In der Kriminologie und bei den Sicherheitsbehörden spricht man hier von einer zunehmenden Schnittmenge zwischen Rechtsextremismus und Organisierter Kriminalität (OK). Häufig entstehen diese Verbindungen in sogenannten „Mischszenen“ – also dort, wo das rechtsextreme Milieu auf das kriminelle Rockermilieu, die Kampfsportszene oder Bruderschaften trifft.
Hier ist der Überblick, wie sich diese Verknüpfung in Deutschland und speziell in Rheinland-Pfalz darstellt:
Das Paradebeispiel: Die „Turonen“ (Thüringen)
Wenn man nach einer klaren, strukturellen Korrelation zwischen Neonazis und professionellem Drogenvertrieb sucht, liefert Thüringen das deutlichste Beispiel. Dort flogen vor einigen Jahren die Neonazi-Bruderschaft „Turonen“ und deren Ableger „Garde 20“ auf:
Vom Rechtsrock zum Rauschgift: Ursprünglich finanzierte sich die Gruppe über die Organisation von Rechtsrock-Konzerten. Später stiegen sie im großen Stil in den professionellen Handel mit Crystal Meth, Kokain und Cannabis ein.
Klassische Mafia-Strukturen: Die Gruppe nutzte verschlüsselte Kryptohandys, setzte Gewalt zur Geldeintreibung ein und betrieb zur Geldwäsche ein Bordell sowie Scheinfirmen (unter Mithilfe eines bekannten Szene-Anwalts).
Politischer Zweck: Die illegalen Gewinne flossen nicht nur in den privaten Luxus, sondern wurden gezielt genutzt, um die rechtsextreme Infrastruktur zu festigen und verurteilte Gesinnungsgenossen finanziell zu unterstützen.
Die Situation in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz stellt sich die Lage etwas anders dar. Das Landeskriminalamt (LKA) und der Verfassungsschutz registrieren hier zwar eine konstant hohe Gewaltbereitschaft und Waffenaffinität der rechten Szene, aber extremistische Gruppierungen, die als geschlossenes Kartell den regionalen Drogenmarkt beherrschen, sind hier bisher die Ausnahme.
Die Korrelation sieht in Rheinland-Pfalz eher so aus:
Allgemeinkriminalität in der Subkultur: Viele Akteure der lokalen, subkulturell geprägten rechtsextremen Szene fallen bei der Polizei zweigleisig auf: Einerseits durch Politisch Motivierte Kriminalität (PMK-rechts) wie Propagandadelikte oder Hassrede, andererseits durch klassische Delikte wie Körperverletzung, Diebstahl und eben auch Drogendelikte (Eigenbedarf und Kleinhandel).
Der Fokus auf Waffenhandel: Crossover-Effekte im Bereich der schweren Kriminalität zeigten sich in Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit vor allem beim illegalen Waffenhandel. Ein bekannter Fall ereignete sich im Raum Kaiserslautern, wo Ermittler ein rechtsextremes Paar aus dem Umfeld der internationalen Gruppe „Right Wing Resistance“ aushoben, das illegal im großen Stil mit Waffen handelte.
Transnationaler Drogenhandel dominiert: Die großen Schläge gegen den organisierten Drogen- und Darknethandel in Rheinland-Pfalz (oft koordiniert durch die Landeszentralstelle Cybercrime in Koblenz) betreffen meist international vernetzte, ideologisch ungebundene Tätergruppierungen (z. B. das sogenannte Balkan-Kartell), bei denen politische Ideologien keine Rolle spielen.
- Öffentliche Verfassungsschutzberichte für Rheinland-Pfalz beschreiben rechtsextreme Parteien, Kameradschaften und Skinhead-Strukturen, nennen aber keinen Drogenhandel als zentrales Merkmal der Szene.
- Bekannt sind jedoch Einzelfälle, in denen Rechtsextremisten zugleich wegen allgemeiner Kriminalität – darunter auch Betäubungsmitteldelikte – auffielen. Das entspricht allerdings eher einem Muster persönlicher Kriminalität als einer nachgewiesenen landesweiten Strategie der Szene.
Der ideologische Widerspruch
Kriminologen weisen bei diesem Thema immer wieder auf den fundamentalen Widerspruch der Szene hin:
Öffentlich inszenieren sich viele rechtsextreme Gruppen – oft im Rahmen von Propaganda-Kampagnen wie „Keine Drogen in unserer Stadt“ – als moralische Saubermänner. Hinter den Kulissen wird das Geschäft mit illegalen Substanzen jedoch oft rein pragmatisch als extrem lukrative Einnahmequelle genutzt, um politische Aktivitäten zu finanzieren.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen