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Samstag, 15. August 2026

Fantasien zur Nacht: Short 4

(c) Stefan Vieregg, mit KI generiert

Die Luft stand. So eine schwere, warme Luft kurz vor Sonnenuntergang, die nach Salz, Sonnencreme und kaltem Limettensaft riecht. Kai saß am Tresen aus Treibholz. Das Holz gab noch Wärme ab vom Tag. Vor ihm ein eiskalter Mojito, Limetten, Minze, Crushed Ice. Hinter ihm das Meer, das langsam seine Farbe wechselte – von Türkis zu Silber. Die Bar war recht voll. Da war die Frau mit dem schwarzen Bikini und dem Leinenhemd darüber, das im Wind wehte. Sie saß nicht da, um gesehen zu werden. Sie saß da, weil sie nach dem ganzen Tag im Wasser endlich ruhig sitzen konnte. Die Träger des Bikinis hatten helle Streifen auf ihrer gebräunten Haut hinterlassen. Sie hatte ein Notizbuch aufgeschlagen und schrieb. Kein Handy. Nur sie, der Stift und die Wärme, die aus dem Sand stieg.

Zwei Hocker weiter die Taucherin. Blond, der nasse Zopf noch vom Nachmittag, der bunte Bikini unter einem lockeren Kleid. Man sah ihr an, dass sie den ganzen Tag gelacht hatte. Sie hatte diese Art von Müdigkeit, die nur von Sonne und Meer kommt. Eine schöne Müdigkeit. Sie bestellte etwas auf Thailändisch und der Barkeeper lachte.

Kai beobachtete sie alle. Und zum ersten Mal fiel ihm auf, dass keine von ihnen wartete. Früher hatte er gedacht, eine Frau, die allein in einer Strandbar sitzt, wartet darauf, angesprochen zu werden. Jetzt sah er: Sie genossen es, nicht angesprochen zu werden und nicht ansprechen zu müssen. Sie waren total im Urlaub.

Die Frau mit dem Notizbuch blickte auf. Ihr Blick traf seinen, kurz. Kein Auffordern, kein Wegschauen. Nur ein ruhiges Anerkennen. Als würde sie sagen: Ja, schöner Abend, nicht wahr? "Was schreibst du?", fragte er, und staunte über sich selbst, wie leise er es sagte. "Was mir auffällt, wenn endlich mal keiner was von mir will", sagte sie und lächelte. Ihre Stimme war sehr angenehm, ein bisschen heiser von der Sonne.

Es knisterte nicht so, wie Kai es aus Filmen erwartete. Es war ein anderes Knistern. Dieses hier war echt, er erlebte es gerade. Das Knistern der Eiswürfel im Glas. Das Knistern der Haut, die sich nach einem Sonnentag spannt. Das leise Knistern in der Luft, wenn Menschen nicht reden müssen, sondern können, wenn sie wollen. 

Sie setzte sich einen Hocker näher. Das Leinenhemd rutschte ein Stück. Darunter das Schwarz des Bikinis. "Ich bin übrigens wegen der Ruhe hierher gekommen", sagte sie. "Komisch, jetzt rede ich doch."

"Die beste Art von Ruhe", sagte Kai, "ist die, die man teilen kann." Draußen schob sich die Sonne ins Meer wie in einen Schlitz. Und die Bar, die eben noch einfach nur ein ruhiger Treffpunkt gewesen war, wurde auf einmal magisch lebendig.

                                                                       (c) Stefan Vieregg