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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Freitag, 28. August 2026

Fantasien zur Nacht: Short 6

Foto: Stefan Vieregg, mit KI kreiert 
Ich laufe. Einfach nur laufen. Barfuß. Und ich kann nicht aufhören mich zu freuen wie ein kleines Kind.

Der Sand spritzt unter meinen Füßen hoch, kalt, weich, kitzelt zwischen den Zehen. Vor mir — nichts. Kein Termin, kein "wir müssen reden", keine Tür die geknallt wird. Nur Strand. Kilometerweit Strand. Endlich.

Du hast keine Ahnung, wie lange ich darauf gewartet habe. Die letzten Monate... Es war nur noch anstrengend mit uns.

Weißt du noch, dieser Streit wegen des Urlaubs? Ich wollte ans Meer. Du wolltest "erstmal gucken wegen Geld und überhaupt". Ich hab gesagt: "Ich brauch Luft." Und du: "Du brauchst immer irgendwas Dramatisches." Dramatisch. Ich dramatisch. Dann hast du gesagt, ich wäre kindisch, weil ich wegen so einem Kleid heulen würde — weil ich es mir gekauft habe, und du meintest, das sei rausgeschmissenes Geld für "Origami-Gedöns". Du hast es nicht verstanden. Du hast NIE verstanden, warum ich manchmal einfach losrennen muss.

Dann die Nacht, als du meine Tasche schon halb ausgepackt hast und sagtest: "Wenn du jetzt fährst, dann fährst du allein." Ich hab geweint, ja. Und dann hab ich sie wieder gepackt. Ganz allein. Und jetzt bin ich allein. Gott sei Dank bin ich allein.

Schau mal mein Kleid! Ich hab es doch anbehalten. Mein gelbes Faltenkleid. Und guck — die kleinen Fallschirmchen! Sie sind mit dünnen Bändern an meinem Rücken festgemacht. Als ich losgerannt bin, hat der Wind sie einfach mitgerissen und jetzt fliegen sie! Wirklich! Sie steigen! Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs kleine gelbe Parachutes, wie kleine Quallen am Himmel, hinter mir her. Wenn ich schneller laufe, steigen sie höher. Wenn ich stehenbleibe, tanzen sie um mich herum.

Hahaha! Ich muss so lachen! Ich kann sie im Wind steigen lassen, komplett. Ich halte die Bänder gar nicht fest, der Wind macht das. Es fühlt sich an, als würde mich das Kleid selbst nach vorne ziehen, als würde es sagen: "Komm, noch schneller!"

Ich bin nicht mehr sauer. Ich bin nicht mal mehr traurig. Ich bin einfach nur... leicht. Wie die kleinen Schirmchen da hinten. Barfuß, mit fliegenden Haaren, ein bisschen außer Atem, ein bisschen sandig — aber frei.

Ich laufe jetzt einfach weiter. Bis zum Ende vom Strand. Nur weil ich es kann.

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