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Sonntag, 15. März 2026

1817-1820: Die Draissche Laufmaschine als Vorbote des Fahrrads - eine Geschichte

Baron Karl von Drais Laufmaschine vor dem Mannheimer Schloss


Der Nachmittag lag warm und golden über der Chaussee zwischen Schwetzingen und Mannheim, als Karl von Drais mit seiner Laufmaschine durch die Kurpfalz dahinglitt. Der Fahrtwind brachte ihm jene Klarheit, die er nur beim Fahren empfand – eine Klarheit, die ihn von der Welt entfernte und zugleich näher zu sich selbst führte.

Doch diesmal war er nicht allein. Eine Kutsche stand am Wegesrand, die Pferde unruhig, der Kutscher ratlos. Und neben dem Wagen – die Hände in die Hüften gestemmt, als wolle sie dem Universum persönlich die Meinung sagen – stand eine Frau, deren Präsenz die Atmosphäre veränderte.


Antoinette Girard

Keine Adlige, kein Komet aus höfischen Sphären – sondern eine junge Straßburger Händlerin, unterwegs nach Heidelberg, mit einer Stimme wie frisch geschliffenes Glas und einem Blick, der alles erfasste, was sich lohnte. Nicht klassisch schön, aber anziehend auf jene Art, die aus Lebenserfahrung, Witz und einer gewissen Furchtlosigkeit entsteht.

Sie musterte die Laufmaschine mit einem Ausdruck, der zugleich neugierig, belustigt und herausfordernd war. „Sie müssen der Herr sein, der mit diesem Ding schneller ist als ein Postreiter“, sagte sie, ohne jede Förmlichkeit.

„Karl von Drais“, erwiderte er und verneigte sich leicht.

„Antoinette Girard“, stellte sie sich vor. „Ich bin mit Waren unterwegs nach Heidelberg, aber unser Rad hat beschlossen, sich in zwei Teile zu verabschieden.“ Sie deutete auf die Kutsche. „Und da dachte ich mir: Wenn Sie schon so ein Wunderwerk fahren, vielleicht können Sie auch ein Kutschenrad beurteilen.“

Drais lächelte. „Ich kann es versuchen.“

Doch bevor er sich der Kutsche zuwandte, umrundete sie die Laufmaschine – langsam, prüfend, mit dem Blick einer Frau, die gewohnt war, Dinge anzufassen, zu reparieren, zu verhandeln. „Also das hier“, sagte sie und tippte mit zwei Fingern gegen den Lenker, „ist eine feine Sache. Aber zu niedrig.“

„Zu niedrig?“

„Für Frauen.“ Sie sah ihn an, als sei das die offensichtlichste Erkenntnis der Welt. „Wenn Sie wollen, dass Ihre Erfindung sich durchsetzt, müssen Sie die andere Hälfte der Menschheit auch mitdenken.“

Drais blinzelte. Nicht wegen der Idee – sondern wegen der Selbstverständlichkeit, mit der sie sie aussprach. „Eine Frau auf einer Laufmaschine?“, fragte er.

„Warum denn nicht?“ Sie trat näher, und er roch den Duft von Leder, Seife und einem Hauch Lavendel. „Ich trage Säcke, ich handle mit Männern, die doppelt so groß sind wie ich, und ich fahre Kutschen, wenn’s sein muss. Glauben Sie wirklich, ich könnte nicht laufen und gleiten zugleich?“

Er musste lachen. „Ich glaube, Madame, Sie könnten alles.“

„Dann bauen Sie eine, die auch für uns taugt“, sagte sie. „Eine, die nicht nur für Herren mit zu viel Zeit und zu wenig Fantasie gemacht ist.“

Etwas in ihm vibrierte – nicht romantisch, nicht sehnsüchtig, sondern geistig. Sie sprach nicht wie eine Dame aus einem Salon. Sie sprach wie jemand, der wusste, was möglich ist, wenn man es einfach tut.

Die Kutsche wurde wieder flottgemacht. Antoinette stieg ein, doch bevor sie die Tür schließen ließ, beugte sie sich noch einmal vor. „Wenn Sie nach Heidelberg kommen – suchen Sie mich. Ich will sehen, ob Sie’s ernst meinen.“ Die Tür fiel zu. Die Pferde setzten sich in Bewegung. Die Kutsche wurde kleiner, der Staub legte sich. Und sie war fort.

Nicht wie ein Komet – aber wie ein Funke, der ins Stroh fällt und etwas entzündet, das man nicht mehr löschen kann. Drais blieb stehen, die Hände am Lenker. Er wusste: Vielleicht würde er sie nie wiedersehen. Aber das spielte keine Rolle. Denn sie hatte etwas in ihm ausgelöst, das niemand zuvor berührt hatte: den Gedanken, dass seine Erfindung nicht nur nützlich sein konnte – sondern bedeutend.

Noch am selben Abend stand er in seiner Werkstatt. Die Luft roch nach Holz, Leim und Eisen. Doch diesmal sah er seine Laufmaschine anders. Nicht als technische Herausforderung, sondern als Möglichkeit. Er begann zu skizzieren. Ein höherer Lenker. Ein leichterer Rahmen. Eine Maschine, die nicht nur gefahren, sondern auch geführt wird.

Und während er arbeitete, hörte er ihre Stimme:
„Warum denn nicht?“
„Sie unterschätzen uns.“
„Bauen Sie eine, die auch für uns taugt.“

Er arbeitete nicht für eine Gräfin. Nicht für die Gesellschaft. Sondern für eine Idee, die Antoinette Girard, eine Händlerin, in ihm entzündet hatte. Eine Idee, die ihn nicht mehr losließ.

Die Tage nach der Begegnung mit Antoinette Girard vergingen wie im Rausch. Drais arbeitete, als hätte jemand eine unsichtbare Feder in ihm gespannt. Er schlief wenig, aß kaum, und wenn er sprach, dann nur mit sich selbst oder mit den Linien seiner Skizzen.

Doch etwas war anders als zuvor. Er arbeitete nicht mehr nur an einer Maschine. Er arbeitete an einer Idee. Und diese Idee hatte eine Stimme. Eine Stimme mit Straßburger Klang, warm und direkt: „Wenn Sie wollen, dass Ihre Erfindung sich durchsetzt, müssen Sie uns mitdenken.“


1818 – Die ersten Verbesserungen

Im Frühjahr 1818 stand die erste überarbeitete Laufmaschine vor ihm. Sie war leichter, eleganter, mit einem etwas höheren Lenker, ausreichend Sattel, besser ausbalanciert und – ohne dass er es laut aussprach – für kleinere Körper geeignet.

Er wusste, dass er damit etwas tat, was noch niemand bedacht hatte: Er baute eine Maschine, die nicht nur für Männer gemacht war. Als er sie zum ersten Mal auf die Straße schob, spürte er eine seltsame Mischung aus Stolz und Nervosität.

Er dachte an Antoinette. Ob sie wohl lachen würde? Oder staunen? Oder beides?


Die ersten neugierigen Blicke

In Mannheim blieb er nicht unbemerkt. Die Menschen kannten ihn inzwischen – den „Laufmaschinen‑Baron“, wie manche spöttisch sagten. Doch diesmal war etwas anders. Eine Gruppe junger Frauen, die vom Markt kamen, blieb stehen.

„Ist das die Maschine, von der man spricht?“, fragte eine. „Die, die schneller ist als ein Pferd?“, fragte eine andere.

Drais nickte – und zum ersten Mal in seinem Leben fragte er nicht, ob sie zusehen wollten. Er fragte: „Möchten Sie es ausprobieren?“ Die Frauen sahen sich an, überrascht, verlegen, dann wieder neugierig.

Schließlich trat eine vor – eine Schneiderstochter, kaum zwanzig. „Ich kann’s ja mal versuchen“, sagte sie und lachte. Sie setzte sich auf den Sattel, unsicher, aber entschlossen. Drais hielt die Maschine, erklärte kurz die Balance – und dann lief sie los.

Unsicher zuerst. Dann schneller. Dann mit einem Lachen, das über die Straße hallte. Die anderen Frauen klatschten. Ein paar Männer schüttelten die Köpfe. Ein alter Herr murmelte etwas von „Unsinn“ und „Weiberkram“. Doch Drais sah nur eines: Es funktionierte. Die Maschine trug sie. Und sie trug sie gut.

Noch am selben Abend erzählte die Schneiderstochter im Gasthaus davon. Am nächsten Tag probierte eine Bäckerin die Maschine aus. Dann eine Kaufmannsfrau. Dann eine junge Witwe. Nicht viele. Nicht öffentlich. Aber genug, dass Drais begriff: Die Zukunft seiner Erfindung lag nicht nur in den Händen der Männer.


Die Reise nach Heidelberg

Einige Wochen später machte er sich auf den Weg nach Heidelberg – mit der verbesserten Maschine und einem Gedanken, der ihn nicht losließ. Vielleicht würde er Antoinette wiedersehen. Vielleicht würde sie die Maschine ausprobieren. Vielleicht würde sie ihm sagen, ob er auf dem richtigen Weg war. Doch selbst wenn nicht – sie hatte etwas in ihm ausgelöst, das größer war als eine Begegnung.

Sie hatte ihm gezeigt, dass eine Erfindung erst dann Bedeutung hat, wenn sie Menschen erreicht, die bisher übersehen wurden.

In Frankreich – das wusste er inzwischen – hatten Mechaniker bereits begonnen, leichtere Damenmodelle zu bauen. In England erschienen Karikaturen von Frauen auf "Draisinen". Und in Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe flüsterte man bereits: „Habt ihr gehört? Eine Frau ist damit gefahren.“

Es waren nur wenige. Es war nur ein Anfang. Aber es war ein Anfang. Und Drais wusste, die Idee, die Antoinette in ihm entzündet hatte, könnte Erfolg haben.


Wiedersehen auf dem Markt

Der Weg nach Heidelberg führte Drais durch Dörfer und Felder, bis er schließlich den Marktplatz erreichte. Es war einer dieser lebendigen Vormittage, an denen Händler riefen, Kinder lachten und der Duft von frischem Brot und Pferden in der Luft lag. Zwischen den Ständen drängten sich Menschen, Körbe, Karren – und irgendwo in diesem Gewirr hoffte er, eine Stimme wiederzuerkennen.

Er schob seine verbesserte Laufmaschine vorsichtig durch die Menge. Und dann hörte er sie.
„Nein, das ist zu teuer, und das wissen Sie ganz genau! Ich kaufe Ihnen doch nicht den halben Rhein ab!“ Er musste lächeln. Antoinette Girard. Sie stand an einem Stand mit Stoffballen, die Hände in die Hüften gestemmt, den Händler mit einer Mischung aus Spott und Verhandlungskunst in die Knie zwingend. Als sie sich umdrehte, sah sie ihn – und ihr Gesicht veränderte sich sofort.

„Baron von Drais!“, rief sie, als hätte sie einen alten Freund entdeckt. „Oder soll ich sagen: der Mann, der mir eine bessere Maschine versprochen hat?“ Er verneigte sich leicht. „Ich habe Wort gehalten.“

Er schob die Laufmaschine ein Stück vor. Antoinettes Augen weiteten sich – nicht überrascht, sondern erfreut, fast stolz, als hätte sie selbst daran mitgearbeitet. „Sie haben den Lenker erhöht“, stellte sie fest. „Und den Rahmen erleichtert. Und die Balance verbessert.“

Sie ging um die Maschine herum, prüfend, wie damals an der Chaussee. „Sie haben tatsächlich zugehört.“
„Ich habe gelernt“, sagte Drais.
Sie lachte – ein warmes, freies Lachen, das einige Marktbesucher neugierig werden ließ. „Dann lassen Sie mich sehen, ob sie hält, was Sie versprechen.“

Bevor er etwas sagen konnte, hatte sie schon den Rock leicht gerafft, den Fuß auf den Boden gesetzt und sich mit einer Selbstverständlichkeit auf den Sattel geschwungen, die einige Frauen erschrocken und einige Männer empört dreinblicken ließ.

„Halten Sie kurz fest“, sagte sie. Er tat es – doch kaum hatte sie die Balance gefunden, stieß sie sich ab. Sie fuhr. Unsicher für einige Herzschläge. Dann sicherer. Dann mit einer Geschwindigkeit, die den Markt kurz verstummen ließ. Ihr Lachen hallte über den Platz, hell und ungebändigt. „Das ist ja wunderbar!“, rief sie, während sie eine Runde um die Brunnenkante zog. „Leicht wie ein Tanz!“ Kinder liefen hinter ihr her. Frauen sahen ihr nach – einige mit Neugier, andere mit einem Funken Mut. Ein alter Mann murmelte etwas von „neuer Zeit“, aber ohne Groll.

Antoinette bremste, stieg ab und stellte die Maschine vor Drais ab, als wäre sie ein Pferd, das sie gerade eingeritten hatte. „Sie haben es geschafft“, sagte sie. „Das ist nicht nur eine Maschine. Das ist Freiheit.“ Drais spürte, wie sich etwas in ihm löste – ein Knoten, den er nicht bemerkt hatte. „Sie waren der Grund, warum ich weitergedacht habe.“

„Dann denken Sie weiter“, sagte sie und legte ihm kurz die Hand auf den Arm. „Denn wenn Frauen das fahren können – dann kann es jeder.“ Sie sah sich um, als würde sie den Markt mit neuen Augen betrachten. „Und glauben Sie mir: Die Welt ist bereit dafür. Auch wenn sie es noch nicht weiß.“

Drais nickte. Er wusste, dass sie recht hatte.  


Antoinette und Drais fahren gemeinsam

Der Markt hatte sich wieder beruhigt, doch die Menschen warfen noch immer verstohlene Blicke auf Antoinette – die Frau, die gerade auf einer Laufmaschine gefahren war, als sei es das Natürlichste der Welt. Antoinette selbst stand da, die Hände auf den Hüften, die Wangen gerötet, die Augen glänzend. „Also, Baron“, sagte sie, „wenn das kein Fortschritt ist, dann weiß ich auch nicht.“

Drais lächelte. „Es freut mich, dass sie Ihnen gefällt.“

„Gefallen?“ Sie schnaubte belustigt. „Ich will noch eine Runde.“ „Dann fahren wir zusammen“, sagte er, ohne lange nachzudenken. Sie hob eine Augenbraue. „Zusammen?“
„Warum nicht?“, erwiderte er – und merkte, dass er ihre eigenen Worte benutzte. Antoinette lachte. „Na schön. Aber wenn ich zu dicht aufrücke, erzählen Sie’s niemandem.“ „Ich werde schweigen wie ein Grab.“
Sie stellte sich neben ihn, und gemeinsam schoben sie die Laufmaschine an den Rand des Marktes, wo der Weg breiter wurde und die Menge sich lichtete. Ein paar Kinder folgten ihnen, neugierig wie Spatzen. „Bereit?“, fragte Drais und schwang sich auf die Maschine. „Ich bin immer bereit“, sagte Antoinette und schwang sich hinten auf den Sattel.
Zuerst rollten sie langsam, um die Balance zu halten. Antoinette war konzentriert, aber nicht ängstlich –  der Platz auf dem Sattel war nicht gerade groß. Sie hielt sie sich einfach an seinen Hüften fest, mit diesem natürlichen Gefühl für Bewegung, das man nicht lernen konnte. Drais lief ein Prickeln den Rücken hinunter, er kam sich geradezu revolutionär vor. Nach ein paar Metern wurde ihr Haltung besser, ihr Rücken aufrechter, ihr Lächeln breiter. „Das ist ja herrlich!“, rief sie.

„Sie machen das ausgezeichnet“, sagte Drais. „Ich mache alles ausgezeichnet, wenn man mich lässt.“ Sie half ein wenig mit den Füßen, und er passte sich an. Die beiden glitten über den Weg, im Gleichschritt sozusagen, vorbei an Ständen, an erstaunten Gesichtern, an einem Hund, der bellend hinterherlief. Die Sonne lag warm auf ihren Schultern, und für einen Moment schien die Welt stillzustehen – nur das rhythmische Stoßen ihrer Schritte und das sanfte Rollen der Räder war zu hören.

„Sehen Sie?“, rief Antoinette. „Das ist Freiheit!“ „Ja“, sagte Drais. „Das ist sie.“

Sie fuhren eine kleine Schleife um den Brunnen, und als sie zum Stehen kamen, atmete Antoinette tief ein, als hätte sie gerade etwas Großes begriffen. „Baron“, sagte sie, „wenn Frauen das fahren können – dann wird die Welt sich ändern.“ „Ich hoffe es“, antwortete er. „Nicht hoffen“, sagte sie und tippte ihm gegen die Schulter. „Bauen. Weiterbauen.“ 

Er nickte. „Das werde ich machen.“ Sie stieg mit einem Aufsehen erregenden Schwung ab, stellt sich an sein Seite und sah ihn an – nicht bewundernd, nicht schmeichelnd, sondern mit diesem klaren, direkten Blick, der ihn schon an der Chaussee getroffen hatte. „Und wenn Sie wieder in Straßburg sind“, sagte sie, „bringen Sie mir eine eigene Laufmaschine mit.“ „Das verspreche ich.“
Sie grinste. „Gut. Denn ich habe vor, die Erste zu sein, die damit durch die Altstadt fährt.“

Drais lachte – und wusste, dass sie es ernst meinte. Und während sie gemeinsam die Maschine zurück zum Markt und Brunnen schoben, spürte er, dass dies nicht nur eine Probefahrt gewesen war. Es war ein Vorgeschmack auf etwas Größeres. Etwas, das er selbst noch nicht ganz greifen konnte. Aber Antoinette konnte es. Sie sah die Welt, wie sie sein könnte – und er begann, sie mit ihren Augen zu sehen.


Der Geschmack von Freiheit

Die Sonne stand hoch, der Platz war voller Stimmen, Menschen schauten zu ihnen herüber, und zwischen ihnen entstand eine kleine Insel der Ruhe.

Antoinette strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Wissen Sie, Baron… ich glaube, Sie haben etwas geschaffen, das größer ist als Sie selbst.“ „Das hoffe ich“, sagte Drais. „Aber ich fürchte, nicht jeder sieht das so.“ Sie lachte trocken. „Oh, das sehe ich. Die Blicke eben? Die Hälfte der Leute war empört, dass ich selbst und mit Ihnen gefahren bin. Die andere Hälfte war empört, dass Sie mich fahren ließen.“ „Einige Adlige halten die Laufmaschine für eine Gefahr“, sagte Drais. „Nicht wegen der Geschwindigkeit. Sondern wegen der Idee dahinter.“ „Weil sie Menschen unabhängig macht“, ergänzte Antoinette.

Er nickte. „Ein Mensch, der sich selbst fortbewegen kann, ohne Pferd, ohne Kutsche, ohne Diener…, das ist ein freier Mensch.“ „Und freie Menschen sind schwerer zu regieren“, sagte sie mit einem spitzbübischen Funkeln. Drais sah sie an. „Sie sprechen von Demokratie.“ „Ich spreche von Gleichberechtigung“, erwiderte sie. „Demokratie ist nur ein anderes Wort dafür, dass niemand über anderen steht, nur weil er in einem besseren Bett geboren wurde.“ Er schwieg einen Moment. „Sie wissen, dass solche Gedanken gefährlich sein können.“ „Nur für die, die Angst vor ihnen haben.“

Sie setzte sich auf den Brunnenrand, die Hände locker im Schoß. „Ich komme aus Straßburg. Wir haben Revolutionen gesehen, Barrikaden, Hunger, Hoffnung. Wir haben erlebt, wie Menschen aufstanden – und wie andere sie wieder niederdrückten. Aber eines habe ich gelernt: Freiheit ist wie Wasser. Man kann sie stauen, aber nicht für immer.“

Drais setzte sich neben sie. „Ich habe nie über Politik nachgedacht. Ich wollte nur etwas bauen, das funktioniert.“
„Und jetzt bauen Sie etwas, das verändert.“
Er sah auf seine Hände, die noch leicht vom Fahren zitterten. „Ich wollte nie ein Revolutionär sein.“
„Das müssen Sie auch nicht“, sagte Antoinette. „Manchmal reicht es, eine Idee zu haben, die andere weiterträgt.“ Sie deutete auf die Laufmaschine. „Das hier ist mehr als Holz und Eisen. Es ist ein Werkzeug. Für Bewegung. Für Freiheit. Für Menschen, die bisher nur laufen konnten, wohin andere sie ließen.“
Drais sah sie an. „Sie meinen Frauen.“
„Frauen. Kinder. Alte Menschen. Händlerinnen wie ich. Leute ohne Pferd, ohne Geld, ohne Namen.“ Sie lächelte schief. „Ja, vor allem Frauen. Wir sind die Hälfte der Welt, Baron. Aber man behandelt uns, als wären wir ein lästiger Anhang.“
„Ich habe nie darüber nachgedacht“, sagte er leise.
„Dann fangen Sie an.“ Sie stand auf, ging zu der Laufmaschine und legte die Hand auf den Lenker. „Wenn Sie wollen, dass Ihre Erfindung Zukunft hat, dann muss sie für alle sein. Nicht nur für Männer mit Titeln.“
„Sie sprechen mutig.“
„Ich spreche wahr.“
Er trat zu ihr. „Und wenn die Adligen sich empören? Wenn die Bürger protestieren? Wenn man mich einen Narren nennt?“
Antoinette zuckte mit den Schultern. „Dann wissen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind.“
Er musste lachen. „Sie machen es mir leicht.“
„Nein“, sagte sie. „Ich mache es Ihnen klar.“ Sie sah ihn an, ernst und warm zugleich. „Die Zukunft gehört nicht denen, die sie fürchten. Sondern denen, die sie bauen.“
Drais spürte, wie sich etwas in ihm festigte – ein Gedanke, der vorher nur ein Gefühl gewesen war.„Dann werde ich weiterbauen.“
„Gut“, sagte Antoinette. „Denn ich habe vor, eines Tages nicht nur über Märkte zu laufen, sondern auch über Grenzen.“
„Mit einer Laufmaschine?“
„Mit der Freiheit...“ Sie lächelte – und in diesem Lächeln lag die ganze Zukunft, die sie meinte.

Antoinette stellte sich noch eine Weile zu der Laufmaschine, als müsse sie sich vergewissern, dass das, was sie gerade erlebt hatte, wirklich geschehen war. Drais sah, wie sie mit den Fingern über den Lenker strich – nicht zärtlich, sondern prüfend, wie jemand, der ein Werkzeug beurteilt, das er bald selbst benutzen will.
„Baron“, sagte sie schließlich, „Sie müssen mir versprechen, dass das nicht das letzte Mal war.“
„Das verspreche ich“, antwortete er. Sie nickte zufrieden. „Gut. Dann sehen wir uns in Straßburg wieder.“
„In Straßburg?“
„Natürlich. Ich bin in zwei Wochen wieder dort. Und wenn Sie mir wirklich eine eigene Maschine bauen wollen – dann bringen Sie sie dorthin.“ Sie sagte es mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Widerspruch zuließ.
Und Drais merkte, dass er gar keinen einlegen wollte. „Wo finde ich Sie?“, fragte er.
„Auf dem Kléberplatz“, sagte sie. „Jeden Markttag. Und wenn Sie mich nicht sehen – fragen Sie nach mir. In Straßburg kennt man mich.“ Sie grinste, schwang ihren Korb über die Schulter und verschwand in der Menge, als hätte sie den Wind im Rücken. Drais blieb zurück – mit einer Idee, die größer war als er selbst, und einem Ziel, das plötzlich klar vor ihm lag.


Der Auftritt in Straßburg

Drais hielt sein Versprechen. Zwei Wochen nach ihrer Begegnung in Heidelberg stand er vor seiner Werkstatt, während zwei Knechte die neue Laufmaschine und seine eigene vorsichtig in eine Reisekutsche hoben. Das Modell war leichter, eleganter und stabiler als alle vorherigen – und es war unübersehbar für Antoinette gebaut.

Die Reise nach Straßburg dauerte zwei Tage. Die Kutsche holperte über Landstraßen, durch Wälder und über Brücken, während Drais immer wieder prüfte, ob die Maschinen sicher verzurrt waren. Er wollte nicht riskieren, dass auch nur ein Kratzer die erste Fahrt trübte.

Als er schließlich die Stadt erreichte, war alles voller Menschen. Er kam in die Nähe des Kléberplatzes, aber nicht weiter und fand sie auch nicht leicht. Händler riefen, Kinder liefen, und mitten im Gewimmel stand plötzlich Antoinette – die Hände in die Hüften gestemmt, als hätte sie gewusst, dass er genau in diesem Moment eintreffen würde.

„Baron!“, rief sie und kam ihm entgegen. „Sie sind endlich da!“

Als Drais die Plane der Kutsche zurückschlug und die neue Laufmaschine sichtbar wurde, blieb Antoinette wie angewurzelt stehen. Einen Moment lang sagte sie nichts. Ihre Augen wanderten über den Rahmen, den höheren Lenker, die glatten Linien – und dann wieder zu ihm.

„Baron…“, begann sie, doch ihre Stimme versagte kurz. Sie trat einen Schritt näher. Dann noch einen.
Ihre Hand glitt über das Holz, prüfend, fast ehrfürchtig. „Sie haben sie wirklich gebaut“, sagte sie leise. „Für mich.“

Drais nickte. „Ich habe mein Wort gehalten.“

In diesem Augenblick brach etwas in ihr auf – eine Mischung aus Überraschung, Stolz und einer Freude, die sie nicht zurückhalten konnte. Sie lachte, hell und frei, und bevor Drais überhaupt reagieren konnte, war sie schon bei ihm. Sie warf die Arme um ihn. Nicht zaghaft. Nicht zögerlich. Sondern mit der ganzen Kraft eines Menschen, der selten etwas geschenkt bekommt – und es umso mehr zu schätzen weiß. Drais erstarrte einen Herzschlag lang, überrascht von der Unmittelbarkeit dieser Geste, die er beim gemeinsamen Verwenden des Laufrades in Heidelberg schon spürte. Dann entspannte er sich, legte vorsichtig eine Hand an ihren Rücken, unsicher, aber bewegt.

„Danke“, sagte sie in seine Schulter. „Wirklich… danke.“

Als sie sich löste, war ihr Blick warm und lebendig, ihre Wangen gerötet, ihr Lächeln so strahlend, dass es den ganzen Kleberplatz bei Nacht hätte erhellen können. „Baron von Drais“, sagte sie, „Sie haben mir ein Stück Freiheit gebracht. Und ich werde Ihre Maschine fahren, bis ganz Straßburg es gesehen hat.“

Sie griff nach dem Lenker ihrer neuen Laufmaschine – und diesmal war es nicht nur ein prüfender Blick. Es war der Blick einer Frau, die wusste, dass ihr Leben gerade tiefer und weiter geworden war.  

Zum Klang der Glocken vom Straßburger Münster, dem Duft von frischem Brot und dem Stimmengewirr eines Marktes, der größer war als jeder, den Drais bisher gesehen hatte, führte Antoinette ihn durch die engen Gassen, vorbei an Händlern, die sie mit einem Nicken begrüßten, und Kindern, die ihr nachliefen wie einer älteren Schwester.

„Hier“, sagte sie schließlich und blieb auf dem großen Platz vor dem Münster stehen. „Wenn wir die Leute überzeugen wollen – dann hier.“

Drais sah sich um. Der Platz war voll Händler, Bürger, Studenten, Reisende. Ein idealer Ort für eine Vorführung. Ein gefährlicher Ort auch. „Sind Sie sicher?“, fragte er.

„Baron“, sagte Antoinette und klopfte ihm auf die Schulter, „wenn wir es hier schaffen, schaffen wir es überall.“ Sie stellte ihre Laufmaschine in die Mitte des Platzes. Ein paar Köpfe drehten sich. Ein paar Stimmen wurden leiser. Dann trat Antoinette vor. 

„Mesdames et Messieurs!“, rief sie mit einer Stimme, die selbst die Tauben auf dem Münsterdach aufhorchen ließ. „Heute sehen Sie etwas völlig Neues. Etwas, das die Welt verändern wird.“

Drais spürte, wie sich die Menschen versammelten. Neugier. Skepsis. Spannung. Antoinette setzte sich auf die Laufmaschine – mit derselben Selbstverständlichkeit wie damals auf dem Markt in Heidelberg.

Ein Raunen ging durch die Menge. „Eine Frau?“, murmelte jemand. „Das ist doch Unsinn“, sagte ein anderer. „Das ist gefährlich!“, rief eine ältere Dame. Doch Antoinette lächelte nur. „Gefährlich ist nur die Angst vor dem Neuen.“ Sie stieß sich ab.

Und der Platz hielt den Atem an. Sie fuhr eine Runde um den Brunnen, dann eine zweite, schneller, sicherer. Ihr Rock wehte, ihr Lachen hallte über den Platz. Kinder jubelten. Frauen klatschten. Männer riefen erstaunt. Drais sah, wie sich die Stimmung veränderte – von Skepsis zu Staunen, von Staunen zu Begeisterung. Doch nicht bei allen. Eine Gruppe von Männern in dunklen Mänteln, Bürger, Kaufleute, zwei Adlige rumorten. Ihre Gesichter waren hart, ihre Augen schmal.

„Das ist ein Skandal“, sagte einer.
„Eine Frau auf so einem Gerät – das ist gegen die Ordnung.“
„Das ist Revolution“, knurrte ein anderer. „Und Revolution beginnt immer mit solchen Kleinigkeiten.“
Sie traten vor. „Hören Sie sofort auf!“, rief einer der Adligen. „Das ist unanständig!“

Antoinette bremste, stieg ab – und sah ihnen entgegen wie jemand, der sich nicht einschüchtern lässt. „Unanständig?“, fragte sie. „Weil ich fahre? Oder weil ich etwas kann, das Sie nicht können?“
Ein empörter Aufschrei ging durch die Gruppe.
„Sie gefährden die öffentliche Ordnung!“, rief ein Bürger.
„Sie verführen die Jugend!“, rief ein anderer.
„Sie untergraben die natürliche Ordnung zwischen Mann und Frau!“, rief der Adlige.
Antoinette verschränkte die Arme. „Die natürliche Ordnung? Ich sehe hier nur Männer, die Angst haben.“
Die Menge begann zu murmeln – einige zustimmend, andere nervös.
Der Adlige wurde rot. „Ich werde die Polizei holen!“
„Tun Sie das“, sagte Antoinette ruhig. „Ich habe nichts getan außer fahren.“
Die Männer stoben auseinander, um die Wache zu holen.

Drais trat zu ihr. „Antoinette… vielleicht sollten wir—“
„Nein“, sagte sie. „Jetzt nicht zurückweichen. Nicht heute.“
Sie stellte sich neben die Laufmaschine, als wäre sie ein Banner.

Die Menge wuchs. Einige klatschten. Einige riefen „Encore!“
Einige schüttelten die Köpfe.

Dann kamen die Polizisten. Zwei Gendarmen bahnten sich einen Weg durch die Menge. Der Adlige folgte ihnen triumphierend.
„Diese Frau“, sagte er laut, „hat die öffentliche Ordnung gestört und sich eines unweiblichen Verhaltens schuldig gemacht.“
Der Hauptmann sah Antoinette an.
Dann sah er die Laufmaschine.
Dann sah er die Menge.

„Madame“, sagte er schließlich, „haben Sie jemanden verletzt?“
„Nein.“
„Haben Sie Eigentum beschädigt?“
„Nein.“
„Haben Sie gegen ein Gesetz verstoßen?“
Antoinette lächelte. „Nicht dass ich wüsste.“
Der Hauptmann wandte sich an den Adligen. „Monsieur, es gibt kein Gesetz gegen das Fahren einer… wie nennen Sie das?“
„Laufmaschine“, sagte Drais.
„Einer Laufmaschine“, wiederholte der Hauptmann. „Und es gibt kein Gesetz, das Frauen verbietet, sich fortzubewegen.“

Die Menge lachte.
Der Adlige wurde noch röter. „Aber das ist…, das ist…“, stammelte er.
„Neu“, sagte der Hauptmann. „Und das ist nicht verboten.“

Er wandte sich an Antoinette. „Madame, fahren Sie vorsichtig.“
„Immer“, sagte sie und verneigte sich leicht.
Die Gendarmen gingen.
Der Adlige blieb zurück, besiegt, aber nicht überzeugt.

Doch die Menge – die Menge war gewonnen. Jemand begann zu klatschen. Dann noch jemand. Dann der ganze Platz.

Antoinette stand da, die Hände an der Laufmaschine, und nahm den Applaus entgegen wie jemand, der wusste, dass er gerade etwas Bedeutendes getan hatte.

Drais trat neben sie. „Sie haben Geschichte geschrieben“, sagte er leise. „Nein“, sagte Antoinette. „Wir haben Geschichte geschrieben.“ Und sie nahm ihn einfach an der Hand.

Und in diesem Moment glaubte Drais, dass seine Erfindung nicht mehr aufzuhalten war.
Nicht wegen ihm. Sondern wegen Menschen wie ihr. Aber leider irrte er. Die Gegner nahmen zu, und ab 1920 verschwand die Laufmaschine/Draisine weitgehend aus dem öffentlichen Straßenbild. Sie wurde vielerorts verboten wegen Unfällen, Spott, politischen Unruhen, galt als Modeerscheinung der Jahre 1817–1820. Sie war zu schwer, unbequem und ohne Pedale – ein Spielzeug der frühen  Mobilitätsgeschichte. Ab den 1830ern kamen neue technische Entwicklungen auf, z. B. Tretkurbel‑Experimente, Hochräder, und um 1850 war die Draisine ein äußerst seltenes Verkehrsmittel. Aber Karl von Drais hatte das Zweirad verwirklicht und den Grundstein für die heutigen Fahrräder gelegt.

(Copyright Text: Stefan Vieregg M.A.)



Sonntag, 4. November 2018

Jetzt in Mannheim: Born to be Blue - enjoy jazz Cinema

Odeon Kino, Mannheim  

Die „Icon of Cool“ Chet Baker (1929 – 1988) gilt als wohl einer der prägnantesten, aber auch umstrittensten Trompeter der Jazz-Geschichte. Sein lyrisches Spiel zeichnete sich durch eine aufs Essentielle verdichtete, fast schon abstrakte Melancholie und Fragilität aus. Als Mitglied des Gerry Mulligan Quartet war Baker Anfang der 1950er Jahre berühmt geworden, doch seine von der Presse spekulativ ausgeschlachtete Heroinsucht verhinderte eine entsprechende künstlerische Weiterentwicklung. Die Karriere Bakers war ein Auf-und-Ab voller Katastrophen und Comebacks, Enttäuschungen und überraschender Geniestreiche. Robert Budreaus „Born to be blue“ (2015) behandelt zwar eine nur kurze, aber dafür besonders aussagekräftige Episode der Biografie des Musikers und mischt dabei munter Fakt und Fiktion. Im Rahmen einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit seinem Dealer verliert der Trompeter, gespielt von Ethan Hawke, 1968 seine vorderen Zähne und steht vor dem Ende seiner musikalischen Karriere und dem finanziellen Ruin. Doch Chet Baker gibt nicht auf, er macht den Entzug, kämpft sich 1973/74 zurück auf die Bühne und erspielt sich die Aufmerksamkeit der Jazzszene. Unterfüttert wird der Plot mit einer romantischen Liebesbeziehung. „Born to be blue“ spürt nicht nur nach den Gründen für Bakers Drogensucht, sondern lässt auch dessen Musik aufleben.




Sonntag, 22. Juli 2018

Bürgerinitiative Neuro-Kids: Ergebnisse und Sommerfest



(c) Neuro-Kids

Liebe Freunde und Wegbegleiter!

Anstrengende Wochen liegen hinter uns, in denen wir uns intensiv mit den neuen Herausforderungen der DSGVO auseinandergesetzt haben. Auf alle Vereine kam nun noch mehr Verwaltungsarbeit hinzu. Wertvolle Zeit, die oft von der Entwicklung neuer Projekte abgeht. Ob sich die Initiatoren der DSGVO dies so genau überlegt hatten? Wir haben da so unsere Zweifel. Aber alles Jammern hilft nicht - es musste umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang haben wir gleich ein paar Neuerungen auf der Website umgesetzt und den Flyer neu aufgesetzt. Besuchen Sie doch unsere Website oder schauen Sie auf Facebook bei uns rein. Wir freuen uns auf Sie!


Einen herrlichen Sommer wünscht Ihnen 

Ihre Samina Shazi-König 

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Datenschutz DSGVO
Wir haben den Stichtag der Umsetzung der DSGVO am 25.05.2018 zum Anlass genommen, um unseren Flyer und unsere Website entsprechend anzupassen. Auch interne Abläufe und die Sicherung Ihrer personenbezogenen Daten haben wir den Vorgaben folgend angepasst. 
Haben Sie Fragen zur DSGVO? Sprechen Sie uns an.* kontakt@neurologisch-krankes-kind.de 

*Mit dem Absenden Ihrer Anfrage erklären Sie sich mit der Verarbeitung Ihrer angegebenen Daten zum Zweck der Bearbeitung Ihrer Anfrage einverstanden

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Herzliche Einladung - Sommerfest der Neuro-Kids

Wir möchten Sie ganz herzlich zu unserem diesjährigen Sommerfest einladen. Wir treffen uns am Samstag, den 21.Juli um 15.00 Uhr im Herzogenriedpark in Mannheim. Sie finden uns auf der großen Wiese in der Nähe des Kinderspielplatzes. Für Essen und Trinken ist reichlich gesorgt. Wir freuen uns auf Sie! 
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Nach "lieben" ist "helfen" das schönste Zeitwort der Welt.
B.v. Suttner

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Jonathan Zelter, der am 12. Mai 10 Familien mit neurologisch erkrankten Kindern einen unvergesslichen Konzertabend im Capitol in Mannheim geschenkt hat.
  
(c) Neuro-Kids
Der Gartenverein Mallau e.V. aus Mannheim hatte im Rahmen des Glühweinfestes fleißig für den guten Zweck gesammelt. Wir freuen uns, dass wir zusammen mit einer weiteren Einrichtung eine Spende in Höhe von 350,00 Euro entgegen nehmen durften. Vielen Dank auch an unsere Botschafterin Marianne Bade, sie hatte uns als Spendenempfänger empfohlen. 
(c) Neuro-Kids

Herzlichen Dank an XXXLutz, Volker Michels, Herrn Stefanov und vor allem dem Newcomer-Stern am Songhimmel, Jonathan Zelter, für das wunderbare Charity-Konzert mit Verzicht auf die Gage zu Gunsten der Kinderherzstiftung und der Neuro-Kids! 
(c) Neuro-Kids







Herzlichen Dank an die Stiftergemeinschaft der "Bülent Ceylan für Kinder Stiftung" für die großzügige Spende in Höhe von 3.000 € zu Gunsten unserer Neuro-Kids, mit der wir nachhaltig unsere Arbeit vorantreiben können! 







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Donnerstag, 23. November 2017

Drohnenperspektive: Ludwigshafen a.Rh.





Vorsicht mit Nachahmung: Solche Startplätze und Höhen wie gezeigt
sind nur mit Sondergenehmigungen und geeignetem Gerät möglich.
Unsachgemäße Handhabung der Drohnen kann zu Unfällen 
mit Personen- oder Sachschaden am Boden führen.



Mittwoch, 31. Mai 2017

Mannheim: Neuer Schauspielintendant im Gespräch


Christian Holtzhauer                (c)  Candy Welz
Ein potenzieller Nachfolger für den scheidenden Schauspielintendanten Burkhard C. Kosminski ist gefunden: Ab der Spielzeit 2018/2019 soll Christian Holtzhauer die Schauspielsparte am Nationaltheater Mannheim (NTM) leiten. Dafür hat sich heute der Kulturausschuss in einer nichtöffentlichen Sondersitzung ausgesprochen. Die endgültige Entscheidung fällt in der nächsten Gemeinderatssitzung am 27. Juni. Der gebürtige Leipziger ist seit 2013 als künstlerischer Leiter des Kunstfestes Weimar tätig und soll zum 1. September 2018 nach Mannheim wechseln. Die Stelle ist auf fünf Jahre befristet.

„Mit Christian Holtzhauer gewinnen wir einen Schauspielintendanten, dessen Biografie und konzeptionelle Ansätze zu unserer Stadt und der Aufgabe sehr gut passen“, so Oberbürgermeister Dr. Kurz. Auch Kulturbürgermeister Michael Grötsch ist überzeugt, mit Holtzhauer einen versierten Dramaturgen und Bühnenkenner gefunden zu haben. „Seine bisherigen beruflichen Stationen bieten beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Leitung der Schauspielsparte des Nationaltheaters.“ Die kulturpolitischen Sprecher der im Kulturausschuss vertretenen Fraktionen und Gruppierungen hatten Mitte Mai unter Leitung von Bürgermeister Grötsch Auswahlgespräche geführt und sich auf Holtzhauer als Nachfolger verständigt.

Holtzhauer war von 2011 bis Anfang 2017 Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft e.V., einem Netzwerk von Theatermachern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und aller Produktions- und Organisationsformen des Theaters. Durch dieses Amt, das Holtzhauer auf eigenen Wunsch abgegeben hat, ist er bestens in der Theaterlandschaft vernetzt. Von 2005 bis 2013 war er Dramaturg und Projektleiter am Staatstheater Stuttgart. Auf den Wechsel nach Mannheim und die neuen Aufgaben freue er sich. Die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Intendanten der anderen Sparten sieht er als Voraussetzung für den Erfolg der Schauspielsparte und damit des gesamten Hauses. Mit der Arbeit am NTM verbindet Holtzhauer ein klares Ziel: „Es soll sich eine programmatische Handschrift herausbilden, eine Mannheimer Dramaturgie, die es ermöglicht, das Schauspiel des NTM lokal zu verorten und die gleichzeitig für überregionale Wahrnehmung sorgt.“

Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski ist im April dieses Jahres ans Staatstheater Stuttgart berufen worden und verlässt das NTM im Juli 2018. Dort war er seit 2006 erfolgreich tätig, zunächst als Schauspieldirektor und seit März 2013 als Schauspielintendant und Betriebsleiter. Zudem war er seit 2006 künstlerischer Leiter der Schillertage.

Donnerstag, 24. November 2016

Wie war's bei MAYER HAWTHORNE in Mannheim? (Enjoy Jazz 2016)

(c) Stefan Vieregg

Mayer Hawthorne ... Wer das ist? Noch nie gehört? Dann wird's Zeit, allerdings nur, wenn sie so richtig US-amerikanische Musik und fast -urtypische Shows mögen. Aber der 37-jährige Musiker und Falsettsänger macht daraus natürlich eine Persiflage. Er mimt den Whisky trinkenden US-Macho, Marke Nordstaatler, den Nerd, Showmaster Mister America und viele mehr. Kein Kitsch, und schon gar keine Langeweile! 

Bei Enjoy Jazz Rhein-Neckar eingebucht, Jazz ist es nicht gerade, Elemente aus dem Funk Jazz vielleicht, aber egal, alles irgendwie neu und gut, deswegen nah an den Jazzscouts in unbekannten Gefilden, da ist er zugelassen, aber doch schon Bekanntes dabei und verführerisch zum Tanzen. Auch Liebhaber anderer Musikstile finden den gebürtigen Kaukasier gut, so die Rapper, zum Beispiel Snoopy Dog, obwohl Mayer, das ist in den USA resp. Michigan ein VORNAME, ganz andere Musik macht. Eine Mischung aus frischer aufgepeppter und veränderter Vintage Philadelphia Nostalgie der 1970er, White + Black Soul, Curtis Mayfield, ein Brise Earth Wind & Fire, Commodores und irgendwie ein bisschen den Show-Zappa.  
(c) Stefan Vieregg

Allerdings ist er auch eigen, was die Zeiten betrifft. Wer lässt schon unentschuldigt seine Fans eine Stunde in der Halle stehen, wo es nicht einen Sitzplatz gab? Die Alte Feuerwache Mannheim hatte sich in kompletter Länge auf einen Abtanz- und Fetzabend eingestimmt. Die erste Stunde war schwach, DJ Kurs spielte sich langsam warm, aber Stimmung brachte das nicht. Nicht wenige Leute aus den USA waren da, sie kennen ihren Mayer schon Jahre, viele junge Fans um die 20 bis 30, und beachtlich angetreten die guten alten Oldies aus der Gerade-schon oder Noch-nicht-Renten-Zeit.


Mayer Hawthorne verbindet, seine Nachname ist die Straße in der er in Ann Arbor, Michigan, aufwuchs, dort allerdings als Andrew Mayer Cohen. Und er gibt viel, unermüdlich turnt er über die Bühne, an der Seite seiner reizvollen Background- und Partnerstimme, seiner Musiker. Mal gibt er als Obertrommler den Ton mit Paukenschlägen bei den Drums an, mal reißt er die Gitarre mit dem Bassgitarristen um die Wette. Immer was los bei Mayer H., er bringt Stimmung mit einfachen Tricks rein, und schon machen alle mit. Auch seine Videos sind so individuell, übertrieben amerikanisch. Mit viel Humor nimmt er die dortige Gesellschaft auf den Arm.



Liebe, und was davon übrig bleibt


Donnerstag, 3. November 2016

Wie war's bei FAKEAR in der Alten Feuerwache Mannheim? (Enjoy Jazz 2016)

(c) Stefan Vieregg
Wenn man Fakir hört denkt man unweigerlich an die netten Nageluntergünde, die einem die vielgepriesene Nervenstimulation und Kreislaufzirkulation verschaffen sollen. Die Anwender kontemplativ auf absolute Körper- und Selbstbeherrschung ausgerichtet. FAKEAR ist doch etwas anderes, die Wortschöpfung erinnert noch am meisten an Fake und hear, denn alle Sounds werden gefaked, verändert und imitiert. Die elektronische Musik des Franzosen Théo Le Vigoureux, besagter Fakear, ist dennoch konzentriert und stimulierend für Nerven und Muskeln zugleich, weil jeder mitmachen und seinen Body bewegen will. Am 29. November 1991 in Caen (Normandie) geboren, ist der junge Komponist, Songwriter und Musiker ein konsequenter Anwender der elektronischen Musik für gute Stimmung. Es gibt ja viele "Elektroniker", die recht unhörbare Musikexperimente anbieten, Théo LV macht ein unterhaltsames Tanzvergnügen mit teils anspruchsvoller, teils simpler Ohrwurm-Musik draus.

Mit geschickter Beherrschung der Tasten und Sinn für dynamische Rhythmen entlockt er seiner MPC = Music Production Center, ehemals MIDI Production Center, so heißen die Kompositions- und Mischmaschinen vom Originalhersteller Akai, überzeugende Titel mit reichlich Effekten, umrahmt von passenden Lichtspielen. Extreme Bässe und tosendes Aufschäumen von Klangwelten werden mit leicht zu merkenden Melodien und Texten (Bababadubaba) gemischt - und schon dopst der/die Zuhörer/in als unermüdlicher Gummiball vor der Bühne. Letzten Samstag in der Mannheimer Feuerwache ein schönes Vergnügen für vielleicht 100 Leute, die einfach gerne in elektronischen Gewässern mit Esprit baden. Ein Ausflug ins jazztypische Experimentieren, ohne noch große Bezüge zum Jazz zu haben.

FAKEAR hat tatsächlich einen akademischen Musikhintergrund: Beide Eltern sind Professoren der Musik, die ihn ermunterten mehrere Instrumente zu lernen, darunter Saxophon, Gitarre, Violine, Klavier. Im Gymnasium gründete er eine Ska-Punk-Band mit fünf Freunden einschließlich Gabriel, der heute solo als SUPERPOZE unterwegs ist. Théo LV verließ die Gruppe 2013, um danach solo sieben EP und 2016 das erste Album "Animal" zu produzieren.

Für alle Interessenten: Er komponiert mit der Software REASON vom Entwickler Propellerhead Software für Windows und OS X, kompatibel mit der MIDI-Software. Die Einreihung in die multiplen Strömungen der EBM (Electronic Body Music), die schon in den 1970ern mit Can und Klaus Schulze, Kraftwerk und DAF, Jean Michel Jarre und anderen begann und recht bunt diversifizierte, fällt schwer. Elemente aus Synth-Pop, Indie, Rock, Electro, Wave, Beat, Techno, Trance paaren sich zu einer bemerkenswerten Mischung.

Montag, 9. November 2015

Wie war's bei der Premiere von ALPHA-OMEGA von Kevin O'Day in Mannheim?




Eines der Meisterwerke des Balletts am NTM ist ALPHA-OMEGA von Kevin O'Day mit seiner Premiere am 6. November 2015 geworden. Zum Ende der 14. Spielzeit der jetzigen Ensemblekonstellation und Aufgabe des alten Labels präsentierte der Ballettintendant und Choreograph zusammen mit seinem Kevin O'Day Ballett in Mannheim eine hervorragende Arbeit mit dem New Yorker Komponisten John King, dem Bühnen- und Kostümdesigner Thomas Mika, dem New Yorker Lichtdesigner Mark Stainley, Fotoarbeiten in Videoprojektion des Mannheimer Fotografen Peter Schlör und dem Kinderchor des Mannheimer Nationaltheaters.

(c) Hans Jörg Michel
John King, der für bedeutende Auftraggeber wie die Ballettensembles aus New York, Stuttgart und Monte Carlo komponiert und selbst Opern geschrieben hat, so Herzstück/Heartpiece nach einem Text von Heiner Müller, La belle captive nach Alain Robbe-Grillet und Dice Thrown nach Stéphane Mallarmé kam in 2015 noch mit Piano Vectors für 6 Flügel in New York zur Uraufführung. Er arbeitet seit 20 Jahren mit Kevin O'Day zusammen.

Thomas Mika, ein studierter Musiktheater-Regiesseur, hat mit 25 sein erstes Kostüm- und Bühnenbild für das Staatsballett Berlin geschaffen, arbeitet mit bedeutenden Ballettcompagnien zusammen und hat mit ALPHA-OMEGA seine vierte Kooperation mit Kevin O'Day. Er erhielt von O'Day die Gedichte FOUR QUARTETS von T.S. Eliot zusammen mit dem Auftrag und nutzte diese Inspirationsquelle, besonders die Gedichte SHIFTING STAR und SHAFTS OF SUNLIGHT, sowie die allgemeinen Impressionen von Landschaft.  Seine Idee der Lichtschächte am linken Bühnenbildrand gibt der Bühne etwas Martialisches, sie spucken allerdings ganz friedlich nur Licht und Sterne aus ... Die Sterne aus den Schächten werden zum begehrten Objekt, Kommunikationsmittel und Spielzeug.

Mark Stanley ist Associate Professor für Lichtdesign an der Bostson University und hat allein für 190 Premieren des New York City Balletts das Licht gestaltet. In satter Ausleuchtung ohne Aufdringlichkeit bekommt alles eine hohe Brillianz. Die Fotomotive von Thomas Schlör in Videoprojektion geraten so dominant in den Fokus des Zuschauers und bilden Kulisse für das Tanzgeschehen.

Kevin O'Day lässt vor Beginn seiner träumerischen Bühnenmetapher zu Geburt, Leben und Tod von einzigartigen Wesen, die wohl durch die Sterne im Universum symbolisiert werden, die Besucher 10 Minuten vor Beginn im Foyer abholen. Als singende Boten (eventuell T.S.-Elliot-Verse) strömen die Kinder in die wartende Menge und sammeln langsam alle Besucher. Gemeinsam betreten sie das Schauspielhaus, die Boten voraus. Die Zuschauer erwartet eine riesige Bühne mit Tiefe, Helligkeit wie bei Vollmond und ein bühnenbreiter Brunnen. Die Sonnenlichtschächte zur Linken und überall Sterne auf dem Boden. Ein Baum von Schlör überdimensional und wie beim Großteilepuzzle nicht vollständig auf den Zwischenwänden. Der Chor nimmt Platz am Wasser wie kleine buddhistische Mönche im Schneidersitz, allerdings in Weiß (alte Herrenoberhemden bewusst als "Kutten", das Gebrauchte). Die Verteilung der Sterne beginnt, Paare fangen an zu tanzen, eines spielt am Wasser, anderen liegen zwischen den Sternen, 1 Tänzer trinkt in biblischer Theatralik. Die von der Art her serielle Musik wandelt sich vom klassischen Streich-Quartett-Charakter zu experimenteller, elektronisch verzerrter. Spalier für Solotanz, ineinandergreifende Ketten von Tänzern, wildes Treiben zu aufleuchtenden Sonnenlichtschächten, kreuz und quer rennende Tänzer zur Auflösung von statischen Bildern sind Bausteine der Choreografie. Immer wieder rastet ein Paar am Wasser.

Alles eilt einem Höhepunkt entgegen, der im Jazzgesang von Antonia Schuchardt erreicht ist. Das Ende der Dinge, "The last days of fire and sun", kommt an, regungslose Tänzer aufgereiht am Boden, am Bühnenrand unterhalb des projizierten Baums bewegen sich Tänzer in einer Reihe wie bei einem ekstatischen Ritt oder wie bei einer rituellen Handlung zur an sich monoton-seriellen, dennoch rhythmischen Musik. Während sich eine Reihe immerzu verbeugt, bilden sich lose Gruppierungen auf der Bühne, am Ende dann eine Zeugenreihe der Tänzer, das Quartett betrachtend, mit dem Rücken zu den Zuschauern. In ihrem Rücken tanzen verschiedene Solotänzer und final fast das ganze Ensemble im Brunnen, die anderen davor hockend und die Wasserspiele unterstützend. Der Traum ist vorbei ...

(c) Hans Jörg Michel


Ein wirklich großartiges letztes Stück des Kevin O'Day Balletts, überzeugend, ästhetisch, spannend, mit fesselnder Musik in einem ungewöhnlichen Bühnenbild. Absolute Begeisterung bei den Premierengästen.


Montag, 19. Oktober 2015

Wie war's bei LISA FITZ - "Weltmeisterinnen - gewonnen wird im Kopf"?

Lisa Fitz als Putzfrau Hilde                           (c) Stefan Vieregg


Lisa Fitz, seit rund 32 Jahren mit bissig-bayrischem Kabarett auf der Bühne, und noch länger als Schauspielerin und Sängerin, hat im Mannheimer Capitol gezeigt, dass man auch mit 64 Jahren noch locker ein unterhaltsames Programm mit einigen Speerspitzen in alle Richtungen zelebrieren kann. Kein giftiger Biss, der zum überraschten Nachdenken zwingt, aber viele Probleme, bei denen die Leute sagen: Genau, so sehe ich das auch! Und wie viele Frauen haben bei all den eindringlichen Frauenproblemen mit den Männern aufgelacht, endlich sagt das mal wieder jemand frei und frech von der Bühne runter!

"Weltmeisterinnen - gewonnen wird im Kopf", das ist der Titel des aktuellen Programms. Die Frauenfiguren Hilde Eberl, Putzfrau, die Feministin Inge von Stein in Leder, die verführerische Geheimagentin Olga Geheimnikowa wie aus einem billigen Film und die CSU-Abgeordnete Gerda Wimmer im schrillen Landei-Look sollen Weltmeisterinnen in ihrem Universum sein. Jedenfalls haben sie die große Klappe dazu. Falls das nicht, dann wenigstens kollektive Weltmeisterinnen im Fußball. Männer sind passé, bei allen. Na ja, Olga noch ein bisschen. Die erste tratscht ein bisschen beim Arbeiten, die zweite hat kapiert, dass das Abhören eine Katastrophe ist, die dritte betont, dass die Geostrategie nach wie vor die Taktik der Stunde ist, und Gerda erkennt, dass Bayern arabisch wird.

Bei Hilde wissen wir gleich, wo's lang geht, die Lage der Politik eindeutig offen auf dem Tisch: "Politiker gehen nicht arbeiten, und wir nicht wählen." Kein Wunder, dass so viel Stuss passiert. Gerade das mit dem Radio-frequency identification (RFID)! Wahrscheinlich demnächst ab Geburt zur Abrechnung an allen möglichen Orten bereits implantiert, zum Beispiel beim Discobesuch freies Konsumieren, und bei Mama läuft die Rechnung auf. Nichts mehr von all dem Aufbegehren der Hilde-Zeitgenossen früher, Widerstände, Demos, Glaubenskriege, nein, die Generation, die damals schon lieber Wirt, Postler, Bahner oder Polizist wurde, gibt es heute noch mehr. Böse, böse: Wer nix kann und nix ist wird Polizist, hieß es damals. Dazu ein Liedchen.

Inge ist Journalistin mit Magister, schreibt Kritiken, und zwar kräftige, so dass es häufig zu Auseinandersetzungen kommt. Sie ist von der Kommunikationswelt entsetzt, die Kinder simsen sich am Tisch schweigend Gespräche zu. Vorteil: Es erzieht und hält ruhig! Für Erwachsene ist das Handy das beste Kontrollinstrument. Der Abhörspion sitzt nicht in den USA, sondern "in der Jackentasche"! Alles wird geortet und überprüft, auch die Kinder oder umgekehrt, müsste man hinzufügen, und dennoch nur verschwindend kleine Terroristen-Funde ... Unsere Kommunikation und Überwachung hat sich gravierend geändert, auch für den "ferngesteuerten Hosenanzug" Angela M. in Berlin. Wir als Verbraucher sind letztlich nur noch Laborratten mit Geldbeutel. Alle Überwachung nur Wirtschaftsspionage ... Das perfekte Bild des Verbrauchers wird also gesucht, das steht dahinter! Auch ein Indiz für die elektronische Überbetonung: Ip-Adressen gibt es so viele pro mm², dass man aufpassen muss, nicht Millionen beim Gehen zu zerstören.

Olga macht klar, dass alle Überwachung in Russland noch stärker ist. Wäre unser Reichstag fest in russischer Hand,  würde er leuchten vor lauter Wanzen. Außerdem beschäftigt man sich viel mit Geostrategie, vor allem die der USA, um es dann selbst auch richtig zu machen. Fitz macht hier keinen Schlenker zu der aktuellen geostrategischen Absurdsituation Syrien, wo wochenlang unkoordiniert zwischen den Großmächten ganz andere Interessen verfolgt wurden als IS-Bekämpfung. Beide Mächte am Strategiepunkt Öl und Mittelmeerzugang. Die einen Richtung Krim, die anderen Richtung Gibraltar. Ärgern soll sich immer der Dritte bei der Geostrategie, laut Olgas Definition, das wäre hier Syrien, die ihren Konflikt nicht verlassen sollen (dürfen). Hat die rebellische Opposition in Syrien das Geld, Waffen, Know-how der Amerikaner zur IS getragen, ist Assad keinen Schritt weiter. Soll so sein? Die Achse beginnt bereits im Irak und und dem Öl und geht durch bis Kasachstan und dem Öl. Und auf dieser Achse gibt es Konflikte, an denen beide basteln. Drogengeschäfte der ganz großen Art noch dazwischen. Wie wahr ... Die US-Politik erscheint als überzeugte Aktion, Demokratie in die Länder zu bomben, wo Öl ist. Ob die gegenwärtige Flüchtlingssituation auch damit zusammenhängt, dass dem Alkohol in Europa - wir haben ja nationale Hauptdrogen und unterschiedliche Fahnen, die uns unterscheiden - stark zugesprochen wird? Lisa Fitz via Olga sagt nichts darüber, dass er stumpf im Verstand macht und so manches verschleiert.

Und Gerda? Als (wie sich später rausstellt) fast schon anarchistisches Mitglied in der CSU weiß sie, dass die Partei alles fest in der Hand hat. Vom frühen Praktikum bei der CSU für die Schüler bis zum Horstifat, das man sich bei den Migranten abgeschaut hat. Sie glaubt erst an wahre Emanzipation und Arabisierung, wenn der Mann hinter der Frau läuft, eine Trachtenburka auf dem Markt ist und wenn alle zum Dauerslogan "Hopfen und Malz, Allah erhalt's" übergehen. Der Pfarrer als Muezin vom Kirchturm sowieso! Im Übrigen ist der Landtag nebst seinen männlichen Vertretern so stur, dass Frecking unterm Fundament wirklich Sinn machen würde.

Und zuletzt Lisa Fitz als Vorleserin eines eigenen Textes, der die wahren Grabenkämpfe zwischen den Geschlechtern und erzkonservative Sturköpfigkeit beleuchtet: "Salz fehlt!" Die Verweigerung, dem Ehemann Salz zu holen, führt zu wahren Abgründen, alle beteiligen sich an dieser sinnlosen Diskussion, auch die Kinder, Frontenbildung und Spannung, in der der echte Sturkopf drauf beharrt: "Die Frau holt das Salz!" Die Wurzel vielerlei Übels, vom Frauenunterdrückung bis Fremdenfeindlickeit. Nur Frauenpower kann den Unsinn abstellen. 

Ein runder Abend, unterbrochen mit harmlosen Liedern, der so vieles bestätigt, manches nicht angesprochen und ganz Krasses weggelassen hat. Großer Beifall der Fans im komplett besetzten Capitol für eine immer noch streitbare Kabarettistin, die nicht an Rente denkt.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Wie war's bei PAOLO FRESU und DANIELE DI BONAVENTURA in Mannheim?

(c) Stefan Vieregg

(c) Stefan Vieregg

Am Dienstagabend, dem 06.10.2015, traten Paolo Fresu und Daniele di Bonaventura im Rahmen von Enjoy Jazz 2015 in der Alten Feuerwache in Mannheim auf. Ganz sich ihren eigenen Ressourcen überlassend erforschten sie eine breite Palette von musikalischen Traditionen zwischen Argentinien, Italien und Deutschland. Selbst ein Thema aus Puccinis La Bohème, liturgische Musik, Stücke des legendären chilenischen Barden Victor Jara and des uruguayischen Liedermachers Jaime Roos, Musik des neapolitanischen Komponisten Ernesto de Curtis, “O que sera” des Brasilianers Chico Buarque, sardische Volksmusik und vieles mehr werden zitiert und angespielt.

Daniele Di Bonaventura hat viel Zeit darauf verwandt, Jazz und lateinamerikanische Traditionen zusammenzubringen, und Paolo Fresu bringt seine europäisch-sardisch-italienischen Traditionen mit und formierte sie zu einer exponierten Stellung innerhalb der lyrischen Stimmen des zeitgenössischen Improvisierens.

Mit seiner Trompete und seinem Flügelhorn spielt Fresu Zeitgenössisches, zitiert Miles Davis, kommt mit Pastoralem und Klassischem. Sein nachdenkliches Flügelhorn, die romantische oder lebendige Trompete verbreitet eine Magie und Anziehungskraft, die ihresgleichen sucht. Und er bewegt sich wie ein Taucher im Mittelmeer ohne Hilfsmittel mindestens zwei Minuten unter Wasser ... mit einem nicht enden wollenden Ton entlockt er seiner Lunge Reserven enormen Ausmaßes. Typisch auch seine angestrengte Embryohaltung, worin er wirkt, wie in wenigen Sekunden nach vorne oder hinten abrollend. Mit Sordine und elektronischem Hallverstärker schafft er mit dem grandiosen Bandoneonspiel von Daniele di Bonaventura eine raumfüllende Akustik, die aus Dialogelementen von Instrumenten und Hall besteht, so wie unter anderen Pierre Boulez ganze Stücke komponiert hat.

Der geniale Bandoneonspieler Daniele di Bonaventura eröffnet uns ungewohnte Weiten des Erlebens, vom argentinischen Tangocafé und dieser unvergleichlichen melancholisch-lebendigen Seelenstimmung, bis zum europäischen Narrativ der Südeuropäer. Saluzzi, Volksfest, Feierlaune der Italiener - alles ist in jedem Atemzug seines Spiels zu spüren und dennoch wischt alles nur vorüber wie eine kurze Impression, um einer anderen Platz zu machen.

Die Beziehung zwischen den Musikern und Instrumenten wechselt zwischen den Attributen Nähe und Fern, Laut und Leise, Dominanz und Begleitung, Melancholie und Lebensfreude, Tänze und Meditation, Geselligkeit und Einsamkeit.
(c) Stefan Vieregg
(c) Stefan Vieregg

Ein großartiger Abend mit zwei sensiblen und großartigen Musikern vor einem vollem Saal. Die beiden letzten beeindruckenden Alben waren MISTICI MEDITERRANEO und IN MAGGIORE.





Montag, 14. September 2015

Mannheim: Das Nationaltheater meldet sich aus den Theaterferien zurück und startet in seine 237. Spielzeit


Nach einer sechswöchigen Sommerpause beginnt am heutigen 14. September am Nationaltheater endlich wieder der Spielbetrieb! Die Vorbereitungen laufen ab heute wieder auf Hochtouren, bevor am Mittwoch, 16. September Türe und Tore für das Publikum der Theater Sneak geöffnet werden. Das Schauspiel startet gleich am Donnerstag, 17. September um 19.30 Uhr mit Lutz Hübners Phantom (ein spiel) mit der ersten Premiere der neuen Spielzeit. Am 20. September steht das neue Ensemblemitglied Carmen Witt bei der Wiederaufnahme von Homo faber auf der Bühne des Schauspielhauses.

Am Freitag, 18. September steht in der Oper die Wiederaufnahme des Erfolgsmusicals Blues Brothers – Unterwegs im Auftrag des Herrn auf dem Spielplan, gefolgt von der Wiederaufnahme Turandot  unter der musikalischen Leitung von GMD Dan Ettinger am 19. September.

Am Sonntag, 20. September sind Mitglieder des Opernensembles beim Eröffnungskonzert Der Ring an einem Abend von Loriot unter der musikalischen Leitung von Alois Seidlmeier zu hören.

www.nationaltheater-mannheim.de; Kartentelefon: 0621 – 16 80 150


Samstag, 20. Juni 2015

Wie war's bei der WALLENSTEIN-Trilogie in Mannheim?

Thekla Wallenstein und Max Piccolomini, Buttler im Ledergehrock, Wallenstein vorne rechts
(c)  Matthias Horn

Friedrich Schillers "Wallenstein" wurde 1798/99 in Weimar uraufgeführt, was dem Theater Erfurt in Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar 2015 genug Anlass war, eine mehrstündige Inszenierung (durch Hasko Weber) zu wagen, die Schiller aktualisieren, ihn in die Jetztzeit holen soll. Eine Aufführung davon war bei den 18. Schillertagen in Mannheim zu sehen, die wieder frech, bunt und spritzig Konservatives und Hyperprogressives mischen. Unkonventionelle Inszenierungen setzen natürlich immer mehr in Bewegung als die anderen.

So ist die Wallenstein-Trilogie aus Weimar/Erfurt im Gefolge großer Versuche, z.B. in Mannheim (Rimini-Protokoll) und Berlin (Peter Stein), trotz modernisiertem und aussagekräftigem Bühnenbild von Thilo Reuter, trotz Attacken auf das Abwartende im Zuschauer aufgrund des spröden Textes und Inhalts mittels kriegerischer, aggressiver und überlauter Hallowach-Musikpassagen (Sven Helbig), trotz interessanter Einfälle in der Inszenierung und schauspielerischer Leistungen auch zähe Kost.

Das Stück ist zu lang, obwohl es Umbaupausen gibt, die Spannung kommt nur bedingt zum Tragen, die Dramatik mancher Szenen geht unter in Zitaten von Botho Strauß' unverbindlicher Gesprächs- und Handlungstechnik. Es kommt einfach kein Wind auf, obwohl der Anfang noch Hoffnung zulässt. Fantastisch mit einem großen Kreuz als Zeichen für den historischen Hintergrund, den 30-jährigen Krieg, die große Abschlachterei ohne Sinn und Ziel, auch Start- und Sprungrampe ins Kriegsgetümmel ist. Soldaten rennen bei Einsetzen der lauten Musik mit Trommeln und Schießgeräuschen, die zum Kämpfen rufen, die Rampe hinauf und springen ins Getümmel, in den Tod (?), während das Kreuz leuchtet wie die Neonreklame einer Diskothek. Der Zeitvertreib, das Amüsement werden hier angesprochen, wobei es die andere Seite des Vergnügens darstellt, die hochperverse, mordende, raubende, vergewaltigende und dreckige Seite. Eine Straßendirne ist ein Mann mit blonder Perücke und wird brutal misshandelt. Die Kirchen mit zwei gebrechlichen Bischöfen karikiert, um deren Lehre willen ja das Verbrechen stattfindet. Ein Konfessionskrieg der übelsten Sorte zwischen Katholiken und Protestanten.

Der Krieg ist zum Zeitpunkt des fiktiven Geschehens im Winter 1633/34 nach 16 Jahren etwa bei der Halbzeit angelangt, und die tatsächlichen politischen Tendenzen waren Abfallen der Franzosen und Verbünden mit den protestantischen Schweden gegen das katholische Österreich. Wallenstein (überzeugend gespielt von Dominique Horwitz) wollte das Schlachten abstellen und Böhmen den Frieden bringen, war aber politisch viel zu früh mit seinen Bestrebungen. Der Kaiser misskreditierte alle Versuche, die Schweden zu unterstützen, mit ihnen Friede zu schließen, mit ihnen zu paktieren. Das war auch Wallensteins historisches Schicksal.
Wallenstein und seine Mörder         (c)  Matthias Horn

Realiter wurde er durch ein Geheimgericht verurteilt, abgesetzt und sollte von seinen Generälen Aldringen, Gallas und Piccolomini (nur der erscheint im Stück) tot oder lebendig ausgeliefert werden. Da Wallenstein seine Offiziere noch einmal auf sich vereidigen konnte, die Heere aber wegen des Verrats unruhig wurden, kam es unter dem Kommando des Schotten Walter Bu(t)tler (mit einem t mehr Sebastian Kowski) und des Franzosen Walter Deveroux (Jonas Schlagowsky) doch zur Ermordung Wallensteins mit einer Lanze (25. Februar 1634). Im Stück hängt als Ankündigung des Mordes gegen Ende ein von einer Lanze durchbohrtes Pferd kopfüber von der Decke. Ein Pferd war zu dieser Zeit sehr viel wert, es entscheidete über Leben und Tod. Es ist auch ein Zeichen für den Herzog, den obersten Befehlshaber, der ja Wallenstein zweimal in seinen Kriegsjahren war, der nun kopfüber (tot) handlungsunfähig ist.

Die Soldaten laufen allesamt mit Hinweisen auf österreichisch-deutsche militärische Vergangenheit herum, die Nazizeit immer angedeutet mit Uniformen, Schriftzügen auf den T-Shirts, wobei auch der schwedische Oberst, mit dem Wallenstein verhandelt, in eine SS-Gala-Uniform gesteckt wurde (ohne Abzeichen natürlich). Die Machtbesessenheit und Blindheit aller Seiten ist klar erkennbar, der Wille zur Macht allüberall. Auch die Verdorbenheit der hohen Offiziere im Dienste ihres Kreuzes deutlich herausgestellt: Alkohol und Drogen sind ihr Zusatzplaisir, enthemmen sie, erleichtern alles. Von Religion keine Spur.

Wallensteins Tochter (bei Schiller:) Thekla sieht ihren Vater nach vielen Jahren wieder und erkennt, dass er kaum nahbar ist, recht unpersönlich ihr begegnet. Dennoch ist sie froh, ihn zu sehen, bei ihm zu leben. Sie verliebt sich in Max Piccolomini, den Sohn des späteren Generalleutnants Octavio Piccolomini, der vom Kaiser autorisiert, Wallensteins Armee und Generäle auf seine Seite zieht, aber jämmerlich im Kampf gegen die von Wallenstein gerufenen 15 000 Schweden untergeht. Max als Anführer der Pappenheimer kommt dabei zu Tode, Thekla folgt ihm durch Selbstmord. Markanter Inszenierungseinfall: Sie läuft ins Jenseits, den Ort, wo Max im Lichtkegel steht, und springt in seine Arme. In Wirklichkeit wurde Wallensteins Tochter Maria schwer geächtet und kam erst viel später zu Gnadenehren. Wallensteins Frau eine kritisierende, aber gehorsame Person (Anna Windmüller). Die Gräfin Terzky (Johann Geißler) als Unterstützerin der Friedenspläne - sie überredet ihn dazu, so auch Illo (Krunoslv Sebrek) und Terzky (Sebastian Nakajew). Die Frauen modern in hautengen Cocktailkleidern, attraktiv als Bewegerinnen im Hintergrund.

Enorm und exponiert der doppelte Loyalitätskonflikt des Max Piccolomini, der Kaiser und seinem Wallenstein treu bleiben will, auch Buttler hadert mit sich ob der geforderten Untreue, er bricht in Tränen aus wegen des Konflikts und wegen der Vorfreude kaiserlich ernannter Herr über ein Regiment, das ihm der Kaiser in Aussicht stellt, zu werden. Sie kehren alle zur kaiserlichen Treue zurück, weil der Rückhalt bröckelt, die Existenz auf dem Spiel steht.

Eine große geschichtliche Tragödie, größer jedoch die Borniertheit, Skrupellosigkeit und Machtbesessenheit der beteiligten Parteien, die einen europaweiten Krieg aus ihren Konfessionsansichten und politischen Wünschen machten. Das Letztere war zu schwach im Ausdruck, aber das Stück an sich setzt hier auch Grenzen.