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Montag, 11. Februar 2019

Wie war's in der Oper La Forza del Destino/Die Macht des Schicksals von Verdi?

Auf der Bühne v.l.n.r. Franz-Josef Selig (Marchese von Calatrava), Michelle Bradley (Donna Leonora)
und Hovhannes Ayvazyan (Don Alvaro) sowie im Film Thesele Kemane (Don Alvaro)

In der Frankfurter Oper bietet sich zurzeit mit 
La Forza del Destino/Die Macht des Schicksals ein interessanter Verdi, moderner, politischer und gehaltvoller kaum zu haben. Regisseur Tobias Kratzer arbeitet auf verschiedenen medialen, chronologischen und gesellschaftspolitischen Ebenen. Der Zuschauer darf entdecken, wird überrascht und erlebt eine Abwechslung, wie sie so interpretiert kaum auf der Bühne zu sehen ist. Aus einem homogenen Illusionsrahmen mit zeitlich und örtlich zwar offener Struktur, aber traditionellem historischem Bezug, wird ein Zeitensprung, der von Verdis 7 Jahren auf über 150 Jahre ausgedehnt wird. Er schafft das durch einen Abgleich der Verdi-Handlung mit dem US-amerikanischen Hauptproblem Rassismus, das nicht nur die Indianerverfolgung und deren Ende in einem Genozid, sondern auch die Sklaverei, Unterdrückung der schwarzen Hautfarbe bis in die Jetztzeit kennt.


Michelle Bradley (Donna Leonora;
ohne Hut auf der Treppe stehend)
 sowie Chor und Extrachor der Oper Frankfurt
Diese Spiegelung wird noch einmal klarer durch einen verstärkenden Videofilm, der dieselbe Handlung bringt wie das Bühnengeschehen, allerdings ist der Film-Alvaro (Thesele Kemane) tatsächlich ein Schwarzer, der Bühnen-Alvarao (Hovhannes Ayvazan) ein Weißer. Auch ein Chiasmus bei der Geliebten und Liebenden Leonora: im Film weiß (Laura Teshina), auf der Bühne schwarz (Michelle Bradley). Natürlich! Jeden kann das Schicksal des Alvaro und der Leonora treffen, unabhängig von der Hautfarbe, eine radikale, unterentwickelte politische Haltung gegenüber Andersdenkenden ist immer und überall bei schlechter Politik möglich. Zudem steht ja die Erschießung des Vaters von Eleonora, des Marcheses von Calatrava, als Tat im Raum, wobei es ein Schuss war, der durch die Sklavenpeitsche des Marchese ausgelöst wurde. Aber niemals hätte es einen gerechten Prozess gegeben.

Außerdem gibt es über Video Bildkommentare und Hinweise, wie die Hinrichtung eines Schwarzen durch Erhängen gleich zu Beginn. Das Schul-, entweder verdrängt oder oft erst durch TV vermittelte mediale Wissen springt hier bereits an. "Roots", ein Publikumsmagnet aus den 70er-/80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, wie "Fackeln im Sturm" (1985) oder unzählige kritische oder auch unkritisch-rassistische Fernseh- und Kinofilme über Rassismus, Sklaverei, Menschenraub, Gewalt und Sadismus usw. 100 Jahre später im Vietnamkrieg, die typischen "Platoon"-Signale, US-Kampfhubschrauber und Sondereinheiten auf unermüdlicher deliröser Vietkong-Jagd, ein Film von Oliver Stone, der in einer erschreckenden Direktheit den Blutrausch der Amerikaner zeigt, die diesen Krieg nie gewinnen konnten.


Auf der Bühne v.l.n.r. Hovhannes Ayvazyan (Don Alvaro),
Christopher Maltman (Don Carlo di Vargas; liegend)
und Michelle Bradley (Donna Leonora) sowie
im Film Thesele Kemane (Don Alvaro)
Das Ende ein US-Krimi mit klassischem Film-Show-Down und dem Wink auf die Korruptheit und Skrupellosigkeit rechtsradikaler Polizisten, die Schwarze als Bauernopfer vorschieben und zum Mörder in Vertretung machen, serienweise bei den Schwarzenaufständen in den 60er-Jahren in den USA passiert, auch bekannt als gängiges Mafiamord-Setting. Alvaro und Bruder Carlo, Verfolger und Bruder Leonoras, treffen im Appartement der Leonora aufeinander, Alvaro erschießt den Widersacher in Notwehr und die Cops töten Alvaro, um ihn gleich als Mörder hingerichtet am Tatort zurücklassen zu können.


Franz-Josef Selig (Padre Guardiano; links mit rotem Umhang)
und Michelle Bradley (Donna Leonora) sowie
Herrenchor und Herrenextrachor der Oper Frankfurt


Hervorragend die Musik unter der Leitung von Jader Bignaminis, das Bühnenbild und die Kostüme von Robert Sellmeier, der in Bild 2 eine so krasse Gegenwelt durch Schauspieler mit recht karikierenden und an die Augsburger Puppenkiste erinnernden Puppenmasken schafft, dass alle staunen. Auch Bild 3 eine Herausforderung! Nächster optischer und Zeitensprung: Das Kloster, in dem Leonora (Michelle Bradley) Schutz finden soll, entpuppt sich als eine amerikanische Falle (Es wird von KuKuxKlan-Mitgliedern betrieben: Nichts mit der großen Freiheit!). In Bild 4 der nutzlose, verlustreiche und im Drogendelirium geführte Vietnamkrieg mit allen Amerikanitäten wie Gogo-Bunnies im knappen Stars-and-Stripes-Stretchbody und wahlloses Erschießen, Foltern, Vergewaltigen von VietnamesInnen.
Tanja Ariane Baumgartner (Preziosilla; rechts stehend)
sowie Chor, Extrachor und Statisterie der Oper Frankfurt

Die lange, einprägsame und herrlich aktualisierte, kontrastreiche und hervorragende Oper, die (lauten) Geister bei der Premiere in Bravo und (wohl den Vietnamkrieg und seine Ausgestaltung meinend) Buh spaltend, bietet einen langen 210-minütigen Abend mit viel Opernerleben, attraktiven und gewichtigen Stimmen.

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