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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Montag, 1. Juni 2026

Wie gut kann Deutschland die aktuellen Gesamtbelastungen stemmen?


Krisenlage in D und EU

Deutschland kann die gegenwärtigen Belastungen grundsätzlich tragen – doch die Kombination aus Wirtschaftsflaute, Ukrainekrieg, Energiepreisschocks und der Irankrise zeigt deutlicher denn je, wie verletzlich das Land gegenüber externen Schocks geworden ist.

Besonders die Irankrise wirkt wie ein zusätzlicher Beschleuniger bereits bestehender Probleme: Sie treibt Energiepreise hoch, verschärft die Inflation und erhöht die geopolitische Unsicherheit. Die wirtschaftlichen Nachwirkungen des Iran‑Krieges haben den Inflationsdruck Anfang 2026 erneut angeheizt, nachdem sich die Lage 2025 stabilisiert hatte.

Die Preise stiegen wieder auf nahezu drei Prozent, vor allem infolge massiver Energieverwerfungen und gestiegener Risikoprämien auf den globalen Märkten. Die Energiepreise sind dabei der zentrale Übertragungskanal: Die Blockade der Straße von Hormus – durch die vor dem Krieg rund 20 % des weltweiten Ölhandels flossen – führte zu einem historischen Angebotsschock. Laut IEA fehlen seit Kriegsbeginn täglich 13 Millionen Barrel Öl, der größte Ausfall der Energiegeschichte denkstrom.org. Der Brent‑Preis stieg zeitweise auf über 119 US‑Dollar pro Barrel, während Diesel und Heizöl in Deutschland massiv anzogen. Diesel kostete im April 2026, 2,263 EUR pro Liter, Superbenzin 2,445 EUR pro Liter. Die staatliche 17-Cent-Preisreduktion pro Liter ist zurzeit deutlich spürbar, falls das keine Illusion ist, denn der Brent-Preis ist entscheidend.

Die IEA warnt zudem, dass die globalen Reserven in Rekordtempo schrumpfen und der Markt im Sommer in eine „rote Zone“ geraten könnte t-online.de.

Auch die konjunkturelle Erholung wird durch die Irankrise gebremst. Die führenden Wirtschafts-forschungsinstitute erwarten für 2026 nur ein Wachstum von 0,6 %, da der Energiepreisschock die Erholung „hart trifft“ und die Inflation auf 2,8 % steigen lässt ifo Institut. Die deutsche Wirtschaft bleibt damit in einer Phase struktureller Schwäche gefangen: schwache Exporte, hohe Energiepreise, geringe Investitionsdynamik und eine Verwaltung, die Modernisierung nur langsam umsetzt. Ein Kurzgutachten des wissenschaftlichen Beraterkreises des BMWK zeigt zudem, dass die Irankrise weit über Energiepreise hinaus wirkt: Lieferketten werden gestört, Strompreise steigen, Gasspeicherstrategien müssen angepasst werden, und selbst Düngemittelpreise ziehen deutlich an, was die Landwirtschaft belastet loos-dortmund.de.

Diese Diagnose wird von führenden Expertinnen und Experten geteilt. Clemens Fuest, Präsident des ifo‑Instituts, warnt seit Beginn der Energiekrisen davor, die politischen Handlungsmöglichkeiten bei fossilen Preisschocks zu überschätzen; staatliche Eingriffe könnten die Weltmarktpreise nicht beeinflussen und verschöben lediglich Lasten in die Zukunft. Claudia Kemfert, Energieökonomin am DIW Berlin, spricht angesichts des Iran‑Kriegs von der „schwersten fossilen Energiekrise unserer Zeit“ und betont, dass fossile Abhängigkeiten Deutschland erpressbar machen diw.de. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), warnt, dass die Blockade der Straße von Hormus die „größte Energiesicherheitskrise der Geschichte“ ausgelöst habe und die Märkte die Gefahr unterschätzen denkstrom.org. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, betont, dass in der Irankrise „alle Optionen offen“ seien – bis hin zu erneuten militärischen Eskalationen, die Europa und damit Deutschland unmittelbar betreffen würden FOCUS OnlineMarcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin, hebt hervor, dass externe Schocks wie die Irankrise auf eine bereits geschwächte wirtschaftliche Basis treffen und Deutschland ohne strukturelle Reformen zunehmend anfällig machen. Euronews, 08.04.2026: „Die wirtschaftlichen Schäden sind bereits jetzt erheblich, und auch die stark verflochtene deutsche Volkswirtschaft wird die Folgen deutlich zu spüren bekommen.“ Und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), weist darauf hin, dass der Ölpreisschock der deutschen Volkswirtschaft bis Ende 2027 einen Schaden von 40 Milliarden Euro zufügen könnte zdfheute.de.


--> Zusammen zeichnen diese Stimmen das Bild eines Landes, das die aktuellen Belastungen zwar bewältigen kann, aber nur, wenn es seine strukturellen Schwächen adressiert, seine Energie‑ und Sicherheitspolitik resilienter gestaltet und die geopolitischen Risiken ernst nimmt. Die Irankrise wirkt dabei wie ein Brennglas: Sie zeigt, wie eng wirtschaftliche Stabilität, Energieversorgung und geopolitische Sicherheit miteinander verwoben sind – und wie dringend Deutschland Reformen braucht, um künftigen Schocks standzuhalten. Deutschland kann die Belastungen tragen – aber nicht im bisherigen Modus. Die Irankrise verschärft Energiepreise, Lieferkettenrisiken und geopolitische Unsicherheit. Die Ukrainekrise bindet enorme finanzielle Mittel. Die Wirtschaft schwächelt strukturell. Die Verwaltung ist überfordert. Die eigentliche Gefahr ist politisch: Wenn Bürger das Gefühl haben, dass der Staat Prioritäten nicht klar kommuniziert oder Probleme nur verwaltet statt gestaltet, entsteht ein Vertrauensvakuum. Und das ist langfristig gefährlicher als jede einzelne Krise. Noch ist es nicht soweit.


Quellenverzeichnis

  • Claudia Kemfert / DIW Berlin: „Schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit“ diw.de
  • IEA‑Direktor Fatih Birol: Warnung vor größter Energiesicherheitskrise der Geschichte / Hormus‑Blockade denkstrom.org
  • IEA‑Warnung vor Ölpreis‑„roter Zone“ im Sommer 2026 t-online.de
  • Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026 (ifo, DIW, Kiel, IWH, RWI): Energiepreisschock dämpft Erholung ifo Institut
  • Wissenschaftlicher Beraterkreis BMWK: Kurzgutachten zu Irankrise und wirtschaftlichen Folgen loos-dortmund.de
  • Carlo Masala: „Alle Optionen offen“ – sicherheitspolitische Einschätzung zur Irankrise FOCUS Online
  • Michael Hüther / IW: Wirtschaftliche Schäden des Ölpreisschocks (40 Mrd. €) zdfheute.de