hervor. Mehr als die Hälfte ist mittlerweile täglich im Netz. Die Menschen sind aber nicht nur häufiger, sondern auch länger online. 14 Prozent der Internetnutzer sind an Werktagen vier Stunden oder länger im Netz unterwegs, das sind fast dreimal so viele wie 2012. Auch in Beruf oder Ausbildung (inkl. Schule und Universität) beansprucht das Internet deutlich mehr Raum: 2012 waren es nur drei Prozent der Onliner, die das Internet vier Stunden und länger nutzten; mittlerweile sind es 23 Prozent.


Infografik: Deutsche verbringen mehr Zeit online | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Donnerstag, 14. Juli 2016

Wie war's bei WOZZECK in der Frankfurter Oper?

Marie und WOZZECK
(c) Monika Rittershaus

Der Woyzeck, der Woyzeck, in einem Erdenleben geistert er einem mehrfach über den Weg, von der Schule angefangen bis zum letzten Theaterbesuch. Die Problematik des Tagelöhners, ausgebeuteten Proletariers mit deutlich psychotischen Zügen. Kommt's von den Genen oder von den Erbsen? Franz Woyzeck hat sich für Medikamentenexperimente bei monomanisch einseitiger Kost verdingt, damit er noch ein bisschen mehr Geld für den Unterhalt seines kleinen Jungen zur Verfügung stellen kann, den er gemeinsam mit Marie in einer unehelichen Lebensgemeinschaft hat. Als sie ihn betrügt, weil ein Tambourmajor mit seinem kitschig-protzigen Outlook sie verblendet, bricht für Woyzeck eine Welt zusammen. Er ersticht Marie, im Wahn, aus Eifersucht, weil er sich noch mehr erniedrigt fühlt - er wütet auch im Lokal, versucht auch andere anzugreifen, eine Spur von Amok.

Alban Berg hat eine der ersten, wenn nicht die erste Oper der Moderne daraus gemacht, atonale Musik und Gesang eingesetzt, um die Verzerrtheit dieser Welt entsprechend zu spiegeln. 1925 in Berlin uraufgeführt, entstand sie kriegs- und krankheitsbedingt mit großen Verzögerungen ab 1914. Nach der Uraufführung war WOZZECK nur bis 1932 auf den Spielplänen und musste dann als sog. "nervenklinisches Stück" aus den Opernhäusern weichen. Nach 1945 wurde sie wieder aufgenommen, jedoch insgesamt mit wenigen Aufführungen, haftete doch das lang anhaltende Stigma des angeblich Entarteten an ihr und ließ man einfach die Finger davon.
WOZZECK
(c) Monika Rittershaus

Seit Jahren wird sie wieder neu entdeckt, mehrfach und vor allem unterschiedlich interpretiert. In der Frankfurter Oper, im Rahmen der OPER FINALE - WIENER MODERNE, wurde Woyzeck ganz weit von Christof Loy in die Gegenwart reininszeniert, fast nichts Historisches in Kostümen und Bühnenbild, dagegen alles postmodern, bilderlos, wartend still, regelrecht skurril und Unikate wie bei Fassbinder oder Kroetz sammelnd, selbst bayrisch das "Volk" (sind doch einige Lederhosen-Trachtler bei den Statisten dabei). Auch Woyzeck, grandios gesungen vom Norweger Audun Iversen mit einem beeindruckenden Rollendebüt als psychisch Kranker, der sich nicht traut, seine Marie richtig anzufassen, als ob er ihr schon weh getan hätte, ein ganz moderner Arbeiter in Jeans und orangem T-Shirt, dem alten Tagelöhnerbild entkommen. Claudia Mahnke verkörpert eine lebenslustige und stolze Marie, anfällig zwar für Macho-Mannsbilder, ihren Franz schon lange als krank betrachtend, aber doch noch der Redlichkeit und dem Gewissen verpflichtet. Der Hauptmann, Peter Bronder hypochondrisch leidend am Vergehen der Zeit, am Altern und ängstlich vor dem Tod, versucht den Woyzeck wo auch immer hin zu dirigieren. Reitstiefel sind noch das letzte Zeichen seines Ranges. Der Doktor wiederum, Alfred Reiter, herrlich verzückt von der aberratio mentalis partialis des Woyzeck sieht nichts als die Evidenz der Erkrankung, die er wohl medikamentös mit zu verschulden hat. Die mystischen Schwarz-Weiß-Scherenschnitt-Szenen haben wiederum eine deutliche Zitatfunktion des frühen 19. Jahrhunderts, obgleich ein Mord selbstredend nicht romantisch wirken kann. Diese Ironie hat etwas massiv Kritisches, wie auch die Musik sich dem schnellen Gefallen entzieht, meisterhaft gespielt vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester und dirigiert von Sebastian Weigle. Bedrohlich, das Geschehen relativ grell beleuchtend, absolut antiromantisch, immer eine Spur überdehnt. Die psychotischen Szenen, bild- und wortgewaltig von Büchner vorgegeben, haben eine deutliche Warnfunktion. Es kommt etwas Fürchterliches auf euch zu, die Welt steht kopf, es wird gemordet ... Bergs Oper - mehrfach ungeeignet für die Diktatur und Verblendung zwischen 1933 bis 1945.


WOZZECK treibt Marie ins Schilf
(c) Monika Rittershaus

Mittwoch, 13. Juli 2016

In Deutschland lebende Briten springen ab vom britischen Sinkflug - sie wollen Deutsche werden

Nichts mehr wert wegen
populistischem Starrsinn? 


Mehr Briten wollen deutsche Staatsbürgerschaft

Nach dem Brexit-Referendum steigt das Interesse von Briten an einer deutschen Staatsbürgerschaft. Deutsche Ämter verzeichnen seit Tagen einen Anstieg entsprechender Anfragen von in Deutschland lebenden Briten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in größeren deutschen Städten ergab. Bei der Einbürgerungsbehörde etwa in Stuttgart stehen die Telefone nicht mehr still, wie eine Sprecherin mitteilte. „Es gab mehr als 50 Anfragen von britischen Staatsangehörigen zur Einbürgerung." Erste Einbürgerungsanträge seien bereits von britischen Staatsangehörigen abgeholt worden.
Auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Hamburg ist nach Auskunft der Behörden die Nachfrage nach deutschen Papieren gestiegen. Zuletzt (2015) lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 106.000 Menschen aus dem Vereinigten Königreich (England, Wales, Schottland und Nordirland) in der Bundesrepublik.

Entwicklungshilfe: Mekelle, Äthiopien




Entwicklungshilfe in Mekelle, Ethiopia

Montag, 11. Juli 2016

Schauspiel Frankfurt hat sich wirtschaftlich weiter verbessert

Das Schauspiel Frankfurt hat in der siebenten und vorletzten Saison unter der Intendanz von Oliver Reese seine bereits hohen Ticketeinnahmen, Besucher- und Abonnentenzahlen der vergangenen Spielzeiten abermals übertroffen.

In der zu Ende gehenden Saison besuchten 190.000 Zuschauer die meist ausverkauften Vorstellungen - das sind knapp 10.000 mehr als in der vorigen Spielzeit. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten konnten im Vergleich zur vorigen, bereits sehr erfolgreichen Spielzeit von 2.980.000 Euro auf 3.180.000 Euro gesteigert werden.

Einen weiteren Jahresrekord verzeichnet das Schauspiel Frankfurt bei der Publikumsauslastung. Sie liegt insgesamt bei durchschnittlich 88,6 Prozent und übertrifft damit ebenfalls den bisherigen Spitzenwert der vorigen Saison von 87,5 Prozent. Seit Beginn der Intendanz von Oliver Reese 2009 stieg die Zahl der Abonnenten um 175 Prozent auf derzeit 7.172.

Oliver Reese: »Es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit zu sehen, wie begeistert und offen uns das Publikum auch in unserer siebten und vorletzten Spielzeit gefolgt ist. Wir haben in dieser Saison zahlreiche neue Stücke mit internationalen und interdisziplinär arbeitenden Künstlern gezeigt. In den Thementagen zu Digitalen Welten wurden eindrücklich Szenarien der Zukunft in Diskussionen und Theaterstücken vor Augen geführt. Unser Festival Fluchtpunkt Frankfurt erfuhr derartige Resonanz, dass wir es im Oktober fortsetzen werden. Über 50.000 verkaufte Schüler- und Studentenkarten sind ein klares Zeichen dafür, dass das Schauspiel Frankfurt auch beim jungen Publikum großen Zuspruch erfährt.«

Jett Daffner bewegt alles, was fährt - 10 Jahre alter Junge mit Fahrtalent




Extreme driving talent 10 years old!! Jett Daffner



10 year old driving prodigy Jett Daffner has a ride session in his backyard driving 
a dirt bike, Raptor 700 quad, Rhino, Trophy Truck and Lincoln Navigator. 
A few major companies have seen Jett Daffner's talent, he is a currently racing 
on the weekends to build up the trophy collection!

Sonntag, 10. Juli 2016

Wie war's bei Schönbergs "Pierrot lunaire" und Langemanns "Anna Toll" im Bockenheimer Depot?

(c) Monika Rittershaus
 "Dreimal sieben Gedichte aus Albert Girauds Pierrot lunaire, op. 21" eröffneten die Premiere des Frankfurter Doppelevents zusammen mit Michael Langemanns "Anna Toll". Schönbergs konsequent atonales Werk mit symbolistisch überfrachteten Gedichten zur Dichtkunst und über einen Dichter, der sich zumindest für einen hält, des Belgiers Albert Giraud (1884) ist auch heute noch eine Herausforderung. 1912 hatte der Komponist so gewaltiger Werke wie "Moses und Aron" die Uraufführung seines durch und durch atonalen Werkes in Berlin. Vier Monate später in Prag reichte die musikalische Provokation voll aus für einen Theaterskandal. Die Kritiker litten in der Mehrheit unter den ungewöhnlichen Klängen und Gedichten, die auch heute merkwürdig blutarm, konstruiert und symbolistisch/expressionistisch todestrunken und dem Tode ausgeliefert wirken. Igor Strawinski, schon fasziniert, fühlte sich an den Kult um den Engländer Aubrey Beardsley erinnert, der sehr jung eigenwillige Karikaturen/Zeichnungen erstellte, in denen der Schwarzweiß-Kontrast dominierte. Auch die Giraudschen Gedichte greifen wiederholt Bilder von Nacht und Mond auf, der weiß angestrahlte Flecken auf Pierrots Kleidern oder auf Flächen, Gegenständen, Gesichtern etc. hinterlässt. "Eine bleiche Wäscherin wäscht zur Nachtzeit bleiche Tücher ..." heißt es in "Eine blasse Wäscherin". In fast allen Gedichten, ob "Mondestrunken", Colombine", "Der Dandy","Der kranke Mond", "Nacht", "Gebet an Pierrot", "Galgenlied", "Enthauptung" oder "Die Kreuze" werden diese an sich dezent gespenstisch dargebotenen, aber auch romantisch wirkenden Szenerien poetisch gefüllt, sodass eine Ästhetik entsteht, die heute von Modebewegungen wie z.B. "Gothic" neu zelebriert zu werden scheint. Wie transsylvanische Erotik wirkende Verse und christliche Bilder, apotheotisch die Madonna zur Mutter aller Verse erstehen zu lassen führen zum freiwilligen Opfertod des Dichters. 


(c) Monika Rittershaus
"Steig, o Mutter aller Schmerzen auf den Altar meiner Verse" fiebert der Dichter, sich als Sohn und Dichtkunsterbe der Göttin verstehend. Der Dichter möchte sich opfern, seine Gedichte "als blutige Hostie" erkennen und "Heilige Kreuze sind die Verse, dran die Dichter stumm verbluten". In die Nähe des Rausches gerückt mit einer Sisha und "türkischem Tabak" fantasiert das lyrische Ich von einer erbarmungslosen Suche nach noch mehr Ausdruckskraft bis hin zur Durchbohrung der Schädeldecke, um im Innern mehr zu entdecken. Die Bizarr- und Groteskheit der Innenwelt zeigt sich auch in absurden Verzerrungen der Außenwelt, das Mobiliar vergrößert, Stühle schießen zum Himmel empor. Im Frankfurter Bockenheimer Depot 
(c) Monika Rittershaus
in Szene gesetzt wird die Dichterwelt erlebbar in einem bizarren Rahmen, wo sich die stimmgewaltige Sängerin Laura Aikin in silbernem Zirkusdirektor-Galalook souverän im Gesang und dominant wie eine Dompteuse gebärt und dem jungen Dichter und Ödipus Welt beibringt. Dabei fing alles so harmlos an. In einer Bar bei „Moon River“ und „Blue Moon“ ...





Im zweiten Stück vom 1983 in Moskau geborenen Komponist Michael Langemann, Schüler Manfred Trojahns sowie George Benjamins, unternimmt der Komponist einen unterhaltsamen Ausflug in das Liebesleben moderner westlicher Gesellschaften. Und selbst islamische, mit Sprenggürtel und Koran bewaffnete, schaffen etwas Ähnliches, schenkt man dem neu erschienen Roman von Ramita Navai, "Stadt der Lügen", Glauben. Im heiligen Teheran, der Hochburg des Extremen, gibt es eine Undergroundszene, die man auch in Wien oder Berlin finden könnte. Arthur Schnitzlers "Anatol", aber auch deutlich der "Reigen" stehen Langemann Pate, daneben der Flaneur Peter Altenberg.

(c) Monika Rittershaus
Was Sigmund Freud in der Psychoanalyse entdeckte, bringt auch Arthur Schnitzler etwa zur gleichen Zeit zur Sprache: tabuisiertes Begehren, Lust am Leben, der Liebe, dem Sex als Sprache des Es, im Widerstreit mit Ich und Über-Ich. Freud sah sich geradezu als Seelenverwandter und gestand dies Schnitzler auch in einem Brief. Er wunderte sich, warum er nicht früher den Kontakt zu dem Schriftsteller suchte.
Alles, was in der bürgerlichen wilhelminischen Gesellschaft verschwiegen, vertuscht oder weggesperrt wurde, interessierte die beiden. Ebenso die Todesstrebungen, das Denken und Spielen mit dem Ende, in Beziehungen, im Leben. Und die Doppelmoral, zerbricht sich doch Anatol allen Ernstes den Kopf, ob seine (Haupt-)Geliebte ihn wirklich liebt, pflegt er selbst ganz ungeniert etliche Liebschaften.


(c) Monika Rittershaus
Die maskuline Egozentriertheit wird bei Langemann zur femininen. Aus Anatol wird Anna Toll, die ihr Begehren auslebt, narzistisch zur Queen gekrönt im Mittelpunkt aller sie begehrender Männer und Frauen stehen möchte. Mit Maxi führt sie eine homoerotische Freundschaft, aber ihr (Haupt-)Geliebter soll ihr unter Hypnose seine wahren Gefühle und seine Abhängigkeit verraten und bekräftigen. Alle Beteiligten sind dependente Anhänger der lustvollen und libertinären Sprache des Begehrens, wie im "Reigen" drehen sich die Beziehungen im Kreis, die Partner switchen weiter im Beziehungskarussell und jeder von ihnen ist ein riesiger Narzist, geblendet von seinem Spiegelbild. Anna Toll zerbricht sich am Hochzeitstag den Kopf, ob ein früherer Geliebter tatsächlich nun Gift nehmen würde, wäre sie nun "fest" vergeben. Es wird alles zur Farce, die Bemühungen um Besitz des Partners und Dauerhaftigkeit vergeblich. Wie wahr dieses Abbild unserer Psyche, die andere Dynamiken sucht als die feste Normen- und Werteordnung, auch wenn sie Letztere als verbindlichen Kulturcodex des gesellschaftlichen Miteinanders zumeist akzeptiert, in anderen Fällen ja sogar dringend braucht. Insofern erscheinen alle fortgeschritten einerseits in der Entbindung von der Konventionalität und andererseits im permanenten Bemühen das Liebesspiel dauerhaft am Laufen zu halten. In dieser Unverbindlichkeit entstehen freilich nicht minder tragische Einzelschicksale, die nicht mehr an der Enge, sonder an der Weite und Beliebigkeit leiden.


(c) Monika Rittershaus
Das Bühnenbild von Bernhard Niechotz und die Regie von Hans Walter Richter haben diese libidinöse Kreisdynamik in einem passendem Szenario verwirklicht, die Spirale klar erkennbar, die Tatorte dicht nebeneinander. Die Musik Langemanns eine ganz andere, Atonalität eher dezent, dafür bekannte Melodien angedeutet, Verdi, Wagner, Bernstein oder Richard Strauss zur musikalischen Interpretation und Akzentuierung anklingen lassend, die Operette mit einem heiteren swingenden Grundton ausstattend. Maxi (Nora Friedrichs)und Anna Toll (Elizabeth Reiter) zwei überzeugende reizende Gewächse, Baron Diebl (Magnús Baldvinsson), der Jägersmann, zum Fetisch für die konservative Damenwelt ausstaffiert mit absolut kessen Strumpfhaltern und Riesenboxershorts. Arthur (Dominic Betz), der wie ein alter Ego von Schnitzler erscheint, verzweifelt am meisten an dieser Unverbindlichkeit, damit hat er sich - wenn auch klar erkennbar - einer Kategorisierung und Wertung entzogen.