Hier eine verkürzte Darstellung der Gründung der USA und der ersten 100 Jahre ihres Bestehens (ca. 1763–1876) – mit politischem, sozialem und ideengeschichtlichem Fokus.
1. Vorgeschichte: Kolonien zwischen Loyalität und Rebellion
(ca. 1763–1775)
Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) war Großbritannien hoch verschuldet. London versuchte, die 13 nordamerikanischen Kolonien stärker zu besteuern und politisch enger zu kontrollieren.
Zentrale Konfliktpunkte:
Steuern ohne Mitbestimmung (Stamp Act, Tea Act = Der Stamp Act (1765) war eine britische Steuer auf gedruckte Materialien in den Kolonien, während der Tea Act (1773) der East India Company ein Monopol auf den Teehandel in Amerika verschaffte und damit die koloniale Protestbewegung massiv verschärfte.)
Grundsatz: „No taxation without representation“
Einschränkung kolonialer Autonomie
Stationierung britischer Truppen
Die Kolonisten sahen sich nicht als Rebellen, sondern als Träger englischer Freiheitsrechte, die ihnen verweigert wurden.
2. Unabhängigkeit und Revolution (1775–1783)
Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg
Der Unabhängigkeitskrieg der amerikanischen Kolonien begann am 19. April 1775 mit den

AI, gemeinfrei
Gefechten von Lexington und Concord in Massachusetts. Diese beiden Zusammenstöße gelten als der offizielle Auftakt des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Britische Truppen marschierten aus Boston, um koloniale Waffenlager zu sichern. In Lexington kam es zum ersten Schusswechsel – oft als „shot heard ’round the world“ bezeichnet. In Concord leisteten Milizen stärkeren Widerstand und zwangen die Briten zum Rückzug nach Boston. Diese Ereignisse markierten den Übergang von politischen Spannungen zu offenem bewaffnetem Konflikt.- Führungspersönlichkeiten: George Washington, Thomas Jefferson, John Adams
- Unterstützung durch Frankreich ab 1778 entscheidend
Unabhängigkeitserklärung (4. Juli 1776)
Verfasst maßgeblich von Thomas Jefferson.
Zentrale Ideen:
- Naturrechte: Leben, Freiheit, Streben nach Glück
- Volkssouveränität
- Recht auf Widerstand gegen Tyrannei, „All men are created equal“, revolutionär gedacht, aber nicht umgesetzt (Sklaverei, Frauen, Indigene ausgeschlossen).
- 1783: Vertrag von Paris
- Großbritannien erkennt die Unabhängigkeit an
3. Staatsgründung und Verfassung (1783–1800)
Probleme der frühen Republik
- Schwacher Zentralstaat (Articles of Confederation - Die Articles of Confederation waren die erste Verfassung der Vereinigten Staaten, in Kraft 1781–1789, und schufen einen sehr lockeren Staatenbund mit einer schwachen Zentralregierung. Sie dienten als Übergangslösung zwischen der Unabhängigkeitsbewegung und der späteren, deutlich stärkeren US‑Verfassung von 1787.)
- Schulden, Handelskonflikte, innere Unruhen (z. B. Shays’ Rebellion = war ein bewaffneter Aufstand von überwiegend verschuldeten Farmern in Massachusetts (1786–1787), ausgelöst durch hohe Steuern, harte Schuldenpolitik und wirtschaftliche Not. Die Erhebung zeigte die Schwächen der Articles of Confederation und wurde zu einem wichtigen Auslöser für die spätere US‑Verfassung.)
Verfassung von 1787
- Föderaler Staat
- Gewaltenteilung: Legislative – Exekutive – Judikative
- Checks and Balances (= bezeichnet ein politisches Prinzip, bei dem sich die drei Staatsgewalten – Legislative, Exekutive und Judikative – gegenseitig kontrollieren und ihre Macht begrenzen, um Machtmissbrauch zu verhindern. Dieses System wurde 1787 in der US‑Verfassung verankert und gilt als Kernmerkmal der amerikanischen Demokratie.)
- Starke, aber begrenzte Zentralmacht
Bill of Rights (1791)
- Erste 10 Zusatzartikel
- Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit
Die USA werden zum ersten modernen Verfassungsstaat auf republikanischer Grundlage.
4. Expansion und innere Spannungen (1800–1848)
„Manifest Destiny“
Glaube an die gottgewollte Ausdehnung nach Westen.
Folgen:
Louisiana-Kauf (1803) – Verdopplung des Staatsgebiets
Vertreibung und Vernichtung indigener Völker
Landnahme, Siedlerbewegungen, Goldrausch
Grundkonflikt:
Freie Staaten vs. Sklavenhalterstaaten
Kompromisse:
Missouri-Kompromiss (1820)
Kompromiss von 1850
Diese verschieben den Konflikt, lösen ihn aber nicht.
5. Sklaverei, Bürgerkrieg und Neubeginn (1848–1877)
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Sklaverei als Kernproblem
Wirtschaftlich zentral im Süden
Moralisch und politisch zunehmend umstritten
Abolitionismus im Norden
Amerikanischer Bürgerkrieg (1861–1865)
Auslöser: Wahl Abraham Lincolns
Südstaaten treten aus der Union aus
Krieg fordert ca. 620.000 Tote
Ergebnisse:
Sieg der Union
Abschaffung der Sklaverei (13. Zusatzartikel)
Staatsbürgerschaft & Gleichheit vor dem Gesetz (14./15. Zusatzartikel)
Reconstruction (1865–1877)
Versuch der politischen und sozialen Neuordnung des Südens
Kurzfristige Fortschritte für Afroamerikaner
Langfristig Scheitern → Rassentrennung, Entrechtung
6. Die USA nach 100 Jahren (1876)
Zum hundertjährigen Bestehen:
Territorial geeinter Kontinentstaat
Demokratische Institutionen gefestigt
Wirtschaftlich auf dem Weg zur Industrienation
Aber:
Tiefe soziale Ungleichheit
Rassismus institutionell verankert
Gewaltgeschichte bleibt Teil der nationalen DNA
7. Grundspannung der amerikanischen Geschichte
Von Anfang an prägend:
Ideale von Freiheit und Gleichheit
vs.
Realität von Ausgrenzung, Gewalt und Machtinteressen
Diese Spannung macht die USA aus:
zugleich Vorbild und Problemfall
revolutionär in der Idee, unvollständig in der Umsetzung

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