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Montag, 7. Januar 2019

Wie war's bei Lehárs Die lustige Witwe in der Frankfurter Oper?



Hanna Glawari / 20 Millionen von Freiern umkämpft     (c) Barbara Aumüller


Die Lustige Witwe von Franz Lehár wurde nach der Uraufführung 1905 in Wien ein Welterfolg. Diese Operette ließ das Genre wieder zu neuem Leben erwachen. Lehárs Mischung aus lebendiger und dynamischer Musik, verführerischen Szenen, humorvollen  Dialogen, tiefen Emotionen und Tanz kam enorm an. Selbst durch die Nazizeit kam er und seine Frau Sophie als Juden unverfolgt und sogar noch mit Sonderstellung beim Führer. Seine Frau wurde zur Ehrenarierin ernannt. Freunde von ihm mussten ins Konzentrationslager. Sein Librettist Fritz Löhner-Beda wurde 1942 ermordet. Lehár hatte angeblich nichts unternommen, weder bei der Verhaftung noch bei der Deportation.

In Frankfurt wurde durch den Regisseur Claus Guth ein klassischer Kunstgriff in die Operette eingebaut, was dem Ganzen immer dann, wenn es zu kitschig werden droht oder zu viel Eigendynamik oder zu viel Illusion entfacht, den Wind aus den Segeln nimmt.
Inszeniert als Spiel im Spiel ist die eigentliche Operette ein zu verfilmendes Projekt. Damit wird wohl auch auf die berühmte Lubitsch-Verfilmung hingewiesen. Der Regisseur im Spiel ist Njegus (mit Wiener Schmäh und Witz Klaus Haderer), ein Pianist übt mit der Hauptrolle Hanna Glawari (aus doppeltem Können als Schauspielerin und Sängerin schöpfend die anziehende Juanita Lascarro) schwierige Partiturpassagen, ein Kameramann filmt die Szenen, das Scriptgirl springt herum. Der Regisseur verkündet, dass erhebliche Teile der Dialoge gestrichen worden seien und im Hintergrund noch Proben stattfänden. So rückt das Stück und das Geschehen kapitelweise in den Fokus des Betrachters, der das amüsant findet und sich nicht vom Genuss der vielen Lehár-Hits abbringen lässt. Sind doch die Unterbrechungen recht weich gestaltet und gehören tatsächlich dazu, als ob es nie anders gewesen sei.

Was in der Operette passiert blieb gleich, das Vermögen der attraktiven Witwe Hanna Glawari interessiert unzählige Männer. Mal aus vorgeschobenen erotischen und Liebesgründen, mal aus politisch-patriotischen Gründen. Es gilt, 20 Millionen „im Land“ zu halten. Daher wird der nicht minder gut aussehende Graf Danilo auf seine äußerst begehrte Lands"frau" angesetzt. Doch da es sich bei Hanna um Danilos Jugendliebe handelt, die er einst aus Standesgründen verlassen musste, ist es nicht ganz so schwer. Er will darüber hinaus auch nicht in Verdacht geraten, es nur auf Hannas Geld abgesehen zu haben. Sie finden am Ende zusammen, aber in der Realität der Filmarbeiten kennen sich die beiden Darsteller zwar auch sehr gut aus einer früheren Beziehung, finden aber nicht mehr den Weg zueinander: Der Sänger, der den Danilo (Christoph Pohl von der Dresdner Semperoper) spielt, ist dem Alkohol verfallen und die Darstellerin der Hanna der Melancholie. Ein Metronom gibt den Takt auf ihrem Klavier an, als ob die Zeit für die Frau, das frühere Paar und die einmal lodernde Liebe verrinnen würde oder als ob die Zeit entsetzlich langsam verginge, weil alles inhaltsleer geworden zu sein scheint. Ist ihr alles einerlei, ohne Liebe, ohne Höhepunkte im Leben, ohne Chancen bei anderen Männern? Es scheint so und steht im krassen Gegensatz zur gekonnten Darstellung einer begehrten Millionärin. Während auf der Bühne Jubel, Trubel, Flirt und Dating, Techtelmechtel zwischen Valencienne, der Frau des Baron Zeta (der Hauptakteur des Staatserhalts und Förderer der Idee, Hanna durch Heirat an den Staat zu binden, damit der Staatsbankrott abgewiesen werden kann), mit Camille de Rosillon, Tanz, Balkanfolklore und Grissetten-CanCan toben - gerade bei Letzterem kochen die Gemüter über, auch im Zuschauerraum der Oper - herrscht im Innern der Figuren Frust und Leere. Dasselbe beim trinkenden Darsteller des Danilo. Ob der gute Zeta und Kollegen Staatsgelder ins Maxim-Milieu getragen haben ist unklar, der Skandal scheint jedoch durch.

Eine sehr unterhaltsame, spritzige Operette mit modernen Ansätzen von Entertainment, zeitweise fast auch an ein Musical erinnernd, die sehr viele Menschen begeistert hat, Hunderttausende von Aufführungen weltweit erlebte und noch nicht ausgebrannt ist. Claus Guths Regie hat das alles noch einmal verstärkt und ein Evergreen-Potpourri mit spritziger Maxim/Moulin-Rouge-Erotik noch einmal besser genießbar gemacht.