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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Samstag, 31. Januar 2026

Werner Fröhlich: Gelesen, gesehen, gehört (2026, 1)

  • Ist denn ein langes Leben gut? Interview mit dem indischen Historiker Dipesh Chakrabarty, ZEIT 11.12.2025
  • Der Tod steht ihr gut (Death becomes her). Film von Robert Zemeckis. 1992

  • Cormac McCarthy: Die Straße. Roman. 2006


Im Interview mit dem Chikagoer Universitätsprofe Themessor Chakrabarty kommt die ZEIT-Redakteurin Elisabeth von Thadden aufn, die „fast unmöglich auszusprechen“ sind: Den hohen Ressourcenverbrauch durch Maßnahmen zur Lebensverlängerung und die Auswirkungen auf das Weltklima.

Müssten wir womöglich kürzer leben, damit unsere Nachkommen ein besseres Klima erleben?
Der 2006 erschienene dystopische Roman des Pulitzer-Preisträgers Cormac McCarthy schildert in
drastischer Weise, wie eine Welt aussehen könnte, in der alles, restlos alles, was das menschliche
Leben heute ausmacht, verbrannt, verschwunden, vernichtet ist. Ohne elektrischen Strom gibt es
nichts mehr, keine Produktion, keine Lebensmittel, keine Landwirtschaft, keinen Verkehr, keine Medien, keine Verwaltung, keine Gesetze, keine Zivilisation. Zwei Überlebende, ein Junge und sein Vater, schleppen sich durch ein eiskaltes, verwüstetes Land. Sie durchsuchen Müllhalden und verlassene Häuser nach Essbarem, nach dem, was von der früheren Zivilisation erzeugt wurde und übrig geblieben ist. Was sie mehr noch fürchten als das Verhungern, sind andere Menschen, „die Bösen“, die
auf der Jagd sind nach Menschen, die sie töten und aufessen wollen.

Chakrabarty weist im Interview darauf hin, dass die heutige Gesundheitsversorgung ohne Strom
nicht möglich wäre. Ohne Strom keine Kühlschränke für Medikamente, keine Klimaanlagen, keine
geheizten Zimmer für Kinder und alte Menschen. Nicht nur das - eine Unterbrechung der Stromproduktion oder Stromlieferung auch nur für wenige Tage hätte den Zusammenbruch der Zivilisation zur Folge und würde sofort zu lebensgefährlichen Zuständen führen.

Die Wohltaten der modernen Zivilisation beruhen – so Chakrabarty – auf den vier Stoffen Zement,
Plastik, Stahl und Ammoniak zum Düngen. Diese vier Stoffe werden durch das Verbrennen fossiler
Energien hergestellt. Dafür wird ein Viertel des Primärenergieverbrauchs eingesetzt. „Wir haben uns
zu Gefangenen dieses energiehungrigen Lebensstils gemacht“ – so seine Schlussfolgerung.

Menschen wünschen sich ein möglichst langes Leben. Das ist verständlich und war schon immer so,
seit es Menschen gibt. Aber erst die Fortschritte in der Medizin und in der Nahrungsmittelerzeugung
in den letzten hundert Jahren haben es möglich gemacht, dass die durchschnittliche Lebenserwartung - zumindest in den Industrie- und Schwellenländern – auf 80 Jahre und mehr gestiegen ist. Einen so ho

Dass ewiges Leben (auf Erden, nicht im Himmel) für Menschen nicht wirklich erstrebenswert ist, gehört zum Allgemeinwissen und wurde schon viele Male künstlerisch verarbeitet. Zum Beispiel in der
bitterbösen Komödie „Der Tod steht ihr gut“ mit dem famosen Trio Meryl Streep, Goldie Hawn und
Isabella Rossellini. Die Zauberin im Film sagt: „This is life's ultimate cruelty. It offers us a taste of youth and vitality, and then it makes us witness our own decay.“ (Das ist die größte Grausamkeit des
Lebens. Es schenkt uns einen Geschmack von Jugend und Lebensfreude und macht uns dann zum
Zeugen unseres eigenen Zerfalls).

Wo aber sind die Grenzen des Lebens und wer ist berechtigt, sie festzulegen? Darf ich frei über mich
selbst bestimmen und gehört alles, was in mir ist und entsteht, mir und nur mir allein? Muss die
Krankenkasse für die Folgen eines missglückten Selbstmordversuchs bezahlen? Darf alles, was technisch möglich ist, realisiert werden? Ich nehme, um einer Diskussion mit Religionslehrern und Philosophen auszuweichen, die einfachste Entscheidungshilfe: Das Gesetz. Verfassung und Gesetz bestimmen, was erlaubt und was verboten ist.

Das Essen von menschlichem Fleisch (mit dem Begriff „Kannibalismus“ nur unscharf umschrieben) ist
eines der stärksten Tabus. Es wurde in der darstellenden Kunst und in der Literatur schon häufig
thematisiert. Erinnert sei nur an das Märchen vom Machandelbaum, an Jonathan Swifts „Bescheidenen Vorschlag“ oder Poes Roman „Arthur Gordon Pym“. Nach dem Motto „Was verboten ist, macht
uns gerade scharf“ ist das Brechen der stärksten Tabus genau der Inhalt von kommerziellen Exploitation-, Splatter- und Zombiefilmen. Im Roman „Die Straße“ unterscheidet der Autor die „Guten“ von den „Bösen“. Die „Bösen“ essen Menschenfleisch, die „Guten“ nicht. Diese Unterscheidung wirkt
allerdings nicht sehr durchdacht. Wer nämlich, z.B. in einer existenziellen Notsituation, das Fleisch
gestorbener Menschen isst, tötet niemand und fügt niemand ein Leid zu, im Unterschied zu denjenigen, die lebende Menschen töten, verletzen oder foltern. Wie es in jedem Krieg täglich geschieht.

Strafrechtlich gesehen ist Kannibalismus kein schwerwiegender Tatbestand. Ein Mensch, der gestorben ist, wird rechtlich eingestuft als herrenlose Sache. Ein toter Mensch hat keinen Willen und keine
eigenen Rechte. Wer Leichenteile entnimmt und aufisst, handelt verabscheuungswürdig, kann aber
lediglich wegen Störung der Totenruhe bestraft werden, mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren. Jagdwilderei zum Beispiel wird härter bestraft.

Die Verwendung von Körperteilen verstorbener Menschen wird ethisch unterschiedlich beurteilt. Die
Übertragung von Gewebeteilen toter auf lebende Menschen ist eine anerkannte und weit verbreitete Therapiemethode, z.B. die Transplantation von Augenhornhaut, Blut, Herzklappen, Knochen, Sehnen, Nieren oder Herzen. Gewebe- oder Organ-„Spenden“ werden ethisch hoch bewertet und moralisch und in manchen Ländern sogar gesetzlich zur Pflicht gemacht. Die Verwendung von Leichenteilen zum Ernährungszweck wird dagegen ethisch als verwerflich betrachtet, selbst dann, wenn sie in
Extremfällen das einzige Mittel zum Überleben wäre.


McCarthys Roman ist eine düstere Parabel auf das Leben. Wir erfahren nichts Neues. „Der Mensch ist
des Menschen Wolf" - das wissen wir seit der Antike. In einer toten Umwelt beneiden die Lebenden
die Toten. Trotzdem hängen die Lebenden mit rücksichtslosem Egoismus am Leben. Ist das nackte
Überleben in jeder Situation und um jeden Preis dem Sterben vorzuziehen? Auf diese Frage geben
uns der Romanschriftsteller McCarthy und der Professor Chakrabarty keine Antwort.

(Werner Fröhlich, Neustadt an der Weinstraße)

Literarisches in der Pfalz im Februar 2026

Literarischer Salon
01.02. 15.00 Uhr Eine Begegnung mit Ingo Siegner in Speyer Historisches Museum der Pfalz, Domplatz 4, 67346 Speyer
Der Erfinder des "Kleinen Drachen Kokosnuss" liest und zeichnet.
Eintritt 12,00 €, Kinder 9,00 €

01.02. 18.30 Uhr Natascha Hoefer liest in Landau
Bistro „Visite ma Tante“, Pestalozzistraße 21, 76829 Landau
Jedes Leben ist ein kleiner Roman. Zumal eines mit zwei Kulturen. In ihrem Buch „Dazwischen“ nimmt die deutsch-französische Autorin die Gäste mit.
Musikalische Begleitung: Jens Schneider, Mandoline.
Galette, Crêpes und mehr werden gereicht.
Eintritt: 9,00 €

02.02. 17 Uhr Literaturtreff „Lesezeichen“ in Landau
Haus am Westbahnhof, An 44 Nr. 40a, 76829 Landau
Wir nehmen uns Zeit zum Vorlesen und Zuhören, Erzählen und Stöbern, Zeit für Begegnung und Austausch.
Eintritt frei

02.02. 19.00 Uhr "Tiere in der Weltliteratur" in Speyer
Vortragssaal der Villa Ecarius, Bahnhofstraße 54, 67346 Speyer
Eine Veranstaltung der VHS Speyer.
Eintritt 7,00 €

05.02. 19.30 Uhr Kathrin Bach liest aus ihrem Roman "Lebensversicherung" in Speyer
Alter Stadtsaal, Kleiner Saal, Rathaushof, Maximilianstr. 12, 67346 Speyer
Veranstaltung im Rahmen von Speyer.LIT.
Eintritt 12,00 €

05.02. 19.30 Uhr Marion Tauschwitz liest in Ludwigshafen
Stadtbibliothek Ludwigshafen, Bismarckstr. 44, 67059 Ludwigshafen
Unter dem Thema „Ich will leben“ liest die Biografin Selma Merbaums über
Leben und Werk der jungen Poetin. Am 5. Februar 2026 jährt sich der Geburtstag
der Lyrikerin aus Czernowitz zum 102. Mal. Musik von Adax Dörsam.
Eintritt frei

06.02. 19 Uhr Silke Scheuermann tritt in Edenkoben auf
Klosterstraße 101, 67480 Edenkoben
Die Autorin liest aus „Zweites Buch der Unruhe". Im Gespräch mit Prof. Dr. Björn Hayer.
Eintritt 10,00 €

07.02. 17 Uhr Elisabeth Singh-Noack liest in Heidelberg
Murx, Oberbadgasse 6, 69116 Heidelberg (Altstadt)
Die Autorin liest zusammen mit Elke Barker zum Thema „Momente mit sich
und in der Gesellschaft“.
Eintritt frei, Spenden erbeten

09.02. 19 Uhr Davide Coppo gastiert in Speyer
Gymnasium am Kaiserdom, Orchesterraum (3. OG), 67346 Speyer
Der Autor liest und spricht mit Schüler:innen über „Der Morgen gehört uns“.
(SchülerInnen der GaKtiv-AG im Gespräch mit dem Autor.).
Anmeldung unbedingt erforderlich: ticket@li-mu.org.
Freier Eintritt für alle Schülerinnen und Schüler.
Erwachsene 15,00 €

10.02. 10 Uhr Lesung mit Edith Brünnler in Ludwigshafen
Am Lutherplatz / Lutherturm, Maxstr. 33, 67059 Ludwigshafen
Lesung am Frühstückstisch aus der Reihe „Der Kaffee ist fertig – Geschichten mit Biss“
zum Thema „Trost“. Edith Brünnler liest hochdeutsch und pfälzisch.
Eintritt 6,00 € für Lesung und ein Backwerk (Preis ohne Getränke).
Anmeldung erforderlich unter baerbel.baehr-kruljac@evkirchepfalz.de (0155-60642127)

10.02. 19 Uhr Edith Brünnler liest in Neustadt Mußbach
Weingut Klohr, An der Eselshaut 67, 67435 NW-Mußbach
Das Thema lautet „Friehlingsduft liggt in de Luft“.
Musik: Charly Weibel
Eintritt 15,00 €.
Anmeldung unter Tel. 06321-66439 oder E-Mail info@weingut-kl ohr.de. Einlass ab 18 Uhr

10.02. 19 Uhr Elisabeth Singh-Noack tritt in Mannheim auf
Buchladen Lindenhof Meerfeldstraße 38, 69263 Mannheim
Die Autorin liest zusammen mit Elke Barker zum Thema „Begegnungen mit Natur und Menschen“. Beginn ist um 19 Uhr,
Eintritt 15,00 € inkl. Getränk

10.02. 19 Uhr Lesung und Gespräch über Rainer Maria Rilke in Karlsruhe
PrinzMaxPalais 10, 67133 Karlsruhe
Prof. Dr. Sandra Richter spricht über ihr Buch „Rainer Maria Rilke oder Das offene Leben“. Eine Biographie.
Eintritt 8,00 €

12.02. 19 Uhr Lesung und Gespräch über Literaturgeschichte in Karlsruhe
PrinzMaxPalais 10, 67133 Karlsruhe
Prof. Dr. Steffen Martus über sein Werk:
"Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart. 1989 bis heute."
Eintritt 8,00 € 

13.02. 14 Uhr Büchertreff in Kaiserslautern
Pfalzbibliothek, Bismarckstr. 17, 67655 Kaiserslautern
Info „Auf ein Buch“ trägt im Februar den Schwerpunkt „Ich lese gerade …“.
Keine Anmeldung erforderlich, Eintritt frei

15.02. 11 Uhr Lesung in Landau zu Leben und Werk von Maxim Gorki
Frank-Loebsches Haus, Kaufhausgasse 9, 76829 Landau
Unter dem Titel „Sturmvogel“ lesen Erica Risch und Jürgen Reitz.
Eintritt frei

17.02. 15.11 Uhr Edith Brünnler liest zum Kehraus in Ludwigshafen
Prot. Gemeindehaus, Badgasse 19, 67069 Ludwigshafen
Edith Brünnler hält im Lauf der Veranstaltung eine Büttenrede.
Eintritt frei

19.02. 19 Uhr Elisabeth Singh-Noack tritt in Ludwigshafen auf
Buchladen Leseecke, Edigheimer Straße 5, 67069 Ludwigshafen
Die Autorin liest Kurzprosa und Gedichte zum Thema „Buchstaben und Bücher, Sprache und Schrift“

19.02. 19.30 Uhr Thomas Melle liest aus seinem Roman "Haus zur Sonne" in Speyer
Alter Stadtsaal, Kleiner Saal, Rathaushof, Maximilianstr. 12, 67346 Speyer
Veranstaltung im Rahmen von Speyer.LIT.
Eintritt 12,00 €

25.02. 19.30 Uhr Christoph Poschenrieder liest aus seinem Roman "Fräulein Hedwig"
Alter Stadtsaal, Kleiner Saal, Rathaushof, Maximilianstr. 12, 67346 Speyer
Veranstaltung im Rahmen von Speyer.LIT.
Eintritt 12,00 €

26.02. 19 Uhr Sebastian Mirow gastiert im Rahmen des „Scheffel-Tages“
PrinzMaxPalais 10, 67133 Karlsruhe
Dichterstunde auf den Spuren Joseph Victor von Scheffels.
Sebastian Mirow liest aus Brief aus Venedig und andere Reisebilder.
Eintritt frei

27.02. 16.00 Uhr Ulrich Bunjes liest aus seinem Roman "Die edelste Tochter der Grafik"
Seniorenbüro, Maulbronner Hof 1a, 67346 Speyer
Eine Veranstaltung der Literaturfreunde des Seniorenbüros Speyer.
Eintritt frei

27.02. 18.00 Uhr Premierenlesung des Krimis "Weinfluch" von Uwe Ittensohn
Historisches Museum der Pfalz, Domplatz 4, 67346 Speyer
Veranstaltung mit Weinprobe.
Eintritt 20,00 €

27.02. 19 Uhr Neue Stipendiat*innen im Künstlerhaus Edenkoben
Klosterstr. 181, 67480 Edenkoben
Dr. Helen Roth stellt die neuen Stipendiat*innen Lara Rüter, Stefania Smolkina und Paula van Well vor. Eintritt 10,00 € 

27.02. 19 Uhr Lesung mit Ute Bales in Reute
Försterhaus Reute, Hauptstraße 4, 79276 Reute
Ute Bales liest aus dem Roman "Großes Ey". https://foersterhaus-reute.de/de/termine.php (Kultur im Försterhaus e.V.)


Freitag, 30. Januar 2026

Diebstähle in Westpfalz und Saarland

 

Taschendieb am Werk,
KI, gemeinfrei

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt für Taschendiebstähle in der Westpfalz und im Saarland keine separaten Zahlen heraus, sondern fasst diese in größeren Kategorien wie „Diebstahl ohne erschwerende Umstände“ zusammen. polizei.rlp

Westpfalz (PKS Polizeipräsidium Westpfalz 2024)

  • 5.114 Fälle von Diebstahl ohne erschwerende Umstände (Rückgang um 6,8% gegenüber 2023), wozu Taschendiebstähle zählen. polizei.rlp

  • 2.077 Diebstähle unter erschwerenden Umständen (+2,3%), ebenfalls inklusive möglicher Taschendiebstähle mit Waffen oder Bandenanteil. polizei.rlp

Saarland (PKS 2024)

  • 1.097 erfasste Taschendiebstähle (basierend auf regionaler Auswertung der PKS). facebook

  • Gesamte Diebstahldelikte werden nicht detailliert in den öffentlichen Berichten aufgeschlüsselt, aber Taschendiebstahl gehört zu den häufigen Eigentumsdelikten. facebook

Allgemeine Einordnung

  • Bundesweit sanken Taschendiebstähle leicht von 109.314 (2023) auf 107.720 Fälle (2024), mit einer Aufklärungsquote von 6,9%. aktion-tu-was

  • Detailliertere Aufschlüsselungen zu Taschendiebstählen nach Region sind in der PKS nicht öffentlich tabelliert und erfordern direkte Anfragen bei den Präsidien. bka


- Taschendiebstähle fallen unter Schlüssel *90*** und beziehen sich ausschließlich auf physische Entwendung von Gegenständen aus Kleidung oder körperlichem Gewahrsam (z.B. Geldbeutel aus der Tasche). polizei.rlp

- Digitale Delikte wie unbefugter Datenzugriff (§ 202a StGB), Ausspähen oder Identitätsdiebstahl werden separat als Computerkriminalität (Cybercrime) oder unter spezifischen EDV-Schlüsselnummern geführt.

Wo digitale Diebstähle (Daten, Bitcoin) landen ...

Solche Fälle erscheinen in der PKS unter Cybercrime im engeren Sinn, z.B. Ausspähen von Daten, Phishing oder Computersabotage, nicht bei klassischen Diebstählen.

In Westpfalz- oder Saarland-Statistiken bleiben sie daher unsichtbar in den genannten Diebstahlszahlen.

Hardware-Schutzfunktionen können physischen Diebstahl nicht völlig verhindern, aber sie schrecken ab, verzögern den Diebstahl und erleichtern die Ortung oder Sicherung des Geräts. In der Praxis kombiniert man meist mehrere dieser Maßnahmen. polizei-beratung

Donnerstag, 29. Januar 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #93: Wunder im Gehörgang


     Ich wundere mich blau und schwarz. © Foto: Dominik Reichenbach /Artwork: Claus Piffl


Wunder im Gehörgang

Ihr kennt das.
Gerade hat man sich nieder gesetzt. Es sich gemütlich gemacht. Im Kaffeehaus, im Zug, im Bus, oder sonst irgendwo, wo man sich wie zuhause fühlt, aber dann doch nicht zuhause - oder gar alleine - ist.
Trotzdem: Man hat sein Lieblingsgetränk vor sich (je nach Tageszeit: Tee, Gin&Tonic, Hafermilch mit Barbituraten), der Sitz ist bequem, die Lektüre liegt gut in der Hand, alle Verantwortlichkeiten sind gut wegdelegiert (Hund im Hundesalon, Kind im Kindergarten, Partner im Swingerclub), kurz gesagt: Es passt alles und die gute Zeit kann los gehen.

Und plötzlich setzt sich hinter Dich der Typ - oder die Typin - mit dieser Stimme.
Genauer: Mit der unangenehmste Stimme der Welt.
Ein Organ, das sich in Deinen Gehörgang bohrt, wie die Zunge des Ameisenbärs in den Ameisenbau.
Und die Stimme spricht. Und spricht. Und spricht. Und sie hört nicht mehr auf.
Und nichts von dem, was sie spricht, interessiert Dich, aber Du erfährst es:
Die Probleme bei der Anmeldung von batteriebetriebenen Rasenmähern / Wie das Konzert der Underwater-Industrial-Salsa-Volksmusik-Band „Die aufgetauten Fischstäbchen“ war (inklusive ein paar vom Handy abgespielte, selbstgemachte Mitschnitte) / Oder wie man den eitrigen Ausfluss an einem intimen Organ an Geruch und Farbe erkennt und wie dieser genau beschaffen ist (Spoiler: changierend zwischen Biomülltonne und Fleischabfällen und dunkelgrünbraunschimmelwurst).

Nichts davon willst Du wissen, aber es gibt kein Entrinnen. Es kriecht in Dich hinein, es nagelt sich über Dein Gehör in Dein Bewusstsein. Schlägt Wurzeln in Deinem Stammhirn. Legt Eier in Deiner Seele. Und es hört nicht auf.

Wir kennen das alle. Gerade jetzt.

Denn global betrachtet, ist diese unendlich nervige Stimme, die sich unermüdlich platzgreifend in Dir ausbreitet der Präsident der USA.
Nichts, was der Mann sagt, will man hören. Aber: Man entkommt ihm nicht. Er ist überall. Und das jeden Tag.

Aber nicht hier. Hier gibt es Erholung.

Dieser Newsletter ist hiermit frei von Narzissten mit seltsamen Frisuren (mal abgesehen vom Autor).
Hier sprechen wir mal über was Wichtiges.
Also nicht darüber, worüber man in Österreich gerne spricht.
Denn dort redet man entweder über Lawinen (man kennt ja das Kinderlied: „Ich geh mit meiner Lawine und meine Lawine mit mir!“) oder über Kühe. Kühe, die sich mit einem Besen kratzen, wenn es sie juckt.
Kühe, die übrigens in Kärnten leben, wie die Kärntner gerne betonen.
Kühe, die allerdings aus Vorarlberg stammen, worauf die Vorarlberger gerne verweisen.
Mit einem Besen, der übrigens aus Oberösterreich kommt, was die Oberösterreicher… nicht wissen.
Da kratzt man sich doch am Kopf - ganz ohne Verwendung eines Besens - und sagt sich:
„Das sind Eure Probleme? Ihr habt es gut.“

Wir sprechen jetzt aber auch nicht, worüber man in Deutschland gerne spricht.
Also über Österreicher zum Beispiel. Typen wie Martin Sellner.
Ein Mensch, der wirkt als wäre er dem dicken Historienwälzer „Immer Ärger mit diesen Österreichern.“ entsprungen. Nämlich einem sehr schmalen Kapitel gleich hinter Ferdinand II., Franziska Donner (Ehegattin des Südkoreanischen Diktators Rhee Syng-man) und dem Fritzl Joseph.
Denn der Typ ist eigentlich ein völliges Paradoxon: Seine Lieblingsbeschäftigung ist, ins Ausland (Deutschland) zu fahren, wo er als Ausländer den örtlichen Ausländerfeinden erklärt, wie man Ausländer los wird.
G’scheiter wär’s, er bliebe einfach zu Hause und hielte die Fresse.
Wäre für alle angenehmer.

Denn obendrein ist es ja so - auch wenn das die Ausländerfeinde nicht hören wollen - das unsere Länder (die deutschen Landen, wie all die kleinen Österreiche) die Ausländer brauchen. In zahlreichen Lebensbereichen. In der Land- , der Gast- und auch der restlichen Wirtschaft, oder in der Pflege, sie finanzieren das Sozialsystem mit, und zum Dank dafür sind sie in allen Medien immer nur eins: Ein Problem.

Und wenn man den „Ausländer“ als „Problem“ ordentlich besprochen hat, dann wundert man sich in den selben Medien dann bitte aber auch blauäugig (pun intended) darüber, dass die AfD und FPÖ immer mehr Zuspruch bekommen.
Und dass, obwohl man nur ständig ihre Themen und Sichtweisen übernimmt.
Tja. Nächste Woche wundern wir uns dann bitte, warum der Dackel der Nachbarin mit seinem Bauch am Boden schleift, obwohl sie ihn seit Jahren täglich eineinhalb Kilo Hundefutter reinstopft, aber jegliche Bewegung verwehrt.

Man könnte ja auch - völlig verrückte Idee - über die tatsächliche Probleme reden.

Etwa über Gerechtigkeit. Ist es etwa gerecht, dass Manager eines Hedgefonds das zig-fache von einem/einer Krankenpfleger/in verdient?
Oder anders gefragt: Wen möchtest Du im Falle eines medizinischen Notfalls lieber an Deiner Seite wissen? Hm.
Für alle die jetzt „Hedgefondmanager“ rufen: Ihr wisst schon, dass der Tod der letzte Shortseller ist, den ihr trefft?
Ja? Dann ist gut.
(Apropos Investment: Diesen Newsletter kann man auch unterstützen. Alle Infos unten.)

Oder: Wir könnten natürlich auch über Fortschritt sprechen.
Ist es zum Beispiel wirklich Fortschritt, wenn der slowakische Ministerpräsident Fico in Florida einen uns allen völlig unbekannten, wie unbedeutenden, verwirrten, älteren Herrn trifft, um mit ihm - und seinen Freunden von Westinghouse - darüber zu sprechen, wie man das Atomkraftwerk in Bohunice (etwa 80km von Wien) ausbauen könnte.

Da sagt man sich doch: Na, endlich! Das ist ein Treffen von Menschen, die endgültig mit der Zukunft abgeschlossen haben. So sieht das aus, wenn man in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück reist: Endlich wieder AKWs bauen. Wohin geht es als nächstes? Ins 19. Jahrhundert, um eine Heeresreform auf den Weg zu bringen, bei der eine fesche Kavallerie aufgestellt wird? Oder noch weiter? Vielleicht wird das Postwesen demnächst durch den massiven Einsatz von Brieftauben modernisiert? Oder der Arbeitsmarkt durch die Wiedereinführung der Leibeigenschaft?
Das sind eben die Konzepte von Menschen, die sowohl gut mit einem russischen Kriegsverbrecher sind, als auch mit einem nichterwähnenswerten, ehemaligen US-Reality-TV-Star, wie auch mit Orban, Kickl, Weidel und Meloni.

Wobei die Meloni sich in letzter Zeit ja auch gern mit Deutschlands Kanzler Merz trifft.
Wahrscheinlich, um etwas zu lernen. Denn in Deutschland, da geht was weiter. Aber hallo!
Nein, der BND hat immer noch nicht die Satelliten, die er gerne hätte.

Es ist aber wahrscheinlich auch schwierig von Pullach in Oberbayern Satelliten ins All zu schießen. Zumindest noch. Wer weiß, vielleicht stecken in diesen schönen Zwiebeltürmen, die die bayerischen Barockkirchen zieren, viel mehr als man glaubt, und sie machen plötzlich - Pfuhhh! - und sind im All.
Wenn in einer davon Markus Söder sitzen würde, täten sich auch herunten ein paar Leute freuen.

Aber es ging ja um den Fortschritt in Deutschland.
Denn… Trommelwirbel!….in der Bundesrepublik Deutschland gibt es bald das …ansteigender Trommelwirbel!… behördliche Führungszeugnis … sehr lauter Trommelwirbel!…in digitaler Form!
Tusch! Rakete! Feuerwerk! Sektkorken! In einem Amt bläst ein mittelalter Herr eine Luftschlange in die staubige Luft, blickt auf die Uhr und sagt: „Ah! Jetzt ist schon wieder Zeit für Middach.“

Ja, es ist vollbracht. Es gibt jetzt tatsächlich das amtliche Führungszeugnis aufs Handy. Ohne Papier.
Ja leckomio. Wahnsinn, das muss diese Effizienz sein, von der alle immer reden.
Die chinesische Führung prahlt damit, dass sie jeden ihrer 1,4 Milliarden Bürger digital überwachen kann, aber was ist das gegen Deutschland, wo jeder bald sein eigenes Führungszeugnis sich downloaden kann? Ha, nehmt das ihr TikTokTechnikTaoisten!

Denn das digitale Führungszeugnis ist jetzt da.
Also fast. Bald. Noch ist es nicht so weit.
Nur nichts überstürzen. Jetzt hat einmal das Gesetz den Bundestag passiert.
Also nicht so wie Tomaten und Kinder passieren, sondern absichtlich. Im Vorübergehen.
Und dann wird das 2026 irgendwann möglich sein.
Und zwar so, wie das die zuständige Ministerin nennt, nämlich:
„Schnell und unbürokratisch“

Bis dahin?
Müssen wir - fürchte ich - dieser sehr unangenehmen Stimme von da hinten zuhören.
Ich möchte Kopfhörer.

——

groebner live:


Samstag 24.1. Salzburg, Arge Kultur

Freitag 6.2. Deutschland-Premiere! München Lustspielhaus

Samstag 7. 2. Traunstein, Nuts

Donnerstag 19.2. Frankfurt, Stalburg Theater

Freitag 20.2. Stuttgart, Rosenau

Dienstag 24. - Donnerstag 26.2. Wien, Theater Drachengasse

Freitag 27. 2. Steyr, Akku Kulturzentrum

Samstag 28.2. Gutenbrunn, Truckerhaus

Und, und, und…alle Termine gibt es 
hier.


groebner gesehen:
Der freundliche Sender 3Sat hat mein Programm „
ÜberHaltung“ ausgestrahlt.
Für alle, die es noch nicht gesehen haben, die haben jetzt in der Mediathek (Achtung Wortwitz) 
das Nachsehen.

groebner gehört:
Satire-Pop-Album 
„Nicht mein Problem“

Zusammen mit den sehr lieben, aber auch geschätzten Kolleginnen und Kollegen Fine Degen, Ella Carina Werner, Jess Jochimsen und Sascha Bendiks (ich schätze alle mindestens drei Jahre jünger) war ich auf Schloß Kapfenburg und habe dort bei für SWR Kultur die
 „Nacht der Poeten“ mit lustigen Texten bestritten.
Teil eins könnt Ihr Euch hier 
anhören.
Teil zwei jetzt auch, nämlich 
hier.

Das „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek, wo ich zum Beispiel darüber nachdenke, ob nicht 
Schafe schlauer sind als Börsinaner.
Einen neuen Song (ist die Zugabe vom neuen Programm, aber psst!) kann man direkt 
auf der Homepage hören.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf 
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.


Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Mittwoch, 28. Januar 2026

250 Jahre USA: Gründung der USA und die ersten 100 Jahre

Hier eine verkürzte Darstellung der Gründung der USA und der ersten 100 Jahre ihres Bestehens (ca. 1763–1876) – mit politischem, sozialem und ideengeschichtlichem Fokus.

1. Vorgeschichte: Kolonien zwischen Loyalität und Rebellion
(ca. 1763–1775)

Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) war Großbritannien hoch verschuldet. London versuchte, die 13 nordamerikanischen Kolonien stärker zu besteuern und politisch enger zu kontrollieren.

Zentrale Konfliktpunkte:

  • Steuern ohne Mitbestimmung (Stamp Act, Tea Act = Der Stamp Act (1765) war eine britische Steuer auf gedruckte Materialien in den Kolonien, während der Tea Act (1773) der East India Company ein Monopol auf den Teehandel in Amerika verschaffte und damit die koloniale Protestbewegung massiv verschärfte. Aufständische enterten die Schiffe der East India Company und versenkten den gesamten Tee – insgesamt 45 Tonnen – im Meer.) 

  • Grundsatz: „No taxation without representation“

  • Einschränkung kolonialer Autonomie

  • Stationierung britischer Truppen

Die Kolonisten sahen sich nicht als Rebellen, sondern als Träger englischer Freiheitsrechte, die ihnen verweigert wurden.


2. Unabhängigkeit und Revolution (1775–1783)

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg

  • Der Unabhängigkeitskrieg der amerikanischen Kolonien begann am 19. April 1775 mit den

    AI, gemeinfrei


    Gefechten von Lexington und Concord in Massachusetts. Diese beiden Zusammenstöße gelten als der offizielle Auftakt des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Britische Truppen marschierten aus Boston, um koloniale Waffenlager zu sichern. In Lexington kam es zum ersten Schusswechsel – oft als „shot heard ’round the world“ bezeichnet. 

    In Concord leisteten Milizen stärkeren Widerstand und zwangen die Briten zum Rückzug nach Boston. Diese Ereignisse markierten den Übergang von politischen Spannungen zu offenem bewaffnetem Konflikt.
  • Führungspersönlichkeiten: George Washington, Thomas Jefferson, John Adams
  • Unterstützung durch Frankreich ab 1778 entscheidend

Unabhängigkeitserklärung (4. Juli 1776)

Verfasst maßgeblich von Thomas Jefferson.

Zentrale Ideen:

  • Naturrechte: Leben, Freiheit, Streben nach Glück
  • Volkssouveränität
  • Recht auf Widerstand gegen Tyrannei, „All men are created equal“, revolutionär gedacht, aber nicht umgesetzt (Sklaverei, Frauen, Indigene ausgeschlossen).
Ergebnis:
  • 1783: Vertrag von Paris
  • Großbritannien erkennt die Unabhängigkeit an

3. Staatsgründung und Verfassung (1783–1800)

Probleme der frühen Republik

  • Schwacher Zentralstaat (Articles of Confederation - Die Articles of Confederation waren die erste Verfassung der Vereinigten Staaten, in Kraft 1781–1789, und schufen einen sehr lockeren Staatenbund mit einer schwachen Zentralregierung. Sie dienten als Übergangslösung zwischen der Unabhängigkeitsbewegung und der späteren, deutlich stärkeren US‑Verfassung von 1787.)
  • Schulden, Handelskonflikte, innere Unruhen (z. B. Shays’ Rebellion = war ein bewaffneter Aufstand von überwiegend verschuldeten Farmern in Massachusetts (1786–1787), ausgelöst durch hohe Steuern, harte Schuldenpolitik und wirtschaftliche Not. Die Erhebung zeigte die Schwächen der Articles of Confederation und wurde zu einem wichtigen Auslöser für die spätere US‑Verfassung.)

Verfassung von 1787

  • Föderaler Staat
  • Gewaltenteilung: Legislative – Exekutive – Judikative
  • Checks and Balances (= bezeichnet ein politisches Prinzip, bei dem sich die drei Staatsgewalten – Legislative, Exekutive und Judikative – gegenseitig kontrollieren und ihre Macht begrenzen, um Machtmissbrauch zu verhindern. Dieses System wurde 1787 in der US‑Verfassung verankert und gilt als Kernmerkmal der amerikanischen Demokratie.) 
  • Starke, aber begrenzte Zentralmacht

Bill of Rights (1791)

  • Erste 10 Zusatzartikel
  • Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit

Die USA werden zum ersten modernen Verfassungsstaat auf republikanischer Grundlage.


4. Expansion und innere Spannungen (1800–1848)

„Manifest Destiny“

Glaube an die gottgewollte Ausdehnung nach Westen.

Folgen:

  • Louisiana-Kauf (1803) – Verdopplung des Staatsgebiets

  • Vertreibung und Vernichtung indigener Völker

  • Landnahme, Siedlerbewegungen, Goldrausch

Grundkonflikt:

Freie Staaten vs. Sklavenhalterstaaten

Kompromisse:

  • Missouri-Kompromiss (1820)

  • Kompromiss von 1850

Diese verschieben den Konflikt, lösen ihn aber nicht.


5. Sklaverei, Bürgerkrieg und Neubeginn (1848–1877)

Sklaverei als Kernproblem

    AI, gemeinfrei
  • Wirtschaftlich zentral im Süden

  • Moralisch und politisch zunehmend umstritten

  • Abolitionismus im Norden

Amerikanischer Bürgerkrieg (1861–1865)

  • Auslöser: Wahl Abraham Lincolns

  • Südstaaten treten aus der Union aus

  • Krieg fordert ca. 620.000 Tote

Ergebnisse:

  • Sieg der Union

  • Abschaffung der Sklaverei (13. Zusatzartikel)

  • Staatsbürgerschaft & Gleichheit vor dem Gesetz (14./15. Zusatzartikel)

Reconstruction (1865–1877)

  • Versuch der politischen und sozialen Neuordnung des Südens

  • Kurzfristige Fortschritte für Afroamerikaner

  • Langfristig Scheitern → Rassentrennung, Entrechtung


6. Die USA nach 100 Jahren (1876)

Zum hundertjährigen Bestehen:

  • Territorial geeinter Kontinentstaat

  • Demokratische Institutionen gefestigt

  • Wirtschaftlich auf dem Weg zur Industrienation

Aber:

  • Tiefe soziale Ungleichheit

  • Rassismus institutionell verankert

  • Gewaltgeschichte bleibt Teil der nationalen DNA


7. Grundspannung der amerikanischen Geschichte

Von Anfang an prägend:

Ideale von Freiheit und Gleichheit
vs.
Realität von Ausgrenzung, Gewalt und Machtinteressen

Diese Spannung macht die USA aus:

  • zugleich Vorbild und Problemfall

  • revolutionär in der Idee, unvollständig in der Umsetzung


Dienstag, 27. Januar 2026

Nachruf auf Gerd Knebel (Mundart-Comedy solo oder mit BADESALZ)

Nachruf auf Gerd Knebel  

Ein hessisches Original, das Generationen zum Lachen brachte! Gerd Knebel war ein deutscher Musiker, Comedian und Schauspieler, bekannt als Teil des Komikerduos Badesalz, das er mit Henni Nachtsheim gründete. Er starb am 24. Januar 2026 im Alter von 72 Jahren nach einer Krebserkrankung. 
 Mit großer Trauer nimmt die deutsche Kulturszene Abschied von ihm. Sein langjähriger Bühnenpartner Henni Nachtsheim bestätigte, dass Knebel „würdevoll und friedlich im Kreise seiner Liebsten“ eingeschlafen sei.

Ein Leben für den Humor
Gerd Knebel war weit mehr als nur die Hälfte von Badesalz – er war eine prägende Stimme der hessischen Comedy. Seit den späten 1980ern brachte er gemeinsam mit Nachtsheim die hessische Mundart in Wohnzimmer, Kneipen, Theater und auf große Bühnen. Ihre Sketche, Alben und TV‑Shows machten sie zu Pionieren der deutschen Comedy. Seine Karriere begann Knebel als Sänger der Band Flatsch, bevor er mit Badesalz Kultstatus erreichte.

Unvergessliche Sprüche & Gags
Gerd Knebel war ein Meister des absurden Alltagswitzes – und natürlich des hessischen Dialekts. Zu seinen beliebtesten Running Gags gehörten: „Ei verbibbsch!“ – ein Ausruf, der längst zum hessischen Kulturerbe gehört. „Isch sach ma…“ – der typische Einstieg in eine völlig entgleisende Alltagsbeobachtung. „Hossa!“ – gern eingesetzt, wenn die Situation eigentlich gar keinen Grund zur Euphorie bot. Die legendären Dialoge zwischen „Richie“ und „Heinz“, in denen Knebel mit stoischer Ruhe die absurdesten Situationen kommentierte. Diese Sprüche waren nie nur Pointen – sie waren Ausdruck seines Talents, das Banale ins Groteske zu kippen und dabei immer menschlich zu bleiben. 

Humor bis zuletzt
Nach Angaben seines Umfelds hat Knebel selbst in den letzten Wochen seiner Krankheit seinen Humor nicht verloren und andere zum Lachen gebracht, und sogar in den letzten Minuten – ein Vermächtnis, das kaum treffender sein könnte. Henni Nachtsheim wies gegenüber der Zeitschrift "Stern" darauf hin, dass beide noch einen zwölfteiligen Podcast namens "Die Badesalz-Story" produzieren konnten. In einigen Monaten können seine Fans noch einmal die Stimme von Gerd Knebel hören. Nachtsheim verschiebt seine Auftritte und Lesungen bis Mitte April. Politiker, Künstler und Fans würdigen Knebel als jemanden, der die hessische Alltagskultur „pointiert und authentisch auf die Bühne gebracht“ hat. Sein Einfluss auf die deutsche Comedy‑Landschaft bleibt unbestritten.


„Isch sach ma… des war en Guder.“
„Ei verbibbsch, Heinz… des geht so net!“

Mach’s gut, Gerd.
Unn wenn de da oben e Sketch anfängst –
mir hörn’s bis runter.


Montag, 26. Januar 2026

Verena Bentele (VdK): Debatte um Teilzeit-Einschränkungen verkennt Lebensrealität von Millionen

Die Diskussion um Einschränkungen beim Teilzeitrecht ist kein sinnvoller Beitrag für eine gute Beschäftigungspolitik. Statt strukturelle Probleme wie fehlende Kinderbetreuung oder Pflegeinfrastruktur zu lösen, werden Arbeitnehmer unter Generalverdacht gestellt. VdK-Präsidentin Verena Bentele kommentiert:

„Die aktuelle Debatte um die Einschränkung des Rechts auf Teilzeitarbeit ist kein sinnvoller Beitrag für eine Politik, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärken möchte. Statt sich um echte Probleme wie fehlende Kinderbetreuung oder Pflegeinfrastruktur zu kümmern, kommt aus Teilen der Union der Versuch, Menschen, die oft Arbeit und Sorgearbeit unter einen Hut bringen, unter Generalverdacht zu stellen. Die Forderung, Teilzeit nur noch in engen Ausnahmefällen zuzulassen, verkommt zur ungeheuerlichen Unterstellung, Arbeitnehmer seien faul und müssten zur Mehrarbeit gezwungen werden. Das ist eine Sicht, die mit der Lebenswirklichkeit von Millionen Teilzeitbeschäftigten nichts zu tun hat.

Teilzeitarbeit ist für viele kein Lifestyle, sondern Alltag: Viele vereinbaren Beruf, Familie und Pflege. Die Idee, das Teilzeitrecht zu kürzen, verkennt diese Realität und schiebt Verantwortung auf die Beschäftigten. Stattdessen brauchen wir mehr Betreuungsplätze und bessere Bedingungen, damit Menschen ohne Hürden wieder in Vollzeit wechseln können. Wer soziale Gerechtigkeit ernst nimmt, schwächt keine Arbeitnehmerrechte, sondern stärkt sie und schafft Voraussetzungen, unter denen Menschen mehr arbeiten wollen und können. Dazu gehört auch, dass Minijobs zu sozialversicherungspflichtigen Jobs umgewandelt werden und dass generell alle Beschäftigten in Deutschland über ein Versicherungssystem abgesichert werden. Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass die freien Berufe sowie Beamtinnen und Beamten über private Systeme versichert sind.“

Samstag, 24. Januar 2026

Nachts durch verzerrten und dysfunktionalen Fahrplan im Bahnhof gestrandet?

Nachts in der Bahnhofshalle warten
AI, gemeinfrei
Ab 23:00 Uhr ist der Bahnhof kein lebendiger Ort mehr, sondern ein Risiko. Hier ist ein kurzer, aber effizienter Nacht-Ratgeber – reduziert auf das, was zwischen 23:00 Uhr und Abfahrt des nächsten Zuges Stunden später in einer kalten Nacht tatsächlich funktioniert, wenn man wegen eines verzerrten/dysfunktionalen Fahrplans im Bahnhof oder schlimmer: auf dem Bahnsteig festhängt. Eine preiswerte Übernachtung ist oft das beste Mittel der Wahl. Abholung durch Bekannte, falls das überhaupt möglich ist, natürlich auch naheliegend. Geht das nicht, heißt es (oft) lange warten.

1. Grundregel 

  • Wechseln Sie ggf. auch einmal den Platz.
  • Nur wenn keine anderen Anwesenden Sie beobachten, bleiben und warten.
  • Suchen Sie die Nähe zu kontrollierenden Sicherheitskräften, Polizeistationen, Security-Teams in der Halle, falls vorhanden. 

2. Bahnhofshalle 

  • Sitzen, nicht liegen
  • Ticket / Handy griffbereit
  • Gepäck geschlossen zwischen ihren Beinen
  • Bei Ansprache durch Sicherheitskräfte argumentieren mit „Zugausfall, Verspätung, Kein Anschluss bis ..., Nächste Verbindung ab …“, auch um Rat bitten.
  • Lesen
  • Handyspiel (Akku nicht aufbrauchen!)

3. Beste Nacht-Alternativen (realistisch in größeren Städten))

24h-Fast-Food-Restaurants (McDonald’s, BK usw.)

    • Kleiner Kauf = ein paar Stunden Ruhe
    • Warm, andere Reisende
    • Heißen Tee, Kaffee zum Aufwärmen

Nachtbus / Nachtstraßenbahn / Nahverkehrs-/S-Bahn, die fast die ganze Nacht fährt

    • Wärme und Bewegung
    • Eine, mehrere Runden in der Stadt, zwischen zwei Städten, Stadtteilen  

4. Was nachts nicht mehr hilft

❌ Bibliothek
❌ Museum
❌ Kirche
❌ Bahnhofsmission
❌ Einkaufszentrum

5. Kälte & Stress minimieren

  • Verschließen der Jacke/des Mantels. Die meisten Bahnhöfe sind nachts im Winter eiskalt.
    Die Bahn hat den letzten Anschluss nicht erreicht, dazu noch Kälte als Bestrafung.
  • Handschuhe anziehen
  • Sitzen auf, Tragen des Rucksacks auf der Brust, zwischen die Beine stellen (isoliert, wärmer)
  • Mütze/Schal anziehen, ggf. draufsetzen
  • Ruhig bleiben, wenig erklären
  • Auch ein paar Runden laufen, wenn Sie dadurch nicht den Sitzplatz verlieren
  • Leichte Dreh-, Wippübungen oder Körper schütteln 


Nachts ist der Bahnhof weiterhin Wartehalle, lockt aber auch viele Obdachlose an. Belästigungen müssen nicht sein, können aber passieren. Wechseln Sie den Platz, oder ignorieren Sie die Ansprache, oder wenden Sie sich an Security-Kräfte.
Wer sichtbar wartet, sich bewegt und Positionen in der Halle wechselt, kommt konfliktfrei durch die Nacht. Dennoch ein schlechtes Zeichen, dass man mit Ankommen am letzten Umsteigebahnhof mit mangelhaften Lösungsmöglichkeiten ziemlich verloren hat. Raus aus der Wärme, rein in die Kälte. Das Transportunternehmen selten, meistens nicht erreichbar. Alles geschlossen ... 


Mittwoch, 21. Januar 2026

Trumps kommerzieller UN-Club als parallele Deal-Veranstaltung

Palästinenser
AI, gemeinfrei
Die Idee eines von Donald Trump propagierten „Friedensrats für Gaza“, der perspektivisch als eine Art zweiter UN-Rat fungieren könnte, jedoch ohne demokratische Wahl, sondern auf Grundlage finanzieller, politischer oder sicherheitspolitischer Beteiligung, stellt einen tiefen Bruch mit den Grundprinzipien der bestehenden internationalen Ordnung dar. Ein solches Gremium würde seine Autorität nicht aus völkerrechtlich legitimierten Verfahren oder der Gleichheit souveräner Staaten beziehen, sondern aus Macht, Kapital und Durchsetzungsfähigkeit. Damit würde Legitimation durch Mandat ersetzt mit Legitimation durch Ressourcen.

Das ist keine multilaterale Politik im klassischen Sinn, sondern eine Form globaler Patronage, in der Einfluss gekauft und politische Teilhabe substituiert wird.

Gerade im Kontext Gazas hätte ein solcher Rat eine deutlich neokoloniale Struktur. Die palästinensische Bevölkerung wäre nicht Träger politischer Souveränität, sondern Objekt internationaler Verwaltung. Entscheidungen über Sicherheit, Wiederaufbau, Infrastruktur, Ressourcen und politische Zukunft würden extern getroffen, vermutlich von einer Koalition aus westlichen Staaten, regionalen Mächten, Investoren und sicherheitspolitischen Akteuren. Selbstbestimmung würde durch Management ersetzt, politische Aushandlung durch technokratische Steuerung. 

Der Frieden erschiene nicht als Ergebnis eines politischen Prozesses, sondern als Verwaltungszustand.

Historisch erinnert dieses Modell an Mandatsverwaltungen oder Treuhandregime, die sich humanitär legitimierten, tatsächlich aber Herrschaft ohne Repräsentation ausübten.

Zugleich würde ein solcher Friedensrat die Vereinten Nationen nicht reformieren, sondern faktisch entwerten. Er würde signalisieren, dass multilaterale Institutionen dann umgangen werden, wenn sie zu langsam, zu konfliktreich oder zu normativ unbequem erscheinen. Die Schaffung einer parallelen Struktur würde einen gefährlichen Präzedenzfall setzen.

Wenn internationale Ordnung nicht mehr über allgemein akzeptierte Regeln, sondern über ad-hoc-Gremien der Mächtigen organisiert wird, verwandelt sich die regelbasierte Weltordnung in ein marktbasiertes Machtmanagement. Andere Konflikte – von der Ukraine über den Sudan bis hin zu Taiwan – könnten nach derselben Logik behandelt werden: Wer zahlt oder durchsetzt, entscheidet.

Diese Logik entspricht präzise Trumps außenpolitischem Weltbild. Politik erscheint darin als Deal, Frieden als Transaktion, Legitimität als Ergebnis, nicht als Prozess. Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Teilhabe sind in diesem Denken keine konstitutiven Voraussetzungen, sondern variable Größen, die je nach Zweckmäßigkeit berücksichtigt oder beiseitegeschoben werden. Frieden wird so zu einem Geschäftsmodell: Stabilität gegen Investitionen, Ruhe gegen Infrastruktur, Ordnung gegen politische Entmündigung. Transparenz, Rechenschaftspflicht und institutionelle Kontrolle spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Besonders problematisch ist die Wirkung eines solchen Modells auf universelle Normen. Menschenrechte würden funktionalisiert, Völkerrecht selektiv angewandt, politische Gewalt entpolitisiert. Fragen nach Kriegsverbrechen, Besatzung oder Verantwortung könnten als störend für den Wiederaufbau oder die Stabilisierung abgetan werden. Politische Partizipation würde nicht als Voraussetzung für Frieden gelten, sondern als potenzielle Gefährdung der Ordnung. Normen würden damit verhandelbar und abhängig von Macht und Kapital, nicht mehr von universeller Geltung.

Kurzfristig könnte ein solcher Friedensrat durchaus Effekte erzielen: Gewalt könnte reduziert, humanitäre Versorgung verbessert, eine gewisse Ordnung hergestellt werden. Langfristig jedoch würde ein Frieden ohne politische Repräsentation, ohne Gerechtigkeit und ohne Perspektive auf Souveränität entstehen. Die Geschichte zeigt, dass solcher „stabile Stillstand“ keine nachhaltige Lösung ist. Entpolitisierte Gesellschaften werden nicht befriedet, sondern angestaut. Wo Konflikte nicht gelöst, sondern verwaltet werden, entstehen neue Radikalisierungen.

In der Gesamtbewertung wäre ein nicht demokratisch legitimierter, faktisch bezahlter Friedensrat (Eintrittsgeld) für Gaza kein Beitrag zu einer besseren internationalen Ordnung, sondern ein Schritt in Richtung ihrer Aushöhlung. Er würde nicht Frieden durch Recht schaffen, sondern Ordnung durch Macht etablieren. Nicht multilaterale Verantwortung, sondern selektive Kontrolle. Damit wäre er weniger ein Instrument des Friedens als ein Symptom einer Welt, in der normative Bindungen zunehmend durch ökonomische und militärische Durchsetzung ersetzt werden.

Es bleibt abzuwarten, welche Wirkungen der Trumpsche Friedenrat entwickelt, welche Ziele vor allem die Gegner Israels ansteuern. 


HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM FEBRUAR 2026

v.l.n.r. Lisa, Erster SS-Mann (mit dem Rücken
zum Betrachter) sowie Marta und Vlasta
Bildnachweis: Barbara Aumüller


















Sonntag, 1. Februar 2026, um 18 Uhr im Opernhaus 
Zweite Wiederaufnahme 

DIE PASSAGIERIN 

Oper in zwei Akten von Mieczysław Weinberg 

In mehreren Sprachen mit deutschen und englischen Übertiteln 

Musikalische Leitung: Leo Hussain; Inszenierung: Anselm Weber
Mitwirkende: Katharina Magiera (Lisa), AJ Glueckert (Walter), Amanda Majeski (Marta), Mikołaj Trąbka (Tadeusz), Julia Stuart (Katja), Corinna Scheurle (Krystina), Zanda Švēde (Vlasta), Kelsey Lauritano (Hannah), Younji Yi (Yvette), Judita Nagyová (Bronka), Juanita Lascarro (Alte),     Aleksander Myrling (1. SS-Mann), Alfred Reiter (2. SS-Mann), Abraham Bretón (3. SS-Mann), Jarrett Porter (Steward), Morgan-Andrew King (Passagier), Barbara Zechmeister (Oberaufseherin), Annabelle Krukow (Kapo) 

Weitere Vorstellungen: 8. (18 Uhr), 13., 21. Februar 2026 
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19 Uhr. 

Preise: € 16 bis 121 zzgl. 12,5% Vorverkaufsgebühr 

       

Die Oper Die Passagierin von Mieczysław Weinberg (1919-1996) gelangte erst 2010, also 42 Jahre  nach  ihrer  Vollendung,  bei  den  Bregenzer  Festspielen  zur  szenischen  Uraufführung. Weinberg,  den  eine  langjährige  Freundschaft  mit  dem  Komponisten  Dmitri  Schostakowitsch verband, litt unter der Gewalt der SS als auch danach unter dem stalinistischen Terrorregime. Das auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman der Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz (1923-2022) basierende Werk erlebte am 1. März 2015 seine Frankfurter Erstaufführung. 2016 wurde die Produktion von Regisseur Anselm Weber auch bei den Wiener Festwochen und im Jahr darauf an der Semperoper Dresden gezeigt. Nun kehrt die Inszenierung aus der Spielzeit 2014/15 zum zweiten Mal nach Frankfurt zurück. Der Widerhall bei Publikum und Presse rund um die Premiere war gewaltig. So konnte man im Opernmagazin Orpheus lesen: „Anselm Weber ist das  gelungen,  was  man  einen  großen  Wurf  nennt.  Eine  naturalistische  Weltinnenschau  von packender Dramatik und feinfühliger Personenführung. Ein Glücksfall für die Oper Frankfurt.“  

Ein Schiff auf dem Weg nach Brasilien, Ende der 1950-er Jahre; Lisa und ihr Mann Walter sind auf dem Weg in eine neue Zukunft, als eine Begegnung Lisas Vergangenheit als KZ-Aufseherin  in  Auschwitz  heraufbeschwört.  Sie  meint  in  einer  mitreisenden  Passagierin  die ehemalige Gefangene Marta zu erkennen, von deren Tod sie überzeugt war und die ihr nun gegenüber zu stehen scheint. Walter, der nichts vom Vorleben seiner Frau wusste, ist entsetzt und sieht seinen Ruf als Botschafter in Gefahr. Die Vergangenheit bricht über Lisa herein und zwingt sie, sich in Form von Rückblenden zu erinnern und sich dem Erlebten zu stellen. 

Musikalisch geleitet wird die zweite Wiederaufnahme von Leo Hussain, der auch die Premierenserie im Jahr  2015 dirigierte.  Der  Brite,  der  bereits  mit  zahlreichen  internationalen  Orchestern  große  Erfolge verzeichnete, war in dieser Spielzeit auch für die Premierenserie von Mitridate, re di Ponto musikalisch verantwortlich. Die Hauptpartie der Lisa singt Katharina Magiera, seit 2009/10 Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, wo sie zuletzt u. a. als Auntie (Peter Grimes) zu erleben war. In dieser Spielzeit singt sie auch die Partie Disinganno in einer Neuproduktion von Händels Der Triumph von Zeit und Erkenntnis. AJ Glueckert, dem Haus ebenfalls seit mehreren Spielzeiten verbunden, übernimmt die Partie des Walter. Die amerikanische Sopranistin Amanda Majeski ist als Marta zu hören; sie gastierte bereits an namhaften  Opernhäusern  wie  der  Metropolitan  Opera  in  New  York  und  am  Teatro  Real  Madrid. Mikołaj Trąbka, Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, gestaltet die Partie des Tadeusz. Weitere Rollen sind  mit  Julia Stuart  (Katja),  Corinna Scheurle  (Krystina),  Zanda Švēde  (Vlasta),  Kelsey Lauritano (Hannah), Younji Yi (Yvette), Judita Nagyová (Bronka), Juanita Lascarro (Alte), Aleksander Myrling (1. SS-Mann), Alfred Reiter (2. SS-Mann), Abraham Bretón (3. SS-Mann), Jarrett Porter (Steward), Morgan-Andrew King (Passagier) und Barbara Zechmeister (Oberaufseherin) besetzt. 

  


Cio-Cio-San, genannt Butterfly,
sowie Das Kind
Bildnachweis: Barbara Aumüller





Freitag, 6. Februar 2026, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Zweite Wiederaufnahme 

MADAMA BUTTERFLY
Japanische Tragödie in zwei Akten von Giacomo Puccini 

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln 

Musikalische Leitung: Lorenzo Passerini; Inszenierung: R.B. Schlather
Mitwirkende: Anna Princeva (Cio-Cio-San), Gerard Schneider / Kudaibergen Abildin (Leutnant B. F. Pinkerton), Domen Križaj (Konsul Sharpless), Kelsey Lauritano / Karolina Makuła (Suzuki), Peter Marsh (Goro), Ruby Dibble (Kate Pinkerton), Taehan Kim (Fürst Yamadori), Kihwan Sim (Onkel Bonzo), Jonas Müller (Der kaiserliche Kommissar) u.a. 

Weitere Vorstellungen: 14. (18 Uhr), 22. Februar (18 Uhr); 8. (18 Uhr), 14., 20. März 2026 
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr.
Preise: € 16 bis 121 zzgl. 12,5% Vorverkaufsgebühr 

Nach  der  Uraufführung  seiner  Tosca  1900  in  Rom  machte  Giacomo  Puccini  (1858-1924) anlässlich  eines  Aufenthalts  in  London  die  Bekanntschaft  mit  David  Belascos  Erfolgsstück  Madame Butterfly. Obwohl er der englischen Sprache nicht mächtig war, zeigte sich Puccini von dieser „japanischen Tragödie“ ergriffen, und der Stoff für seine nächste Oper war damit gefunden. Ein weiterer Grund für Puccinis Interesse mag auch die Vorliebe des damaligen Publikums für exotische Sujets gewesen sein. Seine bewährten Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica richteten  ihm  den  Text  ein,  den  er  in  seinem  gewohnt  melodienreichen  Stil  vertonte.  Dabei verwendete  er  aber  auch  wenige  Phrasen  japanischer  Originalklänge,  u.a.  etwa  aus  der japanischen  Nationalhymne.  Am  17.  Februar  1904  kam  es  an  der  Mailänder  Scala  zur Uraufführung des Werks, die jedoch auf große Ablehnung stieß. Erst im Laufe von insgesamt drei weiteren Fassungen (1904, 1905 und 1906) erhielt Madama Butterfly jene Form, welche sie zu einer der bekanntesten Opern weltweit machte.  

Der  amerikanische  Marineleutnant  Pinkerton  verliebt  sich  während  seiner  Stationierung  in  Japan  in  die  junge  Cio-Cio-San,  genannt  Butterfly.  Im  Wissen,  nach  seiner Rückkehr eine amerikanische Frau zu heiraten, geht er trotzdem mit der jungen Japanerin die Ehe ein. Die Warnungen seines Freundes Konsul Sharpless, Butterfly nehme sein Versprechen ernst, schlägt er in den Wind. Drei Jahre später ist Pinkerton in die USA zurückgekehrt, und Butterfly  –  inzwischen  Mutter  eines  Sohnes  –  wartet  sehnsüchtig  auf  seine  Rückkehr.  Als Pinkertons Schiff endlich im Hafen von Nagasaki einläuft, sieht sich die junge Frau am Ziel ihrer Träume. Nachdem sie jedoch erfährt, dass der Geliebte lediglich gekommen ist, um das Kind abzuholen, begeht sie Selbstmord. 

Die musikalische Leitung der Wiederaufnahme hat Lorenzo Passerini inne, der seit September 2024  auch  Chefdirigent  der  Jyväskylä  Sinfonia  in  Finnland  ist.  Der  italienische  Musiker war zuletzt  an  Häusern  wie  der  Wiener  Staatsoper  sowie  der  Deutschen  Oper  Berlin  tätig. Die Titelpartie der Cio‑Cio‑San gestaltet die Sopranistin Anna Princeva, sie debütiert an der Oper Frankfurt.  Die  Partie der  Cio-Cio-San interpretierte sie in dieser Spielzeit bereits in Stuttgart. Weitere Engagements führten sie an die Deutsche Oper am Rhein, die Staatsoper Hamburg, das Royal Opera House in London sowie an die Sydney Opera. Gerard Schneider debütiert als Leutnant B. F. Pinkerton;  der  österreichisch-australische  Tenor  ist  seit  der  Spielzeit 2018/19 Ensemblemitglied  der  Oper  Frankfurt.  In  der  aktuellen  Spielzeit  debütiert  er  auch  als Macduff (Macbeth) und  als  Mann  mit  Esel (Die  Kluge).  In  den  März-Vorstellungen  gestaltet Kudaibergen Adilbin, ebenfalls  Mitglied  des  Ensembles,  die  Partie  des  Leutnants.  Auch in weiteren Partien sind Ensemblemitglieder der Oper Frankfurt besetzt: Der slowenische Bariton Domen Križaj interpretiert Konsul Sharpless, Kelsey Lauritano und Karolina Makuła (in den März-Vorstellungen) sind als Suzuki zu erleben. Peter Marsh (Goro), Taehan Kim (Fürst Yamadori) und  Kihwan  Sim  vervollständigen,  neben  den  Opernstudio-Mitgliedern  Ruby  Dibble (Kate Pinkerton)  und  Jonas Müller  (Kaiserlicher Kommissar)  die  Besetzung  der  zweiten Frankfurter Wiederaufnahme. 

              

Patrick Grahl (Tenor)
Bildnachweis: Guido Werner


Dienstag, 24. Februar 2026,
um 19.30 Uhr im Opernhaus


Liederabend 

PATRICK GRAHL, Tenor
KLARA HORNIG, Klavier  

Lieder von Hanns Eisler, Johannes Weyrauch, Wilhelm Weismann  

Preise: € 16 bis 109 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)               

Patrick  Grahl  hat  sich  mit  einer  vorzüglichen  Diktion  und  einer  eleganten  Stimmführung  als international gefragter Oratorien- und Konzertsänger einen Namen gemacht. Seit dem Gewinn des  1. Preises  beim  Internationalen  Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb 2016  ist  Patrick Grahl international  gefragt  –  seine  Engagements  reichen  von  der  Wiener  Staatsoper  und  dem Teatro La Fenice in Venedig bis zur Opéra National de Lyon und weiteren Orten wie Helsinki oder Budapest. Regelmäßig arbeitet der Tenor mit Klangkörpern wie dem  Leipziger Gewandhausorchester, der NDR Radiophilharmonie, der Accademia Nazionale di Santa Cecilia sowie dem London Symphony Orchestra zusammen. Dabei musiziert er mit Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner, Sir Simon Rattle oder Philippe Herreweghe. Der in Leipzig geborene Künstler, einst Mitglied des renommierten Thomanerchores, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik  und  Theater  „Felix Mendelssohn Bartholdy“  bei  Berthold Schmid,  die  er  mit  dem Meisterklassenexamen  mit  Auszeichnung  abschloss.  Einen  besonderen  Platz  in  seinem künstlerischen Schaffen nimmt der Liedgesang ein. Gemeinsam mit der Pianistin Klara Hornig präsentiert Grahl in Frankfurt Werke von Komponisten wie Wilhelm Weismann, Hanns Eisler und Johannes  Weyrauch.  Echte  Raritäten,  denen  das  Duo  bereits  auf  seiner  vielgelobten Aufnahme Das ferne Lied neues Leben eingehaucht hat. 


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei unseren bekannten Vorverkaufsstellen, online  unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 - 212 49 49 4 erhältlich. 
 


Mittwoch, 14. Januar 2026

250 Jahre USA: Amerikaner in Frankreich im WW I

D-AV7, AI, gemeinfrei
US-M1917, AI, gemeinfrei

Krieg vor über 100 Jahren in Europa, ein extremes Massensterben von Soldaten aller Nationen. Die ersten Panzer waren unterwegs, der deutsche AV7 ein 30-Tonnen-Monster, die amerikanischen nur 6 Tonnen und schwächer bewaffnet, auf einem Renault-Chasis, um die Unterstützung der US-Soldaten schneller herzustellen. Ambulanzpanzer kamen erst gegen Mitte/Ende des Kriegs, bis dahin und bis zum Schluss wurden LKW mit offenem Führerstand, sogar noch Pferdefuhrwerke eingesetzt.  

US-Ambulance mit Sanitäter

Das Jahrbuch der University of Nebraska, „The Cornhusker“, war 1918 den „Nebraskanern – Studenten, Absolventen, Fakultätsangehörigen – hier und dort“ gewidmet, die im Ersten Weltkrieg dienten. Es enthielt eine Reihe von „Camp Sketches“ (Skizzen aus dem Lager), bestehend aus Briefen und Berichten von Soldaten, die mit der Universität in Verbindung standen. Sgt. John Leslie Putt aus Omaha, der mit den American Expeditionary Forces 1917/1918 in Frankreich als Sanitäter stationiert war, beschrieb einen Besuch in Paris während der Neujahrsfeiertage:

„Als ich am Pariser Bahnhof ankam, packte mich ein US-Marine und verlangte meinen Pass. Dann ging ich auf die Straße, um mir wie angewiesen ein Taxi zu nehmen, aber zu dieser Nachtstunde gab es in der Umgebung keine Taxis und auch keine U-Bahnen oder Straßenbahnen.” Ein Polizist empfahl ihm das YMCA-Hotel, das etwa acht Blocks entfernt lag. Als sich herausstellte, dass es geschlossen war, kehrte Putt zum Bahnhof zurück „und saß bis 5 Uhr in der Kälte herum. Ich fühlte mich wie der einzige Amerikaner in Frankreich. Um 5:30 Uhr kehrte ich zum Hotel zurück, nahm mir ein Zimmer (vier Francs pro Tag) und schlief ein paar Stunden.“ Bald traf Putt zwei Soldaten aus Nebraska, Frank S. Proudfit und Charles L. Whedon, beide aus Lincoln, und die Gruppe ging ins Casino de Paris, „um wieder eine gute Show zu sehen. Es war ein wunderbares Orchester, und etwa die Hälfte der Show war auf Englisch, mit einem wunderbaren Chor und Tanz, mit einer echten amerikanischen Jazzband.“

Putt versuchte, Souvenirs zu kaufen, und „kaufte ein paar Schuhe (50 Francs) und Handschuhe (32 Francs) und schaute mir den Rest der Zeit die Schaufenster an. Hier gibt es nichts, was man nicht auch zu Hause kaufen kann, und zwar billiger, also werde ich nicht versuchen, etwas nach Hause zu schicken. Ich werde ein paar Souvenirs mitbringen, wenn ich zurückkomme. Paris hat wunderschöne Gebäude aller Art, Statuen, Parks usw., aber Omaha würde mir auch ganz gut gefallen.“ Putt war von Silvester in Paris enttäuscht: „Es war nicht wie zu Hause – keine Trillerpfeifen, Glocken oder sonst etwas.“ Aber das Abendessen am nächsten Tag mit Proudfit und Whedon „in einem noblen Restaurant“ war unvergesslich. „Es hat viel Geld gekostet, aber es war es wert (83 Francs für uns drei): ein wunderbares Omelett, gegrilltes Hähnchen, Pommes frites, Eis, Kuchen usw.“ Putt verließ Paris am nächsten Tag. 
  

Überblick: Warum traten die USA in den Ersten Weltkrieg ein (1917)?

  • Deutschland führte einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg und versenkte auch neutrale Schiffe, darunter mit US-Bürgern.

  • Das Zimmermann-Telegramm (1917) war ein deutsches Angebot an Mexiko ein Bündnis gegen die USA zu bilden.

  • Wirtschaftliche und politische Nähe der USA zu den Entente-Mächten (v. a. Großbritannien und Frankreich) sowie der Anspruch, die „Freiheit der Meere“ zu schützen.

Verlauf der amerikanischen Beteiligung:

  • Kriegseintritt war im April 1917.

  • Aufbau der American Expeditionary Forces (AEF) unter General John J. Pershing.

  • Entscheidende Einsätze 1918 an der Westfront (u. a. Château-Thierry, Belleau Wood, Meuse-Argonne-Offensive).

  • Große Bedeutung nicht nur militärisch, sondern auch logistisch, industriell und moralisch; Beitrag zur Niederlage der Mittelmächte.

Amerikanische Verluste:

  • Gefallene: ca. 116.500 (davon rund 53.000 durch Kampfhandlungen, der Rest v. a. durch Krankheiten wie die Spanische Grippe).

  • Verwundete: ca. 204.000.

Die USA griffen spät, aber entscheidend ein und trugen maßgeblich zum Kriegsende 1918 bei.