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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dienstag, 24. Februar 2026

Teil 2 zu Warum schafft es der Bund nicht, die Preisbremse im Miet- und Wohnungsmarkt zu treten?

Wohninseln (AI, gemeinfrei)


Die Preisbremse im Miet- und Wohnungsmarkt ist so wichtig, dass hier noch zehn weitere nachahmenswerte Erfolgsgeschichten aufgeführt werden, die zeigen, dass Wohnungs- und Mietpolitik gestaltbar ist, wenn Kommunen langfristig, konsequent und gemeinwohlorientiert handeln.


1. Ulm – strategische Bodenpolitik seit Jahrzehnten

Ulm betreibt seit den 1980er-Jahren eine aktive kommunale Bodenbevorratung. Die Stadt kauft Flächen frühzeitig auf und vergibt sie später konzeptgebunden statt zum Höchstpreis.

Erfolg:
Grundstückspreise bleiben vergleichsweise stabil, soziale und genossenschaftliche Bauträger kommen überhaupt zum Zug.
Nachahmenswert: Bodenpolitik als zentrales Steuerungsinstrument – nicht der Markt entscheidet allein.

2. Freiburg im Breisgau – sozial gemischte Quartiere

Freiburg koppelt Neubaugebiete systematisch an Sozialwohnungsquoten, Genossenschaften und ökologische Standards (z. B. Vauban, Rieselfeld).

Erfolg:
Neue Viertel sind sozial durchmischt, nicht segregiert; Mietsteigerungen verlaufen moderater als in vergleichbaren Städten.
Nachahmenswert: Stadtentwicklung als soziale Infrastruktur, nicht nur als Flächenausweisung.

3. Tübingen – Konzeptvergabe statt Höchstpreis

Tübingen verkauft städtische Grundstücke seit Jahren überwiegend über Konzeptvergaben: Entscheidend sind Nutzung, Preisbindung, Architektur und soziale Qualität – nicht der Kaufpreis.

Erfolg:
Hoher Anteil an genossenschaftlichem, selbstgenutztem und preisgebundenem Wohnraum.
Nachahmenswert: Kommunen können den Charakter ihrer Quartiere aktiv bestimmen.

4. Münster – starke Wohnungsbaugesellschaft

Die städtische Wohn + Stadtbau GmbH fungiert als dauerhafter Preisanker auf dem Mietmarkt. Gewinne werden reinvestiert, nicht ausgeschüttet.

Erfolg: Stabilere Bestandsmieten, verlässlicher Neubau auch in angespannten Marktphasen.
Nachahmenswert: Kommunale Unternehmen als langfristige Akteure – nicht als Verkaufsmasse.

5. Zürich – Wohnraum als Gemeingut

Zürich verfolgt das Ziel, dass mindestens ein Drittel des Wohnraums gemeinnützig organisiert ist (Genossenschaften, Stiftungen, städtische Träger). Die Stadt vergibt Boden im Baurecht, nicht im Verkauf.

Erfolg: Dauerhaft bezahlbare Mieten auch in einem sehr teuren Markt.
Nachahmenswert: Boden bleibt öffentlich – Spekulation wird strukturell begrenzt.

6. Potsdam – kommunale Rückkäufe

Potsdam hat früh begonnen, Wohnungsbestände zurückzukaufen und die städtische ProPotsdam massiv auszubauen.

Erfolg:
Hoher Anteil kommunaler Wohnungen, gezielte Mietsteuerung möglich.
Nachahmenswert: Re-Kommunalisierung als strategische Korrektur früherer Privatisierungen.

7. Erfurt – Stabilisierung durch Bestand

Erfurt hat große Teile seines kommunalen Wohnungsbestands behalten und modernisiert ihn sozialverträglich.

Erfolg:
Moderate Mieten trotz wachsender Nachfrage, geringe Verdrängung.
Nachahmenswert: Bestandspflege ist oft wirksamer als teurer Neubau.

8. Chemnitz – Nutzung statt Verfall

Chemnitz setzt auf Umnutzung, Sanierung und Zwischenerwerb leerstehender Gebäude statt Abriss oder Spekulation.

Erfolg:
Bezahlbarer Wohnraum, Revitalisierung ganzer Quartiere.
Nachahmenswert: Schrumpfungsstädte können Vorbilder für nachhaltige Wohnungspolitik sein.

9. Magdeburg – kommunale Wohnungswirtschaft als Anker

Die WOBAU Magdeburg agiert als preis- und strukturstabilisierender Akteur. Gewinne fließen in Neubau und Sanierung, nicht in Haushaltslöcher.

Erfolg:
Stabiler Mietmarkt trotz sozialer Herausforderungen.
Nachahmenswert: Kommunale Unternehmen mit klarer Gemeinwohlbindung.

10. Greifswald – gezielte Steuerung in Wachstumsinseln

Greifswald kombiniert Hochschulwachstum mit klaren Miet- und Belegungsstrategien, etwa gegen möblierten Kurzzeitwohnraum.

Erfolg:
Verdrängung von Studierenden und Normalverdienern wurde begrenzt.
Nachahmenswert: Kleine Städte können früh regulieren – und müssen es auch.


Diese Beispiele – besonders aus den neuen Bundesländern – zeigen:
Erfolg hängt nicht von Reichtum oder Größe ab, sondern von

  • langfristigem Denken
  • kommunalem Eigentum
  • aktiver Bodenpolitik
  • politischem Willen zur Steuerung

Gerade Ostdeutschland beweist, dass kommunale Handlungsmacht real existiert, wenn sie genutzt wird.



10 Kernforderungen an Kommunalpolitiker

    1. Bodenpolitik zur Chefsache machen
    Kommunen sollen Grund und Boden nicht mehr verkaufen, sondern dauerhaft im öffentlichen Eigentum halten (Erbpacht/Baurecht, Konzeptvergabe).
    Kernsatz: Wer den Boden aus der Hand gibt, gibt die Wohnungspolitik aus der Hand.
    2. Kommunalen Wohnungsbestand sichern und ausbauen
    Keine weiteren Privatisierungen. Bestehende Bestände müssen erhalten, modernisiert und erweitert werden – notfalls durch Rückkäufe.
    Kernsatz: Ohne eigenen Wohnungsbestand gibt es keine Mietsteuerung.
    3. Neubau verbindlich sozial steuern
    Jedes neue Baugebiet braucht verbindliche Quoten für preisgebundenen und genossenschaftlichen Wohnraum – ohne Ausnahmen.
    Kernsatz: Freiwilligkeit reicht nicht – soziale Durchmischung muss Pflicht sein.
    4. Konzeptvergabe statt Höchstpreis
    Städtische Grundstücke dürfen nur nach sozialen, städtebaulichen und preislichen Kriterien vergeben werden, nicht an den Meistbietenden.
    Kernsatz: Wohnqualität schlägt Bodenrendite.
    5. Mietregulierung aktiv unterstützen
    Kommunen müssen qualifizierte Mietspiegel, Beratungsstellen und konsequente Kontrolle von Zweckentfremdung, Leerstand und Kurzzeitvermietung aufbauen. Kernsatz: Rechte nützen nichts, wenn sie nicht durchgesetzt werden.

    6. Bestand vor Neubau priorisieren
    Sanierung, Umnutzung und Nachverdichtung sind oft schneller, günstiger und sozialer als Neubau auf der grünen Wiese.
    Kernsatz: Die günstigste Wohnung ist die, die schon steht.

    7. Verwaltung befähigen – nicht überlasten
    Wohnungs- und Baupolitik braucht Personal, Kompetenz und Tempo: Bauämter, Liegenschaftsämter und Wohnungsämter müssen gestärkt werden.
    Kernsatz: Ohne handlungsfähige Verwaltung bleibt jedes Programm Theorie. 
    8. Wohnen als Daseinsvorsorge definieren
    Kommunen sollen Wohnen ausdrücklich als Teil öffentlicher Infrastruktur begreifen – wie Wasser, Verkehr oder Bildung.
    Kernsatz: Wohnen ist kein Luxusgut, sondern Grundlage sozialer Stabilität.
    9. Transparenz und Verbindlichkeit herstellen
    Klare Zielzahlen (kommunaler Wohnungsanteil, Sozialquote, Mietobergrenzen), regelmäßige Berichte und öffentliche Kontrolle.
    Kernsatz: Was nicht gemessen wird, wird politisch verdrängt.

    10. Früh handeln – nicht erst in der Krise
    Gerade kleinere Städte müssen präventiv steuern, bevor Wohnungsmangel und Verdrängung eskalieren.
    Kernsatz: Die Wohnkrise kommt schleichend – und bleibt lange.