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Mittwoch, 10. Juni 2026

Überraschender Vorstoß: Polen will seinen höchsten Staatsorden von Selenskyj zurück




Die polnische Forderung, Selenskyj den höchsten polnischen Orden abzuerkennen, ist ein besonders unhöfliches Symbol. Sie trifft nicht nur eine historische Frage, sondern die Person des ukrainischen Präsidenten und damit einen der wichtigsten politischen Repräsentanten des ukrainischen Widerstands gegen die Bedrohung Europas.

Natürlich verschwinden historische Wunden nicht von allein. Die Opfer der Wolhynien-Massaker und ihre Nachfahren durch die ukrainische UPA, deren Führungsspitze aus Stepan Bandera und Andryj Melnyk stand, dürfen nicht erwarten müssen, dass ihre Geschichte wegen der aktuellen geopolitischen Lage schweigt. Gerade ein enger Verbündeter müsse in der Lage sein, auch unbequeme Themen offen anzusprechen. Eine europäische Zukunft der Ukraine erfordere eine gemeinsame historische Aufarbeitung.

Aus polnischer Sicht ist das also keine „Hilfe für Putin“, sondern eine Frage der historischen Würde und der Ehrlichkeit zwischen Partnern. Die entscheidende Frage ist jedoch die politische Klugheit. Man kann durchaus zwei Dinge gleichzeitig für richtig halten: Die Verbrechen der ukrainischen UPA an der polnischen Zivilbevölkerung (darunter auch Juden) im Jahr 1943 müssen klar benannt werden. Die öffentliche Demütigung Selenskyjs während eines laufenden Verteidigungskrieges gegen Russland unter Bündnispartnern ist jedoch strategisch unklug.

Es gibt einen Unterschied zwischen einer gemeinsamen historischen Kommission, Forderungen nach Exhumierungen und Gedenkarbeit, einer diplomatischen Diskussion auf Regierungsebene und einem symbolischen Akt wie der Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers.  Der dürfte nur am Ende von gescheiterten Diskussionen stehen. Die Gespräche und Klärungsmaßnahmen wie einer Exhumierung laufen ja bereits.  

Gerade Polen hat seit 2022 eine außerordentliche Rolle gespielt: Millionen ukrainischer Flüchtlinge wurden aufgenommen, die militärische Unterstützung war erheblich, und die polnische Gesellschaft zeigte eine Solidarität, die viele für historisch hielten. 

Deshalb ist dieser Konflikt so befremdend: Er entsteht nicht zwischen Gegnern, sondern zwischen zwei Nationen, die angesichts der russischen Aggression eigentlich ein gemeinsames existenzielles Interesse haben. Verhandlungen laufen und Klärungen werden stattfinden.