![]() |
| Foto: Hans (pixabay) |
Am Montag jährt sich die Pogromnacht zum 88. Mal. Gedenkreden werden gehalten, doch es zählt, was danach gilt: der Schutz und Integration jüdischen Lebens und aller, die sich als Zugewanderte oder Nichtdeutsche in Vereinen, Initiativen und der Kommunalpolitik für die Demokratie einsetzen.
9novemberberlin
Die Lage ist ernst. Die AfD wurde in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent stärkste Kraft, und 51 Prozent wollen eine Zusammenarbeit mit ihr nicht grundsätzlich ausschließen, im August waren es 44 Prozent. Regierung, Bundestag und Bundesrat setzen bislang eher auf Auseinandersetzung als auf ein Verbot. Die Unionsspitze um Merz und Söder lehnt ein Verfahren ab, und das Verwaltungsgericht Köln hat dem Verfassungsschutz vorläufig untersagt, die AfD als gesichert rechtsextremistisch einzustufen. Die Auseinandersetzung ist notwendig, darf aber nicht die einzige Antwort sein, wenn sich Mehrheiten verschieben. www.berliner-zeitung.de +3
--> Was sich jetzt wieder in der Bevölkerung ausbreiten will ist eine Akzeptanz der NS-Vergangenheit: Ausgrenzung, Verfolgung, Inhumanität, Gewalt und Übergriffe.
Es gibt mehrere Wege zur Auseinandersetzung:
- Ministerpräsident Özdemir sucht im Bundesrat in „permanenten Gesprächen“ eine Mehrheit für ein Verbotsverfahren der AfD, er und Pistorius wollen es auch dann, wenn es am Ende nur einige Landesverbände träfe. Ein sinnvoller Ansatz.
- Hamburg hat eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe beschlossen, die Beweise bündeln und Erfolgsaussichten bewerten könnte.
- Im Hauptverfahren in Köln kann der Verfassungsschutz neue Beweise nachlegen. Dazu kommt die Demokratiearbeit: Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und seine Förderung mehrerer Bereiche endet zum Jahresende, und Berlins geplantes Landesdemokratiefördergesetz würde auch Migrantenselbstorganisationen einbeziehen. Schließlich braucht es politische Antworten auf Unzufriedenheit, sonst bleibt der Protest bestehen.
Ob ein Verbot der richtige Weg ist, bleibt umstritten. Ein gescheiterter Antrag könnte der AfD nützen, und manche in der SPD wollen zunächst das Hauptsacheverfahren abwarten. Der Streit ist nicht entschieden. Entscheiden müssen aber Parlamente, Gerichte und Bürger, und zwar bevor die Gewöhnung zur Gewissheit wird.
abgeordnetenwatch
Das können wir tun
- Wählen, auch bei kleinen Wahlen. Die Beteiligung in Sachsen-Anhalt stieg am Wahltag auf Rekordniveau, Wahlen werden also noch bewegt. Kommunalwahlen und Wahlhelfer-Dienste sind ein konkreter Ansatzpunkt. kreisbote
- Abgeordnete und Landesregierungen ansprechen. Über ein Verbotsverfahren entscheiden Bundesregierung, Bundestag oder Bundesrat. Man kann den Wahlkreisabgeordneten oder die Landesregierung öffentlich fragen, wie sie abstimmen werden und warum. Das funktioniert auch in die andere Richtung, wenn jemand gegen ein Verbot ist. Auf Plattformen wie abgeordnetenwatch.de stellen Bürger solche Fragen bereits.
- Petitionen. Mehr als 114.000 Menschen haben eine Petition für ein Verbotsverfahren unterzeichnet. Eine Petition begründet keinen Anspruch auf ein Verfahren, kann aber den Druck erhöhen. Sie wirkt am besten, wenn sie sich an ein konkretes Gremium richtet. soester-anzeiger
- Parteien von innen beeinflussen. In jeder demokratischen Partei lässt sich über den Umgang mit der AfD mitstreiten, und das ist genau die Debatte, die gerade läuft.
- Am 9. November teilnehmen.
[[ In Berlin gibt es zum Beispiel eine Gedenkkundgebung am Mahnmal Levetzowstraße mit anschließender Demonstration durch Moabit, und das Deutsche Historische Museum lädt bei freiem Eintritt ein. Traditionell gibt es die zentrale Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde. Auch in kleineren Städten gibt es Gedenkstunden. 9novemberberlindhmBayern, München:
- Die zentrale Gedenkveranstaltung findet am 10. November von 11 bis 13 Uhr im Alten Rathaus statt, dem historischen Ort der Proklamierung der „Kristallnacht“. Oberbürgermeister Dominik Krause hält eine Ansprache. Eine Anmeldung war bis zum 4. November erforderlich, sie wird live auf YouTube und auf gedenken9nov38.de übertragen. fesfes
- Außerdem lädt der Bezirksausschuss 15 am Montag, den 9. November um 17 Uhr auf den Platz der Menschenrechte zu „Sie waren unsere Nachbarn“ ein. muenchen
Baden-Württemberg, Heidelberg: Gedenken am 9. November um 18 Uhr auf dem Alten Synagogenplatz in der Altstadt, wo weiße Marmorsteine die Außenmauern der zerstörten Synagoge markieren. Im Stadtteil Rohrbach gibt es ein weiteres Gedenken am Alten Rathaus. heidelberg
Niedersachsen, Göttingen und Einbeck: Eine Gedenkstunde am Platz der Synagoge in Göttingen sowie eine in Einbeck. In Nordenham veranstaltet das Bündnis „Nordenham bleibt bunt“ am Montag, 9. November, Mahnwachen an den Stolpersteinen, alle Bürger sind aufgerufen. stadtradio-goettingen nwzonline
Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Um 18 Uhr kommen Menschen auf dem Schlachtermarkt zusammen, um der Opfer zu gedenken. nordkurier
Brandenburg: In Eberswalde ruft die Stadt am Montag, dem 9. November 2026 um 18 Uhr gemeinsam mit dem Ökumenischen Arbeitskreis zum Gedenken auf, mit anschließenden Stolpersteinführungen. In Bernau lädt das Netzwerk für Weltoffenheit mit der Stadt um 18 Uhr in die St. Marienkirche ein, danach geht es zu den Stolpersteinen. Das genaue Datum dort bitte nachprüfen. barnim-aktuell 1 barnim-aktuell 2
Sachsen-Anhalt und Thüringen: Evangelische Gemeinden in Mitteldeutschland erinnern mit einer Filmpremiere, Friedensgebeten und anderen Formaten an die Opfer. Einzeltermine müssten bei den Gemeinden erfragt werden. volksstimme
Hessen
- Wiesbaden (bestätigt): Die Stadt, die Jüdische Gemeinde und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit laden zu einer Gedenkstunde am Montag, 9. November 2026, um 19 Uhr am Mahnmal am Michelsberg ein, dem Standort der zerstörten Synagoge. Seit 1954 findet das Gedenken dort jährlich am 9. November statt. wiesbadenwiesbaden
- Aus früheren Jahren sind Gedenkveranstaltungen unter anderem in Frankfurt, Darmstadt, Hofheim, Flörsheim und Neu-Isenburg belegt. Ob und wann sie 2026 stattfinden, habe ich nicht gefunden.
Rheinland-Pfalz
- Landtag Mainz/Themenwoche (bestätigt): Der Landtag öffnet vom 9. bis 14. November eine Themenwoche zum 9. November, darunter ein Online-Vortrag „Der 9. November – Schicksalstag der Deutschen“, der über landtag.rlp.de gestreamt wird. news-koblenz
- Aus früheren Jahren ist etwa Wittlich mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal an der Synagoge belegt. Für 2026 gilt das gleiche: nicht bestätigt.
Nordrhein-Westfalen
- Bielefeld (bestätigt): Gedenkveranstaltung am Montag, 9. November 2026, um 17 Uhr am Standort der ehemaligen Synagoge, Turnerstraße 5, anschließend im Großen Saal des Neuen Rathauses, Eintritt frei, ohne Anmeldung. juedische-gemeinde-bielefeld
- Aus früheren Jahren sind Gedenkstunden in Münster (an der Synagoge), Düsseldorf (am Gedenkstein Kasernenstraße), Dortmund (St.-Petri-Kirche und Opernhaus) und Köln belegt. Auch dort fehlt die Bestätigung für 2026.]]
- Initiativen unterstützen. Beratungsstellen, Vereine, Opferberatungen und Migrantenselbstorganisationen leben oft von Ehrenamt und Spenden, zumal Fördermittel auslaufen. Wer Zeit oder Geld hat, hilft dort unmittelbar.
- Betroffene nicht allein lassen. Wer Anfeindungen oder Bedrohungen mitbekommt, kann dazwischengehen, sofern es ungefährlich ist, Betroffene begleiten und Vorfälle melden oder anzeigen. Viele trauen sich nicht, den Schritt allein zu gehen.
Im Alltag
- Gespräche führen. In Familie, Betrieb und Verein den Streit nicht meiden, aber sachlich bleiben. Wer Zustimmung zur AfD erklären will, sollte die Motive trennen, etwa Frust über die Regierung, Sorgen vor Ort oder Zustimmung zu extremen Positionen.
- Informationen prüfen, bevor man sie teilt. Es kursieren gefälschte Zahlen. Eine Grafik mit angeblich 33 Prozent für die AfD stammte nicht von einem echten Institut, sondern wurde mit Grok erstellt. Wer Falsches verbreitet, schadet der eigenen Seite. mimikama
Was man nicht erwarten sollte
- Rechtliche Verfahren lassen sich von Bürgern nicht beschleunigen, und gegen Gerichtsentscheidungen können nur die Beteiligten vorgehen. Der eigene Einfluss liegt bei Wahlen, in Gremien vor Ort und im sozialen Umfeld. Dort ist er aber größer, als es sich anfühlt.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen