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Montag, 26. Oktober 2026

Severin Groebners Neuer Glossenhauer #115 - Du sollst Dich, Du darfst Dich, Du kannst Dich… nicht wundern.

 

Orange? Freudenfeuer sehen anders aus. ©Foto: Dominic Reichenbach / Artwork: Claus Piffl



















Du sollst Dich, du darfst Dich, du kannst Dich… nicht wundern

Ich weiß nicht, von wem der Satz ist, aber ich hab ihn sofort geklaut.
Ich weiß also mit Sicherheit: Von mir ist er nicht. Umso besser ist sein Inhalt.
Es geht um Gesetze:
„Das religiöse Gesetz sagt Dir, Du sollst nicht. Das staatliche Gesetz sagt Dir, Du darfst nicht. Und das naturwissenschaftliche Gesetz sagt Dir, Du kannst nicht.“
Und tatsächlich haben wir ja alle - zumindest die, die es mitbekommen wollten - diesen Sommer gemerkt, wie das so ist, wenn Naturgesetze mal ihre Macht zeigen. Alle Bauern mit Bewässerungsproblemen und alle Menschen mit Dachwohnungen (und ohne Klimaanlagen) wissen, was ich meine. Und die geschätzten 10 000 Menschen, die in Europa als Hitzetote angenommen werden, die wissen es überhaupt am besten.
Können aber nur mehr schlecht ihre Meinung dazu ausdrücken.

Zu diesen drei Gesetzen (religiös, staatlich, naturwissenschaftlich) würde ich allerdings noch ein viertes dazu aufnehmen:
Das soziologische.
Das da heißt: Du darfst Dich… nicht wundern.

Wenn Du etwa ein Land regierst in dem einerseits Schulen zerbröseln, andererseits aber das Leben teurer wird (also so Sonderwünsche etwa wie Essen, Heizen, Wohnen und sich bewegen) und auf der dritten Seite das Luxussegment der Geschäfte immer weiter anwächst, dann - hier kommt das soziologische Gesetz - darfst Du Dich nicht wundern, wenn (nach etwa 20 Jahren) junge Leute Menschen wutentbrannt alles kurz und klein schlagen.
Isso.
Kann man nichts machen.

Einfach logisch.
Haben wir schon in den 2010er Jahren in Großbritannien gesehen. Und davor auch schon in den Vororten von Paris.
Ist ein Gerechtigkeitsproblem.
Wenige sehr reiche Menschen und viele sehr arme.
Das führt zwangsläufig nach einer gewissen Zeit zu… Bumm!

Da helfen auch keine Streetworker, schon gar nicht mehr Polizei und auch keine lauwarmen Ansprachen von Präsidenten.

Und auch schöne Worte helfen nicht.
Diese wolkigen Begriffe wie die „Abgehängten“, die „sozial Schwachen“, die in irgendwelchen Gegenden mit „schlechter Infrastruktur“ leben.
Wenn man das so hört, denkt man sich: Ach, diese Bemitleidenswerten wohnen in einem dunkelgrauen Lummerland, wo ein alternder Zauberer die wenigen Leute, die er kennt, vergisst von der Wäscheleine zu nehmen.

Nun, es ist nicht so.
Diese Leute wohnen nicht irgendwo in der Ferne, sondern nur wenige Kilometer entfernt.
Und den Zauberer gibt’s auch nicht.
Wenn ich das also hier mal kurz übersetzen darf.
Zum Mitschreiben. Fürs antikapitalistische Vokabelheft.

Die Abgehängten - Gibt es nicht.
Zumindest nicht mehr. Denn dazu müsste man sie vorher aufgehängt haben.
Abgehängte Gegenstände dagegen kennt man: Bilder, Wäsche, Christbaumschmuck.
Abgehängte Personen aus der Weltgeschichte kennt man auch.
Sie sind auch mehr oder minder berühmt.

Sehr berühmt:
Jesus Christus (Sozialrevoluzzer im antiken Nahen Osten, abgehängt vom Kreuz, an das ihn römische Soldaten genagelt hatten)
Weniger berühmt:
Theodor Baillet de Latour (Kriegsminister im verblichenen österreichischen Kaiserreich, abgehängt von einer Gaslaterne, an die ihn revolutionäre Wienerinnen und Wiener aufgeknüpft hatten)

Was eigentlich mit „abgehängt“ eigentlich gemeint ist, sind Menschen, deren Kaufkraft unter einen bestimmten Wert gefallen ist. Ein Wert, der zulässt, dass sie zwar noch mit Werbung zugeballert werden, es sich aber nicht rechnet die Lebensmittelversorgung für sie ohne Automobil aufrecht zu erhalten.
Denn sie wohnen in sogenannten Gegenden mit „schlechter Infrastruktur“ (siehe dort).

Die Sozial Schwachen - Die gibt es.
Sind aber nicht unbedingt jene Menschen, die mit diesen Begriffen bezeichnet werden.
„Sozial schwach“ sind Leute, die wenig andere Leute kennen.
Oder mit wenig anderen Mitmenschen Kontakt haben.
Das können alte Menschen sein, die in sogenannten „Seniorenresidenzen“ (dazu das nächste Mal… oh, ich glaube das wird eine Reihe) ohne Besuch dem Tod entgegen vegetieren.
Oder Eingewanderte, die alle Menschen, die sie kennen, samt der Gegend, aus der sie stammen, zurücklassen mussten.

Oder aber auch sehr vermögende Menschen, die in einem Smart-Home leben, sich mit einem Haufen Elektronik und sogenanntem „Sicherheitspersonal“ (oh ja, das wird definitiv eine Reihe!) und anderen - meist technischen - Vorkehrungen weniger vermögende Menschen vom Leib halten. Mit allen Mitteln.
Und das alles nur um ihren Reichtum (siehe auch: „Investitionskapital“ in: Wahre Worte - Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 1, 2027) ohne schlechtes Gewissen verprassen zu können.

Die Menschen, die üblicherweise „sozial schwach“ genannt werden, müssen das nicht unbedingt sein. Denn sie kennen durchaus Leute. Wenige aus der Politik, kaum welche aus den Medien und schon gar nicht die oben beschriebenen „sozial Schwachen“ aus den Reichenghettos.
Dafür meist Leute, denen es so geht wie ihnen selbst.
Die sind also nicht sozial schwach - oder gar „sozial benachteiligt“-, sondern finanziell.
Vielleicht sogar: einkommensschwach.
Oder auch einfach: arm.
Umgangssprachlich: pleite.
Im Wiener Dialekt auch: stier.  
(Apropos diesen Newsletter kann man auch unterstützen. Infos siehe unten.)

Und das sehr häufig nicht, weil sie zu wenig arbeiten (im Gegenteil). Sondern weil ihre „Jobs“ (siehe „Arbeit“ oder „Beruf“ in: Noch mehr wahre Worte - Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 3, 2029) viel zu schlecht bezahlt sind.

Die schlechte Infrastruktur - Gibt es auch.
Sie ist aber nicht, wie schlechtes Wetter, schlechte Neuigkeiten oder schlechter Charakter, das Ergebnis eines natürlichen Prozesses, sondern Ergebnis bewusster, politischer Entscheidungen der letzten dreißig Jahre, in der gewählte „Volksvertreter“ (siehe auch: „Demokratie“, Letzte wahre Worte - Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 7, 2036) sich im Verdauungstrakt der „Finanzindustrie“ (siehe auch: „Parasiten“, Allerallerletzte wahre Worte, Groebners Wörterbuch des Spätkapitalismus, Band 9, 2039) bequem gemacht hatten.
Und - kleiner Tipp - Mund, Magen oder Speiseröhre waren’s nicht.

All diese Phänomene sind also nicht Gottes Wille, Folge eines Meteoriteneinschlags oder Langzeitwirkung der Plattentektonik, sondern könnten behoben werden.

Und zwar - und das wird jetzt die ur-arge Neuigkeit sein für alle Vertreter des politischen Liberalismus, für drei Viertel aller Wirtschaftsjournalisten und sämtliche Absolventen der Frankfurter School of Finance - durch sogenannten „Vermögenssteuern“ (siehe auch „Teufelszeug“, Woran ich glaube - es aber nicht beweisen kann, Gefühlte Wahrheiten des Spätkapitalismus, Autor unbekannt, Hrsg.: Milton Friedman, 1990).

Wenn man diese Vermögenssteuern allerdings nicht einführen will (letzter gescheiterter Versuch 2025 in Frankreich) erntet man automatisch - ebendort - brennende Innenstädte.
Denn - wie schon Heerscharen von schlauen Soziologinnen und Soziologen beschrieben haben - Armut macht die erste Generation stumm vor Scham. Weil sie sich selbst die Schuld gibt.
Die zweite Generation allerdings - also deren Kinder - macht sie wütend, weil sie da hineingeboren wurden.

Isso.
Logisch.
Denn es ist eben ein - Menschen gemachtes - Gerechtigkeitsproblem.
Oder anders gesagt:
Wenige sehr reiche Menschen und viele sehr arme, führt nach einer gewissen Zeit zu … Bumm!

Du darfst Dich nicht wundern.

——

groebner live:

Die heißen Neuigkeiten, hab ich schon verbreitet, aber ich wiederhole sie einfach nochmal und nochmal und nochmal.
Solange bis sie keine Neuigkeiten sind, sondern Altigkeiten:
Mein Programm „ICH BIN DAS VOLK!“ wurde gerade mit dem
„Österreichischen Kabarettpreis 2026“ ausgezeichnet, was mich natürlich sehr freut.
Aber ich freu mich für alle anderen Ausgezeichneten ebenso.
Wir waren - unter sehr viele anderen - sogar in den Hauptabendnachrichten des ORF.
G’schamster Diener.

Wann und wo man das im wahrsten Sinn des Wortes „ausgezeichnete“ Programm sehen kann, erfährt der interessierte Mitmensch
hier.
Zum Beispiel:

23.10.
Oberhaching Bibliotheksaal
24.10.
München Schlachthof
25.10.
Merkendorf Steingruberhaus

3.-5.11.
Wien Theater Drachengasse
6.11.
Kaisheim Kleinkunstbrauerei Thaddäus
7.11. F
rankfurt/Heddernheim Habel-Elf
10.11.
Linz Posthof
13.& 14.11.
München Lach&Schiess im TamS
19.11.
Wolkersdorf BaBü

Und meinen Jahresrückblick gibt es auch wieder:
27.11. in Offenbach im Filmklubb

Und mein
neues Buch ist jetzt auch endlich heraussen.
Es heißt wie das Programm
„ICH BIN DAS VOLK!“
Denn das ist ja ein Manifest, also muss man das auch in der Hand halten können, sonst wäre es Maniflux (kleiner Witz für Lateiner)

Und das Werk wird  am 21.10. in Wien in der
Buchhandlung Analog das Licht der Welt erblicken
Die Wiedergeburt folgt dann am 30.10. in Frankfurt. Natürlich im
Buch&Wein

Da freu ich mich schon sehr.
Was die Presse über das Programm „Ich bin das Volk!“ schreibt, kann man und Frau und mensch übrigens
hier lesen.

groebner gesehen:
Über das demnächst ausgezeichnete Programm hat das Bayerische Fernsehen einen Bericht in der Abendschau gemacht.
Den kann man sich
hier anschauen.

groebner gehört:
Anläßlich des Kabarettpreises hat Ö1 den Beitrag über mich und mein Programm „Ich bin das Volk“ erneut in die Audiothek gestellt.
Kann man sich
hier anhören.

Auch zu hören:
Meine neue Single: „
Das Lied der neuen Zeit“ powered by monkey records. Die ist übrigens die Zugabe vom Programm.
Wem das gefällt, gefällt vielleicht auch mein Satire-Pop-Album
„Nicht mein Problem“.

Zwischendurch arbeite ich aber auch weiter für d
as „Ende der Welt“ auf Bayern 2 und in der ARD-Audiothek gibt es das zum nachhören.
Dort denke ich immer wieder über Sachen nach, zum Beispiel:
Was die
Menschen für Ihre Haustiere tun, wo man echte Freunde finden kann, oder was das Gletschereis alles so beherbergt. Oder eben nicht mehr.

groebner gefolgt:
Videos und Fotos und Zeug gibt’s auf
YouTube, auf Instagram oder auf Facebook zu sehen.

groebner gelesen:
Dem Falter hab ich übrigens ein
großes Interview gegeben. Und das kann man immer noch Nachlesen.
Und der Zeitung „Die Presse“ auch.

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Der „Neue Glossenhauer“ ist ein Projekt der freiwilligen Selbstausbeutung.
Wer es dennoch materiell unterstützen will, hier wäre die Bankverbindung für Österreich:
Severin Groebner, Bawag, IBAN: AT39 6000 0000 7212 6709
Hier die jene für Deutschland:
Severin Groebner, Stadtsparkasse München, IBAN: DE51 7015 0000 0031 1293 64