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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Donnerstag, 3. April 2025

Ukraine: Gewaltsame Entführungen von ukrainischen Kindern

(ISW: Putin stiehlt immer noch ukrainische Kinder. Von Karolina Hird, 24. März 2025)

Der russische Präsident Wladimir Putin ist vor über drei Jahren in die Ukraine einmarschiert, unter anderem mit der Absicht, ihr die Kinder zu stehlen. Putin startete seine imperiale Eroberung, um in erster Linie das ukrainische Volk zu beherrschen, und er erkannte, dass die Beraubung der Ukraine ihrer Kinder gleichbedeutend mit der Beraubung ihres Mehrgenerationenpotenzials wäre. Als russische Truppen in der Nacht zum 24. Februar 2022 über die Grenze in die Ukraine einmarschierten, war der Grundstein für die massive Deportation der ukrainischen Kinder bereits gelegt. Ukrainische Menschenrechtsaktivisten entdeckten Kreml-Dokumente vom 18. Februar 2022, die Pläne enthielten, ukrainische Kinder aus Waisenhäusern in den besetzten Oblasten Luhansk und Donezk zu entfernen und sie unter dem Deckmantel „humanitärer Evakuierungen“ nach Russland zu bringen. Diese Dokumente enthüllten, dass Russland plante, gefährdete ukrainische Kinder, insbesondere solche ohne elterliche Fürsorge, ins Visier zu nehmen, noch bevor die Invasion in vollem Umfang begonnen hatte. In den darauffolgenden drei Jahren hat Russland ein vom Kreml gesteuertes, zutiefst institutionalisiertes Projekt in Angriff genommen, um ukrainische Kinder zu entführen und sie gewaltsam in die nächste Generation von Russen zu verwandeln.

Die Ukraine konnte nachweisen, dass Russland bisher 19 456 Kinder deportiert hat, obwohl die tatsächliche Zahl wahrscheinlich viel höher ist, da Russland häufig schutzbedürftige Kinder ins Visier nimmt, die niemanden haben, der für sie spricht. Putins Kinderrechtsbeauftragte Maria Lvova-Belova (gegen die der Internationale Strafgerichtshof im März 2023 einen Haftbefehl wegen ihrer Rolle bei der Entführung von Kindern an der Seite Putins erlassen hat) behauptete, Russland habe zwischen Februar 2022 und Juli 2023 700.000 ukrainische Kinder „aufgenommen“ - ein erschreckender Maßstab dafür, wie weit Russland bereit ist, die Ukraine ihrer eigenen Bevölkerung zu berauben. Die tatsächliche Zahl der deportierten Kinder lässt sich kaum nachprüfen, aber die Implikation bleibt dieselbe: Russland hat Zehn-, möglicherweise Hunderttausende ukrainischer Kinder mit der ausdrücklichen Absicht entführt, ihre ukrainische Identität auszulöschen und sie zu Russen zu machen. 

Das Völkerrecht verbietet ausdrücklich die gewaltsame Überführung von Kindern von einer Gruppe zu einer anderen Gruppe mit dem Ziel, eine nationale oder ethnische Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören, und betrachtet diese Verstöße als Tatbestand des Völkermords.


 https://www.understandingwar.org/backgrounder/putin-still-stealing-ukrainian-children

Montag, 31. März 2025

Groebners Newsletter für die Welt, den Humor und den Frühling

 













UfO - Unerwartetes fiktionales Objekt Nr. 38: Am Ende.

„Auch wenn sie alle auf ihn herab sahen, musste er doch lachen. 

War er sich doch sicher, dass sie sich am Ende wiedersehen würden."






Oh Publikum!

Liebe Menschheit!

Sehr geehrte Damen und Herren und diverse Diverse!


Die Weltpolitik schlägt Purzelbäume, in Deutschland schlägt man vor viel Geld auszugeben, und in Österreich schlägt man auch etwas vor… nämlich die Hände vor's Gesicht, wenn man sich vorstellt, was passiert, wenn diese gerade frisch vereidigte Regierung nicht halten sollte. 

Währenddessen schlägt sich Trump auf Putins Seite und Putin schlägt sich vor Freude auf die Oberschenkel, wenn er Trumps Politik betrachtet. 

Soweit ein kurzer Rundumschlag.


Und wie regieren die Leute darauf? 

Die einen hören Schlager oder engagieren sich in schlagenden Verbindungen.

Und dieser Newsletter wendet sich an alle diese Menschen,….

…. bei denen andere Reaktionen schlagend werden.

Menschen, die trotz schlechter Nachrichten, die links und rechts von einem einschlagen, immer noch ihren Sinn für Humor pflegen.

Denn da kann ich helfen.


Nicht nur, weil ich ab und zu aktuelle Glossen verfasse - wie diese hier für den BR etwa, die sich um den möglichen neuen Platz der Freiheitsstatue dreht - 


oder weil ich dieses großartige Satirepop-Album „Nicht mein Problem“ (Prädikat: „georgdanzerig“ © Kurier) der Welt zu Füßen und auf den Markt geworfen habe, 


oder weil ich mir es zur Aufgabe gemacht habe, die Welt durch einen wöchentlichen Satirischen Newsletter - genannt „Der Neue Glossenhauer“ - besser zu machen,


sondern auch weil ich mit meinem Programm „ÜberHaltung“ noch ein paar Runden drehe, bevor das nächste langsam am Horizont erscheint (aber dazu in einem späteren Newsletter - also dran bleiben!).



Samstag 22.3. Karlsruhe - Kabarett in der Orgelfabrik


Donnerstag 3.4. Gilching - Monis Brettl / Zum oberen Wirt


Freitag 4.4. Erlangen - Fifty-Fifty


Freitag 11.4. Garmisch-Partenkirchen -Kulturbeutel / Bühne U1


Samstag 25.4. Celle-Bockelskamp - Kaleidoskop auf dem Findelhof


Donnerstag 15.5. Düsseldorf - Kommödchen


Freitag 16.5. Aschaffenburg - Hofgarten


Donnerstag 22.5. Hannover - TaK


Freitag 23.5. Frankfurt - KÄS


Freitag 30.5. Wien - Kabarett Niedermair


Freitag 13.6. München - Lustspielhaus


Im schönen Magazin MUH hab ich übrigens einen Text verfasst, der sich mit dem poltisch-beliebten, aber leider menschen-feindlichen Phänomen des „Ausländerwahlkampfs“ beschäftigt.


Wer gar nicht genug von mir bekommen kann, darf mir natürlich auch auf InstagramFacebook oder YouTube folgen oder ganz einfach die Webseite frequentieren.


Ich hoffe aber auf ein Wiedersehen Live und in Farbe.

Oder ein Wiederlesen in diesem oder dem wöchentlichen Newsletter. 



In diesem Sinne 

Mit Herz&Handschlag

Euer 

Groebner

Freitag, 28. März 2025

ECM-Neuheiten 2025 seit Jahresbeginn

Fangen wir an mit Spindrift im Januar, das zweite ECM-Album von Benjamin Lackner. Der deutsch-amerikanische Pianist ist mit einem neu formierten Quintett zurück, das er für eine intensive Aufnahmesession im Frühling 2024 in der Provence zusammengestellt hat. Mit der hochkarätigen Gruppe präsentiert er eine frische und spannende Seite seiner kompositorischen Bandbreite. Mathias Eick ist der einzige Wiederkehrende von Lackners Debüt Last Decade und in markantem Dualismus mit Mark Turners eigenwilliger Saxophon-Dialektik zu hören – ein Schlüsselmerkmal des Zusammenspiels auf Spindrift. Zum Bläserduo und dem Pianisten gesellen sich die international gefragte Bassistin Linda May Han Oh und der französische Schlagzeuger Matthieu Chazarenc, der schon lange zu Lackners Trio gehört. Das Album wurde von Manfred Eicher produziert.

 

Es folgte ein besonderes Duo-Projekt: Der Pianist François Couturier und der Violinist Dominique Pifarély, wichtige Figuren der französischen Improvisationsszene. Sie haben in den letzten 30 Jahren in vielen Projekten zusammengespielt, darunter auch in ihrem Duo, das 1997 mit dem Album Poros sein Aufnahmedebüt für ECM gab. Preludes and Songs setzt die Geschichte fort und umfasst Musik beider Musiker sowie Stücke von Jacques Brel, Duke Ellington, George Gershwin und J.J. Johnson. Mit ihrer vom Jazz und zeitgenössischer Komposition geprägten Sensibilität verwandeln Couturier und Pifarély das breit gefächerte Repertoire in fesselnde, ausdrucksstarke Musik. Preludes and Songs wurde im Reitstadel Neumarkt im Oktober 2023 aufgenommen und von Manfred Eicher produziert.

 

Am 31. Januar erschien schließlich Julia Hülsmanns Under The Surface. Die Pianistin erweitert darauf ihr Quartett mit einer frischen norwegischen Stimme am Horn und präsentiert ein Programm gruppeneigener Stücke, die im Quartett- und Quintettgefüge nachdenklich und kreativ ausgelotet werden. Wie auf den vorherigen Alben steuert jedes Quartettmitglied Musik zur Session bei, wobei die Bandleaderin selbst für die Hälfte des Programms verantwortlich ist. Saxophonist Uli Kempendorffs Einführung in Julias Trio auf Not Far From Here (2019) brachte bereits eine neue Dimension in das Zusammenspiel der Gruppe – dieses Gefühl wird nun durch die norwegische Trompeterin Hildegunn Øiseth, die sich der Band auf der Trompete und dem Ziegenhorn für fünf Stücke anschließt, um ein Mehrfaches verstärkt und ausgebaut.

Im Februar Neuheiten mit improvisierter Musik profilierter Bläser:


Für Lullaby greift der norwegische Trompeter Mathias Eick auf die Quartett-Formation zurück. In diesem Programm zeigt er all seine improvisatorischen Qualitäten; er wird dabei von den ECM-Vertrauten Kristjan Randalu und Ole Morten Vågan am Klavier und Bass sowie dem Neuzugang Hans Hulbækmo am Schlagzeug begleitet. In diesen melodiösen Stücken herrscht ein Gefühl der Unbekümmertheit vor, wie die Musiker sanft zwischen den Harmonien hin- und herwechseln und gemeinsam einen Schwung aus den Formen heraus aufbauen. Eicks sofort erkennbarer und attraktiver Ton wird oft mit Randalus abwechselnd lyrischen und energiegeladenen Keyboard-Flügen konfrontiert, die sich über eine treibende, immer einnehmende Rhythmusgruppe erheben. Das Album wurde im Rainbow Studio in Oslo aufgenommen.


Winter Poems, das Debüt des Sopransaxophonisten Yuval Cohen bei ECM ist ein spannendes Album, das den Bruder des langjährigen ECM-Musikers Avishai Cohen zeigt, wie er in elegantem Zusammenspiel mit seinem neu formierten Quartett innovative Wege durch acht Eigenkompositionen beschreitet. Der Pianist Tom Oren, der Bassist Alon Near und Alon Benjamini am Schlagzeug sind langjährige Bekannte Yuvals, die ein tiefes, intuitives Verständnis für die musikalische Sprache und den improvisatorischen Ansatz des Bandleaders mitbringen. Auf dem gesamten Album demonstriert der Saxophonist sein persönliches Verständnis von kammermusikalischer Jazzdynamik und erkundet ein breites Spektrum an Einflüssen – von Folk-Idiomen bis hin zu Motiventwicklungen, die der klassischen Musik entlehnt sind.


Außerdem neue  Aufnahmen zweier langjähriger ECM-Weggefährten: Vom ersten Ton an eröffnet der Norweger Jon Balke mit Skrifum eine neue Klangdimension und setzt damit eine Experimentierreihe fort, die er mit den Solo-Klavieralben Warp (2016) und Discourses (2020) begonnen hat, bei denen er auch die akustische Umgebung verarbeitet, in der die Musik zu hören ist. Skrifum (das isländische Wort für "schreiben") geht noch einen Schritt weiter. Mit Hilfe des von ihm mitentwickelten elektronischen Audiowerkzeugs Spektrafon ist Balke nun in der Lage, den Ausklang des Klaviers während des Spielens direkt zu manipulieren, indem er Frequenzen herauszieht und sie als Akkorde von Obertönen aufrechterhält. Dieser aktivierte Nachhall wird zu neuem Material für improvisierte Dialoge. Skrifum wurde im November 2023 bei Village Recording in Kopenhagen aufgenommen und in den Bavaria Musikstudios in München weiter bearbeitet und gemastert. Produziert wurde das Album von Manfred Eicher und Jon Balke.


Nach zwanzig Jahren des gemeinsamen Musizierens zeichnet sich das Billy Hart Quartett – mit Mark Turner, Ethan Iverson und Ben Street – durch seine stilistische Offenheit aus.  "Wenn es jemals ein Beispiel für zeitgenössischen Jazz gab, der sich ausgiebig auf alle 'Traditionen' stützt und gleichzeitig etwas von der melodischen Klarheit einfließen lässt, die mit dem anspruchsvolleren Repertoire des American Songbooks verbunden ist, dann ist es dieses", schrieb der Kritiker Kevin Le Gendre über das letzte ECM-Album One Is The Other des Quartetts. Als Schlagzeuger mit enormer Erfahrung, der viele idiomatische Umbrüche des Jazz mitgemacht hat, vertritt der heute 83-jährige Hart einen "multidirektionalen" Soundansatz, und seine jüngeren Mitstreiter reagieren entsprechend, wobei jedes Stück subtil eine andere Tür öffnet.  Auf dem neuen Album Just steuert Ethan Iverson vier Kompositionen bei, vom verschmitzt-schwebenden "Chamber Music" bis zum eruptiv-motorischen "Aviation". Von Mark Turner und Hart selbst kommen jeweils drei Kompositionen. Zu Harts Stücken gehören neuartige Interpretationen seiner zwei bekannten Nummern "Layla Joy" und "Naaj", während Turner "Billy's Waltz" – sowohl ein anmutiger Tanz als auch ein Vehikel für bluesbewussten Ausdruck – und den Uptempo-Vamp "Top of the Middle" im Gepäck hat. Just wurde im Dezember 2021 in den New Yorker Sound On Sound Studios aufgenommen und im September 2023 in den Studios La Buissonne in Südfrankreich abgemischt.


 Im März 25 erschien die erste New-Series-Aufnahme des noch jungen Jahres:

 

„Es ist erstaunlich, von welch tiefem Sinn für Schönheit diese Komposition für Kirche, Chöre und Cello durchdrungen ist“, sagte Mstislav Rostropovich, als er Chapter Eight zum ersten Mal hörte. Der russische Komponist Alexander Knaifel (1943-2024) vertonte in dieser Komposition das alttestamentarische Hohelied Salomos als „Gemeinschaftsgebet“, das „in hallreicher Kirchenakustik“ aufgeführt werden sollte. Die subtile Verschmelzung von Klängen ist von zentraler Bedeutung für ein Werk „ohne Handlung oder Drama“, wie Knaifel sagte, aber keineswegs ohne Geheimnis. Auf der neu vorliegenden Aufnahme ist der Cellist Patrick Demenga gefordert, auf die Solistenrolle zu verzichten und sich dem gemeinsamen Gesang der drei Chöre unter der Leitung des estnischen Dirigenten Andres Mustonen und der durchdringenden Atmosphäre der Kirche hinzugeben. Das Album wurde in der Luzerner Jesuitenkirche aufgenommen, die in der Barockzeit erbaut wurde und seit langem für ihre außergewöhnlichen akustischen Eigenschaften bekannt ist.

 

Am gleichen Tag wurde auch ein Album mit improvisiert Musik veröffentlicht:

 

Die Verbindung des Schweizer Saxophonisten Nicolas Masson mit seinen Quartettkollegen Colin VallonPatrice Moret und Lionel Friedli geht bereits rund zwei Jahrzehnte zurück – in dieser Zeit haben die Vier ein intimes musikalisches Verständnis füreinander entwickelt, das auf Renaissance, der zweiten Aufnahme der Gruppe für ECM nach Travelers (2018), eingehend zum Ausdruck kommt. Das Album besteht aus Eigenkompositionen des Schweizer Saxophonisten, sowie einer kollektiven Improvisation. Das Album wurde in den Studios La Buissonne in Südfrankreich aufgenommen.

 

Außerdem erscheint eine besondere Duo-Aufnahme:

 

Defiant Life – die zweite Duo-Aufnahme von Vijay Iyer und Wadada Leo Smith für ECM – ist eine tiefgründige Meditation über den Menschen in der Gesellschaft, aber auch über Resilienz. Zwischen Leo Smiths unverwechselbaren Trompetenflügen und Vijays feinfühligen Erkundungen an Klavier und Fender Rhodes schimmert ein ätherisches Funkeln durch mehrdimensionale Räume hindurch, die Platz für nachdenkliche musikalische Konversationen schaffen. "Wir arbeiten mit unseren individuellen Sprachen und Materien", schreibt Vijay in seinem ausführlichen Begleittext, „aber auch mit unseren Methoden der akustischen Einstimmung und mit dem, was ich als eine gemeinsame Ästhetik der Notwendigkeit bezeichnen würde". Defiant Life wurde im Auditorio Stelio Molo in Lugano aufgenommen und von Manfred Eicher produziert.

 

 

Am 28. März folgt die erste neue Aufnahme mit Anouar Brahem seit Blue Maqams vor acht Jahren:

 

Der tunesische Musiker und Komponist kehrt mit einem gewichtigen Projekt zurück, das nach einer Verszeile des Dichters Mahmoud Darwish benannt ist, die lautet: „Wohin sollen die Vögel nach dem letzten Himmel fliegen?“ – After the Last Sky. Die bestechenden Kompositionen für Oud, Cello, Klavier und Bass setzen sich auf subtile Weise mit dieser metaphysischen Frage und ihren umfassenden Verstrickungen in einer unruhigen Zeit auseinander. Der Bassist Dave Holland und der Pianist Django Bates sind erneut Teil des internationalen Quartetts des  Oud-Meisters, das hier nun durch die Cellistin Anja Lechner ergänzt wird. Brahems musikalisches Verständnis mit Holland – erstmals auf dem Album Thimar von 1998 festgehalten – ist inzwischen legendär. „Daves Spiel verleiht mir Flügel“, sagte Anouar – eine Beobachtung, die sich auf dem Album wiederholt bestätigt. Anja Lechner, die eine stimmführende Rolle in der Aufnahme einnimmt, ist seit langem mit Brahems Kompositionen vertraut und hat sie u.a. in ihr eigenes Konzertrepertoire aufgenommen. Ihr Cello hat hier das erste und letzte Wort. After the Last Sky wurde im Mai 2024 im Auditorio Stelio Molo RSI in Lugano aufgenommen und von Manfred Eicher produziert. Das Album erscheint pünktlich zur Europatournee des Quartetts mit Konzerten in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Belgien.

 


 

Montag, 24. März 2025

Friedman in der Oper Frankfurt a.M.: OPPORTUNISMUS am 25.03.2025

Foto: Robert Schittko










Im Dialog mit renommierten Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft befragt der Publizist Michel Friedman Opernstoffe auf ihren Bezug zu unserer Lebensrealität.

 

Nachdem sie in der vergangenen Spielzeit ins Leben gerufen wurde, steht die Reihe Friedman in der Oper auch in dieser Saison sechs Mal auf dem Programm und knüpft jeweils an ein Werk aus dem Spielplan der Oper Frankfurt an.

 

Die vierte Veranstaltung dieser Spielzeit am

 

Dienstag, dem 25. März 2025, um 19 Uhr im Opernhaus

 

widmet sich anlässlich der Wiederaufnahme des Werkes Leoš Janáčeks Aus einem Totenhaus unter dem Motto OPPORTUNISMUS. Als Gesprächspartner Friedmans war der Journalist Ulf Röller vorgesehen, der leider zu diesem Termin nicht kommen kann.

Für ihn springt der Journalist Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington D.C., ein.

 

Karten zum Preis von € 20 / ermäßigt € 10 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

Samstag, 22. März 2025

Russifizierung oder Deportation - Putins Zwangsmaßnahmen und die Friedensgespräche im Ukrainekrieg

 

Die bedrohlichen und grausamen Konsequenzen des aktuell in den Medien wieder aufgetauchten Plans und Dekrets von Wladimir Putin, das die Deportation von Ukrainern ab September 2025 vorsieht, wenn sie ihren Aufenthalt in "Russland" (besetzte Gebiete/Donbass) nicht „legalisieren“, sind enorm und zeigen, dass die Todesmaschine Russland erst steht, wenn sie gestoppt wird.

Dieses Dekret betrifft vor allem Ukrainer in den von Russland besetzten Gebieten, die unter Gewalt, Terror und Folter leiden. Die Russifizierung wird durch die Ausstellung von Millionen russischer Pässe vorangetrieben, bislang sollen schon ein paar Millionen Ukrainer russifiziert worden sein, während Hunderttausende Ukrainer, die sich weigern, die Pässe anzunehmen, mit Schikanen, wie dem Verlust von Arbeitserlaubnis, kein Zugang zu Gesundheits- und Bildungssystemen sowie Eigentum, konfrontiert werden, jetzt sogar mit Deportation und ggf. Internierung bestraft werden sollen.

Die humanitäre Lage ist katastrophal, da es keine sicheren Fluchtwege gibt und Hunderttausende Ukrainer lebensgefährliche Gefechtszonen des Donbass durchqueren müssten, um die besetzten Gebiete zu verlassen. Russland wird zudem vorgeworfen, bereits Zehn- öder sogar Hunderttausende ukrainische Kinder entführt und in russischen Familien untergebracht zu haben, was als Kriegsverbrechen gilt. Experten und internationale Organisationen bewerten Putins Politik als ethnische Säuberung und Völkermord, mit dem Ziel, die ukrainische Identität und Staatlichkeit vollständig auszulöschen. Kiew und westliche Experten zeigen sich entsetzt über die systematische Verfolgung und Deportation der ukrainischen Bevölkerung.

Die Situation verdeutlicht die brutale Realität der russischen Besatzungspolitik und die weitreichenden Auswirkungen auf die ukrainische Bevölkerung. Es ist ein erschütterndes Beispiel für die Verletzung von Menschenrechten und internationalen Normen, Besetzung eines als unabhängig erklärten Staats, der nicht russisch sein muss.

Kann die Vermittlungspolitik von Trump dabei etwas bewirken? Sein 30-tägiger Waffenruhe-Deal wird ignoriert. Er führt auch zu nichts. Die Bedingungen, die Putin fordert, beinhalten das Ende aller westlichen Militärhilfen für die Ukraine, Verbot des Nato-Beitritts, Niederlage und Kapitulation, Eliminierung der ukrainischen Regierung und Einsetzen einer Marionettenregierung. In der Folge Rückholung der Ukraine in die russische Föderation.

Während Trump seine Pläne als Fortschritt anbietet, sehen Kritiker darin eine Schwächung der ukrainischen Position und eine Stärkung Russlands. Es rücken mit diesem Dekret wieder politische und ethische Werte ins Licht, die mit einer gerechten, humanitären und dem Völkerrecht entsprechenden Lösung nichts mehr zu tun haben. Es gibt auch deutliche Zustimmung von Trump, die russischen Ansprüche auf besetzte Gebiete mit Krim anzuerkennen und die Ukraine weiter zu schädigen bis zur Selbstaufgabe. Sein pro-russischer Ansatz, seine Pläne, die Aussicht, US-Unterstützung in Europa zu minimieren, gar die NATO zu verlassen, sein Sprechen über Beschlagnahmung unabhängiger Länder, wie Kanada, Grönland, Panama sorgt nicht nur in Europa, sondern auch in den USA selbst sowie international für Besorgnis. Will er das Feld in Europa räumen, um nicht Putin im Weg stehen zu müssen? Europa angreifen und schütteln, das ist Trump nicht unrecht. Damit da endlich seine Wunschkräfte an die Regierung kommen, die anders mit ihm politisch umgehen und Handel treiben.

Die große Frage bleibt, ob Trumps Sologang in der Ukraine tatsächlich zu einer langfristigen Entspannung führen kann oder ob die Ukraine durch Trump in eine noch schwierigere Lage manövriert wird, die dann zu Kapitulation führen soll. Die europäische Unterstützung für die Ukraine bleibt jedoch stark, auch wenn Trumps Politik in eine andere Richtung weist. Die Konsequenzen angesichts der grundlegenden abgewiesenen Verhandlungsbereitschaft seitens Russlands in der Ukraine und die Androhungen aus Moskau, irgendwo an der Grenze zum Westen zuschlagen zu wollen, deuten tatsächlich ganz extrem auf eine militärische Auseinandersetzung hin. Beginnende Deportationen in der Ukraine und das groß angelegte September-Manöver in Belarus scheinen bewusst parallel gesetzt zu sein.

Europa muss bewusst in die Friedensverhandlungen mit der Ukraine eingreifen, um Recht und Moral, Ausgewogenheit und Gerechtigkeit herzustellen, auch wenn dies mit zu verwirklichenden Schutzmaßnahmen verbunden sein sollte. USA und Russland alleine dürfen nicht Gewinner dieser brutalen Rechtsverletzungen und Killerei in der Ukraine sein. 

Auch das Auftauchen Chinas mit dem Vorschlag, sich mit einer Friedenstruppe beteiligen zu wollen, kann eher als Verstärkung für Russland gewertet werden, um Europa abzuhalten, Gebiete zurückzuholen. 

Das UN-Gremium/-Sicherheitsrat braucht Gesetze und Regeln, die nicht einseitig durch die USA geändert werden dürfen. Das ist völlig ausgeschlossen und undemokratisch, aber zurzeit in dieser Form aktiv.

Donnerstag, 20. März 2025

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #63 - Es wird schön gewesen sein

 




























Die Erinnerung verblasst in bunt. © Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl


Es wird schön gewesen sein

Erinnerungen sind was Schönes.
Man schwelgt bekanntlich gerne in ihnen. Und das sicherlich zu Recht. Denn ich kenn kein anderes Substantiv, in dem man sonst schwelgen kann. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht einmal, was „schwelgen“ genau bedeutet. Habe keinerlei Erinnerungen daran, dass mir einmal irgendwer das „Schwelgen“ erklärt hat. Dafür hab ich jede Menge Erinnerungen, in denen ich schwelgen kann. Gerne würde ich auch mal woanders schwelgen.
Zumindest es versuchen.
Etwa mal im Zug schwelgen. Oder ich schwelge in der Shopping Mall, ich schwelge in meiner Steuererklärung, ich schwelge vielleicht auch mal in der Wurzelbehandlung beim Zahnarzt, ich schwelge im Parteitag oder schwelge in Ignoranz. Vielleicht schwelge ich auch in beiden gleichzeitig.
Ich schwelge im Weißen Haus, ich schwelge in den Medien und schwelge auch im Informationszeitalter, da ich völlig in Desinformation schwelge.
Auch das am besten gleichzeitig.
Also schwelge ich im Desinformationszeitalter.

Also würde ich das zumindest tun, wenn ich denn wüsste, was „schwelgen“ eigentlich heißt.
Tu ich aber nicht. Daher schwelge ich faktisch nicht, sondern nur im Konjunktiv.
Ich schwülge also. Oder schwelgte ich? Oder schwölgerte?
Wös wüß dänn öch?!

Eigentlich wollte ich mich ja nur erinnern.
Und das ist auch gar nicht so einfach. Gerade als Österreicher. Im März. Da könnte man sich erinnern, dass da ein erfolgreicher - oder besser: ervolkreicher - Auslandsösterreicher aus Deutschland kommend vor 87 Jahren einmarschiert ist.
Daran könnte man sich erinnern. Wenn man möchte.
Und auch daran, wie heldenhaft die Österreicher sich dem Aggressor entgegen gestellt haben und um ihre Unabhängigkeit gekämpft haben.

Nur kann man sich daran leider nicht erinnern.
Ebensowenig wie man sich an die Landung der Griechen auf dem Mars erinnern kann, die olympische Goldmedaille in 300-Meter-im-Weg-stehen für Deutschland oder die Verleihung des Literaturnobelpreises an Wladimir Putin und seine Troll-Fabriken für die wirkungsmächtigsten fiktionalen Erzählungen der letzten Jahre.
Einfach, weil das alles nicht passiert ist.
Obwohl man sich natürlich auch gerne an Sachen erinnern kann, die nicht passiert sind. Einfach weil man möchte. Und weil es einem gut in den Kram passt.

Ein Beispiel:
Ganz Österreich kennt die Geschichte, wie vor 80 Jahren zu Weihnachten (Heilig Abend im Jahr 1945 also) der damalige österreichische Bundeskanzler Leopold Figl die Österreicher im Radio gebeten hat: „Glaubt an dieses Österreich!“ Und die Österreicher haben ihm den Gefallen getan. Das andere Reich, das dritte, war ja auch gerade nicht mehr zum Glauben da, sozusagen in einem unglaubwürdigen Zustand, da glaubte man eben an Österreich. Vielleicht schwelgte (oder schwalg?) der eine oder die andere sogar im Glauben.

Danach kam jedenfalls der Wiederaufbau, der Marschall-Plan, das Wirtschaftswunder, der Staatsvertrag, die Neutralität und alles war großartig… bis der Waldheim kam. Vielleicht der Grund, warum Intelligenzbestien wie Donald Trump bis heute glauben, dass Österreich ein Land voller Waldstädte wäre.
Dabei war Waldheim nur Präsident. Und auch wenn Vollpfosten und Holzköpfe in Österreich gern mal auf dem Holzweg den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, liegt „Waldstetten“ immer noch in Deutschland (genauer: Ostalbkreis, Baden-Württemberg).
Aber egal: Wichtig ist, dass die Erfolgsgeschichte der Republik Österreich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dieser Weihnachtsansprache des Bundeskanzlers Figl 1945 angefangen hat.
Diese Weihnachtsansprache, die es - so hat es nun der Journalist Herbert Lackner  herausgefunden - so nicht gegeben hat. Also schon, aber nicht 1945, sondern erst 1965.

Zwanzig Jahre später wollte sich die Republik an ihre Anfänge erinnern und was braucht man da in einem katholischen Land? Am Besten die Verquickung von Religion und Politik, einen Engel aus Niederösterreich, der zu Weihnachten mit einem Doppler in der Hand das Glaubensbekenntnis bringt. Und weil daran 1945 zu Weihnachten keiner gedacht hatte, so etwas zu machen, wurde das einfach zwanzig Jahre später nachinszeniert.
Das hat im Abendland durchaus Tradition. Die Evangelien, die das Leben Christi beschreiben, sind auch alle nach seinem Tod verfasst worden.
Teilweise über hundert Jahre später. Stört auch keinen beim Glauben.
Der Glaube versetzt eben nicht nur Berge, sondern auch Zeiten.

Und so wie sich Österreich gerne an die nicht gehaltene Weihnachtsansprache von 1945 erinnert, frag ich mich natürlich, woran wir uns demnächst erinnern können werden?
Vielleicht werden wir uns erinnern, wie Elon Musk die Astronauten von der ISS geholt hat? Nämlich nicht nur mit einer seiner Raketen, sondern persönlich. Und wie er dann statt ihnen dort oben geblieben ist?
Oder werden wir uns erinnern, wie JD Vance und Trump sich vor die UNO hingestellt haben und gemeint haben, dass jetzt der Spaß vorbei wäre und sie jetzt wieder richtige Politik machen würden, und nur zeigen wollten, wie angreifbar so eine Demokratie wäre.
Oder werden in uns die Bilder aufsteigen, wie Wladimir Putin auf TikTok sich als schwuler Ukrainer outet, der am liebsten mit seinen rechtsradikalen Freundinnen und Freunden (ja, auch Frauen, schließlich ist Marine Le Pen auch dabei) online „Risiko“ spielt. Und zwar in Gestapo-Uniform, weil ihn das so geil macht.
Oder wird sich gar der Triumphzug der chinesischen Demokratiebewegung in unser Gedächtnis brennen, die so unerwartet und unerwartet erfolgreich aufgetreten ist, wie sonst nur der Friedensprozess samt Wirtschaftswunder im Sudan und Jemen?
Oder doch dieses seltsame Ereignis wie die CDU die Vermögenssteuer eingeführt hat?
(Apropos Geld: Dieser Newsletter kann sehr gut mit Deiner Unterstützung leben. Ohne weniger. Details: siehe unten.)
Oder wird es die weltweite Erreichung der Klimaziele sein? Oder der Siegeszug einer App namens „friendly web“, die jedes Hass-Kommentar im Netz in konstruktive Kritik verwandelt hat?
Oder werden wir uns an diesen Newsletter erinnern, der versucht hat jedes weltpolitische Problem in einer hanebüchenen Frage aufzulösen und dabei trotzdem so unterhaltsam und geistreich war?

Nun: Werden wir uns erinnern?
Ich sage: Ja. Weil es schön gewesen sein wird. Vielleicht nicht wahr, aber schön. Und in der Erinnerung schlägt die Schönheit die Wahrheit immer. Deshalb lässt sich darin ja sehr gut schwelgen. Oder sogar schwulgen.
Ach, damals! 
Da war es so schön wie... nie.

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Groebner Live:
Donnerstag 20.3. - Frankfurt - Stalburg Theater
Samstag 22.3. - Karlsruhe - Kabarett in der Orgelfabrik
Donnerstag 3.4. - Gilching - Zum Oberen Wirt
Freitag 4.4. - Erlangen - Fifty-Fifty
Freitag 11.4. - Garmisch Partenkirchen - Bühne U1
Alle Termine

Groebner zum Hören:
„Das Ende der Welt“ die tägliche Glosse auf Bayern 2 - „Solopfade
Satire-Pop-Album „Georg-Danzerig“ (Kurier) - „Nicht mein Problem

Groebner zum Folgen:
Instagram oder Facebook

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Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung, wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:

Severin Groebner,
Bawag,
IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709

Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner,
Stadtsparkasse München,
IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM APRIL 2025

  v.l.n.r. Octavian und Sophie
(Bildnachweis: Barbara Aumüller)
Freitag, 11. April 2025, um 17.00 Uhr im Opernhaus 



Zweite Wiederaufnahme 


DER ROSENKAVALIER 
Komödie für Musik in drei Aufzügen von Richard Strauss 
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln 

Musikalische Leitung: Thomas Guggeis; Regie: Claus Guth 
Mitwirkende: Maria Bengtsson (Feldmarschallin), Wilhelm Schwinghammer (Baron Ochs),  Ida Ränzlöv (Octavian), Liviu Holender (Herr von Faninal), Elena Villalón (Sophie),  Magdalena Hinterdobler (Marianne Leitmetzerin), Michael McCown (Valzacchi),  Claudia Mahnke (Annina), Božidar Smiljanić (Polizeikommissär),  Magnus Dietrich (Haushofmeister der Marschallin / Wirt), Peter Marsh (Haushofmeister bei Faninal),  Franz Mayer (Ein Notar), Kudaibergen Abildin (Ein Sänger) u.a. 

Weitere Vorstellungen: 19., 21. (15.30 Uhr) April, 1., 4. (15.30 Uhr), 10. Mai 2025.
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 17 Uhr. 
Preise: € 16 bis 132 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) 


Die Sicht von Regisseur Claus Guth auf den Rosenkavalier von Richard Strauss (1864-1949)  gehört zu den großen Erfolgen der Spielzeit 2014/15 – trotz oder vielleicht auch wegen der  ungewöhnlichen Deutung des Werks. Guth sieht die Marschallin nämlich als todkranke Frau, die sich während ihrer Beschäftigung mit dem Phänomen „Zeit“ in letzter Konsequenz auch mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen muss. Diese völlig neue Interpretation sorgte für eine  belebende Diskussion über ein Werk, welches man gut zu kennen glaubte. So konnte man in einer nach der Premiere am 24. Mai 2015 erschienenen Kritik der Rheinpfalz lesen: „Claus Guth (…)  setzt den Rosenkavalier in ein neues Licht, das lange Schatten der Endlichkeit wirft. Konsequent  macht er das, berührend und überzeugend.“ Und die Badische Neueste Nachrichten meinte kurz  und bündig: „Frankfurt bleibt also eine der ersten Adressen in Sachen Richard Strauss.“ 

Die Feldmarschallin vergnügt sich in Abwesenheit ihres Mannes mit dem jungen Grafen Octavian. Das Schäferstündchen wird jäh von ihrem Vetter, dem Baron Ochs auf Lerchenau, gestört, der  seine Heiratspläne mit Sophie von Faninal verkündet und die Feldmarschallin um einen Boten bittet, der seiner Zukünftigen als traditionelles Zeichen seines Antrags eine silberne Rose zukommen lassen soll. Sophie, die Ochs um keinen Preis heiraten will, verliebt sich bei der  Rosenüberreichung augenblicklich in Octavian. Mit einer List schafft es dieser später, Ochs bloßzustellen und die Verlobung platzen zu lassen. Die Feldmarschallin macht mit ihrem Verzicht auf Octavian den Weg für die gemeinsame Zukunft der beiden Verliebten frei. 

Nach Konzerten mit den Wiener Philharmonikern und seinem kürzlich erfolgten Debüt beim  Cleveland Orchestra kehrt Generalmusikdirektor Thomas Guggeis zurück ans Pult des Frankfurter  Opern- und Museumsorchesters. Regelmäßig gastiert die schwedische Sopranistin Maria Bengtsson an der Oper Frankfurt, wo sie in der Partie der Feldmarschallin bereits in der vorhergehenden Frankfurter Aufführungsserie erfolgreich war. Ihre Karriere führt sie an internationale  Opernbühnen, so war die gesuchte Strauss-Sängerin in Frankfurt bereits u.a. als Daphne, Arabella  und Gräfin (Capriccio) zu erleben. Zu den neu besetzten Sängerinnen und Sängern, die gleichzeitig  auch ihr Hausdebüt geben, gehören Wilhelm Schwinghammer (Baron Ochs) und Ida Ränzlöv (Octavian). Zu den weiteren Aufgaben des zuerst genannten deutschen Bassisten gehört Fafner in  Wagners Rheingold in Brüssel und Monte-Carlo sowie seine Mitwirkung in Elena Kats-Chernins Musiktheater für Kinder Der herzlose Riese am Theater an der Wien. Die schwedische  Mezzosopranistin Ida Ränzlöv wechselte 2019/20 vom Internationale Opernstudio der Oper Stuttgart  ins Ensemble des Hauses, wo sie jüngst als Jenny in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny zu  erleben war. Angeführt von Elena Villalón (Sophie) und Liviu Holender (Herr von Faninal) gehören  fast alle übrigen besetzten Sängerinnen und Sänger zum festen Stamm der Oper Frankfurt. 


 v.l.n.r. Norma, Adalgisa und Pollione   
(Bildnachweis: Barbara Aumüller)

Sonntag, 20. April 2025, um 18 Uhr im Opernhaus 
Dritte Wiederaufnahme
 


NORMA 
Tragedia lirica in zwei Akten von Vincenzo Bellini 

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln 

 
Musikalische Leitung: Giuliano Carella; Inszenierung: Christof Loy  Mitwirkende: Marigona Qerkezi (Norma), Angelo Villari (Pollione),  Bianca Andrew / Karolina Makuła (Adalgisa), Simon Lim (Oroveso), Julia Stuart / Karolina Bengtsson (Clotilde), Abraham Bretón (Flavio) 
Weitere Vorstellungen: 27. (15.30 Uhr) April, 3., 9., 11. (18 Uhr), 15., 17., 23., 31. Mai 2025 
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19 Uhr. 
Preise: € 16 bis 121 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) 

Nachdem die Übernahme einer Koproduktion der Norma von Vincenzo Bellini (1801-1835)  mit Den Norske Opera & Ballet in Oslo aus künstlerischen Gründen nicht zustande kam,  sprang der renommierte Regisseur Christof Loy kurzfristig ein, um seine Sicht auf das  Meisterwerk in Frankfurt zu realisieren. Wenngleich er sich schon lange Gedanken zu dieser  Oper gemacht hatte, kam es bisher nie zu einer Umsetzung. Dann aber war die Begeisterung  bei Publikum und Presse groß. So urteilte etwa die Radiokritikerin von SWR2 nach der  Premiere am 10. Juni 2018: „Solche tragischen Zwischentöne zu erzählen, ist typisch für den  Bühnenpsychologen Christof Loy. Er hat Bellinis pompösen ‚Gallier gegen Römer‘-Stoff auf  seinen Kern reduziert – und bietet in Frankfurt zeitlos-packende Kammerspiele statt archaische  Druidenkult- und Römer-Helm-Klischees.“  

Im von Rom besetzten Gallien unterhält die Druidenpriesterin Norma eine geheime  Liebesbeziehung zum feindlichen Prokonsul Pollione, dem Vater ihrer beiden Kinder. Als sich  der Soldat jedoch in die junge Priesterin Adalgisa verliebt, ist Norma am Boden zerstört. Der  Versuch ihrer schuldlosen Rivalin, die beiden Kontrahenten zu versöhnen, misslingt. Norma schwört Rache und ruft ihr Volk zum Kampf gegen die Römer auf. Dem inzwischen  gefangengenommenen Pollione droht der Tod. Norma erklärt, dass eine Priesterin ihren Eid gebrochen habe und zusammen mit dem Römer sterben soll. Nach einigem Zögern gibt sie  sich selbst als die Frevlerin zu erkennen. Gemeinsam mit Pollione, dessen Liebe zu ihr neu erwacht ist, besteigt sie den Scheiterhaufen. 

Erstmals bei dieser Produktion aus der Spielzeit 2017/18 steht anlässlich ihrer dritten Wiederaufnahme der Mailänder Dirigent Giuliano Carella am Pult des Frankfurter Opern- und  Museumsorchesters. Hier leitete er zahlreiche Produktionen, so zuletzt 2021/22 die Premiere von Rossinis Bianca e Falliero, für deren Wiederaufnahme er in dieser Saison am 25. Mai 2025  nach Frankfurt zurückkehren wird. Neubesetzungen finden sich auch bei den Sängerinnen und  Sängern: Sowohl Marigona Qerkezi in der Titelpartie als auch Angelo Villari als Pollione  geben ihr Hausdebüt. Zu den Plänen der zuerst genannten kroatischen Sopranistin gehören  Aida in Cagliari, Tosca in Kopenhagen und Lady Macbeth in São Paulo. Zuvor führte sie Abigaille in Verdis Nabucco an die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf. Der italienische Tenor Angelo Villari debütierte kürzlich als Enzo Grimaldo in Ponchellis La Gioconda. Zuvor  führten ihn Mascagnis Cavalleria rusticana und Leoncavallos Pagliacci zum Maggio Musicale Fiorentino sowie Pucinis La fanciulla del West und Giordanos Andrea Chenier nach Turin. Ein weiterer Gast in dieser Wiederaufnahme ist der südkoreanische Bassist Simon Lim (Oroveso), zu dessen Frankfurter Auftritten Filipp II. und der Großinquisitor in Verdis Don Carlo sowie  Kardinal Brogni in Halévys La Juive und der König von Ägypten in Verdis Aida gehören. Die  übrigen Partien sind mit Mitgliedern des Ensembles und des Opernstudios besetzt: Bianca Andrew sang die Partie der Adalgisa bereits in der zweiten Wiederaufnahme-Serie dieser  Inszenierung (nun erstmals im Wechsel mit ihrer Fachkollegin Karolina Makuła) sowie Julia Stuart (alternierend mit Karolina Bengtsson als Clotilde) und Abraham Bretón (Flavio). 


Dienstag, 8. April 2025, um 19.30 Uhr im Opernhaus 

Francesco Meli (Tenor;
Bildnachweis: Stefano Guindani)


Liederabend 


FRANCESCO MELI, Tenor  

DAVIDE CAVALLI, Klavier  

Lieder von Franz Liszt, Johannes Brahms, Francesco Tosti, Ottorino Respighi und Benjamin Britten  Preise: € 16 bis 121 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)  2


Der viel gefragte und faszinierende Tenor ist auf den großen Bühnen daheim. Seine Karriere  begann er als Spezialist für Belcanto und Rossini-Partien, mittlerweile singt Francesco Meli vor allem die Tenor-Helden. Zu seinen jüngsten Engagements gehören Simon Boccanegra in London,  Genua und Wien, Ernani und Verdis Requiem unter der Leitung von Riccardo Muti in Tokio,  Baden-Baden und bei den Salzburger Festspielen, Aida am Teatro La Fenice und in konzertanter Form in Chicago mit dem Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von Riccardo Muti.  Regelmäßig tritt er an renommierten Häusern auf, wie der Semperoper Dresden, dem Teatro alla  Scala und der Lyric Opera of Chicago, der Oper Rom, dem Margitszigeti Színház in Budapest, der  Arena di Verona, dem Royal Opera House und dem Teatro del Maggio Musicale Fiorentino. Mit Verdis La traviata begann er als Alfredo in Tokio eine Gastspielreise, bevor er die vergangene  Spielzeit zum sechsten Mal die Saison der Mailänder Scala mit Don Carlo eröffnet hat. Gemeinsam mit seinem Liedbegleiter Davide Cavalli wird sich Francesco Meli erstmals an der Oper Frankfurt präsentieren. 


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, online unter  www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 - 212 49 49 4 erhältlich.