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| Wohninseln (AI, gemeinfrei) |
Die Preisbremse im Miet- und Wohnungsmarkt ist so wichtig, dass hier noch zehn weitere nachahmenswerte Erfolgsgeschichten aufgeführt werden, die zeigen, dass Wohnungs- und Mietpolitik gestaltbar ist, wenn Kommunen langfristig, konsequent und gemeinwohlorientiert handeln.
1. Ulm – strategische Bodenpolitik seit Jahrzehnten
Ulm betreibt seit den 1980er-Jahren eine aktive kommunale Bodenbevorratung. Die Stadt kauft Flächen frühzeitig auf und vergibt sie später konzeptgebunden statt zum Höchstpreis.
Erfolg: Grundstückspreise bleiben vergleichsweise stabil, soziale und genossenschaftliche Bauträger kommen überhaupt zum Zug.
Nachahmenswert: Bodenpolitik als zentrales Steuerungsinstrument – nicht der Markt entscheidet allein.
2. Freiburg im Breisgau – sozial gemischte Quartiere
Freiburg koppelt Neubaugebiete systematisch an Sozialwohnungsquoten, Genossenschaften und ökologische Standards (z. B. Vauban, Rieselfeld).
Erfolg: Neue Viertel sind sozial durchmischt, nicht segregiert; Mietsteigerungen verlaufen moderater als in vergleichbaren Städten.
Nachahmenswert: Stadtentwicklung als soziale Infrastruktur, nicht nur als Flächenausweisung.
3. Tübingen – Konzeptvergabe statt Höchstpreis
Tübingen verkauft städtische Grundstücke seit Jahren überwiegend über Konzeptvergaben: Entscheidend sind Nutzung, Preisbindung, Architektur und soziale Qualität – nicht der Kaufpreis.
Erfolg: Hoher Anteil an genossenschaftlichem, selbstgenutztem und preisgebundenem Wohnraum.
Nachahmenswert: Kommunen können den Charakter ihrer Quartiere aktiv bestimmen.
4. Münster – starke Wohnungsbaugesellschaft
Die städtische Wohn + Stadtbau GmbH fungiert als dauerhafter Preisanker auf dem Mietmarkt. Gewinne werden reinvestiert, nicht ausgeschüttet.
Erfolg: Stabilere Bestandsmieten, verlässlicher Neubau auch in angespannten Marktphasen.
Nachahmenswert: Kommunale Unternehmen als langfristige Akteure – nicht als Verkaufsmasse.
5. Zürich – Wohnraum als Gemeingut
Zürich verfolgt das Ziel, dass mindestens ein Drittel des Wohnraums gemeinnützig organisiert ist (Genossenschaften, Stiftungen, städtische Träger). Die Stadt vergibt Boden im Baurecht, nicht im Verkauf.
Erfolg: Dauerhaft bezahlbare Mieten auch in einem sehr teuren Markt.
Nachahmenswert: Boden bleibt öffentlich – Spekulation wird strukturell begrenzt.
6. Potsdam – kommunale Rückkäufe
Potsdam hat früh begonnen, Wohnungsbestände zurückzukaufen und die städtische ProPotsdam massiv auszubauen.
Erfolg: Hoher Anteil kommunaler Wohnungen, gezielte Mietsteuerung möglich.
Nachahmenswert: Re-Kommunalisierung als strategische Korrektur früherer Privatisierungen.
7. Erfurt – Stabilisierung durch Bestand
Erfurt hat große Teile seines kommunalen Wohnungsbestands behalten und modernisiert ihn sozialverträglich.
Erfolg: Moderate Mieten trotz wachsender Nachfrage, geringe Verdrängung.
Nachahmenswert: Bestandspflege ist oft wirksamer als teurer Neubau.
8. Chemnitz – Nutzung statt Verfall
Chemnitz setzt auf Umnutzung, Sanierung und Zwischenerwerb leerstehender Gebäude statt Abriss oder Spekulation.
Erfolg: Bezahlbarer Wohnraum, Revitalisierung ganzer Quartiere.
Nachahmenswert: Schrumpfungsstädte können Vorbilder für nachhaltige Wohnungspolitik sein.
9. Magdeburg – kommunale Wohnungswirtschaft als Anker
Die WOBAU Magdeburg agiert als preis- und strukturstabilisierender Akteur. Gewinne fließen in Neubau und Sanierung, nicht in Haushaltslöcher.
Erfolg: Stabiler Mietmarkt trotz sozialer Herausforderungen.
Nachahmenswert: Kommunale Unternehmen mit klarer Gemeinwohlbindung.
10. Greifswald – gezielte Steuerung in Wachstumsinseln
Greifswald kombiniert Hochschulwachstum mit klaren Miet- und Belegungsstrategien, etwa gegen möblierten Kurzzeitwohnraum.
Erfolg: Verdrängung von Studierenden und Normalverdienern wurde begrenzt.
Nachahmenswert: Kleine Städte können früh regulieren – und müssen es auch.
Diese Beispiele – besonders aus den neuen Bundesländern – zeigen:
Erfolg hängt nicht von Reichtum oder Größe ab, sondern von
- langfristigem Denken
- kommunalem Eigentum
- aktiver Bodenpolitik
- politischem Willen zur Steuerung
Gerade Ostdeutschland beweist, dass kommunale Handlungsmacht real existiert, wenn sie genutzt wird.
10 Kernforderungen an Kommunalpolitiker
- 1. Bodenpolitik zur Chefsache machen
Kommunen sollen Grund und Boden nicht mehr verkaufen, sondern dauerhaft im öffentlichen Eigentum halten (Erbpacht/Baurecht, Konzeptvergabe).
Kernsatz: Wer den Boden aus der Hand gibt, gibt die Wohnungspolitik aus der Hand.
- 2. Kommunalen Wohnungsbestand sichern und ausbauen
Keine weiteren Privatisierungen. Bestehende Bestände müssen erhalten, modernisiert und erweitert werden – notfalls durch Rückkäufe.
Kernsatz: Ohne eigenen Wohnungsbestand gibt es keine Mietsteuerung.
- 3. Neubau verbindlich sozial steuern
Jedes neue Baugebiet braucht verbindliche Quoten für preisgebundenen und genossenschaftlichen Wohnraum – ohne Ausnahmen.
Kernsatz: Freiwilligkeit reicht nicht – soziale Durchmischung muss Pflicht sein.
- 4. Konzeptvergabe statt Höchstpreis
Städtische Grundstücke dürfen nur nach sozialen, städtebaulichen und preislichen Kriterien vergeben werden, nicht an den Meistbietenden.
Kernsatz: Wohnqualität schlägt Bodenrendite.
- 5. Mietregulierung aktiv unterstützen
Kommunen müssen qualifizierte Mietspiegel, Beratungsstellen und konsequente Kontrolle von Zweckentfremdung, Leerstand und Kurzzeitvermietung aufbauen. Kernsatz: Rechte nützen nichts, wenn sie nicht durchgesetzt werden.
6. Bestand vor Neubau priorisieren
Sanierung, Umnutzung und Nachverdichtung sind oft schneller, günstiger und sozialer als Neubau auf der grünen Wiese.
Kernsatz: Die günstigste Wohnung ist die, die schon steht.
7. Verwaltung befähigen – nicht überlasten
Wohnungs- und Baupolitik braucht Personal, Kompetenz und Tempo: Bauämter, Liegenschaftsämter und Wohnungsämter müssen gestärkt werden.
Kernsatz: Ohne handlungsfähige Verwaltung bleibt jedes Programm Theorie.
- 8. Wohnen als Daseinsvorsorge definieren
Kommunen sollen Wohnen ausdrücklich als Teil öffentlicher Infrastruktur begreifen – wie Wasser, Verkehr oder Bildung.
Kernsatz: Wohnen ist kein Luxusgut, sondern Grundlage sozialer Stabilität.
- 9. Transparenz und Verbindlichkeit herstellen
Klare Zielzahlen (kommunaler Wohnungsanteil, Sozialquote, Mietobergrenzen), regelmäßige Berichte und öffentliche Kontrolle.
Kernsatz: Was nicht gemessen wird, wird politisch verdrängt.
10. Früh handeln – nicht erst in der Krise
Gerade kleinere Städte müssen präventiv steuern, bevor Wohnungsmangel und Verdrängung eskalieren.
Kernsatz: Die Wohnkrise kommt schleichend – und bleibt lange.

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