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Dichterhain, Bände 1 bis 4

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Dichterhain, Bände 5 bis 8

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Freitag, 13. April 2018

Wie war's in AUS EINEM TOTENHAUS von Leos Janácek in der Frankfurter Oper?


 vorne Gordon Bintner (Alexandr Petrovič Gorjančikov) sowie
im Hintergrund Gal Fefferman (Eine junge Frau) und Ensemble
Gal Fefferman (Eine junge Frau) und
Gordon Bintner (Alexandr Petrovič Gorjančikov) 
Leos Janáceks "Aus einem Totenhaus" in Frankfurt a.M. zeigt einmal mehr, wie krass und brutal Verhaftungen aus fadenscheinigen Gründen einen Unschuldigen mit despotischen, skrupellosen oder schicksalsbehafteten Menschen und Verhältnissen konfrontieren können, die dieser selbst nur in Albträumen oder theoretisch erlebt hat. 

Alexandr Petrovic Gorjancikov (Bassbariton Gordon Bintner, CAN) und eine junge Frau (Gal Fefferman, IN )werden überraschend verhaftet und kommen in ein Strafgefangenenlager. Ursprünglich eine adlige Figur verwandelt Regisseur David Hermann Gorjancikov in einen Journalisten, der zu allen Zeiten gefährdet ist, denn was Despoten und Unterdrücker nicht gebrauchen können sind aufgeklärte Menschen.
Der Transport aus dem Büro in den Gulag eine brutale Verschleppung mit Kapuzen über den Köpfen zu einem unbekannten Ort. Das Leben im Lager ein Ausgeliefertsein an die Willkür vom Kommandanten (Barnaby Rea, Bass, GB), der Gefangenen und einigen dominanteren kriminellen Personen.

Der Text dieser eigenwilligen Oper in drei Akten stammt vom Komponisten, orientiert sich an den Aufzeichnungen aus einem Totenhaus (1862) von Fjodor M. Dostojewski und wurde am 12. April 1930 im Nationaltheater Brünn uraufgeführt. Die Aufzeichnungen Dostojewskis wurden im Jahr der Bauernbefreiung 1861 im zaristischen Reich veröffentlicht und sind mit geprägt durch Dostojewskis zehnjährige Strafe mit Aufenthalt in Sibirien. 1849 zur Todestrafe wegen Mitgliedschaft in einem sozialistischen Kreis verurteilt und begnadigt durfte er 1859 wieder zurückkehren. Janácek hat die Texte fragmentarisiert, sie zu einer Musik mit exponierter Betontheit, schroffen Gegensätzen und einer Art hysterischen Erlebens verändert. Expressionistische Kurz- und Kürzestsätze sind dominant bei ins Schrille weisenden Spannungssteigerungen, die Musik aufdringlich und beeindruckend, unepisch, unromantisch, partiell dissonant und unmelodisch verzerrt mit Fanfarenelementen in der Ouvertüre und einer durchgehaltenen Bedrohlichkeit, die sich durch das Lager und seine Bewohner mitteilt. Unter der Leitung des Dirigenten Tito Ceccherini gewinnt das musikalische Kolorit der Töne, die das Grausame so am besten beschreiben, eine einprägsame Wirkung, die das unfassliche Hereinbrechen des Despotischen treffend einfängt.

 v.l.n.r. Chorist der Oper Frankfurt, Samuel Levine (Der ganz alte Sträfling),
Karen Vuong (Aljeja), Gordon Bintner (Alexandr Petrovič Gorjančikov; liegend)
und Vincent Wolfsteiner (Filka Morozov)
Der Journalist wird grausam misshandelt, mit einem Hammer bricht man ihm die Hände. Er wird gefoltert und mit Handamputation bedroht, die junge Frau/Sekretärin vor seinen Augen belästigt bzw. vergewaltigt, während man ihn eingesperrt hält, sodass weder Eingreifen noch Inschutznahme möglich sind. Mit verbundenen Händen und wenig Kleidung muss er zwischen den Gefangenen herumirren, den Anfeindungen des Kommandanten zuhören. Drei Schicksale von Mördern werden in den Vordergrund gestellt, alles im Grunde nachvollziehbar und dennoch unerhörte Taten. Der peinigende Vorgesetzte, der Herr Major, die durch Zwangsverheiratung geraubte Geliebte und ihr Zukünftiger, die Geliebte, die nicht von einem nun verheirateten Mann lassen kann, sie alle starben durch die Hand der Erzähler, die hassten oder eifersüchtig liebten - Geständnisse im Lager. Für den Krimizuschauer von heute tägliche Kost. Auf dem Weg durch das Lager müssen Räume betreten und verlassen werden, es ist ein Irren in einer Schachtelwelt, in der immer im Hintergrund die bedrohliche Menge der Gefangenen nach vorne und zurück brandet. Am Ende kommt eine überraschende Begnadigung und der Journalist darf in sein Büro zurückkehren. Die junge Frau ist bereits dort, noch gefesselt mit zerrissenen Kleidern. 

Gordon Bintner (Alexandr Petrovič Gorjančikov) sowie
im Hintergrund Gal Fefferman (Eine junge Frau)

Ein Herausreißen aus dem Leben, Hineinwerfen in einen Meltingpot aus Banditen, Mördern, Dieben und anderen Kriminellen und Rückkehr mit einem tiefen Trauma, wie es hunderttausendfach in allen Staaten der Welt vorkommt. Eine Opernmetapher für Kriminalisierung und Unterdrückung von freidenkenden Menschen.