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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Freitag, 24. Januar 2014

Fantasien zur Nacht (Kurzfilm): BOTTLE von Kirsten Lepore, ausgesucht von Walter Brusius




An Animated Short Film About True Love

Bottle 
by Kirsten Lepore (2011)

WALTER BRUSIUS
Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. 


Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei  Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS).
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.

Sonntag, 24. November 2013

Walter's Kurzfilmtipps: PEGASUS von Walter Brusius







WALTER BRUSIUS
Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. 


Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei  Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS).
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.



Freitag, 25. Oktober 2013

Fantasien zur Nacht (Film): Flaschen-Liebespost, ausgesucht von Walter Brusius



A Great Animated Short Film About Love-Bottle by Kirsten Lepore (2011)   


ausgesucht von Walter Brusius

Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und Autor. Mehr Informationen.

Donnerstag, 12. September 2013

Dichterhain: SCHICHTWECHSEL - Skurriles von Walter Brusius

Schichtwechsel


Es regnete, es war klar, dass die Welt diesmal im Regen ertrinkt.

Klaus Kupfer zur Fabrik, die, die die künstlichen Menschen macht.



Klaus Kupfer klappte den Regenschirm zu, der war noch aus echter Menschenhaut, einmal schütteln, und die wegspringenden Tropfen nässten den Platz unterm Vordach.

In den Gang kam er, dann betrat er das Büro.

Das enthielt keinerlei Möbel.

Keinen Schalter, keine Tasten.

An der Wand hing ein einziges Bild.

Das war eine Fotografie des Regenschirms.

Kupfer setzte sich, er nahm eine Sitzhaltung ein, er entspannte sich.

Er aß einen Schokoriegel.

Er knüllte die Packung, die knisterte, er warf die leere Packung als kleine Kugel in den Schirmständer.

Es klopfte.

Kupfer antwortete nicht.

Vor der Tür stand ein Mann mit einem Gewehr.

Kupfer? Sind Sie da? Ich hab Sie doch kommen gesehen!“

Kupfer antwortete nicht; er schaute erwartungsvoll zur Tür, räusperte sich nach einer Minute laut, deutlich.

Tom? Ja, Sie haben mich gesehen. Was soll denn das, warum sagen Sie mir, dass ich da bin. Ich war in New York auf dem Ernte-Dank-Fest. Wir mussten der Freiheitsstatue mal die Nase putzen, die war voll mit Grünspan. Verstehen Sie mich?“

Kupfer, Sie sind ein Arschloch. Eines Tages werde ich Sie erschießen. Sie sind bekloppt.“

Tom, die Stiefel aus Schweinsleder, rund wie zwei Blumenvasen, setzte den Rundgang fort.

Sicherheitsdienst. Die Fabrik war ein Hochsicherheitstrakt, hier darf nichts passieren.

Zwischen Tom und Kupfer bestand Feindschaft, Kupfer dachte seit ein paar Wochen darüber nach, wie er sich in den Besitz des Gewehrs des Sicherheitsdienstmannes bringen könnte.
Tom ... ihm fehlte ein Regenschirm. Der Wachdienst hatte keinen, der gehörte nicht zur Grundausstattung.

Künstliche Menschen.

Das Hemd flatterte unruhig auf dem Leib. Irgendetwas stimmt heute nicht.

Tom dachte nach.

Und Kupfer dachte nach. An einer Hand, da fehlten ihm die Nägel.

Draußen war es dunkel.

Der Regen fiel.

Über den Hof kam Spencer, der Regen machte ihn unverwundbar.

Ein breites Lächeln und die Zähne. In zwei Reihen. In diesem Fall war eine Wiederholung nicht nur gut, sondern sogar nützlich.

Das Gesicht über der Uniform. Den Finger hob er zum Schirm der Mütze.

Wenig später trat er durch die Sicherheitsschleuse.

Er nahm die Waffe ab, legte sie in den Schrank. Er legte die Pistole neben den vergifteten Apfel.

Jetzt fing der Dienst an; er zog den Stecken aus dem Pferd.


Kupfer, verdammt, mit einem Glas Whiskey in der Hand, stand seelenruhig am Fenster. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel 
zur Malerei Geschichten zu schreiben. Im Eigenverlag sind bisher
einige kleine Bücher erschienen und seit drei Jahren seine
Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS). 

Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, 
Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach,
www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.
  



Mittwoch, 21. August 2013

Walter's Kurzfilmtipps: Bärenbraut




ausgesucht von Walter Brusius

Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und Autor. Mehr Informationen.

Samstag, 3. August 2013

Dichterhain: Roman aus der Wirklichkeit von Walter Brusius







Roman aus der Wirklichkeit



Das Rollenbett, ein Bett, das auf kleinen Rollen fährt, ist keine Erfindung der Neuzeit, schon in der Antike ist es bekannt.

Die große Frau schob es durch eine der belebtesten Straßen von Paris: „Macht Platz, Leute, macht Platz, geht mir aus dem Weg!“

Eine große, kranichgroße Frau, lang und dünn. Sie sah nicht sehr sympathisch aus, überhaupt mag man große Frauen nicht.

Und jetzt noch das Bett, ein Rollenbett?

Über dem Bett lag die Decke, eine Handtasche am Fußende. Ein dicker Mann überquerte die Straße, ein Geschäftsmann, auf seinen Schultern lagen Schuppen aus Schnee. Nein, es waren Stücke, die Überbleibsel von Drachenhaut.

Es war 11 Uhr, Vormittag. Ein kalter Tag. Der Präsident, der Präsident von Frankreich ist an diesem Tag gestorben.

Seine Seele ist jetzt in den Rollen des Bettes, in allen vieren gleichzeitig.

Fünf Minuten noch, dann fängt ein neues Kapitel an, dann geht es weiter. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel 
zur Malerei Geschichten zu schreiben. Im Eigenverlag sind bisher
einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine
Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS). 

Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, 
Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach,
www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.
  



Sonntag, 16. Juni 2013

Blick ins Atelier: GALAPAGOS von Walter Brusius

(c) Walter Brusius: GALAPAGOS 

WALTER BRUSIUS
Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. 
Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS). 
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.



Freitag, 7. Juni 2013

Dichterhain: DER KRANKE PIANIST - Skurriles von Walter Brusius























Die erste Operation


Doktor Tanne war eine hagere mittelblonde Gestalt, tieftraurige Augen, als sie den kleinen Turm betrat. Den Vorhang schlug sie zurück, trat zu dem Tisch. Auf dem stand ein Glas mit einem Wetterfrosch. Grün war der Wetterfrosch.

Doktor Tanne stand vorm Tisch, strich sich mit der Hand über das Haar.

Doktor Tanne war eine Frau.

Ja, die seelische Belastung spielt immer eine große Rolle“, sagte der Frosch.

Grün war er und saß im Glas.

Der Kranke aber, er heißt Felix, lag in seinem Bett.

Ja, eine sehr große Rolle.“

Doktor Tanne stand ungeduldig vorm Tisch. Sie strich wieder mit der Hand über das wie bei einem Mann nach hinten gekämmte Haar. Es war sogar Öl darin, ein Pflegeöl; am Arm klapperte ein Armreif, die Augen waren traurig; doch auch ungeduldig, nein, ungehalten.

Die Frau des Kranken aber saß in einen Pelz gehüllt in der Stadt. Sie war betrunken.

Weiße Wolken zogen am Fenster vorbei.

Es waren neunundzwanzig, neunundzwanzig Wolken.

Frau Doktor Tanne ging zum Waschbecken. Das Wasser aus dem Hahn schäumte, schuf einen langen, blasigen Saum, und Frau Doktor wusch sich darunter die Hände.

Ihre Gedanken, Frau Doktor Tanne, und meine sind gleich“, sagte der Frosch.

Frau Doktor Tanne stand mit dem Handtuch am Fenster, sah hinaus und seufzte.

Ich möchte, dass Sie glücklich sind!“, sagte der Frosch.

Frau Doktor Tanne seufzte, sie war jung, sie war eine junge Ärztin, und sie hatte nur einen einzigen Patienten, Felix, aber einen weltberühmten Pianisten; am Nachmittag hatte sie ihn operiert. Eine schwere Operation.


Der Wetterfrosch hatte assistiert. Nein, natürlich nicht. Wo denken Sie hin. Aber war es nicht gut, wenn er zusah, mit ein Auge auf den operativen Vorgang hat? 

Dienstag, 28. Mai 2013

Die beliebtesten Gedichte der Woche 12 / 2013

In dieser Woche ist Birgit Heid gleich zweimal vertreten, auf Platz 1 eine hochsensible und eher auf lustvolle Distanz bedachte Spielerei mit dem Liebsten. Den zweiten Platz kein Gedicht, sondern eine skurrile Geschichte von Walter Brusius. Und auf Platz drei wieder Birgit Heid mit sich schließenden Kreisen im Spiegel des Flieders. 

1   Fantasien zur Nacht: EROTISCHES von Birgit Heid

  Dichterhain: ELENOR RIGBY von Walter Brusius (mit Zeichnungen von Bernhard Kilchmann)

3   Dichterhain: STADT von Birgit Heid

Dienstag, 21. Mai 2013

Walter's Kurzfilmtipps: "Licht der Nacht", Saori Shiroki



Yoru no hi (Licht der Nacht)
Saori Shiroki 
ausgesucht von Walter Brusius

Der Künstler arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und Autor. Mehr Informationen.

Montag, 20. Mai 2013

DAS FASTNACHTTIER - Skurriles von Walter Brusius



Das Fastnachttier




Kannenbruch stand am Fenster. Ein leichter Regen fiel, der dem Licht draußen etwas Seltsames gab, der Regen macht das Licht wässrig. Auf dem Weg am Fluß war ein andrer zu sehen, mit einem Sack auf dem Rücken. Etwas weiter führte eine Brücke über den Fluß, darauf ging er zu, im Lauf des Tages kamen immer wieder Männer mit Säcken auf den Rücken, aus beiden Richtungen.

Pappeln, hohe Bäume, das Grün dieser Blätter etwas Metallisches, die Blätter in der Farbe von oxidiertem Kupfer, die Farbe macht die Bäume unecht, verlieh ihnen jedoch gleichzeitig etwas Religiöses.

Der Regen filterte das Licht also, vieles fing er in den Tropfen ein, ließ es an anderer Stelle unbesehen versickern.

Bilder, so oder so, die auf Kannenbruchs Augen trafen.

Vom Uferdamm ging es steil in den Fluß; eine Möwe flog ins Bild. Sie überflog die Brücke. Die Möwe, ihr Gefieder war hell, schneeweiß. Ebenso weiß war ein Tuch, das Kannenbruch aus der Tasche zog, mit dem er die Stirn wischt; auf der Stirn stand der Schweiß, Kannenbruch war nicht zum Vergnügen aufgestanden, sondern weil ihn der Schmerz aus dem Bett trieb.

Kurz darauf bellte ein Hund. Kannenbruch ging zur Tür, öffnete. Vor der Tür ein Mann, er mit einem viel zu großen Hut; Kannenbruch trat einen Schritt zur Seite, der Mann mit dem Hut trat ein. Der andre nahm den Hut dann ab, man sah sein Gesicht.

Er zog ein Glas aus der Tasche. In ihm summte eine Fliege. Das Glas stellte er auf den Tisch. Mit einem Deckel war es verschlossen, die Fliege summte, brummte im Glas hin und her.

Feiner Regen glitzerte.

Wie das Flüssige das zu Stande brachte?

Draußen knurrte, kratzte noch immer der Hund an der Tür.

Kannenbruch schob das Tuch weg.

Was für ein schöner Tag. Sehen wir vom leichten Regen einmal ab“, sagte er; lachte und er zeigte auf den Mantel da, auf dem fein das Glitzern der Tröpfchen war.

Hinter ihm stand sein Bett, das von vier aus Holz geschnitzten Figuren getragen wird. Vier dicke nackte Männer knieten, hielten das Bett. Die Männer trugen Röcke aus Bast.

Bald wird es Winter. Haben Sie sich schon auf den Winter vorbereitet, Kannenbruch?“

Er drehte den Hut, mit einer geschickten Bewegung, wie ein Kreisel drehte er sich rasch ein paar Mal auf dem Tisch.

Er ging zum Fenster, stand dort wie Kannenbruch kurz zuvor, sah dort die Bilder, die Kannenbruch vor ihm gesehen hatte. Die Hände auf dem Rücken. Stand schweigend, die Hände hinterrücks gefaltet.

Der Mantel des Fremden sog die Tropfen nun auf.

Nach und nach verlor sich der Glanz. 

(c) Walter Brusius

Donnerstag, 9. Mai 2013

Dichterhain: DER HANS - eine skurrile Geschichte von Walter Brusius




Der Hans


Des Königs Uhr war betrunken, hatte Schluckauf.

Im Himmel war ein Loch, durch das schaute der Mond auf die Erde.

Der Mann kam ans Ufer, das Meer, das Herz nahm er aus der Brust, wusch es im Salzwasser.

Dreißig Jahre alt und auf beiden Augen blind. Ein Motor in jedem Knie trieb ihn an.

Der Mann hatte ein empfindliches Gesicht.

Auch das Schamhaar, nein, das hatte er im Gesicht.

Sein Name war Hans. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS). 
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.
  

Samstag, 20. April 2013

Dichterhain: MILLER UND DER WELTRAUM von Walter Brusius



Miller und der Weltraum



Der Weltraum ist groß, kein Mensch hat es bis jetzt geschafft, auch nur einmal ihn von einem bis zum anderen Ende zu durchqueren. Die Weite, die Zahl der Planeten ist nicht zu begreifen.

In vielen Häfen liegen Sternenflotten zum Auslauf bereit.

Miller stand unschlüssig in den Schuhen, sollte er nun einsteigen oder nicht? 
 
Ein Blick zur Uhr.

13, 14, 15, Zahlen können alles sein.

Ein Zeiger sticht die Eins an, der andere die Fünf.

Der Zeiger der Uhr sprang hoch und stach Miller ins Herz.

Viele Jahre ging Miller am Weltraumhafen noch auf und ab, und immer ragte, ragte der Uhrzeiger aus der Brust. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS).
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.
 
 

Montag, 15. April 2013

Dichterhain: IN DER STADT - Skurriles von Walter Brusius

Collage von Walter Brusius

In der Stadt


Der Mann war in der Stadt, die Frau war allein zu Hause. Der Mann arbeitete in einer Sargtischlerei, die Frau hatte keinen Beruf. Sie versorgte den Haushalt, den Garten. Außerdem telefonierte sie viel.

Vielleicht ging sie irgendeiner Nebentätigkeit nach, von der der Mann nichts wusste.

Die Frau war schön, der Mann aber auch. Man fragte sich, warum so ein schöner Mann ausgerechnet in einer Sargtischlerei schafft.

Fast immer brachte der Mann ein Geschenk mit nach Hause, auf dem Heimweg gekauft, in einem der vielen Geschäfte der kleinen Stadt.

Das Ehepaar bewohnt ein Haus am Kanal, in der Allee. – Gestern hatte er ihr ein Stückchen Seife mitgebracht, heute ein Glas mit Meersalz.

Die Frau stand oft unter den Bäumen, betrachte ihr Spiegelbild im Wasser des Kanals. Sie sah hier auf dem Wasser wie gemalt aus, ein großes Bild, jeden Tag ein großes Bild, die Frau am Kanal mit den Bäumen, ein Bilder, wegen der Größe hätte man es nur in einem Schloss aufhängen können.

Sommer, der weiße Sand der Allee leuchtete.

Der Mann allerdings hatte doch ein Verhältnis mit der Tochter des Sargtischlers angefangen. Das war erst ein paar Tage her, leichtsinnig war es und überflüssig.

Vielleicht ging von der Werkstatt, von den gehobelten Brettern, von den Farben und Lacken, von den mit Staub bedeckten Scheiben, von dem Radio, von den Zeitungen, von der Werkstatt eine Verführung aus, eine Chemie, ein Cocktail, die ihn zu diesem Umstand gebracht hatten.

Die Tochter des Sargtischlers hieß Aida, ein klangvoller Name. Sie war jedoch eine stille Person, die sich zierlich in der dunklen Werkstatt ausmachte. Sie stand neben einem Stapel Bretter und spielte mit dem Ölkännchen.

Ein großes Rad schnitt Bretter zu Streifen.

Schraubverschluss fällt mir noch ein. 


(c) WALTER BRUSIUS

Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach 
als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. 
Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS).
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.

 

Sonntag, 24. März 2013

BLICK INS ATELIER: Zeichnung I von Walter Brusius


WALTER BRUSIUS
Walter Brusius arbeitet und lebt seit 1982 in Bad Kreuznach als freischaffender Maler und unterhält dort ein Atelier. 
Er hat in Köln studiert. Vor etwa zehn Jahren begann er parallel zur Malerei Geschichten zu schreiben. 
Im Eigenverlag sind bisher einige kleine Bücher erschienen und seit zwei Jahren seine Atelierhefte (siehe auch KÜNSTLERPORTRÄTS).
Alle Hefte sind beim Autor oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich.


Donnerstag, 21. März 2013

Dichterhain: ELENOR RIGBY von Walter Brusius (mit Zeichnungen von Bernhard Kilchmann)







Elenor Rigby.


Ganz am Ende der Stadt ein Turm. Und hier fand man Gunwein. Einen Bleistift in der Hand, zeichnete er eine Skizze der Landschaft. Immer wieder weht der Wind das Haar ins Gesicht.
In der Stadt troff derweil eine Flüssigkeit aus den Wänden, ein Schweiß. Unklar ist, ob ihn die Häuser selber absonderten. Oder ist es der Schweiß der Bewohner, die wirklich ein schweißtreibendes Leben führen? Allerlei Säfte schwitzen sie aus.
Und irgendein Gott taucht von Zeit zu Zeit den Federhalter in den Schweiß und schreibt damit Briefe an einen andren Gott.
Der Wind blies einen Wirbel nach dem andern ins Haar. Hätte man dem Wind einen Kamm in die vielen, vielen Hände drücken sollen?
Über das graubraune Gras unten gingen Schafe, ein Mann mit einem großen Hut auf dem Kopf ging hinter ihnen her.
Als das fand sich schon auf Gunweins Block.
Er selber trug die Jacke, die dem Schäfer unten fehlt.
Auf einem Bleistift ging der Mann durch die Stadt.
Das Leben ist schwer und vor allem langweilig. Kaum einmal passiert etwas, was das Herz wirklich erfreut.
Der Turm stand selber wie ein Bleistift. Manchmal wünscht sich der Zeichner, dass der Turm die Bodenhaftung verliert, dass er schwebt.
Unabhängig von Zeit und Raum. Vom Dasein in dieser schrecklichen, traurigen Stadt.
Gunwein ließ den Bleistift fallen, die Schafe fraßen ihn auf. Nun wuchsen ihnen lange Beine. Die Beine waren auf einmal doppelt so lang.
Der Schäfer fand nun Schutz unter ihrem Bauch.
In Gunweins Herz aber wohnt ein Vogel. Er hat hier sein Nest.
Aber der Vogel ist ein Junggeselle, nie hält er nach einer Vögelin Ausschau.
Brombeerhecken mit den letzten Blättern krochen über die Wiesen. Einmal lang, einmal lang gestreckt.
Jahr für Jahr breiten sich diese Hecken mehr und mehr aus.
In einem Buch lag eine gepresste Schlüsselblume. In den Jahren ihres Daseins hatte sie im Buch das Schwarz der Buchstaben aufgesogen, es getrunken wie ein Vogel am Bach.
Der Wind brachte den Zeichner zurück in die Stadt.
Der Wind machte einen Buckel, auf dem sich Gunwein wiederfand.
Gunwein betrat auf dem Nachhauseweg die Reinigung, wo man ihm das weiße Hemd aushändigt.
Reinigung stand in großen Buchstaben an diesem Haus. Das war das Selbstverständlichste der Welt.
Elenor Ribgy war der Name der Stadt. An dem Punkt lag sie, an dem das Land am weitesten in das Meer ragt; hier treffen sich Wolken, Land und Meer seit Urzeiten.
Man sprach Englisch in dieser Stadt. Aber Gunwein ist Schwede.
Der Pfarrer stand hinter der Theke der Reinigung. „Die Frau ist krank, ich vertrete sie heut, ich spring für sie ein.“
Dieses Hemd, Hochwürden. Jede Nacht lege ich es ins Bett. Ich sitze davor, vor dem Bett und schaue das Hemd an, wie es schläft jede Nacht. Hin und wieder muss das Hemd gereinigt werden.“
Gunwein. Dafür ist die Reinigung doch da. Bringen Sie das Hemd zu uns, wenn es der Reinigung bedarf. Die Frau hier, die Sie sonst bedient, ist meine Schwester.“
Ach, Hochwürden. Ich bedanke mich.“
Der Vorfall ist deswegen erwähnenswert, weil der Pfarrer ganz schwarz gekleidet war, in ein bodenlanges, pechschwarzes Gewand, auf dem Kopf saß, sogar ein viereckiger Hut; der Kopf macht ihn nicht rund.
Gunwein betrat die Gasse mit dem Hemd, das nun in ein durchsichtiges Papier eingeschlagen.
In eine andre Gasse.
Der Fluss trug das Spiegelbild der Kirche. Das Gemäuer, auf dem Wasser schwamm das Bild der schweren Steine. Im Turm der Kirche, die schon im vierzehnten Jahrhundert hier steht, hängt das Kleid einer Frau aus Eisen, das ist die Glocke.
Wenn man die Glocke läutet, so hört man kein Klingen, sondern das Lachen einer Frau. Das ist den Leuten von Elenor Rigby peinlich, so hat man die Glocke schon seit fünfhundert Jahren nicht mehr geläutet.









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Aus: Atelierheft 12 von Walter Brusius, Bad Kreuznach. Ferner sind im Heft enthalten weitere Geschichten und vor allem Zeichnungen von Bernhard Kilchmann (Tusche, Bleistift, Computergrafik).

Alle Hefte sind beim Autor in seinem Atelier oder bei TABERNA LIBRARIA, Mannhei­mer­str. 80, 55545 Bad Kreuz­nach, www.antiquariat-bad-kreuznach.de, für ca. 9 EUR erhältlich. 

Der Autor im Interview (über Heft 12)


Der Zeichner Bernhard Kilchmann


Geboren in Altdorf, Schweiz

Nach einer kaufmännischen Ausbildung in Luzern studierte er die Fächer Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Mozarteum, in Salzburg.
Auf eine dreijährige Assistenzzeit an der Kölner Oper folgten eigene Bühnenentwürfe an verschiedenen Theatern.
Sein Raum für Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“ wurde am Anhaltischen Theater Dessau mit dem Publikumspreis „Bestes Bühnenbild der Spielzeit 2005“ ausgezeichnet, und am Theater für Niedersachsen, Hildesheim, kreierte er 2010 die Gesamtausstattung zu einer erfolgreichen Inszenierung von Giuseppes Verdis „Aida“.
Seine Illustrationen zu der Erzählung „Die Köche“ sind bereits die zweite Zusammenarbeit mit Walter Brusius, dessen farbigen, assoziationsreichen Erzählstil er durch das Medium Zeichnung umsetzt.


Bernhard Kilchmann: Wolke 2






Bernhard Kilchmann: Reiter








Bernhard Kilchmann: Yeti








Bernhard Kilchmann: Ich