Lesen Sie hier:
Hormus-Blockade: Zeichnen sich Reibereien zwischen Staaten ab?
Mein Blog informiert Sie über Termine, Neuigkeiten, Wissenswertes, Skurriles und Bewundernswertes aus dem Bereich der Künste, Kino, Fotografie, Bücherwelt und vieles mehr. Die Welt ist bunt! Auch in meinem Blog. Geben Sie ihr im PC 30 Sekunden Zeit zu starten oder 5 Sekunden im Handy! Welcome to my blog and feel free to leave a comment in English or French! World is colorful! Also in my blog. Give it 30 seconds to start in your PC and 5 in your phone.
SV Verlag mit Handy oder Tablet entdecken! Lesen Sie hier:
Hormus-Blockade: Zeichnen sich Reibereien zwischen Staaten ab?
![]() |
| Wahl in Bulgarien (AI, gemeinfrei) |
Das Innenministerium meldet 500–600% mehr Verstöße beim Stimmenkauf als 2024, über 1 Mio. Euro wurden bei Razzien beschlagnahmt. Der Betrug ist simpel: Parteifunktionäre reichen Geld über regionale Koordinatoren an lokale „Vertrauens-personen“ weiter. Am Ende erhält der Wähler 20–50 Lewa /etwa 10-25 EUR. Nicht nur Bargeld! Im Paket sind auch Brennholz, Lebensmittel, bezahlte Stromrechnungen oder das Versprechen, dass das Jugendamt wegschaut. Geld gegen Stimme ist erst die halbe Miete. Der zweite Teil ist „kontrollierte Stimmabgabe“. Methode A: Der Wähler fotografiert den ausgefüllten Zettel mit dem Handy als Beweis. Methode B: „Dunkle Räume“ in Wahllokalen, wo ein Helfer neben der Kabine steht und beim Ankreuzen „hilft“. Methode C: Vorgefertigte Stimmzettel werden draußen übergeben und nur noch eingeworfen.
Ziel sind Arme und Prekäre – Sozialhilfeempfänger, verschuldete Dörfer, Roma-Communitys –, die das Geld bitter nötig haben.
Laut Parlaments-Dossiers entfallen 80% der Manipulationsfälle auf DPS, 20% auf GERB. Bei niedriger Wahlbeteiligung reichen 150.000 gekaufte Stimmen, um Mehrheiten zu kippen. Deshalb heißt es von allen Seiten: Nur massenhafte Beteiligung verdünnt den Effekt.
![]() |
| Küstennahe Zwangsrouten 2026 (AI, gemeinfrei) |
Die Fakten: Von 130 auf 8 Schiffe pro Tag
Vor dem 28. Februar 2026 passierten täglich über 130 Handelsschiffe die Meerenge. Heute sind es 4 bis 8. Westlich von Hormus warten über 1.000 Schiffe, darunter 426 Öltanker, 34 LPG- und 19 LNG-Carrier. Pole Star Global zählte am 20. März 3.208 AIS-Signale im Stau vor dem Engpass. Die meisten Schiffe schalten ihr AIS heute sogar ab.
Was noch fährt, fährt unter Risiko, so ein französischer Tanker. Drei Gründe würgen den Verkehr ab: Die US-Blockade mit mindestens 15 Kriegsschiffen, nicht auffindbare iranische Seeminen und flächendeckendes GPS-Jamming.
Die Stoppuhr: Wie lange halten die Puffer?
Experten modellierten die Blockade mit 10.000 Tankern und 1.315 Häfen. Das Ergebnis: Die Zeit entscheidet alles.
| Dauer | Folge |
|---|---|
| 0–14 Tage | Nur Preisschock. Brent sprang auf >100 $/Barrel. Reserven puffern. |
| 2–4 Wochen | Raffinerien müssen auf andere Ölsorten umstellen. Dauert 7–14 Tage pro Anlage. |
| >4 Wochen | Kaskadeneffekte. Tanker verpassen "Slots" (= feste Anlegezeiten für Betanken), Häfen verstopfen. Lieferketten reißen. |
| 56 Tage | Simulierte "Kernschmelze": Verzögerungen verstärken sich massiv. |
Das Mengen-Dilemma
Durch Hormus fließen normal 20 Mio. barrel/day. Alle Pipelines, die die Meerenge umgehen, schaffen zusammen maximal 10 Mio. b/d. Saudi-Arabiens East-West Pipeline läuft bereits auf Anschlag: 5,9 Mio. b/d Export aus Yanbu am 9. März, Kapazität 7 Mio. b/d. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)-Pipeline Habshan–Fujairah schafft 1,8 Mio. b/d. Fehlmenge: mindestens 10 Mio. Barrel täglich.
Freie Förderung? Kaum vorhanden. OPEC+ hat effektiv nur 3,2–3,7 Mio. b/d Reservekapazität. Davon 2,0–2,3 Mio. in Saudi-Arabien, 0,8–1,0 Mio. in den VAE. Der Rest liegt am Golf – und müsste selbst durch Hormus.
Wer zahlt die Rechnung?
Asien zuerst. China importiert jährlich für 97 Mrd. $ aus Golfstaaten, Indien für 74 Mrd. $, Japan für 63 Mrd. $ – größtenteils Öl, LNG und Ölprodukte. Peking hat 160 Mio. Barrel auf See gebunkert. Das reicht bei 1,8 Mio. b/d Import für etwa 90 Tage. Danach muss China auf Russland umstellen oder die Industrie drosseln.
Die Märkte wetten bereits auf Eskalation. Brent eröffnete nach Kriegsbeginn bei 85–90 $, nach einem Schluss von 73 $. Die IEA gab 400 Mio. Barrel aus strategischen Reserven frei: 6,7 Mio. b/d für 60 Tage. Das deckt nur ein Drittel des Hormus-Ausfalls.
Das Endspiel: Preis statt Menge
Ein Importland wie Deutschland kann Verträge binnen Tagen auf Norwegen oder die USA umstellen. Die physischen Barrel brauchen aber 30–60 Tage über den Atlantik. Umswitchen rettet nicht vor der Uhr. Nach vier Wochen Blockade hilft nur noch Verbrauch senken.
Die Straße von Hormus zeigt 2026 das brutale Gesetz der Geographie: Wer das 33-Kilometer-Nadelöhr beherrscht hält die Weltwirtschaft in Geiselhaft. Jeder Tag Blockade kostet Milliarden. Die Stoppuhr läuft – und niemand weiß, wann der "GAU" kommt. Die USA verlegen aktuell noch 6000 weitere Soldaten und Flugzeugträger in die Krisengegend.
Weiterlesen:
Sonntag, 10. Mai 2026, um 18 Uhr im Opernhaus
![]() |
| Claudia Mahnke (Mezzosopran / Mutter; Bildnachweis: Barbara Aumüller) |
Zum Inhalt: Seit Generationen bekriegen sich zwei Familien in einem spanischen Dorf. Eine
Hochzeit steht bevor. Die Mutter des Bräutigams hat ihren Mann und ihren ältesten Sohn durch
den verbitterten Kampf zwischen den Clans verloren und bangt nun um das Leben ihres jüngsten
Sohnes. Sie fürchtet, dass durch seine Ehe der Krieg der beiden Familien wieder aufflammt. Denn
die Braut liebt immer noch ihren früheren Verlobten Leonardo, der zum feindlichen Clan gehört. Er
entführt sie direkt nach der Hochzeit. Sie fliehen in den Wald, doch ihre Verfolger holen sie ein. Die
Blutrache wird zweifach vollzogen: Der Bräutigam und Leonardo sterben im Duell.
Inszeniert wird die Frankfurter Erstaufführung von Àlex Ollé. Er hat an der Oper Frankfurt bereits
den Doppelabend mit Debussys La Damoiselle élue und Honeggers Jeanne d’Arc au bûcher,
sowie Giacomo Puccinis Manon Lescaut inszeniert. Musikalisch geleitet wird die Premierenserie
von Duncan Ward. Dieser gilt als einer der vielseitigsten Dirigenten seiner Generation.
Regelmäßig arbeitet er mit Klangkörpern wie dem London Symphony Orchestra, dem
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks oder dem Gürzenich-Orchester Köln zusammen.
Des Weiteren ist er Chefdirigent der Südniederländischen Philharmonie (Philzuid). Mit dem
Frankfurter Opern- und Museumsorchester gestaltete Ward in der vergangenen Spielzeit ein
Museumskonzert. Die Mutter ist mit Claudia Mahnke besetzt. Neben ihren Partien in Boris
Godunow und Richard Wagners Tristan und Isolde an der Oper Frankfurt, gastiert Mahnke in
dieser Spielzeit unter anderem an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Magdalena
Hinterdobler (Braut) sang in dieser Spielzeit Tosca an der Finnischen Nationaloper in Helsinki und
gab ihr Rollendebüt als Senta in Wagners Der fliegende Holländer am Landestheater Salzburg. An
der Oper Frankfurt verkörperte sie in dieser Spielzeit bereits die Rolle der Ellen Orford in Peter
Grimes. Der Schauspieler Christian Clauß ist als Bräutigam, die Schauspielerin Daniela Ziegler
als Tod / Bettlerin zu erleben. Beide sind durch Auftritte auf diversen Bühnen sowie als TV-Darsteller bekannt. In weiteren Rollen sind überwiegend Mitglieder des Ensembles besetzt.
Dienstag, 5. Mai 2026, um 19.30 Uhr im Opernhaus
![]() |
| Simon Bailey (Bassbariton; Bildnachweis: Edmond Choo) |
Preise: € 16 bis 109 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Über viele Jahre zählte Simon Bailey als Ensemblemitglied zu den Frankfurter
Publikumslieblingen. In dieser Spielzeit sprang er bei der zweiten Vorstellung in Rudi Stephans
Oper Die ersten Menschen ein. Sein hiesiges Repertoire umfasst Partien wie Peter (Hänsel und
Gretel), Mr. Redburn (Billy Budd), Gunther (Götterdämmerung), Klingsor (Parsifal), Gelone
(L’Orontea), Don Magnifico (La Cenerentola), Orest (Elektra), Křeneks Adam Ochsenschwanz
(Schwergewicht) und die Titelpartie von Herzog Blaubarts Burg. Gastengagements brachten den
britischen Bassbariton etwa als Achilla (Giulio Cesare in Egitto), Don Bartolo (Il barbiere di
Siviglia), Mozarts Figaro, Leporello (Don Giovanni), Kutusow (Krieg und Frieden), Méphistophélès
(La damnation de Faust), die vier Bösewichter (Les contes d’Hoffmann), Jochanaan (Salome),
Balstrode (Peter Grimes) und Der Totenrichter (Die Verurteilung des Lukullus) u.a. an die
Opernhäuser in Wiesbaden, Stuttgart, Basel, Straßburg, Brüssel, London und Mailand. Seit
seinem Debüt bei den Tiroler Festspielen Erl zählt auch Wotan / Wanderer (Der Ring des
Nibelungen) zu den Paraderollen des Gewinners des Wales Theatre Award 2018. Wotan sang er
zuletzt in Dortmund (Das Rheingold), Luzern und Dresden (Die Walküre), den Wanderer
(Siegfried) in Wiesbaden, Dortmund, Dresden und Versailles.
Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei unseren bekannten Vorverkaufsstellen, online
unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 - 212 49 49 4 erhältlich.
Gelb scheint die Sonne der Ververververänderung © Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl
![]() |
| Auschwitz, AI, gemeinfrei |
Bereits in der Spätphase des Römischen Reiches entstehen Spannungen, die später eskalieren. Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. (Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr.) verschiebt sich das Verhältnis zwischen Juden und sich entwickelndem Christentum grundlegend. Christen definieren sich zunehmend in Abgrenzung zum Judentum. Theologisch entsteht der Vorwurf des „Gottesmordes“ (Deizid) – also der Verantwortung für den Tod Jesu.
Wichtig: Ostern wird zum zentralen christlichen Fest – und damit auch der Passionsbericht, der Schuldzuweisungen enthält. Diese religiöse Erzählung wird über Jahrhunderte emotional aufgeladen. Einflussreiche Stimmen wie Johannes Chrysostomos predigen offen gegen Juden – oft in direkter Verbindung zu christlichen Festzeiten. Es sind noch keine Pogrome im späteren Sinne, aber eine ideologische Grundlage.
Zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert ist die Lage regional sehr unterschiedlich: In vielen Gebieten leben jüdische Gemeinden relativ geschützt unter Herrschern. Dennoch entstehen Mythen, wie Ritualmordlegenden (oft mit Bezug zu Passion/Ostern), Hostienfrevelvorwürfe. Diese Narrative verknüpfen Ostern mit dem Leiden Christi und der angeblichen jüdischen Schuld.
Noch sind Pogrome selten – aber das ideologische Arsenal wächst.
Hier verdichtet sich alles – und Ostern wird zu einem wiederkehrenden Auslöser von Gewalt.
Im Kontext des Ersten Kreuzzugs kommt es zu systematischen Massakern in den Städten Speyer, Worms, Mainz, klassische Siedlungsgebiete der Juden. Die Täter sind Kreuzfahrer und lokale Bevölkerungen. Dies alles geschieht oft um Ostern herum.
Das genannte Beispiel: In Mainz wird die gesamte jüdische Gemeinde ausgelöscht, wohl nach dem Motiv „Warum in die Ferne ziehen, wenn die Feinde Christi vor Ort sind?“
Im 12.–13. Jahrhundert häufen sich Gewalttaten genau zu dieser Zeit. Typische Mechanismen sind Predigten während der Karwoche, öffentliche Passionsspiele und kollektive emotionale Erregung. Danach kommt es zu Angriffen auf jüdische Viertel.
Ein Schlüsselereignis ist der Fall William von Norwich. Hier wird erstmals systematisch behauptet, dass Juden christliche Kinder zu Ostern töten würden. Diese Legende verbreitet sich europaweit und wird immer wieder als Vorwand genutzt.
Während der Schwarze Tod sich ausbreitet, eskaliert die Gewalt massiv: Juden werden beschuldigt, Brunnen vergiftet zu haben. Bei Pogromen in hunderten Städten an Ostern spielen hier indirekt eine Rolle die religiösen Deutungen der Katastrophe und die Verstärkung vorhandener Feindbilder.
Im Elsass und am Oberrhein, in Straßburg, Colmar, Basel werden gehäufte Übergriffe während und nach Passionsspielen dokumentiert, besonders in Krisenzeiten (Pest, Hungersnöte).
Das Straßburger Pogrom von 1349 ist ein Massenmord an der jüdischen Bevölkerung von Straßburg während der Zeit der Pestpandemie. Es gilt als eines der frühesten und brutalsten Beispiele der antijüdischen Gewalt im Zusammenhang mit den Pestverfolgungen im Heiligen Römischen Reich.
Am 14. Februar 1349 sind in Straßburg (damals Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich) etwa 900 bis 2.000 jüdische Einwohner aufgrund von Gerüchten über Brunnenvergiftung vernichtet worden. Ihr Eigentum wird beschlagnahmt. In Straßburg schürten politische Spannungen zwischen dem Stadtrat, der Bürgerschaft und dem Bischof die Gewalt zusätzlich. Die jüdischen Einwohner von Straßburg werden auf den „Judenbühl“ außerhalb der Stadt getrieben, die meisten von ihnen auf einem Scheiterhaufen verbrannt, andere zwangsgetauft. Nur wenige überleben durch Flucht oder Konversion. Die Tat war von der Stadtführung gebilligt und organisiert. Das Pogrom markiert den Untergang einer der ältesten und wohlhabendsten jüdischen Gemeinden Mitteleuropas. Straßburg blieb jahrzehntelang „judenfrei“. Ähnliche Gewaltwellen erfassten in den folgenden Monaten viele andere Städte des Reichs. In der Forschung gilt das Ereignis als Ausdruck tief verwurzelter antisemitischer Strukturen und als frühes Beispiel staatlich unterstützter Verfolgung.
Heute erinnert in Straßburg eine Gedenktafel auf dem Place de la République an das Pogrom. Historiker sehen es als Mahnung vor religiös motivierter Gewalt und kollektiver Schuldzuschreibung in Krisenzeiten.
IV. Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert)
Passionsspiele werden öffentlich, mehrtägig von großen Teilen der Bevölkerung besucht. Juden werden als grausam, verschwörerisch, kollektiv schuldig betrachtet. Ihnen wird eine konkrete Verbindung zu Gewalt unterstellt.
Nürnberg ist ein bedeutendes Zentrum spätmittelalterlicher Spiele. Es gibt detaillierte Passionsinszenierungen und eine stark antijüdische Bildsprache, aber keine klar datierten Sofortpogrome, eher langfristige Radikalisierung des Stadtklimas.
In Augsburg mehrere dokumentierte Spannungen und Übergriffe im Zusammenhang mit ausgeprägten Passionsspielen, gab es gemäß stark ausgearbeiteten Judendarstellungen, Stadtrechnungen und Chroniken gleichzeitige antijüdische Maßnahmen.
In Regensburg fanden wiederholte Vertreibungen und Gewalt (insb. 1470er Jahre) nach Passionsspielen statt. Sie standen in Zusammenhang mit Passionsfrömmigkeit und Ritualmordlegenden. Es fanden kollektive Übergriffe auf die jüdische Gemeinde statt.
Die Gewalt wird weniger flächendeckend, aber bleibt strukturell präsent. Typische Erscheinungen sind Karfreitagsrituale mit antijüdischer Symbolik. Deutlich die zwangsweise Teilnahme von Juden an christlichen Ritualen, Passionsspielen und periodische Ausschreitungen gegen sie. Ein besonders drastisches Beispiel zeigt der Trienter Ritualmordprozess von 1475, ein berüchtigter mittelalterlicher Schauprozess gegen die jüdische Gemeinde in Trient (heute Trento, Italien). Er begann nach dem Tod des zweijährigen Simon von Trient und führte zu massiven Verfolgungen, Hinrichtungen und zur Auslöschung der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Am Osterfest 1475 wurde der Knabe Simon tot aufgefunden. Lokale Autoritäten, unterstützt vom Fürstbischof Johannes Hinderbach, beschuldigten die jüdische Gemeinde des „ritualisierten Mordes“ zu Passahzwecken – ein typisches Motiv antisemitischer Propaganda jener Zeit. Trotz fehlender Beweise wurden zahlreiche Juden gefoltert und hingerichtet. Passah/Pessach kennt zwar die rituelle Schlachtung eines fehlerlosen Lammes, die zentraler Bestandteil der ursprünglichen Pessachordnung in Exodus 12 ist. Es handelt sich jedoch nicht um einen menschlichen Ritualtod, sondern um ein Tieropfer! Es hat rein gar nichts mit Ritualmord oder dem christlichen Ostern zu tun. Der Ritualmord-Mythos wurde dadurch dennoch in Europa erneut befeuert und weiterverbreitet.
Institutionalisierter Antijudaismus
Typische Formen waren Ghettobildung, Berufsverbote, Sondersteuern. Die Gewalt ist nun oft weniger spontan, sondern stärker strukturell organisiert, aber zu Ostern bleibt das Eskalationsrisiko erhöht.Mit Aufklärung und staatlicher Zentralisierung verändert sich die Lage – aber der Antijudaismus verschwindet nicht. Es gibt zwar einen Rückgang, aber kein Ende. In Westeuropa nimmt offene Gewalt ab, in Osteuropa bleibt sie massiv.
Ein herausragendes Beispiel ist der Chmelnyzkyj-Aufstand von 1648 bis 1657 eigentlich gegen den Adel gerichtet, den polnischen Staat. Er folgt nicht mehr der Passionsspiellogik. Weder spontan, noch an Ostern gebunden, noch durch Passionsdarstellungen emotionalisiert, werden Zehntausende Juden ermordet, allerdings auch aus religiösen Motiven. Anführer ist Bohdan Chmelnyzkyj und wirkt in der heutigen Ukraine, Polen, Belarus. Der Aufstand der Kosaken und großer Teile der bäuerlichen Bevölkerung gegen die Ordnung der polnisch-litauischen Adelsrepublik und Katholiken bzw. Katholisch-Orthodoxe wird begleitet von massiver Gewalt gegen Juden: Es finden Massaker in zahlreichen Städten (z. B. Nemyriv, Tulczyn, Polonne) und Zerstörung ganzer Gemeinden statt. Die Opferzahlen sind historisch umstritten (mehrere Zehntausend wahrscheinlich).
In der jüdischen Erinnerung zählt der Aufstand als eines der größten traumatischen Ereignisse vor dem 20. Jahrhundert (apokalyptische Ausmaße). Juden werden nicht primär aus theologischen, religiösen Gründen angegriffen, sondern als Verwalter von Gütern, Steuereintreiber, Zwischeninstanz zwischen Adel und bäuerlicher Bevölkerung. Sie werden als Teil des Unterdrückungssystems wahrgenommen.
Die Zeit von 1900 bis 2026 markiert keinen Bruch, sondern eine Transformation: Die direkte religiöse Aufladung von Ostern als Auslöser von Gewalt nimmt in Westeuropa stark ab, verschwindet aber nicht vollständig. Gleichzeitig verschieben sich Motive – von religiösem Antijudaismus hin zu modernem Antisemitismus, Nationalismus und politischer Instrumentalisierung.
Im Russischen Reich und angrenzenden Regionen kommt es weiterhin zu Pogromen, so in Kischinew. Weitere Ausschreitungen 1905 im Zuge revolutionärer Unruhen
Mitteleuropa
In Deutschland, Frankreich, Österreich findet man weniger Pogrome, aber starke antisemitische Mobilisierung (Presse, Parteien). Ostern spielt hier eher symbolisch-kulturell, nicht mehr direkt gewaltauslösend eine Rolle.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei verändert sich die Struktur grundlegend:
Zentrales Ereignis sind die Novemberpogrome 1938. Entscheidender Unterschied ist, dass es keine Bindung an Ostern mehr gibt, stattdessen politische Inszenierung.
Offener Antisemitismus wird offiziell unterdrückt, ist aber latent vorhanden und führt zu gelegentlichen Ausschreitungen. Religiöse Bezugspunkte sind stark reduziert durch staatlichen Atheismus.
Das Pogrom von Kielce ist eines der erschütterndsten Beispiele für antisemitische Gewalt nach dem Holocaust – und zugleich ein Fall, in dem sich mittelalterliche Motive (Ritualmordlegende) bis in die Moderne fortsetzen.
Am 4. Juli 1946 behauptet ein Junge, von Juden entführt worden zu sein. Das führt zur Wiederbelebung einer klassischen Erzählung: Ritualmordlegende (Blutbeschuldigung). Diese Legende war bereits seit dem Mittelalter eng mit der Passionszeit verbunden – hier tritt sie im 20. Jahrhundert erneut auf, völlig losgelöst vom Osterkalender, aber mit identischer Struktur.Wie im Mittelalter funktionieren die Mechanismen
Das Pogrom löst eine Flucht tausender Juden aus Polen aus, die mit ihrer früheren Heimat endgültig brechen. Kielce wird zu einem historischen Marker: Selbst nach Auschwitz war jüdisches Leben in Europa nicht sicher.
Mit dem Ende des Kalten Krieges entsteht eine neue Gemengelage.
Zwischen 1990 und 2026 kehrt der Antisemitismus in Europa nicht als Wiederholung der Geschichte zurück, sondern als ihre Verwandlung. Was einst in dichten, ritualisierten Gewaltschüben kulminierte – oft im Rhythmus religiöser Kalender, gebündelt um die Passionszeit –, tritt heute fragmentiert, vielgestaltig, scheinbar unzusammenhängend auf. Und doch trägt es Spuren jener langen Dauer: alte Erzählungen, neue Träger, veränderte Formen.
Die politische Zäsur von 1989/90, der Zusammenbruch der bipolaren Welt, öffnete Räume – für Demokratie, für Markt, für Mobilität. Aber auch für Rückgriffe. In Osteuropa kehrten nationale Narrative zurück, die zuvor unterdrückt oder nivelliert waren. In Westeuropa begann eine Phase der Selbstvergewisserung, die sich bald mit Migration, Globalisierung und ökonomischer Unsicherheit verschränkte. In beiden Fällen entstand ein Klima, in dem sich alte Feindbilder neu konfigurieren konnten.
Dabei ist der Antisemitismus der Gegenwart selten offen als solcher kenntlich. Er tarnt sich. Er tritt auf als Kritik an „Eliten“, als Misstrauen gegenüber „Finanzmächten“, als raunende Theorie über globale Netzwerke. Er verschiebt seine Begriffe, bleibt aber in seiner Struktur erstaunlich stabil. Der Jude – real oder imaginiert – fungiert weiterhin als Projektionsfläche für das, was als bedrohlich, unkontrollierbar, fremd empfunden wird.
Und doch ist etwas Entscheidendes anders geworden: die Form der Gewalt.
Wo im Mittelalter kollektive Erregung, verstärkt durch Passionsspiele und Predigten, zu plötzlichen Pogromen führte, sehen wir heute eine Zersplitterung. Gewalt erscheint als Tat Einzelner oder kleiner Gruppen, ideologisch aufgeladen, aber nicht mehr eingebettet in eine gemeinsame liturgische Dramaturgie. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 ist dafür ein paradigmatisches Beispiel: Ein Täter, radikalisiert in digitalen Räumen, bewaffnet mit einem Weltbild aus Verschwörung und Hass, zielt auf ein religiöses Zentrum. Kein Mob, kein öffentlicher Ritus – und doch eine Tat, die an ältere Muster anschließt, indem sie Juden als symbolischen Kern eines imaginierten Feindes markiert. Eine ziemlich vollständige Liste der antisemitischen Übergriffe ab 1950 durch Einzeltäter und Gruppierungen findet man bei Wikipedia. Es sind zu Beginn Friedhofsschändungen, später bis hin zu Mord und Totschlag. Viele Dutzende von Übergriffen, manchmal regelrechte Häufungen pro Jahr bis zur Gegenwart. In 2025 wurde bislang nur ein Fall eingetragen, das Jahr ist aber noch nicht fertig bearbeitet.
Parallel dazu existieren andere Stränge antisemitischer Gewalt, die sich nicht aus klassischem Nationalismus speisen, sondern aus religiösem Extremismus oder geopolitischen Konflikten. Die Anschläge in Frankreich im Jahr 2012 – Terroranschläge von Toulouse und Montauban – zeigen, dass der Antisemitismus längst mehrere ideologische Heimaten besitzt. Was sie verbindet, ist weniger eine gemeinsame Tradition als eine gemeinsame Funktion: die Reduktion komplexer Wirklichkeit auf ein personifiziertes Feindbild. Festgelegte und "eingeschliffene" Feindbilder, simplifiziert wie auch das Denken der Täter. Blind-wütiges Fehlverhalten von Gewalt- und Killertypen.
Nationalistische Bewegungen in Europa spielen dabei eine ambivalente Rolle. Sie sind selten die alleinigen Träger antisemitischer Gewalt, aber häufig deren Resonanzraum. In ihren Diskursen tauchen Versatzstücke auf, die tief in die europäische Ideengeschichte zurückreichen: die Vorstellung eines „bedrohten Volkes“, die Konstruktion einer inneren Zersetzung, die Suche nach einem identifizierbaren Schuldigen. Vorgänge, die nationalistische Vertreter nicht mehr verstehen, werden u.a. als jüdische Machenschaften im großen Stil abgetan und dort bekämpft, obwohl es in den seltensten Fällen einen kausalen Zusammenhang gibt. Der Antisemitismus wird hier sogar verdeckt gehalten, aber er bleibt anschlussfähig – als Unterton, als Andeutung, als codierte Rede.
Auffällig ist, dass diese neuen Formen der Gewalt und des Hasses keine religiöse Entrüstung mehr kennen, sondern die der Minderheitenhasser. Die alte Kopplung an Ostern, an Karfreitag, an die dramatische Inszenierung der Passion ist somit weitgehend verschwunden. Die religiöse Dramaturgie, die einst Emotionen synchronisierte und kollektive Eskalationen begünstigte, ist durch eine andere Infrastruktur ersetzt worden: durch Hetze in digitalen Netzwerken, durch permanente Verfügbarkeit von Bildern und Erzählungen, durch die Möglichkeit, sich jederzeit und überall zu radikalisieren. Dennoch bleiben Bezüge zum radikalen Antisemitismus der 30er und 40er-Jahre erhalten, in dem auffällige Daten wie Geburtstag des Führers oder der NS-Größen als Eckpfeiler für die Gesinnung oder Aktivitäten gesetzt werden.
Wenn man so will, hat sich der Kommunikationsraum verschoben und erweitert – vom Marktplatz zur Timeline, von der Bühne zum Bildschirm, Kontakt zu viel mehr Gleichgesinnten als zuvor.
Es bleibt ein irritierender Befund: Die verkehrten Erzählungen sterben nicht. Sie verändern ihre Sprache, ihre Bilder, ihre Kontexte, aber sie behalten ihren Kern. Die Ritualmordlegende des Mittelalters lebt fort in modernen Verschwörungstheorien; die Vorstellung kollektiver Schuld transformiert sich in Narrative globaler Kontrolle; die alte religiöse Feindschaft wird ergänzt oder ersetzt durch politische und kulturelle Codes.
Das bedeutet nicht, dass Europa in eine Vergangenheit zurückfällt. Im Gegenteil: Die Unterschiede sind fundamental. Es gibt keine systematischen Pogrome mehr, keine gesellschaftlich legitimierten Massaker, keine staatlich organisierte Vernichtung wie im Holocaust. Rechtsstaatliche Strukturen, zivilgesellschaftliche Wachsamkeit und historische Aufarbeitung wirken als Barrieren.
Aber diese Barrieren sind nicht absolut. Sie verhindern nicht jede Tat, nicht jede Radikalisierung, nicht jede symbolische Gewalt. Sie verschieben die Form, nicht die Möglichkeit. Eine großflächige Zusammenrottung wird ebenso möglich wie Parallelübergriffe.
So steht Europa heute in einer eigentümlichen Spannung zwischen historischer Erkenntnis und gegenwärtiger Verletzlichkeit. Der Antisemitismus ist nicht mehr so, wie er war – aber er ist auch nicht verschwunden. Er ist beweglicher geworden, schwerer zu greifen, oft indirekt, manchmal codiert.
Und gerade darin liegt seine Persistenz: nicht als Wiederholung, sondern als Anpassung.
Seit den 2000er Jahren tritt in Europa eine islamistisch geprägte Form des Antisemitismus als zusätzliche ideologische Quelle hervor. Sie unterscheidet sich vom klassischen europäischen Antijudaismus dadurch, dass sie stärker politisch und global ausgerichtet ist: Juden werden häufig mit dem Staat Israel gleichgesetzt und als Teil eines umfassenden Konflikts wahrgenommen.
Ein prägnantes Beispiel sind die Terroranschläge von Toulouse und Montauban, bei denen gezielt eine jüdische Schule angegriffen wurde. Solche Taten entstehen weniger aus lokalen Spannungen, sondern aus transnationalen ideologischen Narrativen.
Der Bezug zu Ostern oder zur christlichen Passionszeit spielt hier kaum eine Rolle. Stattdessen folgen Eskalationen oft den Dynamiken des Nahostkonflikts – etwa bei militärischen Auseinandersetzungen oder politischen Krisen.
Charakteristisch ist eine religiös-politische Deutung des Konflikts, die Übertragung globaler Feindbilder in den europäischen Alltag und Radikalisierung eher individuell oder in kleinen Netzwerken.
Trotz anderer Herkunft bleibt die Struktur ähnlich: Komplexe Konflikte werden vereinfacht, Schuld kollektiv zugeschrieben und Gewalt ideologisch gerechtfertigt.
Im 20. und 21. Jahrhundert verschwindet weitgehend, was die europäische Gewaltgeschichte über Jahrhunderte geprägt hatte: klassische Pogrome im Umfeld von Ostern, getragen von aufgeheizten Menschenmengen, oft ritualisiert und religiös aufgeladen. Der Kalender verliert seine unmittelbare Gewaltfunktion.
Was bleibt, ist nicht die Form, sondern die Erzählung – in veränderter Gestalt. Alte Motive wie Ritualmordlegenden, Verschwörungsmythen oder religiös codierte Feindbilder lösen sich von festen Anlässen und werden ideologisch mobilisierbar. Sie tauchen in neuen Kontexten wieder auf, fragmentiert, modernisiert, oft politisch überformt.
An die Stelle kollektiver Ausschreitungen treten andere Gewaltformen:
rechtsextremer Terror (z. B. Anschlag auf die Synagoge in Halle)
islamistisch motivierte Anschläge (z. B. Terroranschläge von Toulouse und Montauban)
digitale Radikalisierung, die Gewalt entkoppelt von Ort und Anlass
Der entscheidende Strukturwandel liegt darin:
Vor 1900 konnte Ostern selbst als Auslöser fungieren – als Moment, in dem religiöse Emotion in Gewalt umschlug.
Nach 1900 übernehmen Ideologien diese Rolle. Sie strukturieren Wahrnehmung, erzeugen Feindbilder und bestimmen den Zeitpunkt der Eskalation.
Ostern bleibt – wenn überhaupt – nur noch ein kultureller Resonanzraum, ein historischer Hintergrund. Die Gewalt hat sich vom Kalender gelöst und in die Sphäre der radikalen Weltdeutungen und deren Aktionen verlagert.