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Donnerstag, 10. September 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer Nr. 111 - Schnapszahl!

 










Es braunt so braun, wenn Braune aus dem Bildschirme raus schauen. ©Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl



Schnapszahl!

Groebners Glossenhauer Nummer 111 ist da.
Und 111 - das ist eine Schnapszahl!

Komisches Wort eigentlich „Schnapszahl“.
Man könnte meinen, dass der Begriff eine angetrunkene Ziffer beschreibt.
Oder die Prozentgrenze, ab wann eine Flüssigkeit als Schnaps zu bezeichnen ist.
Oder das Alter, ab wann man Schnaps trinken darf.
Aber nein. Allein das mehrfache Aufkommen einer Ziffer im Rahmen einer Zahl reicht schon dazu, aus diesem unschuldigen Nennwert eine „Schnapszahl“ zu machen.

Sowas wie 44.
Fast 44 Prozent haben ja nicht nur mancher Schnaps, sondern soviel hat auch die AfD in Sachsen-Anhalt. Klingt echt nach viel. Dabei hat das Bundesland gerade mal 1,8 Millionen Wahlberechtigte.
Noch. Denn von den Leuten dort sind nicht sehr viele 44.
Denn das ist das Durchschnittsalter in Sachsen-Anhalts…
… jüngster Gemeinde. In Halle.
Landesweit liegt es bei über 48.
Das heißt: Bei der nächsten Wahl werden noch weniger Menschen aus Sachsen-Rückwärtsgang… nein… Sachsen-Bremse… auch nicht Sachsen-Anhalt (jetzt hab ich’s wieder) ganz Deutschland mit ihren erwählten Schnapszahlen in Erregung bringen.
Weil da alle immer natürlich hinschauen.

Obwohl „natürlich“ ein sehr gefährliches Wort ist.
Vor allem wenn etwas „nur natürlich“ ist!
Da kann man davon ausgehen, dass der Sprecher (oder die Sprecherin) einfach mal das Recht auf ungebremste Selbstentfaltung vor die Rücksicht auf andere stellt. Und zwar so hinstellt, dass man die anderen gar nicht mehr sieht.
Zehennägelschneiden beim Galadinner im Hygiene-Museum?
„Das ist doch nur natürlich!“
Video-Dreh des Trommelvereins Bielefeld im Ruhebereich des ICE?
„Das ist doch nur natürlich!“
PowerPointPräsentation über Geschlechtskrankheiten im Arthouse-Kino, während einer Vorstellung eines japanischen Kinder-Films mit Elfen, Schmetterlingen und einem depressiven Drachen, der in einem Sushi-Laden jobbt?
„Das ist doch nur natürlich!“

Ja, die Selbstentfaltung kann manchmal so groß sein, dass alles dahinter verschwindet.

Und wenn man dieser natürlichen Rücksichtslosigkeit inhaltlich zustimmen möchte und einmal was anderes sagen will als „Das ist doch nur natürlich!“, dann sagt man „Da hat er doch einen Punkt“.
Auch eine seltsame Formulierung.

Denn wer einen Punkt hat, hat nicht recht.
Oder das Gesagte ist auch nicht richtig, sondern man hat eben „einen Punkt“. Wie in der Autofahrer-Kartei in Flensburg. Oder im Ringkampf.
Oder wenn man in Wien „schnapsen“ tut (ein lokales Kartenspiel pflegt, da kriegt man nämlich einen Punkt, wenn man verloren hat. Ein Bummerl also. Zum Gewinnen braucht man nämlich 66. Aber ich weiche schon wieder ab in die Schnapszahl…)

Diesen „Punkt“ hat man dann in Diskussionen.
Allerdings nicht in Diskussionen mit Marienkäfern, die haben nämlich immer mehrere Punkte. Und in den sachlichen Disput mit einem Schneeleopard oder in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Dalmatiner braucht man mit einem lächerlichen Punkt gar nicht einsteigen.
Die punkten alle miteinander mit ganz anderen Zahlen von Punkten.
Vielleicht sogar mit Schnapszahlen von Punkten.

Wobei man sich ja fragt, warum eigentlich Punkt?
Warum hat der Mensch mit dem angeblich richtigen Gedanken nicht eine Linie? Oder zwei? Oder drei? Oder sogar ein Viereck?
Obendrein, was hilft einem ein mickriger Punkt allein? Ohne den Aussagesatz, der dem Punkt vorangeht PUNKT
Das heißt jeder, der nur ein paar Sätze schreibt, einen längeren Text, ein Essay gar (oder einen Newsletter!) stellt den, der da auf seinem einzigen, lächerlichen Punkt hockt, locker in den Schatten PUNKT

Das wird dem natürlich nicht gefallen, der da punkteseelenallein in seinem punktuellen Dasein sitzt. Und dann fängt er an zu schimpfen. Natürlich!
Zur Zeit sehr beliebt bei natürlichen wütenden Menschen, die draufkommen, dass andere viel mehr Punkte (oder Argumente) haben, ist ja irgendwas mit „die linksgrünversifften“.

Ein sehr seltsames Schimpfwort.
Denn „versifft“ heißt ja soviel wie schmutzig. Grün-Versifft sind also Menschen, die Kleidung tragen, die irgendwie grün-beschmutzt ist.
Was bedeutet das? Das sie sich im Gras gewälzt haben.
Wer macht sowas (mal abgesehen von Kindern)?
Wer wälzt sich noch im Erwachsenenalter durchs Gras?
Menschen, die Wehrsportübungen machen.
Jetzt sind die beschimpften aber nur auf einer Seite - auf der linken - grün versifft. Da fallen schon mal alle Kinder raus. Die sind immer komplett  dreckig.
Wie schafft man es also, nur auf einer Seite - nämlich links - grün zu versiffen? Indem die andere Körperhälfte den Boden mit dem abfärbenden Gras nicht berührt. Weil anscheinend ein Körperteil - ein Arm etwa - von der rechten Seite ständig derart weit absteht, dass diese Seite den Boden nicht berührt.
Ein durchs Gras robbender Wehrsportler mit ausgestrecktem rechten Arm. Das sind also die wahren Links-grün-versifften. Natürlich Punkt.

Und die nennt man seit neustem „Die Rechten“.
Früher hat man nach dem Rechten gesehen. Heute ist das anders. Heute schaut man aus dem Rechten heraus. Aus dem rechten Eck. Denn viele Menschen haben den Blickwinkel „der Rechten“ eingenommen. Wobei das ja keine „Rechten“ sind, weil sie ja ganz im äußersten Eck stehen. Da geht's nicht weiter. Sind also recht extreme Rechte. Kurz: Rechtsextreme.

So wollen sie sich aber nicht nennen. Oder nennen lassen. Deshalb sagen sie, sie wären „bürgerlich“. Auch ein komisches Wort.
Denn keiner der Bürger wohnt in einer Burg.
Außer dem Reichsbürger Prinz Reuss. Der hat das früher mal gemacht. Jetzt wohnt er im Knast. Aber keiner sagt jetzt „Knasterlich“ zu ihm.

Viele Bürgerliche sagen auch gern über die Verhältnisse, in denen sie leben „gut bürgerlich“. Ob Zeitung, Küche oder Wohnung: Es sind gut bürgerliche Verhältnisse. Ich vermute, sie würden auch ihre juristischen Auseinandersetzungen, mentalen Störungen und psychischen Gendefekte als „gut bürgerlich“ bezeichnen.
Ich warte auf den Satz: „Unser Bub ist heute nicht da, weil der pflegt den gut bürgerlichen Femizid. Das hat bei uns Tradition. Hat der Opa schon an der Ostfront gemacht. Im Jahr ’44. Schnapszahl!“

Es gibt soviel Gutbürgerliches, dass man sich wundert, das keiner vom Gegenteil redet: Dem Schlechtbürgerlichen. Oder noch ärger: dem Bösbürgerlichen? Oder gar von dem Wutbürgerlichen?
Das ist doch zur Zeit ganz natürlich.

Wer allerdings nicht natürlich ist und nicht bösbürgerlich und kein rechtsextremer, linksgrünversiffter Punkt, den bezeichnen die aus dem rechtsextremen Winkel betrachtenden dann als: „Kulturfremd“!

Das heißt soviel wie „Du spielst nicht mit!“, weil Du irgendwo herkommst, wo wir noch nicht einmal auf Urlaub waren. Und dabei waren wir schlichtbürgerlichen Naturburschen & -mädels sogar schon in Italien. Und Malle. Und in Tirol. Und an der Ostsee. Also quasi überall. Natürlich!
Nur da, wo der herkommt, nicht. Deshalb ist der „kulturfremd“.
Schon wieder so ein komisches Wort.

Eigentlich ist doch jemand „kulturfremd“, der nie ins Theater, ins Kino oder in Ausstellungen geht. Jemand dem das Kulturelle völlig fremd ist, weil er nie ein Buch liest, sondern immer nur vor der Glotze sitzt. Oder an seinem Handy Doom-Scrolling betreibt.

Und dann gibt der Kulturfremde nach dem heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen denen seine Stimme, die den Menschen gemachten Klimawandel leugnen und alle Maßnahmen dagegen runter fahren wollen.
Bis einmal die Durchschnittstemperaturen bei 44 Grad liegen?
Und was machen sie dann, die rechtsextremen linksgrünversifften wutbürgerlichen Kulturfremden? Was machen sie bei 44 Grad?
Dann rufen sie laut: Schnapszahl!
Und fallen um. Hitzschlag.
Punkt.

Das ist doch nur natürlich.


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groebner live:


Die heißen Neuigkeiten, hab ich schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal und nochmal und nochmal. Solange bis sie keine Neuigkeiten sind, sondern Altigkeiten:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wird mit dem
Österreichischen Kabarettpreis 2026 ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

Das vorherige Programm (das auch sehr gut ist. Finde ich zumindest. Und ich bin da sehr objektiv mit mir) „ÜberHaltung“ war im ORF Sommerkabarett zu sehen. Und zwar nur in Österreich. Ich hoffe, Ihr habt es geschaut.

groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich
hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was das Gletschereis alles so beherbergt. Oder eben nicht mehr.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
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Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64