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| Foto von Hanna Ivaniv |
Es war einmal tief im Grünberg, wo die Bäume so dicht standen, dass das Sonnenlicht nur in goldenen Tupfen auf den Waldboden fiel, eine Bergfrau namens Mara.
Mara war nicht wie die anderen im Dorf unten am Fluss. Jeden Morgen setzte sie ihren Helm mit dem kleinen Licht darauf auf, steckte den Hammer in die Tasche ihres ockerfarbenen Anzugs und verschwand in der Edelsteinmine. Während die anderen schürften und von Reichtum träumten, lauschte Mara. Denn die Steine sprachen. Nicht laut. Sie summten.
"Wir sind müde", summten die großen, milchigen Brocken. "Niemand will uns."
Die Menschen wollten nur das, was glitzerte - die grünen Smaragde, die rosa Turmaline, die blauen Aquamarine wie gefrorenes Himmelswasser. Genau solche, wie sie jetzt in Maras Lore lagen, wie auf deinem Bild. Schwer und stolz. Jeder im Dorf hätte sie am liebsten heimlich eingesteckt.
Mara aber hatte einen anderen Traum. Kein Schloss. Kein Gold. Sie wünschte sich ein kleines Haus am Waldrand. Mit einem gelben Fensterladen, einer Bank vor der Tür und einem Dach, unter dem es im Winter warm war. Ein Haus, das ihr gehörte. Ganz ohne Schuld.
"Wie soll das je wahr werden?", seufzte sie eines Abends in den dunklen Stollen hinein. "Ich kann die funkelnden Steine nicht nehmen. Sie gehören dem Berg. Und dem Dorf."
Da antwortete ihr der Berg. Oder besser: der Alte vom Berg. Ein kleiner Wicht mit Bart aus Moos, der Hüter der Mine, den nur die hören, die nicht gierig sind.
"Du hast recht, Mara", krächzte er. "Wer stiehlt, baut sein Haus auf weichem Grund. Es wird immer einstürzen. Aber du - du hast das andere gehört."
"Das andere?"
"Die Steine, die niemand will."
Er zeigte auf die Haufen von taubem Gestein, auf das milchig-weiße Muttergestein, das die Bergleute achtlos zur Seite warfen. Für sie war es Abfall. Für Mara aber begann es zu leuchten.
In den nächsten Wochen tat Mara etwas Seltsames. Während die anderen die Lore mit den großen Kristallen füllten, sammelte sie die unscheinbaren Brocken. Die rauen, weißen, leicht glitzernden. Sie wusch sie im Bach, schliff sie am Flussufer glatt, legte sie in der Sonne zum Trocknen aus.
Die Dorfkinder kamen und halfen. "Was baust du?", fragten sie. "Ein Märchen", sagte Mara und lächelte.
Aus den Steinen baute sie kein Haus aus Edelsteinen - sondern ein Haus mit Edelsteinen. Sie verkaufte die geschliffenen weißen Steine an Gärtner für Wegeinfassungen, an Künstler, an Maurer, die daraus wunderbar kühle Mauern bauen konnten. Und für jeden verkauften Wagen tauben Gesteins durfte sie sich, so war die alte Abmachung mit der Berggenossenschaft, einen Eimer voll kleiner Splitter und Staub mitnehmen - den Edelsteinstaub, der beim Schlagen abfiel und sonst im Boden versickerte.
Diesen Staub rührte sie in ihren Kalk. Und so geschah das Wunder.
Als ihr kleines Haus am Waldrand endlich stand - Stein für Stein selbst gemauert, mit der Bank vor der Tür - da begann es bei Sonnenuntergang zu schimmern. Das Dach funkelte nicht protzig. Es glitzerte leise. Grün, rosa und blau, wie tausend kleine Sterne im Putz. Weil Mara nicht die großen Kristalle gestohlen, sondern das Kleine, Vergessene geehrt hatte, hatte der Berg ihr seinen Segen geschenkt.
Und wenn heute Wanderer vorbeikommen und fragen: "Sag, Bergfrau, warum leuchtet dein Haus so schön?", dann sagt Mara: "Weil ein Traum, der ehrlich gebaut ist, von selbst zu leuchten beginnt. Man muss nur lernen, den Wert in dem zu sehen, was andere liegen lassen."
Und ihre Lore? Die schiebt sie noch immer. Aber jetzt weiß jeder, dass das größte Vermögen nicht in der Lore liegt, sondern in den Händen, die sie schieben.

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