SV Verlag

SV Verlag mit Handy oder Tablet entdecken!
Die neue Generation der platzsparenden Bücher - klein, stark, leicht und fast unsichtbar! E-Books bei viereggtext! Wollen Sie Anspruchsvolles veröffentlichen oder suchen Sie Lesegenuss für zu Hause oder unterwegs? Verfolgen Sie mein Programm im SV Verlag, Sie werden immer etwas Passendes entdecken ... Weitere Informationen

.

.
Dichterhain, Bände 1 bis 4

.

.
Dichterhain, Bände 5 bis 8

Übersetze/Translate/Traduis/Tradurre/Traducir/переводить/çevirmek

Freitag, 14. August 2026

Fantasien zur Nacht: Short 3

(c) Stefan Vieregg - mit KI generiert 

Alexander sitzt auf dem alten Steg, die Füße im Sand. Sonnenuntergang, Traumstrand - was will man mehr, aber seine Gedanken sind trotzdem im Labor. Der Job läuft. Mehr als das. Zukunftsplaner, sagt er selbst gern. Sein Projekt gerade: Methanol aus der Luft mittels CO2. Einfach CO2 aus der Atmosphäre ziehen und daraus einen Brennstoff machen, der die bestehende Welt weiter nutzen kann - Tankstellen, Pipelines, Motoren. Kein Abriss, sondern Weiterdenken. Eine Idee, die auch sein großes Vorbild Jean Pütz immer gepredigt hat. Methanol verbrennt mit sehr hoher Oktanzahl, extrem sauber und fast rußfrei, und das dabei freiwerdende CO2 ist genau jenes, das vorher aus der Luft geholt wurde,  - damit bleibt die gesamte bestehende Tankstellen- und Motoren-Infrastruktur nutzbar. Na ja, zugegeben, es enthält nur etwa halb so viel Energie wie Benzin, man braucht doppelt so große Tanks, zündet bei Kälte schlecht und greift normale Dichtungen und Leitungen an, weshalb Tank und Motor dafür umgerüstet werden müssen, aber das ist zu schaffen. Wird es aus grünem Strom hergestellt plus Wasserstoff aus Wasser-Elektrolyse plus CO2 direkt aus der Luft - verbrennt man im Motor nur das CO2, das vorher aus der Luft geholt wurde. Möglich ist eine Reduktion im Ausstoß von 80 bis 95%. Das ist phänomenal!  

Der Preis dafür: Keine Freizeit. Spät heim, am Wochenende die Forschungsreihen checken, dazwischen mal einen kurzen Treff mit Freunden. Für die Freundin auch nur wenig Zeit. Die letzte Beziehung ist daran zerbrochen. Ihr Satz hängt noch nach: "Lieber suche ich mir einen anderen, als schon so früh auf meinen Freund zu warten." Sie hatte nicht ganz unrecht. Manches muss aber eben mal vorgehen. In solchen Zeiten muss jeder schauen, wie er sich verwirklicht und was er erreichen will.

Und jetzt sitzt er hier. Alleine im Paradies. Genau wie früher: Alleine im Urlaub. Natürlich hat keiner Zeit, wenn er mal Zeit hat. Billig ist dieser Urlaub ja auch nicht. Er seufzt, will aufstehen - und bleibt mit den Augen hängen. Drüben an der Beach-Bar. Sie! Genau sein Typ. Nicht aufgetakelt, sondern sonnengebräunt, natürlich, mit diesem offenen, freundlichen Lachen, das gar nicht zu einer allein sitzenden Frau im Paradies passt.

Alexander, der verkopfte Tüftler, der Erfinder, der für jede CO2-Bilanz eine Formel hat, hat für genau diese Situation keine. Er weiß nur: Das wird kein leichter Flirt. Das wird eher abenteuerlich. Er wird vielleicht stammeln, sie wird lachen, er wird einen komischen Spruch über Limetten bringen. Und wer weiß, was dabei herauskommt. Vielleicht ja der erste Urlaub, in dem er einen anderen Flug zurück nimmt.

                                                  (c) Stefan Vieregg


Donnerstag, 13. August 2026

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM AUGUST UND SEPTEMBER 2026

Petr Sokolov (Bariton / Mazeppa;
Bildnachweis: Oles Paritskiy)



Sonntag, 13. September 2026, um 18 Uhr im Opernhaus

Premiere / Frankfurter Erstaufführung

MAZEPPA

Oper in drei Akten und sechs Bildern von Peter I. Tschaikowski

In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Karsten Januschke; Inszenierung: Matthew Wild
Mitwirkende: Petr Sokolov (Mazeppa), Nombulelo Yende (Maria), Alexander Roslavets / Alex Birkus (Kotschubej), Mikhail Pirogov (Andrej), Karolina Makuła (Ljubow), Jarrett Porter (Orlik), Jihun Hong (Iskra), Kudaibergen Abildin (Betrunkener Kosak)

Weitere Vorstellungen: 18., 20., 26. September, 1., 4. (15.30 Uhr), 10., 15. Oktober 2026
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 18 Uhr.
Preise: € 16 bis 198 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Übernahme einer Produktion der Tiroler Festspiele Erl
Mit freundlicher Unterstützung des Patronatsvereins – Sektion Oper


Mazeppa
ist wohl die düsterste und pessimistische Oper des erfolgreichen Komponisten Peter I. Tschaikowski (1840–1893). Das Werk, das 1881 bis 1883 entstand, basiert wie seine Erfolgsopern Eugen Onegin und Pique Dame auf einer Vorlage von Alexander Puschkin. Tschaikowskis Partitur entfaltet eine enorme theatrale Wirkung: Sie verbindet martialische und grelle Klangfarben, die bereits auf Komponisten wie Schostakowitsch vorausweisen, mit Momenten betörender lyrischer Schönheit. Die Musik nutzt dabei volksmusikalische Quellen ukrainischen und russischen Ursprungs, um die emotionale Tiefe der ambivalent gezeichneten Charaktere auszuloten. In der Inszenierung von Regisseur Matthew Wild, die nach der Premierenserie in Erl 2024 nun in Frankfurt zu sehen ist, wird das Stück zu einer zeitlosen politischen Parabel über eine Elite, die ihre Konflikte auf dem Rücken der eigenen Bevölkerung austrägt. Der Bayerische Rundfunk bewertete Wilds Inszenierung bei der Premiere in Erl als „beklemmend aktuell und unbedingt sehenswert“.

Maria, die Tochter des reichen Kotschubej, liebt den deutlich älteren General Mazeppa. Gegen den Willen ihres Vaters gehen die beiden eine Verbindung ein, woraufhin Kotschubej Mazeppa wegen Hochverrats beim Zaren anzeigt. Doch die Intrige scheitert: Der Zar glaubt Mazeppa und lässt Kotschubej hinrichten. Getrieben von unstillbarer Machtgier greift Mazeppa schließlich selbst nach der Krone und stürzt das Land in einen blutigen Bürgerkrieg. Während um sie herum die menschliche Zerstörungswut grassiert, verliert Maria zunehmend den Verstand… 

Dirigent Karsten Januschke leitet die Frankfurter Erstaufführung von Tschaikowskis Oper musikalisch. Bis 2015 war er der Oper als Kapellmeister verbunden. In der vergangenen Spielzeit dirigierte er Jacques Offenbachs Operette Die Banditen. In Frankfurt erarbeitete er sich in seiner Zeit als Kapellmeister ein breit gefächertes Repertoire über sämtliche Epochen. Regisseur Matthew Wild inszenierte an der Oper Frankfurt zuletzt erfolgreich Tannhäuser von Richard Wagner. Eine Produktion, die im Januar 2027 wieder aufgenommen wird. Im Januar 2026 inszenierte er Rossinis Klassiker Der Barbier von Sevilla in Bonn, im Mai folgte seine Lesart von Le nozze di Figaro an der Oper in Oslo. Wie auch bei der Premierenserie in Erl singt Petr Sokolov Mazeppa. Nombulelo Yende verkörpert die Partie der Maria. Seit der Spielzeit 2024/25 ist sie Teil des Ensembles der Oper Frankfurt, vorher war sie im Opernstudio. In der nun anstehenden Spielzeit ist sie auch solistisch im Museumskonzert, sowie bei den Opernproduktionen La fiamma und Aida zu erleben. Die Salzburger Nachrichten lobten die Titelpartien bei der Premiere in Erl: „Petr Sokolov brilliert als tragischer Held mit sicher geführter Stimme. Nombulelo Yende verleiht Maria auch in tiefster Tristesse vokale Flügel.“ Alexander Roslavets und Alex Birkus präsentieren im Wechsel die Partie des Kotschubej, Mikhail Pirogov singt Andrej. In weiteren Partien sind Ensemble- und Opernstudiomitglieder der Oper Frankfurt besetzt.


Mittwoch, 30. September 2026, um 19 Uhr im Bockenheimer Depot

Karolina Bengtsson (Sopran / Zaide;
Bildnachweis: Barbara Aumüller)

Premiere

ZAIDE

Deutsches Singspiel in zwei Akten und ein Fragment (1779/80) von Wolfgang Amadeus Mozart
In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: George Petrou; Inszenierung: David Hermann
Mitwirkende: Karolina Bengtsson (Zaide), Michael Porter (Gomatz), Peter Marsh (Soliman), Aleksander Myrling (Allazim), Pete Thanapat (Osmin)

Weitere Vorstellungen: 3., 7., 9., 11. (15.30 Uhr), 14., 16., 18. (18 Uhr) Oktober 2026
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19 Uhr.
Preise: € 25 bis 80 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mit freundlicher Unterstützung des Patronatsvereins – Sektion Oper


Wolfgang Amadeus Mozart
(1756–1791) befand sich in einer Phase des radikalen Umbruchs, als er 1779 die Arbeit an seinem Singspiel Zaide aufnahm. Das Werk ist weit mehr als eine bloße Vorstudie zur späteren Entführung aus dem Serail. Es markiert einen wichtigen Punkt auf Mozarts persönlichem Weg aus den einengenden Salzburger Verhältnissen und seinen Aufbruch in eine künstlerische Selbstständigkeit. In diesem „ernsten deutschen Singspiel“ verbindet Mozart die damals populäre, so bezeichnete „türkische“ Thematik mit einer psychologisch feinsinnigen Betrachtung der menschlichen Seele im Geiste der Aufklärung. Da das Stück als Fragment überliefert wurde, ohne Ouvertüre und nach dem gescheiterten Fluchtversuch der Protagonisten jäh abbrechend, bietet es eine besondere Offenheit für neue Deutungen. Die Frankfurter Inszenierung von David Hermann schärft die dunklen Facetten, indem sie das Fragment mit Ausschnitten aus Mozarts Schauspielmusik zu Thamos, König in Ägypten kombiniert und so eine beklemmende Nähe zu den Zwängen unserer eigenen Gegenwart schafft.

In der grausamen Gefangenschaft des Sultans Soliman finden die Sklavin Zaide und der junge Gomatz zueinander. Gemeinsam mit dem Mithäftling Allazim wagen sie den Ausbruch in die Freiheit, werden jedoch gestellt und zurück vor den zornigen Despoten gebracht. Während ihnen die Todesstrafe droht, fleht Allazim um Gnade für das Paar. An diesem kritischen Wendepunkt endet Mozarts Manuskript und lässt die existentielle Frage offen: Wird Soliman dem Pfad der Rache folgen oder die Größe zur Vergebung finden?

Musikalisch geleitet wird die erste Opernproduktion der neuen Saison im Bockenheimer Depot von George Petrou. Im November 2024 debütierte der griechische Dirigent an der Oper Frankfurt mit Georg Friedrich Händels Partenope. Petrou ist Künstlerischer Leiter der Internationalen Händel Festspiele Göttingen und des renommierten Armonia Atenea Orchester aus Athen. Von 2020 bis 2022 war er Generalmusikdirektor des Greek Radio Symphony Orchestra. Als Dirigent erlangte er schnell internationale Aufmerksamkeit. Zahlreiche Auszeichnungen (u.a. ein Echo Klassik in der Kategorie Operneinspielung des Jahres für Händels Tamerlano) und Nominierungen (bei den Grammys 2018 für Händels Ottone) sowie preisgekrönte Aufnahmen für die weltweit führenden Plattenfirmen (Deutsche Gramophon, DECCA, MDG etc.) zeugen von seinem Erfolg. Zuletzt leitete er unter anderem die Premierenserie von Tancredi an der Oper Köln und brachte bei den Händel-Festspielen in Halle die Oper Deidamia zur Aufführung.
Inszeniert wird Mozarts Singspiel von David Hermann. Er setzte zuletzt eindrucksstark Alberic Magnards Oper
Guercœur an der Oper Frankfurt in Szene. Bühnenbildner Jo Schramm wurde bei den Oper!-Awards 2026 auch wegen dieser Produktion als „Bester Bühnenbildner“ ausgezeichnet. Nun nehmen sich beide gemeinsam mit Sibylle Wallum (Kostüme), Joachim Klein (Licht) und Mareike Wink (Dramaturgie) dem Mozart-Stoff an.
Die zweite Premiere der Spielzeit ist ausschließlich mit Mitgliedern des
Ensembles der Oper Frankfurt besetzt. Die schwedische Sopranistin Karolina Bengtsson ist in der Titelpartie Zaide zu erleben. Seither gestaltete sie zahlreiche Partien wie Fiordiligi (Così fan tutte), Anna (Blühen), Sophie (Werther), Pamina / Papagena (Die Zauberflöte) und Silvia (Ascanio in Alba). Als Clotilde (Norma), die sie auch in Frankfurt sang, gastierte sie an der Bayerischen Staatsoper München. Michael Porter übernimmt die Partie des Gomatz, Peter Marsh singt die Partie des Soliman. Porter ist in dieser Saison auch in Turandot, Tannhäuser, Alcina, sowie bei der Premierenserie von Bohuslav Martinůs The Greek Passion zu erleben. Marsh, wie Porter ein langjähriges Ensemblemitglied, singt u.a. abermals die Knusperhexe in Hänsel und Gretel. Aleksander Myrling (Allazim) ist seit vergangenem Jahr Mitglied des Frankfurter Ensembles. Der norwegische Bassbariton stellte sich als Cesare Angelotti (Tosca) dem Publikum am Main vor. Pete Thanapat (Osmin) komplettiert die Premierenserie von Mozarts Singspiel Zaide.


Samstag, 22. August 2026, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Erste Wiederaufnahme

TURANDOT

Dramma lirico in drei Akten von Giacomo Puccini

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Simone Di Felice; Inszenierung: Andrea Breth
Mitwirkende: Elza van den Heever / Olesya Golovneva (Turandot), Alfred Kim (Calaf),
Julia Stuart (Liù), Liviu Holender (Ping), Sven Hjörleifsson (Pang), Michael Porter (Pong), Thomas Faulkner (Timur), Michael McCown (Altoum), Erik van Heyningen (Ein Mandarin) usw.

Weitere Vorstellungen: 29. August, 6. (18 Uhr), 12., 25. September, 3. Oktober 2026 (18 Uhr) Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr.
Preise: € 16 bis 138 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


Turandot
von Giacomo Puccini (1858–1924) ist ein Werk voller dramatischer Intensität und moderner Klänge. Puccinis Musik, reich an orchestralen Farben und Kontrasten, entfaltet eine überwältigende emotionale Kraft, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Die Partitur verbindet neben lyrischem Belcanto und buffonesken Witz auch beißende Dissonanzen, rhythmische Überlagerungen und Chorsätze, in denen sich die Brutalität der politischen Massenbewegungen aus den 1920er Jahren widerspiegeln. Unvollendet nach Puccinis Tod 1924, betont die Frankfurter Fassung den Fragment-Charakter des Werkes und verzichtet auf posthume Vervollständigungen. Vorangestellt ist ein Prolog von Lucia Ronchetti (*1963) für Chor und Kinderchor, der das Vorgefühl einer Katastrophe weckt und nahtlos in Puccinis erste Takte übergeht. Regisseurin Andrea Breth zeigt Turandot als rücksichtlose Herrscherin über einen Terrorstaat. Die Rhein-Zeitung konstatierte angesichts der Premiere im April 2026: „So gibt die Oper Frankfurt zum 100-jährigen Jubiläum des Werks eine in musikalischer Hinsicht hochklassige, gedanklich konsequente Deutung, die das zentrale Problem von Turandot sichtbar macht – ohne sich eine Haltung zur ewigen Wunde des Stückes, seiner Leerstelle am Schluss, anzumaßen.“

Entgegen dem Wunsch ihres Vaters weigert sich Prinzessin Turandot zu heiraten. Wer sie zur Frau haben will, muss drei Rätsel lösen. Wer daran jedoch scheitert, wird öffentlich hingerichtet. Als Prinz Calaf die Prüfung meistert, ist Turandot in ihren Grundfesten zutiefst erschüttert. Ein Machtkampf bricht aus, der schließlich auch unschuldige Opfer fordert …

Musikalisch geleitet wird die erste Wiederaufnahme von
Simone Di Felice. Seit der Spielzeit 2017/18 ist er der Oper Frankfurt als Kapellmeister verbunden. In der kommenden Spielzeit leitet er auch Vorstellungen von Un ballo in maschera und La fiamma. Weitere Engagements führten ihn im Laufe seiner Karriere bislang unter anderem an die Opéra national de Paris, sowie zu den Tiroler Festspielen in Erl. In der Hauptpartie der Turandot ist wie in der Premierenserie Elza van den Heever zu erleben. Die südafrikanische Sopranistin war von 2008 bis 2013 Mitglied des Ensembles am Haus und gastiert mittlerweile international: Engagements führten sie unter anderem erneut an die Mailänder Scala, zu den Bayreuther Festspielen, nach San Francisco und an die Wiener Staatsoper. An zwei Abenden tritt Oleysa Golovneva als Prinzessin Turandot auf. Für ihre Leistungen als Anna Bolena und Luisa Miller wurde sie jeweils ausgezeichnet. Für ihre Interpretation der Rusalka in Köln wurde sie für den Deutschen Theaterpreis FAUST nominiert. Als Calaf ist Alfred Kim zu erleben, Opernstudio-Mitglied Julia Stuart debütiert als Liù. Die amerikanische Sopranistin ist Absolventin der renommierten Juilliard School in New York. Nach erfolgreichen Auftritten in Peter Grimes (Second Niece), Die Passagierin (Katja) und Macbeth (Kammerfrau der Lady), übernimmt sie in dieser Spielzeit die Partie der Gerhilde in Richard Wagners Die Walküre. Die drei Minister Liviu Holender (Ping), Sven Hjörleifsson (Pang) und Michael Porter (Pong) kommentieren die Grausamkeit von Turandots Rätselproben. Alle drei Künstler verbindet eine ausgeprägte interpretatorische Vielseitigkeit, die sie bereits auf bedeutenden Konzert- und Opernbühnen unter Beweis gestellt haben. In weiteren Partien sind Thomas Faulkner (Timur), sowie Michael McCown (Altoum) und Erik van Heyningen (Ein Mandarin) besetzt.  


Sonntag, 23. August 2026, um 18 Uhr im Opernhaus

Erste Wiederaufnahme

COSÌ FAN TUTTE

Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Takeshi Moriuchi / Alden Gatt; Inszenierung: Mariame Clément Mitwirkende: Karolina Bengtsson (Fiordiligi), Kelsey Lauritano / Karolina Makuła (Dorabella), Taehan Kim / Finn Sagal (Guglielmo), Matteo Ivan Rašić / Andrew Kim (Ferrando),

Elizabeth Reiter / Bianca Tognocchi (Despina), Sebastian Geyer / Liviu Holender (Don Alfonso) Weitere Vorstellungen: 28., 30. August (18 Uhr), 5. (18 Uhr), 9. September, 30. Dezember 2026,

2. (18 Uhr), 8., 10. (15.30 Uhr), 16. (18 Uhr), 21. Januar 2027
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 18.30 Uhr.
Preise: € 16 bis 127 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mit freundlicher Unterstützung der DZ-Bank

Così fan tutte ist nach Le nozze di Figaro und Don Giovanni die letzte der drei Opern von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), die in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte entstanden. Nach Mozarts Tod fiel das Werk bald in Ungnade: Zu frivol sei die Geschichte, zu konstruiert die Handlung. Aber vielleicht war die Lehre, die in der „Schule der Liebenden“ unterrichtet wird, für das 19. Jahrhundert einfach zu hart? Erst Richard Strauss und Gustav Mahler gewannen die Oper wieder als Kernstück fürs Repertoire zurück.

Così fan tutte – So machen’s alle, ist das nüchterne Fazit einer Wette, welche die Offiziere Guglielmo und Ferrando mit dem Philosophen Don Alfonso abschließen. Um den von diesem propagierten Wankelmut aller Frauen, dem die Freunde die unverbrüchliche Treue ihrer Bräute Fiordiligi und Dorabella entgegenhalten, auf die Probe zu stellen, fassen die Herren einen Plan: Als Türken verkleidet erscheinen die Offiziere – kurz zuvor noch tränenreich in einen fiktiven Krieg verabschiedet – bei den Geliebten und bieten alle Verführungskünste auf, um die Damen zu erobern. Nicht zuletzt durch den Einfluss der in Liebesdingen versierten Zofe Despina kann anfänglicher Widerstand der Umworbenen schließlich gebrochen werden. Bevor es jedoch zu einer Hochzeit der beiden „über Kreuz“ verbundenen Paare kommt, wird das Verwirrspiel aufgedeckt. Doch damit sind noch längst nicht alle Fragen geklärt ...

Studienleiter Takeshi Moriuchi übernimmt das Dirigat der Wiederaufnahmeserie von Così fan tutte alternierend mit Kapellmeister Alden Gatt. Moriuchi ist der Oper Frankfurt seit 2018 verbunden, als Dirigent und Liedbegleiter tritt er seither immer wieder auch für das Publikum in Erscheinung. Gatt dirigierte in Frankfurt bereits Die Zauberflöte, Ascanio in Alba und Le nozze di Figaro von Mozart. Die Partie der Fiordiligi singt Karolina Bengtsson. Die Sopranistin ist seit der Spielzeit 2023/24 ein Teil des Ensembles und überzeugte am Haus schon in diversen Partien. 2025 sang sie beim Festival d’Aix-en-Provence Camille (Louise) und bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik Dori (Iphigénie en Tauride). Bengtsson ist mehrfach preisgekrönt u.a. beim Internationalen Haydn-Wettbewerb für Klassisches Lied und Arie, sowie beim Internationalen Gesangswettbewerb „Die Meistersinger von Nürnberg“. Kelsey Lauritano und Karolina Makuła alternieren als Dorabella.

Neben ihrer Partie in Così fan tutte wird Lauritano in dieser Spielzeit auch in Händels Flavio und in der Premierenserie von Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen auftreten. Eine Besonderheit ihrer Saison wird der Liederabend im großen Haus gemeinsam mit Kapellmeister Alden Gatt sein. Auch Makuła ist an zahlreichen Produktionen beteiligt, unter anderem auch bei den Wiederaufnahmen von Richard Wagners Das Rheingold und Die Walküre. Taehan Kim und das neue Opernstudio-Mitglied Finn Sagal alternieren in der Partie des Guglielmo. Kim wurde zur Spielzeit 2025/26 in das Ensemble der Oper Frankfurt aufgenommen und gab mit der Partie des Guglielmo seinen Einstand. Zuvor war der südkoreanische Bariton Mitglied des Internationalen Opernstudios der Berliner Staatsoper. Sagal ist seit dieser Spielzeit Mitglied des Frankfurter Opernstudios und wird nun ebenfalls seinen Einstand hier am Haus als Guglielmo feiern. Matteo Ivan Rašić als Gast und das neue Ensemble-Mitglied Andrew Kim alternieren in der Partie des Ferrando. Kim verstärkte in den Jahren 2023 bis 2025 das Opernstudio der Oper Frankfurt und war im Anschluss eine Saison freischaffend tätig. In dieser Zeit gab er u.a. sein Debüt als Edgardo in Lucia di Lammermoor. Als Despina wechseln sich, wie auch schon in der Premierenserie, die Ensemblesängerinnen Elizabeth Reiter und Bianca Tognocchi ab. Liviu Holender und Sebastian Geyer verkörpern alternierend die Partie des Don Alfonso. So zeigt auch die zweite Wiederaufnahme der Saison die Bandbreite des Ensembles der Oper Frankfurt.


Samstag, 19. September 2026, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Erste Wiederaufnahme

WARTEN AUF HEUTE

Von heute auf morgen
Oper in einem Akt von Arnold Schönberg Begleitmusik zu einer Lichtspielszene
von Arnold Schönberg

Sechs Monologe aus „Jedermann“
Liederzyklus für Bariton und Orchester von Frank Martin 

Erwartung
Monodram in einem Akt von Arnold Schönberg

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln


Musikalische Leitung: Tim Anderson; Inszenierung: David Hermann

Mitwirkende
Von heute auf morgen: Elizabeth Reiter (Ehefrau), Sebastian Geyer (Ehemann), Juanita Lascarro (Freundin), Theo Lebow (Sänger)

Mitwirkende Begleitmusik zu einer Lichtspielszene: Frankfurter Opern- und Museumsorchester Mitwirkender Sechs Monologe aus „Jedermann“: Simon Neal (Jedermann)

Mitwirkende Erwartung: Anna Gabler (Eine Frau)

Weitere Vorstellungen: 27. September (18 Uhr), 2. 17. Oktober 2026
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 16 bis 114 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Unter dem Titel Warten auf Heute präsentiert die Oper Frankfurt abermals den Abend, der drei Werke von Arnold Schönberg (1874-1951) mit einem Liederzyklus von Frank Martin (1890-1974) kombiniert: Das Libretto zu Schönbergs Einakter Von heute auf morgen verfasste dessen Ehefrau Gertrud unter dem Pseudonym Max Blonda. 1930 wurde das dritte musiktheatralische Werk Schönbergs, des Gründers der Zweiten Wiener Schule, im Frankfurter Opernhaus uraufgeführt. Dieser in Zwölftontechnik komponierten Zeitoper schließt sich die vom Magdeburger Heinrichshofen’s Verlag in Auftrag gegebene Filmmusik an, die im selben Jahr an der Berliner Krolloper Premiere feierte. Der Tonsetzer folgt keinen weiteren Vorgaben als lediglich den drei Schlagworten „Drohende Gefahr, Angst, Katastrophe“, die als Untertitel das Programm seiner expressiven Begleitmusik zu einer Lichtspielszene anzeigen. Der Text des 1949 erstmals in der Orchesterfassung in Venedig aufgeführten Liederzyklus Sechs Monologe aus „Jedermann“ des Schweizer Komponisten Frank Martin geht auf das Stück Hugo von Hofmannsthals zurück. Schönbergs einaktiges Monodram Erwartung, dessen Libretto die angehende Wiener Dermatologin Marie Pappenheim innerhalb von drei Wochen zu Papier brachte, beschließt diesen Abend. Unter dem Dirigat Alexander Zemlinskys fand 1924 – fünfzehn Jahre nach Vollendung der Komposition – die Uraufführung von Schönbergs Bühnenwerk am Deutschen Theater Prag statt.

Zum Handlungsfaden der Inszenierung: Ihr Eheleben mit Kind ist eingefahren, verläuft alltäglich und ohne große Überraschungen. Die Rollen sind klar verteilt. Als das Paar von einer Abendveranstaltung nach Hause kommt, beginnt die Gleichförmigkeit zu bröckeln: Während der Mann seiner Faszination für eine Freundin seiner Frau nachhängt, beginnt die Frau, für einen Tenor zu schwärmen. Sie will ihren Mann eifersüchtig machen und verliert sich in einem Rollenspiel, das ihr bürgerliches Eheleben in Frage stellt. Kurz darauf kommt es zum Bruch der Ehe. Der Mann bleibt im gemeinsamen Haus zurück. Die Jahre vergehen und zwei Menschen, die einst einen gemeinsamen Weg gegangen sind, beginnen zu altern – jeder für sich.

Dirigent
Tim Anderson verfolgt eine aktive internationale Karriere und widmet sich einem vielfältigen Opern- und Konzertrepertoire. Er ist an zahlreichen bedeutenden europäischen Opernhäusern tätig und hat sich vor allem einen exzellenten Ruf für seine Interpretationen von Werken des 20. und 21. Jahrhunderts erworben. Nun debütiert er an der Oper Frankfurt. Die Ensemblemitglieder Elizabeth Reiter, Sebastian Geyer, Juanita Lascarro und Theo Lebow besetzen die Partien in Schönbergs Einakter Von heute auf morgen. Für die Sechs Monologe aus dem „Jedermann“ kehrt Simon Neal an die Oper Frankfurt zurück. In Frankfurt sang er unter anderem bereits Kurwenal in Tristan und Isolde, sowie die Titelpartie in Oedipe, das von Hans Neuenfels inszeniert wurde und im Dezember 2013 Premiere feierte. Die Sopranistin Anna Gabler gestaltet das Monodram Erwartung. In der abgelaufenen Spielzeit 2025/26 sang sie unter anderem als Ariadne in Richard Strauss‘ Oper Ariadne auf Naxos und die Partie der Frau in Erwartung an der Canadian Opera in Toronto.


Dienstag, 8. September 2026, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Liederabend

LOUISE ALDER, Sopran und MAURO PETER, Tenor

JOSEPH MIDDLETON, Klavier

Italienisches Liederbuch
von Hugo Wolf

Preise: € 16 bis 114 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Von der Oper Frankfurt aus startete die britische Sopranistin Louise Alder eine große internationale Karriere: Von 2014 bis 2019 war sie Ensemblemitglied und sang führende Partien wie Gilda (Rigoletto), Susanna (Le nozze di Figaro), Sophie (Der Rosenkavalier), Atalanta (Xerxes) und Cleopatra (Giulio Cesare in Egitto). Mit Dankbarkeit erinnert sie sich noch heute an diese Zeit, in der sie sich wie in einer Familie gefühlt hat. Alder führten Gastengagements seitdem in Metropolen der Opernwelt, unter anderem an die Wiener Staatsoper, ans Theater an der Wien, ans Opernhaus Zürich, ans Royal Opera House Covent Garden in London, an die Bayerische Staatsoper und zum Glyndebourne Festival. 2019 und 2025 gab Louise Alder bereits zwei faszinierende Liederabende an der Oper Frankfurt. Mit ihrem Kollegen Mauro Peter, der sich ebenso intensiv dem Liedgesang widmet, kehrt sie nun als Interpretin von Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch an die Oper Frankfurt zurück. Der Schweizer Tenor gastiert seit 2012 an den führenden Konzert- und Opernhäusern auf der ganzen Welt. Mit seinen Programmen gastierte er unter anderem bereits in Wien, Berlin, Köln, München und Hamburg.


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei unseren bekannten Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 - 212 49 49 4 erhältlich.



Sonntag, 9. August 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #109 - Anschlagsqualität

 


Vor dem Anschlag wichtig: Alles Schwarz-Weiss sehen. ©Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl



Anschlagsqualität

Diesmal möchte ich über ein heißes Thema schreiben.
Nein, nicht über die Hitze. Nicht schon wieder. Hab ich schon zweimal gemacht.

Und obendrein machen das gerade alle.
Alle, die in den letzten Jahrzehnten nur über so Zeug aus der Fantasy-Abteilung des Kapitalismus geschrieben haben, also „Wirtschaftswachstum“, „Umfragewerte“, „Zugfahrpläne“ oder gar „Ölpreis“, kurz gesagt lauter Dinge, die nicht wirklich greifbar sind, und dabei die herauf dräuende, ganz reale Klimakrise ignoriert haben, die schreiben jetzt über Hitze. Und was man jetzt dagegen tun könnte?
Spoiler: Jetzt? Gar nichts.
Vor zwanzig, dreißig Jahren hätte man.
Jetzt könnte man dagegen etwas gegen die Hungersnot in dreißig Jahren tun.
Aber dieses langfristige und kausale Denken… das liegt nicht jedem.
Schon gar nicht bei der Hitze.

Denn die ist sehr konkret.
Gut, Hitze kann man jetzt auch nicht konkret anfassen, aber sie ist unmittelbar absolut spürbar.
300 000 sind vor Waldbränden allein in Frankreich auf der Flucht. Zu Recht. Denn Hitze bringt Menschen um.
In Deutschland dieses Jahr bis jetzt mindestens 10 000 Leute.
Das ist etwa die Gesamtbevölkerung von Attnang-Puchheim. Oder alle Menschen, die in Miesbach in Oberbayern wohnen. Oder die gesamte Einwohnerschaft von Gernsheim am Rhein.
Gut, jetzt kann man natürlich sagen: „Was interessieren mich diese Attnangistischen Haimpuchner? Wen kümmert der miese Bach, der miese? Und die können mich gern haben mit ihrem Heim!“ Das können sich alle denken. Alle…bis auf die Leute, die da eben wohnen. Die nehmen nämlich so eine letale Auslöschung dann doch recht persönlich.

Überhaupt kann man davon ausgehen, dass Tote grundsätzlich doch lieber noch am Leben wären.
Was wiederum ein völlig neues Licht auf sämtliche Zombie-Filme der letzten 100 Jahre wirft. Vielleicht sind diese herum wackelnden, schlecht artikulierenden und stets in Gruppen auftretenden Wiedergänger einfach eine politische Bewegung? Tote, die gegen ihren leblosen Zustand protestieren? Ein radikaler Aufstand von - im Wortsinn - ganz unten?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich hab keine Ahnung.
Aber mit Toten hat mein heißes Thema auch zu tun. Es lautet: Wie macht man eigentlich Anschläge?

Also nicht Anschläge auf der Tastatur.
Denn die heißen heute nicht mehr so. Man sagt jetzt dazu: Zeichen (mit Leerzeichen). Früher lautete die Frage: „Wie viele Anschläge?“. Kann man heute nicht mehr fragen, weil sonst alle glauben, man möchte im Namen der Redaktion terroristische Akte verüben.

Ach so… „Redaktion“ muss ich vielleicht für die jüngeren Leserinnen und Leser erklären. Das ist eine Gruppe von - hoffentlich kompetenten - Medienmenschen, die sich um Inhalt und Korrektheit des Publizierten kümmern.

Korrektheit? Das ist das Gegenteil von Fake News.
Und Inhalt? So hieß früher „Content“. Nur war er länger, interessanter, (manchmal) weniger Effekt haschend und - und das wird jetzt alle Leserinnen und Leser unter dreißig gleich die Tränen in die Augen treiben - er wurde auch bezahlt.
Ja! Wirklich! Es gab also Kohle dafür. Und zwar egal, ob der Inhalt gut war oder schlecht oder wie viele Leute drauf geschaut haben.
(Apropos dieser Newsletter kann von Dir unterstützt werden. Details siehe unten)

Es gab einfach Geld dafür, dass der „freie Mitarbeiter“ (heute: Content-Creator) gearbeitet hatte.
Was für eine verrückte Welt das war: Geld für Arbeit!
Wenn das die Halter der modernen digitalen Sklaven hören.
Oder gar die freiwilligen Selbstausbeuter auf den gar nicht sozialen Medien.
Die kennen sowas gar nicht, die müssen heute alles immer nur „monetarisieren“.
Und das heißt nicht, dass sie so malen können müssen wie ein französischer Impressionist.
Nein, denn das macht ja für sie die K.I..
Und K.I. wiederum steht nicht für „kreative Intuition“, sondern für „kaufmännische Invasion“. Also die digitalisierte Attacke des Kapitalismus auf alle Lebensbereiche.
Aber lassen wir das.

Wer will denn das auch lesen, dieses Geschwafel über „früher“ von einem alten, weißen Mann. „Langweilig!“, gähnen da die Jungen einem entgegen, „Opa, erzählt schon wieder vom Frieden!“ Sowas sagen sie. Zu Recht. Und ihre Klassenkameradinnen und -kameraden (und das ist hier nicht schulisch, sondern soziologisch gemeint) ergänzen: „Und von gesicherten Arbeitsverhältnissen! Echt boring!“

Deshalb zurück zu den thrilling Thoughts. Zurück zu dem, was uns wirklich kickt, das was Klicks bringt: Wie macht man Anschläge?

Sie häufen sich ja zur Zeit. So sehr, dass es gerade eine gute Gelegenheit ist, sie zu vergleichen.
Gut, natürlich könnte man sich vorher auch fragen, warum überhaupt welche begangen werden?

Aber das ist ja zur Zeit kein großes Problem. Denn so ein Anschlag ist ja eigentlich nur Gewalt. Und Gewaltausübung ist wie Alkoholkonsum: Dafür findet sich immer ein Grund.
Meistens sind es sogar dieselben Gründe: sexuelle Frustration, Probleme in der Familie, Spaß am eigenen Untergang, Langeweile oder weil die eigene Religionsgemeinschaft, die eigene Nation, in die man per Zufall hinein geboren wurde, der eigene Fussballklub oder eine Stimme in Deinem Kopf, Dir das befohlen hat. Dabei weiß man ja oft nicht, woher die kommen, diese Stimmen.

Manchmal schon. Da kommen die Stimmen aus Kopfhörern. Denn wie sagt der Schüttelreimer?
Ein jeder Kot passt/ heut’ in einen Podcast.
Schließlich wird der Ideologie-Markt gerade überschwemmt von Nobrain-Anbietern in Wort und Bild, die den ungefestigtsten Gemütern unter uns (meist männlich, jung, orientierungslos, intellektualitätsfeindlich, aber gewaltfreundlich) ein Angebot machen, das die zwar ablehnen könnten, es aber nicht so gerne tun.
Kurz gesagt: Also ein fadenscheiniges „Warum“ für einen Anschlag lässt sich so leicht finden, wie abends um halb acht ein Dosenbier besorgen.

Also wie macht man einen Anschlag? Ganz einfach: man fügt einfach irgendjemandem, den man nicht persönlich kennt, Schmerzen zu. Einfach so, tralalala, weil diesem Unbekannten sein oder ihr Tun oder Sein, nicht ins eigene Weltbild passt.
Denn da hinterfragt man nicht sein Weltbild, ob das vielleicht fehlerhaft ist, nein, man möchte jetzt mit Gewalt die Welt ans eigene Bild anpassen.
Das ist also ungefähr so, wie wenn man gerade „Titanic“ auf dem hauseigenen Flatscreen schaut (flat deshalb, weil das das Niveau des Gezeigten beschreibt), also man schaut gerade Leonardo die Caprio zu, wie er im Meer versinkt, und damit das Wohnzimmer dazu passt, setzt man es unter Wasser.

Der Vergleich hinkt natürlich. Nicht nur, weil das ein Anschlag auf die Bausubstanz wäre und bald den Menschen auf den Plan treten lassen würde, der unter einem wohnt, sondern weil es normalerweise schon länger dauert, als nur einen Wasserhahn aufzudrehen. Bis man sich selbst so radikalisiert hat. Da muss man sich vorbereiten. Man muss die eigene Mitmenschlichkeit sich erst einmal austreiben. Kognitiv und emotional verdorren wie eine Feuchtwiese nach sechs Monaten ohne Niederschlag.

Und wenn man innerlich mal so völlig entsaftet ist, dann schleppt man auch seinen von jeglicher Gehirnflüssigkeit befreiten, verschrumpelten Denkapparat hinterher. Und kündigt das mal an. Jahre und Jahrzehnte in Wort und Bild wird das ankündigt, dass man diese menschenfeindliche Scheiße durchführen möchte. Und wenn man dafür Probleme mit der Justiz oder dem Verfassungsschutz bekommt… was sagt man da? Genau, dann nennt man das einen „Anschlag auf die Meinungsfreiheit“.
Wie kann man auch dazu kommen, Menschen, die die Demokratie abschaffen wollen oder die gesellschaftliche Diversität oder schlicht die Meinungsfreiheit das Wort zu verbieten? Völlig verrückte Idee!
Anders gesagt: Mehr Rechte für Minderheiten heißt nicht, dass religiöse oder nationale Faschisten ungestraft auf marginalisierte Gruppen eindreschen können.
Das geht nicht in einer wehrhaften Demokratie.

Apropos Demokratie: Man kann sich natürlich auch von Zeiten inspirieren lassen, wo es die noch gar nicht gab, diese Demokratie.
Dafür gab es damals die „Monetarisierung“ schon. Das war nämlich, wenn man die Bilder eines französischen Impressionisten vom jüdischen Nachbarn extrem günstig erwerben konnte. Da wurde der Monet arisiert, ist dann verschwunden und lange nicht mehr aufgetaucht.

Dafür taucht jetzt so manch altes Gerät aus dem letzten langjährigen Anschlagsaustauschprogramm (Fachleute sprechen dabei auch von einem sogenannten „Krieg“) wieder auf. In der Donau etwa erscheinen wegen Niedrigwasser Wracks von Kriegsschiffen.
Und im Nussensee im oberösterreichischen Salzkammergut musste man nicht nur Fische retten, weil der See am Austrocknen ist, sondern man darf sich dort auch über einen Sprengstofffund aus dem Krieg freuen.
Freuen nicht deshalb, weil das gefährliches Zeug ist, sondern weil „Sprengstofffund“ eines der wenigen Worte mit drei f ist. Und da gibt es gar nicht so viele. Vielleicht noch Pufffahrer, Tufffinder, Hafffische oder Kifffreunde.
Persönlich hab ich von den genannten nur mit einem dieser Begriffe bis jetzt direkte Erfahrungen machen dürfen.
Und, nein, der Fahrer war es nicht.

Wie auch immer, der Sprengstofffund ist eine gute Gelegenheit, das eigene, geistige Stopppotenzial (Ihr glaubt ja gar nicht wie lange ich nach einem anderen Wort mit drei Konsonanten gesucht habe! Das war echt ein quälendes Quelllektorat.) abzurufen - also mal inne zu halten - und dann zu überlegen, ob das mit den Anschlägen überhaupt eine gute Idee ist.
Weil auf jede gewaltsame Aktion ja immer eine Reaktion folgt, und darauf dann wieder eine Reaktionsreaktion. Und dann wieder eine. Und noch eine. Und dann hört es nicht mehr auf.

Weil keiner sich vorstellen kann, wie er da wieder rauskommt. Deshalb greift er einfach wieder zu Gewalt.
Denn Gewalt ist ja bekanntlich die Fantasie der Fantasielosen.

Aber halt: Vielleicht könnte man sich wieder auf die Anschläge auf der Tastatur beschränken? Auf den Austausch von Buchstaben? Worten. Wortgruppen. Vielleicht sogar ganzen Sätzen? Texten?
Die tun maximal im Hirn weh, haben aber noch nie jemanden umgebracht.
Maximal indirekt.
So wie die Hitze.

—-
groebner live:

Die heißen Neuigkeiten, hab ich letztes Mal schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal, für alle, die sie überlesen haben:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem
Österreichischen Kabarettpreis 2026 ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ kann man demnächst im ORF Sommerkabarett sehen. Und zwar am 25. August.
Dann, wann es hoffentlich nicht mehr so heiß ist.
 
groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was auf das Bargeld eigentlich drauf sollte.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-


Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Samstag, 8. August 2026

Fantasien zur Nacht - Short 2

(c) Stefan Vieregg - generiert mit KI




Louis hatte sie schon von Weitem an der kleinen Beach-Bar sitzen sehen - lässig auf dem Rattanstuhl, die Sonnenbrille abgelegt, das Meer im Rücken und offensichtlich sehr guter Laune. Keine Begleitung. 
Er näherte sich ihr vorsichtig mit einem verschmitzten Lächeln und zwei erfrischenden, alkoholfreien Caipirinha mit Limette und sagte: 


"Entschuldigen Sie, ich habe gerade beim Barkeeper nach dem Geheimnis Ihres freundlichen Aussehens gefragt. Er hat gesagt, das liegt an den Limetten hier und verriet mir, was Sie trinken. Ich würde das jetzt im Selbstversuch gerne auch mal ausprobieren. Würden Sie meinen Versuch begleiten wollen?"


Sie schaute erst überrascht, dann amüsiert von dem Glas zu ihm auf - und genau das passierte, was er sich erhoffte: ein echtes, offenes Lachen.


"Das ist ja eine sehr elegante Art, ein Gespräch zu beginnen", sagte sie und ließ ihn das Glas vor ihr abstellen. "Und was bekommt der Barkeeper, wenn der Beweis gelingt?"


"Meinen Dank und ein reiches Trinkgeld, weil er mir ein echtes Geheimnis verraten hat."


Sie lachte wieder, rückte ein Stück zur Seite und deutete auf den freien Platz neben sich an der Bar. "Wollen Sie stehen? Oder holen Sie sich doch den Stuhl dort." Wieder dieses Lachen, das er sich erhofft hatte - freundlich, wach und ein bisschen neugierig auf das, was als nächstes kommt.


                                                                          (c) Stefan Vieregg