Braun ist der Clown © Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl
Helau? Schau genau!
Helau! Allaaf! Lei-Lei!
Die Narren übernehmen gerade die Macht. Sie sind auf der Straße. Sie besetzen Rathäuser. Sie sind überall.
Denn: Es ist Karneval! Oder Fastnacht, wie man Alemannischen und Fränkischen sagt.
Oder Fasching, wie es in Bayern und Österreich heißt.
Oder Faschismus, wie es die Politologen nennen.
Aber: Halt nein.
Das ist ja was anderes. Glaubt man zumindest.
Dabei hängt es miteinander zusammen.
Man muss nur auf die Details achten.
Folgende Ausgangssituation:
Menschen auf der Straße, laut, unangenehm und in völliger Eintracht. Fasching, Fußball oder Faschismus?
Da muss man Fragen stellen, um das herauszufinden.
Frage Nummer eins:
Sind die Menschen uniformiert, haben also alle das gleiche an?
Ja?
Okay. Damit sind die Faschingsgilden und Karnevalisten raus.
Bleiben: Fußball-Fans, Polizei oder paramilitärische Einheiten eines faschistischen Regimes.
Daher Frage Nummer zwei:
Prügeln Sie auf andere ein?
Ja?
Dann sind große Teile der Fußball-Fans raus, nur die Hooligans bleiben, zusammen mit Polizei und den faschistischen Paramilitärs.
Frage drei:
Sind sie - während sie auf Leute einprügeln - besoffen?
Nein?
Dann sind die Hooligans auch draußen.
Frage Nummer vier:
Prügeln sie ausschließlich auf Leute ein oder sieht man sie ab und zu auch andere Tätigkeiten ausführen? z.B.: den Verkehr regeln, Staatsbesuche absichern, Kriminalfälle lösen (im TV etwa)?
Nein?
Dann sind es faschistische Paramilitärs.
Gratulation!
Also besser gesagt: Versteck Dich!
Vor allem, wenn Du eine andere Hautfarbe, Nationalität oder Überzeugung hast. Am besten Du tauchst unter.
Also nimm Dein Erspartes, Deine Liebsten und mach Dich vom Acker. Guter Tipp: Verkleide Dich!
Und - Zack! - schon haben wir die Grenze vom Faschismus zum Fasching überschritten. Der Unterschied ist allerdings beim Fasching verkleiden sich alle, die mitmachen wollen und beim Faschismus alle, die nicht mitmachen wollen.
Wobei das auch nicht ganz stimmt.
Im Faschismus verkleiden sich die Leute, die mitmachen wollen, schon auch. Und zwar als einheitliche, gesichtslose Masse, in der alle braune Hemden tragen. Oder schwarze. Oder russische Uniformen. Oder amerikanische Uniformen, auf denen „ICE“ steht.
Kurz gesagt: Wer mitmachen will, der kriegt das Narrenkostüm gestellt. Und es ist für alle dasselbe.
Und es sieht - Böarx! - aus.
Der wichtigste Unterschied zwischen Fasching und Faschismus ist aber: Einer von beiden geht von ganz allein zu Ende.
Spoiler: Der Faschismus ist es nicht.
Wer’s nicht glaubt, frage die Spanier (mindestens 36 Jahre Erfahrung damit), die Portugiesen (mindestens 41 Jahre) oder seine Groß- oder Urgroßeltern (hoffentlich noch am Leben, mindestens 90 Jahre).
Wie angenehm dagegen:
Fasching. Oder Fastnacht. Oder Karneval.
Wie immer man es nennen mag: Es ist garantiert am Aschermittwoch zu Ende. Von ganz alleine!
Da muss kein alter starrsinniger Mann endlich abkratz… treten, da muss keine Nelkenrevolution gemacht werden, kein Amerikaner, kein Brite, kein Franzose und kein Sowjetmensch die braune Geisteskrankheit jahrelang bekämpfen.
Nein, da reicht einfach ein Blick auf den Kalender und alle wissen: Aus is’!
Und dann ziehen alle wieder ihre mehr oder minder lustigen Kostüme aus, gehen nach Haus und schlafen ihren Rausch aus.
(Apropos Aus: Damit dieser Newsletter auch weiter existiert, kann man ihn auch unterstützen. Alle Infos unten)
Angenehm berechenbar die Faschingsleute.
Auch ihre Kostüme….ja, okay, vielleicht arg geschmacklos, vielleicht aggressiv bunt, vielleicht entrückend erbärmlich.
Aber: keine Uniformen!
Jedes auf seine Art eigen. Individuell irritierend. Eigenständig entsetzlich. Unique unterschiedlich.
Komische Katzen, Revolverhelden, Prinzessinnen (meist männlich), Superhelden (gerne weiblich), Figuren aus dem Lieblingscomputerspiel (offline und analog), kaputte Clowns und andere Gestalten aus der näheren und ferneren geistigen Nachbarschaft.
Bescheuert? Mag sein.
Aber die Leute, die das anhaben, haben einen riesigen Vorteil: Sie sind sich völlig bewusst, dass sie sich gerade wie geistig Herausgeforderte aufführen. Deshalb nennen sie sich ja „Narren“.
Das ist der Unterschied zu den Faschisten.
Die haben auch alle lächerliches Zeug an - noch dazu alle dasselbe - haben aber keine Ahnung, das sie in Wahrheit völlig bescheuert sind. Und das ist ist noch freundlich ausgedrückt. Man könnte auch sagen, sie sind eine Masse aus lauter geistig verwirrten Einzeltätern.
Und sie schaffen es ja nicht einmal richtig „Helau“ zu sagen, bringen nur ein kümmerliches „Heil“ hervor.
Deshalb sollte man auch sehr darauf achten, dass in unseren Breiten, der Faschismus nicht wieder ausbricht, sonst findet das Treiben der gefährlichen Narren wieder kein Ende.
In diesem Sinne: Hoch, Hoch, Hoch… der Aschermittwoch!
——
groebner live:
Donnerstag 19.2. Frankfurt, Stalburg Theater
Freitag 20.2. Stuttgart, Rosenau
Dienstag 24. - Donnerstag 26.2. Wien, Theater Drachengasse (Nur noch Restkarten!)
Freitag 27. 2. Steyr, Akku Kulturzentrum
Samstag 28.2. Gutenbrunn, Truckerhaus
Freitag 6.3. Nürnberg, Burgtheater
Samstag 7.3. Neustadt a.d. Weinstraße, Hambacher Schloß
Sonntag 8.3. Düsseldorf, Kommödchen
Freitag 13.3. Offenbach Filmklubb
Und, und, und…alle Termine gibt es hier.
groebner gesehen:
In der wunderbaren Sendung „Schlachthof“ im Bayerischen Fernsehen war ich zu Gast.
Und durfte dort eine Kostprobe meines Regierungsprogramms „Ich bin das Volk!“ geben.
In der Abendschau im BR gab es sogar einen eigenen Premierenbericht.
Den kann man sich hier anschauen.
Der freundliche Sender 3Sat hat übrigens mein voriges Programm „ÜberHaltung“ ausgestrahlt.
Für alle, die es noch nicht gesehen haben, die haben jetzt in der Mediathek (Achtung Wortwitz) das Nachsehen.
groebner gehört:
Kennt Ihr schon mein Satire-Pop-Album „Nicht mein Problem“?
Es ist sehr gut.
Zusammen mit den sehr geschätzten Kolleginnen und Kollegen Fine Degen, Ella Carina Werner, Jess Jochimsen und Sascha Bendiks (ich schätze alle… mindestens drei Jahre jünger, als sie eigentlich sind) war ich auf Schloß Kapfenburg und habe dort bei für SWR Kultur die „Nacht der Poet:Innen“ mit lustigen Texten bestritten.
Teil eins könnt Ihr Euch hier anhören.
Teil zwei auch, aber hier.
Das „Ende der Welt“ gibt es auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek zu hören.
Dort denke ich darüber nach, was der Unterschied zwischen Krapfen und Berliner ist. Oder isst.
Und warum es den Wiener Opernball wirklich gibt, erfährt man auch. Und zwar hier.
Einen neuen Song (ist die Zugabe vom neuen Programm, aber psst!) kann man direkt auf der Homepage hören.
groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.
Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

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