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Mittwoch, 21. Dezember 2016

Staat I - IV ein Projekt von Rimini Protokoll (2016-2018)

(c) Rimini Protokoll

(HKW Berlin) Welche Akteure und Netzwerke gewinnen in der Postdemokratie an Einfluss? Wer besetzt die Lücken, die in den einst von den drei Staatsgewalten regulierten Sphären aufscheinen? Exemplarisch untersucht das Autoren-Regie-Kollektiv Rimini Protokoll Phänomene der Postdemokratie in vier Theaterproduktionen.
Die Demokratie steckt in der Krise: Zwar haben Bürgerbeteiligungen in politischen Entscheidungsprozessen zugenommen und die politischen Gremien werden ordentlich gewählt. Doch handeln die Repräsentant*innen, die politischen Akteur*innen und Institutionen im Sinne des Gemeinwohls? Oder erhärten sich die Befürchtungen, dass PR-Strateg*innen und privat finanzierte Beratungs- und Anwaltsteams die Geschicke zur Steuerung einer immer globaler agierenden Gesellschaft den Händen der Politiker*innen entreißen? Und warum entscheiden sich Letztere immer kurzfristiger und unter größerem Handlungsdruck für die vermeintlich einzige Lösung? Besteht der Staat in seiner neoliberalen Ausprägung nur noch aus formellen, aber schwachen Hülsen, nur noch aus Überbleibseln der Moderne, während essentielle Entscheidungen von Interessensverbänden und Unternehmen beeinflusst werden, die jeder rechtsstaatlichen Kontrolle durch die Hintertür ihrer internationalen Firmennetzwerke entwischen?
Mit der Serie Staat 1–4 begibt sich Rimini Protokoll auf eine Recherche in die Felder außerhalb dessen, was heute vom Nationalstaat organisiert und kontrolliert werden kann. Rimini Protokoll schaut zurück auf das Wesen der Gewalten, deren Teilung einmal die wesentlichen Mechanismen zur Kontrolle des staatlichen Gefüges strukturieren sollte. Inwieweit sind diese Gewalten noch in der Lage, die entscheidenden Impulse zur Veränderung, denen die Gesellschaften ausgesetzt sind, zu regulieren?
Top Secret International (Staat 1), koproduziert vom Goethe-Institut, hat am 10. Dezember 2016 an den Münchner Kammerspielen Premiere. Am 5. Januar 2017 folgt die US-Premiere in New York im Rahmen des Under the Radar Festivals am Public Theater. Am 12. Mai 2017 folgen Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2) im Düsseldorfer Schauspielhaus, Träumende Kollektive (Staat 3) (AT) im Herbst 2017 am Staatsschauspiel Dresden und Weltzustand Davos (Staat 4) (AT) im Januar 2018 am Schauspielhaus Zürich. 
Alle vier Produktionen der im Auftrag des HKW entstandenen Reihe werden im Frühjahr 2018 im Haus der Kulturen der Welt zu sehen sein.