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Donnerstag, 4. Juni 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #106 - Auf Weltniveau
















Ein Agent der internationalen Spitzendiplomatie: I. © Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl

Auf Weltniveau

Jetzt kann ich es endlich sagen.
Der Grund dafür, dass ich seit drei Wochen keinen neuen Newsletter geschrieben habe, war keineswegs eine Schreibblockade, hohe Temperaturen oder die Spargel-&Erdbeersaison, die mich gezwungen hat Spargelmarmelade und Erdbeeren mit Sauce Hollandaise zuzubereiten (übrigens die einzige Sauce, die ich kenne, die nach einem glücklosen, französischen Präsidenten benannt worden ist. Emanuel Macaron hat es wenigstens bis zu einem Windbeutel geschafft), nein, sondern: Ich war in diplomatischer Mission unterwegs.

Ja, ich hatte einen Geheimauftrag, der so geheim ist, dass ich ihn niemandem verraten darf.
Außer Euch. Das hab ich mir vertraglich zusichern lassen.
Denn niemand wird in einem satirischen Newsletter die Wahrheit vermuten.
Brillant gedacht, was?
Deshalb wurde ich auch engagiert. Weil ich intellektuell so unglaublich wendig bin. Quasi der Mycroft Holmes for Austria.

Also ist war streng geheim in New York bei der UNO unterwegs. So streng geheim, wie es nur österreichische Geheimdienste können. Ja, durch mehrere Gerichtsprozesse und geflohene Milliardenbetrüger sind wir ja international für unsere Geheimniskrämerei bekannt. Genannt wurde das ganze: Aktion Ott.
Und damit ist nicht Egisto Ott gemeint, der kürzlich in Wien wegen Spionage für Russland verurteilt wurde, sondern: Elfriede Ott.

Denn wofür war diese 2019 verstorbene Wiener Volksschauspielerin geliebt… wenn nicht sogar gefürchtet?
Genau: Für ihren schlechten Stimmsitz.
Es hieß, sie konnte mit nur zwei Sätzen aus ihrem Mund einen drei Wochen altes Brot Laib zerteilen.
So kreissägenartig war ihr Organ gewesen.
Und darum ging es auch: Um einen Stimm-Sitz. Und zwar im UN-Sicherheitsrat. Für Österreich.

Den sollte ich besorgen. Und zwar auf die österreichischste aller möglichen Arten: durch „Vernaderung“.
Also durch das aktive Schlechtmachen eines anderen hinter dessen Rücken.
Denn wer könnte Deutschland besser in der internationalen Diplomatie schlecht aussehen lassen als ich, ein in Deutschland lebender österreichischer Satiriker?
Wer?

Friedrich Merz, ja, okay.… aber der hatte gerade etwas anderes zu tun.

Also bin ich die letzten drei Wochen durch New York von Diplomat zu Diplomat getingelt und habe unangenehme Wahrheiten verbreitet:
„Look at them, they put sauce over their Schnitzel! Sauce! Do you think someone like that can organize the world?“ Hab ich gesagt.
Und: „They mix meat and fish and then they call this ugly Matsch ‚Labskaus‘! Do you want people like this to decide over peace and war?“
Und wenn das nicht half, hab ich zu härteren Bandagen greifen müssen: „They still believe in the Verbrennungsmotor! How stupid can you be in the 21th century? It’s like riding a horse in front of the Ford-factory in 1926. These guys have no plan for the future!“
Und wenn das auch nichts geholfen hat, dann musste halt die ungeschminkte Wahrheit auf den Tisch:
„Their Minister of Foreign Affairs is called What-a-fool! Can you imagine someone with that name will get respect from Trump or Putin?“

Damit war die Arbeit fast getan.
Jetzt musste ich nur noch auf den klangvollen Namen der österreichischen Außenministerin hinweisen („Meinl-Reisinger! You know… Meinl? It stands for good coffee in old times. And for good money-laundry on the Island of Jersey in 2008! (
Apropos: Geld: Man kann diesen Newsletter auch unterstützen, siehe unten) And Reisinger? You can hear it: She is upcoming. She is not only rising, she is even risinger!“).
Dazu gab es österreichische Mehlspeisen und natürlich sehr viel Schmäh.

Als ich dann am Schluss noch darauf verwiesen habe, dass die deutsche Hymne eigentlich von einem Niederösterreicher stammt, der die Melodie im Burgenland den Kroaten geklaut hat, war der Stimmsitz im UN-Sicherheitsrat unser. Soviel musische Weltgewandtheit wie Österreich hat niemand.
Und damit waren die armen Deutschen aus dem Rennen. Denn womit hätten die denn für sich werben sollen? Mit ihrem Charme? Dann kann auch die Schweiz demnächst mit ihrer Küstenlinien international punkten.

Und egal, wer sonst jetzt was sagt, über die Gründe, lasst Euch nichts einreden:
Ich ganz allein hab den Sitz für Österreich im UN-Sicherheitsrat gebracht.

Und es hat nichts damit zu tun, dass die großen Länder, die den Sicherheitsrat dominieren - also Russland und China oder die USA - lieber kleine schwache Staaten da drinnen haben wollen, die man leichter manipulieren und rum schubsen kann. Nein, niemals.
Wir sind gerade als Staatswesen für unsere immense charakterliche Stärke bekannt. Eine Stärke, die sich in extremer Flexibilität ausdrückt.
Das liegt an unserer Geschichte.

Gerade wenn die Menschheit - so wie jetzt - sich in immer gefährlichere Situationen manövriert, braucht es im wichtigsten Kontrollgremium der Welt ein Land wie Österreich. Ein Land, das bereits an zwei Weltkriegen aktiv mitgewirkt hat und am Ende doch irgendwie immer ein Opfer war.
Das letzte Mal, in dem wir uns von unserem eigenen faschistischen Landsmann und seinen faschistischen Horden den hauseigenen Faschismus haben wegnehmen lassen. Und das erste Mal, in dem wir unser ganzes schönes großes, marodes Kaiserreich gegen eine kleine Republik eingetauscht haben.

Deshalb ist es ja auch kein Zufall, dass Österreich und Portugal - zwei ehemalige Imperien - jetzt die Sitze bekommen haben.
Denn die Portugiesen, und wir wissen jetzt schon, wie sich die Russen und Amerikaner bald fühlen werden.
Und die wiederum können uns und die Portugiesen anschauen und sich denken: So sieht das also aus… das postimperiale Zeitalter.
Und dann gibt es Pastéis de nata oder Apfelstrudel und die Stimmung ist gleich wieder besser im UN-Sicherheitsrat.
Oder - wie die Russen, Chinesen und Amerikaner ihn nennen - im Sicherheits-Unrat.

Das sind eben gute Schmäh. Da können die Deutschen einfach nicht mithalten.

Aber: seid nicht traurig, liebe Deutsche, dafür ist bald Fussball-WM!
Und damit ist ein „Neuer“ Anfang möglich…
Neuer…. Verstanden? Nein? Wie Euer Tormann…?

Naja, das sind eben Pointen auf internationalem Humorniveau.


groebner live:

Freitag 12.6. Frankfurt, Quartalsweise - der Vierteljahresrückblick in der Buchhandlung „Buch und Wein“

Saison-Abschluss von „ICH BIN DAS VOLK!“
Samstag 13.6. München, 
Lach&Schießgesellschaft

Alle Termine gibt es 
hier.

Und was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man 
hier lesen.
Auch die jüngste Empfehlung der Wiener Stadtzeitung 
Falter etwa.

groebner gesehen:
In der wunderbaren Sendung „Schlachthof“ im Bayerischen Fernsehen war ich zu Gast.
Und durfte dort
 eine Kostprobe meines Regierungsprogramms „Ich bin das Volk!“ geben.

In der Abendschau im BR gab es sogar einen eigenen Premierenbericht.
Den kann man sich 
hier anschauen.

groebner gehört:
Ganz frisch heraussen!!!! Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records

Kennt Ihr schon mein Satire-Pop-Album 
„Nicht mein Problem“?
Es ist sehr gut.

In der wunderbaren Sendung „
Satire Deluxe“ war ich zu Gast und habe - live ! - ein Liedchen zum Besten gegeben.

Das „Ende der Welt“ gibt es auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek zu hören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, etwa wo man echte Freunde finden kann, wie man den 
US-Vizepräsidenten gut einsetzen könnte oder was passiert, wenn die Mächtigen dieser Welt zu Satirikern werden.*
All das erfährt man.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf 
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein 
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
——-

Über diesen Newsletter:

Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64