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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Donnerstag, 5. März 2026

Französische Revolution: Die Begegnung. Ein angenommenes Gespräch zwischen Marat und Charlotte Corday

Die Begegnung

Charlotte Corday ermordet
Jean-Paul Marat (AI, gemeinfrei)

Paris, Sommer 1793. Die Stadt riecht nach Regen, Druckerschwärze und Angst. In den engen Gassen des Marais flüstern die Menschen Namen, die man besser nicht laut ausspricht. Einer davon ist Jean‑Paul Marat, der radikale Publizist, der aus seiner Badewanne heraus die Revolution mit Worten schärft wie andere ein Messer.

Charlotte Corday, eine junge Frau aus der Normandie, steigt die knarrenden Stufen zu seiner Wohnung hinauf. In ihrer Tasche liegt ein zusammengefalteter Brief – eine erfundene Liste von Verrätern, die sie vorgibt zu besitzen. Doch ihr eigentliches Ziel ist ein anderes: Sie will den Mann zur Rede stellen, dessen Schriften ihrer Meinung nach das Land ins Chaos stürzen.

Charlotte Corday (1768–1793)

Normannische Adlige und Unterstützerin der Girondisten. Sie sah im radikalen Kurs der Montagnards eine Gefahr für die Republik und entschloss sich 1793, Jean‑Paul Marat zu töten, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Am 13. Juli 1793 erstach sie Marat in dessen Wohnung. Vier Tage später wurde sie hingerichtet. Corday gilt als Symbolfigur des individuellen Widerstands gegen revolutionäre Radikalisierung.



Marat empfängt sie misstrauisch, aber neugierig. Sein Gesicht ist blass, die Haut von Krankheit gezeichnet. Er bittet sie, den Brief vorzulesen. Charlotte spricht ruhig, fast zu ruhig. Ihre Worte sind scharf, aber höflich. Sie beschreibt angebliche Verschwörer, doch immer wieder gleitet das Gespräch ab – hin zu Moral, Verantwortung, Schuld. Marat macht sich Notizen.

Marat verteidigt seine Schriften als notwendige Waffe gegen die Feinde der Freiheit. Charlotte fragt, wie viele Menschen noch sterben müssen, bis er zufrieden sei. Marat lächelt müde und sagt, dass die Revolution Opfer fordere. Charlotte antwortet, dass manche Opfer selbst gewählt seien. Für einen Moment schweigt der Raum. Nur das Tropfen des Wassers ist zu hören.

Corday: Die Provinz ist voller Unruhe. Männer sterben, weil Paris ihnen Verrat unterstellt.

Marat: Wenn sie sterben, dann weil sie Verräter sind. Die Republik ist jung und umstellt. Verrat ist tödlicher als jedes Messer.

Corday: Oder Ihre Feder ist tödlicher als jedes Messer. Ihre Listen, Ihre Aufrufe – Sie verlangen täglich neue Köpfe.

Marat: Ich verlange Gerechtigkeit. Die Revolution darf nicht von Aristokraten, Priestern und feigen Abgeordneten erdrosselt werden. Ein Volk, das sich nicht verteidigt, verdient seine Ketten.

Corday: Nein. Ein Volk, das seine Gegner ohne Maß tötet, zerstört seine Freiheit selbst. Die Revolution wurde für Rechte begonnen – nicht für Blut.

Marat: Rechte? Die Girondisten sprechen ständig von Rechten, während sie die Republik an die Feinde verkaufen. Die Freiheit muss zuerst überleben, bevor sie mild sein kann.

Corday: Sie nennen Mord Verteidigung. Sie nennen Terror Tugend. Ich sehe in Ihnen keinen Arzt der Republik – sondern ihr Fieber.

Marat: Und ich sehe in Ihnen eine Frau, die den Schmerz der Zeit nicht begreift. Die Revolution ist kein Salon in Caen. Sie ist ein Krieg.

Corday: Gerade deshalb muss jemand dem Blut Einhalt gebieten.

(Stille. Marat notiert weiter.)

Marat: Die Namen aus der Normandie – ich werde sie dem Konvent melden. In wenigen Tagen wird Frankreich von diesen Verrätern befreit sein.

Corday: Ja. Befreit ...

Charlotte erkennt, dass Marat nicht der Dämon ist, den sie sich vorgestellt hat – aber auch nicht der Mann, der innehalten würde. Seine Überzeugung ist unerschütterlich. In diesem Augenblick begreift sie, dass Worte allein ihn nicht aufhalten werden.

Jean‑Paul Marat (1743–1793)

Arzt, Journalist und eine der radikalsten Stimmen der Revolution. In seiner Zeitung Ami du Peuple griff er politische Gegner scharf an und forderte harte Maßnahmen gegen „Feinde der Republik“. Als Abgeordneter der Montagnards wurde er zur Leitfigur der Sansculotten. Sein Tod durch Corday machte ihn zum Märtyrer der revolutionären Linken und verstärkte die politische Polarisierung.

Marat hingegen spürt, dass seine Besucherin mehr ist als eine einfache Informantin. Ihre Ruhe irritiert ihn, ihre Entschlossenheit beunruhigt ihn. Er greift nach dem Brief, um ihn genauer zu lesen  und sieht im Augenwinkel, wie ihre Hand in die Tasche gleitet.

Er hebt den Blick.

Sie hält inne.

Ein stiller Moment, in dem beide wissen, dass einer von ihnen die Wohnung nicht lebend verlassen wird.

Die Nachbarn hören einen Schrei. Als sie die Tür aufbrechen, finden sie Charlotte reglos am Fenster stehen, während Marat schwer verletzt im Wasser liegt. Sie sagt nur einen Satz:

„Ich habe für den Frieden gehandelt.“

Die Wachen führen sie ab. Paris wird noch lange über diesen Tag sprechen – über Mut, Fanatismus, Gerechtigkeit und die Frage, ob ein einzelner Mensch den Lauf der Geschichte ändern darf.

(Vier Tage nach dem Attentat auf Jean‑Paul Marat wurde Charlotte Corday am 17. Juli 1793 in Paris durch die Guillotine exekutiert.)

Montag, 2. März 2026

Das letzte Telefonat zwischen Donald Trump und Ali Chamenei





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Die Leitung ist offen. Kein Rauschen. Keine Musik. Nur eine Stille, wie sie in alten Schriften steht, als ob der Himmel zuhörte. 

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Trump spricht zuerst: 
Ayatollah! Es gibt Momente, in
denen Geschichte innehält. Nicht aus Respekt –
sondern aus Furcht vor dem, was folgt.

Chamenei antwortet ruhig: 
Geschichte ist Staub. Sie wird mit dem Wind verweht.
Nichts bleibt von Ihrem Tun, Präsident. Nur Allahs Wort bleibt.


Trump zu sich selbst: 
Er spricht von Ewigkeit, als wäre Zeit sein Eigentum. 
Aber ich sehe Gesichter, die er nicht mehr sieht: Mädchen auf Asphalt getötet. 
Jungen an Kränen hängend. Gefängnishöfe, in denen kein Licht wohnt. 
Wenn es einen Gott gibt, dann ist er kein Beamter dieses Systems.


Sie haben Gott versiegelt, argumentiert Trump laut.
Ihn eingeschlossen in Gesetze, die nur Angst verwalten.
Sie haben seinen Namen über Gefängnistore geschrieben
und geglaubt, das sei Glaube.

Chamenei hebt leicht die Stimme: 
Allah lässt sich nicht benutzen.
Nicht von Ihnen. Nicht von Bomben.


Chamenei zu sich selbst: 
Warum zittert meine Hand? Ich habe gebetet. Gefastet. Gerichtet. Siebenundvierzig Jahre Ordnung. 
Siebenundvierzig Jahre Opfer. Oder war es nur Macht, 
die ich mit Allahs Namen verkleidet habe?

Ihr Koran, sagt Trump, spricht davon, dass
wer ein Leben tötet die ganze Menschheit tötet.
Sie haben das neu ausgelegt. Sie nennen
Mord Erziehung und Angst Stabilität.

Amerika ist Babylon, ruft Chamenei,
hochmütig, vergänglich.

Vielleicht, gibt Trump zu, aber Babylon fiel
nicht nur wegen seiner Sünde, sondern weil
es blind wurde für das Leid hinter seinen Mauern.


Stille. Als hätte jemand eine Waage angehalten.
Kein Engelwispern. Aber auch kein Donner. Nur ein Druck, 
Erinnerung wiegt schwerer als Feuer.



Iran wird nur stärker im Feuer, warnt Chamenei.
Allah prüft uns, aber er wird uns gnädig sein.


Sie lieben das Feuer, solange es andere verbrennt,
droht Trump, aber unser Feuer verbrennt Sie. Staaten
bestehen nur aus Fleisch und Blut. Und Ihr Staat
frisst und säuft sich selbst.


Dann wird Ihr Angriff Sie vor Allahs Gericht stellen,
sagt Chamenei leiser. Allah wird Sie richten
und uns als Sieger hervorgehen lassen.


Chamenei zu sich selbst: 
Wenn Allah fragt, wo warst du, 
als sie schrien? Was antworte ich? Dass das System größer
war als ich? Oder dass ich Angst hatte, es zu verlieren?



Vielleicht, gibt Trump zu bedenken. Aber Sie stehen dort schon.
Sie stehen vor Gericht, wegen jeder Frau, die Sie zum Schweigen zwangen.
Wegen jedem Kind, das Sie „Feind“ nannten.
Wegen jedem Namen, den man nicht mehr aussprechen darf.

Allah richtet am Ende der Zeit.
Er ist der Gerechte, sagt Chamenei.

Manchmal, antwortet Trump, richtet Gott auch in der Zeit.
Immer dann, wenn es notwendig ist. Und Gott und ich
haben einen guten Draht zueinander.


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Ein Klicken. Kein Auflegen. Einfach eine Unterbrechung.

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Sonntag, 1. März 2026

Französische Revolution: Robespierre und die Todesstrafe

 

Maximilien de Robespierre
mit seiner Deklaration
(1758-1794)

Als die Déclaration des droits de l’homme et du citoyen 1789 bereits verabschiedet war, wurde in der Nationalversammlung der französischen Revolutionäre über eine Frage gestritten, die viele überraschte:

Darf ein Staat Todesstrafe verhängen, wenn er das Recht auf Leben als unveräußerlich erklärt hat?

Die Mehrheit der Abgeordneten hielt die Todesstrafe weiterhin für notwendig – aus Gründen der Abschreckung und Staatsräson.

Maximilien de Robespierre trat ans Rednerpult und sagte sinngemäß (nach zeitgenössischen Mitschriften):

„Der Tod ist kein Recht, das der Staat verleihen oder entziehen darf. Wenn das Gesetz tötet, leugnet es sich selbst.“

Ein Abgeordneter unterbrach ihn spöttisch:

„Wollen Sie also den Mördern das Leben schenken,
während ihre Opfer tot sind?“

Robespierre antwortete kühl:

„Nein.
Ich will dem Gesetz verbieten, das zu tun,
was es den Bürgern verbietet.“

Im Saal entstand Unruhe. Einige lachten, andere applaudierten. Ein konservativer Deputierter rief:

„Das sind schöne Worte – aber keine Politik!“

Darauf Robespierre:

„Die Revolution ist genau dazu da,
damit Moral Politik wird.“


Robespierre argumentierte konsequent aus den Menschenrechten heraus – auch gegen den Staat selbst.
Er gehörte zu den frühesten prominenten Gegnern der Todesstrafe in Europa.

Nur zwei Jahre später rechtfertigte derselbe Mann den revolutionären Terror als „notwendige Tugend“.
Zeitgenossen bemerkten diesen Widerspruch bitter. Ein Abgeordneter soll später gesagt haben:
„Er wollte das Leben heiligen – und machte es heilig, indem er es opferte.“

Oper Frankfurt: »Written on Skin« - Interview mit Regisseurin Tatjana Gürbaca und Bühnenbildner Klaus Grünberg