SV Verlag

SV Verlag mit Handy oder Tablet entdecken!
Die neue Generation der platzsparenden Bücher - klein, stark, leicht und fast unsichtbar! E-Books bei viereggtext! Wollen Sie Anspruchsvolles veröffentlichen oder suchen Sie Lesegenuss für zu Hause oder unterwegs? Verfolgen Sie mein Programm im SV Verlag, Sie werden immer etwas Passendes entdecken ... Weitere Informationen

.

.
Dichterhain, Bände 1 bis 4

.

.
Dichterhain, Bände 5 bis 8

Übersetze/Translate/Traduis/Tradurre/Traducir/переводить/çevirmek

Mittwoch, 11. März 2026

Nicole Johänntgens News für März

 

Nicole News März
Photo by Daniel Bernet in France

Hallo liebe Jazzfans,

Nicole Johänntgen ist gerade am Komponieren. Ein Werk für vier Gesangsstimmen und ein Saxophon. Das macht richtig viel Laune. Und insgeheim hat sie diesen Traum von der Verschmelzung zwischen Stimme und Saxophon schon lange, aber jetzt gedeiht da etwas in diesen Sekunden. Live kann man sich das Werk am 17.3.2026 in Zürich um 18 Uhr in der Lebewohlfabrik anhören.

Im Moment ist sie in der Lebewohlfabrik Artist of the Month. Das bedeutet, dass sie einen Monat lang jeden Dienstag um 18 Uhr ein neues Programm präsentieren kann. Sie würde sich sehr freuen, wenn ihr bei der Geburtsstunde dabei seid nächsten Dienstag. Danach geht es weiter mit ihrem Trio mit Thomas Lähns am Bass und Lukas Mantel am Drums am Dienstag, 24.3.. Dieses Datum steht auch unter einem besonderen Stern. Sie erfüllt sich einen weiteren Traum: eine Aufnahme mit Balladen live beim Konzert. Und am letzten Dienstag, 31.3., wird's jazzig, bluesig, poppig mit Peter Finc an Gitarre und Stimme.

Artist of the Month @ Lebewohlfabrik, 18 Uhr dienstags
17.3. Saxophone + Gesangsquartett mit Philipp Classen
24.3. Nicole Johänntgen Trio (!Live Recording!)
31.3. Nicole Johänntgen + Peter Finc (guit/voice)

1 Platz frei beim Sax-Workshop 11.-14. Juni 2026

Wegen Krankheit ist ein Platz frei geworden beim Berner Oberland Saxophone Workshop. Es dürfen auch andere Instrumente mitmachen. Wer dabei sein möchte, darf sich gerne via E-Mail melden.

Robin CD-Release-Tour 2027
Es gibt bereits einige Konzertdaten fürs 2027. Vielen Dank für eure Mithilfe. Robin nimmt gerne auch noch weitere Konzerte an. Auch Privatfeste sind willkommen.




On tour
13.03. Bern, BeJazz
15.03. Friedberg, Altes Hallenbad
17.03. Zürich, Lebewohlfabrik
20.03. Weinfelden, Jazzclub
21.03. Winterthur, Kulturfeilerei
22.03. Sent, Kirche
24.03. Zürich, Lebewohlfabrik
25.03. Tromsø, Nothern Lights
26.03. Tromsø, Fint Café
27.03. Vossewangen, Gallery
28.03. Vossewangen, Jazzfestival
31.03. Zürich, Lebewohlfabrik

Infos:
www.NicoleJohaenntgen.com
Nicole Johänntgen „Robin“
Jazz Baltica auf ZDF
Nicole Johänntgen
Contact: info@nicolejohaenntgen.com
Zwirnerstrasse 74, 8041 Zürich


Dienstag, 10. März 2026

Wie kann es weitergehen im Iran?

Schäden in den
Machtzentren des Iran
(AI, gemeinfrei)
Welche Möglichkeiten der Fortentwicklung des iranischen friedlichen Aufstands bieten sich zurzeit an?

Der Sohn des Ayatollahs Ali Khameni übernimmt die Regierung nach Beseitigung der alten Regimespitze von außen und versucht das System zu konsolidieren.

Was einst als revolutionäre Republik begann, wirkt nun wie eine geistliche Erbmonarchie. Ein System, das 1979 den Schah stürzte, reproduziert plötzlich selbst dynastische theokratische Macht. Hinter Mojtaba steht vor allem die Macht der Islamic Revolutionary Guard Corps, jenes militärisch-ökonomischen Imperiums, das längst zu einem Staat im Staat geworden ist. Wenn die Revolutionsgarden einen Führer akzeptieren, bleibt das System stabil – zumindest nach innen.

Von außen jedoch wächst der Druck. Für Israel ist der Iran seit Jahren der strategische Hauptgegner im Nahen Osten. Die israelische Sicherheitsdoktrin zielt darauf, Irans militärische Fähigkeiten – insbesondere Raketenprogramme und mögliche nukleare Infrastruktur – durch gezielte Schläge, Cyberoperationen und internationale Isolation einzudämmen.

Auch die United States verfolgen eine Doppelstrategie: wirtschaftlicher und politischer Druck einerseits, militärische Abschreckung andererseits. Sanktionen, regionale Bündnisse und militärische Präsenz im Nahen Osten sollen verhindern, dass Teheran seine Machtprojektion über Stellvertretergruppen weiter ausdehnt.

In dieser Konstellation entsteht eine gefährliche Dynamik. Ein Regime, das sich nach innen auf Militär und ideologische Geschlossenheit stützt, steht einem außenpolitischen Druck gegenüber, der die  strategischen Fähigkeiten des Irans systematisch begrenzen will. 

Viele Fachleute betonen, dass dauerhafte politische Veränderungen meist aus inneren Entwicklungen entstehen, nicht von außen erzwungen werden. Trump signalisierte aktuell, dass Israel und er in einigen Wochen fertig seien mit dem Krieg. Erreicht wurde dann wahrscheinlich eine Schwächung des Mullah-Regimes, aber keine Veränderung. 

Ein Aufstand müsste sich gegen einen sehr starken Sicherheitsapparat richten: die Islamic Revolutionary Guard Corps, die Basij-Milizen, Geheimdienste und Polizei. Diese Institutionen kontrollieren große Teile von Militär, Wirtschaft und Politik. Ohne Spaltungen innerhalb dieser Strukturen wäre ein Machtwechsel extrem schwierig und verlustreich.

Günstig wären Massenproteste im Land, ein wirtschaftlicher Kollaps oder eine politische Krise, Abspaltungen innerhalb des Militärs und eine Übergangsregierung. Erst danach könnte eine Volksabstimmung entscheiden, ob der Iran eine säkulare Republik wird, was die meisten anstreben, oder eine konstitutionelle Monarchie bekommt (nur 18 % Zuspruch) oder ein anderes System wählt. Selbst Reza Pahlavi sagt inzwischen, dass die Staatsform durch ein Referendum bestimmt werden soll. Die Mullahs wollen kein Referendum, sondern die uneingeschränkte Macht.

Wenn sich die Machtverhältnisse im Iran verändern, wird das wahrscheinlich nicht durch einen einzelnen dramatischen Moment geschehen, sondern durch eine Kombination aus innerem Elitekonflikt, gesellschaftlichem Druck und geopolitischem Stress in Form von politischer und militärischer Einflussnahme. 

Die Machtzentren des Iran sind weiterhin funktionsfähig, auch wenn die Gebäude zerstört und viele Menschen aus der Mannschaft getötet wurden. Der Nachschub ist bereits aktiv. Wie oft die Führungsebene noch ausgetauscht werden kann, bevor es zu einem Kollaps kommt, ist ein anderes Thema.

Der Oberste Nationale Sicherheitsrat (SNSC) bleibt die zentrale Stelle für strategische Entscheidungen.
Das Präsidialamt ist weiterhin ein wichtiges Machtzentrum, auch wenn die Befugnisse an niedrigere Beamte delegiert wurden. Es ist nach wie vor der Sitz der Exekutive und für die Verwaltung des Landes zuständig.
Die Expertenversammlung behält als Klerikergremium die Aufgabe bei, den Obersten Führer zu ernennen und zu überwachen.
Die Revolutionsgarden (IRGC) spielen eine zentrale Rolle in der iranischen Außenpolitik und beeinflussen nicht nur militärische Fähigkeiten, sondern auch wirtschaftliche, politische und außenpolitische Entscheidungen. Sie sind direkt dem neuen Obersten Führer unterstellt und üben erheblichen Einfluss aus.





Französische Revolution: Eine unbesiegbare Liebe - Madame de Beauharnais und General Hoche

Das Schicksal nimmt seinen Lauf

Joséphine de Beauharnais (AI, gemeinfrei)

Die Luft im Salon der Madame de Beauharnais war schwer vom Duft der Jasminblüten und dem Rauch der Kerzen. Es war der Frühling 1794, und inmitten der politischen Unruhen Frankreichs kreuzten sich zwei Schicksale: das der bezaubernden Joséphine de Beauharnais und das des jungen, aufstrebenden Generals Lazare Hoche.


Erste Begegnung

Sie sah ihn zuerst über den Rand ihres Fächers hinweg - einen Mann von achtundzwanzig Jahren, dessen Uniform die Strapazen der Feldzüge zeigte, dessen Augen aber einen unerwarteten Glanz von Intelligenz und Sensibilität verrieten. Er war anders als die anderen Offiziere, die ihren Salon bevölkerten: weniger prahlerisch, mehr nachdenklich, mit einer stillen Intensität, die sie faszinierte.

"General Hoche", stellte er sich vor, seine raue Soldatenhand umschloss ihre zarten Finger mit überraschender Sanftheit.

"Joséphine de Beauharnais", erwiderte sie, und in diesem Moment wussten beide, dass dies mehr war als eine höfliche Begrüßung.


Verbotene Stunden

In den folgenden Wochen trafen sie sich im Geheimen. Joséphine, deren Ehe mit Alexandre de Beauharnais in Trümmern lag, fand in Hoche einen Mann, der ihre Ängste verstand, ihre Einsamkeit teilte und ihre Sehnsucht nach Zärtlichkeit erwiderte. Er las ihr Gedichte vor, die er heimlich schrieb, weit entfernt von den Schlachtfeldern, die ihn berühmt gemacht hatten.

"Du bist die Ruhe nach dem Sturm", flüsterte er eines Abends, als sie im Mondlicht im Garten standen, "die Schönheit, für die es sich zu kämpfen lohnt."


Die Realität des Krieges

Doch die Zeit war gegen sie. Die Revolution forderte ihre Opfer. Hoche wurde in die Vendée entsandt, um den Aufstand niederzuschlagen. In ihren Briefen, die oft Wochen unterwegs waren, offenbarten sie sich gegenseitig ihre Seele.

"Meine geliebte Joséphine," schrieb er aus dem Schlamm der Bretagne, "jeden Morgen, wenn der Nebel über den Feldern liegt, sehe ich dein Gesicht darin. Dein Gedanke gibt mir Kraft, wenn die Grausamkeit des Krieges mich zu ersticken droht."

Das Ende eines Traums

Im Juli 1794 wurde Alexandre de Beauharnais, Joséphines Ex-Mann, während der Terrorherrschaft hingerichtet. Sie selbst entging nur knapp der Guillotine. Als Hoche davon erfuhr, riskierte er seine Karriere und vielleicht sein Leben, um nach Paris zurückzukehren. Für drei kurze Tage waren sie wieder vereint - Tage voller Leidenschaft und verzweifelter Zärtlichkeit, im Wissen, dass ihre Liebe in dieser Zeit der Umwälzungen keine Zukunft haben konnte.

"Wir sind wie zwei Sterne, die sich kreuzen", sagte Joséphine mit tränenerstickter Stimme, "bestimmt, einander zu erleuchten, aber nicht, gemeinsam zu leuchten."

Vermächtnis

Hoche starb 1797 unter mysteriösen Umständen, nur dreiunddreißig Jahre alt. Joséphine heiratete später Napoleon Bonaparte und wurde Kaiserin von Frankreich, doch jene, die sie gut kannten, bemerkten, dass sie bis an ihr Lebensende eine kleine Schatulle mit den Briefen Hoches bei sich trug.

Ihre Liebe blieb wie eine verborgene Blüte im Schatten der Geschichte - nie öffentlich anerkannt, nie in offiziellen Chroniken verzeichnet, aber in ihrer Intensität und Tragik so mächtig wie die Schlachten, die der junge General geschlagen hatte.

Man sagt, dass Joséphine in ihren letzten Jahren manchmal den Namen "Lazare" im Schlaf flüsterte - das Echo einer Liebe, die stärker war als Revolutionen, mächtiger als Imperien, und unsterblicher als der Tod selbst.

Freitag, 6. März 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #98 - Glosse auf Eis

 


      Ich verlauf mich im Wüstesturm © Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl



Glosse auf Eis

Was mich gar nicht interessiert, ist zum Beispiel: Fußball. Aber auch Schifahren. Oder die Mischung aus beiden: Curling.
Ist mir völlig egal.

Damit bin ich in der Minderheit.
Das ist mir völlig klar. Wochenende für Wochenende strömen die Massen in die Stadien, gewandet in die Farben „ihres“ Clubs, johlen, haben ein Gemeinschaftserlebnis, fühlen sich aufgehoben im warmen Schoß des kollektiven Unbewussten und verfolgen Woche für Woche, wie die nationale Curling-Liga aussieht.

Oder war das Fußball?
Wie gesagt: Es interessiert mich nicht.
Und ich versteh eigentlich nicht, wie man sich dafür interessieren kann.

Denn mich interessiert Politik.
Dummerweise.

Das ist ein ganz anderes Spiel.
Wenn es dabei um Massen und Stadien geht und um das Kollektive Unbewusste, dann nennt man das Krieg. Dann handelt es sich nämlich um Massenvernichtungswaffen, unterschiedliche Stadien der Kriegsführung und Angst als Ausdruck des kollektiven Unbewussten.

Womit wir im Nahen Osten angekommen wären.
Regelmäßigen Lesern dieses satirischen Kleinods wird schon aufgefallen sein, dass sich der Glossenhauer, der ja sonst immer zu allem eine Meinung hat (manchmal sogar eine Seinung oder eine Irrung), bei diesem Thema gerne zurückhält. Aus gutem Grund.

Beim Nahostkonflikt weiß man nämlich mehrere Dinge nicht.

Erstens:
Wann hat er angefangen?
2001? Mit den Anschlägen aufs World-Trade-Center? 1991? Golfkrieg? 1979? Mit der iranischen Revolution? 1967? Mit dem Sechs-Tage-Krieg? 1948? Mit der Gründung des Staates Israel? 1935? Mit den Nürnberger Rassegesetzen und dem darauf folgenden Holocaust? 1929? Massaker von Hebron? 1920? Mit dem Vertrag von Sèvres und der Zerschlagung des osmanischen Reichs? 1916? Mit dem Sykes-Picot-Abkommen?

Oder noch früher?
Mit dem Entstehen des Zionismus? Oder mit dem Entstehen des Panarabismus?
Oder mit den antisemitischen Pogromen im Zarenreich?
Oder mit dem Ausgreifen des europäischen Kolonialismus auf die Provinzen des zerbröselnden osmanischen Reichs?
Oder…. Oder…oder…
Oder doch die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter 1099??
Die Errichtung der Al-Aqsa-Moschee 717?
Die Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer 70?

Ja! Vielleicht sind ja die Römer schuld?
Denn wir wissen ja alle seit dem „Leben des Brian“: Was haben die Römer je für uns getan?!
(Apropos Zitate: Frag nicht, was der neue Glossenhauer für Dich tun kann, sondern frag, was Du für ihn tun kannst.
Kontoverbindung etc… siehe unten)

Und schon jetzt werde ich sicher mindestens drei Antwortmails bekommen, dass ich es mir viel zu leicht mache, weil es doch ganz eindeutig wäre, wer hier der wirkliche Schuldige wäre, nämlich logischerweise:
(bitte hier je nach politischer Meinung und ideologisch gefärbter Ausblendung einen Namen einsetzen)

Zweitens:
Wo hört er auf?
Wenn Israel und die USA den Iran bombardieren… ist das noch Nahostkonflikt? Hmmm… wahrscheinlich.
Wenn aber zeitgleich das eine Nachbarland des Irans, Pakistan, das andere Nachbarland des Iran, Afghanistan, bombardiert, ist das das schon der ferne Osten? Oder der mittlere? Oder der dazwischenliegende Osten? Oder der nicht so wichtige Osten?

Und was sagt China dazu? Schließlich grenzen beide Länder an die Volksrepublik. Und zwar im Westen.

Und die Urlauber, die jetzt angelockt von der Dubai-Schokolade, in ihren Hotels in den Gereinigten Arabischen Eremitagen festsitzen, wollten auch nur Urlaub „in der Golfregion“ machen, was nach satten, grünen Wiesen mit Fähnchen und Löchern in den schottischen Lowlands klingt, aber seltsamer Weise plötzlich vis-a-vis vom Iran und damit mitten im Geschehen liegt.

Drittens:
Wenn jetzt zwei „lupenreine Demokraten“ (© G. Schröder über W. Putin) wie der Donald und der Bibi einen „Regime Change“ im Iran herbeibomben wollen, möchte man schon wissen, wo das schon mal geklappt hat.
Dieses beeindruckende simple Konzept wurde ja schon mehrmals angewandt: Irak, Afghanistan, Libyen… alles Staaten, die heute für gelebte Demokratie im südlichen, kaputten Osten stehen.
Allerdings nur wenn man Demokratie so definiert, dass jeder das Recht hat Waffen zu tragen.

Irgendwie sollen jetzt nämlich, oder in vier Wochen, oder wann auch immer dem Donald das Bombardieren fad wird, dann „the great People of Iran“ die Regierung übernehmen. Schließlich haben die ja vor ein paar Wochen noch demonstriert.
Gute Idee! Sehr begrüßenswert.
Diese Mullahs sind einfach ein Haufen religiöser Faschisten. Keine Frage.

Nur: Wann dürfen dann „the great People of Israel“ und „the great People of the USA“, die auch ständig und regelmäßig gegen den Bibi und den Donald auf die Straße gehen, die Macht übernehmen?
Die betreffenden Herren müsste man gar nicht zerbomben. Ein ordentliches Gerichtsverfahren würde ja schon reichen.

Aber das ist natürlich schon wieder ein Vergleich, der hinkt. Der so nicht geht. Denn man kann es sich nicht so einfach machen. #
Und schon sehe ich, wie mehr Mails zurückkommen, dass man das „so nicht sagen kann“.
Dabei hab ich gar nichts gesagt. Nur geschrieben.

Deshalb sag ich nichts über den Konflikt, zu dem alle was sagen. Und alle was posten. Am besten, das was für sie am Naheliegendsten ist. Dem Nah-Post-Konflikt also.
Ich schweige lieber. Und versuche zu verstehen.

Und eins hab ich schon kapiert.
Warum sich so viele Leute statt für Politik, für Fußball interessieren. Oder Schifahren. Oder Curling.
Im Gegensatz zur Politik ist das kein so dünnes Eis.

———————

groebner live:


Freitag 6.3. Nürnberg, 
Burgtheater
Samstag 7.3. Neustadt a.d. Weinstraße, 
Hambacher Schloß
Sonntag 8.3. Düsseldorf, 
Kommödchen
Freitag 13.3. Offenbach 
Filmklubb
Freitag 20.3. Karlsruhe 
Orgelfabrik
Samstag 21.3. Wiesbaden 
Theater im Pariser Hof
Und, und, und…alle Termine gibt es 
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man hier lesen.

groebner gesehen:
In der wunderbaren Sendung „Schlachthof“ im Bayerischen Fernsehen war ich zu Gast.
Und durfte dort
 eine Kostprobe meines Regierungsprogramms „Ich bin das Volk!“ geben.

In der Abendschau im BR gab es sogar einen eigenen Premierenbericht.
Den kann man sich 
hier anschauen.

Der freundliche Sender 3Sat hat übrigens mein voriges Programm „
ÜberHaltung“ ausgestrahlt.
Für alle, die es noch nicht gesehen haben, die haben jetzt in der Mediathek (Achtung Wortwitz) 
das Nachsehen.

groebner gehört:
Kennt Ihr schon mein Satire-Pop-Album 
„Nicht mein Problem“?
Es ist sehr gut.

In der wunderbaren Sendung „
Satire Deluxe“ war ich zu Gast und habe - live ! - ein Liedchen zum Besten gegeben.
Hört mich schwitzen.

Zusammen mit den sehr geschätzten Kolleginnen und Kollegen Fine Degen, Ella Carina Werner, Jess Jochimsen und Sascha Bendiks (ich schätze alle… mindestens drei Jahre jünger, als sie eigentlich sind) war ich auf Schloß Kapfenburg und habe dort bei für SWR Kultur die
 „Nacht der Poet:Innen“ mit lustigen Texten bestritten.
Teil eins könnt Ihr Euch hier 
anhören.
Teil zwei auch, aber 
hier.

Das „Ende der Welt“ gibt es auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek zu hören.
Dort denke ich darüber nach, was der Unterschied zwischen 
Krapfen und Berliner ist. Oder isst.
Und warum es den Wiener 
Opernball wirklich gibt, erfährt man auch. Und zwar hier.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf 
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein 
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-

Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64

Donnerstag, 5. März 2026

Französische Revolution: Die Begegnung. Ein angenommenes Gespräch zwischen Marat und Charlotte Corday

Die Begegnung

Charlotte Corday ermordet
Jean-Paul Marat (AI, gemeinfrei)

Paris, Sommer 1793. Die Stadt riecht nach Regen, Druckerschwärze und Angst. In den engen Gassen des Marais flüstern die Menschen Namen, die man besser nicht laut ausspricht. Einer davon ist Jean‑Paul Marat, der radikale Publizist, der aus seiner Badewanne heraus die Revolution mit Worten schärft wie andere ein Messer.

Charlotte Corday, eine junge Frau aus der Normandie, steigt die knarrenden Stufen zu seiner Wohnung hinauf. In ihrer Tasche liegt ein zusammengefalteter Brief – eine erfundene Liste von Verrätern, die sie vorgibt zu besitzen. Doch ihr eigentliches Ziel ist ein anderes: Sie will den Mann zur Rede stellen, dessen Schriften ihrer Meinung nach das Land ins Chaos stürzen.

Charlotte Corday (1768–1793)

Normannische Adlige und Unterstützerin der Girondisten. Sie sah im radikalen Kurs der Montagnards eine Gefahr für die Republik und entschloss sich 1793, Jean‑Paul Marat zu töten, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Am 13. Juli 1793 erstach sie Marat in dessen Wohnung. Vier Tage später wurde sie hingerichtet. Corday gilt als Symbolfigur des individuellen Widerstands gegen revolutionäre Radikalisierung.



Marat empfängt sie misstrauisch, aber neugierig. Sein Gesicht ist blass, die Haut von Krankheit gezeichnet. Er bittet sie, den Brief vorzulesen. Charlotte spricht ruhig, fast zu ruhig. Ihre Worte sind scharf, aber höflich. Sie beschreibt angebliche Verschwörer, doch immer wieder gleitet das Gespräch ab – hin zu Moral, Verantwortung, Schuld. Marat macht sich Notizen.

Marat verteidigt seine Schriften als notwendige Waffe gegen die Feinde der Freiheit. Charlotte fragt, wie viele Menschen noch sterben müssen, bis er zufrieden sei. Marat lächelt müde und sagt, dass die Revolution Opfer fordere. Charlotte antwortet, dass manche Opfer selbst gewählt seien. Für einen Moment schweigt der Raum. Nur das Tropfen des Wassers ist zu hören.

Corday: Die Provinz ist voller Unruhe. Männer sterben, weil Paris ihnen Verrat unterstellt.

Marat: Wenn sie sterben, dann weil sie Verräter sind. Die Republik ist jung und umstellt. Verrat ist tödlicher als jedes Messer.

Corday: Oder Ihre Feder ist tödlicher als jedes Messer. Ihre Listen, Ihre Aufrufe – Sie verlangen täglich neue Köpfe.

Marat: Ich verlange Gerechtigkeit. Die Revolution darf nicht von Aristokraten, Priestern und feigen Abgeordneten erdrosselt werden. Ein Volk, das sich nicht verteidigt, verdient seine Ketten.

Corday: Nein. Ein Volk, das seine Gegner ohne Maß tötet, zerstört seine Freiheit selbst. Die Revolution wurde für Rechte begonnen – nicht für Blut.

Marat: Rechte? Die Girondisten sprechen ständig von Rechten, während sie die Republik an die Feinde verkaufen. Die Freiheit muss zuerst überleben, bevor sie mild sein kann.

Corday: Sie nennen Mord Verteidigung. Sie nennen Terror Tugend. Ich sehe in Ihnen keinen Arzt der Republik – sondern ihr Fieber.

Marat: Und ich sehe in Ihnen eine Frau, die den Schmerz der Zeit nicht begreift. Die Revolution ist kein Salon in Caen. Sie ist ein Krieg.

Corday: Gerade deshalb muss jemand dem Blut Einhalt gebieten.

(Stille. Marat notiert weiter.)

Marat: Die Namen aus der Normandie – ich werde sie dem Konvent melden. In wenigen Tagen wird Frankreich von diesen Verrätern befreit sein.

Corday: Ja. Befreit ...

Charlotte erkennt, dass Marat nicht der Dämon ist, den sie sich vorgestellt hat – aber auch nicht der Mann, der innehalten würde. Seine Überzeugung ist unerschütterlich. In diesem Augenblick begreift sie, dass Worte allein ihn nicht aufhalten werden.

Jean‑Paul Marat (1743–1793)

Arzt, Journalist und eine der radikalsten Stimmen der Revolution. In seiner Zeitung Ami du Peuple griff er politische Gegner scharf an und forderte harte Maßnahmen gegen „Feinde der Republik“. Als Abgeordneter der Montagnards wurde er zur Leitfigur der Sansculotten. Sein Tod durch Corday machte ihn zum Märtyrer der revolutionären Linken und verstärkte die politische Polarisierung.

Marat hingegen spürt, dass seine Besucherin mehr ist als eine einfache Informantin. Ihre Ruhe irritiert ihn, ihre Entschlossenheit beunruhigt ihn. Er greift nach dem Brief, um ihn genauer zu lesen  und sieht im Augenwinkel, wie ihre Hand in die Tasche gleitet.

Er hebt den Blick.

Sie hält inne.

Ein stiller Moment, in dem beide wissen, dass einer von ihnen die Wohnung nicht lebend verlassen wird.

Die Nachbarn hören einen Schrei. Als sie die Tür aufbrechen, finden sie Charlotte reglos am Fenster stehen, während Marat schwer verletzt im Wasser liegt. Sie sagt nur einen Satz:

„Ich habe für den Frieden gehandelt.“

Die Wachen führen sie ab. Paris wird noch lange über diesen Tag sprechen – über Mut, Fanatismus, Gerechtigkeit und die Frage, ob ein einzelner Mensch den Lauf der Geschichte ändern darf.

(Vier Tage nach dem Attentat auf Jean‑Paul Marat wurde Charlotte Corday am 17. Juli 1793 in Paris durch die Guillotine exekutiert.)

Montag, 2. März 2026

Das letzte Telefonat zwischen Donald Trump und Ali Chamenei





______________________________________________________________________


Die Leitung ist offen. Kein Rauschen. Keine Musik. Nur eine Stille, wie sie in alten Schriften steht, als ob der Himmel zuhörte. 

______________________________________________________________________________

Trump spricht zuerst: 
Ayatollah! Es gibt Momente, in
denen Geschichte innehält. Nicht aus Respekt –
sondern aus Furcht vor dem, was folgt.

Chamenei antwortet ruhig: 
Geschichte ist Staub. Sie wird mit dem Wind verweht.
Nichts bleibt von Ihrem Tun, Präsident. Nur Allahs Wort bleibt.


Trump zu sich selbst: 
Er spricht von Ewigkeit, als wäre Zeit sein Eigentum. 
Aber ich sehe Gesichter, die er nicht mehr sieht: Mädchen auf Asphalt getötet. 
Jungen an Kränen hängend. Gefängnishöfe, in denen kein Licht wohnt. 
Wenn es einen Gott gibt, dann ist er kein Beamter dieses Systems.


Sie haben Gott versiegelt, argumentiert Trump laut.
Ihn eingeschlossen in Gesetze, die nur Angst verwalten.
Sie haben seinen Namen über Gefängnistore geschrieben
und geglaubt, das sei Glaube.

Chamenei hebt leicht die Stimme: 
Allah lässt sich nicht benutzen.
Nicht von Ihnen. Nicht von Bomben.


Chamenei zu sich selbst: 
Warum zittert meine Hand? Ich habe gebetet. Gefastet. Gerichtet. Siebenundvierzig Jahre Ordnung. 
Siebenundvierzig Jahre Opfer. Oder war es nur Macht, 
die ich mit Allahs Namen verkleidet habe?

Ihr Koran, sagt Trump, spricht davon, dass
wer ein Leben tötet die ganze Menschheit tötet.
Sie haben das neu ausgelegt. Sie nennen
Mord Erziehung und Angst Stabilität.

Amerika ist Babylon, ruft Chamenei,
hochmütig, vergänglich.

Vielleicht, gibt Trump zu, aber Babylon fiel
nicht nur wegen seiner Sünde, sondern weil
es blind wurde für das Leid hinter seinen Mauern.


Stille. Als hätte jemand eine Waage angehalten.
Kein Engelwispern. Aber auch kein Donner. Nur ein Druck, 
Erinnerung wiegt schwerer als Feuer.



Iran wird nur stärker im Feuer, warnt Chamenei.
Allah prüft uns, aber er wird uns gnädig sein.


Sie lieben das Feuer, solange es andere verbrennt,
droht Trump, aber unser Feuer verbrennt Sie. Staaten
bestehen nur aus Fleisch und Blut. Und Ihr Staat
frisst und säuft sich selbst.


Dann wird Ihr Angriff Sie vor Allahs Gericht stellen,
sagt Chamenei leiser. Allah wird Sie richten
und uns als Sieger hervorgehen lassen.


Chamenei zu sich selbst: 
Wenn Allah fragt, wo warst du, 
als sie schrien? Was antworte ich? Dass das System größer
war als ich? Oder dass ich Angst hatte, es zu verlieren?



Vielleicht, gibt Trump zu bedenken. Aber Sie stehen dort schon.
Sie stehen vor Gericht, wegen jeder Frau, die Sie zum Schweigen zwangen.
Wegen jedem Kind, das Sie „Feind“ nannten.
Wegen jedem Namen, den man nicht mehr aussprechen darf.

Allah richtet am Ende der Zeit.
Er ist der Gerechte, sagt Chamenei.

Manchmal, antwortet Trump, richtet Gott auch in der Zeit.
Immer dann, wenn es notwendig ist. Und Gott und ich
haben einen guten Draht zueinander.


_____________________________________________________________________________


Ein Klicken. Kein Auflegen. Einfach eine Unterbrechung.

_______________________________________________________________________________

Sonntag, 1. März 2026

Französische Revolution: Robespierre und die Todesstrafe

 

Maximilien de Robespierre
mit seiner Deklaration
(1758-1794)

Als die Déclaration des droits de l’homme et du citoyen 1789 bereits verabschiedet war, wurde in der Nationalversammlung der französischen Revolutionäre über eine Frage gestritten, die viele überraschte:

Darf ein Staat Todesstrafe verhängen, wenn er das Recht auf Leben als unveräußerlich erklärt hat?

Die Mehrheit der Abgeordneten hielt die Todesstrafe weiterhin für notwendig – aus Gründen der Abschreckung und Staatsräson.

Maximilien de Robespierre trat ans Rednerpult und sagte sinngemäß (nach zeitgenössischen Mitschriften):

„Der Tod ist kein Recht, das der Staat verleihen oder entziehen darf. Wenn das Gesetz tötet, leugnet es sich selbst.“

Ein Abgeordneter unterbrach ihn spöttisch:

„Wollen Sie also den Mördern das Leben schenken,
während ihre Opfer tot sind?“

Robespierre antwortete kühl:

„Nein.
Ich will dem Gesetz verbieten, das zu tun,
was es den Bürgern verbietet.“

Im Saal entstand Unruhe. Einige lachten, andere applaudierten. Ein konservativer Deputierter rief:

„Das sind schöne Worte – aber keine Politik!“

Darauf Robespierre:

„Die Revolution ist genau dazu da,
damit Moral Politik wird.“


Robespierre argumentierte konsequent aus den Menschenrechten heraus – auch gegen den Staat selbst.
Er gehörte zu den frühesten prominenten Gegnern der Todesstrafe in Europa.

Nur zwei Jahre später rechtfertigte derselbe Mann den revolutionären Terror als „notwendige Tugend“.
Zeitgenossen bemerkten diesen Widerspruch bitter. Ein Abgeordneter soll später gesagt haben:
„Er wollte das Leben heiligen – und machte es heilig, indem er es opferte.“