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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Samstag, 25. April 2026

Rentenreform: Wir dürfen unseren Nachkommen kein kaputtes, ausgenutztes Rentenmodell zumuten

Warum müssen wir denn ständig Renten senken?

Es wird immer wieder und wieder mehr klar, die Summe, die jetzt da sein müsste, um angemessene Renten zu zahlen, ist nicht vorhanden. Sie wurde seit Jahrzehnten für ANDERE Zwecke verwendet. Nicht etwa geliehen mit Rückzahlungsverpflichtung, nein, ganz vornehm aus dem Rententopf einfach nur ent- (sorry, nein) verwendet, damit andere, auch interessante Projekte finanziert.

Laut einer Analyse, die in der Wirtschaftswoche zitiert wird, summieren sich diese Belastungen seit 1957 auf rund 989 Mrd. €. Diese Gelder wurden nie „zurückgezahlt“, weil sie nicht als Kredit, sondern als politische Pflichtaufgaben der Rentenversicherung verbucht wurden. Damit ist klar: Es gab keine Beleihung im Sinne eines Darlehens, aber eine systematische Zweckentfremdung, deren Kosten die Beitragszahler tragen.

Eine Beleihung oder Teilauszahlung ist gesetzlich ausgeschlossen, weil die laufenden Beiträge sofort für die laufenden Renten verwendet werden. Der Staat hat der Rentenversicherung Aufgaben übertragen, die nichts mit Altersrenten zu tun haben, z. B.:

  • Ausgleich Kindererziehungszeiten
  • Mütterrente
  • Renten für Spätaussiedler
  • Renten für politisch Verfolgte
  • Rentenansprüche aus DDR‑Zeiten
  • Renten für Kriegsfolgen
  • Renten für Zeiten der Arbeitslosigkeit

Diese Leistungen sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben, aber sie wurden über Jahrzehnte nicht vollständig aus Steuermitteln finanziert, sondern aus Beiträgen der Rentenversicherten. Das ist der Kern der „Beleihungsdebatte".

Wie groß ist der Schaden?

Wie erwähnt wurden der Rentenkasse 989 Mrd. € seit 1957 für versicherungsfremde Leistungen aufgebürdet. Die Bundeszuschüsse decken diese Kosten nicht vollständig. Die Differenz wurde aus Beiträgen der Versicherten finanziert. Beitragszahler haben Leistungen finanziert, die eigentlich aus Steuern hätten bezahlt werden müssen.


Die Lage zurzeit

  • Fast 1 Billion Euro andere Leistungen wurden der Rentenkasse für staatliche Aufgaben aufgebürdet.
  • Zurückgezahlt wird nichts, weil es nie als Kredit verbucht wurde.
  • Die Folgen tragen die Beitragszahler: höhere Rentenbeiträge trotz sinkender Renten, hohe Steuern.
  • Erforderlich sind Zusatzaufwendungen für private Vorsorge.

Wer zahlt das zurück?

Niemand! Und das ist das Problem. Diese Mittel wurden nicht als Kredit verbucht, sondern als „gesetzliche Aufgaben“ der Rentenversicherung. Es gibt keinen Mechanismus, der eine Rückzahlung vorsieht. Die Konsequenz: Die Rentenkasse ist strukturell geschwächt. Beitragssätze müssten stark steigen, mit ihnen die Löhne. Das Gegenteil ist der Fall: Das Rentenniveau sinkt, weil die Beiträge nicht ausreichen. Arbeitgeber wollen nicht ausufernde Rentenanteile zahlen. Zwar steigen die Steuerzuschüsse, aber nicht ausreichend. 

Warum ist das politisch relevant? 

Weil Politiker heute sagen: „Die Rente ist zu teuer.“ „Wir brauchen private Vorsorge.“ „Die Rentenkasse ist nicht nachhaltig.“ Dabei wurde ein großer Teil der finanziellen Probleme politisch selbst erzeugt, indem man die Rentenkasse als Schattenhaushalt genutzt hat.

Die strukturelle Schwächung der Rentenkasse ist das Ergebnis von 70 Jahren Politik – nicht das Versagen eines einzelnen Kanzlers, sondern von allen bisher nominierten, plus den Abgeordneten. Wer heute Reformen macht, muss diese historische Last anerkennen und korrigieren.

Ein System, das reale Kaufkraft vernichtet, die Rentenkasse zweckentfremdet, Millionen arbeitsfähige Menschen in Transfers hält und privilegierte Versorgungssysteme (Beamte, Abgeordnete) schützt, verliert zwangsläufig das Vertrauen der Bevölkerung.

Wer diese Fehlentwicklungen nicht korrigiert, trägt Verantwortung für den Verlust von Wohlstand und sozialem Zusammenhalt. Ein Rententopf verwaltet von Finanzfachleuten, angelegt in dutzende Anlageformen, gesichert und gepflegt, das wäre eine Antwort.

Warum kommt die derzeitige Bundesregierung unter Friedrich Merz jetzt mit einer Basisrente?

Einzahlung gleich Auszahlung oder, wer's riskant will, lässt 20% der jährlichen Einzahlungen am Finanzmarkt arbeiten, so die Vorstellung.

Kapitalmarktanteile der Rente

Kapitalmarktanteile der Rente generieren mit:

  • betrieblicher Altersvorsorge
  • privater Vorsorge
  • einem neuen staatlich geförderten Vorsorgedepot ab 2027
Kurz gesagt: Eine Basisrente von 1200 EUR wird garantiert und als eine Grundsicherung ausgezahlt. Dafür wird eingezahlt. Die Beiträge werden kaum gleich bleiben, sie müssen ansteigen, sonst funktioniert das nicht. Das Modell garantiert a) 100% Auszahlung oder b) 80% und 20% mit einem variablen und volatilen Kapitalmarktanteil, der eventuell mehr bringen kann. Das Risiko von Renditen oder Verlusten wird selbstverständlich auf die Bürger verlagert. Ob aus den 20 % Kapitalmarktanteil „etwas herauskommt“, hängt stark von Börsenzyklen ab – garantiert ist dort nichts. Die Rentengarantie bleibt zwar bestehen, aber das Rentenniveau sinkt doch real zumindest beim garantierten Anteil ab? Es verlieren alle, die heute über diesem Betrag gelandet wären, und es profitieren alle, die 1200 EUR nicht erreicht hätten. Die gesetzliche Rente wird also nicht mehr als Instrument zur Lebensstandardsicherung gesehen, sondern als reine Grundsicherung. Damit spielt schon wieder die große Gruppe der 5,4 Mio Bürgergeldbezieher hinein, die theoretisch auch arbeiten könnten, die wirklich kranken Bezieher rausgerechnet. 

Preisfrage: Wie soll das gehen?

Um das Niveau Auszahlung gleich Einzahlung zu erreichen muss der Einzahlungsbetrag dennoch kontinuierlich um den Preissteigerungsfaktor bzw. den Kaufkraftverlust gegengerechnet und ausgeglichen werden. Gelingt das überhaupt? Ist das überhaupt vorgesehen? Unsere Einzahlungen sind bekanntlich 30 oder 40, 45 Jahre später nur noch einen Bruchteil wert, sie müssen stark ansteigen. Wer heute als junger Mensch 1200 EUR Basisrente finanziert, bräuchte in 45 Jahren erstens eine Rente von 4116 EUR um sein Leben zu finanzieren, da die Preise überall ansteigen werden, die Kaufkraft sinkt, zweitens müsste er die Beitragserhöhungen stemmen, die ebenfalls stark zulegen würden. Gehen die Löhne und Beitragshöhen nicht mit, wie sie sollen, wird kein oder ein zu kleiner Ausgleich generiert, würde er mit garantierten 1200 EUR ganz schön blöd dastehen! Absoluter Armutsfall! Er hätte dann inflationsbedingt nur ein Viertel der Rente erreicht, nämlich im Vergleich zu heute quasi einen Gegenwert von weniger als 300 EUR. An privaten erheblichen Bemühungen der Altersvorsorge kommt wohl keiner vorbei, zumal die Kaufkraft-/Inflationsfrage zum Zeitpunkt der Fälligkeit am Ende der Berufstätigkeit zurzeit nicht geklärt ist. 


Was Inflation mit der Rente macht

Zeitraum Preissteigerungs-Faktor* Kaufkraftverlust Nötige Rentensteigerung
10 Jahre 1,31 -24 % +31 %
20 Jahre 1,72 -42 % +72 %
30 Jahre 2,15 -53,5 % +115 %
40 Jahre 2,99 -66,6 % +199 %
45 Jahre 3,43 -70,9 % +243 %

* Berechnet mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,7 % p.a. Langfristiger Mittelwert in Deutschland seit 1991.

Das bedeutet konkret:

  • Nach 30 Jahren ist die Rente nur noch etwa halb so viel wert.
  • Ohne Anpassung müsste die Rente sich mehr als verdoppeln, um die Kaufkraft zu halten.
  • Reale Rentensteigerungen gleichen die Inflation oft nicht vollständig aus.

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