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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dienstag, 25. August 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #110 - Selfie Revolution

Alter Sack im Auge der Jugend von heute: So viel Rosa, dass es weh tut.
© Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl










Selfie Revolution!


Nachdem ich jetzt drei halbfertige Newsletter geschrieben und wieder verworfen habe, habe ich beschlossen, dass es ein neues Museum braucht. Das Museum für unfertige, unveröffentlichte Online-Satiren. Da kommen dann meine Textbaustellen rein und die - selbstgeschriebenen - Reden diverser AfD- und FPÖ-Abgeordneter, bevor die Partei-PR-Abteilung drüber gegangen ist.
Aber ich gebe nicht auf und habe jetzt endlich das Thema gefunden, das satirisch von einem 56jährigen weißen Mann bearbeitet gehört, nämlich: die Jugend.

Denn die Jugend macht weltweit auf sich aufmerksam. In Indien rebelliert sie unter dem Leben der „Kakerlaken“, in Vietnam verehrt sie dagegen einen Baum. Nicht aus spirituellen Gründen, sondern weil an diesem Baum eine junge Frau zu Tode gekommen ist.

Was wiederum deshalb passiert ist, weil sie auf ihrem Moped einem BMW eines regierungsnahen Geisterfahrers ausgewichen ist, und dann ihr Lebensende an dieser verholzten Pflanze gefunden hat.
Aber auch in Nepal sind die Jungen nicht sehr glücklich und  auch in Albanien nicht.
Dort werden schließlich auch die Flamingo-Proteste von vielen jungen Menschen getragen. Das sind Proteste dagegen, dass die Familie Trump bzw. Kushner im letzten unberührten Küstenabschnitt Europas ein Ressort errichten möchte.

Wie ich jung war (Zuhören, Ihr Jungen, der alte Sack spricht von früher! Das ist spannend! Für ihn.) stand „Ressort“ noch für einen Fachbereich in Verwaltung oder Wissenschaft, in dem - und jetzt wird’s crazy, Ihr Youngsters! - eine kompetente Person mit passender Ausbildung im Rahmen der gesetzlich gesteckten Grenzen gewirkt hat.

Das ist aber mittlerweile Past-Fiction und deshalb steht Ressort heute für eine Ansammlung von Häusern, die zugunsten - wie ich als Wiener sagen würde - von "überfinanzierten Beidlbracker“ errichtet werden soll. Wem das zu seltsam klingt, kann auch es auch auf Bayerisch sagen, dass das Hütten für „geldgeile Zipfelklatscher“ sind. Oder wir bleiben sachlich neutral und sagen einfach Zweit- oder Dritt- oder Viert-Wohnmöglichkeiten für der Selbstbefriedigung zuneigende Überreiche.
(Apropos: Knedl, also Gerschtl, vulgo: Kies. Man kann diesen Newsletter auch unterstützen. Siehe unten)

Wie auch immer: Auch diese Proteste in Albanien werden von jungen Leuten getragen. Genauso wie die Proteste in Serbien gegen Aleksander Vučić, der wiederum ein Busenfreu… nein… ein Popokamerad von Waldemar Steck-Rein (Mafiaboss und Kriegsverbrecher mit Zweitjob an der Spitze der russischen Verwaltung) ist.

Also die jungen Leute sind weltweit auf der Straße und protestieren gegen ein System, dass mal so und mal so heißt, aber überall dieselben Ausformungen hat. Nämlich, dass Geld aus der Öffentlichkeit und dem Allgemeingut abgezogen wird, um es in Projekte zu stecken, von denen nur ganz, ganz wenige, relativ alte Leute und ihre Familien profitieren. Meistens sind es Herrn, und obendrein gehen all diese Projekte auf Kosten der Zukunft. Und damit vor allem auf Kosten der Jungen.
Denn natürlich muss man mit einem Siebzigjährigen nicht mehr über Zukunft diskutieren. Schließlich berechnet der „Zukunft“ nicht in Jahrzehnten, sondern in Monaten. Sollen 120 Monate sein, aber viel länger wird’s statistisch nicht.

Deshalb ist die Jugend zu Sachen Zukunftsfragen seltsamerweise immer am meisten betroffen und dementsprechend sauer. Weltweit.
Moment! Weltweit?
Nein, ein kleiner Fleck der jugendlichen Weltbevölkerung hört nicht auf, keinen Widerstand zu leisten.

Denn in der deutschsprachigen Jugend sehe ich nichts, was sich in ähnlicher Weise darstellt.
Deshalb gibt es jetzt auch diesen Newsletter, weil der ein Bedürfnis befriedigt, dass die Jugend immer schon hegt, hegen wird und gehegt hat. (Vielleicht sogar gehogen.)
Heimlich, aber intensiv.

Denn nichts will die Jugend mehr, nach nichts mehr dürstet sie mit feurigem Herzen (um das mal in Jugendsprache zu sagen) als gute Ratschläge von älteren Herrn zu empfangen. Empfangen zu dürfen, um genau zu sein.
Ich weiß das. Früher hab ich das anders gesehen, aber heute, wo ich einer dieser älteren Menschen bin, weiß ich das ganz, ganz genau. Denn - und jetzt kommt die Credibility-Phrase, die mich direkt in das Mindset der Chilling Youth katapultiert - „ich war auch mal jung!“

Echt. Und deshalb kenn ich mich aus mit Widerstand und Revolution und so Zeug. Schließlich war ich jung in den Achtziger Jahren, und da haben wir all das …
nicht gemacht. Dafür gab’s Schulterpolster, Vokuhila und Aerobic. Und das alles ummantelt von Selbstmitleid und Frottee-Stirnbändern. Das musste man erstmal aushalten!
Deshalb bin ich Experte für Jugendrebellionen.
Weil ich keine erlebt hab.

Klingt unlogisch? Im Gegenteil: Das ist so wie in der katholischen Kirche. Da erzählt einem auch der Pfarrer, Bischof, ja sogar der Papst, immer was über Sex, und wie man und frau was machen soll und mit wem und was nicht. Und selbst pflegen die Ratschlaggeber frommste Enthaltsamkeit.
Angeblich.

Deshalb hier die Top 3 Tipps für die gelungene Jugendrevolte:
Erstens braucht man ein Thema. Und was fasziniert die jungen Menschen am meisten? Wenn man sich umschaut, wollen sie nichts wissen von Klimawandel, Grundwasserspiegel, Ernährungssicherheit, Ausbildungsplätzen, leistbarem Wohnen, Vermögens- oder Erbschaftssteuer, Menschenrechten oder ähnlichem unwichtigen Kasperltheater, nein, junge Menschen interessieren sich für: ihre Handys!

Insofern jetzt Rebellionen für das, was euch am meisten interessiert: Handytarife und Netzabdeckung.
Eine Rebellion für Handytarife ist auch deshalb sehr gut, weil sich jeder angesprochen fühlen kann. Und wenn nicht, ruft man ihn einfach an und spricht ihn an.
Oder schickt ihm eine Sprachnachricht.

Zweitens, wenn schon die Rebellion um sowas Wesentliches geht, braucht sie natürlich auch klares Image. Eine PR-Strategie. Also wenn die indische Jugend sich mit Kakerlaken identifiziert, braucht die deutschsprachige Jugend natürlich auch etwas, was so einschlägt.
Wie wär’s mit dem Bild eines stilisierten USB-Anschlusses? Oder einem ironischen Chai-Latte-Emoji?
Oder dem Meme von einem Hipster-Bart? Einem Bart, der so klein ist, dass man nicht weiß: Ist das eine Gesichtsfrisur oder eine Intimrasur?

Oder man nimmt einfach die drei Balken, die auf jedem Handy zu finden sind, und die stehen für die drei Säulen der Gesellschaft: Netz-Empfang, freier Download und Akku-Laufzeit.
Denn das ist das Grundrecht. Das wissen auch Thea oder Benny, die gerade während des Starkregens in eine U-Bahn Station geflüchtet sind. Das ist die Mission dieser aufrichtigen Konsumenten einer Wisch & Weg-Kultur! Drei Balken! Am besten alle drei im Auge.

Drittens: konkrete Forderungen!
Also 24 Stunden lang gratis Streaming - aber ökologisch korrekt. Das heißt: Die Streaming Server werden mit Bio-Limonade gekühlt. Und eine Bluetooth Box für jede und jeden. Denn unbegründete, nervige Lautstärke war immer schon ein Vorrecht der Jugend.
Sieht man, wenn man nach hinten schaut: Rock’n‘ Roll  - laut. Zweiter Weltkrieg - extrem laut! Davor: Nazi-Aufmärsche, erster Weltkrieg, Dreißigjähriger Krieg, Kreuzzüge, Völkerwanderungen…. alles wurde von jungen Leuten betrieben - und war nicht leise.  

Und dann müssen natürlich die konkreten, politischen Forderungen, die die deutschsprachige Jugend erhebt, so gestellt werden, damit sie in das passen, was am Schluss auch rauskommt.
Nämlich ein: Beirat.

Der Beirat ist das Höchste, was die demokratischen Gesellschaften Europas an Flexibilität und Reformwillen zu Stande bekommen. Denn, wenn man eine Gruppe jahrzehntelang verarscht und ausgebeutet hat und auch weiter verarschen und ausbeuten will, aber ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht mehr „so arg“ ausgebeutet und verarscht werden, dann bekommt die Gruppe einen Beirat. Deshalb gibt es Ausländer-Beiräte, Frauen-Beiräte, Elternbeiräte und natürlich auch Kinderbeiräte.
Das ist alles wahnsinnig schön, und die Betroffenen haben was zum Reden, aber nichts zu sagen.

Denn die dürfen ein Statement abgeben, woraufhin alle Entscheidungsträger und -Innen interessiert „danke“ sagen und dann das beschließen, was Ihnen der Lobbyisten-Verband ihres Vertrauen aufgeschrieben hat.
Der Beirat ist also schön. Er ist eine Mischung aus Unrat und Hausrat. Schön… aber es geht auch ohne ihn.
Und wenn diese Jugend dann das endlich bekommen hat, den Mobilfunkbeirat, dann kann sie in zerbröselnden Schulen bei nichttrinkbarem Trinkwasser und steigenden Lebensmittelpreisen fern von leistbaren Wohnungen „ein Wörtchen" mitreden.
Aber halt auch nur ein Wörtchen.

Ach ja, noch einmal jung sein, das wär… ein Horror!
Also lieber was streamen, man kann ja eh nix machen.
Und mit diesen Aussichten weiß man plötzlich auch, warum die Altersgenossen in Indien sich das Image einer Kakerlake gewählt haben.
Weil dieses Tier hat - zusammen mit den Brombeeren und den Ratten - die beste Chance, die ganze Scheiße zu überleben.
Also Lächeln: Selfie!




groebner live:

Die heißen Neuigkeiten, hab ich schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal und nochmal und nochmal. Solange bis sie keine Neuigkeiten sind, sondern Altigkeiten:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem
Österreichischen Kabarettpreis 2026 ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ kann man demnächst im ORF Sommerkabarett sehen. Und zwar am 25. August. (Also sehr bald!)

groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich
hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was auf das Bargeld eigentlich drauf sollte.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-


Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Montag, 24. August 2026

Wie können wir die Austrocknung unserer Böden verhindern?


1. Die Ausgangslage: Deutschlands Böden verlieren im Sommer Wasser

Das Umweltbundesamt dokumentiert einen signifikanten Rückgang der modellierten Bodenfeuchte während der Vegetationsperiode für landwirtschaftliche Kulturen. Besonders deutlich ist die Entwicklung seit etwa 2000. Gleichzeitig kann ein stark ausgetrockneter Boden Wasser schlechter aufnehmen: Seine Wasserleitfähigkeit sinkt, wodurch bei Starkregen mehr Oberflächenabfluss entsteht. Das ist ein bemerkenswerter Doppel-Effekt:

Dürre → Boden trocknet aus → Infiltration nimmt ab → Starkregen läuft oberirdisch ab → Erosion/Hochwasser. (Umweltbundesamt)

Das bedeutet: Wassermanagement und Bodenschutz sind keine getrennten Probleme.

2. Humus: wichtig, aber kein magischer Wasserspeicher

Das Umweltbundesamt bezeichnet Humus ausdrücklich als Speicher- und Puffermedium für Wasser, Nährstoffe und Schadstoffe. Humus verbessert Bodenstruktur und Porenvolumen und damit Speicher-, Filter- und Pufferkapazität. (Umweltbundesamt)

Der Anpassungsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie formuliert es noch konkreter: Humus verbessert den Luft- und Wasserhaushalt, vermindert Bodenverdichtung und Erosion und reduziert die sommerliche Austrocknung. (Umweltbundesamt)

Daraus folgt eine solide landwirtschaftliche Strategie:

  • organische Substanz zurückführen,
  • Erntereste möglichst auf der Fläche belassen,
  • Zwischenfrüchte,
  • Untersaaten,
  • standortangepasste Fruchtfolgen,
  • organische Dünger dort, wo sie sinnvoll und zulässig sind,
  • reduzierte Bodenbearbeitung.

Das Umweltbundesamt empfiehlt genau diese Kombination. (Umweltbundesamt)

Wichtig: Daraus darf man aber nicht die einfache Formel „1 % mehr Humus = X Liter mehr Wasser“ ableiten. Die Wirkung hängt erheblich von Bodenart und Ausgangszustand ab. Auch die internationale Literatur ist bei der direkten Erhöhung der pflanzenverfügbaren Wasserkapazität durch organische Substanz wesentlich vorsichtiger, als populäre Darstellungen manchmal suggerieren. (FAOHome)

3. Die viel wichtigere Größe: die nutzbare Feldkapazität

Für die Landwirtschaft ist nicht entscheidend, wie viel Wasser insgesamt im Boden steckt, sondern wie viel davon für Pflanzen verfügbar ist.

Das Umweltbundesamt verwendet dafür die nutzbare Feldkapazität (nFK). Sie beschreibt den Wasservorrat, den Pflanzen tatsächlich nutzen können. Bei vielen Pflanzen kann bereits unterhalb von etwa 50 % nFK Trockenstress einsetzen. (Umweltbundesamt)

Das führt zu einem wichtigen Perspektivwechsel:

Ziel der Landwirtschaft sollte nicht maximal nasser Boden sein, sondern ein möglichst großer, stabiler Vorrat an pflanzenverfügbarem Wasser im Wurzelraum.

Ein wassergesättigter Boden ist nämlich ebenfalls kein Idealzustand: In diesem Fall fehlt den Wurzeln Sauerstoff, und überschüssiges Wasser kann versickern oder oberirdisch abfließen. (Umweltbundesamt)

4. Bodenbedeckung ist sehr gut belegt

Aufgrund robuster wissenschaftlicher Grundlage empfiehlt das Umweltbundesamt:

  • permanente bzw. möglichst lange Bodenbedeckung,
  • Zwischenfrüchte,
  • Untersaaten,
  • Mulch,
  • Erntereste,
  • reduzierte Bodenbearbeitung.

Diese Maßnahmen reduzieren die Verdunstung und schützen gleichzeitig vor Wasser- und Winderosion. (Umweltbundesamt)

Noch interessanter: Bodenbedeckung wirkt gleichzeitig bei Dürre und Starkregen.

Bei Trockenheit:

Beschattung + Pflanzenreste → geringere Verdunstung.

Bei Starkregen:

Vegetation + Bodenstruktur → geringere kinetische Energie der Regentropfen + bessere Infiltration + weniger Oberflächenabfluss.

Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass ein aktives Bodenleben mit vielen vertikalen Bodenporen – beispielsweise durch Regenwurmgänge – die Versickerung fördern und Oberflächenabfluss reduzieren kann. (Umweltbundesamt)

5. Bodenverdichtung ist ein unterschätzter Gegner

Die vorherige Antwort zählt auch hier. Ein Boden kann theoretisch viel Wasser speichern – aber wenn schwere Maschinen seine Porenstruktur zerstören, kommt das Wasser nicht mehr vernünftig hinein und die Wurzeln kommen nicht mehr vernünftig hinein.

Das Umweltbundesamt fordert deshalb eine standort- und witterungsangepasste Bodenbearbeitung und die möglichst weitgehende Vermeidung von Bodenverdichtung. Entscheidend sind Bodenart, Bodenfeuchte und der von Maschinen ausgeübte Bodendruck. (Umweltbundesamt)

Das ist besonders wichtig für:

nasse Böden + schwere Maschinen = Verdichtungsrisiko.

Und daraus entsteht wiederum ein gefährlicher Kreislauf:

Verdichtung → weniger Poren → schlechtere Infiltration → mehr Oberflächenabfluss → mehr Erosion → weniger fruchtbarer Oberboden → geringeres Wasserhaltevermögen.

Weinberge als Wasserspeicher
Begrünter Weinberg mit grüner Bodenbedeckung zwischen den Rebzeilen
1. Den Boden begrünen
Eine möglichst lange Bodenbedeckung schützt vor Austrocknung und Erosion und unterstützt die Aufnahme von Niederschlagswasser.
Foto: Randy Caparoso
CC BY-SA 4.0
Terrassierter Weinberg in Stuttgart
2. Wasser am Hang halten
Terrassen und Querstrukturen bremsen den Oberflächenabfluss und helfen, Boden und Wasser am Hang zurückzuhalten.
Foto: REMSTAL.WEIN.erleben
CC0 – Public Domain
Tröpfchenbewässerung in einem Weinberg
3. Gezielt bewässern
Tröpfchenbewässerung bringt Wasser gezielt in den Wurzelbereich der Reben und kann Verdunstungs- und Abflussverluste reduzieren.
Foto: Greg Rinder / CSIRO
CC BY 3.0
Wasserspeicher für landwirtschaftliche Bewässerung
4. Regenwasser speichern
Rückhaltebecken und Speicher können Niederschlagswasser für längere Trockenperioden verfügbar halten.
Foto: Dave Spicer / Geograph
CC BY-SA 2.0
Die vier Säulen des Wasserrückhalts im Weinbau
Boden begrünen · Abfluss bremsen · gezielt bewässern · Niederschlag speichern
Bildquellen: Wikimedia Commons. Die jeweiligen Urheber und Lizenzen sind unter den Bildern angegeben.

6. Erosion ist gleichzeitig ein Wasserproblem

Das Umweltbundesamt beschreibt einen besonders wichtigen Zusammenhang: Bei Starkregen können unbedeckte landwirtschaftliche Böden erhebliche Mengen Oberboden verlieren. Das gilt ausdrücklich auch für Dauerkulturen wie Weinbau. (Umweltbundesamt)

Der Verlust des humusreichen Oberbodens bedeutet wiederum:

weniger Bodenmächtigkeit → weniger Wurzelraum → weniger Wasser- und Nährstoffspeicherung.

Das UBA weist darauf hin, dass der Verlust von Oberboden die natürlichen Funktionen des Bodens, darunter gerade das Wasser- und Nährstoffspeichervermögen, beeinträchtigt. (Umweltbundesamt)

Und das Problem ist langfristig: Die Neubildung von Boden dauert extrem lange. Das UBA nennt als Größenordnung mindestens etwa 100 Jahre für einen Zentimeter humosen Boden – während ein Starkregenereignis ihn lokal sehr schnell abtragen kann. (Umweltbundesamt)

7. Besonders überzeugend: Weinbau

Für den Weinbau gibt es inzwischen sehr konkrete Anpassungsempfehlungen.

Das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz empfiehlt ein angepasstes Boden- und Begrünungsmanagement. Dort wird ausdrücklich festgestellt, dass angepasste Begrünung:

  • das Wasserspeichervermögen des Bodens erhöhen kann,
  • die Bodenrauigkeit erhöht,
  • Oberflächenabfluss verlangsamt,
  • Infiltration verbessert,
  • Erosion reduziert,
  • Porenvolumen und Bodengefüge stabilisieren kann. (Klimawandel RLP)

Das ist für deutsche Weinregionen wie Mosel, Nahe, Rheinhessen, Pfalz, Baden und Württemberg ausgesprochen relevant.

Aber auch hier gilt die entscheidende Einschränkung:

Begrünung ist kein „kostenloser Wasserspeicher“.

Die Begrünung selbst verbraucht Wasser.

Deshalb muss ein Winzer je nach Standort zwischen

dauerhafter Begrünung

und

zeitweise reduzierter/angepasster Begrünung

entscheiden.

Auf einem tiefgründigen, wasserreichen Weinbergsboden kann eine kräftige Begrünung hervorragend funktionieren. Auf einem flachgründigen, trockenen Südhang kann dieselbe Begrünung die Reben in einem heißen Sommer zusätzlich unter Konkurrenzdruck setzen.

Das ist genau der Grund, weshalb das rheinland-pfälzische Konzept ausdrücklich von „angepasstem Begrünungsmanagement“ spricht. (Klimawandel RLP)

8. Der vielleicht wichtigste Satz aus der Forschung

Das Umweltbundesamt formuliert die landwirtschaftliche Klimaanpassung ziemlich eindeutig:

Eine standortangepasste Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Zwischenfrüchte, Humusaufbau und ganzjährige Bodenbedeckung können die Verdunstung reduzieren.

Diese Kombination wird ausdrücklich als Anpassungsmaßnahme gegen Trockenstress genannt. (Umweltbundesamt)

Damit lässt sich das Konzept wissenschaftlich sauber zusammenfassen:

Wasser speichern = Infiltration erhöhen + Verdunstung vermindern + Wurzelraum erhalten + Bodenstruktur verbessern + Oberflächenabfluss bremsen + Erosion verhindern + bei Bedarf gezielt bewässern.

9. Und hier kommt das Landschaftsmanagement hinzu

Ein besonders interessantes UBA-Forschungsprojekt hat sich genau mit der Frage beschäftigt, wie landwirtschaftliche Böden Wasser aufnehmen und speichern und wie sich das auf Starkregen und Überflutung auswirkt.

Das Projekt empfiehlt unter anderem:

  • Bewirtschaftungsformen zur Verbesserung des Wasseraufnahmevermögens,
  • Anreize für bodenstabilisierende Bewirtschaftung,
  • Verbindung von Bodenschutz und Hochwasserschutz,
  • Berücksichtigung des verlorenen Wasserspeichervermögens bei Flächennutzung. (Umweltbundesamt)

Damit kommen wir zu einer viel größeren Perspektive:

Der einzelne Landwirt kann seinen Boden verbessern. Die Gemeinde kann Wasser zurückhalten. Die Region kann die gesamte Landschaft als Wasserspeicher planen.

Das ist wahrscheinlich die entscheidende Ebene für die kommenden Jahrzehnte.

10. Eine Prioritätenliste für Deutschland

PrioritätMaßnahmeNutzen für WasserhaushaltEvidenz
1Bodenbedeckungsehr hochsehr gut
2Bodenverdichtung vermeidensehr hochsehr gut
3Humus/organische Substanz erhaltenhochsehr gut
4Zwischenfrüchte/Untersaatenhochgut
5Erosionsschutzhochsehr gut
6Angepasste Bodenbearbeitunghochsehr gut
7Wasserabfluss in der Landschaft bremsensehr hochgut
8Angepasste Weinbergsbegrünunghoch, standortabhängiggut
9Präzisionsbewässerunghoch bei Bewässerungsbedarfgut
10Regenwasser speichernregional sehr interessantabhängig von Standort/Recht

Der entscheidende Punkt ist dabei: Nicht jede Maßnahme funktioniert überall gleich. Bodenart, Hangneigung, Niederschlag, Grundwasserstand, Kultur, Wurzeltiefe und Bewirtschaftung entscheiden darüber, welche Kombination optimal ist.




Literatur und Quellen zum Weiterlesen

Umweltbundesamt (2023):
BO-I-1 + 2: Bodenwasser in landwirtschaftlich genutzten Böden und Waldböden. Monitoringbericht 2023 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Besonders wichtig für Bodenfeuchte, nutzbare Feldkapazität und Trockenstress. (Umweltbundesamt)

UBA – Bodenwasser in landwirtschaftlich genutzten Böden

Umweltbundesamt (2023):
BO-R-1: Humusgehalte von Acker- und Grünlandböden. Besonders relevant für Humus, Bodenstruktur, Wasserhaushalt und Austrocknung. (Umweltbundesamt)

UBA – Humusgehalte von Acker- und Grünlandböden

Umweltbundesamt:
Bodenerosion durch Wasser. Sehr gute aktuelle Übersicht über Erosion, Bodenbedeckung, Humus, Bodenporen und landwirtschaftliche Einflussfaktoren. (Umweltbundesamt)

UBA – Bodenerosion durch Wasser

Beisecker et al. (2020):
Veränderungen der Wasseraufnahme und -speicherung landwirtschaftlicher Böden und Auswirkungen auf das Überflutungsrisiko durch zunehmende Stark- und Dauerregenereignisse. UBA Texte 63/2020, 252 S. Das ist für Ihre Fragestellung eine der interessantesten deutschen Studien. (Umweltbundesamt)

UBA – Studie zur Wasseraufnahme und Wasserspeicherung landwirtschaftlicher Böden

Umweltbundesamt:
Bodenbearbeitung. Besonders relevant für Verdichtung, Humuserhalt, Erosion und standortangepasste Bewirtschaftung. (Umweltbundesamt)

Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen:
Boden- und Begrünungsmanagement im Weinbau. Eine sehr konkrete Quelle für deutsche Weinbauregionen. (Klimawandel RLP)

Klimawandel Rheinland-Pfalz – Boden- und Begrünungsmanagement im Weinbau

Ein wissenschaftlich besonders interessanter Befund: Die Sache ist letztlich größer als die Frage „Wie bewässert der Landwirt seinen Acker?“. Die deutsche Anpassungsforschung deutet auf einen Paradigmenwechsel hin: Wir müssen Wasser nicht nur verteilen, sondern die Fähigkeit der Landschaft erhöhen, Niederschlag aufzunehmen und zeitlich zu speichern. Das bedeutet: Boden, Weinberg, Hecke, Feldrain, Rückhaltebecken, Bach, Aue und Grundwasser gehören hydrologisch zusammen. 

Samstag, 22. August 2026

Die klimatischen Katastrophen im Mittelmeerraum als höhere Mathematik der Meteorologie

Was so verrückt nach Mallorca-Superlativ klingt, das Meerwasser erreichte nicht erst am Donnerstag, 20.08.2026, echte 33 Grad, ist in Wahrheit ein Katastrophenauslöser.

Die Grundkonstellation: Zwei Luftmassen, ein extremer Kontrast

Was in den Zeitungen beschrieben wird ist ein klassisches Beispiel für eine Luftmassengrenzen getriebene Umschwungwetterlage, verstärkt durch eine ungewöhnlich hohe Energiezufuhr aus dem Meer. Wochenlang lag über Norditalien eine Hitzeblockade – stabile, trockene, sehr warme Luft. Gleichzeitig hat sich das westliche Mittelmeer durch die anhaltende Hitzeperiode stark aufgeheizt, was sich in der Messung der spanischen Boje vor Mallorca zeigt: über 33 °C Wassertemperatur liegt etwa 6–8 °C über dem für August üblichen Mittel (normal wären eher 25–27 °C). Das ist keine punktuelle Anomalie, sondern Ausdruck einer basinweiten marinen Hitzewelle im westlichen Mittelmeer, die auch das Ligurische und Tyrrhenische Meer direkt vor Norditalien betroffen hat.

Der Auslösemechanismus

Eine vom Atlantik kommende, aus Skandinavien nur langsam vorrückende Kaltfront traf auf diese aufgeheizte, feuchtigkeitsgesättigte Warmluft. Das ist meteorologisch die Zutatenliste für explosive Konvektion:

  • Starker Temperaturgradient zwischen einströmender Kaltluft oben und der bodennahen Hitze (Höhenunterschied bis zu 10 km, Temperaturabnahme der Luft von 6 - 9,8 °C pro 1 km aufsteigend bis 10/11 km Höhe. Streckenunterschied Nord-Süd-Unterschied 22-42 °C, 20 °C auf nur ca. 600-800 km. Das sind zwei extrem starke Gradienten.
  • Extrem hoher Feuchtegehalt der Luft durch verstärkte Verdunstung über dem überhitzten Meer (wärmeres Wasser verdunstet mehr, und wärmere Luft kann laut Clausius-Clapeyron-Beziehung pro Grad rund 7 % mehr Wasserdampf aufnehmen)
  • Orographische Verstärkung durch die Alpen und den Apennin, die aufsteigende Luft zusätzlich anheben

Das Ergebnis ist genau das Muster, das für den Golf von Genua und Ligurien historisch typisch ist – die sogenannte Genua-Zyklogenese: Zwischen Alpen und Meer entstehen hier besonders häufig kräftige, langsam ziehende Tiefdrucksysteme mit extremer Schauer- und Gewittertätigkeit.

Kategorisierung der Einzelereignisse

Die beschriebenen Phänomene lassen sich in mehrere Gefahrenklassen einordnen:

  1. Extreme Gewitteraktivität – 40.000 Blitze in 24 Stunden über Ligurien ist ein Wert, der auf mesoskalige konvektive Systeme mit sehr hoher Blitzdichte hindeutet, wie sie bei starker Feuchtezufuhr und Labilität entstehen.
  2. Starkregen/Sturzfluten – bis zu 200 mm in wenigen Stunden in Alpen- und Voralpenlagen entsprechen einem Jahrhundertregenereignis auf Tagesbasis, konzentriert auf wenige Stunden. Das führte zum Übertreten des Flusses Brembo bei Bergamo und zur Evakuierung von 250 Campingplatzbesuchern.
  3. Sturmböen/Downbursts – das abgerissene Kirchendach in Arsiè (Belluno) deutet auf lokale Fallböen oder einen Downburst (extrem heftiger Fallwind) innerhalb der Gewitterzellen hin, ähnlich dem Mechanismus, der zeitgleich den bestätigten Tornado in Brandenburg erzeugte – beide gehen auf dieselbe atlantische Frontalzone zurück.
  4. Hagel – vor allem im westlichen Emilia-Romagna und im Triveneto gemeldet, typisch für hochreichende Konvektion mit starken Aufwinden.
  5. Gegensätzliches Süd-Muster – während der Norden im Unwetter versinkt, hält sich im Süden und auf den Inseln (Sizilien, Sardinien) die Hitze bei bis zu 42 °C. Das ist die Kehrseite derselben Wetterlage: Die Kaltfront kommt von Norden nur langsam voran, sodass Süditalien noch unter dem Einfluss der subtropischen Hochdruckzelle verbleibt – ein "Zwei-Wetter-Land"-Muster, das in den letzten Sommern in Italien zunehmend häufiger auftritt.
  6. Indirekter Zusammenhang mit dem Waldbrand in Venetien: Die vorausgegangene Dürre/Hitze hat den unterirdisch schwelenden Brand am Monte Formiga begünstigt (trockener Boden, Wassermangel bei Löscharbeiten); erst der herannahende Regen bietet eine reale Löschchance.

Der Zusammenhang zwischen der Mallorca-Wassertemperatur und den Zuständen in Italien

Die 33 °C vor Mallorca sind wichtig, weil sie nicht isoliert zu betrachten sind, sondern als Indikator für den energetischen Zustand des gesamten westlichen Mittelmeers in diesem Sommer. Eine marine Hitzewelle dieser Größenordnung breitet sich typischerweise über weite Teile des Beckens aus – inklusive der Meeresgebiete vor Ligurien und der Toskana, die direkt an die betroffenen Regionen grenzen. Der Effekt ist doppelt:

  • Mehr Energie: Wärmeres Meerwasser liefert mehr latente und fühlbare Wärme an die Atmosphäre, was Gewittersysteme antreibt und intensiviert.
  • Mehr Feuchtigkeit: Höhere Verdunstungsraten füttern die Luftmasse mit zusätzlichem Wasserdampf, der bei Hebung (durch Kaltluft oder Gebirge) als extremer Niederschlag "ausregnet".

Genau dieser Mechanismus – ungewöhnlich warmes Mittelmeer trifft auf einströmende Kaltluft – gilt als einer der Haupttreiber für die in den letzten Jahren zunehmenden Sturzflutereignisse in Italien (z. B. Emilia-Romagna 2023, Ligurien wiederholt). Die Artikel greifen diesen Zusammenhang selbst auf, wenn sie erwähnen, dass Wissenschaftler die durch die globale Erwärmung steigende Meerestemperatur mit häufigeren und intensiveren Extremwetterereignissen in Verbindung bringen – sowohl bei Hitzewellen/Dürren als auch bei Starkregen und Überschwemmungen.

Zusammengefasst: Was im Moment (20. bis 23.08.26) passiert ist ein klassisches Genua-Zyklogenese-Ereignis, dessen Intensität durch eine mediterrane marine Hitzewelle (repräsentiert durch die 33 °C vor Mallorca) deutlich verstärkt wurde – ein Muster, das mit zunehmender Meereserwärmung wahrscheinlicher und heftiger wird. Wir sehen wie mörderisch die Auswirkungen der Klimaveränderungen sich zuspitzen können.

Spanien: Gleicher Trog, gleiche Kaltfront

Laut Euronews-Bericht liegt westlich der Iberischen Halbinsel eine ausgeprägte vaguada (Kalttrog) mit Bewölkung und Niederschlägen, begleitet von einer nur langsam ostwärts ziehenden Polarfront. Diese Konstellation beendet auf der Iberischen Halbinsel die heißeste Phase, die Canícula, die vom 15. Juli bis 15. August dauerte – nach einem Sommer, der spürbar über dem Klimamittel lag. Die spanische Wetterbehörde Aemet erwartete, dass der Umschwung am Donnerstag, dem 20. August, einsetzt, wenn die Front den Nordwesten der Halbinsel erreicht – mit verbreiteten Niederschlägen rund um das Kantabrische Gebirge sowie Gewittern und schwer vorhersagbaren Schauern in der gesamten Nordhälfte.

Der meteorologische Zusammenhang zu Italien

Das ist genau dieselbe atlantische Kaltfront/Polarfront, die – wie oben beschrieben – über Frankreich hinweg nach Osten zog und dann auf die aufgeheizte Luftmasse über Norditalien traf. Man kann sich das wie eine Kettenreaktion von West nach Ost vorstellen:

  1. Spanien zuerst: Die Front erreicht zuerst den Nordwesten der Halbinsel und beendet dort die Hitzeperiode.
  2. Frankreich als Durchzugsgebiet: Die Front bewegt sich weiter ostwärts.
  3. Italien als "Kollisionszone": Dort trifft sie schließlich auf die noch extrem warme, feuchtegesättigte Luft über dem Mittelmeer und der Poebene – begünstigt durch die marine Hitzewelle (33 °C vor Mallorca) – und entlädt sich in den extremen Gewittern, Starkregenereignissen und Sturzfluten, die wir in den Artikeln der Presse beschrieben finden.

Die Mallorca-Boje mit 33 °C ist dabei ein Bindeglied zwischen beiden Ländern: Sie liegt geografisch zwischen Spanien und Italien und zeigt, dass das gesamte westliche Mittelmeer in diesem Sommer eine massive Energiereserve aufgebaut hat, die – wo immer die Kaltfront auf sie trifft – zu heftiger Konvektion führt.

Kurz gesagt: Es handelt sich nicht um zwei unabhängige Wetterereignisse, sondern um eine einzige großräumige Umschwungwetterlage, die von West nach Ost über Westeuropa zieht, wobei Spanien den Anfang und Italien – wegen des dort besonders warmen Meeres – die dramatischste Phase markiert.

Wir sehen, wie brutal die Auswirkungen unseres Klimas verlaufen können. Aus dem schönen Urlaubsland wird es an vielen Stellen zu einem Armageddon.

  



Freitag, 21. August 2026

Fantasien zur Nacht: Short 5

 

(c) Stefan Vieregg, KI-generiert



Niemand hatte sie kommen sehen. Einen Moment war der Strand noch leer gewesen – flirrende Hitze über dem Sand, die Luft stand. Im nächsten schnitt eine Silhouette die Horizontlinie. Ihr Blick war fest, nicht auf das Meer gerichtet, nicht auf die Liegen. Geradeaus. Als würde sie ein Ziel verfolgen, das nur sie sehen konnte. Ihr Badeanzug war kein Stoff. Er war Architektur.  Weiße scharfkantige Platten, wie gefaltetes Papier, offensichtlich nicht gefährlich, aber aus einem Material, das das Sonnenlicht nicht schluckte, sondern brach. Und um sie herum – dieser Mantel. War es ein Mantel? Oder ein Umhang? Fast ein Käfig aus Hartplastik. Durchsichtige und weiße Dreiecke, die bei jedem Schritt gegeneinander stießen, ohne ein Geräusch zu machen.

Die Badegäste schworen später, dass die Luft um sie herum kühler wurde. Dort, wo sie vorbeiging, ließ die Hitze nach. Der Sand unter ihren nackten Füßen dampfte nicht mehr, er fror für einen Herzschlag.

Ein Kind rief: "Mama, warum schmilzt sie nicht?" Denn das war es. In einer Welt, die seit Wochen bei 38 Grad kochte, trug sie einen Eisanzug. Ihre geometrischen Textilelemente waren keine Mode. Es waren Kühlrippen. Jede Kante, jede Facette war ein Wärmetauscher. Sie sammelte die Hitze des Strandes, wandelte sie in ihrem transparenten Umhang um und ließ nur noch kühle Luft zurück. Sie kühlte den Strand, indem sie ihn durchquerte. Unglaublich.

Ein Rettungsschwimmer stellte sich ihr in den Weg. "Hey! Hier ist kein Catwalk!" Sie sah ihn nicht einmal an. Ihr Blick aus den hellblauen Visier-Gläsern ging durch ihn hindurch. Sie ging weiter. Er starrte ihr hinterher. Ein Schritt, und der Sand unter ihren Füßen wirbelte auf, als würde er leicht gefrieren und dann zerspringen.

Zwei Schritte. Drei. Der Mantel öffnete sich im Wind wie Flügel, fing das Licht, warf es in scharfen Mustern auf die Dünen. Am Ende des Strandes, wo die Gräser höher wurden und das Meer in einer Nebelbank verschwand, wurde sie langsamer. Nicht, weil sie müde war. Sondern weil die Luft dort selbst kälter wurde. Ihr Mantel begann stärker zu reflektieren, das Weiß ihres Anzugs leuchtete.

Dann, ohne sich umzudrehen, trat sie in den Nebel. Und war weg. Nur eine schmale Spur blieb im Sand – eine Linie aus kühlem, fast bereiftem Sand, die schnurgerade von einem Ende des Strandes zum anderen führte und erst nach einer Stunde wieder in der Hitze verschwand.

Die Leute am Strand suchten noch immer nach ihr. Manche sagen, sie sei ein Prototyp. Eine Klima-Skulptur. Eine wahnsinnig coole Abkühlung. Manche sagen, sie kommt wieder, wenn es zu heiß wird. Und manche schwören, wenn man an einem wirklich heißen Tag ganz fest auf das Meer schaut, sieht man in der Ferne ein kleines, weißes Blitzen. 

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