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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Freitag, 5. Oktober 2018

Wie war's bei Dvoraks RUSALKA in der Frankfurter Oper?


Tödliche Schimäre im Naturkundemuseum: Der Prinz
kann seine Geliebte nicht wirklich in Besitz nehmen.
Gerard Schneider als Prinz.(c) Barbara Aumüller

Antonin Dvoraks Oper Rusalka (UA 1901 in Prag) zählt zu den märchenhaft-romantischen Opern, die einen hier in die Welt der UNDINE des romantischen Schriftstellers Friedrich de la Motte Fouqué oder der französischen MELUSINE entführen. In Frankfurt in Wiederaufnahme (Premiere 2013) unter der szenischen Leitung von Dorothea Kirschbaum zu einem letzten Ort der reinen Natur konserviert geschieht so etwas Ähnliches wie in dem Kinofilm "Eine Nacht im Museum". Nicht nur die Elfen treten aus dem musealen Exponat ins wahre Leben und treiben ihren Zauber, die Titelheldin eine bezaubernde Nixe, wunderbar dargestellt und gesungen von Karen Vuong, die unterm Wasserfall lebt, treibt die Liebe aus dem Stillleben im Schaukasten ins wirkliche Leben und ins Verderben.

Die Hexe Jezibaba dominant, gewalttätig und hinterlistig raffiniert Katharina Magiera verpricht ihr die Verwandlung - weg von der Flosse hin zu Beinen - gegen einen hohen Preis, sie verliert ihre Stimme, wenn ihr Geliebter ihr seine Liebe mitteilt, und sie wird für immer zum Leben unter Menschen verdammt sein - wer will das schon, nach allem, was man gehört hat.

Die Verlockung der lebendigen Welt in Person eines verliebten Prinzen (glühend und tief liebend Gerard Schneider) lässt sie ihren natürlichen Lebensraum und ihr eigentliches Wesen vergessen. Die Liebe entfacht in beiden ein verzehrendes Feuer, lässt sie lieben, leiden und sterben. Alle Warnungen vom ebenfalls der Ausstellungswelt der prähistorischen Natur entsprungenen und sie behütenden Wassermann (väterlich bestimmt und wütend Andreas Bauer) ignoriert Rusalka. Sie will als Menschin dem Prinzen begegnen, vergisst aber ihre "kühle Wesensart", die den flammenden Prinzen zwar abkühlt, ihn aber in seiner Liebe gar nicht erreichen kann. Obendrein ist sie bereits stumm geworden. Sie bleibt eben dieser reizende, aber kalte Wasserbewohner, der Feuer erstickt. Die Hochzeit findet nicht mehr statt.

Der Prinz lässt sich dafür von einer fremden Fürstin (Claudia Mahnke) den Kopf verdrehen, erkennt aus dieser Distanz den Wesensunterschied zwischen ihm und Rusalka, aber lässt nicht ab von ihr, sein Feuer ist ein Dauerbrand. Er empfängt den tödlichen Kuss von ihr, vor dem Rusalka ihn dringend warnte, und stirbt in ihren Armen. Die Unglückliche muss als Irrlicht bleiben, wo sie nicht hingehört.

Die Inszenierung von Jim Lucassen rückt das romantische Märchen als ein historisches Exponat in den zeitgenössischen Opernkontext. Die Fülle dieser Wahrnehmungen, Schwärmereien und Gefühlsbetontheit steht der Kargheit des musealen Lebens, dem kühl-nüchternen Betrachter entgegen. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, wird das märchenhaft Emotionale verletzlich. Die Romantik ein kostbares Gut der Geschichte und die Inszenierung eine sehr interessante Annäherung an Rusalka. Diese wird selbst zum Betrachter ihrer selbst, tritt auf die Seite des sprachlos Nüchternen und erlebt die Gefühlsstürme ihres Geliebten als fast Unbeteiligte. Das Musikerleben intensiv, ein Meisterwerk, sehr ansprechend gespielt vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Sebastian Weigle.